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„Laflen Sie doch das dumme Zeug!“ sagte sie etwas
ernster. Sie stand vor ihrem Sessel am ovalen Tisch,
Felix dicht neben ihr. Sie wehrte ihm nicht, als er
seinen Arm gemütlich um ihre schlanke Taille legte und
sie sanft an sich zog. Sie blickte zu ihm auf und flüsterte:
„Ich wollte Sie eigentlich schon lange etwas fragen,
aber Sie dürfen's mir auf keinen Fall übelnehmen.“
„Was denn?“
„Sind Sie ganz ficher, daß Sie der Gräfin Valerie
gegenüber...“, sie stockte einen Augenblich „znie so
etwas gesagt haben wie vorhin zu mir?“
„Wie denn?Über französische Tiraden?“
„Nein! Über mich und ihren Bruder.“
„Rudi?“ Helene nickte. „Aber wie können Sie so
etwas denken,“ sagte Felix aufrichtig vorwurfsvoll.
„Als Sie eben von ungewollter Indiskretion sprachen,
flog's mir so durch den Kopf, daß Sie am Ende unab—
fichtlich eine unvorsichtige Bemerkung!..“ wd
„Nie im Leben!“ fiel Felix energisch ein.
„Ich hätte Ihnen ja auch nie so etwas zugetraut
Aber die Gräfin macht manchmal so sonderbare Be—
merkungen, als ob sie von mir Gott weiß was dächte.“
„Das wird wöhl auch der Fall sein. Sie hat ja
eigentlich auch kaum etwas anderes zu tun, als von
den Menschen Gott weiß was zu denken. In ihrer
kurzen Ehe hat sie sich gelangweilt und langweilt sich
als junge Witwe weiter. Sie liest Romane, spielt
Chopin, häkelt Decken für arme Leute, macht Kon—
fitüren ein und raucht wie ein Türke. Das füllt ein
Leben doch nicht ganz aus. Deshalb hört sie auch ganz