Creator:
Petranek, Adolf
Publication:
Berlin: Luckhardt, 1887
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14540723
Path:

6
Kaiser Ludwig aus dem Hause der Karolinger begannen die ersten
Strahlen des Christentums in Böhmen zu leuchten. Ludwig hielt sich
viel in Regensburg auf. Hier war es nun, wie fränkische Chronisten
erzählen, wo vierzehn vornehme Männer vom Volke der Böhmen im
Jahre 845 sich taufen ließen. Sie brachten das Evangelium nach
Böhmen, gewannen aber nur wenige Anhänger. Unter den eigent
lichen Böhmen selbst öffnete erst die von Methodius an dem Herzog
Borziwoy vollzogene Taufe dem Christentum die Thür. Die Veran-
laffung gab die Schwester des Bulgarenkönigs Bogaris, die in einem
Kriege von dem griechischen Kaiser gefangen nach Konstantinopel ge
bracht, daselbst in den Lehren des Christentums unterrichtet und getauft
wurde. In ihre Heimat zurückgekehrt, gewann sie ihren Bruder für
Christus, schrieb nach Konstantinopel und bat um christliche Lehrer,
worauf die beiden oben erwähnten Missionare Cyrillus und Methodius
geschickt wurden, die im Jahre 861 den Bogaris und viele seiner
Unterthanen bekehrten und tauften.
Kein Wunder also, wenn das Christentum auch in den andern
slavischen Ländern schnellen Eingang fand. In Mähren, wo bereits
durch deutsche Missionare von Passau aus die Bekehrung versucht
worden war, aber wegen der Abneigung des Volksstammes gegen
deutsches Wesen das Werk nicht von statten ging, faßte der Herzog
Rastislav den Entschluß, die Christianisirung seiner Länder von Kon
stantinopel aus vollenden zu lasten. Kaiser Michael III. sandte ihm
das Brüderpaar Cyrillus und Methodius, und bald erfreuten sich
Herrscher und Volk der Segnungen des Evangeliums. Auch Swatopluk,
ein Neffe des Herzogs Rastislav, wurde zum Christentum bekehrt.
Wahrscheinlich im Jahre 871 kam Borziwoy mit seiner Gemahlin
Ludmilla nach Olmütz an den Hof Swatopluks, um sich dort von
Methodius taufen zu lasten. Hierdurch wurde Böhmen für die christ
liche Kirche gewonnen.*) Der bekehrte Herzog wirkte rastlos für die
Weiterausbreitung des Christentums. Indes der Gekreuzigte wollte
nicht, daß diese Erleuchtung ganz ohne Kreuz bleibe. Wie er selbst
durch sein Blut die Kirche gegründet hatte, so ließ er es auch zu,
daß durch das Blut der Märtyrer eine reichere Saat aufgehe; denn
es ist im Rat der göttlichen Weisheit beschlossen, daß wir nicht um
des irdischen Lebens willen auf Christum hoffen sollen. Der Herr
*) Vgl. Czerwenka, Geschichte der ev. Kirche in Böhmen. Bd. I.
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