Creator:
Knorr, Emil
Publication:
Berlin: Decker, 1887
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14536497
Path:

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Anzahl fremder, mit jenen aus Leipzig signalisirten Studenten identischer
Agitatoren, zum überwiegendsten Theil Polen und von diesen engagirte oder
doch mit ihnen in Verbindung stehende sonstige Ausländer*), sowie eine
Versammlung demokratischer Rädelsführer im Hofjäger. Ob und in welcher
Beziehung Beides miteinander stand, ist zwar nicht festzustellen, ein Zu
sammenhang indeß anzunehmen.
Am 17. März bot Berlin das Bild vollkommener Ruhe und Ord
nung dar. Das alltägliche Leben schien in Nichts verändert, Alles in seine
gewöhnlichen Geleise zurückgekehrt zu sein. Aber dies schien in der That
nur so. Die in der Stadt herrschende Stille war die dem brausenden
Orkane vorangehende, unheimliche Gewitterschwüle. Je größer die Ab
spannung, welche sich der Bevölkerung bemächtigt zu haben schien, desto
rastloser die Agitation der Revolutions-Regisseure und deren Trabanten.
Angerstein selbst, und er ist der Demokratie doch gewiß ein vollgültiger,
einwandsfreier Zeuge, charakterisirt das systematische Wühlen ganz vor
trefflich, indem er schreibt:**) „Die gewöhnliche geschäftliche Thätigkeit schien
zurückgekehrt zu sein; der Fremde hätte schwerlich etwas Ungewöhnliches an
der Residenz erkennen können.
Von Haus zu Haus aber wurde das Gerücht getragen, daß überall in
den Hauptstädten der Provinzen der Aufstand ausgebrochen und daß am
Nachmittage dieses Tages eine Deputation des Geineinderaths der Stadt
Köln an den König angekommen sei, welche bestimmte Forderungen
und die Drohung mit dem Abfall der Rheinlande von Preußen
brächte. Es sollte noch einmal ein Ausschuß der Stadtverordneten zu
dem Könige gehen und ihn um Gewährung der Volkswünsche bitten,
- während die auf dem Schloßplätze versammelte Bürgerschaft die Antwort
erwarten wollte."
Die von Seiten der revolutionären Agitatoren beobachtete Taktik war
eine schlaue. Mit dem Pöbel fühlten sie sich eins. Sie gehörten ja selbst
zum Pöbel; wenn vielleicht auch der Mehrzahl nach zum Pöbel im Frack,
so doch zum Pöbel. Daß das Proletariat zu ihnen stehe, wußten sie also,
nicht minder aber, daß mit diesem wohl eine Emeute, aber keine Revolution
zu machen sei. Dazu bedurften sie der Betheiligung des Bürgerstandes.
Dieser mußte mithin nach Möglichkeit gewonnen werden. Seine Verwicke
lung in die Intrigue ist in ihrer Art ein kleines Meisterstück zu nennen.
*) Es ist von Seiten der Demokratie stets bestritten worden und wird noch be
stritten, daß an der Pöbelemeute des 18./19. März 1848 fremde, von Auswärts zu
Agitationszwecken nach Berlin gekommene Elemente betheiligt gewesen seien. Abgesehen von
sonstigen Quellenbeweisen, giebt selbst Angerstein dies zu, wenn er (Bergt. a. a. O-, S. 50)
schreibt: „Mit gleicher Kaltblütigkeit und Kühnheit .... fochten eine Anzahl Männer vor
der Hausvoigtei. Hervorragend betheiligten sich dabei vier Leute in Tyrolertracht, die mit
ihren Büchsen unausgesetzt ein lebhaftes Feuer unterhielten. Sie waren im Uebrigen un
bekannt, und es läßt sich annehmen, daß es Fremde gewesen, denn nach dem Kampfe ist
nichts mehr von denselben gehört worden."
**) Vergl. Angerstein, a. a. O., S. 26.
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