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III. 10. Die drei letzten Prediger böhmischer Abkunft

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi theures Blut, das; 
ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut." 
Es war am 21 Juli 1827, an einem Sonnabende, Nach 
mittags 3 Uhr, da merkte man, daß des theuren Simeons 
Ende wohl vorhanden sei. Freunde und Angehörige standen um 
das friedliche Sterbelager. Der Sterbende tröstete die Weinenden 
über seinen Heimgang, er genoß bereits den Vorsabbath. Man 
stimmte ganz sanft das Lied an, das ihm im Leben gar lieb 
gewesen und das er selber ani Sterbelager seiner heimeilenden 
Gattin gesungen hatte, das kostbare Lied: „O Haupt, voll Blut 
und Wunden." Noch sang er bei vollem Bewußtsein die un 
vergleichlichen Verse mit: 
„Wenn ich einmal soll scheiden, 
So scheide nicht von mir, 
Wenn ich den Tod soll leiden, 
So tritt Du dann herfiir. 
Wenn mir am allerbängsten 
Wird um das Herze sein, 
So reiß mich aus den Aengsten 
Kraft Deiner Angst und Pein. 
Erscheine mir zum Schilde, 
Zum Trost in meinem Tod 
Und laß mich sehn Dein Bilde 
In Deiner Kreuzesnoth. 
Als es aber bis zu den Worten kam: „Da will ich nach Dir blicken, 
da will ich glaubensvoll," fingen seine zum Himmel gerichteten 
Augen an zu brechen, sein Mund schloß sich, und als es hieß: 
„Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl," 
da war er daheim bei seinem HErrn Christo in jener ewigen 
Ruhe, die noch vorhanden ist dem Volke GOttes." 
Seine Pilgerfahrt durch diese Welt hatte r 79 Jahre und 
15 Tage gewährt. 
Am Nachmittag des 24. Juli — es war an einem Dienstag 
konnte man die Menschenmenge nicht übersehen, die sich beim 
Pfarrhanse der böhmischen Gemeinde in der Wilhelmstraße ge 
sammelt hatte. Es galt der letzten Ehre, die man,dem früher
	        
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