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III. 4. Die ersten Gottesdienste der Böhmen in Berlin

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

geführt worden. Tie Versuche des Königs von Preußen, seine 
Befreiung zu erwirken, blieben ohne Erfolg. Ein anderer Geist 
licher, der in böhmischer Sprache predigen konnte, war nicht 
vorhanden. Einer deutschen Predigt zu folgen, waren die 
Böhmen bei der geringen Kenntniß der deutschen Sprache meist 
nicht im Stande. Immer dringender wurde das Bedürfniß nach 
geordneter Pflege ihrer unsterblichen Seelen. In solcher Noth 
behalfen sie sich zunächst damit, daß sie einige Brüder, die das 
meiste Vertrauen genossen, zu Aeltesten erwählten, unter deren 
Leitung sie sich alle Tage des Morgens und Abends in einem 
vom Postmeister Borchwardt ihnen zur Versiigung gestellten 
Hanse in der Kochstraße zum Gebet versammelten.*) Taufen 
und Trauungen verrichtete meist Herr D. Jablonski, der 
polnisch verstand. Das heilige Abendmahl haben die, welche 
nicht deutsch verstanden, aussetzen müssen, weshalb sie sehr nach 
einem ordentlichen Prediger seufzten. 
Die Berufung eines Predigers für die Böhmen stellte sich 
immer mehr als unabweisbares Bedürfniß heraus. Da war eS 
wieder der König Friedrich Wilhelm I., welcher auch diesem 
Bedürfniß auf die beste und zugleich rücksichtsvollste Weise Abhülfe 
schaffte. Der böhmisch redenden Gemeinde wurde ein böhmisch 
redender Seelsorger, ein Mann nach ihrem Herzen gegeben. Der 
erste Prediger der böhmischen Gemeinde in Berlin war An 
dreas Macher, ein Oberschlesier, der sich zur Zeit in Cottbus 
bei der Schule befand, gut deutsch und böhmisch sprach und schon 
den meisten der Berliner Böhmen bekannt und bei ihnen beliebt 
lvar. Derselbe hielt am 12. September 1735 in der Petrikirche 
seine Probepredigt über Psalm 50, 15. Am 27. September 
d. I. wurde er für die böhmische Gemeinde berufen und dann 
als Prediger derselben angestellt. 
Einen Prediger hatten die Böhnien nun; bei dem noch 
immer andauernden Zuzug nahm aber ihre Gemeinde derartig 
an Mitgliederzahl zu, daß der Saal in der Kochstraße sich bald 
als unzureichend erwies, und neue Schwierigkeiten entstanden. 
*) Das Grundstück als solches ist längst verschwunden; es lag dort, 
>vo heute die Charlottenstraße von der Kochstraße bis nach der Bessel- 
straße verlängert ist, die letzten Besitzer waren die Ranzleben'schen Erben.
	        
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