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III. 3. Die Aufnahme der Böhmen in Berlin

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

ließ nichts von sich hören und die Auskunft, welche ihm über die 
Böhmen gebracht wurde, war nur dazu angethan, seine Theil 
nahme für dieselbe zu erhöhen. Sie wurden ihm als gotteS- 
fürchtige, nüchterne und friedliebende Leute und als fleißige 
Arbeiter geschildert, die in höchst dürftigen Verhältnissen lebten 
und wegen Obdach häufig in Verlegenheit waren. Jetzt zögerte 
der König nicht länger, ihnen offen seine Theilnahme zu zeigen, 
und ihnen zu helfen. Er beauftragte den Geheimen Finanz- 
Kriegs- und Domainen-Rath v. Herold mit der Ueberwachung 
und Verwaltung aller die Böhmen betreffenden Angelegenheiten 
und befahl ihm, dafür zu sorgen, daß Listen angefertigt und 
monatlich eingereicht würden, ans denen die Anzahl der Ein 
gewanderten und neu Hinzukommenden nach Familien, einzeln 
stehenden Wittven und ledigen Personen beiderlei Geschlechts ge 
ordnet, ersehen werden könnte. Diese Listen hatten außerdem 
den Zweck, diejenigen Beträge genau festzustellen, welche deic 
Einwanderern als Reise- und Transport-Kosten ausgezählt werden 
sollten, denn auch das hatte der edle Fürst beschlossen, und außer 
dem angeordnet, daß ihnen zur Betreibung ihres Gewerbes ein 
angemessener Vorschuß gewährt, ihnen zwei Jahre lang Mieths- 
gelder (Wohnungszuschüsse) gezahlt, auf fünf Jahre die Steuern 
erlassen und ihnen freies Bürger- und Meisterrecht gewährt 
würde. Und als von solchem Wohlwollen gelockt, immer mehr 
Exulanten Zuflucht in Berlin suchten, ließ ihnen der König auch 
Bauplätze in der Friedrichstadt anweisen und Häuser auf seine 
Kosten darauf bauen. Eine ganze Straße, die Wilhelmstraße, 
wurde mit böhmischen Familien besetzt und die, welche um des 
Evangeliums willen Hab und Gut, Haus und Hof, Vaterland 
und Freundschaft drangegeben hatten, empfingen es, wie der HErr 
den Seinen (Luc. 28, 29 n. 30) verheißen, vielfältig wieder. 
Die ersten Häuser scheinen durchweg nach einem Styl gebaut 
gewesen z» sei» und sich auch äußerlich durch nichts unterschieden 
zu haben. Es geht dies aus einer Cabinetsordre des Königs 
an den Obersten v. Derschow vom Sydow'schen Regiment, dd. 
Potsdam, den 3. Marth 1737 hervor, welche lautet: 
„Mein lieber Oberster v. Derschow, Ihr werdet aus der 
abschriftlichen Anlage mit mehreren ersehen, was der Geheime
	        
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