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III. 2. Die Böhmen auf der Reise nach Berlin

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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sie nicht ganz ohne Hülse; denn nachdem sie wiederum eine Nacht 
im Walde zugebracht hatten, ivnrden sie von der Lübbener Be 
hörde in die umliegenden Ortschaften vertheilt. Dort fanden sie 
wenigstens vor den Unbilden der Witterung Schutz und machten 
sich durch kleine Hülfleistungen nützlich. Dagegen kamen zwei 
Brüder, die sie von hier aus nach Potsdam gesandt, um den 
König über ihre Lage zu berichten und ihn um Aufnahme zu 
bitten, mit traurigen Nachrichten zurück. Der König hatte sich 
von ihnen nicht sprechen lassen, ihnen vielmehr durch den Pre 
diger Schubert zu erkennen gegeben, daß er nichts von ihnen 
wissen wolle und sehr erzürnt über sie sei. Ihr ganzes Auftreten 
veranlaßte indessen den Lübbener Magistrat, sie in Bezug ans 
ihre religiöse Gesinnung einer genaueren Prüfung zu unterziehen. 
Dieselbe ergab mit voller Klarheit, daß man es hier mit ordent 
lichen und ehrlichen Leuten zu thun hätte, die Hab und Gut ge 
opfert und im Stich gelassen hatten, um ihre Gewissen nicht zu 
beschweren. Das Ober-Amt stellte ihnen unterm 14. November 
ein gleiches Zeugniß aus, wie vorher die Behörde in Görlitz. 
Ungleich charakteristischer und erschöpfender war jedoch das Zeugniß, 
welches ihnen der Archidiakvnns Johann Christian Rungius, 
der sie geprüft hatte, ans den Weg gab und welches werth ist, 
der Vergessenheit entrissen zu werden. Cs lautet wörtlich: 
Demnach am Verwichenen 27. October einige Leute alhir 
ankamen, welche ans Böhmen wegen der Religion entwichen und 
sich meistentheils schon etliche Jahr in der Ober-Lausitz aufge 
halten, als; habe dieselben auf hohen Befehl examiniren müssen, 
zu was vor einer Religion sie sich Bekennen, und wie weit sie 
in ihrem Christenthum gekommen, betzeuge demnach hiermit, 
daß dieselben sich zu der Evangelischen Lutherischen 
Lehre bekennen und dabei zu Leben und zu sterben Versprechen, 
auch aus Luther! Catechismo nach allen Haubtstücken, solche 
antwort gegeben, daß man nicht allein daraus schließen könne, 
daß sie guten Grund in ihrem Christenthum geleget, sondern 
auch nichts Widriges aus ihrer Antwort abgenommen, so haben 
sie sich auch Zeit ihres Hierseins wohl und Christlich aufgeführet,
	        
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