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II. 1. Gründung der christlichen Kirche in Böhmen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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gesendet wurden, die den Bogaris und viele seiner Unterthanen 
bekehrten und tauften. 860 brachten diese zwei Bischöfe auch 
den König von Mähren, Swatoplnk, zur Annahme des Christen 
thums; sie sammelten durch ihre Predigten bald christliche Ge 
meinden und bauten Kirchen. 894 besuchte der böhmische König 
Borzywohus den Swatoplnk in Mähren, hörte von Christo 
und sah die schönen Gottesdienste, die solche Eindrücke auf ihn 
machten, daß er sich mit 30 Woywoden aus seiner Begleitung 
taufen ließ, freudig zurückkehrte und seiner Gemahlin Ludo- 
milla alles erzählte, was er in Mähren gesehen und erfahren 
hatte. Diese, durch seine Erzählungen, sowie durch das gesalbte 
Zeugniß des Methodius (Strachota genannt), den Borzy- 
woyns mitgebracht hatte, ergriffen, ließ sich auch taufen und 
ergab sich Christo von ganzem Herzen. Biele Böhmen warfen 
nun ihren Götzen, Korsina, weg, ließen sich taufen und bauten 
Kirchen und Schulen. Cyrillus und Methodius erfanden 
eine Buchstabenschrift für die Landessprache, übersetzten die Bibel 
und Liturgie in dieselbe und hielten auch den Gottesdienst in der 
Volkssprache nach den Gebräuchen der griechischen Kirche. 
Allein cs waren noch Heiden im Lande, die sich gegen das 
Christenthum empörten, den Borzywohus ans dem Lande jagten 
und die Ludomilla, auf Anstiften ihrer eignen Schwiegertochter 
Drahomira, einer verkappten Heidin, erwürgten, da sie eben 
in ihrer Kapelle ihr Abendgebet verrichtete. Diese grausame 
Drahomira ließ sogar ihren eigenen christlichen Sohn Wen- 
zeslans, da er sich eben, die Gefahr ahnend, in die Kirche be 
geben hatte, um die Nacht im Gebete zu verharren, durch ihren 
Sohn, seinen Bruder, ermorden. Der Brudermörder wurde nun 
Beherrscher von Böhmen, verfolgte die Christen, zerstörte die 
Kirchen, zerstreuete die Gemeinden, ließ viele Vornehme hin 
richten, ja, er und seine Mutter würden das Christenthum wie 
derum ans Böhmen vertilgt haben, wenn der Kaiser Otto I. ihn 
und sein Land nicht unterjocht und den christlichen Gottesdienst 
wieder hergestellt hätte. 
Allein bald hatten die Böhmen wieder mit einem andern 
Feinde zu kämpfen, der ihnen Jahrhunderte zu schaffen machte. 
Die römischen Päpste, besonders Gregor VII., suchten mit
	        
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