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II. 14. Auswanderungen nach Sachsen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

Kopetzky aber verließ alles, nahm Weib und Kinder »nd ging 
noch bei der Nacht nach Zittau. 
Was mich betrifft, schreibt Wenzel Tofchowsky, und 
meinen Ausgang aus Böhmen, so hatte ich von meinem Vater 
evangelische Bücher, ich verstand sie aber nicht. Da schickte mir 
Gott einen erleuchteten Mann, der mich die Wahrheit kennen 
lehrte; wir gingen in den Wald des Nachts, lasen beim Feuer 
Gottes Wort und erbauten uns. Ansangs waren wir noch grau 
sam blind, aber der gute Gott half uns, das; wir immer mehr 
überzeugt wurden, daß bei den großen Irrthümern der römischen 
Kirche kein Heil ist, und faßten daher den Entschluß, auszu 
wandern. Dies merkte der Teufel gar bald, so vorsichtig wir 
waren; daher kam der Pfaff mit dem Richter und Gerichtsdiener. 
Die fingen den Johann Schlipp, drohten ihm und schlugen 
ihn an einen Klotz, dann schickten sie nach mir und schlugen mich 
auch an den Klotz. Dann schickten sie einen andern Pfaffen 
über uns, der (nach mancherlei Fragen) sagte: Nun sehe ich 
schon, daß ihr Lutheraner seid; denn das leuchtet euch ans den 
Augen. Wir sollten nun sagen, ob wir die Bibel hätten und 
ob wir nichts von andern wüßten. Wir wurden nun in ein 
stinkendes Loch gesteckt und nach drei Wochen endlich aus Bürg 
schaft losgelassen. Man hat damals viele Gläubige in solche 
Gefängnisse gesteckt, wo die Henker ihre Hunde mit Aas fütterten, 
und wo der Gestank so unausstehlich war, daß viele krank wurden. 
Alles dieses stifteten die Jesuiten an. 
W. Lonsky wurde an Händen und Füßen mit Ketten ge 
bunden und mittelst eines Halsringes an die Mauer geschmiedet, 
so daß er sich weder die Nase reinigen, noch das Ungeziefer, 
das ihm in Nase und Angen kroch, abwehren konnte, und das 
anderthalb Jahre lang. Dreimal wurde er öffentlich auf dem 
Marktplatze beim Pranger mit Ruthen gezüchtigt. Die Frau 
des Kerkermeisters gönnte ihm kein frisches Wasser, sondern sie 
reichte ihm immer stinkendes Wasser zu trinken und spuckte ihm, 
so oft sie zu ihm kam, ins Gesicht mit den Worten: Tn werft—- 
Hund! 
Mehrere mußten solche harte Arbeiten verrichten, daß sie 
bald darauf starben.'
	        
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