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II. 14. Auswanderungen nach Sachsen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

unter die Kniee thun; sic aber steckten durch die Kniee und den 
Ellenbogen einen Prügel, und zwei Männer mußten mit dicken 
Ochsenziemern zuschlagen, bis die Haut entzweisprang, indem jeder 
120 Streiche bekam. Darauf wurden sie an einen Klotz ge 
schlossen. Nach einiger Zeit schickte der Graf v. Trantmans- 
dorf wieder den Jesuiten und seine Bedienten, und ließ sie noch 
mehr schlagen als vorher, so daß Henid und Haut ganz zer 
schlagen und alles unter einander vermischt war. Einer Weibs 
person schlugen sie nicht nur den Rücken, sondern peitschten sogar 
ihre Brüste wund und in Stücken, dieselbe entkam aber nachher 
durch Gottes Hilfe und entfloh nach Ungarn. Endlich lvurde 
Letochleb mit mehreren andern znm dritten Mal auf solche un- 
nienschliche Weise behandelt und geprügelt, daß das ganze Hemd 
zerschlagen war. Als er einmal nach einer solchen Exemtion 
halb todt dalag, sprach ein Offieicr zu ihm: Warum lässest du 
dich so martern? werde katholisch; ich weiß daß der türkische 
Glaube falsch ist; jedoch ehe ich mich so peinigen ließe, würde 
ich lieber ein Türke. Wenn er rief: O Herr Gott, verlaß mich 
nicht! lachten und spoteten sic. Darauf schlossen sie ihn wieder 
an einen Klotz, mit Schellen an den Händen und Eisen an den 
Füßen steckten sie ihn in ein sieben Ellen tiefes Loch, und ließen 
ihn da 7 Tage und Nächte schmachten. Sieben Männer spannten 
sie in den Pflug, pflügten mit ihnen und trieben mit ihnen das 
Allerschlimmste, was sie nur konnten. Sie marterten sie so lange, 
bis sie bekannten, was nian wollte. Taun schickten sic sie nach 
Prag unter die Soldaten, wo einige entgingen, andere sich los 
kauften. Sommerbrod kaufte sich auch seinen Abschied, nahm 
Weib und Kinder und ging nach Sachsen. 
Im Jahre 1722 wurde zu Germien (Graf Lessels Herr 
schaft) Einer gezwungen, öffentlich vor der vollen Kirche zu 
schwören, daß er allen ketzerischen Büchern absage, und daß die 
päpstliche Lehre und der katholische Gottesdienst recht wären, es 
sei in der Bibel begründet oder nicht, z. B. die Fürbitte der 
Heiligen, das Fegefeuer, die Seelenmessen rc. Der Schwur war 
dieser: „Ich Matthes . . . schwöre . . . verfluche und verdamme 
die ketzerischen Bücher und Lehren . . . und wenn ich anders
	        
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