Path:
II. 14. Auswanderungen nach Sachsen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

50 
die Bibel. Er zeigte sie dem Grafen, der da sagte, es wäre 
ein gutes Buch. Sie waren aber dennoch nicht zufrieden, sondern 
verlangten noch mehr Bücher, worüber er große Angst fühlte, 
iveil sie ihn um alles Wort Gottes bringen wollten. Er wollte 
daher nichts sagen, Allein sie ließen nicht eher ab,- ihn zu 
schlagen, bis er ihnen alle Bücher anzeigte, die er besaß. Das 
Traurigste aber war, daß er darauf Dinge thun mußte, die 
gegen sein Gewissen waren. 
Ter Dekan in Ossika ließ 1721 mehrere Männer und 
Weiber gefangen nehmen, unter welchen auch die Schwester des 
oben genannten Soukop war. Zuerst wurden Hussens Bücher 
verlangt und gesucht, und sie so lange geschlagen, bis sie es be 
kannten; dann sollten sie gestehen, daß sie von einem evangelischen 
Prediger heimlich das Abendmahl empfangen hätten, welches 
doch nicht geschehen ist. Daraus mußten sie sich nackend aus 
ziehen und wurden von zwei Kerls so lange geschlagen, bis sie 
es bekannten. Selbst Sonkops Schwester wurden die Kleider 
bis aufs Hemd vom Leibe gerissen und sie von den zwei Kerls 
so jämmerlich geschlagen, daß sie eS nicht mehr aushalten konnte 
und sagte, was sie nur wollten. Nun wurde ihr Bruder vom 
Geistlichen vorgefordert; er entkam aber und blieb 2 Wochen 
auf freiem Felde. Man suchte, fand ihn und versprach ihm, es 
werde ihm nichts Uebels begegnen, er sollte nur kommen. Er 
wurde zum Richter geführt, wo schon Leute bestellt waren, die 
ihn nach Litvmißl zum Hauptmann führen mußten, wo der 
Jesuit Mnska heftig aus ihn eindrang, er sollte gestehen, daß er 
beim lutherischen Abendmahl gewesen. Er war aber nicht dabei. 
Nun marterten und schlugen sie andere, daß sie cs sagen sollten. 
Tie waren aber auch nicht dabei imb konnten also auch nichts 
sagen. Sie schlugen aber dennoch auf sie zu, bis sie vor großem 
Schmerz bekannten, was man von ihnen verlangte. Darauf 
nahmen sie Soukop wieder vor, und banden seine Hände mit 
Stricken so fest zusammen, daß sie mit Blut unterlaufen waren. 
Er bat sie um Gvtteswillen, sie sollten ihn nicht so plage», er 
wäre nicht dabei gewesen. Aber da war keine Barmherzigkeit, 
sondern der Jesuit und Hauptmann ließen ihn bis aufs Hemd 
ausziehen, und neuerdings schlagen. Und dies wurde öfters
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.