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II. 14. Auswanderungen nach Sachsen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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Gefängniß bringen; sie aber wandten sich zu Gott, und der half 
ihnen in der Noth, da man sie schon am Morgen wegbringen wollte. 
Sabina Wagnerin, aus Königgrätzer Herrschaft, erzählt, 
daß sie 1712 mit ihrem Manne durch evangelische Bücher die 
Falschheit der Lehre und Gebräuche der römischen Kirche, und 
durch die Bibel endlich die Wahrheit erkennen gelernt habe. Sie 
hatten ein großes Verlangen, mit Evangelischen Umgang und 
Gemeinschaft zu haben, allein wegen der großen Furcht vor der 
Strafe, die darauf gelegt war, konnten sie nicht dazu kommen. 
Daher haben sie sich 12 Jahre lang ganz heimlich in Gottes 
Wort geübt und ihre Kinder dazu angeleitet. Nach dem Tode 
des Mannes 1728 kam der Schwiegersohn aus Sachsen, wo er 
einen evangelischen Prediger gehört hatte, und erzählte ihnen, 
was er da gehört, tote man Gottes Wort anwenden, allezeit in 
und vor Gott wandeln solle. Dadurch wurden sie fleißiger iin 
Gebet und Lesen, und gestärkt im Glauben, daß sie sich vor 
dem Drohen der Menschen nicht fürchteten. Es kamen auch 
einige Freunde zur Erkenntniß, dadurch wurde 1730 die Sache 
offenbar und angezeigt; sie wurden vorgefordert, waren aber 
noch so schwach, daß sie verleugneten. Worauf die Mutter mit 
ihren Kindern, in ihrem Gewissen beschweret, den Entschluß 
faßte, Hab und Gut zu verlassen. Es fiel ihnen freilich schwer, 
mit leerer Hand davon zu gehen; daher überlegten sie, wie sic 
etwas davonbringen könnten; indessen wurden sie von einem 
falschen Freunde verrathen. Sie >vurde gefordert und hart 
bedroht; sie aber ließ ihre Pferde anspannen, nahm etwas Betten 
und fuhr davon. Haus, Hab und Gut, Gärten, Felder, Vieh 
und Schafe blieben zurück. Sie >varen kaum 9 Meilen weit, 
so holte man sie ein, band sie und fiihrte sie, unter viel Spott 
und Lästerung der Leute, zurück ins Gefängniß, nahm ihnen 
alles weg, und nachdem sic zwölf Wochen gesessen und viel hin 
und hergeschleppt, viel geplagt worden war, wurden sie auf 
das Versprechen hin, nicht davon zu gehen, losgelassen. Sie 
konnten aber doch nicht wider ihr Gewissen länger bleiben, ließen 
alles zuriick und wanderten 1732 aus.*) 
*; Die Akten enthalten u. A. ein Verzeichniß, ivelches die Wittwe 
Sabina Wagner, bezüglich ihres in Böhmen zurückgelassenen Ber-
	        
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