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II. 12. Verbannung aller Evangelischen aus Böhmen

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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Felde, unter Heulen und Weinen aller Anwesenden, daß es weit 
und breit gehört wurde, eine Abschiedspredigt hielten. 
Der Reformations-Commissar Michna ritt mit einem Haufen 
Reiter von Stadt zu Stadt, drang in die Kirchen ein und 
schlug z. B. dem Dechant Kaupilius zu Slany die Bibel, als 
er gerade das Evangelium las, mit bloßem Degen aus der 
Hand und hieß ihn schweigen, und da dieser den Herrn Jesum 
anrief, spottete er über Jesum und sagte: Wir haben den Kaiser 
zu unserm Herrn. Das erschrockene Volk weinte laut und bat 
für ihren Lehrer; aber er wurde verbannt und starb im Elend. 
Kurz vor seinem Tode träumte er: als läse er in einem Büchlein 
mit goldenen Buchstaben: Justum est, ut justi mactentnr et 
tandem coronentur, d. i. Es ist billig, daß die Gerechten getvdtet 
und darnach gekrönt werden. Statt der vertriebenen frommen 
Prediger wurden die allerverruchtesten Pfaffen angestellt, so daß 
es schändlich zu erzählen ist. Man berief, weil es ans einmal 
an so vielen nöthigen Miethlingen fehlte, aus Polen Mönche, 
faule Bäuche und böse Knechte, die alle Laster sich ohne 
Scham erlaubten, Laster, die unter Christen nicht genannt 
werden sollen; darum genug davon. 
Im Jahre 1623 wurde zu Kuttenberg, wo seit 100 Jahren 
die reine Lehre blühte, auf Anstiften der Jesuiten 21 böhmischen 
Predigern befohlen, vor Sonnenaufgang ans der Stadt und in 
8 Tagen aus dem Lande zu ziehen. Von etlichen hundert 
Bürgerin begleitet, predigten sie ihnen noch ans dein Felde über 
Joh. 16, 2, und ermahnten sie zur Standhaftigkeit. Ihr Singen 
und Weinen erscholl weit umher. Durch ein Kaiserliches Ediet 
wurden 1624 vollends alle Geistliche sab utraque aus dem 
ganzen Königreiche auf e>vig verbannt. Dadurch entstand eine 
gänzliche Zerstreuung; indeni sich einige in die benachbarten 
Provinzen begaben, andere in Höhlen und Klüften sich verbargen, 
die dann ihre Zuhörer entweder heimlich besuchten, oder sie zu 
sich ins Gebirge, in die Wälder und Höhlen kommen ließen, 
und allda mit Trost, Ermahnung und Austheilung der Sakramente 
stärkten. Als dieses die Feinde erfahre» haben, erschien ein 
neues Mandat, 1625, wodurch den Hehlern Strafe und den 
Berräthern Belohnung versprochen wurde — 50 Silberlinge für
	        
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