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II. 11. Siebenundzwanzig adlige Märtyrer in Prag

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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B. v. Michalowitz, ein Hochbegnadigter, ungemein eifriger 
Mann, als er zum Tode verurtheilt tvurde, sagte, das Urtheil 
sei ihm viel lieber, als wenn ihm das Leben, alle seine, und 
noch andere Güter dazu geschenkt würden. Der Schmerz des 
Todes ist kurz, aber die Freude, die ihm folgt, wahret ewig. 
Er dürstete nach der Marter, denn als Herr v. Bilz vor ihm 
zum Tode gerufen wurde, sprach er: Warum wird Herr v. B. 
mir im Tode vorgezogen, dem ich im Leben immer vorangegangen 
bin? Woraus er aber aufstand, ihn umarmte, küßte und sprach: 
Gehe, lieber Bruder, vorhin, da es Gott so haben will, ich 
werde dir folgen. Ta aber noch drei andere vor ihm gerufen 
wurden, sprach er — als ob er besorgte, man möchte ihn ver 
gessen, ganz traurig: Mein Gott! was geschieht doch? Du weißt 
es ja, daß ich mich dir ganz ergeben habe. Ach, verachte doch 
deinen Knecht nicht, eile mich 51t erretten. Als nun die Reihe 
an ihn kam, und der Richter erschien, ihn zu rufen, ging er 
ihm entgegen und sprach: Mein Gott, dir sei Lob, daß ich jetzt 
von der Welt genommen werde, damit ich bei Christo sei. 
Ebenso freudig, voll Glaubensmuth und lebendiger Hoffnung 
gingen auch die anderen alle dem Märtyrertode entgegen. 
\2. Verbannung aller Evangelischen aus Böhmen. 
Bald darauf wurden alle evangelischen Landstände aller 
ihrer Güter beraubt; man nahm alle ihre Schlosser, Städte, 
Flecken, Dörfer, Höfe weg, so daß einige bei anderen auf ihren 
eigenen Gütern zur Miethe wohnen, andere anderswo ihren 
Aufenthalt suchen, ja sogar bei denen, die ihnen ihre Güter 
geraubt hatten, in Dienst treten mußten. Manchen hat man 
kaum die Kleider, in denen sie gingen, gelassen. 
Darauf wurden 18 Prager- und viele andere Geistliche der 
Böhmischen Brüder aus Prag und aus allen Kgl. Landen aus 
ewig verbannt und ihre Kirchen den Jesuiten übergeben. Welch 
ein Jammer das für die Gemeinden war, kann man sich denken. 
Da sie nun die Kirchen der deutschen Lutheraner besuchten, so 
wurden auch deren Prediger entsetzt, die dann Prag verließen, 
begleitet von großen Haufen Volks, denen sie hernach auf dem
	        
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