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II. 11. Siebenundzwanzig adlige Märtyrer in Prag

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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gekommen aus der Blutbühne, konnte er kaum niederknien, weil 
er ganz krumm und gebückt war; doch bat er den Scharfrichter, 
gleich zuzuhauen, sobald er ihn würde knien sehen, damit er vor 
Schwäche nicht umsinke. Der Scharfrichter aber, da er ihn so 
krumm und gebückt sah, wollte nicht hauen. Darum sprach der 
Prediger Rosazius: Gnädiger Herr, da sie Ihre Seele Christo 
empfohlen, so bieten sie nun auch Ihr graues Haupt Gott, dem 
Herrn, freudig dar und richten Sie es himmelwärts. Im Namen 
Gottes, antwortete er, und hob sein altes Haupt empor, so viel 
ihm möglich war und sprach: Herr Jesu in deine Hände empfehle 
ich meinen Geist. — Der Schwertschlag geschah, sein Leib fiel 
zur Erde und sein Haupt wurde zur Schau am Thore aufgesteckt. 
Otto v. Löß, Defensor und Direktor des Königsreichs, als 
er sein Urtheil hörte, daß man ihn Viertheilen wolle, sagte: 
Nun wohlan, lieber Kaiser, befestige du deinen Thron mit 
unserem Blute — sendet einen Theil meines Leibes nach Rom, 
den andern nach Spanien, einen dritten nach der Türkei oder 
liber's Meer; ich vertraue meinem Heiland, daß er am jüngsten 
Tage alles wieder zusammenbringen und mich mit meiner Haut 
umgeben werde, daß ich ihn mit diesen Augen sehe — und ewig 
frohlocken werde. Als der Prediger Rosazins kam, ihn zum 
Tode zu begleiten, sprang er entzückt vom Stuhle auf, und 
sprach: O wie freue ich mich, daß ich Euch sehe, Mann Gottes! 
und Euch erzählen kann, was mir begegnet ist. Als ich ängstlich 
wurde, daß ich keinen meiner Seelsorger hätte, der nnr das 
Abendmahl reichen könnte, und es bereute, daß ich es nicht von 
Euch genommen habe, (weil er zur Brüderkirche gehörte), da 
schlummerte ich ein und der Herr erschien mir im Traume und 
sprach: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn ich reinige dich 
mit meinem Blute. Zugleich ließ er einen Tropfen Bluts auf 
mein Herz fallen, ich wachte und sprang auf, und dankte dem 
Herrn. Nun weiß ich, was das ist: „Glaube, so hast du 
gegessen." Nun will ich mit Freuden sterben. Freudig stieg 
er auch auf's Blutgerüst, fiel anbetend auf's Angesicht, richtete 
sich wieder auf, zog seine Kleider aus, kniete nieder und rief: 
Herr Jesu! nimm meine Seele auf in deine Herrlichkeit! und 
empfing den Schwertschlag.
	        
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