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II. 11. Siebenundzwanzig adlige Märtyrer in Prag

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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heiligen Geistes, Geduld und tapfern Muth, damit ihr das, was 
ihr zuvor mit Herz, Mund und Hand bekannt habt, nun mit 
einem rühmlichen Tod bestätiget. Ich gehe vor Euch hin, damit 
ich vor Euch die Herrlichkeit Gottes und Jesu Christi zu sehn 
bekomme; ihr werdet nur bald folgen, damit wir das Angesicht 
unseres Gottes mit einander schauen. Sehet, in dieser Stunde 
nimmt alle Bitterkeit dieses Lebens ein Ende und die stohe 
Ewigkeit bricht herein." Die Zurübleibenden antworteten: „Gott 
segne dir diesen Weg, um des unschuldigen Todes Jesu willen, 
und lasse dich aus diesem Jammerthal in das himmlische Vater 
land glücklich übergehen. Der Herr Jesus sende dir seine heiligen 
Engel entgegen, daß sie deine Seele in die ewige Seligkeit be 
gleiten. Gehe vor uns hin, liebster Bruder! in unseres Vaters 
Haus, wir werden baldnachkommen und heute noch werden wir durch 
Christum, an den wir glauben, in der himmlischen Freude 
einander wiedersehen." Indem sie zum Richtplatze hineilten, 
bewiesen sie solche Freudigkeit und trostvollen Muth durch Bibel 
worte und ihre Geberden, daß selbst die Richter und Trabanten 
Thränen vergossen. Von Todesfurcht war nicht das Geringste 
an ihnen zu bemerken; sie waren so heitern Gemüths, beteten 
so eifrig und inbrünstig, daß ihre gegenwärtigen Prediger sich 
nicht genug darüber verwundern konnten. Wenn die Prediger 
dann zurückkamen und den andern erzählten, wie die Hingerichteten 
gestorben, so riefen sie aus: Gelobet sei der Name des Herrn! 
Heiliger Gott, gieb uns auch diesen Trost deines guten Geistes, 
und laß uns eben so muthig und freudig sterben. 
Der Graf Schlick, ein vorzüglich begabter Mann, von allen 
Adeligen geachtet und geliebt, Statthalter des Königs Friedrich 
und Defensor der Brüder-Kirche, war der erste, der zunl Blut 
gerüst geführt wurde. Als er hörte, daß fein Leib geviertheilt 
und am Scheidewege ausgehängt werden sollte, sprach er: levis 
est jactura sepulchri, d. i. unbegraben bleiben ist ein geringer 
Verlust. Als ihm Rosazius Muth einsprach, dankte er und 
versicherte, daß er durch Gnade gar keine Furcht des Todes habe 
und ganz bereit sei, für die Wahrheit zu sterben. Als ihm die 
Jesuiten zusetzten, sich zu besinnen, antwortete er: Lasset mich 
nun doch zufrieden! Ans dem Blutgerüste blickte er die helle
	        
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