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II. 9. Stillstand der Verfolgung unter Maximilan und Rudolph

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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stechen wollte. Maximilian Pflegte zu sagen: „Wer über 
der Menschen Gewissen herrscht, setzt sich aus Gottes 
Thron." Als er einmal seinen Arzt, Crato, den er sehr liebte, 
als einen frommen Mann, fragte, welche Sekte der apostolischen 
Einfalt wohl am nächsten iväre, und Crato antwortete: Er meine, 
die Brüder, so sprach der Kaiser: Auch ich denke also. Deswegen 
rieth Crato den Brüdern, dem Kaiser ihre deutschen Lieder, die 
sie 1566 drucken ließen, zu dediciren, welches auch geschah. 
Maximilian hätte darauf getviß das Reformationswerk mehr 
befördert, wenn er vor denen, die der Könige Scepter und Hände 
zu binden pflegen, dazu hätte kommen können. Denn um die 
selbe Zeit vermochte der Reichskanzler von Neuhaus durch seine 
unverschämte Zudringlichkeit so viel über den guten Kaiser, daß 
er ein neues Mandat gegen die Brüder unterzeichnete. Der 
Herr im Himmel aber hat es nicht unterschrieben, sondern ver 
nichtet, damit der gute Fürst seine Hände nicht mit unschuldigem 
Blut befleckte; denn als der Kanzler mit diesem erpreßten Man 
dat nach Hause reiste und über die Donaubrücke fuhr, brach ein 
Joch und Pferde und Wägen stürzten in die Donau, und er und 
alle die Seinigen ertranken, und das Kästchen, worin der blutige 
Befehl war, mit, so daß es kein Mensch mehr zu Gesicht bekam, 
nur sechs Reiter und ein Edelknabe entkamen, welcher letztere 
hernach die Brüder-Religion annahm und bis in sein hohes Alter 
ein lebendiger Zeuge dieses Gerichtes Gottes war. 
Zehn Jahre darauf, 1575, verwilligte Maximilian, so 
sehr die Jesuiten und falschen Hussiten dagegen waren, den Land 
stünden «üb utraque, eine gemeinschaftliche Confessio» zu ent 
werfen, als Kennzeichen des Friedens, die dann auch so be- 
scheidentlich und vorsichtig abgefaßt wurde, daß alle Parteien, 
Brüder, Reformirte und Lutheraner, sie unterschrieben, weil alle 
Subtilitäten und streitige Punkte weggelassen und nur die vor 
nehmsten Artikel kurz, deutlich und aufrichtig ausgedrückt waren. 
Die Wittenberger Theologen, denen sie zur Censur zugeschickt 
wurde, billigten und rühmten sie sehr. 
Im Jahre 1576 starb Maximilian, und sein Sohn Ru 
dolph trat in seines Vaters Fußstapfen bis 1602, wo die Jesuiten 
durch heimliche Ränke den Kaiser bewogen haben, ein von ihnen
	        
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