Path:
II. 5. Kirchenzucht und Gemeinde-Ordnung

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

20 
wenn er nicht tüchtig erfunden ward, zurückbleiben. Jedes 
Haus, besonders des Lehrers, sollte eine Hauskirche sein, wo 
jeder Hausvater Morgens, Mittags und Abends Gottesdienst 
hielt. Spiele, Tänze u. dergl., aller Müßiggang, Prozesse 
wurden nicht geduldet; wer verreisete, mußte ein Zeugniß vom 
Lehrer haben, den> Gebete der Gemeinden sich zu empfehlen. 
Alle, Reiche und Arme, mußten sich der Gemeindezucht unter 
werfen, die nach Matth. 18, 15—17 gehandhabt wurde. 1) Bei 
geringeren Fehlern wurde der Fehlende in der Stille erinnert, 
mit Zuziehung des Predigers oder Aeltesten. Widerspenstigen 
ivurde das Abendmahl versagt, bis sie sich besserten. 2) Schwere 
Versündigungen wurden öffentlich bestraft. Wer seine Sünde 
bereuete, ward mit der Hoffnung der Vergebung getröstet, wenn 
er sich beharrlich bessern und der Gemeinde abbitten würde. 
3) Wenn der Sünder hartnäckig war, wurde er gänzlich aus 
geschlossen, wobei die versammelte Gemeinde oft viele Thränen 
vergoß und die Ausschließung mit lautem Amen bestätigte. Wer 
sich austichtig bekehrte, wurde wieder angenommen. 
6. Wachsthum und Verfolgung. 
Unter dem König Georg wurde die Verfolgung gegen die 
Brüder wieder erneuert, indem er befahl, jeden Pikarden, wo 
man ihn fände, gefangen zu nehmen und willkührlich zu bestrafen. 
Demnach wurde der Bischof Sambersky mit anderen gefangen 
gesetzt bis zum Tode des Königs. Aber je mehr die Feinde 
dieses Fünklein der Wahrheit zu ersticken trachteten, desto mehr 
verbreitete sich dasselbe und brach in helle Flammen aus, besonders 
da einige der ansehnlichsten Herren sich in die Gemeinschaft und 
Seelenpflege der Briider begaben, und ihnen in ihren Städten, 
Flecken und Dörfern Kirchen erbauten, so daß im Jahre 1500 
schon 200 Brüderkirchen in Böhmen und Mährenzu finden waren. 
Nun wurden sie aber von den gottlosen Hussiteu durch 
schändliche Lügen verfolgt. Sie bestellten einen Menschen, der 
Leschka (Lügner) hieß und war; dieser mußte vorgeben, er wäre 
ein Aeltester der Pikarden gewesen, aber von ihnen abgefallen, 
weil sie in ihren Zusammenkünften Jesum und die Jungfrau 
Maria re. lästerten, Unzucht trieben, wie die Adamiten, Mord-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.