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II. 5. Kirchenzucht und Gemeinde-Ordnung

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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Klassen: 1) in Bekümmerte ober Anfänger, 2) Zunehmende 
ober Communikanten, und 3) Vollkommnere. Aus diesen 
wurden die Diener der Gemeinden erwählt, die als Aelteste 
das Leben der Gemeindeglieder, Männer unter Männern und 
Frauen unter Frauen, beobachteten. Von den Lehrern wurde 
nicht eigentliche Gelehrsamkeit, sondern lebendige Erkenntniß der 
Wahrheit, echte Gottseligkeit und die Gabe deS einfältigen, herz 
lichen, doch gründlichen Vortrages erfordert. Sie pflegten von 
unten aus zu dienen. Junge Diener hießen Akoluthen, wohnten 
bei einem Lehrer und genossen seinen Umgang, übten sich in 
Handarbeiten, in der Heiligen Schrift, in Liedern, int Predigen 
und Schulunterricht. Selbst bei Tische redeten sie Erbauliches. 
Diakonen waren Gehülfen der Lehrer. Die Prediger (Presbyter!) 
arbeiteten im Worte und in der Lehre, als Vorbilder der Heerde. 
Sie standen unter der Aufsicht der Bischöfe, die aber nur 
Senioren, Aelteste, hießen, weil seit Jahrhunderten die römischen 
Bischöfe durch Reichthum und Macht sich großes Ansehen ver 
schafft hatten. Sie hatten nicht mehr Ehre nnd Einkünfte als 
andere, wohl aber mehr Sorge und Arbeit, und mußten sich 
auch von andern Briidern erinnern, rathen nnd strafen lassen. 
Nur bejahrte und bewährte Männer wurden dazu erwählt, sie 
durften sich, so ivie auch die - iibrigen Lehrer, auf keine Weise 
selbst melden. Alle 3 Jahre wurde eine General-Synode gehalten, 
>vo alle Lehrer nnd Depntirten der Gemeinden erschienen und 
die wichtigsten Angelegenheiten in Ueberlegung nahmen. Niemand 
durfte neue Lehren oder Ceremonien einführen, oder Bücher 
ausgeben ohne Erlaubniß der Vorgesetzten. Den Sonntag widmeten 
die Brüder Gott und seinem Worte, mit vollkommener Ruhe 
von aller Arbeit. Jährlich feierten sie vier Fast- nnd Bettage, 
nnd zu Versolgimgszeiten noch besondere. In ihren Versammlungen 
wurde gesungen, gebetet, gepredigt, die heilige Schrift gelesen 
nnd erklärt, und die Jugend katechisirt. (Bei den Taufen mußten 
die Pathen nicht nur versprechen, sich mit Treue der Kinder 
anzunehmen, sondern es auch halten.) Vor dem ersten Genusse 
des heiligen Abendmahls erneuerte die Jugend das Tanfgelübde 
und ward eingesegnet. Vor jedem Genusse des heiligen Abend 
mahls mußte jeder sich von seinem Lehrer prüfen lassen, und 
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