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II. 4. Anfang der vereinigten Brüder-Kirche

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

bie bald von besseren Calixtinern großen Zuwachs erhielten. Sie 
nannten sich unter einander Brüder, und ihre verbundenen 
Gemeinden: die vereinigte Brüder-Kirche (Callas kratrnm). In 
der Folge nannte man sie böhmisch-mährische Brüder, und ihre 
Feinde gaben ihnen den verhaßten Namen: Pikarden. Kaum 
waren sie aber ein Jahr angesiedelt, so wurde der König gegen 
sie eingenommen, sie wurden wieder verjagt und mehrere grausam 
hingerichtet. Man wollte sie von der Erde vertilgen. Man 
schrie: Löschet, löschet diesen Funken, ehe noch daraus ein großes 
Feuer entsteht! Der Bruder Gregor kam nach Prag und hielt 
in einem Hause Versammlung, sie wurden verrathen und alle 
gefangen genommen, wobei merkwürdig ist, daß der Richter, 
als er die Stubenthür öffnete, stehen blieb und ihnen zurief: 
„Alle die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Ver 
folgung leiden; daher kommt alle, die ihr hier zugegen seid, 
und folget mir ins Gefängniß." Der Bruder Gregor fiel, da 
ihn der König foltern ließ, in tiefen Schlaf, so daß man ihn 
für todt hielt und ihn zu foltern abließ. Er kam wieder zu sich 
und wurde freigelassen. Im Schlafe sah er nebst andern tröst 
lichen Dingen drei Männer, deren Gestalten er 6 Jahre hernach 
an den drei Männern erkannte, die zu Bischöfen der Brüder 
kirchen erwählt wurden. Man wollte nun Viele gefangen nehmen 
und tobten, aber der Bischof von Breslau, Jodokus, mißrieth 
es und sagte: Das Märtyrerthum sei einem nicht ganz ans 
gebratenen Stück Fleisch gleich, worin sich gar leicht Würnier 
ausheckten; er wollte sagen, daß die Gläubigen durch die Martern 
nur vermehrt würden; man sollte sie eher verjagen. 
Sie waren nun von allen Seiten mit Gefahr umgeben; 
Viele, auch die Vornehmste», flohen in die Gebirge und in die 
Wälder und wohnten in Höhlen. Doch auch hier waren sie 
nicht sicher. Wenn sie Feuer anzündeten, so durften sie es blos 
des Nachts thun, damit sie der aufsteigende Rauch nicht verrieth. 
Und wenn sie im Winter beim Feuer saßen, pflegten sie die 
Schrift zu lesen und Erbanungsstundeu zu halten. Wenn aber 
großer Schnee fiel, und sie einander besuchen mußten, so trat 
einer in des andern Fußtapfen und der letzte schleppte einen 
Tannenast hinter sich her, damit keine Spur übrig blieb, als
	        
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