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II. 3. Hussiten

Full text: Festbüchlein der böhmisch-lutherischen Gemeinde der Bethlehems-Kirche / Knak, Johannes

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das Andenken ihres evangelischen Lehrers, wie sie ihn 
nannten, öffentlich zu ehren. Loblieder, Predigten, Münzen, 
Gemälde, die Jahresfeier seines Märtyrertodes am 6. Juli sollten 
sein Andenken verewigen. Ihre Anzahl wuchs eben so sehr, als 
ihr Eifer, ihn zu vertheidigen. Die ganze Nation fand sich durch 
seine Hinrichtung, sowie durch die des Hieronymus von 
Prag, den das Concilium auch verbrennen ließ, beleidigt. Gegen 
100 Magnaten und Edelleute von Mähren und Böhmen beklagten 
sich bei dem Concilio, erklärten männlich beide Verbrannte für 
rechtschaffene Männer, ihre Lehre für rein und schriftmäßig, und 
ihre Verdammung für höchst ungerecht und grausam. Statt 
einer Antwort kamen Bannstrahlen und der Befehl an die römisch 
Gesinnten, den Bann über alle Hussiten von der Kanzel zu ver 
künden und sie als Ketzer zn vertilgen. Nun wurden ihnen ihre 
Kirchen mit Gewalt weggenommen und sie ans Städten und 
Dörfern versagt. Dagegen verbanden sich die Magnaten und 
Edelleute mit einander, das Wort Gottes in ihren Gebieten rein 
und lauter predigen zu lassen. 1417 erklärte sich die Universität 
in Prag für die Cvmmunion unter beiderlei Gestalten; der 
Magistrat, viele Bürger und Geistlichen stimmten damit überein. 
Jakobell ns, Pfarrer an der Michaels-Kirche, predigte den 
Kelch öffentlich und führte ihn zuerst wieder ein, >vic er denn 
früher seit Jahrhunderten auch den Laien gegeben worden ist. 
1416 hatten die Hussiten schon eigene Kirchen, in welcher sie den 
Gottesdienst wiederum ohne römische Gebräuche hielten. Der 
römische Stuhl wandte alle Mittel an, die Hussiten zu unter 
drücken und auszurotten. Martin V. schrieb 1418 erst sehr 
freundlich an die Böhmen, sie möchten Hussens und Wiclifs 
Irrthümer widerrufen; da sie sich aber weigerten, belegte er sie 
1420 mit dem Banne, ließ das Kreuz (d. i. einen Vertilgungs 
krieg!) gegen sie predigen, hetzte Kaiser, Könige, Fürsten, Grafen, 
Städte und Dörfer gegen seine Schafe aus, mit der Bitte: um 
der Wunden Christi willen auf die Böhmen loszugehe» und 
dieses kirchenräuberische und verfluchte Volk auszurotten. Jedem, 
' der einen Böhmen todtschlage, versprach er vollkommenen Ablaß. 
So entstanden die Hussiten-Kriege, von denen Aeneas Sylvins 
bezeugte, daß die Nachkommenschaft sich über ihre Grausamkeit
	        
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