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IV. Die Dekoration des Innern a) Der große Kneipsaal

Full text: Osteria / Pietsch, Ludwig

Die Dekoration des Innern. 
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grotesk-phantastische kahlköpfige Hermenbüste mit den hervortretenden 
gelben Glotzaugen, den fließenden Bart- und Schläfenhaaren aus 
seuchtschleimigen dunkelgrünen Wasserpflanzen, die leider nur kurze 
Zeit in einem Kabinet der Nordgalerie ausgestellt gewesen ist: 
„Der Froschkönig"/ — sie hat Paul Meyerheim Motiv und 
Gegenstand zu einem paar köstlich travestirender Darstellungen ge 
geben. Er malte und modellirte zwei Wesen der gleichen Gattung, 
die Nachfolger dieses Königs, „Paddcx II" und „Paddex III" benannt, 
die, aus den Kopf gestellt, gleichsam als die einfassenden Wandpilaster 
zu beiden Seiten des großen mittleren Bildes fungiren. Mit ihren 
gen Himmel gestreckten Froschfüßen, die sich oben, wie die Köpfe 
unten, aus dem glatten oblongen Stcinmantel herausstrecken, scheinen 
sie die beiden hier aufliegenden, von den großen beiden Holzpfeilern 
des Raumes ausgehenden Plankenpaarc zu stützen. Der eine von 
den Köpfen mit den gelben weit vorliegenden Augen ist über einen 
Kürbis, der andere über den Kopf einer Gliederpuppe modellirt und 
nach dem Muster jenes Böcklin-Bruckmann'schen bemalt. So 
treten sie da unten aus der Wand heraus, von blaugrünen dunkeln 
Bärten aus Wollenfäden umflossen. Große Libellen umschwärmen 
ihre Beine. Auf der Brust Paddex des III. aber sitzt sogar noch 
'eine zärtliche Krötenkönigin, Maddex, mit rothem Blumenkrönchen 
auf den: Haupt und strebt zärtlich, des Geliebten ihr zugekehrtes 
breites Maul mit dem ihren zu erreichen. Ihre Lippen finden sich. 
Zur Rechten von diesen beiden Glücklichen aber zeigt sich, — von 
R. Friese mit gewohnter Meisterschaft in den Formen, der lebendigen 
Bewegung und der Farbe gemalt, — ein großes Löwcnpaar. Der 
grimme König Nobel streckt eben die eine furchtbare Tatze nach den 
hülflosen Majestäten des Froschreiches aus, die ein Schlag mit der 
selben vernichten würde. — 
Nach rechts hin, über und neben der flachen Wandnische mit dem 
Küchenfenster, breitet sich das von lustigem satirischem Humor ge 
würzte, ergötzliche Bild K. Saltzmauns aus. Die Wandfläche unter 
dein Nischcnbogcn bemalte Müller-Kurzwelly mit einem Hafen- 
bilde, dessen Wasser durch die Wahrheit des genau getroffenen 
Spiegelglanz-Effektes frappirt. Saltzmann verwandelt mit einiger 
Nachhilfe durch Bemalung den Nischenbogen in einen Stadtbahnbogen. 
Ueber ihn geht der Schienenweg zur nahen Station Jannowitzbrücke / 
dahin. Dort winkt als hochragendes Ziel der schließlich an dieser 
Stelle am Fuß des Viadukts zur dauernden Aufstellung gelangte festlich 
beflaggte Obelisk. Die Bassins an seinem Sockel scheinen als öffentliche
        
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