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IV. Die Dekoration des Innern a) Der große Kneipsaal

Full text: Osteria / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

Die Dekoration des Innern. 
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Fleiß. Hier hat der ironische, heitere und geistreiche Humor sich in 
große, wahrhaft stilvolle Formen gekleidet, und mit dem monumentalen 
Charakter vereinigt das Bild eine entsprechend groß disponirte Farben- 
und Lichtwirkung. 
Unten rechts auf derselben Wand sieht man, von Lulvss ge 
malt, die kleine lebensvolle Gestalt eines prächtigen Fahnenträgers 
aus dem 16. Jahrhundert, in blitzendem Küraß, Beinschienen und 
Stahlhelm, aus dem ein frisches, lächelndes keckes Soldateugesicht uns 
anblickt. Das große gelbe Banner in der Linken, mit der Rechten den 
vollen Krug zu den bärtigen Lippen erhebend, steht er mannhaft da. 
Der hier gegen Süden hin folgende vortretende Wandpilaster ist 
wie der jenseitige durch Bildhauerwerke dekorirt. Zunächst über dem 
Paneel dehnt sich eine Hochreliefdarstellung in Terracottafarbe, von 
Bergmeier modellirt, über seine Oberfläche, aber auch zur Rechten und 
Linken noch" weithin über die angrenzenden Wandtheile ans. Ein 
Bildwerk voll sprühender Lebendigkeit und köstlichem Humor. Zwei 
Parteien bocksfüßiger Faunen kämpfen hüben und drüben an den 
Enden eines großen Weinschlauchs ziehend, um den Besitz desselben. 
Jede Gruppe zieht mit Anspannung aller Kräfte. Wo einer dieser 
Faunen nicht direkt ankommen kann, umfaßt er Kinn und Hals 
seines fest anziehenden Genossen und zerrt an diesem wie an dem 
Schlauchende. Oberhalb des so mißhandelten Schlauchs ist wieder 
eine zum Theil „räthselhaft" offenbare Inschrift (von Dr. E. Jacvbsen) 
eingegraben: 
„Pro Nihilo! 
Vino et Igni 
C. H. T. . . Isti. 
SE. ECCE.“ 
(Wie nöthig nicht ist diese Ecke.) 
Jnschriftlos und an sich auch ohne eine solche räthselhaft genug, 
ist das oberhalb dieses Weinschlauchreliefs angebrachte „antike Bronze 
relief" (aus Gips, von N. Geiger modellirt). Seine Patina ist so 
grün und seine Formengebung so skizzenhaft oder durch das Alter so 
undeutlich geworden, daß es schwer hält, den dargestellten Vorgang 
klar zu erkennen. Wenn wir recht gesehen haben und berichtet worden 
sind, so handelt es sich in der Darstellung um die Erhebung des glück- 
bedeutenden und verheißenden Thieres, des Schweines, zum Olymp. 
Soll es dort vielleicht fortan wie der Pfau der Hera, die Tauben der 
Afrodite, der Fortuna beigegeben werden?
	        
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