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III. Die Dekoration des Aueßern

Full text: Osteria / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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Die Dekoration des Aeußern. 
dein ersteren erhebt sich die farbig bemalte Statue des heiligen Lukas,- 
des Schutzpatrons der Maler, unter einem kupferfarbig gestrichenen 
Baldachin, der von leichten, krausen Eisenstäbchen getragen wird. Auf 
der Mauer über der Eingangsthür ist ein, in streng altitalienischem 
Stil gehaltenes, Wandgemälde durch den Maler v. d. Forst ausge 
führt: Ein Cherub mit mächtigen Schwingen schwebt dort ernst und 
feierlich wie ein Engel von Giotto oder Fra Angelico, und trägt mit 
beiden Händen das bekannte Wirthshauszeichen, die beiden durchein 
andergeschobenen Dreiecke. In großen Lettern ist über seinem Haupt 
Name und Titel dieser Künstlerkneipe auf die Wand gemalt: „Zum 
Classischen Dreieck". Sie kann sich bei Herrn v. Goßler, dem Er 
finder dieses Wortes, dafür bedanken. — 
An der Wandfläche zwischen dieser Thür und der Außenkante 
des Hauses ist ein sehr merkwürdiges, anscheinend antikes Marmor 
relief, welches durch einen glücklichen Zufall den Arbeitern hier beim 
Ausschachten in die Hände gespielt worden zu sein scheint, angebracht. 
Es zeigt links eine Gruppe von fröhlich Zechenden, hinter einer niederen 
Mauer und vor dieser einen wachthaltenden römischen Soldaten, dev 
um Eiulaß bittende Männer und Frauen unnachsichtig zurückweist. 
Eine räthselhafte lateinische Inschrift, welche unseres Wissens bisher 
in Corpus Mommsens noch keine Stelle gefunden hat, ist in die 
Reliefplatte eingemeißelt. Sie lautet: „VERBO . . TENERE . . 
JNTRITO . . NE . . CARTE.“ Profane Ausleger von Pietäts 
und glaubensloser Gemüthsart haben diese Inschrift lesen wollen, als: 
„Verbotener Eintritt ohne Karte". Leugnen kann man allerdings 
nicht, daß der auf dem Relief dargestellte Vorgang eine Berechtigung 
zu einer solchen Auslegung giebt. Eine zweite Inschrift dieser Bild 
tafel ist unzweifelhaft moderne» italienischen Ursprungs. Sie lautet: 
„Evii-tato di fumare“. 
Eine höchst interessante Zierde von hoher künstlerischer und archäo 
logischer Wichtigkeit schmückt das Wandfeld zwischen dieser Thür und 
der großen mittleren Bogenösfnung der Fa^ade. Es ist eine aufs schönste 
patinirte, nur an den Rändern ein wenig geschädigte, altgriechische 
Bronzereliefplatte. Sie läßt uns einen tiefen Blick in gewisse hellenische 
Zustünde und Gebräuche aus der Zeit des Perikles thun, von welchen 
sich die Schulweisheit unserer Philologen, Historiker und Archäologen 
bisher noch NicktS träumen ließ. Wenn wir die griechische Unter 
schrift, deren Originaltext wir hier zum Abdruck bringen, richtig lesen 
und treulich in unser geliebtes Deutsch übertragen, so lautet der dem 
prächtigen Bildwerk von seinem Meister gegebene Titel: „Die niedrigste
	        
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