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Full text: WRRL-Info Issue 11.2006

WRRL-INFO 11

Informationen zur E
G-Wasserrahmenrichtlinie
EG
Grüne Liga e.V. Bundeskontaktstelle Wasser
Landwirtschaft und WRRL
Die Bestandsaufnahme nach WRRL (Bericht 2005) in den deutschen Flussgebieten belegt eindrucksvoll, dass landwirtschaftliche Belastungsfaktoren zu den wichtigsten Ursachen für die
Beeinträchtigung der Gewässer zählen. In Bezug auf das Grundwasser gehören dazu laut der vom BMU vorgelegten Zusammenfassung der Ergebnisse in erster Linie Nitrat- und des
weiteren Pestizidbelastungen aus diffusen Quellen. Sie verursachen zusammen 85 % der „at risk“-Einstufung. Bei Flüssen
stellen Ausbau und fehlende Durchgängigkeit sowie die
Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft die bedeutendsten
Belastungen dar. Letztere sind auch bei Seen sowie bei Küsten- und Übergangsgewässern die Hauptursachen für die „at
risk“-Einstufung. Die Rolle der Eutrophierung als weiterhin
einem der wichtigsten Umweltprobleme in Europa stellt auch
ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur heraus,
der den Anteil landwirtschaftlicher N-Einträge auf durchschnittlich 50-80 % der Gesamtfracht beziffert (EEA Report 7/2005).
Für die Elbe zeigen Ergebnisse aus dem BMBF-Forschungverbund „Elbe-Ökologie“, dass eine Strategie zur maximalen
Reduzierung der Phosphor-Einträge zu einem guten ökologischen Zustand der Elbe führen könnte (Behrendt et al., 2005).
Die Gesamtphosphor-Fracht in der Elbe beträgt derzeit allerdings noch das Dreifache der Zielgröße von 90 µg/l. Das
Minderungspotential bei der Stickstoffbelastung wurde ebenfalls anhand verschiedener Szenarien untersucht. Ob hierbei
die als möglich erachtete maximale Reduzierung – die bereits
eine Stickstoff-Besteuerung beinhaltet – ausreichen würde,
um den guten Zustand auch in den Küstengewässern zu erreichen, bleibt aber offen. In deutlichem Kontrast zu diesen Überlegungen zu machbaren Minderungen stehen allerdings die
wenig ambitionierten Vorgaben, die derzeit bei der Novellierung der Dünge-Verordnung diskutiert werden.
Neben der Nährstoffbelastung stellt die Beeinträchtigung der
Hydromorphologie den zweiten Hauptgrund für eine „at risk“Einstufung dar. Zwar ist offensichtlich, dass diese Beeinträchtigungen zu großen Teilen in Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Nutzung stehen. Welchen Anteil sie verursacht,
wird jedoch im Bericht 2005 nicht genauer beziffert.
Eine bedeutende Schwäche der Bestandsaufnahme liegt in der
Beurteilung des mengenmäßigen Grundwasserzustands, da
auch in Gebieten mit kritischer Wasserbilanz zumeist keine Einstufung als „at risk“ oder zumindest „unklar“ vorgenommen
wird. So wurde etwa im Einzugsgebiet der Havel trotz beinahe
flächendeckend sinkender Grundwasserspiegel der mengenmäßige Zustand als gut beurteilt. Dies gelingt jedoch nur dank
eines definitorischen Klimmzugs: bestehende Entwässerungen – die zumeist landwirtschaftlichen Zwecken dienen – wurden nicht als Belastungsfaktor betrachtet. Auch die nachweisbare Schädigung von grundwasserabhängigen Ökosystemen,

Ausgabe 11 – Januar 2006

LANDWIRTSCHAFT
FLUSSAUEN

UND

UND

WRRL

WASSERRAHMENRICHTLINIE

EG-HOCHWASSERSCHUTZRICHTLINIE
MELDUNGEN
KONTAKT/IMPRESSUM
die letztlich nach WRRL das entscheidende Beurteilungskriterium darstellt, wurde dabei nicht in Betracht gezogen.
Möglichkeiten der Agrarpolitik
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme unterstreichen ein
weiteres Mal, dass die Förderpolitik künftig mehr dazu beitragen muss, die von der Landwirtschaft ausgehenden Belastungen der Gewässer zu reduzieren. Welchen Einfluss die Gestaltung der Agrarsubventionen auf die landwirtschaftliche Praxis hat, wird letztlich bereits daraus deutlich, dass im Durchschnitt das Einkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland zu 44 % von Direktzahlungen
und Zuschüssen abhängig ist (laut Forschungsanstalt für
Landwirtschaft; ermittelt für 2002/2003). Der Anteil der
Landwirtschaftsförderung an den EU-Zahlungen an Deutschland betrug im Jahr 2004 mit über 6 Mrd. Euro knapp 52 %,
was 14 % des EU-Haushaltes entsprach (nach Angaben auf
www.farmsubsidy.org).
Um den Beziehungen zwischen Agrarpolitik und den Zielen
der WRRL nachzugehen, wurde Anfang 2005 im Rahmen der
CIS-Prozesses auf EU-Ebene eine „Strategic Steering Group
WFD and Agriculture“ unter britischem Vorsitz ins Leben gerufen. In enger Kopplung hiermit werden zudem in einem Forschungsvorhaben von Ecologic und der LandwirtschaftsUniversität Warschau bis zum Frühjahr 2006 mehrere
Hintergrundpapiere und Empfehlungen erarbeitet (abrufbar
unter www.ecologic.de). Die in diesem Rahmen erstellte Studie „WFD and Agriculture – Linkages at the EU level“ gibt
konkrete Anregungen, wie bei der Umsetzung der ELER-Verordnung zur ländlichen Entwicklung auch Maßnahmen des
Gewässerschutz es einbezogen werden können. Sie dämpft
allerdings bereits vorab allzu hohe Erwartungen: „Die Verordnung zur ländlichen Entwicklung 2007-2013 kann die Umsetzung der WRRL unterstützen, allerdings sind nur in begrenztem Umfang Effekte zu erwarten“. Der Hauptgrund wird im zu
geringen Geldvolumen für Umweltmaßnahmen gesehen. Die
vom EU-Rat am 17. Dezember 2005 beschlossene finanzielle
Vorausschau bestätigt diese Befürchtung. Zudem zeichnet sich
ab, dass vor dem „Midterm Review“ der Förderperiode im Jahr
2008 die Berücksichtigung der WRRL-Ziele keine größere Bedeutung erhält, da die Bewirtschaftungspläne erst im Laufe
der nächsten Förderperiode Konturen gewinnen werden.
Tobias Schäfer

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FLUSSAUEN

UND

WRRL

„Ohne naturnahe Flussauenentwicklung laufen wir Gefahr,
wesentliche Ziele der WRRL nicht zu erreichen.“ So lautet die
Ausgangsthese für die Arbeit der „AG Auen“ in NordrheinWestfalen. Auen sind integrale Bestandteile von Flussökosystemen, und die weit verbreiteten Defizite im Fluss-AueVerbund – vor allem der Verlust von Überflutungsbereichen
und der natürlichen Morphodynamik – sowie deren Ursachen
sind im Grundsatz hinlänglich bekannt. Wenngleich im Bericht 2005 die Bedeutung hydromorphologischer Veränderungen für das Verfehlen des guten Zustands sehr deutlich wird,
finden sich kaum explizite Aussagen zu Auen. Dies erklärt
sich zum Teil aus der Maßstabsebene der Betrachtung, zum
Teil aber auch aus dem methodischen Vorgehen, vor allem bei
der zwischen den Bundesländern sehr inkohärenten und zumeist unzureichenden Darstellung der grundwasserabhängigen Landökosysteme. Ein weiterer Grund ist oft auch
der Datenmangel in Hinsicht auf die Gewässerstruktur, bei
deren Bewertung zudem Strukturmerkmale der Auen nicht oder
nur mit zu geringem Gewicht eingehen. Darauf, in welchem
Ausmaß künftig Bewirtschaftungsmaßnahmen auch in Auen
notwendig werden, ergeben sich aus dem Bericht 2005 noch
keine Hinweise.
Die Vorgaben der WRRL und der CIS-Leitfäden schließen
Auenbereiche als Teile der Wasserkörper grundsätzlich ein:
Sie zählen allerdings nur insoweit zum Wasserkörper, als sie
zum Erreichen des guten Zustands der biologischen Qualitätskomponenten beitragen – eine Abgrenzung, die nicht leicht
zu treffen ist. Auen müssten aber im Sinne der WRRL als
grundwasserabhängige Landökosysteme bzw. Feuchtgebiete
betrachtet werden. Sie sind oft auch Schutzgebiete.
Monitoring und ökologische Bewertung
Fische stellen im Kontext der WRRL die wichtigste Komponente zur Beurteilung des hydromorphologischen Zustands
der Gewässer dar. Für die Begründung von Maßnahmen wird
es voraussichtlich von großer Bedeutung sein, ob die
Monitoring-Daten zur Fischfauna und ihre Bewertung die
Defizite im Gewässer-Aue-Verbund zum Ausdruck bringen.
Das im Auftrag der LAWA entwickelte Bewertungsverfahren
für die Fischfauna ist zwar explizit nur auf den Flussschlauch
bezogen, wurde aber um eine Empfehlung ergänzt, die eine
eigene Bewertung von Auengewässern zulässt. Sofern allerdings keine Auen-Relikte mehr vorhanden sind, ergibt sich
unmittelbar die Frage, ob das Gewässer als „erheblich verändert“ einzustufen ist. Im Endeffekt würde dann erst bei einer
Einstufung als „natürlich“ Handlungsbedarf im Bereich der
Aue entstehen. Erste Erfahrungen aus Praxistests bestätigen
die grundsätzliche Eignung des Bewertungsverfahrens, zeigen aber auch, dass noch Verbesserungsbedarf besteht: So
wurde an der Elbe festgestellt, dass bei einer großen Menge
gefangener Fische immer die Einschätzung „guter Zustand“
erreicht wird. Bei der Erprobung in Nordrhein-Westfalen zeigte sich bei einigen weit verbreiteten Gewässertypen eine nur
schwache Aussagekraft zu hydromorphologischen Defiziten.

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Die Nährstoffretention in Überflutungsbereichen, deren enormes Ausmaß durch einige empirische Untersuchungen gut
belegt ist, ist zwar maßgeblich von der Größe der überfluteten
Fläche abhängig. Bislang existieren jedoch keine Modelle zur
Quantifizierung dieser Funktion. Eine Bewertung und Begründung von Maßnahmen aus dieser Sicht fällt damit schwer.
Die Einschätzung, dass eine Bewertung allein nach den von
der WRRL vorgegebenen biologischen Parametern für eine
umfassende ökologische Beurteilung von Tieflandsflüssen
nicht ausreichend ist und ergänzt werden sollte, war der Ausgangspunkt für die Entwicklung des österreichischen „AuenIndex“. Diese Bewertung bezieht sich auf Libellen, Köcherfliegen, Mollusken, Amphibien und Fische und erfolgt analog
zur WRRL anhand eines Vergleichs mit einem Referenzzustand
auf einer fünfstufigen Skala. Der Ansatz wurde an einem
Donauabschnitt bei Wien entwickelt und soll nun auch an der
slowakischen March und am Inn erprobt werden.
Enge Bezüge zum Naturschutz
Bei der Auswahl von Maßnahmen in Auenbereichen ist der
Naturschutz gefordert, Vorgaben für eine Prioritätensetzung
zu machen. Zudem sollten in den Natura 2000-Schutzgebieten
zügig Managementvorgaben erarbeitet werden, die von der
Wasserwirtschaft aufgegriffen und mit-umgesetzt werden können. Die Verpflichtung hierzu, die aus Art. 4 1 (c) der WRRL
erwächst, stellt eine große Chance für den Naturschutz dar.
Mit der „Relevanz der Wasserrahmenrichtlinie für Flussauen
aus naturschutzfachlicher Sicht“ am Beispiel von Unterer Havel und südlichem Oberrhein sowie mit „Leitbildern und
Referenzzuständen für Flussauen“ haben sich zwei
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundesamtes
für Naturschutz befasst, die Ende 2005 abgeschlossen wurden. Die Ergebnisse sind als Broschüren veröffentlicht sind
und in Auszügen auch auf www.bfn.de bzw. auf
www.flussauen.de abrufbar. Darauf aufbauend wurde kürzlich
ein Vorhaben zur Bewertung von Flussauen gestartet. Dessen
Ergebnisse sollen auch zur Darstellung von Regenerationspotentialen dienen.
Ob es im Zuge der WRRL-Umsetzung zur Revitalisierung von
Flussauen oder zu wesentlichen Änderungen bei konfliktträchtigen Nutzungen kommen wird, bleibt abzuwarten. Im Bereich des Hochwasserschutzes belegen gute Beispiele etwa
an der Elbe, dass eine Integration ökologischer Ziele durchaus machbar ist, wenn es gewollt wird. Die größten Konflikte
wird zumindest an Elbe und Donau sicher auch künftig die
Wasserstraßennutzung verursachen.
Tobias Schäfer
Die Grüne Liga veranstaltete am 8.12.2005 in Berlin ein
Seminar zu „Flussauen und WRRL“. Die Vorträge und die
Dokumentation werden unter www.wrrl-info.de > Unserer
Angebote > Seminare zur Verfügung gestellt.

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EU-KOMMISSION

SCHLÄGT

H OCHWASSERSCHUTZRICHTLINIE

Die EU-Kommission beabsichtigt, noch im Dezember 2005 den
Entwurf einer Hochwasserschutzrichtlinie vorzulegen.
Vorausgegangen war die Communication on flood risk
management (COM(2004)472) vom Juli 2004 und Beratungen
im Expert Advisory Forum on Flood Protection im Jahr 2005.
Darüber hinaus lud die EU-Kommission vom 20. Juli bis zum
14. September 2005 zur einer Internetkonsultation über die
Inhalte einer zukünftigen Hochwasserschutzrichtlinie ein,
deren Ergebnisse sie auf http://europa.eu.int/comm/
environment/water/flood_risk/index.htm zur Verfügung stellt.
Für die schnelle Hilfe bei Flut- und anderen Katastrophen gibt
es bereits einen Solidaritätsfonds auf EU-Ebene
(Ratsbeschluss vom 21. November 2002). Im 6. Forschungsrahmenprogramm wurde mit FLOODsite (www.floodsite.net)
auch das bislang umfangreichste Flut-Forschungsprojekt der
EU gefördert.
Mit dem Vorschlag einer EU-Hochwasserschutzrichtlinie
widmet sich die Kommission nunmehr auch den Maßnahmen
zur Vermeidung und Beschränkung von Hochwassergefahren.
Die Richtlinie gilt nicht nur für Flüsse, sondern auch für
Küstengebiete. Informationen zum nachhaltigen Küstenerosionsmanagement stehen bereit auf:
http://www.eurosion.org.
Klare Verbindung zur Wasserrahmenrichtlinie
Die Richtlinie wird nicht nur einige Begriffsbestimmungen,
sondern z. B. auch die für die Flussgebiete zuständigen
Behörden direkt aus der EG-Wasserrahmenrichtlinie
übernehmen. Des weiteren ist eine enge Verzahnung bei der
Aufstellung von Hochwasserrisikokarten und -managementpläne vorgesehen, auch was den Zeitplan für Aktualisierungen
betrifft. Wie die WRRL verfolgt auch die Hochwasserschutzrichtlinie einen partizipativen Ansatz. Die Beteiligung
der Öffentlichkeit soll ab 2015 mit der WRRL im Prinzip in
einem Verfahren durchgeführt werden. Ein HochwasserschutzBeratungsgremium soll dem Artikel-21-Komitee der WRRL
zugeordnet werden. Die Wasserdirektoren überlegen im
übrigen, dort auch die Komitees zu Trinkwasser und Nitrat zu
integrieren. Interessant ist auch die Verbindung zur
Raumplanung (EU-Kommissionsvorschlag INSPIRE –
COM(2004)516 vom 23. Juli 04), mit der die Mitgliedsstaaten
zur Harmonisierung ihres Vorgehens aufgefordert werden, auch
hinsichtlich der Risikozonen. Die HWS-Richtlinie soll auch
helfen, internationale Übereinkommen wie die der Economic
Commission for Europe in EU-Recht umzusetzen.
Risikokarten – bisherige Erfahrungen und Ansätze
werden genutzt
Die EU-Kommission kann sicherlich schlecht als Erfinder des
Hochwasserschutzes gelten. Dementsprechend gibt es auf
Ebene der Mitgliedsstaaten mehr oder weniger ausgereifte
Hochwasserschutzkonzepte, z.T. schon mit Risikokarten. Auch
für die Internationalen Flussgebietskommissionen an Rhein,

VOR

Donau, Elbe, Oder etc. gehört die Hochwasservorsorge zum
Kerngeschäft, dem Aktionspläne und Frühwarnsysteme
gewidmet sind. Die bereits vorhandenen Karten und Ansätze
sollen durchaus weiter genutzt werden. Risikokarten sollen
künftig auch Gefahren aufzeigen, die sich beim Versagen der
Hochwasserschutz-Infrastruktur ergeben. Neben der
Überschwemmungsgefahr soll auch der mögliche potentielle
Schaden in diesen Karten dargestellt werden. Dort, wo nur ein
geringes Risiko besteht, weil Hochwässer kaum auftreten oder
weil sich nur wenige Menschen und anfällige Strukturen in
den potentiell überschwemmten Gebieten befinden, kann von
der Erstellung von Hochwasserrisikokarten abgesehen
werden.
Hochwasserrisiko-Management
Am besten ist es natürlich immer, ein Risiko gar nicht erst
einzugehen oder es zu mindern. Dann folgt der eigentliche
Hochwasserschutz, wobei die Richtlinie hier ausdrücklich
nicht auf infrastrukturell-technische Maßnahmen fokussiert.
Mit Hochwasservorausschau und Warnsystemen soll die
Gefahrenabwehr rechtzeitig in die Wege geleitet werden.
Eine Betrachtung der ökonomischen Sinnhaftigkeit von
Hochwasserschutzmaßnahmen ist nach dem bisherigen
Verlauf der Diskussion im Kommissionsvorschlag nicht explizit
zu erwarten.

Elbehochwasser 2002 in Dresden, Augustusbrücke
Quelle: www.kadner.online.de

Ecoflood Guidelines
Der Frage, wie Flussauen für den ökologischen Hochwasserschutz eingesetzt werden können, widmet sich der Endbericht
des von der EU-Kommission finanzierten EcofloodForschungsprojekts eher am Rande. Tiefer gelegte Flüsse, die
Erweiterung von Überflutungsflächen und der Einfluss von
Gehölzen auf den Abfluss finden durchaus Erwähnung; den
Autoren ist aber in erster Linie daran gelegen, die sonstigen
Vorteile von Auenrestauration und regelmäßigen
Überflutungen darzustellen. Sie gehen allerdings auch auf ggf.
entgegenstehende Faktoren wie Mücken und potentielle
Schadstoffbelastungen ausführlich ein. Der Endbericht ist
unter http://levis.sggw.waw.pl/ecoflood/ verfügbar.
Michael Bender

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WRRL-INFO 11
M ELDUNGEN
Nach ca. 10-jähriger Vorbereitungszeit startete im September
2005 das Gewässerrandstreifenprojekt Untere Havel, das
größte europäische Fluss-Renaturierungsprojekt. Mit einem
Finanzvolumen von ca. 25 Mio. € (Fördermittel vom Bund und
den Ländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie Eigenmittel des Projektträgers NABU) werden in den kommenden
13 Jahren an den Ufern und im Bett der Unteren Havel umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen
Zustandes des Flusses und seiner Auen durchgeführt. Neben der Ausweisung als FFH- und SPA-Gebiet wird damit ein
weiterer wichtiger Beitrag zur dauerhaften Sicherung des bedeutendsten binnenländischen Feuchtgebietes in Mitteleuropa geleistet. Auch der Hochwasserschutz und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region sollen von dem Projekt profitieren. Vorraussetzung hierfür war eine Umwidmung der Unteren-Havel-Bundeswasserstraße. Sie darf nur noch von Sportbooten und Fahrgastschiffen sowie Güterschiffen bis 41m
Länge (Groß Finow-Maß) befahren werden.
Die große Koalition will den Ausbau der Wasserstraßen voran treiben. Um den „maritimen Standort“ Deutschland zu stärken, ist es laut Kapitel B.I.6.4. des Koalitionsvertrages vom
11.11.2005 ein erklärtes Ziel der Bundesregierung, die „seewärtigen und landseitigen Anbindungen der deutschen Seehäfen gezielt und koordiniert auszubauen“. Die deutsche
Binnenschifffahrt „muss (...) deutlich an Bedeutung gewinnen“. Dazu will die Regierung u.a. „unverzüglich ein
Wasserstraßenausbaugesetz erarbeiten“. Diese Ziele sollen
offenbar vor allem zu Lasten der Elbe erreicht werden. Wie
„DER SPIEGEL“ in seiner Ausgabe 50/2005 berichtet, plant
die Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Ost, den Domfelsen in Magdeburg abzutragen, um eine breitere Fahrrinne
zu erhalten, die Stromführung bei Coswig zu verbessern und
die Erosion des Elbebettes zwischen Mühlberg und Wittenberg durch verstärkte Kieszugabe zu stoppen. Die
Geschiebebewirtschaftung findet auch bei den Umweltverbänden Unterstützung, da damit dem Absinken des Grundwasserspiegels in den Flussauen entgegengewirkt wird. An
mindestens 345 Tagen im Jahr soll zwischen Dresden und
Hamburg eine Fahrrinnentiefe von 1,60 m garantiert werden.
Angesichts der in den letzten Jahren dokumentierten lang
anhaltenden Niedrigwasserphasen in der Elbe ist jedoch
schwer nachvollziehbar, wie die Gewährleistung Schiffbarkeit
im geplanten Ausmaß als ein realistisches Ziel bezeichnet

INFORMATION

ZUM

PROJEKT

Dieser Rundbrief ist Bestandteil des Projektes
„Grenzüberschreitende WRRL-NGO-Netzwerke“.
Die GRÜNE LIGA Bundeskontaktstelle Wasser
koordiniert den Gesprächskreis Wasser des
Deutschen Naturschutzrings (DNR).

werden kann. Sowohl wirtschaftliche als auch ökologische
Argumente sprechen gegen den Ausbau. So wird die
Fahrrinnentiefe von 1,60 m von der Deutschen Transport-Genossenschaft als wirtschaftlich nicht ausreichend eingechätzt.
Außerdem würden auf der Elbe selbst bei kühnsten Prognosen auch in Zukunft maximal 1,5% der Gütermengen aller deutschen Wasserstraßen transportiert. Die drei „Engstellen“ liegen in internationalen Naturschutzgebieten und auch das Erreichen des durch die WRRL geforderten „guten ökologischen
Zustandes“ des Flusses erscheint nun weit stärker gefährdet
als zuvor. Da die Bundesregierung bei ihrer weiteren Arbeit
das Handlungskonzept des Forums Binnenschifffahrt berücksichtigen will, ist davon auszugehen, dass auch an anderen
deutschen Flüssen Ausbaumaßnahmen intensiviert werden.
So fordert das Forum etwa für den Donauabschnitt zwischen
Straubing und Vilshofen die „Herstellung einer Abladetiefe
von 2,50 m mittels Staustufen“.
Zum Entwurf der Grundwasser-Tochterrichtlinie hat der EUUmweltministerrat nach kontroversen Diskussionen am 24. Juni
2005 umfassende Änderungen beschlossen. Deutschland
stimmte mit Ungarn, Italien und Schweden gegen die Einigung, die nun eine Umwandlung des Grenzwertes für Nitrat in
einen bloßen „Aktionswert“ im Sinne der Nitrat-Richtlinie vorsieht: Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie, nämlich der
Sanierungszielwert von 50 mg/l und der Zeithorizont von 2015
für das Erreichen des guten Grundwasserzustandes, würden
damit für landwirtschaftliche Nitrat-Einträge außer Kraft gesetzt. Die vom Rat erstellte Fassung wird voraussichtlich mit
nur noch minimalen Änderungen als „gemeinsamer Standpunkt“ beschlossen und Anfang 2006 zur zweiten Lesung an
das EU-Parlament übermittelt. Es bleibt zu hoffen, dass sich
das Parlament, das sich in der ersten Lesung gegen eine Aufweichung des Nitrat-Grenzwertes ausgesprochen hat, in diesem zentralen Aspekt mit seiner Position durchsetzen kann.
Ansonsten stünde – nach den übrigen weitgehend entschiedenen Abschwächungen – der Sinn der Richtlinie in Frage.

K ONTAKT /I MPRESSUM
GRÜNE LIGA e.V.
Bundeskontaktstelle Wasser
Michael Bender
Prenzlauer Allee 230
10405 Berlin
Tel: +49/ 30/ 4433 91- 44
Fax: - 33
wasser@grueneliga.de
E-Mail:
Internet:
http://www.wrrl-info.de
Redaktion:
Michael Bender, Tobias Schäfer,
Oliver Pielmann
Layout:
Tobias Schäfer, Oliver Pielmann
Grafik:
Urs Garisch-Culmberg
11. Ausgabe, Dezember 2005 – Auflage 4.500 Stück

Das Projekt wird finanziell vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt gefördert. Die
Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und die Vollständigkeit der
Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen
müssen nicht mit denen der Förderer übereinstimmen.

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