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Full text: Tätigkeitsbericht ... Issue 2017/18

Tätigkeitsbericht 2017/2018

Tät i gkei t s b e r i c h t 2 0 1 7 / 20 1 8

2. Halbjahr 2017 / 1. Halbjahr 2018

Dieser Bericht über die Entwicklung und Tätigkeit des
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., Berlin, schließt an den anlässlich der ordentlichen Mitgliederversammlung am 23. November 2017
schriftlich vorgelegten und mündlich ergänzten Tätigkeitsbericht 2016/2017 an. Er umfasst – soweit sich aus
folgenden Ausführungen nichts anderes ergibt – den
Berichtszeitraum 2. Halbjahr 2017 und 1. Halbjahr 2018.

Tät i gkei t s b e r i c h t 2 0 1 7 / 20 1 8

Seite

Vorwort
Disruptive Entwicklungen

Seite
3.2

4
3.3

Forschung und Politik

Vernetzte Nachbarn – Soziale
Medien als Instrument postmoderner
Nachbarschaftsbildung

48

Smart Cities: Bürgerbeteiligung am Beispiel
des Prozesses „Digitale Agenda“ der Stadt
Ludwigsburg

51

Rahmung und Ausrichtung der
vhw‑Forschungstätigkeit

10

4

Wohnungs- und bodenpolitischer Diskurs 53

1

Lokale Demokratie

12

4.1

Grund und Boden als Schlüsselthema

53

1.1

Partizipation und Deliberation

13

4.2

Die soziale Dimension von Wohnen

59

1.2

Projekte im Städtenetzwerk

16

1.3

Stadtmacher, Intermediäre Initiativen

21

1.4

Government & Governance

26

1.5

Meinungsbildung vor Ort: Kommunikation
und Medien

2

27

Transfer- und Öffentlichkeitsarbeit
5

Transferformate

62

5.1

Veranstaltungen

62

5.2

Zeitschrift „Forum Wohnen und
Stadtentwicklung“

66

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher
Zusammenhalt

30

5.3

Weitere Publikationen zu Forschung und Politik 69

2.1

Quartier und Nachbarschaft

30

5.4

Die Internetredaktion als Informationskanal

72

2.2

Öffentliche Räume im Zentrum der Städte

33

5.5

Pressearbeit

74

2.3

Migration und Integration

34

5.6

vhw-Kolloquium 2017/2018

75

2.4

vhw-Migrantenmilieustudie 2018

38

5.7

Kooperationen

75

3

Gesellschaftlicher Wandel durch
Digitalisierung

45

5.8

Vorträge & Veröffentlichungen

78

Digitalisierung des Städtischen:
Herausforderungen und Handlungsfelder

46

3.1

2

Inhalt

Seite

Fortbildung

Seite
7.3.5

6.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

86

6.1

Die Entwicklung der Fortbildungstätigkeit

88

6.2

Das Kerngeschäft im Überblick

88

6.3

Fortbildung in den Themenfeldern

97

6.4

Fernlehrgänge

113

6.5

Fachliteratur Fortbildung

114

6.6

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit im
Fortbildungsbereich

117

Rechnungsprüfungsausschuss
(§ 6 Abs. 3 der Satzung)

135

7.4

Verbandsstruktur

135

7.4.1

Bundesgeschäftsstelle/Hauptgeschäftsstelle

136

7.4.2

Geschäftsstellen

136

7.5

Mitgliederbewegung

137

7.6

vhw-Dienstleistung GmbH

138

7.7

vhw Stiftung

138

Anhang
Organisation

vhw-Jahresabschluss 2017

141

7.

Anschriften der vhw-Geschäftsstellen

146

Rechtliche Verhältnisse, Organe und
Organisation

130

7.1

Rechtliche Verhältnisse

130

7.2

Ehrenmitgliedschaften

130

7.3

Organe des Verbandes

131

7.3.1

Die Mitgliederversammlung
(§§ 7-9 der Satzung)

131

7.3.2

Das Kuratorium (§ 10 der Satzung)

131

7.3.3

Der Verbandsrat (§ 11 der Satzung)

134

7.3.4

Der Vorstand (§ 12 der Satzung)

135

3

Vor w or t

Disruptive Entwicklungen

S

eit einigen Jahren stößt man häufig auf die Worte
Disruption und disruptiv, zunächst vor allem in der
start-up-Szene, später auch in Politanalysen. Das zugehörige englische Verb, von dem die neuen Fachbegriffe
abgeleitet wurden, wird mit stören, unterbrechen, zerbrechen, auseinanderreißen übersetzt. Angesichts von
Erfahrungen in der Entwicklung der Digitalwirtschaft mit
neuen Produkten und Geschäftsmodellen, die in kürzester Zeit prägend wurden und analoge traditionelle Lösungen vom Markt verdrängten, bedurfte es offensichtlich
eines neuen eingängigen Begriffs, um die beobachteten
Phänomene zu benennen. Digitale Textverarbeitung,
digitales Fotografieren, Musik-Streaming, das IPhone und
jüngst Plattformökonomien gelten als hervorragende Beispiele disruptiver ökonomischer Entwicklung.
Nun ist das Stören, Zerbrechen, Auseinanderreißen nichts
Neues, sondern eher etwas Essentielles in einer dynamischen Wirtschaft. Innovation ist schließlich ihre motorische
Kraft. Der österreichische Ökonom Joseph Alois Schumpeter prägte dafür schon in den ersten Jahrzehnten des 20.
Jahrhunderts den Begriff schöpferische Zerstörung. Neu
erscheint bei ökonomischer Disruption zunächst einmal
das Tempo der Entwicklungen. Gestern noch ein unbekanntes Startup, morgen schon Weltmarktführer.
Des Weiteren erstaunt, mit welcher Nonchalance der
Begriff vom Beschreibenden, Analytischen zu etwas
Normativem, Zielorientiertem wurde. Während bei
Schumpeter und auch den älteren Beispielen aus der
digitalen Ökonomie noch die Schöpfung eines Produkts oder Geschäftsmodells im Vordergrund steht, das
überlegen ist und deshalb ältere Lösungen verdrängt,
scheint bei der Disruption inzwischen das Zerstören im
Vordergrund zu stehen. Das Neue muss gar nicht ausgearbeitet, überzeugend oder besser sein. Wenn das
Alte erst mal zerstört und schwach ist, entsteht Raum
für Anderes. Im Jahre 2015 stieg Disruption zum Wirtschaftswort des Jahres auf, wie im Netz zu lesen ist.

4

Eine ähnliche Karriere erfährt der Begriff inzwischen im
politischen Kontext, wo er zunehmend herangezogen
wird, um Politik zu beschreiben. Gab man im Sommer
2018 bei Wikipedia den Suchterm disruptive Politik ein,
so erhielt man 5.480 Treffer, bzw. 10.900 Treffer für disruptive politics.
Disruptive Politik ist – aus Sicht humanistisch geprägter Demokraten – ein auf Zerstörung der Demokratie
und des Rechtsstaats angelegtes politisches Vorgehen.
Es zielt darauf ab, die demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen, die Einhegung von Macht durch
Machtverteilung und -begrenzung, die Errungenschaften der Aufklärung sowie eine freie Presse und
Meinungsbildung zu diskreditieren und zu schleifen.
Disruptive Politik ringt nicht um auf Fakten basierende
Entscheidungen, die abwägen, ausgleichen, Minderheiten berücksichtigen und ein Gemeinwohl im Blick
haben. Disruptive Politik lügt, hasst, diskreditiert, wütet,
irrlichtert, beschimpft und provoziert, um die Grenzen
des Sagbaren zu verschieben. Auch hier das Motto:
„Wenn das Alte erst mal zerstört und schwach ist, entsteht Raum für Anderes.“
Trumpismus von Innen…
Die Personifizierung disruptiver Politik ist derzeit Donald
Trump, der Präsident des militärisch und ökonomisch
mächtigsten Landes der Welt. Seit seiner Amtseinführung im Januar 2017 ist sehr deutlich geworden, dass
er nicht nur andere Inhalte als sein Vorgänger verfolgt,
sondern dass er die Demokratie und ihre Institutionen
frontal angreift. Der Politologe Volker Boehme-Neißer
fragt in einem Artikel, was das Disruptive und Radikale
an Donald Trump und seiner Politik sei. Und er gibt
darauf die Antwort „Trump hält sich an keine Regel,
die er nicht selbst gemacht hat. Er akzeptiert grundsätzlich keine Grenzen seiner Macht. Das ist das absolute
Gegenteil von demokratischem Politikverständnis.“1
1

Boehme-Neißer, Volker: Disruptive Politik. In: TELEPOLIS vom 08.02.2017

Nun trifft das Trump´sche Attackieren in den USA auf
eine etablierte Demokratie, die mit der Verteilung von
Macht, starken Institutionen sowie den checks and
­balances grundsätzlich robust angelegt ist. Die demokratischen Hoffnungen setzen deshalb auf die Resilienz
des Systems. So trägt denn auch eines der Sachbücher
des Sommers 2018 zwar den dystopischen Titel Wie
Demokratien sterben, doch der Untertitel gibt mit Und
was wir dagegen tun können eine zuversichtlichere Perspektive, um der Erosion von Sprache, Normen und Institutionen zu begegnen.2
Trumps Vorgehen zielt darauf, eine andere Ordnung zu
erzwingen. Wie die aussieht ist noch unklar, doch dass
die Reichen und Mächtigen davon profitieren sollen
und werden, ist sicher. Politik als Ausleben von Stärke.
Sein „America first“ ist darin nur die nationalistische
Ansage für den globalen Kontext. Transformiert man
den Gedanken ins Kleinere, ins Innenpolitische, dann
wird daraus ein „we first“ oder „me first“. Und wo es
ein „wir zuerst“ gibt, da entsteht automatisch ein „ihr
danach“. Sprich: Gesellschaftliche Konflikte und Widersprüche einer vielfältigen Gesellschaft müssen in diesem
Denkschema nicht – mit Hilfe von Marktwirtschaft, sozialer Politik, individuellen Grundrechten und Rechtstaatlichkeit – ausgehalten, austariert, ausgeglichen werden,
sondern sie sind vorentschieden zwischen „guten“ und
„schlechten“ Bürgern. Welchen, die etwas fordern
dürfen und anderen, die schon froh sein dürfen, wenn
man sie übersieht. Ein erschreckendes Szenario.
Wäre Trump nur ein vereinzeltes Phänomen, so könnte
man vielleicht den Kopf schütteln und darauf hoffen, es
sei ein Spuk, der in einigen Jahren vorbei sei. Doch es ist
kein Spuk. Zum einen ist Trump nicht allein. Vielerorts in
Europa und Deutschland finden sich neurechte Politiker,
Parteien und Bewegungen, die in trumpistischer Weise
die Werte und Institutionen des demokratischen Rechtsstaats angreifen und mit nationalistischen, rassistischen
und sozialistischen Programmelementen auf Unterstüt2

Levitsky, Steven und Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben. Und
was wir dagegen tun können. München 2018.

zersuche sind. Zum anderen gilt der Satz aus Dürrenmatts
Physikern. „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr
zurückgenommen werden“. Soll heißen: Was erst einmal
gedacht, gesagt und gemacht wurde, bleibt lange wirkmächtig, selbst wenn es vorüber ist. Insofern wird der
Trumpismus über Trump hinaus wirken.
…und Druck von Außen
Gleichzeitig stehen die in Jahrhunderten der Aufklärung
entwickelten Werte und die seit der amerikanischen und
französischen Revolution schrittweise etablierten demokratisch-rechtstaatlichen Strukturen auch von außen
unter Druck. Es ist noch nicht lange her, dass man in
der westlichen Welt selbstverständlich davon ausging,
das fortschrittlichste Gesellschafts- und Politikmodell
zu haben, welches sich auf Dauer überall durchsetzen
müsse und werde. Mit wirtschaftlichem Erfolg, so das
Credo, würden Individualisierung und Freiheitsbedürfnisse wachsen, die wiederum demokratisch-rechtstaatliche Strukturen westlicher Prägung nach sich ziehen
müssten. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks
1989/90 schien dieses Ziel erreicht. Sinnbildlich dafür
stand seinerzeit der Aufsatz „Das Ende der Geschichte“
von Francis Fukuyama, in dem der amerikanische Politikwissenschaftler die These vertrat, dass sich bald die
Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie
und Marktwirtschaft endgültig und überall durchsetzen
würden.
Viele waren bereit, es zu glauben, doch die Realität sieht
ein Vierteljahrhundert später ganz anders aus. China,
Russland, Türkei – drei wichtige Länder, die vor zwanzig
Jahren auf einem westlich orientierten Liberalisierungsund Demokratisierungspfad waren oder zumindest
schienen, haben einen anderen Weg eingeschlagen.
Einen eigenen Weg, wie die jeweiligen Machthaber
selbstbewusst sagen würden. Autoritäre Führung, eingeschränkte Individualrechte, abhängige Gerichte,
intensive Kontrolle von Bürgern mit Hilfe der digitalen
Technologien, Einschüchterungen von Abweichlern und
Beschränkungen der Presse bilden ein illiberales Paket.
5

Vor w or t

Gleichwohl können, nach allem was man hört, die Regimes mit einer breiten Zustimmung aus der Bevölkerung
punkten. Zumindest in Russland und der Türkei finden
Wahlen und Abstimmungen statt, um den jeweiligen
Weg legitimatorisch abzusichern, auch wenn dabei die
bestehenden Machtasymmetrien genutzt werden, um
deutliche Zustimmungen zu erreichen. Hilfreich ist dabei
die Betonung nationaler Größe und Identität – etwa in
dem Sinne: „Wir sind groß, stark und wichtig und lassen
uns von niemanden herumschubsen.“
Die neuen Autoritär-Illiberalen sind keine Neuauflage
kommunistischer Einsperrregimes. Sie kennen grundsätzlich Reisefreiheit, Eigentum und individuellen Wohlstand. Sie wissen um den Nutzen von internationalem
Handel und freiem Kapitalverkehr. Dazu versprechen sie
Ruhe und Ordnung im Sinne eines Schutzes vor Terrorismus und Alltagskriminalität. Wirtschaftliches Wachstum, gerne auch mithilfe internationaler Investoren, ist
ein selbstverständliches Ziel. Es sind Gesellschafts- und
Politikmodelle, die sich nicht als Stufe auf dem Weg
einer Verwestlichung, sondern als bessere zukunftsfähigere Alternativen verstehen.
„Was soll daran schlecht sein?“, fragen sich nicht
Wenige. Auch im Westen, wo die Aufstiegsversprechen
der Nachkriegsjahrzehnte immer seltener gelten, wo die
Globalisierung neben Gewinnern auch Verlierer erzeugt
hat, und wo die Komplexität der Welt bei vielen Ratlosigkeit und Unsicherheit hervortreten lässt. Doch nicht nur
viele Bürger vom sogenannten Typ kleiner Mann scheinen an der liberalen Demokratie nicht mehr sonderlich
zu hängen oder sich nach Alternativen zu sehnen. Auch
in der Wirtschaft, also bei den sogenannten ökonomischen Eliten scheint es (zu) viele zu geben, denen die
Zukunft der Demokratie nur ein Kalkulationsfaktor ist.
Das meint jedenfalls Norbert Frei, dem mit Schrecken
auffiel wie selbstverständlich die politische Disruption in
Anlagekonzepte und Anlegerempfehlungen eingepreist
sei.3 „Abschied von der klassischen Demokratie“ gilt
3

6

Frei, Norbert: Eingepreist. In: Süddeutsche Zeitung vom 25.05.2018

dann als neuer Megatrend, auf den sich der Anleger einzustellen habe und wofür der Portfoliobetreuer schon
eine das Vermögen sichernde Lösung finden werde.
Norbert Frei ist ob dieser politischen Borniertheit und
Nonchalance, mit der Demokratie locker zum Auslaufmodell erklärt wird, erschüttert, und hofft, es möge in
Europa gelingen, „die Repräsentanten [der Wirtschaft]
an die Interessen unseres Gemeinwesens und ihre sich
daraus ergebenden Pflichten zu erinnern“.4
Verlockungen technokratischer Effizienz
Singapur – ein kleines Land und deshalb in keiner Weise
militärisch bedrohlich – geht diesen Weg seit langem.
Aufgeklärt-autoritär
und
technokratisch-optimiert
regiert hat es einen Entwicklungspfad hingelegt, der
staunen lässt. Sicherheit, Sauberkeit, Gesundheit, Bildung und Wohlstand beeindrucken und legitimieren
das System. Vielleicht kann man es so sagen: Die migra­
tions­willigen Armen in den weniger entwickelten Ländern dieser Welt träumen von Europa oder den USA.
Die bleibewilligen Mittel- und Oberschichten wünschen
sich eher eine Singapurisierung ihrer Heimatländer.
Einer ihrer intellektuellen Protagonisten ist Parag
Khanna, ein indisch-amerikanischer Politikwissenschaftler, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten, den
USA und in Deutschland aufwuchs. Ein gebildeter Kosmopolit, ohne jede nationalistische Anwandlung. Eindeutig ist er jedoch ein Fan technokratischer Effizienz
und er würde liberale Demokratien gerne so umbauen,
dass Wahlen oder Volksabstimmungen die fachlich leistungsfähigsten technokratischen Eliten an die Spitze
bringen, die dann den Volkswillen reibungslos in Fortschritt umsetzen. Irgendwie fühlt man sich dann doch
an das Modell Singapur erinnert.
Im Herbst 2017 war Parag Khanna zu einem Diskussionsforum beim Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier
eingeladen. Thema: Welche Zukunft hat der Westen? Es
wäre eine Chance gewesen, gut zuzuhören und nach4

ebd.

zufragen, doch zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit den Thesen von Khanna kam es nicht.5 Ihm
wird es egal gewesen sein, denn er hat weltweit genug
Zuhörer, die sich gerne von ihm inspirieren lassen.
Auch aus dem Silicon Valley kommen Impulse, die
nicht als Beiträge zur Stärkung der liberalen Demokratie wirken. Über die ambivalente Wirkung sozialer
Netzwerke ist in den letzten zwei Jahren schon reichlich geschrieben worden. Hinzu kommen die rapiden
Fortschritte der auf Algorithmen basierenden Künstlichen Intelligenz (KI) in Verbindung mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Danach wird einerseits die
Existenz eines freien Willens arg angezweifelt, während
andererseits selbstlernende Algorithmen auf die Dauer
schneller und besser ermitteln können, was dem einzelnen Menschen am Herzen liegt. Wenn dem so ist, hat
die Aufklärung ausgedient, denn sie hat das freie Individuum in den Mittelpunkit ihres Ansatzes gestellt, und
darum herum die Menschenrechte und Strukturen liberaler Demokratie konzipiert. In dem derzeit viel gelesenen Buch Homo Deus6 ist dieser Gedanke prägend und
für humanistisch geprägte Demokraten sehr verstörend.
Noch ist es nicht soweit, doch wenn führende Ingenieure und Entwickler der digitalen Welt daran glauben
und dementsprechend agieren, ist es nicht zu unterschätzen. Und selbst wenn die Lenkung der Welt durch
Künstliche Intelligenz noch in weiter Ferne liegt oder nie
kommt, so stehen viele führende Tech-Entrepreneure
für einen starken Glauben an technische und technokratische Effizienz. „Die Idee einer Technokratie, in der
man algorithmisch durchregieren kann, lebt“, meint der
Journalist Adrian Lobe.7 Für das mühsame Aushandeln
von Kompromissen, wie sie in demokratischen Struktu5

Herzinger, Richard: Wie im Schloss Bellevue der Westen gerettet
werden soll. In: Die Welt vom 20.09.2017

6

Harari, Yuval Noah: Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen.
C.H.Beck Verlag, 2017

7

Adrian Lobe: Leben wir bald in einer Technokratie? In: Süddeutsche
Zeitung vom 22.07.2017

ren die Regel sind, ist in datengestützten programmierbaren Technokratien kein Platz mehr.
Als Zwischenfazit kann man festhalten: Aus verschiedenen äußeren Perspektiven wirken der Westen und dreihundert Jahre Aufklärung als historische Epoche, die an
ihr Ende kommt. Das muss nicht so kommen, doch es
scheint möglich. Jedenfalls positionieren sich die Gegner
der liberalen Demokratie westlicher Prägung, die ihre
eigene Praxis für die überzeugenderen Alternativen
halten. Die Wende von 1989/90 markierte halt doch
nicht das Ende der Geschichte. Für die Suchanfrage Krise
des Westens liefert wikipedia im Sommer 2018 31.800
Treffer, für den Suchbegriff Ende der Demokratie gar
437.000 Treffer. Der Politikwissenschaftler, Historiker und
Soziologe Thorsten Brenner konstatiert in einem Aufsatz:
„Liberale Demokratien und offene Gesellschaften stehen
vor der größten Belastungsprobe seit den 30er Jahren.
Damit wird die Selbstbehauptung liberaler Demokratie
zur zentralen Herausforderung deutscher Politik…“8
vhw-Ziel: Demokratie stärken
Die hier skizzierten Entwicklungen verstören nicht nur
die Anhänger der liberalen Demokratie. Sie fordern
auch den vhw als Idealverband zur Weiterentwicklung
seiner Handlungsansätze heraus. Als der Verband sich
vor etwa einem Jahrzehnt mit einer neuen Satzung und
der unterstützenden Roadmap neu positionierte, hat er
sich die Stärkung der lokalen Demokratie auf die Fahnen
geschrieben. Nun könnten wir uns heute selbstgefällig
auf die Schultern klopfen, den damaligen Weitblick
loben und erst recht mit unseren damals in den Blick
genommenen Ansätzen weitermachen. Doch so einfach
ist es nicht. Denn den Kontext einer disruptiven Politik
mit einer grundsätzlichen Infragestellung oder zumindest den Versuchen einer erheblichen Aushöhlung der
liberalen Demokratie und des Rechtsstaats durch im
8

Benner, Thorsten: Die autoritäre Herausforderung und die Selbstbehauptung der liberalen Demokratien. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.):
Krise des Westens Analysen und Meinungen zur Verantwortung
Europas für die liberale Weltordnung. Reader zur 18. Außenpolitischen Jahrestagung, Juni 2017, S. 31-37

7

Vor w or t

Parlament vertretene Parteien, in den Medien präsente
Politiker und nicht unerhebliche Teile des Wahlvolkes
hat damals niemand im Blick gehabt.
Im Fokus stand stattdessen die Bürgergesellschaft in
ihrer bunten Milieuvielfalt. Die Weiterentwicklung von
partizipativer Teilhabe und Mitwirkung der Bürger, orientiert an den Prinzipien deliberativer Demokratie – also
auf breiter Mitwirkung, Informiertheit und fairen Diskursarenen basierende demokratischen Lösungsfindungen für gesellschaftliche und stadtplanerische Fragen –
stand ganz oben auf der Agenda des vhw. Dieser Ansatz
fühlte sich einerseits an wie eine natürliche Fortsetzung
des Satzes „Mehr Demokratie wagen“, mit dem Willy
Brandt 1969 in seiner Regierungserklärung mehr politische Partizipation versprochen hatte. Politische Eliten
und Technokraten sollten mehr durch den emanzipierten
Bürger kontrolliert und beeinflusst werden. Andererseits
reagierte der vhw mit seinem Ansatz auch auf eine vielfältiger werdende Gesellschaft, deren Bürger den Bezug
zu den klassischen intermediären Politikvermittlern
wie den Volksparteien, den Gewerkschaften und den
Kirchen immer stärker verloren. Eine ständig sinkende
Wahlbeteiligung wurde als Indiz für den Rückgang politischer Teilhabe gesehen. Mit den deliberativ angelegten
Beteiligungsprojekten im Rahmen des Städtenetzwerks
sollte so politische Teilhabe unmittelbar ermöglicht und
das Vertrauen in die Demokratie gestärkt werden.
Nun – zehn Jahre später – hat sich der Kontext deutlich verschoben. Partizipation an lokalen Stadtentwicklungsprozessen ist sicherlich weiter wichtig. Die Festschreibung von entsprechenden Verfahrensstandards in
vielen Großstädten ist ganz im Sinne der Ziele des vhw.
Gleichwohl reicht mehr und bessere Partizipation als
Instrument zur „Stärkung der Demokratie“ bei weitem
nicht aus. Mehr deliberative Partizipation ist keine hinreichende Antwort in einer Zeit politischer Disruption.
Deswegen stellt sich der vhw seit einiger Zeit in seinem
Bereich Forschung & Politik mit den vier Forschungsclustern Lokale Demokratie, Urbaner Wandel und

gesellschaftlicher Zusammenhalt, Digitalisierung und
Wohnen systematisch breiter auf. Und im Cluster Lokale
Demokratie sind neben der deliberativen Partizipation
auch Arbeiten zu Intermediären, Governance, lokaler
Politik und Verwaltungsmodernisierung aufgenommen. Man könnte auch sagen, Ansätze zur institutionellen Stärkung der Demokratie gewinnen an Gewicht.
Das könnte ganz im Sinne von Francis Fukuyama sein,
für den das Ende der Geschichte erst einmal vertagt
ist. In einem Interview mit der Neuen Züricher Zeitung
meinte er: „Die Lösung für eine Handlungsschwäche
[der liberalen Demokratie] liegt nicht einfach darin,
eine einzelne starke Figur zu wählen, sondern Institutionen zu schaffen, die es einfacher machen, gemäß den
Gesetzen effizient zu handeln und gute Kompromisse
auszuhandeln.“9
Und im gleichen Interview fügte er hinzu: „Der Grund,
weshalb die Menschheit auf die Idee einer liberalen
Demokratie kam, ist eine ganz einfache Erkenntnis:
Wenn Menschen Themen wie Religion oder Identität
derart ernst nehmen, dann muss es einen Rahmen für
eine friedliche Konfliktlösung geben. Und weil heute in
immer mehr Ländern Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenleben, ist das wichtiger denn je. Diesen
friedlichen Ausgleich kann nur ein System leisten, das
auf der Idee der Toleranz, gegenseitigem Respekt und
Meinungsvielfalt beruht. Eben: die liberale Demokratie.
Liberalismus stellt die rationale Lösung dar für die Aufgabe, mitten in der Vielfalt regieren zu müssen.“10

Dr. Peter Kurz
Verbandsratsvorsitzender

9

Fukuyama, Francis: „Das Ende der Geschichte ist vertagt“. Interview
in: NZZ vom 18.03.2017

10 ebd.

8

Prof. Dr. Jürgen Aring
Vorstand

vhw

Forschung & Politik

9

F or s c hun g u n d P o l i t i k

und der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) wurde ein neues Projektportfolio etabliert, das
neben Praxisprojekten und Eigenprojekten u. a. auch
Kooperationen und Vergabeprojekte als Ausschreibungen vorsieht – also einen Wettbewerb der besten Ideen
anregt. Durch diese neue Forschungspraxis konnten
innerhalb kurzer Zeit nicht nur viele spannende Projekte
durchgeführt, sondern auch – über die bewährten und
langjährig mit dem vhw verbundenen Praxispartner
hinaus – gute neue Kontakte in der Forschungsszene
geknüpft und die fachlichen und Kooperations-Netzwerke ausgebaut werden. Der vhw-Forschungsbereich
hat sich als Forschungsakteur zwischen Wissenschaft
und Praxis damit weiter profiliert und an Sichtbarkeit
gewonnen. Auch die zunehmende Kooperation zwischen Fortbildungs- und Forschungsbereich an geeigneten inhaltlichen und organisatorischen Schnittstellen hat
hier bereits Früchte getragen.

Rahmung und Ausrichtung der
vhw‑Forschungstätigkeit
Die neue Clusterstruktur

D

ie momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen
stellen viele Akteure vor große Herausforderungen
– nicht zuletzt in den Kommunen und in der Wohnungswirtschaft. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass
die Aufmerksamkeit für Forschung in den Bereichen
Stadtentwicklung und Wohnen in den letzten Jahren
zugenommen hat. Angesichts sich rasch verändernder
Rahmenbedingungen mangelt es in vielen Themenfeldern an konzeptionellem Fundament, an systematischer
empirischer Evidenz und an einem entsprechenden
Transfer in die Praxis.

Die vhw-Forschung hat hier in den letzten Jahren relevante Beiträge geleistet: Aus den zahlreichen Beteiligungsprojekten im vhw-Städtenetzwerk und der
umfangreichen Milieuforschung des vhw liegen einzigartige inhaltliche und methodische Erkenntnisse vor,
die in jüngerer Zeit vermehrt in Wert gesetzt, gebündelt
und im Sinne einer besseren Übertragbarkeit verdichtet und publiziert wurden (u. a. im Format der vhw-­
werkSTADT). Gleichzeitig ist der vhw-Forschungsbereich
kräftig gewachsen, womit inhaltliche Kontinuität und
gleichzeitig – bei steigender Zahl der Projekte – eine
thematische Diversifizierung verbunden sind. Inzwischen kann über die bisherigen Themen hinaus auch an
weitere aktuelle Diskurse aus Praxis und Wissenschaft
angeknüpft werden.
Der wachsende Wissenschaftsbetrieb erfordert weiterhin
einen verantwortungsvollen Umgang mit den Budgets
und adäquate Organisationsstrukturen. Deren Aufbau
wurde im Berichtsjahr erfolgreich fortgeführt und wird
auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe bleiben. Neben
zahlreichen organisatorischen Innovationen (u. a. der
Einführung einer neuen Projektstruktur, gemeinsamer
Projektmanagement-Standards, der Prozessoptimierung
10

Als weitere zentrale Neuerung wurde eine thematische
Clusterstruktur für den Forschungsbereich entwickelt,
die der Anpassung und Bündelung bestehender und
neu heranwachsender inhaltlicher Felder dient (siehe
Abbildung 1):
•

Der vhw sieht sich der Stärkung der Bürgergesellschaft
und der lokalen Demokratie verpflichtet und hat in
diesem Bereich eine große Expertise vorzuweisen. Das
Cluster „Lokale Demokratie“ basiert deshalb auf den
Arbeiten des vhw zu theoretischen Grundlagen guter
Beteiligung, insbesondere zur demokratischen Deliberation und den damit verbundenen Verfahrenslogiken.
Gleichzeitig steht hier die Anwendung und Umsetzung
dieses konzeptionellen Fundaments in der partizipativen
kommunalen Praxis im Mittelpunkt: Im vhw-Städtenetzwerk wird inklusive Beteiligung nach vhw-Prinzipien
und mit vhw-Instrumenten (wie etwa Milieu- oder Netzwerkanalysen) erprobt, erfolgreich weiterentwickelt und
in Theorie und Praxis zurückgespiegelt – zum Beispiel
durch den theoretischen Ansatz der deliberativen Systeme und durch praxisbezogene Leitlinien zur Bürgerbeteiligung. Das Subcluster zum Thema Kommunika-

Rahmung und Ausrichtung der vhw‑Forschungstätigkeit

siert. Dies bietet außerdem
eine passgenaue Schnittstelle zur Steuerungsebene,
Lokale Demokratie
Urbaner Wandel und
denn im Bereich der sozigesellschaftlicher Zusammenhalt
• LD1: Demokratische Deliberation
alen
und
nachhaltigen
• LD2: Partizipative kommunale Praxis
• UW1: Quartier und Nachbarschaft
Stadtentwicklung
haben
• LD3: Kommunikation und Stadtentwicklung
• UW2: Soziale und nachhaltige Stadtentwicklung
• LD4: Akteurs- und Governanceforschung,
sich
die
politischen
Ebenen
• UW3: Migration und Integration
Intermediäre
von Kommune bis EU in
• UW4: Soziale Millieus
den letzten Jahren immer
stärker auf QuartiersentCluster
Cluster
wicklung
konzentriert
Digitalisierung
Wohnen in der Stadtentwicklung
(z. B. Programm Soziale
• DI1: Stadt und Social Media
Stadt, Leipzig-Charta). Hier
• WS1: Wohnungspolitik und Instrumente
• DI2: Smart Cities
• WS2: Akteure, Markt und Handlungsweisen
werden auch die wirkmäch• WS3: Objekt-, Quartiers- und Siedlungstypen
tigen Diskurse zu nachhaltiger Stadtentwicklung,
Resilienz und Transformation adaptiert. Ein besonAbb. 1: Die vhw-Forschungscluster 2018
Grafik: vhw e. V.
ders wichtiger Teil sozialer
tion hängt eng mit den Fundamenten der Deliberation
Stadtentwicklung stellt wiederum die Frage nach der
zusammen und wird in Bezug auf Stadtentwicklungserfolgreichen Integration von Zugewanderten dar, mit
prozesse und deren Akteure ausgebaut. Damit werden
der sich die vhw-Forschung ebenfalls intensiv befasst.
Antworten auf komplexe Fragen möglich, wie etwa zu
Der Integrationsdiskurs, der momentan besonders viel
den heutigen Rahmenbedingungen der MeinungsbilAufmerksamkeit erfährt, wird ein Dauerthema der
dung vor Ort. Komplementär dazu wird im vierten Subnächsten Jahrzehnte und deshalb auch künftig fester
cluster die Akteursperspektive aufgegriffen. Im Kontext
Bestandteil der vhw-Forschungsagenda bleiben. Der
von Governance-Prozessen werden hier unter anderem
Tatsache, dass unsere vielfältigen Stadtgesellschaften
die spezifischen Perspektiven von Intermediären oder
weniger über Schichtmodelle verstehbar sind, sondern
Vertreterinnen und Vertretern der Lokalpolitik unter die
eine differenziertere Betrachtung erfordern, tragen wir
Lupe genommen, was die vorher genannte Strukturmit dem Subcluster „Soziale Milieus“ Rechnung, in dem
und Verfahrensbetrachtung ideal zu ergänzen vermag.
das vhw-Milieuwissen auf verschiedene Themenfelder
des urbanen Wandels angewandt wird.
• Das Cluster „Urbaner Wandel und gesellschaftlicher
Cluster

Cluster

Zusammenhalt“ blickt ebenfalls auf langjährige vhwForschungstätigkeiten zurück, mit denen das Thema der
sozialen Kohäsion immer wieder aus unterschiedlichen
Perspektiven verhandelt wurde. Weil für das Verständnis
von städtischem Wandel und Zusammenhalt Quartiere
und Nachbarschaften und deren konzeptionelle Rahmung zentral sind, werden diese Handlungsebenen mit
einem eigenen Subcluster in Theorie und Praxis adres-

•

Die beiden weiteren Cluster „Wohnen in der Stadt‑
entwicklung“ und „Digitalisierung“ haben ein etwas
geringeres Projektvolumen als die beiden erstgenannten Cluster, sind aber nicht weniger wichtig. Das Thema
Wohnen – aufgrund des akuten Wohnungsmangels in
vielen Kommunen zurzeit eines der dominanten politischen Themenfelder – wird im ersten Subcluster aus
einer sozialen und resilienten Perspektive und im Kon11

F or s c hun g u n d P o l i t i k

text politischer Steuerung gedacht. Auch hier wird das
Milieu-Know-how mit Fragen der Wohnungsversorgung
verknüpft und auch hier spielt die Quartiersperspektive
eine wichtige Rolle, wie etwa bei der Betrachtung von
Einfamilienhausgebieten der 1950er- bis 1970er-Jahre,
die sich besonderen soziodemografischen und ökonomischen Herausforderungen gegenübersehen. Kontinuierliche Regional- und Marktanalysen, die als Beurteilungskontext lokaler kommunaler Prozesse zentral sind,
ergänzen dieses Cluster. Die Digitalisierung – repräsentiert durch das vierte Cluster – ist noch mehr als andere
der hier angesprochenen Forschungsfelder ein echtes
Querschnittsthema. Aber gerade deshalb wurde der Digitalisierung als Neuland im vhw-Forschungsbereich ein
eigener Platz zugewiesen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen Einflüsse, u. a. von Social Media auf Stadtentwicklung sowie die Smart City-Thematik, die im Hinblick
auf soziale Einbettung und Beteiligung kritisch hinterfragt wird.
Selbstverständlich gibt es zahlreiche Querverbindungen und Überschneidungen zwischen den Clustern, die
dann auf der konkreten Projektebene berücksichtigt
und ausgestaltet werden.
Die neue Clusterstruktur hat als Baustein der umfassenderen Restrukturierungen verschiedene Vorteile:
Sie repräsentiert gleichermaßen eine Projektvielfalt
und Überschaubarkeit, bietet geeignete Diskursräume
(intern und extern) und ermöglicht gezielte, strategische
Weiterentwicklungen des Projektportfolios. Gleichzeitig
ist die Struktur offen genug für die Exploration und Erarbeitung neuer, innovativer Themenfelder.

1

Lokale Demokratie

S

tädte und Gemeinden in Deutschland sind im
Grundsatz bürgerschaftlich organisiert, d. h. die Einbeziehung der Bürger in die kommunale Aufgabenerfüllung, z. B. über die bekannten Formen der repräsentativen, direkten und der partizipativen bzw. deliberativen

12

Demokratie, „… ist der Kern kommunaler Selbstverwaltung“ (Deutscher Städtetag 2013). Die „lokale Demokratie“ und deren „Stärkung“ gehören somit zu den
wichtigsten Gegenständen der wissenschaftlichen
Arbeit des vhw-Bundesverbandes in den Handlungsfeldern Wohnen und Stadtentwicklung.
Lokale Demokratie, eingebunden in das politische
Mehrebenen-System von Bund, Ländern und Kommunen, meint die Gesamtheit aller lokalpolitischen
Strukturen, Prozesse und Akteure, die in ihrem wechselseitigen Zusammenwirken die Demokratie auf kommunaler Ebene verkörpern. Sie umfasst eine Vielzahl
von „Governance“-Aktivitäten beim Zusammenwirken
von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Intermediären und Bürgerschaft bei der Meinungsbildung,
der Partizipation und der Vorbereitung von Entscheidungen. Und sie umfasst das repräsentative „Government“
beim Zusammenwirken von Verwaltung, Lokalpolitik,
Ausschüssen sowie Räten bei der Herstellung politischer
Entscheidungen. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die
vielfältig gestaltete Schnittstelle zwischen diesen beiden
ein, an der die unterschiedlichen Strukturen, Akteure
und Handlungslogiken aufeinandertreffen und erfolgreich koordiniert werden müssen.
Nachdem sich der vhw intensiv der Entwicklung, Anwendung und Evaluierung deliberativer Beteiligungsformate
und zuletzt auch der Akteursforschung zugewandt
hat, rücken aktuell noch weitere Bausteine der lokalen
Demokratie in den Fokus, um nach und nach ein ganzheitliches Verständnis zu erarbeiten. Im Berichtszeitraum
wurden u. a. eine Zwischenbilanz der Aktivitäten zur deliberativen Bürgerbeteiligung erarbeitet (vhw werkSTADT
Nr. 16), Weiterentwicklungen und Aktualisierungen vorgenommen, z. B. zur Evaluation (Leitfaden zur Evaluation
von Verfahren der Bürgerbeteiligung), zur deliberativen
Demokratie sowie zur Systematisierung der Qualitätskriterien der Bürgerbeteiligung (vhw werkSTADT Nr. 19).
Zudem wurden neue Themenfelder besetzt (Kommunalpolitik, Stadtmacher), eine Studie zum Zusammenwirken von Wohnungsbau, Stadtentwicklung und Bür-

Lokale Demokratie

gerbeteiligung (vhw-Schriftenreihe Nr. 8) sowie zu den
Herausforderungen der Vielfalt im öffentlichen Raum
herausgegeben (vhw-Schriftenreihe Nr. 7) und zahlreiche
Praxisprojekte im Rahmen des Städtenetzwerks realisiert,
u. a. in Essen, Bremen (vhw werkSTADT Nr. 18), Berlin
(vhw werkSTADT Nr. 20) und Offenbach. Zudem war
der vhw in drei Expertengruppen der „Allianz Vielfältige
Demokratie“ der Bertelsmann Stiftung vertreten und hat
seine Expertise in die Weiterentwicklung und Verbreitung partizipativer und deliberativer Ansätze zur lokalen
Demokratie eingebracht.

1.1

Partizipation und Deliberation

Z

um Thema Partizipation und Deliberation wurden
im Berichtszeitraum mehrere Projekte realisiert, die
ähnlich einem immer mehr an Gestalt gewinnenden
Puzzle vorhandene Weiterentwicklungen aufgreifen
und nach und nach „blinde Flecken“ in den Themenfeldern beseitigen sollten. Dazu gehörten unter anderem
die Projekte:
Leitfaden zur Evaluation von Beteiligungsverfahren

E

in Blick in die Fachwelt der Bürgerbeteiligung zeigt,
dass es bereits eine große Vielzahl von Leitfäden
und Wegweisern für die Organisation, Gestaltung und
Durchführung von Beteiligungsverfahren in Deutschland
gibt. Nach einschlägigen Onlinerecherchen scheint es
jedoch, obwohl das Thema in der allgemeinen Debatte
eine zunehmend bedeutendere Rolle einnimmt, keinen
leistungsstarken, wissenschaftlich fundierten und höheren Ansprüchen gerecht werdenden Leitfaden zur Evaluation von Verfahren der Bürgerbeteiligung zu geben, der
zudem noch in der alltäglichen kommunalen Praxis relativ
einfach und wenig aufwändig zu handhaben sein sollte.
Der vhw hat in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit Prof. Gary Schaal und Prof.‘in Dr. Claudia Ritzi
von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg ein solches Instrumentarium zur Qualitätsmessung von Beteiligungsverfahren entwickelt und in mehreren Städten und

Beteiligungsverfahren erprobt. Vor diesem Hintergrund
hat der vhw nunmehr das Fehlen von allgemein zugänglichen, fundierten Grundlagen zum Anlass genommen,
Prof. Ritzi (jetzt Universität Münster) und ihren Mitarbeiter Jan Kaßner damit zu beauftragen, das bereits bestehende Instrumentarium noch einmal fundiert aufzubereiten und der Allgemeinheit in Form eines einfachen
Leitfadens zur Evaluation von Verfahren der Bürgerbeteiligung zugänglich zu machen. Der Leitfaden, der einen
weiten Bogen von den wissenschaftlichen Grundlagen
über die Dialoggestaltung bis hin zur (Selbst-)Evaluation
der Beteiligungsverfahren schlägt, liegt nunmehr in erster
Fassung vor und wird in den kommenden Monaten für
Publikationszwecke fertiggestellt.
Querschnittsanalyse deliberativer Beteiligungs‑
verfahren

Z

eitgleich wurde Prof. Schaal beauftragt, die in den
vergangenen Jahren vom vhw durchgeführten
Beteiligungsverfahren in zahlreichen deutschen Städten
noch einmal im Quervergleich zu analysieren, um die
ortsübergreifend bewährten und ggf. noch nicht erfolgreichen Bausteine deliberativer, d. h. beratschlagender
Beteiligungsverfahren und Beteiligungssysteme herauszuarbeiten und ggf. entsprechende Anpassungen und
Weiterentwicklungen des theoretischen Rüstzeugs und
des praktischen Instrumentariums vorzunehmen. Das
Gutachten soll bis zum Frühjahr 2019 vorgelegt werden.

Abb. 2: Netzwerken zu zentralen Fragen der Stadt

Foto: © vhw e. V.

13

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Zwei praxisorientierte Projekte – eines in Hamburg und
eines in Berlin – boten sich zudem geradezu idealtypisch an, um die Arbeitsergebnisse beratend einzusetzen und damit zugleich eine realistische Überprüfung der Ergebnisse und angedachten Neuerungen zu
erzielen. Nicht zuletzt lassen sich damit zudem die in
den letzten Jahren ausgearbeiteten Beteiligungsformate durch weitere praktische Anwendungen in Wert
setzen.

Systematisierung der Qualitätskriterien der
­Bürgerbeteiligung

Projekt „Aufbau eines „Verbündeten-Netzwerks“
auf den Hamburger Elbinseln
Hier wird versucht, ein engmaschiges Netzwerkwerk
lokaler Intermediäre zu schaffen, das sich regelmäßig
zu den Fragen der Stadtentwicklung engagiert sowie
zugleich als kommunikativer Mittler für eine inklusive Einbeziehung möglichst aller Bevölkerungskreise
betätigt. Das Projekt begann im Frühjahr, ist auf ein
Jahr angelegt und wird vom Bürgerhaus Wilhelmsburg
geleitet.

Die große Anzahl solcher Ausarbeitungen, die jeweils
bestimmte, mehr oder weniger verbindliche Qualitätskriterien für die Bürgerbeteiligung aufzeigen und
entsprechende Regeln aufstellen, haben beim vhw
das Interesse geweckt, die augenscheinlich sehr verschiedenen Inhalte dieser Leitlinien und Regeln einmal
einem systematisierenden Quervergleich zu unterziehen. Damit sollen – neben den lokalen Spezifika – allgemein oder mehrheitlich akzeptierte Qualitätskriterien
aufgezeigt und ein Orientierungswissen geschaffen
werden, mit dem sich interessierte Städte und Gemeinden einen schnellen Überblick über aktuelle Standards
zur Bürgerbeteiligung verschaffen können. Zu diesem
Zweck wurden mithilfe einer einschlägigen Onlinerecherche rund 25 publizierte Leitlinien und Regelwerke
ausgewählt, überwiegend von wissenschaftlichen Einrichtungen, Verbänden und Initiativen, zum Teil auch
von großen Städten, und einer ausführlichen, systematisierenden Inhaltsanalyse unterzogen. Die zusammengefassten Ergebnisse dieser Studie, die jenseits lokaler
Eigenheiten einen großen, stabilen Kern von übereinstimmenden Kriterien bzw. Qualitätsanforderungen
aufzeigen, werden im Juli 2018 in einer weiteren vhw
werkSTADT veröffentlicht.

Projekt in Berlin Spandau – im Rahmen des Pro‑
gramms BENN (Berlin entwickelt neue Nach‑
barschaften) der Berliner Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und Wohnen
Es wird sich als Modellversuch der Herausforderung
widmen, dass trotz vielfältiger Aktivitäten erhebliche Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Einbeziehung weiter Kreise der Bevölkerung zu konstatieren sind – selbst bei vermeintlich bürgernahen und
niedrigschwelligen Fragestellungen und Themen der
Quartiersentwicklung sowie bei Fragen der nachbarschaftlichen Integration. Aus diesem Anlass sollen
modellhaft zunächst dezentrale und zielgruppenorientierte Beteiligungsformate umgesetzt werden, die im
Anschluss und im Sinne der vom vhw und Prof. Schaal
vorgeschlagenen „deliberativen Systeme“ in einem
Bürgerforum zu einem durch qualitativ hochwertige
Bausteine legitimierten und ganzheitlichen Beteiligungsverfahren gebündelt werden. Das Projekt ist im
Juli 2018 in Vorbereitung.
14

Der vhw hat seine in den letzten Jahren in verschiedenen städtischen Praxisprojekten gesammelten Erkenntnisse ausgewertet, in zehn grundlegende Leitlinien
zusammengefasst, begründet und der Öffentlichkeit
mit zwei Ausgaben des Formats „vhw werkSTADT“
zugänglich gemacht.

vhw werkSTADT Nr. 19: Im Vergleich: Leitlinien zur
Bürgerbeteiligung
Link: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/werkSTADT/PDF/vhw_werkSTADT_
Qualitaet_Beteiligung_Nr_19_2018.pdf

Lokale Demokratie

vhw werkSTADT Nr. 16: Bürgerbeteiligung neu justiert!
Link: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/werkSTADT/PDF/vhw_werkSTADT_Neujustierung_von_Buergerbeteiligung_Nr_16_2017.pdf
vhw werkSTADT Nr. 9: „Es gibt Wichtigeres als diese
Bushaltestelle!“
Link: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/werkSTADT/PDF/vhw_werkSTADT_
Beteiligung_Kiel_Nr_9_2016.pdf
Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung im
Wohnungsbau
Die aktuellen Angebotsengpässe auf dem Wohnungsmarkt haben in den letzten Jahren eine große
Betriebsamkeit im Bereich der Planung und des Wohnungsbaus ausgelöst. Mehrfach wurde dabei auch in
Wahlkämpfen von politischer Seite die Forderung aufgestellt, man müsse, um zügig zum Bau neuer Wohnungen zu gelangen, die Bürgerbeteiligung begrenzen
oder gar aussetzen, da sie einer zügigen Errichtung
neuer Wohnungen nur im Wege stehe.
In Folge dessen hat sich der vhw die Frage gestellt,
inwieweit Errungenschaften, wie die Integrierte Stadt-

entwicklungs- und Rahmenplanung sowie die frühzeitige Beteiligung der Bürger, tatsächlich zum Erfolg oder
Misserfolg einer zügigen Projektrealisierung in den vergangenen Jahren beigetragen haben. Diese Frage war
Gegenstand einer Studie, die von Prof. Dr. Uwe Altrock
und seinem Team von der Universität Kassel im Auftrag
des vhw sowohl in quantitativen Analysen als auch in
mehreren Vertiefungsbeispielen untersucht wurde.
Dazu wurden zunächst mittels Internet- und Zeitungsrecherche rund 150 größere Wohnungsbauprojekte
in deutschen Großstädten mit mehr als 500 Wohneinheiten auf diese Fragen hin gescannt, um quantitative und grundlegende typologische Aussagen über
die Gesamtheit aller erfassten Vorhaben zu erhalten.
Darauf aufbauend wurden zwölf Projekte zum Wohnungsneubau mit ambitionierten Stadtentwicklungsplänen und Beteiligungsansätzen herausgefiltert und
eine systematisierende Gesamtschau zu den Projekten,
Planungsgrundlagen, Handlungsprogrammen und Entwicklungskonzepten erarbeitet. Anhand dessen wurden
ausgewählte Wohnungsbauprojekte in den Städten
Freiburg, Hamburg und München für die vertiefenden
Fallstudien ausgewählt und in vergleichender Perspektive analysiert. Die Studie schließt mit ersten Empfehlungen für die Planungs- und Beteiligungspraxis in Städten
und Gemeinden.
Der Erfolg von Wohnbauprojekten lässt sich natürlich
nicht kausal auf das Vorliegen einer Integrierten Stadtentwicklung und einer ambitionierten Bürgerbeteiligung zurückführen. Gleichwohl vermag es die Studie,
systematisch eine große Bannbreite erfolgreicher Wohnungsbauprojekte aufzuzeigen, die allesamt in recht
vielschichtige und komplexe Prozesse der Stadtentwicklung sowie intensive Prozesse der Bürgerbeteiligung eingebettet waren. Der Erfolg der Projekte hat darunter,
wie die Studie zu zeigt, nicht gelitten.

Abb. 3: Forschungsnachricht: Die Studie wurde im Februar 2018 im vhw vorgestellt
Screenshot: vhw-Internet via Google

15

F or s c hun g u n d P o l i t i k

„Allianz Vielfältige Demokratie“
Vor zwei Jahren hat die Bertelsmann Stiftung die „Allianz Vielfältige Demokratie“ ins Leben gerufen, in der
sich weit über einhundert Beteiligungsexperten aus
ganz Deutschland in zahlreichen Treffen und mehreren Fachtagungen zusammengefunden haben, um
in sechs thematischen Arbeitskreisen grundlegende
Fragestellungen einer vielfältigen Demokratie zu bearbeiten. Der vhw war in der Allianz mit drei Personen,
darunter Vorstand Prof. Jürgen Aring, vertreten und hat
seine Expertise in Sachen Bürgerbeteiligung, teilweise in
verantwortlicher Position, eingebracht. Die Ergebnisse
der zweijährigen Zusammenarbeit in den sechs Arbeitskreisen: Inte­grierte Partizipation, Transparenz, Qualität,
Kompetenz und Breite Beteiligung, Beteiligungsmonitor, darunter verschiedene thematische Veröffentlichungen, Deklarationen und politische Vorstöße, wurden
auf einer zweitägigen Abschlusskonferenz im Frühjahr
2018 in Berlin vor mehr als 200 geladenen Gästen aus
Fachwelt Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft vorgestellt und ausführlich öffentlich diskutiert. Das positive Echo dieser bundesweiten Zusammenarbeit von
Beteiligungsexperten und kommunalen Praktikern hat
dazu geführt, dass die „Allianz Vielfältige Demokratie“
selbstverantwortlich durch ihre Mitglieder weitergeführt
wird und auf Initiative des Landes Baden-Württemberg,
u. a. in Kooperation mit dem vhw – Bundesverband für
Wohnen und Stadtentwicklung e. V., im Frühjahr 2019
eine weitere Fachtagung der „Allianz Vielfältige Demokratie“ in Berlin stattfinden wird.

1.2

Projekte im Städtenetzwerk

D

as Städtenetzwerk ist im Berichtszeitraum durch
zwei parallel verlaufende, fortgesetzte Entwicklungen gekennzeichnet: die Aufweitung des eng gefassten
Netzwerk- und Bündnisgedankens hin zu einem weiter
gefassten Verständnis des Städtenetzwerks als zeitgemäßes, offenes Kooperationsnetzwerk einerseits sowie

16

die akteursbezogene Aufweitung und die schwerpunktorientierte Vertiefung bestimmter Themen andererseits.
Thematische Schwerpunkte bildeten insbesondere die
i. d. R. flächenbezogenen Themen der koproduktiven
Stadtentwicklung (Essen Nord), der milieugestützten
und deliberativ orientierten Bürgerbeteiligung (Neue
Vahr Bremen, Nordend Offenbach, Wilhelmsburg Hamburg), der Bildungsquartiere (Neukölln Berlin) und der
lokalen Integrationspolitik (Delmenhorst). In diesen
Verfahren wird der Trend erkennbar, Bürgern, Zivilgesellschaft bzw. Intermediären eine wichtige, mitunter
tragende Rolle und ein zunehmendes Maß an Verantwortung bei wichtigen Fragen der Stadtentwicklung zu
übertragen. Zu den schwerpunktorientierten Vertiefungen gehören u. a. die Analyse mehrerer innovativer Bürgerbeteiligungsverfahren in Hamburg, die im Rahmen
von restriktiv regulierten städtebaulichen Wettbewerben
durchgeführt werden konnten sowie die Workshops zur
Einführung in die milieuorientierte Bürgerbeteiligung
im Zuge der Quartiersentwicklung (z. B. Berlin; Berlin
entwickelt neue Nachbarschaften). Einige ausgewählte
Projekte werden nachfolgend ausführlicher aufgezeigt:
Berlin-Neukölln: Bildungsquartier Flughafenstraße
Der vhw unterstütze das Quartiersmanagement Flughafenstraße in Berlin-Neukölln bei der Weiterentwicklung
seines lokalen Bildungsnetzwerks im Zeitraum Mai 2016
bis Juni 2017. Im Berichtszeitraum fanden vor allem
die Auswertung und Dokumentation statt. Das Projekt
fokussierte schwerpunktmäßig auf den Aspekt der Bildungsverbünde und Bildungsnetzwerke. Diese sind in Bildungslandschaften ein zentraler Gelingensfaktor für den
Bildungserfolg. Zentrale Arbeitsschritte bildeten dabei die
drei Säulen: Analyse, Dialog und Entwicklung von Umsetzungsperspektiven.
Ziel des Projekts war es zu benennen, an welchen Punkten noch Entwicklungspotenziale des Bildungsnetzwerks bestehen und wie diese mit konkreten Projekten
weiterentwickelt werden können. Das Projekt verfolgte
einen quartiersbezogenen Ansatz und verknüpfte die

Lokale Demokratie

Handlungsfelder Bildung und Stadtentwicklung miteinander. Die besondere Herausforderung bestand darin,
sowohl Fachverwaltungen, Bildungsinstitutionen, zivilgesellschaftliche Akteure als auch die lokale Bevölkerung, namentlich Eltern und Schülerinnen in die Weiterentwicklung des Bildungsnetzwerks miteinzubeziehen.
(s. Tätigkeitsbericht 2016/2017, Kap. 2.1, S. 24)
Das gemeinsame Arbeiten hat gezeigt, dass Projekte an
der Schnittstelle zwischen Bildung und Stadtentwicklung insbesondere dann erfolgreich umgesetzt werden
können, wenn lokale Akteure sowie Schülerinnen und
Eltern, die direkt und indirekt von Bildungslandschaften
profitieren können, in die Entwicklung konkreter Projektvorhaben einbezogen werden. Zum anderen erhöht
deren Beteiligung die spätere Legitimität dieser Vorhaben. Des Weiteren stellte das Projekt die Wichtigkeit
von Bildungsnetzwerken in lokalen Bildungslandschaften in den Vordergrund; Bildungslandschaften können
dann zu gelungenen Bildungsbiografien von Kindern
und Jugendlichen beitragen, wenn die dortigen Bildungsakteure sich über ihre jeweiligen Aufgaben- und
Zielstellungen bewusst sind und ihre Bildungsinhalte
und Handlungspraktiken aufeinander abstimmen.

Abb. 4: Ein Film dokumentiert die Arbeit zum gemeinsamen Projekt

Foto: Filmsequenz

Link Projektfilm: https://www.vhw.de/staedtenetzwerk/
staedtenetzwerk-projekte-vor-ort/berlin-bildungsquartier-flughafenstrasse/filmdoku-zum-projekt/

Eine vhw werkSTADT im Juli 2018 zum Thema: BerlinNeukölln: Bildungsquartier Flughafenstraße – Koproduktion im Bildungsnetzwerk wird die Methodik und
den Projektverlauf dieser Kooperation nachzeichnen.
Bremen: Lass es Vahr 2035 werden
Vor sechzig Jahren wurde in der
Freien Hansestadt Bremen die
Siedlung Neue Vahr als Modellprojekt des sozialen Wohnungsbaus errichtet, Bauherr war die
gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA im Auftrag
der Stadt. Basierend auf den Entwürfen renommierter Stadtplaner wurden rund 10.000 Wohnungen für bis zu 25.000
Einwohner errichtet. Angesichts
des heutigen gesellschaftlichen
und stadtentwicklungspolitischen Wandels sowie der
gegenwärtigen wohnungswirtschaftlichen Dynamik,
haben sich 2017 die Verantwortlichen der Freien Hansestadt, der GEWOBA – AG Bauen und Wohnen sowie des
vhw auf die Durchführung eines kooperativen Planungsund Beteiligungsprozesses „Vahr 2030“ – später „Vahr
2035“ – verständigt.
Ziel des innovativen Vorhabens war es, in Kooperation von stadt- und zivilgesellschaftlichen sowie wohnungspolitischen Akteuren angesichts ungewisser Entwicklungsperspektiven durch frühzeitige Erarbeitung
zukunftsorientierter Leitlinien und Konzepte auf künftige Herausforderungen der Stadtentwicklung vorbereitet zu sein und reagieren zu können. Die strategische
Steuerung unter Berücksichtigung der lokalen Interessensvielfalt sowie die begleitende Evaluierung des Planungs- und Beteiligungsprozesses wurde gemeinsam
von Stadtverwaltung, GEWOBA, Ortsamt und vhw
sowie in Kooperation mit Initiativen der Zivilgesellschaft und Bürgerschaft erbracht. Für die Entwicklung
der Leitlinien und der Schwerpunkte „Einbindung und
17

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Erschließung“, „Grün und Freiräume“ sowie „Nachbarschaft und Struktur“ wurden mit ARGUS, Hamburg,
bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin und COBE, Berlin,
renommierte Architektur- und Planungsbüros engagiert.
Frühzeitig vorgeschaltet und in die Planung eingebunden
wurde eine gesellschaftlich inklusive, breite Bürgerbeteiligung durch den vhw, die eine kritische Reflexion der
Stärken und Schwächen des Stadtteils, eine Erfassung
der Wünsche und Bedürfnisse der Bürger sowie die Einbindung des Wissens der beruflich mit der Vahr befassten
GEWOBA-Mitarbeiter umfassen sollte. Dabei war man sich
bewusst, dass die Ermittlung von Interessen und Bedarfen
der Gegenwart alleine kaum ausreichen dürfte, um eine
von Wandel geprägte, ungewisse Zukunft in den Blick
nehmen zu können. Vielmehr sollte die Aufgabe der Beteiligung darin bestehen, die Zukunftsideen der Architekten
und Planer aus dem Blickwinkel aktueller Interessen und
Bedarfe der Bürger zu reflektieren, zu erden und entstehende Widersprüche in fairer Abwägung auszuräumen.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, hat der vhw
mithilfe von Milieuanalysen die Zusammensetzung der
Bewohnerschaft und anhand einer Netzwerkanalyse
die zivilgesellschaftlichen Netzwerke in der Neuen Vahr
untersucht, um mit dem Wissen über die lokalen Lebenswelten auf alle Bewohner zugehen zu können. Des Weiteren wurden zahlreiche Interviews mit lokalen Experten
geführt und ausgewertet. Weitere Wissensbestände
wurden in den Fokusgruppengesprächen erschlossen.
In sieben Gesprächen wurde mit zufällig ausgewählten
Vertretern der besonders schwer für Bürgerbeteiligung
zu gewinnenden, meist sozial schwächeren und/oder
jüngeren, aber auch bürgerlichen Milieus ausführlich
über die Neue Vahr gesprochen. Gegenstand waren ihre
Einstellungen gegenüber ihrem Quartier, ihre Sichtweisen
zu dringenden lokalen Aufgaben und Problemen sowie
ihre Bedarfe und Wünsche für die künftige Entwicklung.
Die Gesprächsergebnisse wurden in einem mittels Postwurfsendungen und Plakaten beworbenen öffentlichen
Bürgerworkshop vorgestellt und intensiv diskutiert.
18

Abb. 5: Nachricht: Bürgerworkshop Bremen-Vahr

Screenshot: vhw-Internet via Google

Die Ergebnisse aller Beteiligungsaktivitäten lassen sich
in vier Schwerpunkte fassen: das kontrovers diskutierte
Thema Verkehr (Auto- und Radverkehr, Schleichwege,
Stellplätze) sowie die Themen Wohnen (bezahlbarer
neuer Wohnraum, Innenentwicklung, keine Verdichtung), Infrastruktur (Kitas, Spielplätze), Grün- und
Freiflächen (wassernahe Grün- und Erholungsflächen,
Verschmutzung, Müll). Den Planungs- und Architekturbüros wurden frühzeitig ausführliche Berichte über die
Ergebnisse zur Verfügung gestellt.
In den drei nachfolgenden, der inhaltlichen Arbeit der
Planungs- und Architekturbüros gewidmeten Expertenworkshops gab der vhw jeweils mündliche Stellung-

Abb. 6: Nachricht: Bürgerworkshop: gemeinsam mehr erreichen!
Screenshot: vhw-Internet via Google

Lokale Demokratie

nahmen über die mit den Bürgern diskutierten und
vom vhw im Lichte der Milieus reflektierten Ergebnisse
der Bürgerbeteiligung ab. Fundiert durch eingeladene
Fachvorträge dienten die Workshops vor allem dazu, die
auf die Zukunft gerichteten Zwischenstände der Planer
und Architekten kennenzulernen, sie in einem iterativen
Prozess mit den Erfordernissen von Stadt und GEWOBA
sowie den Anregungen der Bürger abzugleichen und mit
Blick auf ihre Weiterentwicklung kritisch zu reflektieren.
Von großer Wichtigkeit in einem Planungs- und Beteiligungsprozess ist nicht zuletzt die politische Selbstverpflichtung von Behörden und Politik, den Bürgern eine
begründete, nachvollziehbare Rückmeldung über die politischen Entscheidungen und den weiteren Umgang mit
den Ergebnissen zu geben. Eine begründete Rückspiegelung an die Bürger ist mitentscheidend für die Akzeptanz
und politische Legitimation von Bürgerbeteiligung über
den repräsentativ-politischen Rahmen hinaus. Dabei gilt
es, die Umsetzung von Anregungen der Bürger ebenso zu
begründen, wie ggf. erforderliche Abweichungen.
Vor diesem Hintergrund wurde im Mai 2018 von den
Verantwortlichen des Planungs- und Beteiligungsprozesses der Neuen Vahr für die Bewohner der Neuen
Vahr eine abschließende Präsentations- und Diskussionsveranstaltung durchgeführt, für die erneut der vhw
verantwortlich zeichnete. Auf dieser ebenfalls breit
beworbenen, öffentlichen Veranstaltung wurden die
Zukunftskonzepte der Architektur- und Planungsbüros
präsentiert, zudem mit den Anregungen aus der Bürgerbeteiligung rückgekoppelt und einer den Planungsprozess abschließenden und den Umsetzungsprozess
einleitenden Diskussion zwischen Bürgern, Planern
und Architekten sowie Verantwortlichen unterzogen –
dokumentiert in vhw werkSTADT 18: Lass es Vahr 2030
werden! Zukunftsperspektiven einer Großsiedlung
Link: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/werkSTADT/PDF/vhw_werkSTADT_
Bremen_Vahr_Nr_18_2018.pdf

Delmenhorst: Integrationspolitik gestalten!
Mit der Stadt Delmenhorst wurde Mitte 2017 eine Vereinbarung geschlossen, die eine zweistufige Zusammenarbeit mit dem vhw vorsieht. In der ersten Phase,
die im Berichtszeitraum abgeschlossen wurde, stand
eine sozial- und milieuräumliche Strukturanalyse im Vordergrund. Mit dieser konnte die erstmals 2010 durchgeführte Analyse unter Einschluss der Milieuforschung
sowie kleinräumiger Wanderungsanalysen grundlegend
aktualisiert und weiterentwickelt werden.
Die Ergebnisse dienen
auch als Grundlage für
die im Sommer 2018
eingeleitete
zweite
Phase der Zusammenarbeit, bei der die Mitwirkung der Bevölkerung bei der
Konzeption und Gestaltung der kommunalen Integrationspolitik im Vordergrund stehen wird. Diese Phase
wird sich bis in den Herbst 2019 erstrecken.
Essen‑Nord: Koproduktive Stadtentwicklungs­
planung
In 2017/18 arbeitet der vhw weiter mit der Stadt Essen
zum Entwicklungsprozess „Kreativquartier City Nord“ in
der nördlichen Innenstadt zusammen. Ziel des Prozesses
ist es, durch die Vernetzung der für das Projekt relevanten Akteure und durch Einbeziehung der Bürger der City
Nord zu einem neuen Gesicht mit einer gesteigerten Aufenthaltsqualität, vielfältigen Gastronomie und der Reduzierung von Leerständen zu verhelfen. Dabei soll sowohl
eine soziale Stabilisierung des als Brennpunkt geltenden
Quartiers als auch eine neue Funktion als Standort für
Kultur- und Kreativschaffende, die sich vor einigen Jahren
im Quartier angesiedelt haben, erreicht werden.
Der Schwerpunkt der bisherigen Beteiligungsarbeit
lag auf der Vernetzung von Akteuren im Quartier, um
wichtige strategische und konzeptionelle Weichenstellungen vorzunehmen. Zu ihnen gehören Sozial- und
Jugendträger, Immobilienwirtschaft, Kulturschaffende,

19

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Bürgerinitiativen, Unternehmer, Vertreter aus lokalen
Verbänden sowie aus der Verwaltung. Im Rahmen einer
2015 gegründeten und auch für andere Quartiersakteure
offenstehenden Lenkungsgruppe und von mehreren thematischen Arbeitsgruppen wurden erste Maßnahmenund Themenkataloge erarbeitet, welche die Umsetzungsideen für die weitere Entwicklung enthalten. Diese sehen
u. a. eine Einrichtung eines Quartiersmanagements bzw.
eines „Kümmerers“ – etwa für weiterführende Vernetzungen und Leerstands-Management –, die Schaffung
von weiteren Begegnungsräumen und Bündelung von
sozialen Infrastrukturangeboten, die Umgestaltung des
öffentlichen Raumes sowie den Ausbau der Beratungsangebote für Existenzgründerförderung im Kultur- und
Kreativbereich vor. Hierzu wurde auch ein Integriertes
Handlungskonzept erstellt, das viele dieser Punkte aufgenommen hat. Das aus Sicht der Beteiligten besondere
Vorgehen war dabei, dass zu einem sehr frühen Zeitpunkt und mit einer großen inhaltlichen Offenheit und
Transparenz eine Mitsprache bei der Formulierung von
Entwicklungszielen möglich war.

Abb. 7: Mitteilung der Stadt auf der Internetseite des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) das Landes NRW, 2018
Quelle: MAGS, NRW

Durch das integrierte Handlungskonzept ist es im
Berichtszeitraum 2017/18 gelungen, dass das Quartier in das Förderprogramm „Starke Quartiere – Starke
Menschen“ aufgenommen wurde. Ein wichtiger Erfolg,
um konkrete Projekte anzustoßen und mit finanziellen
Mitteln zu hinterlegen. Das Programm beinhaltet eine
Förderung der drei europäischen Strukturfonds EFRE,
ESF und ELER sowie des Landes Nordrhein-Westfalen
und hat das Ziel, benachteiligte Quartiere und die darin
20

lebenden Menschen zu fördern, die Quartiere nachhaltig zu entwickeln sowie Armut und Ausgrenzung
zu bekämpfen. Das Förderprogramm bietet auch die
Möglichkeit, durch eine verbindliche Beteiligung unterschiedlicher Ressorts, das Verwaltungshandeln integrierter zu gestalten.
Aktuell wird durch den vhw eine Evaluation des bisher
Erreichten vorgenommen, um inhaltlich nachzusteuern und das Vorgehen hinsichtlich seiner Erfolge und
möglichen Defizite zu bewerten. Dabei wird von allen
beteiligten Akteuren eine große positive Resonanz
hinsichtlich der erlangten Vernetzung sichtbar. Sei es,
um überhaupt über Entwicklungsprozesse informiert
zu sein, eigene Aktivitäten mit der Quartiersentwicklung abzustimmen, Ressourcen zwischen Akteuren zu
bündeln, neue Netzwerke zu bilden oder eine größere
Verbundenheit mit dem Quartier zu erlangen. Auch
die Besetzung der Lenkungsgruppe hat sich, trotz ihrer
Größe, positiv ausgewirkt. So war sie ausgesprochen
interdisziplinär, zeichnete sich durch eine hohe Mitwirkungs- und Handlungsbereitschaft sowie kontinuierliche Teilnahmebereitschaft der Akteure aus und brachte
wichtige Entscheider zusammen. Deutlich wird aber
auch, welche Herausforderungen mit einer solch breiten Akteursbeteiligung verbunden sind, zum Beispiel
die unterschiedlichen Handlungsspielräume und auch
Handlungslogiken, mit denen sich die Beteiligten begegnen und die einer ausdauernden und vermittelnden
Moderation bedürfen. Neben dem bisherigen Beteiligungsprozess hat sich auch gezeigt, dass vorgeschaltete
Milieuanalysen auch wichtige Hinweise für integrierte
stadtentwicklungspolitische Ansätze geben können. In
mehreren Vorträgen wurden diese, insbesondere zu den
Themen Integration und Wohnen, einem erweiterten
Kreis der Essener Ratsfraktionen vorgestellt.
Offenbach: Das Integrierte Handlungs- und Ent‑
wicklungskonzept Nordend
Im Jahr 2017 beschlossen die Stadt Offenbach und der
vhw eine enge Zusammenarbeit bei der Vorbereitung

Lokale Demokratie

und Durchführung eines Planungsprozesses zum Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzept 2018
für das Offenbacher Stadtviertel Nordend. In der ersten
Phase wurden eine umfassende milieuräumliche Strukturanalyse zu Fragen der Stadtentwicklung und zur
Quartiersentwicklung im Nordend erarbeitet und die
grundlegenden Herausforderungen der Stadt Offenbach – u. a. als „Arrival City“ auf dem Weg zur „BleibeCity“ – aufgezeigt.
In einer zweiten Phase wurden in Kooperation mit Q|
Agentur für Forschung aus Mannheim sieben ausführliche Fokusgruppengespräche mit Einwohnern des Nord­
end zu Problemen, Aufgaben und Fragen der Quartiersentwicklung geführt, darunter ein Gespräch mit
Jugendlichen und jungen Erwachsenen im lokalen Boxverein. Zudem wurde eine umfassende Netzwerkanalyse
der zivilgesellschaftlichen bzw. intermediären Einrichtungen und Vereine im Nordend erarbeitet, die Aufschluss
geben soll über die reale und die für sinnvoll erachtete
Zusammenarbeit dieser Einrichtungen in Fragen der
Quartiersentwicklung. Die Ergebnisse der verschiedenen
Analysen und Arbeitsschritte gehen ein in die im Spätsommer beginnende Bürgerbeteiligung zum Integrierten
Handlungs- und Entwicklungskonzept 2018, die derzeit
in enger Zusammenarbeit der Stadtplaner, Quartiersmanager und administrativ Verantwortlichen vor Ort mit
dem vhw konzipiert und durchgeführt wird.

Abb. 8: Blick auf Offenbach

1.3

Stadtmacher, Intermediäre
Initiativen

M

it dem Label der Stadtmacher hat sich im Rahmen
des Sub-Clusters Akteursforschung ein eigenständiger Schwerpunkt der vhw-Forschung entwickelt.
Diese Auseinandersetzung mit den Stadtmachern steht
in direktem Bezug zu der Debatte um die intermediären Akteure in der Stadtentwicklung (vgl. Beck/Schnur
2016), deren Rolle in der stadtplanerischen Praxis und
im wissenschaftlichen stadtplanerischen Diskurs an
Relevanz zu gewinnen scheint.
Wer sind die Stadtmacher?
Wir verwenden den Begriff der Stadtmacher vorerst
synonym zum Begriff der intermediären Akteure in der
Stadtentwicklung. In unserem Debattenbuch Mittler,
Macher, Protestierer (ebd.) hatten wir eine Definition
dieser Akteursgruppe getroffen:
„Unter intermediären Akteuren […] verstehen wir Vermittler zwischen Politik/Verwaltung, Wirtschaft und
Bürgerinnen und Bürgern, und/oder aktive Koproduzenten von Stadt in variierenden Akteursnetzwerken“
(ebd., S. 15). Zudem hatten wir eine erste Typologie
entworfen: „Wir unterschieden zwischen Klassischen
Intermediären (zum Beispiel Parteien, Gewerkschaften),
Neo-Intermediären (zum Beispiel sozialen Bewegungen,
Social-Media-basierte Initiativen) und Para-Intermediären (zum Beispiel kommerziellen Urban Labs oder
Think Tanks)“ (ebd., S. 17). Im Transformationsprozess
von Urban Government zur Urban Governance scheinen die „Intermediären“ von besonderer Bedeutung
zu sein, weil sie „zwischen“ Kommunen und Einzelpersonen wie auch „zwischen“ den vertikalen Strukturen
von Government und den horizontalen Kooperationen
in Governance-Prozessen agieren. Sie stehen paradigmatisch für eine Entwicklung, in der sich Governmentund Governance-Strukturen miteinander vernetzen und
weiterentwickeln.

Foto: © vhw e. V.

21

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Wie aber lässt sich eine Grenze zwischen „Intermediären“ und „Bürgerinnen und Bürgern“ und „Politikerinnen und Politikern“ ziehen? Oft existieren hier multiple
Personalunionen (z. B. bei Personen, die in alle drei Felder
gleichzeitig involviert sind). Oft aber auch stellen sich die
Ränder des Feldes der Intermediären als unscharf dar,
denn viele Personen aus den Bereichen Politik wie auch
Wirtschaft oder Verwaltung (oder Medien) begreifen
sich selbst ebenfalls als intermediäre Akteure. Jürgen
Wiebicke (Moderator) brachte ein solches übergreifendes Selbstbild als intermediärer Akteur auf dem vhwVerbandstag 2015 bei einer Debatte über Intermediäre
in der Stadtentwicklung auf den Punkt: „Bist du eigentlich ein Intermediärer? Ich muss erst mal sagen, ich bin
hierhin gefahren und hab gedacht, ich bin der einzige
im Saal der den Begriff Intermediäre vorher noch gar
nicht gehört hat. Und ich merke jetzt, wie anscheinend
etabliert er schon ist. Und irgendwann hat sich bei mir
das Gefühl eingestellt: Man, du bist ja selbst der Vogel,
über den der Ornithologe hier berichtet“.
Link: www.vhw.de/forschung-und-politik/lokale-demokratie/debatte-statements/
Es stellt sich also stets auch die Frage, ob Intermediäre
über die Akteursgruppe der Intermediären hinaus für eine
bestimmte Haltung stehen, Stadtentwicklungsprozesse
voranzutreiben, für so etwas wie Intermediarität bzw. eine
„intermediäre Kultur“ (Beck/Schnur 2016, S. 58).

len Stadtentwicklungsprojekten mitgestalten/-arbeiten.
Diese Stadtmacher*innen sind einerseits individuelle
Akteure, die sich selbst (nicht institutionelle oder private Einzelinteressen) vertretend, in Initiativen (analog
zu NGOs) engagieren. Andererseits umfasst der Begriff
auch die inhaltlich abgestimmten Initiativen selbst, die
eine kollektiv definierte stadtpolitische Position beziehen und durch eine breite Basis und die Zivilgesellschaft legitimiert werden. In dieser Wechselwirkung
fungieren die Stadtmacher*innen-Initiativen in unterschiedlichen Rollen nach „innen“ und „außen“. Über
unterschiedliche Beteiligungsformen öffnen sie sich
zur Zivilgesellschaft sowie gegenüber den individuellen
Akteuren. Durch diese Beteiligung profiliert sich die Initiative stets neu von innen heraus, wird aber gleichzeitig auch zusätzlich legitimiert und mit entsprechenden
Ressourcen ausgestattet (Knowhow, lokales Wissen,
Organisations- und Kommunikationskompetenzen,
Engagement/Zeit, Netzwerken und Mobilisierungspotenzial, Finanzierungs- und Akquise-Knowhow etc.).
Zudem vernetzen sich die Initiativen auch, horizontal
wie vertikal, mit anderen stadtpolitischen Akteuren (Initiativen, Politik, Verwaltung Wirtschaft etc.). Die Initiativen können auf zweifache Weise in das Geschehen
der Stadtentwicklung einwirken. Zum einen können sie
stadtgesellschaftliche Ideen und Interessen artikulieren

Es ist von daher nicht immer ganz einfach, zwischen
Stadtmachern und den anderen Akteuren des intermediären Feldes zu unterscheiden. Im Rahmen des
vhw-Projekts „Stadtmacherinnen und Stadtmacher II
– Zur Beteiligung von Intermediären an der Stadtentwicklungspolitik“ hat der vhw gemeinsam mit der
L.I.S.T. GmbH und mit zivilgesellschaftlichen Stadtentwicklungsinitiativen aus Berlin an einer Definition des
Begriffs der Stadtmacher gearbeitet:
„Stadtmacher*innen: […] sind lokale stadt-politische Initiativen, die als stadtgesellschaftliche Akteure, lösungsund handlungsorientiert, konkret an benennbaren loka22

Abb. 9: Netzwerker, Aktive, neue Akteure, Stadtmacher eben
Grafik: © C. Kellner // studio animanova

Lokale Demokratie

und repräsentieren. Zum anderen können sie konkrete
Projekte der Stadtentwicklung ergebnisorientiert vorantreiben. Damit etablieren Stadtmacher*innen-Initiativen
ein neues Verständnis von mitgestaltender Beteiligung
in der Stadtentwicklung, als stadt-gesellschaftliche
Koproduktion/Kollaboration“ (Herrmann/Walz/Wiesemann 2017: 3 f.)
Die Stadtmacher in der Arbeit des vhw
MITTLER,
MACHER,
PROTESTIERER
Sebastian Beck, Olaf Schnur

Intermediäre Akteure
in der Stadtentwicklung

•

Die Auseinandersetzung des vhw mit den
Stadtmachern knüpft an die offenen Enden
des Debattenbuchs an: „Brauchen wir
mehr empirisches und theoretisches
Wissen?“ (ebd.: 118 ff.) bzw. „Brauchen
wir mehr diskursive Praxis und Praxiswissen?“ (ebd.: 120 ff.). Dabei standen im
Berichtszeitraum folgende Forschungsprojekte im Mittelpunkt:

Das Projekt Stadtmacherinnen und Stadtmacher II
– Zur Beteiligung von Intermediären an der Stadtentwicklungspolitik (2017-2018), das sich mit der
Erarbeitung von Eckpunkten zur Einbeziehung von
Stadtmachern in die politischen Entscheidungsprozesse der Stadtentwicklung beschäftigt hat. Ziel ist
es, Thesen zu einer neuen Kooperationskultur mit
Stadtentwicklungsinitiativen in Berlin zu erarbeiten.

•

Das Baugemeinschafts-Projekt (2017-2018), das
sich mit den intermediären Eigenschaften und nachhaltigen Potenzialen von Baugemeinschaften auseinandersetzt. Ziel ist die Entwicklung einer Mustersprache für Baugemeinschaften.

•

Das Transition-Town-Initiativen-Projekt (2018-2019),
das sich mit den intermediären Eigenschaften und
nachhaltigen Potenzialen von nachhaltigkeitsorientierten zivilgesellschaftlichen Stadtentwicklungsinitiativen beschäftigt.

•

Die Studie Entwicklung und Nachhaltigkeit von
Willkommensinitiativen (2017-2018), in der die Entwicklungsdynamik und Kooperationsbeziehungen

von Willkommensinitiativen, Helfer- und Unterstützerkreisen in der Flüchtlingshilfe untersucht wird.
Ziel ist es zu verstehen, ob bzw. in welchen Formen
und lokalpolitischen Strukturen sie sich verstetigen
können. Dabei geht es gezielt auch darum, Engagement fördernde Impulse von Kommunen einschätzen zu können.
Die Auseinandersetzung des vhw mit den Intermediären Akteuren in der Stadtentwicklung gewinnt mit dem
Begriff der „Stadtmacher“ zusehends an Kontur. Stadtmacherinnen und Stadtmacher stehen dabei für eine
neue, an Bedeutung gewinnende Gruppe von Stadtentwicklungsakteuren, die pragmatische, belastbare und
aller Voraussicht nach auch zukunftsorientierte Perspektiven aufzeigt, wie wir mit der Herausforderung umgehen können, nachhaltige Lösungen für die Zukunftsfragen der Stadtentwicklung zu formulieren.
Intermediäre in den Beteiligungsprojekten des vhw
In der vhw werkSTADT Nr. 20 (Jähn, Beck und
­Chrzaszczak, Juli 2018) zur Koproduktion im Bildungsnetzwerk haben wir in einer Netzwerkanalyse institutionelle, intermediäre und Einzelakteure in Bezug auf ihr
Zusammenwirken in einem lokalen Bildungsverbund
untersucht. Intermediarität und die Bereitschaft zur
Kollaboration spielten dabei die zentrale Rolle bei der
Weiterqualifizierung eines lokalen Bildungsnetzwerks
in Berlin Neukölln und bei der Konzeption und Umsetzung konkreter kooperativer Bildungsprojekte. Auch
in anderen Beteiligungsprojekten spielen Intermediäre
immer wieder eine entscheidende Funktion als Schnittstellenakteure zwischen Kommune, Unternehmen,
Politik, Verwaltung und einzelnen Bürgerinnen und Bürgern, wie etwa unser Kooperationspartner „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“ in Hamburg
Wilhelmsburg: „Perspektiven! und seine Partner, der
Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg und der
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. […] setzen sich dafür ein, dass es zu allen
Fragen der Stadt(teil)-entwicklung eine wirkungsvolle
23

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Bürgerbeteiligung gibt“ (Perspektiven! 2016: 8). Perspektiven! ist in Hamburg Wilhelmsburg ein wichtiger
Schnittstellenakteur, der in aktuellen Planungsprojekten
mit der IBA Hamburg GmbH, in Kooperation mit dem
Bezirksamt Hamburg Mitte und auch in Kooperation mit
der für die Planung und Umsetzung von Bundesautobahn-Projekten beschäftigten DEGES wichtige intermediäre Funktionen übernimmt.
Intermediäre als Debatte
Unsere Debatte zu den Intermediären ist auch von Dritten aufgenommen worden – das BBSR hat 2017 das IRI
– Institut für Raumforschung & Immobilienwirtschaft in
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Urbanistik mit der Durchführung der Studie „Raumagenten.
Intermediäre Akteure in der Stadtentwicklung“ beauftragt. Mit dem Forschungsprojekt sollen „bestehende
Wissenslücken hinsichtlich neuer Governanceformen
einer kooperativen Stadtentwicklung mit der Zivilgesellschaft geschlossen werden“ (BBSR 2018). Auch in
der Lehre spielt das Thema eine Rolle. An der TU Berlin
wurde von Nils Grube 2017/2018 das Bachelor-Seminar
„Mittler, Macher, Protestierer – Intermediäre Akteure in
der Stadtentwicklung“ durchgeführt, in dessen Kon-

text u. a. auf dem MakeCity Festival 2018 in Berlin die
Veranstaltung „Direct Democracy Ride – Erfahren Sie
Berlins Volksentscheide! Radtour und Diskussion zu
Wegen der direkten Demokratie und Mitgestaltung von
Stadt“ durchgeführt wurde, auf der es in Diskussion mit
dem vhw um die Rolle von Volksentscheid-Initiativen
als intermediäre Akteure der Stadtentwicklung ging.
U. a. haben wir seitens des vhw an der TU Berlin auch
eine Bachelor-Arbeit zu intermediären Akteuren in der
Stadtentwicklung betreut: „Lokale stadtentwicklungspolitische Bottom-up-Initiativen als Wegbereiter zum
kooperativen Handeln. Eine Akteursanalyse am Beispiel
Initiative Haus der Statistik“ (Swarth 2017).
Wir haben die Debatte um die Intermediären zudem
auf dem MakeCity-Festival 2018 platziert. Das Festival
fand unter dem Motto „Berlin Remixing – Die Berliner
Mischung neu aufgelegt“ vom 14. Juni bis zum 1. Juli
2018 in Berlin statt. Die These des Festivals lautete, dass
nur eine durchmischte Stadt, die Transformationsprozesse nicht ablehnt, sondern proaktiv auf allen Ebenen
– in der Politik, der Architektur, der Verwaltung, der
Stadtplanung, der Wirtschaft, den unterschiedlichen
Foren der Zivilgesellschaft, der Künste und mit allen
Bewohnern – denkt und lernt zu integrieren, den Her-

Abb. 10/11: Im Rahmen von Make City lud der vhw ein, mit Welcome- (links) und Baugemeinschaftsinitiativen (rechts) zu diskutieren

24

Fotos: © vhw e. V.

Lokale Demokratie

ausforderungen neuer Wohn- und Lebensformen für die
kulturell und sozial durchmischte Gesellschaft gerecht
werden kann. Ein Schwerpunkt war das Thema Strukturen und Prozesse: „Auf Ebene der Stadtpolitik finden
vermehrt neue Finanzierungsformate, öffentlich-private
Kooperationen und partizipative Beteiligungsverfahren Anwendung. […] Diese Veränderungen spiegeln
sich auch in Design- und Gestaltungsprozessen sowie
zukunftsweisenden Modellen der Prozesssteuerung […]
wieder“ (MAKE_SHIFT 2018).
Auf dem Weg zu einer Agenda von Stadtmache‑
rinnen und Stadtmachern – work in progress
1. Es ist wichtig zu benennen, wer Stadtmacherinnen
und Stadtmacher sind, ihre Potenziale für die lokale
Demokratie und ihre Institutionen zu skizzieren und
ihr innovatives Potenzial für neue – an Governance
orientierte – Steuerungsmodelle in der Stadtentwicklung aufzuzeigen.
Die Benennung von Stadtmacherinnen und Stadtmachern als relevante Akteursgruppe der Stadtentwicklung ist ein erster richtiger Schritt. Eine Agenda
von Stadtmacherinnen und Stadtmachern umfasst
allerdings weitere zentrale Elemente, wie etwa:
2. Die Arbeit an den Schnittstellen zwischen informellen und formellen Prozessen der Stadtentwicklung,
um die Verlässlichkeit von Kooperationen und
damit auch die Wirksamkeit von Stadtmacherinnen
und Stadtmachern zu erhöhen.
Das impliziert auch eine Auseinandersetzung mit
der Frage nach den Ressourcen, auf die im Rahmen
der Arbeit von Stadtmacherinnen und Stadtmachern zurückgegriffen werden kann. Dabei spielt
z. B. die Frage nach Finanzierungsmodellen für die
Kooperations-Infrastruktur eine wichtig Rolle. BestPractice-Beispiele in dieser Hinsicht sind z. B. das
Hamburger Projekt Planbude (Ziemer 2016) oder
die Potsdamer WerkStadt für Beteiligung (Kleger
2017). Ein weiterer wichiger Punkt wird die Arbeit
an einem „Code of Conduct“ sein (vgl. Beck/Schnur

2016, S. 86 ff.), der einen verlässlichen Rahmen
bzw. benennbare Spielregelen im Umgang mit
Stadtmacherinnen und Stadtmachern benennt. Das
kann zum Beispiel die Frage der Verbindlichkeit von
Kooperationen betreffen, wenn Stadtmacher etwa
bereits zu Beginn eines Stadtentwicklungsprojekts
– oder sogar noch vor dessen offiziellem Beginn –
einen relevanten oder sogar zentralen Moment der
Kooperationsinfrastruktur darstellen. Hier kann ein
„Code of Conduct“ benennen, dass einer solchen
Initiative der Anspruch zugestanden wird, ihre Rolle
als relevanter oder zentraler Moment der Kooperations-Infrastruktur über den gesamten Verlauf dieses
Projekts beizubehalten. Das bedeutet davon abzusehen, eine Initiative im Laufe eines Projekts „politisch
zu entsorgen“, etwa über Ausschreibungen oder
Direktvergaben von Partizipations- bzw. Kooperationsprozessen an bislang unbeteiligte Drittanbieter
wie professionelle Planungsbüros o. Ä.
3. Die Arbeit am Wissensmanagement von Stadtmacherinnen und Stadtmachern und die Entwicklung
geeigneter Fortbildungsangebote.
Stadtmacherinnen und Stadtmacher verfügen über
vielfältige Kompetenzen, die sich etwa im Sinne
eines Peer-Learnings verstetigen und weiterentwickeln lassen. Darüber hinaus stellt sich aber die
Aufgabe, Perspektiven für eine weiterlaufende Professionalisierung von Stadtmacherinnen und Stadtmachern aufzuzeigen und entsprechende bezahlbare oder auch kostenfreie Fortbildungsangebote
aufzulegen.
4. Die Arbeit an einem Netzwerk von Stadtmacherinnen und Stadtmachern entlang von lokalen und
thematischen Entwicklungssträngen, das gleichzeitig auch symbolisch auf deren Sichtbarkeit und
Wahrnehmbarkeit als relevante Stadtentwicklungsakteure einzahlen kann.
Stadtmacherinnen und Stadtmacher werden im Rahmen
der Stadtentwicklung ebenso selbst aktiv (bottom up)

25

F or s c hun g u n d P o l i t i k

wie auch seitens Politik und Verwaltung involviert (topdown). Diese Netzwerke sind in der Regel spontan
oder informell. Eine längerfristige Perspektive solcher
Netzwerke oder auch eine überregionale Vernetzung
von Stadtmacherinnen und Stadtmachern sind bislang
bestenfalls Einzelfälle, wie etwa das Projekt Immovielien
der Montag Stiftung (Montag Stiftung 2016). Hier sind
weitere Initiativen wünschenswert.

und politischen Kontextfaktoren wirken begünstigend
für ihre Entstehung? Wie werden sie von Politik/Verwaltung wahrgenommen und als wirksame Akteure und
potentielle Partner erkennbar? Welche erfolgreichen
Formen der Kooperation und Koproduktion gibt es
bereits? Dafür werden vergleichende Fallstudien angefertigt, in denen die Initiativen selbst, aber auch Akteure
aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung sowie
weitere Akteure der nachhaltigen Stadtentwicklung
befragt werden. Zudem ist ein Reflektionsworkshop
mit Vertretern aus den Fallstädten vorgesehen, um
weiterführende Lern- und Transfermomente der Studie
zu benennen und zu reflektieren, die für die TTI, Kommunen oder die von diesen genutzten übergreifenden
Netzwerken Relevanz besitzen.

Neue Partnerschaften in der nachhaltigen Stadt‑
entwicklung? Potenziale von Transition-TownInitiativen
Für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in
den Kommunen wird in einschlägigen Konzepten und
Handlungsempfehlungen sowie in der Wissenschaft auf
die wichtige Rolle von Partizipation und Kooperation
zwischen Politik/Verwaltung, Wirtschaft, Bürgerinnen
und Bürgern sowie der Zivilgesellschaft verwiesen. Denn
nachhaltige Entwicklung ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, die entsprechender Aushandlungsprozesse über die Veränderung eingeübter Normen, Wertevorstellungen sowie Konsum- und Mobilitätsmuster
bedarf. Und tatsächlich engagieren sich bereits viele
Bürgerinnen und Bürger für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Umweltgerechtigkeit. Eine in den vergangenen
Jahren wachsende Zahl hat sich dabei in TransitionTown-Initiativen (in Deutschland auch Stadt-im-Wandel)
zusammengeschlossen. Über unterschiedliche Projekte
in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Energie, Ernährung, Bildung, Zusammenleben bringen sie sich auf
unterschiedlichste Weise aktiv in die Entwicklung ihrer
Städte ein.
Das Forschungsprojekt des vhw „Neue Partnerschaften in der nachhaltigen Stadtentwicklung? Potenziale
von Transition-Town-Initiativen“ untersucht diesen verhältnismäßig neuen Akteur in einer bereits vielfältigen
Landschaft urbaner Governance im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung. Welches Potenzial haben
Transition-Town-Initiativen (TTI), die nachhaltige Stadtentwicklung voranzubringen? Welche lokal-räumlichen
26

Das Projekt wird vom IÖR – Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. bis zum Frühjahr 2019
umgesetzt und knüpft dabei an bestehende Vorarbeiten
des vhw zu Intermediären an.

1.4

Government & Governance

E

inhergehend mit dem gesellschaftlichen Wandel,
ist es in den letzten Jahrzehnten, insbesondere
auf kommunaler Ebene, zu einem bemerkenswerten
Bedeutungszuwachs von partizipativen und deliberativen Formen der Willensbildung und Mitgestaltung
gekommen. Wurde das repräsentative Gefüge der
lokalen Demokratie Ende der 1960er-, Anfang der
1970er-Jahre erstmals um eine rechtlich fixierte Bürgerbeteiligung erweitert, so gewannen partizipative und
deliberative (beratschlagende) Formen der Beteiligung
und Mitwirkung in neu entstandenen Governance-Arenen bis heute, vor allem mit der Zunahme von informellen Planungs- und Beteiligungsverfahren, erheblich an
Gewicht. Einhergehend damit kommt Bewegung in das
gesamte kommunalpolitische Gefüge. Die Rollen der

Lokale Demokratie

Akteure und die Kommunikationsprozesse untereinander verändern sich, bewährte kommunalpolitische Routinen und Selbstverständlichkeiten werden kritisch hinterfragt, das Epizentrum politischer Willensbildung und
Entscheidungsvorbereitung verlagert sich und auch das
bislang erprobte Zusammenwirken der Akteure bedarf
angesichts ganz neuer Mitspieler ggf. einer Neujustierung.

strukturellen Bezüge zu aktuellen Fragen der Stadtentwicklung, ihre Berührungspunkte mit den Prozessen
der Bürgerbeteiligung, das Zusammenwirken mit der
zunehmenden Vielfalt von Akteuren und ihre Verortung
in den neuen Governance-Arenen. Erste Ergebnisse der
Studie verdeutlichen, welche immensen Leistungen und
welcher Aufwand der Kommunalpolitik in der Regel im
politischen Alltag abverlangt wird. Zugleich zeigt die
Studie aber auch die Risse, die im kommunalpolitischen
Gefüge angesichts der Verschiebungen des Gesamtgefüges entstanden sind, sowie die kommunalpolitische „Legitimationskonkurrenz“ (Schuppert) zwischen
der Welt der partizipativen bzw. deliberativen und der
davon oftmals wenig beeindruckten Welt der repräsentativen Demokratie. Die Studie, die ein vertiefendes
Forschungsinteresse weckt, wird im Spätsommer fertiggestellt und öffentlich kommuniziert.

Während in der vhw-Forschung des vergangenen Jahrzehnts vor allem die Bürger, aber auch intermediären
Organisationen und Zivilgesellschaft angesichts ihrer
wachsenden Bedeutung große Aufmerksamkeit erfahren haben, standen andere Akteure der lokalen Demokratie in der Vergangenheit eher im Schatten wissenschaftlicher Aufmerksamkeit.
Aus diesem Grund hat der vhw im Berichtszeitraum
eine erste Vorstudie zum Thema Kommunalpolitik/
Kommunalpolitiker beauftragt. Auftragnehmer ist der
Verein „Politik zum Anfassen“ (Abb. 12) aus Hannover. Für diese Studie wurden im Frühjahr 2018 in drei
sehr unterschiedlich strukturierten Städten (Hannover,
Darmstadt, Haldensleben) jeweils mehrere Interviews
mit Kommunalpolitikern geführt, die in ihren Gemeinderäten und Ausschüssen kommunalpolitische Verantwortung übernommen haben.

1.5

Meinungsbildung vor Ort:
Kommunikation und Medien

S

eit 2016 hat sich der vhw im Rahmen seiner Arbeit zur
Stärkung der lokalen Demokratie und des sozialen
Zusammenhalts der Frage angenommen, wie die Pluralisierung der Medienformate und des Medienangebots
sich auf die Meinungsbildung und den Informationsstand der Bevölkerung zu den verschiedenen Themen
der Stadtentwicklung auswirkt. Die Ausgangsprämisse
lautet, dass ein funktionierendes Informationsangebot,
das grundsätzlich alle Teile der vielfältigen Bevölkerung
erreichen kann, unverzichtbare Voraussetzung für eine
gelingende soziale Teilhabe und Partizipation ist.
Vor diesem Hintergrund hat der vhw mit seinen externen Partnern von der Universität Zürich und dem Sinus
Institut ein erstes Projekt durchgeführt und abgeschlossen sowie ein Folgeprojekt 2018 eingeleitet.

Abb. 12: Sitzung des Forschungsbereichs zum Thema Government & Governance im
Juni 2018
Foto: © vhw e. V.

Gegenstand der Gespräche waren der politische Alltag
und die Rolle der Befragten, ihre inhaltlichen und
27

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Inhalt und zentrale Ergebnisse des ersten Kom‑
munikationsprojekts
Die Ergebnisse des ersten Projekts sind inzwischen
zusammengeführt worden. Das Projekt bestand aus
zwei Teilen und wurde in drei Städten – Essen, Kiel und
Saarbrücken – umgesetzt. Im ersten Teil wurde eine
Strukturanalyse des lokalen Medienangebots in Form
einer umfassenden Inhaltsanalyse lokaler Printmedien
durchgeführt. Diese Inhaltsanalyse fokussierte auf
jeweils drei unterschiedliche Stadtentwicklungsthemen
in den beteiligten Städten, wie etwa in Kiel die Wohnungsmarktperspektiven der Stadt oder die Entwicklung des Stadtteils Gaarden-Ost. Dieser Rahmen wurde
durch eine erstmals durchgeführte Messung von Fragen
der sozialen Kohäsion in den lokalen Medieninhalten
ergänzt.

– dafür ausschlaggebend, welches Bild von „sozialer Kohäsion“ im kommunalen Bereich durch die
Medien vermittelt wird.
•

Das Angebot lokaler Berichterstattung ist als „eli‑
tenfokussiert“ zu bewerten. Es richtet sich vornehmlich an die autochthone Bevölkerung in den
Kommunen und Stadtteilen. Die Berichterstattung
selbst ist zwar faktenorientiert, jedoch in der Regel
wenig kritisch und in deutlichem Maße ereignisgetrieben.

•

Diese Bewertung der Angebotsseite wird von der
Bevölkerung ganz überwiegend realistisch eingeschätzt, auch wenn die Reichweite dieser Angebote
in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen
hat. Gleichwohl bleibt die lokale Tageszeitung für
sie eine wichtige Anlaufstelle für Stadtentwicklungsthemen. Sie wird allerdings eher verhalten
bewertet und mit anderen Quellen abgeglichen.
Insgesamt gelten bei den Nutzern lokale Medien
als selektiv, sowohl bei der Faktenauswahl, als auch
bezüglich einer spezifischen bzw. lokal dominierenden Sicht auf das jeweilige Thema.

•

Sehr deutlich wurde auch in dieser Untersuchung,
dass die Informationsbedürfnisse und -ansprüche
sowie die Bewertungen von Medieninhalten in
starkem Maße von der Milieuzugehörigkeit der
Befragten abhängig sind.

Der zweite Teil dieses Projekts nahm die Mediennutzer
in den drei Städten ins Visier und untersuchte die Reichweite und Rezeption der thematischen Inhalte durch
Fokusgruppengesprächen vor Ort, bei denen auch die
Zugehörigkeit zu unterschiedlichen sozialen Milieus
berücksichtigt wurde.
Folgende Hauptergebnisse wurden in den Auswertungen ermittelt:
•

•

28

In allen Städten war ein sehr großes Angebot lokaler Medien anzutreffen und eine jeweils deutlich
fragmentierte
Kommunikationslandschaft.
Sichtbar wurde, dass auch auf lokaler Ebene kaum
noch übergreifende, den Großteil der Bevölkerung
erreichende mediale Angebote anzutreffen sind.
Dagegen ist eine starke wachsende Anzahl zielgruppenspezifischer Onlineangebote sowie von
Wochenzeitungen und -zeitschriften festzustellen.
Das Aufgreifen von Stadtentwicklungsthemen in
lokalen Printprodukten, ihre Sichtbarkeit und Themenbewertung sind in deutlicher Abhängigkeit
von ihrer zeitlichen und räumlichen Reichweite
zu sehen. Zugleich ist der Zeitungs- bzw. Medientyp – Lokalzeitung, Boulevard, Anzeigenblatt, usw.

Während im Zentrum der ersten Studie somit die bestehenden thematischen Medienangebote und deren
Rezeption durch die lokalen Bewohner*innen stand, soll
die 2018 eingeleitete Folgestudie sich auf den lokalen
Medienwandel und dessen Folgen für den Zustand und
die Qualität der „kommunalen Öffentlichkeiten“ konzentrieren.
Ausgangsüberlegungen für die Folgestudie zu den
„kommunalen Öffentlichkeiten“
Eine der wichtigsten Folgen der medialen Digitalisierung
ist die Transformation von „Öffentlichkeit“. Danach
gibt es nicht nur „eine“ oder sogar eine „uniforme“

Lokale Demokratie

öffentlicher Kommunikation beeinflussen die „Netzwerk-Gesellschaft“ auch weitere generelle gesellschaftliche Trends, wie etwa die Entstehung vieler neuer Institutionen, welche die politische Macht beobachten und
kontrollieren.

Öffentlichkeit, in der die relevanten Themen oder Interessen – nicht sichtbar sind. Vielmehr ist an ihre Stelle
eine Vielzahl von parallelen, fluiden, also veränderlichen, Teil-Öffentlichkeiten getreten. Diese Form des
Medienwandels wird durch zwei parallele, sich teilweise
überlappende Prozesse geprägt, und zwar erstens durch
eine Differenzierung im Bereich der (Massen-)Medien
sowie zweitens durch die Institutionalisierung neuer
Medien bzw. Plattformen, nicht zuletzt im Bereich der
sozialen Medien.

Im Ergebnis sind die Bürger stärker an politischen Prozessen beteiligt als zuvor. Es kommt zu einer Zunahme
gesellschaftlicher Selbstbeobachtung, die einen breiten
Bedeutungszuwachs öffentlicher Kommunikation zur
Folge hat. Die Herausbildung dieser segmentären Differenzierung beinhaltet grundsätzlich ein erhebliches
Potenzial, da die Nutzer sozialer Netzwerke Informationen selbst suchen und zusammenstellen. In dieser
Form der Selbstbeobachtung der Gesellschaft ist nicht
mehr alles für alle wichtig. Zugleich gehen damit jedoch
erhebliche Herausforderungen für die Qualität von
„Öffentlichkeit“ einher, das Vorfiltern von Informationen zur Teilhabe und Teilnahme oder die Verstärkung

„Lokale Öffentlichkeit“ ist als intermediäres System
zwischen der kommunalen Selbstverwaltung und den
Bürgern zu betrachten. Es vermittelt als Input die Willensbildungsprozesse von Bürgern in die kommunale
Selbstverwaltung hinein und als Output die Entscheidungen aus der kommunalen Selbstverwaltung an die
Bürger. Teile des intermediären Systems der lokalen
„Öffentlichkeit“ sind zudem politische Institutionen wie
örtlich agierende Initiativen, Vereine,
Verbände oder Parteien.
Eine Schlüsselstellung nehmen in diesem
System die lokalen Medien ein, da sämtliche genannten Akteure vom „Funktionieren“ der Medien als Informationsträger und Kommunikationsplattformen
abhängig sind. Durch die Digitalisierung
und segmentäre Differenzierung hat es
einen starken Bedeutungszuwachs sozialer Netzwerke gegeben. Dabei ist es
zu einer Verschiebung des Verhältnisses
von „Arena“ und „Galerie“ gekommen,
dem in vor-digitalen Zeiten dominierenden Modell lokaler Öffentlichkeit. Die
frühere Rollenverteilung hat sich dabei
durch die Institutionalisierung sozialer
Medien verschoben. Nunmehr kann das
Publikum aktiv in die Arena eingreifen,
interagieren und bleibt nicht länger auf
die Rolle des interessierten Zuschauers
beschränkt. Neben der Transformation

Meinungsbildungsgewichtsverteilung

Das Meinungsbildungsgewicht des Internets ist seit 2013 um 8 Prozentpunkte (PP) gestiegen,
während Tageszeitungen (-3,3 PP) und TV (-3,2 PP) rückläufige Beiträge leisten.
Bei den 14- bis 29-Jährigen beträgt der Internetanteil 2017 53 %

3,6

3,3

2,2

3,1

2,2

17,9

20,2

21,6

24,3

25,9

Zeitschriften

Internet
18,9

19,9

19,2

18,5

@

18,9
Hörfunk

22,7

21,6

20,7

20,1

19,4
Tageszeitung

36,9

35,0

36,3

34,0

33,7

2013

2014

2015

2016

2017

Abb. 13: Meinungsbildungsgewichtsverteilung in unterschiedlichen Medien

Fernsehen

Grafik: vhw e. V.

29

F or s c hun g u n d P o l i t i k

der Wirkungen des selbstgesetzten Realitätsfilters in
den sogenannten Echokammern.

– wie z. B. zur Zertifizierung urbaner Transformationsprojekte aus Bewohnerperspektive (u. a. im Vergleich zur
Türkei durch den Gastforscher Orhan Esen aus Istanbul),
dem interkulturellen fachlichen Austausch zu Themen
der Stadtentwicklung in Deutschland und China (im
Rahmen des Aufenthalt des Gastwissenschaftlers Prof.
Gequn Feng aus Ningbo) oder einer Unterstützung der
Konferenz „City Health International“ 2017 in Basel
(mit einem entsprechenden Themenheft „Gesundheit
in der Stadtentwicklung“ im vhw Forum Wohnen und
Stadtentwicklung) – standen aufgrund der besonderen Relevanz die Themen Migration, Integration und
urbane Vielfalt im Mittelpunkt (siehe ausführlich in den
Abschnitten 2.2 zu öffentlichem Raum und Vielfalt, 2.3
zu verschiedenen Projekten im Kontext von Migration
und 2.4 zur großen vhw-Migrantenmilieustudie). Aber
auch die Themenfelder Quartier und Nachbarschaft –
zentrale Ebenen für ein Verständnis, wann, wo, warum
und zwischen wem gesellschaftlicher Zusammenhalt
entsteht oder schwindet – wurden durch vhw-Projekte
weiter bearbeitet.

Auf der Grundlage dieser Beobachtungen soll die Folgestudie ein Verständnis lokaler Öffentlichkeiten entwickeln, das auf den Kernelementen: Zugang, Teilhabe,
Responsivität sowie Themen(‑dynamik) beruht.
Ergebnis soll ein empirisch überprüfbares Modell sein,
dessen Leitfragen lauten:
•

Wie vital sind lokale Öffentlichkeiten derzeit?

•

Was ist nötig, damit lokale Öffentlichkeiten in
segmentär differenzierten Kommunikationsgesellschaften funktionieren und die Selbstbeobachtung
und Selbstorganisation der Gesellschaft weiterhin
ermöglichen?

Die Veränderungen lokaler Öffentlichkeiten sollen sichtbar, beobachtbar, möglichst messbar und vergleichbar
gemacht werden. Die Ergebnisse der Studie sollen als
Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung und
rege Diskussion um lokale Öffentlichkeiten unter neuen
Bedingungen dienen und zugleich Möglichkeiten für
eine bessere Funktionsfähigkeit lokaler Öffentlichkeit
als Voraussetzung gelingender Teilhabe entwickeln.
Erste Zwischenergebnisse werden im Spätherbst 2018
erwartet.

2

Quartier und Nachbarschaft

Urbaner Wandel und
gesellschaftlicher
Zusammenhalt

I

m Cluster „Urbaner Wandel und gesellschaftlicher
Zusammenhalt“ wurde im Berichtsjahr eine Vielzahl
von Projekten durchgeführt, die das gesamte Spektrum
der Subcluster „Quartier und Nachbarschaft“, „Soziale
und nachhaltige Stadtentwicklung“, „Migration und
Integration“ sowie „Soziale Milieus“ abbildet und aktuelle Diskurse in der Stadtentwicklungspolitik und Stadtforschung repräsentiert. Neben kleineren Projekten

30

2.1

Abb. 14: Nachricht zur Pilotstudie im Internet

I

Screenshot: vhw-Internet via Google

nwieweit spielt Nachbarschaft – unter den heutigen,
sich rasch verändernden („postmodernen“) Rahmenbedingungen – eine Rolle, um den gesellschaftlichen
Zusammenhalt auf der lokalen Ebene zu stärken?

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Ist Nachbarschaft eine Handlungsebene, auf der wir
gegebenenfalls mit geeigneten Ermöglichungsstrukturen neue Potenziale entfalten können? Um diese und
weitere Fragen zu beantworten, wurde 2016 die Pilotstudie „Potenziale postmoderner Nachbarschaften“
(Nachricht dazu im Internet) beauftragt, die zeigte,
dass Experten (u. a. aus Kommunen, Quartiersmanagements, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft)
über Nachbarschaft, deren Konstitutionsbedingungen,
Handlungslogiken und Bedeutungen in vielfältiger
Weise nachdenken und Nachbarschaft in deren Praxis
eine hohe Relevanz aufweist. Die 2017 abgeschlossene Pilotstudie kam zu dem Schluss, dass es nicht zu
einem Verlust von Nachbarschaft komme, sondern dass
sich eine Funktions- und Bedeutungsveränderung von
Nachbarschaften vollzogen habe, die neue Praktiken
und Formen von „Vernachbarschaftlichung“ im Sinne
eines „doing neighbourhood“ hervorbringe. Über das
„doing neighbourhood“ und dessen Potenzial unter
den heutigen Bedingungen, so die Studie, sei jedoch
wenig bekannt. Mit einer vertiefenden ethnographischen Fallstudie in einem besonders vielfältigen Quartier in Berlin werden deshalb derzeit durch das Institut
Sozialplanung, organisationaler Wandel und Stadtentwicklung (ISOS) von der FH Nordwestschweiz wesentliche Mechanismen erkundet und deren Relevanz für die
kommunale Praxis abgeleitet. Folgende Fragestellungen
stehen im Mittelpunkt:
•

•

Wie entstehen Nachbarschaften unter dynamisch
wechselnden (postmodernen) Bedingungen? Wie
funktionieren Nachbarschaften und unter welchen
Umständen werden sie durch die Menschen relevant
gemacht?
Welche Praktiken und Mechanismen der Vernachbarschaftlichung gibt es? Worin unterscheiden sich
diese und was ist ihnen gemeinsam? Welche „Treiber“, „Katalysatoren“ oder „Mediatoren“ sind hier
von Bedeutung?

•

Welche Bedeutung haben Nachbarschaften für die
Aufgaben intermediärer Institutionen und deren
Arbeit mit den Kommunen? Was kann durch eine
Fokussierung auf Nachbarschaften in der Planung
und Steuerung von Quartieren und Städten seitens der Kommunen oder der Wohnungswirtschaft
ermöglicht werden (z. B. im Kontext von Partizipation)? Welchen Beitrag zur sozialen Kohäsion leisten
Nachbarschaften in sich zunehmend ausdifferenzierenden Städten?

Link Pilotstudie:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/studien/PDFs/Studien_Befragungen/2017_Pilotstudie_Potenziale_postmoderner_Nachbarschaften.pdf
Anders als die Pilotstudie zielt die Hauptstudie darauf
ab, auf Basis einer Innenperspektive von Nachbarschaft,
also aus Sicht der daran teilnehmenden (aber auch der
davon ausgeschlossenen) Menschen selbst, Wissen
darüber zu generieren, was Nachbarschaften konstituiert, welche Bedeutungen sie im gegenwärtigen gesellschaftlichen Kontext für Menschen haben und wie sie
sich verstetigen (können). Durch eine lebensweltliche
Perspektive auf das Phänomen Nachbarschaft soll auf
Basis des Fallbeispiels die Entwicklung eines anwendungsorientierten Analyserasters ermöglicht werden.
Es geht hierbei nicht um eine Bewertung von Nachbarschaften, sondern um eine Annäherung auf der Verstehensebene. Dadurch sollen einerseits eine Unter- sowie
Überschätzung des lokalen Potenzials von Nachbarschaft sichtbar gemacht und andererseits Spielräume
für politisches Handeln ermöglicht werden.
Es ist geplant, nach Ende des Projekts aus den vhwNachbarschaftsstudien eine Buchpublikation mit dem
Fachverlag Springer VS in der Reihe „Quartiersforschung“ zu entwickeln. Zur Projektfamilie zum Thema
Nachbarschaft ist auch noch das vhw-Projekt „Vernetzte
Nachbarn“ zu rechnen, das im Cluster „Digitalisierung“
(Kapitel 3.2) eingehend vorgestellt wird.

31

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Darüber hinaus wurde das UMR Ambiances Architectures Urbanités/CRESSON mit der Erstellung einer Expertise
zu „Atmosphären als Ressource von Partizipation und
Quartiersentwicklung“ beauftragt. Das Projekt ging von
der Beobachtung aus, dass trotz ähnlicher sozioökonomischer, demographischer o. Ä. Voraussetzungen in Quartieren unterschiedliche Grade an „Zivilität“, politischem
und zivilgesellschaftlichen Engagement o. Ä. auftreten
können. Doch wie kommt vor Ort ein „partizipatives
Klima“ zustande? Die Betrachtung von Atmosphären
könnte ein Schlüssel dafür sein, diese Zusammenhänge
und die dafür ggf. wichtigen Ermöglichungsstrukturen
besser zu verstehen und damit fehlendes Orientierungswissen – auch für die kommunale und wohnungswirtschaftliche Praxis – zu generieren. Sozialwissenschaftliche
Atmosphärenkonzepte implizieren, dass die sinnliche
Qualität einer (sozial-)räumlichen Umgebung Effekte
auf ihre Nutzer hat und damit deren Emotionalität und
Handlungsspielräume beeinflusst. Die beauftragte Kurzexpertise, die auf konzeptioneller, literaturbasierter Arbeit
beruhte, hat die Hypothese eines „partizipativen Klimas“
bekräftigt und bemängelt gleichzeitig die fehlende empirische Evidenz. Empirische Untersuchungen in diesem
Kontext wären dazu prädestiniert, die Rolle von Atmosphären als Einflussgröße für eine inklusive, partizipative
Quartiersentwicklung greifbarer zu machen. Die Thematik ist für den vhw interessant, weil damit auch die Kontexte von Beteiligungsprojekten und die Rahmenbedingungen für eine funktionierende lokale Demokratie (z. B.
als indirekter Effekt gut funktionierender Nachbarschaften) besser verstanden werden können. Darüber hinaus
entsteht auf diesem gesellschaftspolitisch relevanten Feld
ein neues, bisher wenig beachtetes Forschungsfeld, das
viele Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

Kooperation mit dem Arbeitskreis Quartiersforschung der
Deutschen Gesellschaft für Geographie stattfand.
Hintergrund der Tagung war die Tatsache, dass der sozialräumliche Kontext (Quartier) für viele, auch neuere
partizipativ ausgerichtete Planungsmodi (wie z. B. via
Social Media oder Plattformen) eine wesentliche Rolle
spielt. Dies wirft mitunter die Frage der demokratischen
Legitimation auf: Denn während es auf der einen Seite
mit Hilfe neuer, vielfältiger Verfahren und Methoden oft
darum geht, möglichst viele und ein möglichst großes
Spektrum von Bürgerinnen und Bürgern zu erreichen
und damit einer vermeintlichen Erosion der lokalen
Demokratie entgegenzuwirken, treten auf der anderen
Seite verstärkt Bewohnerinnen und Bewohner auf den
Plan, die die Entwicklung ihrer Nachbarschaft und ihres
Quartiers nicht den Planenden überlassen, sondern in
die eigene Hand nehmen wollen – z. B. im Rahmen von
virtuellen Netzwerken, neuen Vereinen, Projekten oder
sozialen Bewegungen. Unklar ist bei all diesen Aktivitäten, in welche (demokratie-)theoretische Konzeptionen sie eingebettet sind, auf welchem legitimatorischen
Fundament sie stehen und welche Funktionen dabei – je
nach Lesart – die sozialräumliche Ebene, die Nachbarschaft oder das Quartier genau einnehmen. Auf der
Tagung, die auf einem offenen Call für Papers beruhte,
wurden einerseits demokratietheoretische Ansätze im

An der gleichen Schnittstelle zwischen Wissenschaft und
Anwendung vor Ort war auch die Konferenz „Quartiersentwicklung zwischen Fremdbestimmung und Grassroots – Theorie und Praxis lokaler Demokratie“ angesiedelt, die vom 28. – 29. September 2017 in Berlin in enger
Abb. 15: Wissenstransfer Quartiersforschung in der „Alten Kantine“

32

Foto: © vhw e. V.

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

2.2

Quartierskontext eruiert und andererseits auch deren
praktische Konsequenzen aufgezeigt. Gleichzeitig
wurden zahlreiche praxisbezogene Ansätze (z. B. deliberative Dialoginstrumente) auf ihren Beitrag zu einer
demokratietheoretischen Weiterentwicklung im Kontext der Quartiersebene diskutiert. Auf der Basis der
Tagung wird derzeit ein Sammelband für die Verlagsveröffentlichung vorbereitet.

Sie weisen aber, vielleicht auch wegen ihrer außergewöhnlichen Bedeutung für die Städte, ein erhebliches
Konfliktpotenzial auf und werden schnell zum Austragungsort raumbezogener Konflikte und Auseinandersetzungen. Diese können aus Über- und Unterauslastung, aus Fehlnutzungen oder aus Nutzungskonflikten
genauso resultieren, wie aus strittigen Gestaltungsplänen, sozialen Verwerfungen, Ausgrenzungen oder Vereinnahmungen.

Öffentliche Räume im Zentrum der
Städte

Zugleich zeigt sich auch bei näherer Betrachtung, dass
es keine intersubjektive Definition oder eine einheitlich
typisierende Beschreibung für die zentralen öffentlichen
Räume gibt. Vielmehr unterscheiden sie sich erheblich in ihren jeweiligen stadträumlichen Lagen (z. B. in
polyzentrischen und monozentrischen Städten), in den
zugedachten Funktionen und den realen Nutzungen,
z. B. als Aufenthalts-, Begegnungs- oder Durchgangsbzw. Transiträume und insbesondere auch in ihrer Einbettung in die nähere Umgebung, z. B. auch durch
unterschiedliche Randnutzungen (Wohnen, Handel,
Dienstleistungen), durch Wegebeziehungen oder Verkehrswege- und Grünflächenvernetzungen.

N

ach Abschluss und erfolgreicher Veröffentlichung
des Gutachtens über die öffentlichen Räume in
stadtgesellschaftlich vielfältigen Quartieren (siehe
vhw-Schriftenreihe Nr. 7) hat der vhw zusammen mit
Prof. Klaus Selle und seinem Team beschlossen, ein Folgegutachten zum öffentlichen Raum im Zentrum der
Städte – und damit zu einer der zentralen stadträumlichen Herausforderungen – zu beauftragen. Das Gutachten, zu dem bereits ein ergiebiger Zwischenbericht
vorliegt und dessen Fertigstellung für Ende des Jahres
2018 vereinbart wurde, zielt insbesondere darauf ab,
die vordringlichen Probleme in den öffentlichen Räumen
der Städte aufzuarbeiten, zu systematisieren, dringende
Handlungsbedarfe zu identifizieren und nicht zuletzt
allgemeine Handlungsvorschläge zur Problemlösung
anzudenken.
Die Relevanz dieser Aufgabenstellung zeigt sich bereits
darin, dass den zentralen öffentlichen Räumen in den
Städten schon immer eine ganz besondere Bedeutung
zukommt: sie prägen das Bild der Stadt nach innen,
präsentieren die Stadt nach außen, gelten als vitaler
Ausdruck stadtgesellschaftlichen Lebens, bieten vielfältigen Aktivitäten eine repräsentative Bühne, stellen eine
besonders bedeutsame Sphäre politischer Präsentation
und Auseinandersetzung dar und sind nicht zuletzt
auch ein sensibles Handlungsfeld der kommunalen Planung und Politik.

Vor diesem Hintergrund befasst sich das Gutachten,
dem bislang eine ausführliche Onlinerecherche zu den
vieldiskutierten Problemen im öffentlichen Raum sowie
mehr als 30 Experteninterviews in insgesamt zehn deutschen Städten zugrunde liegen, im ersten Schritt damit,
•

die vordringlichen Fragen und Probleme zu identifizieren, mit denen Städte in Bezug auf ihre zentralen, öffentlich nutzbaren Stadträume konfrontiert
sind, und

•

nach Ursachen, Handlungsmöglichkeiten und negativen wie positiven Erfahrungen im Umgang mit
diesen Herausforderungen zu fragen.

Bisherigen Ergebnissen zufolge betreffen die zentralen
Herausforderungen zu den öffentlichen Räumen das
Thema Sicherheit und Kontrolle, wobei eine deutliche
Diskrepanz zwischen dem Sicherheitsgefühl einer überwiegenden Mehrheit der Menschen und einer häufig
33

F or s c hun g u n d P o l i t i k

nur die Unsicherheiten hervorhebenden Medienberichterstattung festzustellen ist. Weitere, besonders wichtige
Herausforderungen für die öffentlichen Räume in den
Städten sind die Präsenz unerwünschter Personen und
Gruppen in den öffentlichen Räumen, insbesondere
„die Trinker“, und die damit verbundenen Aneignungen
sowie die Über-/Unternutzung öffentlicher Räume und
zahlreiche Nutzungskonflikte, u. a. durch den Tourismus
oder den Verkehr. Auch das Thema der Verschmutzung,
Sauberkeit und der öffentlichen Ordnung sowie die
Probleme um den Bau und Unterhalt von öffentlichen
Räumen stellen nach Ansicht der Experten zentrale Herausforderungen für die Städte dar.
Im nächsten Untersuchungsschritt des Gutachtens
steht dann – neben einer weiteren Systematisierung
– der ausgewählte, zentrale Stadtraum einer zuvor
festgelegten Stadt im Mittelpunkt, der exemplarisch
mithilfe experimenteller Methoden der teilnehmenden
Beobachtung und Befragung von Passanten und Nutzern vertiefend untersucht werden soll. Die Methoden
wurden zum Teil bereits im vorherigen Projekt zu den
öffentlichen Räumen in den Quartieren der gesellschaftlichen Vielfalt erfolgreich erprobt und angewendet.
Ziel dieser vertiefenden Betrachtung ist es, in Form
einer ausgewählten Stichprobe die Befunde aus den
zahlreichen Befragungen von Experten in den Städten
abschließend auf einen realistischen empirischen Prüfstand zu stellen und sie auf ihre empirische Tragfähigkeit und Haltbarkeit hin zu testen. Zugleich dient die
Stichprobe auch dazu, die Frage zu verfolgen, ob sich
der zur Untersuchung verwendete Methodenmix auch
für weitere, ähnlich gelagerte Auseinandersetzungen
mit öffentlich nutzbaren Stadträumen als übertragbar
und geeignet erweist.
Link zu vhw-Schriftenreihe Nr. 7:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/vhw-schriftenreihe-tagungsband/PDFs/vhw_
Schriftenreihe_Nr._7_OEffentliche_Raeume_in_stadtgesellschaftlich_vielfaeltigen_Quartieren_Juli_2017.pdf
34

2.3

Migration und Integration
Der vhw hat den zukunftsweisenden Umgang mit der
wachsenden stadtgesellschaftlichen Vielfalt zu einer
seiner Schwerpunktaufgaben gemacht. Mehrere Projekte beschäftigen sich aktuell mit den Themenfeldern
Migration und Integration, deren praktische Bedeutung
sich meist vor Ort in den Städten entfaltet. Im Kapitel
2.4 wird die Neuauflage der vhw-Migrantenmilieustudie
und deren Ergebnisse vorgestellt. Nachfolgend werden
drei weitere Arbeitsfelder des abgelaufenen Berichtszeitraums kurz thematisiert.
Der internationale Workshop zu „Förderung von
sozialer Kohäsion im vielfältigen Quartier“
Anfang Juni 2018 hat der vhw einen Workshop in Berlin
ausgerichtet, bei dem es um den Austausch von Erfahrungen von Städten und in Projekten in verschiedenen
Ländern Europas ging. Teilnehmer aus acht Ländern
stellten unterschiedliche Projekte zur Förderung des
sozialen Zusammenhalts im Quartier vor und diskutierten die jeweiligen Ansätze. Dabei ging es neben kohäsionsfördernden Maßnahmen auch um partizipative Konzepte zur Teilhabe der heterogenen Bewohnerschaften.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung von zwei Impulsreferaten durch Prof. Jens Dangschat von der Universität

Abb. 16: Internationaler Workshop in Berlin im Juni 2018

Foto: © vhw e. V.

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Der bereits 2017 eingetretene deutliche Rückgang der
Flüchtlingszuwanderung hatte den Fokus stärker auf
die Integration der in den Vorjahren Angekommenen
gelenkt. Damit rückten die Versorgung der Betroffenen
am Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie die gleichbe-

Abb. 17: Internationaler Workshop in Berlin im Juni 2018

Foto: © vhw e. V.

Wien und Prof. Paul Scheffer (Bild links) von
der Universität in Tilburg, die einen breiten
Bogen zu den Potenzialen und Herausforderungen beim Umgang mit dem Themenfeld „Vielfalt und Kohäsion“ spannten. Die
Beiträge der Teilnehmenden deckten ein
weites Spektrum quartiersbezogener und
nachbarschaftlicher Ansätze und Maßnahmen ab und stießen bei den Beteiligten auf
reges Interesse (Bild oben). Das gewählte
Format ist angesichts der Ähnlichkeit vieler
Frage- und Problemstellungen über die Ländergrenzen hinweg dazu geeignet, in unregelmäßigen Abständen wichtige Anregungen
und Impulse für die eigene Arbeit durch einen
solchen internationalen Austausch zu gewinnen.
Die Integration der Geflüchteten – eine
Bestandsaufnahme
Neben solchen Veranstaltungen und lokalen
Projekten setzte der vhw im Berichtszeitraum
auch das Monitoring zur Integration der
Geflüchteten fort. Im Vordergrund stand eine
Bestandsaufnahme zur Entwicklung der Lage
bis zum Herbst 2017, die als vhw werkSTADT
Nr. 15 im September 2017 erschienen ist.

Abb. 18: Arbeitsuchende Personen im Kontext von Flucht-Zuwanderung je 10.000 Einwohnern auf Kreisebene
Mitte 2018
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

35

F or s c hun g u n d P o l i t i k

rechtigte gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt des
nationalen und kommunalen Aufgabenspektrums.
Schwerpunkt des Berichts waren die räumliche Verteilung der Geflüchteten und die damit einhergehenden
regionalen Folgen. Tatsächlich wurde deutlich, dass sich
an der regionalen Ungleichverteilung der Geflüchteten
bis Mitte 2017 wenig verändert hatte. So ist der Anteil
der Geflüchteten an der Bevölkerung gerade dort weiter
gestiegen, wo strukturelle Transformationsprozesse
schwierige Aufnahmebedingungen am Arbeitsmarkt
bilden. Die häufig geäußerte Zielsetzung, eine starke
räumliche Konzentration der Geflüchteten in Problemquartieren – Stichwort „Gettobildung“ – zu vermeiden, konnte bis 2017 ebenfalls (noch) nicht umgesetzt
werden. In mehreren Bundesländern, darunter in Bayern
und Nordrhein-Westfalen, wurden Gesetze zur Wohnsitzzuweisung eingeführt, die zu einer gleichmäßigeren
lokalen Verteilung der Asylsuchenden führen sollten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts war die Wohnungsversorgung der Geflüchteten, eine große Herausforderung angesichts der angespannten Wohnungsmarktlage in vielen Regionen.
Seit Beginn der starken Zuwanderung waren zahlreiche
Gesetzesänderungen zur Umsetzung und Beschleunigung der Versorgungsaufgabe vorgenommen worden.
Tatsächlich war die Situation im Sommer 2017 jedoch
weiterhin eher unbefriedigend, da tausende – auch
anerkannter – Asylbewerber mangels verfügbarer Wohnungen noch immer in Gemeinschaftsunterkünften
leben mussten, wie etwa in Bayern.
Der vhw setzt die Beobachtung der Integrationsentwicklung fort und wird sich in einer weiteren vhw werkSTADT vor allem mit den Themen Sprache und Bildung
sowie Integration am Arbeitsmarkt beschäftigen.
Link vhw werkSTADT Nr. 15:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/werkSTADT/PDF/vhw_werkSTADT_Migrantenmilieustudie_Nr_15_2017.pdf

36

„Wohnraumversorgung und sozialräumliche Inte‑
gration von Migrantinnen und Migranten – Bele‑
gungspolitiken institutioneller Wohnungsanbieter
Der Wohnungsmarkt und seine Verteilungsmechanismen haben eine Schlüsselrolle für das Ankommen von
Zugewanderten in der Gesellschaft und das Gelingen
sozialräumlicher Integration. Denn sie nehmen maßgeblichen Einfluss, wie sich die Wohnbevölkerung räumlich
verteilt und sich das Zusammenleben vor Ort gestaltet.
Gleichzeitig verweisen jedoch zahlreiche Untersuchungen sowie Beratungsstellen darauf, dass ein Migrationshintergrund die Wohnraumsuche erschwert. Bisher gibt
es allerdings kaum Studien, die analysieren, mit welchen
Strategien Wohnungsunternehmen auf Zuwanderung
und steigende Diversität reagieren. Das Forschungsprojekt, welches vom vhw finanziert und durch das ILS
– Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung
und Urban Plus durchgeführt wird, untersucht daher,
wie Belegungspraktiken institutioneller Wohnungsunternehmen in unterschiedlichen städtischen Kontexten
die Zugänge von Migrantinnen und Migranten zum
Mietwohnungsmarkt strukturieren und damit sozialräumliche Segregation und Integration in Quartier und
Nachbarschaft beeinflussen. Dabei wird nicht nur die
unternehmenseigene Praxis von Wohnungsanbietern
betrachtet, sondern auch das Wechselverhältnis mit
den kommunalen wohnungs- und integrationspolitischen Strategien sowie quartiersbezogenen Governancestrukturen in den Blick genommen. Ziel des Projekts ist die Identifizierung von Herausforderungen des
Belegungs- und Diversitätsmanagements institutioneller
Wohnungsanbieter vor dem Hintergrund von Zuwanderung und zunehmender gesellschaftlicher Diversität.
Mit Berlin, Düsseldorf und Hamburg wurden für die
Untersuchung drei von Migration geprägte Großstädte
als Fallstudien ausgewählt, die aufgrund ihres angespannten Wohnungsmarkts vor besonderen wohnungsund integrationspolitischen Herausforderungen stehen
und damit besonders „anfällig“ für Selektions- und
Diskriminierungspraktiken sind. Die Ergebnisse des For-

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

schungsprojekts werden abschließend als Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung einer diversitätsorientierten Wohnungspolitik aufbereitet und den
kommunalen sowie wohnungspolitischen Akteuren zur
Verfügung gestellt.
Das Projekt „Stadtteilmütter“ – Wirkmächtige
Akteure
Stadtteilmütterprojekte gehören seit Beginn der
2000er-Jahre als niedrigschwellige Integrationsprojekte
zur Angebotsstruktur von Kommunen in der Bundesrepublik. Dabei stehen neben der Niedrigschwelligkeit vor
allem die Begriffe: Teilhabe, Brückenbauen und direkte
Ansprache bei der Gestaltung der Projekte im Mittelpunkt. Der lokale Raumbezug der Projekte wird bereits
im ersten Teil des Namens Stadtteilmutter suggeriert.
Jedoch wurde dieser Aspekt von wissenschaftlicher
Seite bisher zu wenig betrachtet.
Aus der Praxis von Stadtteilmütterprojekten ist allerdings
bekannt, dass mit ihnen eine Reihe sozialer Wirkungen
einhergehen. Bisherige Untersuchungen und Evaluationen erhoben vor allem, inwieweit sich als Stadtteilmütter
arbeitende Frauen oder die von ihnen besuchte Familien
an die gesellschaftlichen Teilsysteme von Bildung und
Arbeitsmarkt annäherten. Es fehlten bislang Untersuchungen, die zeigen, auf welche Weise Stadtteilmütterprojekte in Nachbarschaften und Quartiere hineinwirken.
Oft handelt es sich bei der Zielgruppe von Stadtteilmüttern um Frauen mit mangelnden Deutschkenntnissen,
deren Kontakte sich daher meist lediglich auf die eigene
Community beschränken und die deshalb nur einen
geringen Zugang zu Netzwerken der Mehrheitsgesellschaft haben. Zugleich bedeutet das für diese Frauen
einen benachteiligten Zugang zu gesellschaftlichen
Ressourcen und Institutionen. Stadtteilmütterprojekte
versuchen diesen Segregationstendenzen entgegenzuwirken, indem sie – oft aufsuchend – auf solche Frauen
zugehen. Als erwünschter Nebeneffekt entstehen dabei
neben funktionalen Beziehungen auch Bekanntschaften
und Freundschaften. Diese bergen das Potenzial, Netz-

Abb. 19: Nachricht: Projekt Stadtteilmütter gestartet

Screenshot: vhw-Internet via Google

werke im Nahraum – jenseits von ethnisch geprägten
Communities – entstehen zu lassen.
Um diese Effekte benennbar und greifbar zu machen, hat
der vhw Ende 2017 das Forschungsprojekt „Stadtteilmütterprojekte – Integration mit besonderer Wirkkraft?“ als
Auftragsforschungsprojekt ausgeschrieben. Darin sollen
explizit soziale Wirkungsweisen von Stadtteilmütterprojekten aufgezeigt werden. Unter anderem fragt die Studie:
•

Welche sozial integrierenden Wirkungen lassen
sich bei Stadtteilmüttern und aufgesuchten Frauen
feststellen?

•

Welche Formen des sozialen Kapitals entstehen
durch die Projekte und wie wirken diese in den
jeweiligen Sozialraum hinein?

•

Welche Bedeutung hat der Sozialraum als Kontextbedingung für die Wirkung der Projekte?

•

Welche Auswirkung hat die Programmgestaltung
auf die Wirkung der Projekte?

Die Studie ist im Frühjahr 2018 in die empirische Feldforschungsphase gestartet. Neben Interviews mit Projektleiterinnen, Quartiersinstitutionen und Personen aus der
Verwaltung greift man dabei auch auf eine inzwischen
bewährte vhw-Technik zurück: Die Ausbildung von
Stadtteilmüttern als Interviewerinnen.1 Diese werden
1

Gutknecht, Stefanie (2015) Im Dialog mit den „Nicht-Erreichbaren“? In: Forum Wohnen und Stadtentwicklung 5/2015. S. 266
- 271

37

F or s c hun g u n d P o l i t i k

geschult, um Interviews mit migrantischen Frauen zu
führen. Dabei wird es möglich, auch Frauen zu interviewen, die sonst aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen nicht hätten befragt werden können.
Die Ergebnisse der Studie werden für den Herbst 2018
erwartet.

2.4

vhw-Migrantenmilieustudie 2018

Z

u den zentralen Forschungsprojekten im abgelaufenen Berichtsjahr zählte die bundesweite, repräsentative Befragung des Bevölkerungsteils mit einem Migra­
tionshintergrund. Diese Befragung war der zweite Teil
des dreistufigen Projekts zur Aktualisierung der Migran­
tenmilieus, das 2016 mit einer qualitativen Leitstudie
eingeleitet worden ist. Über deren Ergebnisse wurde
im Tätigkeitsbericht 2016/2017 (Kapitel 3.2) ausführlich
berichtet.

Die drei Phasen des Gesamtprojekts zur
Neumodellierung der Migranten-Milieus

2016
Qualitative
Leitstudie

2017/18
Quantifizierung

2018
Verräumlichung

Einzelfallexplorationen,
N = 160; 1,5 Stunden

Stichprobenbeziehungen

Modellentwicklung

Fotodokumentation
der Wohnwelten

Quantitative Erhebungen
N = 2.053

Übertragung der
Milieus in den Raum

Neue
Milieuhypothesen

Aktualisiertes
Milieumodell

Aktualisierte Geo
Milieus Migranten

Abb. 20: Die drei Phasen des Gesamtprojekts zur Neumodellierung der Migranten-Milieus, 2016 bis 2018

Grafik: vhw e. V.

38

Mit dem Ansatz der Migranten-Milieuforschung werden
nicht nur die typischerweise genutzten Differenzierungsmerkmale für die migrantische Bevölkerung – wie etwa
die soziale Situation, Altersgruppe sowie kulturelle oder
staatliche Herkunft – ergänzt und erweitert. Vielmehr
überlagern, wie bereits in der ersten Studie 2008 deutlich geworden ist, lebensweltliche Orientierungen andere
Merkmale wie Herkunft oder religiöse Zugehörigkeit eindeutig und schaffen damit bessere Voraussetzungen für
eine bedürfnisgerechte Gestaltung von Integrations- und
Kohäsionspolitiken, aber auch für Themen wie der Stärkung des sozialen Zusammenhalts oder der Wohnungsversorgung – gerade auch auf kommunaler Ebene.
Die Neuauflage der Studie erschien vor dem Hintergrund des vielfältigen gesellschaftlichen Wandels in der
letzten Dekade, aber auch aufgrund der sich deutlich
verschiebenden Herkunftsstrukturen der migrantischen
Bevölkerung, sowohl im Kontext der Zuwanderung
aus Mittelosteuropa als auch wegen der Fluchtzuwanderung mit ihrem Höhepunkt 2015/16, als dringend
geboten. Sie bildet insofern einen wichtigen Baustein
der Akteursforschung in der vhw-Arbeit. Im Herbst
2018 werden die Ergebnisse in mehreren Publikationen
öffentlich vorgestellt.
Grundlage und Ziele der quantitativen Studie
Die von Juli bis Oktober 2017 exklusiv durchgeführte
Befragung des Sinus-Instituts für den vhw umfasste eine
repräsentative Stichprobe von 2.053 Personen nach der
Definition des Statistischen Bundesamts. Als Quotenmerkmale wurden auf der Basis des Mikrozensus 2016
unter anderem Alter, Geschlecht, regionale Verteilung,
die frühere Milieuzugehörigkeit sowie der staatliche
bzw. regionale Herkunftshintergrund und die formale
Bildung herangezogen. In den Befragungen durch
geschulte Interviewer wurden neun verschiedene Sprachen eingesetzt.
Hauptziel der Untersuchung war die Ermittlung und
Abbildung der lebensweltlichen Vielfalt und deren
Entwicklung in den letzten zehn Jahren im Bevölke-

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Das aktualisierte Milieumodell

rungsteil mit Migrationshintergrund. Dabei sollten die
entsprechenden Befunde und das konturierte Modell
aus der qualitativen Leitstudie geprüft und quantifiziert
werden. Darüber hinaus ging es darum, die aktuellen
Befindlichkeiten, Wahrnehmungen, Einstellungen und
Bedürfnisse der Befragten und deren Entwicklung in
den letzten Jahren zu ermitteln, zu analysieren und
einzuordnen. Das breite inhaltliche Themenspektrum
reichte von Fragen der Zugehörigkeit und Identität über
die Bewertung und praktische Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die Entwicklung von Diskriminierung und Teilhabe, Mediennutzung, Fragen von
Partizipation und Engagement bis zu konkreten Bedürfnislagen, etwa beim Wohnen oder für die Nutzung und
Regulierung des öffentlichen Raums. Insofern ging es
nicht zuletzt auch um das Gewinnen von Erkenntnissen
zur Gestaltung lokaler Politiken in den Bereichen Integration, Zusammenhalt, Teilhabe/Partizipation sowie
Kommunikation und kommunikative Zugänge.

Bestätigt wurden der grundsätzliche Wert und die Differenzierungskraft des lebensweltlichen Ansatzes. In der
Migrantenpopulation, ebenso wie in der autochthonen
Bevölkerung, gibt es eine große Vielfalt von Lebensauffassungen und Lebensweisen. Die Menschen mit
Migrations­hintergrund in Deutschland bilden keineswegs
eine homogene Gruppe; die Milieus unterscheiden sich
weniger nach ethnischer Herkunft als nach ihren Wertvorstellungen und Lebensstilen. Zwar prägt die Herkunftskultur maßgeblich die Identität, sie determiniert aber nicht
die milieukonstitutiven Grund- und Wertorientierungen.
Menschen des gleichen Milieus, aber mit unterschiedlichem Migrationshintergrund verbindet mehr miteinander
als mit dem Rest ihrer (ehemaligen) „Landsleute“. Ein
Rückschluss von der Herkunftskultur auf das Milieu ist
demnach nicht möglich – und umgekehrt.
Seit 2008 hat sich die vielfältige Milieulandschaft weiter
ausdifferenziert. Dies ist auch Ausdruck des weiter
gewachsenen Werte- und Einstellungsspektrums im
migrantischen Bevölkerungsteil; es sind offene und eher
geschlossene Welt- und Rollenbilder mit teilweise gegenläufiger Entwicklung anzutreffen. In der aktuellen Studie
wurden insgesamt zehn Migranten-Milieus identifiziert,
deren Kurzprofile in der Grafik auf Seite 41 dargestellt
wird. In Bezug auf Wertebilder, Lebensziele und Integrationsniveau ist das Gesellschaftsmodell der MigrantenMilieus deutlich trennschärfer als die alleinige Betrachtung von soziodemografischen Variablen wie Ethnie,
Bildung, Einkommen oder Religionszugehörigkeit.

Entwicklung des Bevölkerungsanteils
mit Migrationshintergrund
Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2005 und 2017 an der
Gesamtbevölkerung nach Status/eigener Migrationserfahrung, in Prozent (Mikrozensus)

2005

5,8

2017

5,6

0,0

3,5

6,8

2,1

6,4

5,0

9,7

10,0

15,0

1,8

20,0

25,0

Deutsch mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung
Deutsch mit Migrationshintergrund mit eigener Migrationserfahrung
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung

Abb. 21: Entwicklung des Bevölkerungsanteils mit Migrationshintergrund von 2005 bis 2017

Grafik: vhw e. V.

Die Ergebnisse der qualitativen Leitstudie wurden weitgehend bestätigt. Im quantifizierten Modell waren nur
einige kleinere Nachjustierungen erforderlich. Zu diesen
gehört die nun etwas abweichende Positionierung einiger Milieus im Modell. So weist etwa das Milieu der Performer nach der quantitativen Studie eine etwas höhere
soziale Lage auf. Im Vergleich zum Ausgangsmodell sind
die Statusbewussten und die Adaptiv-Pragmatischen
39

F or s c hun g u n d P o l i t i k

nur wie bisher bei den Religiös-Verwurzelten. In den traditionell orientierten Milieus ist eine zunehmende Divergenz
festzustellen, zwar weiter vornehmlich, aber nicht mehr
ausschließlich in den sozial benachteiligten Lagen. Diese
verstärkte Traditionalisierung ist vor allem bei den ReligiösVerwurzelten durch Isolation, ein Gefühl der Ausgrenzung
und Rückzug in ethnische Enklaven gekennzeichnet.

leicht angewachsen, während das Traditionelle Arbeitermilieu stärker geschrumpft ist.
Deutlich stärker als nach der Leitstudie vermutet, dehnt
sich das Statusbewusste Milieu aus. Es ist nun lebensweltlich breiter und zugleich traditioneller positioniert.
Entsprechend tauchen in der Milieugrafik traditionelle
Werte stärker auch in der Mittelschicht auf – und nicht

Millieumodell 2018
10
1

Statusbewusstes Milieu
Aufstiegsorientiertes Milieu mit
traditionellen Wurzeln, das durch
Leistung und Zielstrebigkeit
materiellen Wohlstand und soziale
Anerkennung erreichen will, ohne
seine Bezüge zur Herkunftskultur
aufzugeben

Intellektuell Kosmopolitisches Milieu
Die erfolgreiche, aufgeklärte
Bildungselite mit liberaler und postmaterieller Grundhaltung, einem
multikulturellen Selbstverständnis
und vielfältigen intellektuellen
Interessen

Traditionelles Arbeitermilieu
Das etablierte traditionelle Milieu
der Arbeitsmigranten und Spätaussiedler, das nach materieller Sicherheit und Anerkennung strebt, das sich
angepasst hat und ohne anzuecken
seine (Familien-) Traditionen des
Herkunftslandes pflegt
Religiös-Verwurzeltes Milieu

Das archaische, patriarchalisch
geprägte, sozial und kulturell
isolierte Milieu, verhaftet in den
vormodernen Mustern und religiösen Traditionen der Herkunftsregion, mit deutlichen Rückzugsund Abschottungstendenzen

8
6

3
2
4

7
5

4

Prekäres Milieu

Die um Orientierung, Heimat/
Identität und Teilhabe bemühte
Unterschicht mit starken Zukunftsängsten, Ressentiments und einer
oft fatalistischen Lebenseinstellung,
die sich ausgeschlossen und
benachteiligt fühlt

8

Der optimistische, leistungs- und
familienorientierte junge Mainstream mit Freude am technischen
Fortschritt, pragmatisch-realistischen Zieldefinitionen und hoher
Anpassungsbereitschaft

6
5

Experimentalistisches Milieu

Das individualistische Milieu
der spaß- und szeneorientierten
Nonkonformisten mit ausgeprägter
Experimentierfreude, Distanz zum
Mainstream und Fokus auf dem
Leben im Hier und Jetzt

7 Adaptiv-Pragmatisches Milieu

9

1

Abb. 22: Das Milieumodell 2018: Kurze Profile der Migranten-Milieus

40

Milieu der Performer

Die zielstrebigen multioptionalen,
global denkenden Zukunftsoptimisten mit hoher Technik- und
IT-Affinität, großem Selbstbewusstsein und gehobenen Stil- und
Konsumansprüchen

10

2

3

9

Bürgerliche Mitte

Die leistungs- und anpassungsbereite
Mitte der Migrantenpopulation, die
Das junge freizeitorientierte Untersich mit den Verhältnissen im Aufschichtmilieu mit defizitärer Identinahmeland identifiziert, nach sozialer
tät und Underdog-Bewusstsein, auf
Akzeptanz und Zugehörigkeit strebt
der Suche nach Spaß, Unterhaltung
und harmonisch und abgesichert
und Konsum, das sich Leistungs- und
leben möchte
Anpassungserwartungen der Mehrheitsgesellschaft verweigert
Konsum-Hedonistisches Milieu

Grafik: Sinus 2018

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Demgegenüber ist bei den Statusbewussten eher eine
kulturelle „Differenzmarkierung“ (Heinz Bude) zu beobachten. Man verbindet Aufstiegsorientierung mit Tradition. Alle rationalen und formalen Integrationsaspekte
werden erfüllt, man erlernt die Sprache, zahlt Steuern und
passt sich vielen Gepflogenheiten an. Zugleich entwickeln
viele Statusbewusste jedoch kein Heimatgefühl, sondern
distanzieren sich eher selbstbewusst von der deutschen
Kultur und pflegen die kulturellen Traditionen.

Anders als im bürgerlichen Segment dominiert in den
„modernen“, jüngeren Milieus ein bi-kulturelles Selbstverständnis. Deutschland ist die neue Heimat, viele Wertorientierungen sind inzwischen jedoch universell. Zugleich
sollen die kulturellen Bezüge zur früheren (elterlichen)
Heimat nicht aufgegeben werden. Typisch ist dafür ist das
Intellektuell-Kosmopolitische Milieu, das seit 2008 weiter
angewachsen ist und eine besonders starke Position unter
den in Deutschland geborenen bzw. aufgewachsenen
Befragten einnimmt. Bei ihnen sind deutliche Unterschiede zum Milieu der Performer festzustellen, insbesondere bei Fragen des Umgangs mit Integration oder bei der
Kritik an vielen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Milieugruppe der Hedonisten ist deutlich kleiner als
2008. Das Hedonistisch-Subkulturelle Milieu aus dem
Modell 2008 differenziert sich in ein junges individualistisch-nonkonformistisches Segment – als Milieu der
Experimentalisten – und ein unterschichtiges konsummaterialistisches Segment – das Milieu der KonsumHedonisten aus. Die Milieuangehörigen befinden sich
insgesamt in einer noch stärker prekären sozioökonomischen Position als eine Dekade zuvor, mit vielen
Arbeitslosen und Transferbeziehern. Weiter gewachsen
sind daher ein generalisiertes Underdog-Bewusstsein
und das Gefühl von Benachteiligung und Diskriminierung mit der Konsequenz von Resignation und
Rückzug. Unverändert geblieben ist bei ihnen
dagegen die hedonistische Erlebnisorientierung,
mit der sie sich vom Prekären Milieu deutlich
unterscheiden.

Die Vorstellungen zur Akkulturation bzw. Integration
sind vielfältig. Weitgehend sind sie vom Streben nach
Teilhabe und Anpassung an das Aufnahmeland bei
gleichzeitiger Bewahrung der eigenen kulturellen Wurzeln geprägt. Diese Orientierung wird in zwei Grafiken
(Abb. 23/24) deutlich.
Anpassung aus zwei Perspektiven

Stimme nicht zu...

Stimme zu...

Stimme nicht zu...

8,4

6,8

Stimme zu...

Die „Deutschen“ müssen sich mehr an die
Migranten anpassen...

Die Migranten müssen sich mehr an die
Deutschen anpassen...

In der – sozialen und lebensweltlichen – Mitte
der Milieulandschaft und in den modernen Milieus der Migranten­
population ist im Vergleich
dazu eine zunehmende Konvergenz zu beobachten: Die autochthone und die migrantische
Bevölkerung unterscheiden sich lebensweltlich
zunehmend weniger voneinander, wie das Beispiel der Bürgerlichen Mitte unterstreicht. Dieses
repräsentiert im neuen Modell das ältere bürgerlich-etablierte Segment während die AdaptivPragmatischen, analog zum Gesamtmodell der
Sinus-Milieus, nun das jüngere bürgerliche Segment stellen.

Identität und Integration

54,3

30,5

Abb. 23: Anpassung aus zwei Perspektiven

Angaben in Prozent

Grafik: vhw e. V.

41

F or s c hun g u n d P o l i t i k

genden, allerdings unterschiedlich motivierten Hinwendung zur Religiosität bei den traditionellen und
prekären Milieus eine Abwendung bei den jüngeren
modernen Milieus gegenüber.

Meinungsbild
„Ich finde es gut, wenn Menschen, die nach Deutschland
gekommen sind, ihre kulturellen Wurzeln beibehalten“

Von Gesellschaftskritik bis zum Zusammenleben
STATUSBEWUSSTES MILIEU

5,8

INTELLEKTUELL-KOSMOPOLITISCHES MILIEU

3,0

42,2
49,1
11,0

MILIEU DER PERFORMER
EXPERIMENTALISTISCHES MILIEU
4,7

TRADITIONELLES ARBEITERMILEU
TRADITIONSVERWURZELTE

INSGESAMT

36,8
31,3

52,3

31,8

13,8
7,8

PREKÄRES MILIEU
KONSUM-HEDONISTISCHES MILEU

29,9

54,7

8,7
3,1

33,5

52,7
55,6

10,3

BÜRGERLICHE MITTE

42,4
49,3

8,0

ADAPTIV-PRAGMATISCHES MILIEU

47,3

8,5
7,1

82,3
40,4

41,8

39,9

44,4
47,2

40,0
Angaben in Prozent

Stimme überhaupt nicht zu...

Stimme eher nicht zu

Stimme eher zu

Abb. 24: Toleranz sichtbar gemacht

Zwar sind mehr als die Hälfte der Befragten der Ansicht, Zuwanderer müssten sich
„mehr an die Deutschen“ anpassen, während sich die Deutschen nicht verstärkt an
die Migranten anpassen müssten. Zugleich
hält es jedoch eine große Mehrheit von fast
90 Prozent der Befragten für gut, wenn die
Zuwanderer ihre kulturellen Wurzeln beibehalten. Mit anderen Worten: Es wird weithin
eine funktionale Integration gefordert, keineswegs jedoch eine vollständige kulturelle
Assimilation.
Dieser Kernbefund gilt ungeachtet der Tatsache des erwähnten breiten Identitätsspektrums, das von post-nationalen über bi-kulturelle und neo-traditionelle bis zu assimilativen
Vorstellungen reicht. Deutlich wird die Wirksamkeit unterschiedlicher Impulse für die
Identitätsbildung: So steht etwa einer stei42

Stimme voll und ganz zu

Grafik: vhw e. V.

In der Beurteilung der Politik oder gesellschaftlicher
„Defizite“ ist das Meinungsbild der befragten Migrantinnen und Migranten jenem in der Gesamtgesellschaft sehr ähnlich und von breiter Kritik gekennzeichnet. Dies gilt für unterschiedliche Felder – von
allgemeinem Zukunftspessimismus über die wachsende soziale Benachteiligung bis zur Medienschelte.
Nur das Intellektuell-Kosmopolitische Milieu hat einen
etwas positiveren und differenzierenden Blick auf die
Entwicklungen. In deutlichem Gegensatz dazu wird
die persönliche Zukunft von den Befragten mit Ausnahme der Prekären und Religiös-Verwurzelten jedoch
weithin positiv bewertet.

Wertehaltungen aus der
vhw-Migrantenmillieu-Befragung 2017/2018
„Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? Bitte geben Sie bei jeder Aussage an, ob
Sie dieser Aussage voll und ganz zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder
überhaupt nicht zustimmen.“
Die meisten Politiker haben keine Ahnung,
wie es normalen Menschen geht.
Manchmal kann man den Eindruck haben, die Welt
versinkt im Chaos wegen Kriegen, Terror etc.

34

19

Unser Wohlstand wird zurückgehen und unseren
Kindern wird es schlechter gehem als uns selbst.

18

23

40

5 3
8

25

36
34

4 5

13

30

25

Man kann nichts mehr glauben, was in den Medien
berichtet wird.

12

40

39

Vom Staat habe ich gar nichts. Ich muss selbst
schauen, wie ich über die Runden komme.
Die Kriminalität nimmt ständig zu und man kann sich
nirgends mehr wirklich sicher fühlen

34

45

7 3

32
25

5

9
9

4

14

Angaben in Prozent
stimme voll und ganz zu

stimme eher zu

stimme eher nicht zu

stimme überhaupt nicht zu

Abb. 25: Wertehaltungen aus der vhw-Migrantenmilieu-Befragung 2017/2018

weiß nicht / keine Angabe

Grafik: vhw e. V.

Urbaner Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Wie bereits in der Leitstudie festgestellt,
wurde erneut die große Bedeutung der
Familie für die Befragten deutlich. Dies wird
zugleich als wesentlicher Unterschied zwischen Herkunftskultur und der Situation in
Deutschland empfunden. Zwar dominieren
bei den Rollenbildern in Familie oder zwischen den Geschlechtern weiterhin eher traditionelle Vorstellungen, doch gerade in den
jüngeren Milieus sind zunehmende Lockerungstendenzen feststellbar, auch für das
Thema des Umgangs mit sexueller Orientierung.
Ungeachtet einer Reihe von Friktionen und
dem Erstarken populistischer Tendenzen
bewertet eine deutliche Zwei-Drittel-Mehrheit das Zusammenleben mit einheimischen
Deutschen weiterhin als – eher oder sehr –
gut. Allerdings laufen die Bewertungen, was
die jüngste Entwicklung anbelangt, zunehmend auseinander. Zwar findet ein knappes
Viertel, das Zusammenleben habe sich verbessert, mehr als ein Drittel hält jedoch das
Gegenteil für zutreffend.
Hierzu dürfte auch die anhaltende Wahrnehmung von Diskriminierungen beitragen, wie
sie im Sommer 2018 in der #MeTwo-Bewegung breiten öffentlichen Ausdruck fand.
Diskriminierungen werden aus den meisten
Lebensbereichen berichtet; deutlich zugenommen haben diese am Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie im Umgang mit Behörden.
In diesen Feldern wird von einer deutlichen
Mehrheit eine Verschlechterung festgestellt,
während es sich für viele Befragte bei interpersonellen Kontakten, etwa am Arbeitsplatz
oder in den Universitäten, eher positiv entwickelt hat – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Milieus.

Werte des Zusammenlebens

„Alles in allem, wie bewerten Sie das Zusammenleben von
Migranten und Einheimischen in Deutschland?“
STATUSBEWUSSTES MILIEU

9,3

INTELLEKTUELL-KOSMOPOLITISCHES MILIEU

9,6

ADAPTIV-PRAGMATISCHES MILIEU
BÜRGERLICHE MITTE
TRADITIONELLES ARBEITERMILEU

62,1

1,7
1,6

17,9
52,3

4,6

58,9

30,5

54,9

8,0

2,6
2,5

20,5
18,1

35,4

7,2

INSGESAMT

21,9

58,8

8,7

1,4

1,8

65,4

11,5

PREKÄRES MILIEU

0,8

22,9
22

62,7

7,3

1,5

21,7

58,1

5,5

TRADITIONSVERWURZELTE

KONSUM-HEDONISTISCHES MILEU

59,0

11,5

MILIEU DER PERFORMER
EXPERIMENTALISTISCHES MILIEU

60,9

2,1

32

58,7

2,6

24,3

1,9

Angabe in Prozent

sehr gut

eher gut

eher schlecht

sehr schlecht

Abb. 26: Werte des Zusammenlebens

Grafik: vhw e. V.

Diskriminierungserfahrungen
Diskriminierungserfahrungen nach Ort und Häufigkeit
(in Prozent aller Befragten)
AM ARBEITSPLATZ, IN DER SCHULE BZW.
AN DER UNIVERSITÄT?

2,2

24,6

8,6

BEI DER WOHNUNGSSUCHE?

5,1

14,8

21,5

BEI DER ARBEITSSUCHE?

5,2

14,7

21,9

BEI BEHÖRDEN?

3,8

27,6

12,6

BEIM EINKAUFEN?

1,4

3,7

20,6

IN GASTSTÄTTEN, RESTAURANTS, HOTELS
ODER CLUBS?

1,3

4,2

19,5

BEI DER POLIZEI?

1,9

6,1

IN DER NACHBARSCHAFT?

1,6

5,4

IN VEREINEN?

0,9 2,0

sehr häufig

Abb. 27: Diskriminierungserfahrungen

15,6

23,7

11,2

eher häufig

selten

Grafik: vhw e. V.

43

F or s c hun g u n d P o l i t i k

An dieser Stelle ist insbesondere auf die stark positiven Effekte von Kontakthäufigkeit und -vielfalt hinzuweisen. Diese korrelieren nicht nur sehr positiv mit der
Bewertung des Zusammenlebens, sondern auch mit
der Verbundenheit zum Land, geringerer Religiosität
und selteneren Diskriminierungserfahrungen. Damit
untrennbar verbunden ist die Bedeutung der Sprachkompetenz, deren positive Wirkungen sich wie ein roter
Faden durch die Befragung zieht.
Die lokale Ebene – von partizipativer Teilhabe bis
zur Wohnsituation
Grundsätzlich besteht eine hohe lokale Engagementbereitschaft bei den Befragten, etwa im Ehrenamt bei
der Aufnahme der Geflüchteten. Zugleich ist eine aktive
partizipative Mitwirkung bei Quartiers-, Stadtteilthemen
im Rahmen von Beteiligungsverfahren bislang allerdings
auf wenige Milieus begrenzt. Insgesamt besteht eine
durchaus neugierige Distanz in den meisten Milieus,
zugleich werden jedoch diverse Hindernisse für eine verstärkte Teilnahme benannt, wie mangelnde Informationen, eine begrenzte Kommunikation oder sprachliche
Barrieren. Bei einigen Milieus ist allerdings auch Desinteresse anzutreffen, was die Vorgänge im Quartier oder
Stadtteil angeht.
Die Bedeutung von – lokalen – Intermediären ist insgesamt hoch, variiert aber sehr stark nach Milieuzugehörigkeit. Strukturell, das heißt bezogen auf den Vereinstyp,
ähnelt die Mitgliedschaftsstruktur jener der Gesamtbevölkerung, was sich etwa in der weit führenden Rolle der
Sportvereine zeigt. Einige, insbesondere die traditionellen Milieus bevorzugen allerdings eher herkunftskulturell
zusammengesetzte Vereinsstrukturen.
Die Themen „Einstellungen zum öffentlichen Raum“
und zum Wohnen werden in weiteren Publikationen
ausführlich behandelt werden. Deutlich wird, dass die
grundsätzliche Sicht auf den öffentlichen Raum – bei
Nutzungswünschen wie bei Regularien – sich insgesamt
nur wenig von der Gesamtbevölkerung unterscheidet,

44

allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Milieus
aufweist.
Viele Befragte wollen ihre Wohnsituation verbessern,
häufig auch durch den Erwerb von Wohneigentum.
Allerdings droht damit partiell ein Verlust der Brückenbzw. Mittler-Funktion im Quartier, wie sie zum Beispiel
von den Statusbewussten oder dem Intellektuell-Kosmopolitischen-Milieu ausgeübt wird, die sich als „Kulturmittler“ verstehen. Es gilt insofern im Zuge einer
integrierten Stadtentwicklungspolitik darauf zu achten,
dass der Wunsch vieler Betroffener nach verbesserten
Wohnbedingungen nicht zulasten von sozialen und
integrativen Brückenfunktionen im Quartier erfolgt.
Zusammenfassung und Ausblick
Die Befunde dokumentieren das Nebeneinander und die
Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Entwicklungen und
Impulse in und für den Bevölkerungsteil mit Zuwanderungshintergrund. Die Pluralisierung von Identitätsmustern und deren Folgen werden deutlich konkretisiert. In
der Untersuchung ist den Befragten in fast allen Milieus
der grundsätzliche Wille zur Integration weitgehend
gemeinsam – wobei dies bei einem weiter gewachsenen
Teil der Migrationsbevölkerung längst gelebte Realität
ist. Es sind jedoch klare Abgrenzungstendenzen einer
kleinen Gruppe traditioneller und religiöser Milieus nicht
zu übersehen und diese finden ihren Niederschlag in
aktiver Abgrenzung oder Resignation.
Trotz des Fortbestehens assimilativer Orientierungen bei
den Mainstream-Milieus haben vornehmlich ­
hybride
Identitätsmuster weiter an Gewicht gewonnen. Dies
zeigt sich häufig, etwa bei den Statusbewussten, in
selbstbewusst vorgetragener Form zwischen Modernität, Aufstiegswillen und Traditionsbewahrung. Auch
kreativ-kosmopolitische Orientierungen gewinnen wei­
ter an Gewicht.
In der Untersuchung wurden wesentliche Voraussetzungen für ein erfolgreiches interkulturelles Miteinander,
also für den sozialen Zusammenhalt, freigelegt oder

Gesellschaftlicher Wandel durch Digitalisierung

eindeutig bestätigt. Dies gilt in besonderem Maße für
die erwähnten Bereiche Sprachkompetenz und Kontaktart sowie -häufigkeit, deren weitere Förderung zu
den vordringlichsten Aufgaben aktiver Integrationsarbeit gehören muss. Dagegen behindern und untergraben die soziale Ungleichheit und die wahrgenommenen
Diskriminierungen weiterhin den Zusammenhalt.
Insgesamt erweitert das neue Milieuwissen die bestehende Erkenntnisbasis in wesentlichen Bereichen:
•

bei den Voraussetzungen für stadtgesellschaftliche
Partizipation und Teilhabe;

•

bei der Schaffung kommunikativer und medialer
Zugänge und der Vermittlung von Informationen;

•

für die Gestaltung und Regulierung des öffentlichen Raums und

•

hinsichtlich der Erfordernisse einer auf Integration
setzenden Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik.

Die Untersuchungsergebnisse können auch im Kontext
institutionalisierter Programme auf Bundes-, Landesund Kommunalebene genutzt werden. Hier ist zum
Beispiel das etablierte Programmangebot der „Sozialen
Stadt“ zu nennen.
Der vhw wird die Befunde in unterschiedlichen Formaten öffentlich machen und im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden, Sozialträgern und anderen Institutionen
anwendungsorientiert einbringen. Dazu dient nicht
zuletzt auch die abschließende Phase des Projekts, die
mikro-geographische Übertragung der Milieus, die der
vhw exklusiv in die genannten Kooperationsformen einbringen wird.

3

Gesellschaftlicher Wandel durch
Digitalisierung

R

evolution doesn’t happen when a society adopts
new technologies – it happens when a society
adopts new behaviors (Clay Shirky 2008).
Das Internet, so wie wir es heute kennen, besteht seit
annähernd 25 Jahren. Und ohne Übertreibung lässt sich
feststellen, dass die Digitalisierung mittlerweile nahezu
alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringt:
Sie verändert wie wir arbeiten und wirtschaften (new
work, sharing economy, Industrie 4.0), wie wir uns fortbewegen (smart mobility, shared mobility) und wohnen
(shared homes, smart homes), wie wir Behördengänge
erledigen (Open- & E-Government), wie wir kommunizieren, uns Meinungen bilden und darüber austauschen
(Social Media). Damit wirkt sich die Technologisierung
ebenfalls auf fast alle Forschungsbereiche des vhw aus.
Aufgrund der hohen Interdependenzen und konstanten
Entwicklungsdynamiken ist allerdings in weiten Teilen
offen, auf welche Weise die Digitalisierung das urbane
Zusammenleben und die sozialräumliche Organisation
städtischer Gesellschaften insgesamt beeinflusst.
Denn mit dem Smartphone und dem mobilen Internet
sind nicht nur Informationen ubiquitär verfügbar und
Vernetzung, Kommunikation und Kollaboration jederzeit möglich, auch die Nutzungsoptionen raumbezogener Daten liegen ständig in der Hand. Durch Ortungsdienste und Lokalisierungsfunktionen können auf lokale
Dienstleistungen zugriffen und ortsbezogene Informationen abgerufen sowie individuell ergänzt werden.
Damit legt sich eine wachsende, dezentrale Schicht aus
Informationen über die Stadt, welche die Möglichkeiten
der Raumnutzung, -aneignung und -gestaltung durch
zivilgesellschaftliche ebenso wie für öffentliche und private Akteure konstant erweitert.
Um die Funktionsweisen zeitgenössischer Stadtgesellschaften zu verstehen, muss die Untersuchungs- und

45

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Betrachtungsebene daher auf das Zusammenwirken
von sozialräumlichen Strukturen und digitalen Layern
gerichtet werden. Dieser Perspektive trägt der vhw mit
seiner Forschungsagenda Rechnung, indem die Technologisierung in die bestehenden Forschungsthemen
als Querschnittsthema integriert ist und der Digitalisierung – ihrer gesellschaftlichen Relevanz entsprechend
– zudem ein eigenes Forschungscluster gewidmet
wurde.

3.1

Digitalisierung des Städtischen:
Herausforderungen und
Handlungsfelder

U

m sich den gesellschaftlichen Herausforderungen
durch Digitalisierung anzunähern und einen Überblick über die daraus resultierenden Veränderungsdynamiken zu erhalten, wurde 2016 das Kolloquium „vhw
& friends“ ins Leben gerufen: Eine Veranstaltungsreihe
mit externen Referenten für die Mitarbeitenden der
Fortbildungs- und Forschungsabteilungen, die in den
folgenden Jahren sukzessive für externes Publikum
geöffnet wurde.
Unter dem Titel „Medien, Milieus, Netzwerke“ hatte
die Veranstaltungsreihe im ersten Jahr das Ziel, ein
möglichst breites Spektrum von Gesellschaftsbereichen
abzubilden, in denen neue soziokulturelle Praktiken
aus den Möglichkeiten des mobilen und kollaborativen Web 2.0 entstanden sind. Um vor allem die Perspektive der „Digital Natives“ als Vorreiter bzw. „early
adopter“ dieser Entwicklungen einzubeziehen, wurden
hauptsächlich Referierende unter 30 Jahren eingeladen.
Deutlich wurde hierbei, dass soziale Medien die alltägliche Lebensführung dieser jungen und modernen Milieus durchdringen und zu einer Veränderung von Vergemeinschaftungspraktiken, des Medienkonsums und
der politischen Meinungsbildung führen. Die Vorträge
legten zudem offen, dass es sich keinesfalls um eine
„desinteressierte, unpolitische Generation“ handelt,

46

sondern diese durch zeitgemäße Formate und unter
Verwendung ihrer Kommunikationskanäle für politische
und gesellschaftsrelevante Themen erreicht und mobilisiert werden kann. Auch wurden die Potenziale und
Chancen von digitalen Medien und Plattformen insgesamt deutlich, um Partizipation zu ermöglichen, Transparenz zu erhöhen und die Kommunikation zwischen
Staat und Bürgern zu vereinfachen.
Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz und
Aktualität der Bedeutung (neuer) Medien für politische Mobilisierung und Meinungsbildung wurde das
Kolloquium 2017 dem Thema „Medien. Macht. Politik
und Emotionen“ gewidmet. Hier wurden Fragen zur
demokratischen Funktion der klassischen und sozialen
Medien sowie zur Zukunft des gesellschaftlichen Diskurses erörtert. Dabei konnte bestätigt werden, dass
sozialen Medien eine emotionsverstärkende Wirkung
auf politische Diskussionen entfalten; die gezielte reale
sowie potenzielle Einflussnahme durch Algorithmen
und Bots konnte für den deutschen Kontext hingegen
relativiert werden. Kritisch zu bewerten sind allerdings
die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen und
das Fehlen gemeinschaftlicher Diskursräume durch
die Entstehung von Teilöffentlichkeiten. Zudem wurde
ein Mangel an empirischen Studien identifiziert, auf
deren Basis politische Entscheidungen getroffen und
Handlungsstrategien verabschiedet werden können.
Auch vor diesem Hintergrund setzt der vhw seine
Forschung gezielt mit dem Schwerpunkt auf Kommunikation, Medien und lokale Öffentlichkeit fort (vgl.
Kapitel 1.5).

Gesellschaftlicher Wandel durch Digitalisierung

Abb. 28/29: vhw-Kolloquium am 16. August 2017 mit dem Inputgeber Markus Reuter zum Thema „Fake News und Social Bots im Bundestagswahlkampf 2017“

vhw-Kolloquium 2018 | Digitaler Urbanismus
Stadtentwicklung in der vernetzte n Gesellschaft
20. März 2018 | 16:30 Uhr
Nina Scholz | Google
Urbanismus
29. Mai 2018 | 16:00 Uhr
Lorenz Matzat | Neue Modelle
des Lokaljournalismus‘
Adrian Roeske | Tinder die
Stadt
03. Juli 2018 | 16:30 Uhr
Karin Meyer & Jan Bunse |
Urbane Produktion
04. Sept. 2018 | 16:30 Uhr
Dr. Oliver Märker | Digitale
Koproduktion & Governance
Veranstaltungsort
vhw-Bundesgeschäftsstelle
Foyer im 4.OG
Fritschestr. 26/27
Ansprechpartnerin
Anna Becker
mail: abecker@vhw.de
fon: 030 390473-255

Digitalisierung durchdringt alle Bereiche
gesellschaftlichen Lebens. Dies zeigt
besonders in den Städten, die Orte
Experimentierfeld technischer Innovationen
sozialer Veränderungsprozesse sind.

des
sich
und
und

Mittlerweile ist das Urbane nicht mehr nur als
analoger Raum und soziales Konstrukt zu
begreifen, sondern die Konstitution von Stadt findet
in einem hybriden Raum aus sozialräumlichen
Strukturen und digitalen Layern statt. Sie bringen
neue Akteurskonstellationen, Machtgefüge und
Öffentlichkeiten hervor, die über Informations- und
Datenverfügbarkeit sowie Mobilisierungsmöglichkeiten und Kollaborationsoptionen städtische
Entwicklungen beeinflussen.
Daher ist notwendig
verhältnisse von Stadt
vernetzten Gesellschaft
neues Verständnis von
macht.

über die Produktionsin einer digitalen und
zu diskutieren, die ein
Governance erforderlich

Infos unter: https://www.vhw.de/termine/

Abb. 30: vhw-Kolloquium 2018 zum Thema „Digitaler Urbanismus“

Fotos: @ vhw e. V.

Im Jahr 2018 fokussierte das Kolloquium „Digitaler
Urbanismus“ schließlich auf neue Akteurskonstellationen, Machtgefüge und Öffentlichkeiten, die durch
die Mobilisierungs- und Kollaborationsmöglichkeiten
des social web sowie über Informationssammlung und
Datenverfügbarkeit die städtischen Entwicklungen
beeinflussen. Von Städten und Kommunen werden
vielerorts Smart City-Strategien mit globalen Technologieanbietern entwickelt, die auf eine nachhaltige energie- und ressourceneffiziente Stadtentwicklung sowie
internationale Wettbewerbsfähigkeit abzielen, den
Unternehmen aber zeitgleich Datenhoheit sowie Einfluss auf öffentliche Räume und Infrastrukturen geben.
Die Stadtbevölkerung hingegen nutzt die Möglichkeiten
der dezentralen und hyperlokalen Vernetzung sowie
frei zugänglicher Daten, um sich für gemeinschaftliche
Formen der Raumaneignung und eine kapitalismuskritische Stadtgestaltung einzusetzen. Aber auch von
öffentlicher Seite werden die Potenziale digitaler Tools
und Plattformen zunehmend erkannt und zusätzliche
Möglichkeiten der Information, Teilhabe und Koproduktion im Sinne einer partizipativen Stadtentwicklung
geschaffen.
Daraus wird deutlich, dass ein tieferes Verständnis für
die veränderten Produktionsverhältnisse von Stadt in

47

F or s c hun g u n d P o l i t i k

einer digitalen und vernetzten Gesellschaft notwendig
ist, die neue Formen von Governance hervorbringen
und erforderlich machen. Mit dem Forschungscluster
„Digitalisierung“ nimmt sich der vhw dieser Herausforderung an und untersucht die digitale Transformation
städtischer Gesellschaften sowie die Handlungsstrategien öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher
Akteure, um zur aktiven Gestaltung des digitalen Wandels beizutragen.

3.2

Vernetzte Nachbarn –
Soziale Medien als
Instrument postmoderner
Nachbarschaftsbildung

M

it der Explorationsstudie „Vernetzte Nachbarn“
hat der vhw die Wechselwirkungen von Nachbarschaften und Digitalisierung in den Blick genommen
und untersuchen lassen, wie sich soziale Medien und
Nachbarschaftsplattformen auf das lokale Zusammenleben und Engagement sowie politische Mobilisierung
vor Ort auswirken.

Abb. 31: Internetplattform www.vernetzte-nachbarn.de
Screenshot: Startseite „Vernetzte Nachbarn“ via Google

Das Projekt, welches von November 2016 bis April 2018
von den Büros adelphi und Zebralog in Kooperation mit
dem vhw-Forschungsbereich durchgeführt wurde, zielte
darauf, die Landschaft digitaler Plattformen mit Nachbarschaftsbezug in Deutschland zu erschließen und ein
Verständnis für die Wirkungen von digitalen Medien auf

48

das soziale Miteinander in Quartieren zu entwickeln. Im
Mittelpunkt der Untersuchung standen die Fragen, wer
digitale Angebote für die Nachbarschaft aus welcher
Motivation heraus nutzt, welches Bedürfnis an Nachbarschaftlichkeit dahintersteht und wie sich diese Praktiken auf die soziale Vernetzung, gemeinschaftliches
Engagement und (vor-)politische Aktivitäten auf lokaler
Ebene auswirken. Mithilfe einer Fülle von empirischen
Daten konnte auf diese Weise erstmalig ein umfassendes Bild von digitalen Medien mit nachbarschaftlichem
Bezug und ihren Implikationen gezeichnet werden. Es
wurde deutlich, dass sich digitale und analoge Interaktionsformen in Sozialräumen zusehends vermischen:
Online initiierte nachbarschaftliche Beziehungen benötigen analoge Begegnungen, um sich zu verstetigen,
während analoge lokale Gruppen zugleich für Kommunikations- und Organisationszwecke zunehmend auf
digitale Medien zurückgreifen.
Auch zeigte sich, dass die Landschaft an digitalen
Medien für nachbarschaftliche Vernetzung groß ist
und sich ständig wandelt. Die Angebote reichen von
ehrenamtlich geführten Stadtteilblogs über lokale Diskussionsgruppen in sozialen Medien bis hin zu professionellen Plattformen mit bundesweiter Reichweite. Um
der wahrgenommenen Anonymität in urbanen Räumen
entgegenzuwirken, werden digitale Plattformen primär
in Großstädten genutzt, aber auch in ländlich geprägten Regionen und Kleinstädten finden sie zunehmend
Verwendung. Darüber hinaus sind regionale Facebookgruppen – vom Dorf bis in die Großstadt – sehr geläufig.
Um die Wirkungsweisen von nachbarschaftsbezogenen
Plattformen in unterschiedlichen räumlichen, aber auch
„digitalen“ Kontexten zu verstehen, wurden vier kontrastierende Nachbarschaften als Fallstudien gewählt:
Berlin-Wedding und München-Neuperlach als großstädtische Quartiere sowie Paderborn-Elsen und Meißen als
Untersuchungsgebiete mit „kleinstädtischem“ Charakter. Die Untersuchung der vier Fallstudienstädte zeigte
zahlreiche Gemeinsamkeiten sowie kontextspezifische

Gesellschaftlicher Wandel durch Digitalisierung

•

Hohe Relevanz von Quartier und
Nachbarschaft bei zunehmender
Digitalisierung
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass viele Menschen – besonders in Großstädten – ihrer Nachbarschaft
keine hohe Bedeutung (mehr) beimessen, konnten im
Rahmen der Studie gegenteilige Tendenzen beobachtet werden: Der unmittelbare Sozialraum stellt für viele
einen wichtigen Bezugsrahmen für soziale Vernetzung,
Mitgestaltung und Aktivitäten vor Ort dar. Die Bedeutung und das Verständnis von Nachbarschaft kann sich
jedoch durch soziale Medien und in Abhängigkeit des
jeweiligen Kontexts verändern: In den großstädtischen
Quartieren ließ sich ein Bedeutungsgewinn der unmittelbaren Nachbarschaft für das Sozialleben und Freizeitaktivitäten beobachten. In den kleinstädtischen Quartieren stand wiederum weniger die räumliche Nähe,
sondern die Gemeinschaft Gleichgesinnter im Vordergrund. Hier erweitert sich das Verständnis von Nachbarschaft auf eine noch erreichbare „local area“ (Wellman
1979: S.1225).

Unterschiede der Nutzung und Wirkung von digitalen Plattformen auf Nachbarschaften, wie nachfolgend beschrieben:

•

Abb. 32: Die Karte zeigt die räumliche Verteilung der erfassten Nachbarschaftsplattformen.
Quelle: vhw e. V.

Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls und
lokaler Identität
Digitale Plattformen werden zwar primär für den Austausch über das Leben vor Ort, lokale Angebote und
für Veranstaltungshinweise genutzt. Ebenfalls ist der
digitale Marktplatz, der Raum für Verkaufs- und Tauschgeschäfte sowie gegenseitige Hilfsleistungen bietet,
sehr beliebt. Das „Crowdsourcing von Wissen“ macht
aber nicht nur ortsbezogene Informationen sichtbar und
ermöglicht den Transfer von lokalspezifischen Ressourcen. Diese Form der Kommunikation und Interaktionen
befördert zudem die „public familiarity“ (Blokland und
Nast 2014) und damit die Identifikation mit der Nachbarschaft, selbst wenn an dieser nicht aktiv teilgenommen,
sondern diese nur „mitgelesen“ wird. Darüber hinaus
vermitteln bereits kurze Begegnungen für zweckmäßige
Tausch- oder Unterstützungsleistungen ein Gefühl von
gegenseitiger Hilfsbereitschaft und lokalem Zusammenhalt. Damit reduzieren lokalspezifische, digitale Medien
49

F or s c hun g u n d P o l i t i k

das Gefühl von Anonymität und befördern die Verbundenheit mit der Nachbarschaft.
•

Ausweitung sozialer Netzwerke –
brückenbauend und exkludierend
Nachbarschaftsplattformen und digitale Medien senken
die Hemmschwelle und schaffen Anlässe, um mit Nachbarn in Kontakt zu kommen. Über kurze, zweckgebundene Begegnungen werden milieuübergreifende
Beziehungen und brückenbildendes Sozialkapital
(„bridging social capital“, Putnam 2000) aufgebaut.
Trotzdem überwiegt die Tendenz zur Homophilie: Soziale Netzwerke entstehen vor allem zwischen Personen
mit ähnlichen Einstellungen und sozialem Hintergrund
sowie nach Interessen (z. B. Katzenstammtische, Lauftreffs). Auf diese Weise können lokale digitale Medien
auch Exklusionsmechanismen hervorbringen, indem sie
die Bindungen und das Vertrauen zwischen Personen
mit ähnlichen sozialen Merkmalen („bonding social
capital“, Putnam 2000) intensivieren und als „anders“
Wahrgenommene ausschließen.
Potenziale für lokales Engagement – vorhan‑
den, aber ausbaufähig
Über digitale Medien werden existierende Engagementmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung
stärker sichtbar und damit leichter zugänglich. Besonders anlassbezogene oder lockere Unterstützungsstrukturen werden genutzt, aber auch klassische Vereine
können sich durch die Nutzung digitaler Medien verjüngen. Soziale Medien werden aber hauptsächlich von
bereits engagierten Personen verwendet, die Mitstreiter suchen. Personen ohne grundsätzliches Interesse an
bürgerschaftlichem Engagement werden auch digital
nicht aktiviert.

flussen, ob und wie politische Debatten geführt werden.
Auf Nachbarschaftsplattformen wie „nebenan.de“ werden
(kommunal-)politische Themen kaum bzw. gar nicht
verhandelt, während in den lokalen Facebookgruppen
ein aufgeladener Ton herrscht und gerade rechte Positionen häufig unwidersprochen vertreten werden. Konträre politische Einstellungen werden somit im digitalen
Raum transparenter und können vor allem im kleinstädtischen Kontext die politische und soziale Spaltung verstärken. Digitale Plattformen können aber auch Raum
für konstruktiven Austausch bieten, vor allem, wenn sie
angeleitet und moderiert werden.

•

•

Politische Debattenkultur – das digitale
Medium ist (mit-)entscheidend
Hinsichtlich der behandelten Themen, Aktivitäten und
Umgangsformen weisen digitale Plattformen spezifische
Eigenlogiken auf. Es zeigte sich, dass sowohl das jeweilige Medium als auch der sozialräumliche Kontext beein-

50

Abb. 33: Der Endbericht zur Studie kann abgerufen werden auf:
www.vernetzte-nachbarn.de

Mit der Studie konnte somit erstmals ein Verständnis für
die Landschaft digitaler Medien mit nachbarschaftlichem
Bezug in Deutschland sowie ihre Wirkungen auf das soziale Miteinander in Quartieren entwickelt werden. Die
Untersuchungsergebnisse unterstreichen, dass der Sozialraum für viele Menschen in Groß- wie in Kleinstädten
einen wichtigen Bezugsrahmen darstellt. Vorstellungen
von und Erwartungen an Nachbarschaft reichen dabei
von einem Verständnis als pragmatische Alltagshilfe über
den Wunsch nach sozialer Vernetzung und Zugehörigkeit, bis hin zum Bedürfnis, das eigene Umfeld mitzuge-

Gesellschaftlicher Wandel durch Digitalisierung

stalten. Digitale Medien stellen ein wichtiges Werkzeug
dar, um individuelle Erwartungen an Nachbarschaftlichkeit zwischen Anonymität und lokaler Vergemeinschaftung zu realisieren. Das bedeutet, dass nachbarschaftliche soziale Netzwerke heute nicht mehr entweder digital
oder analog verortet sind, sondern in „hybriden Räumen“
stattfinden, die bei zukünftigen Forschungsvorhaben,
aber auch bei Handlungsstrategien öffentlicher Akteure
zu berücksichtigen sind.
Link zur Studie: https://www.vhw.de/fileadmin/
user_upload/08_publikationen/vhw-schriftenreihetagungsband/PDFs/vhw_Schriftenreihe_9__Wandel_
der_Nachbarschaft.pdf

3.3

Der digitale Wandel droht somit soziale Ungleichheit
zu reproduzieren und die digitale Spaltung zu fördern.
Umso wichtiger dürfte daher die Forderung der Charta
auf bürgerschaftliche Mitwirkung sein. Auch die aktuellen Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung
bestätigen dies: Auf die Frage, wer bei lokalen Digitalisierungsvorhaben zu beteiligen sei, antworteten 62
Prozent, digitale Technologien sollten nur nach aktiver
Bürgerbeteiligung eingeführt werden (vhw, sinus 2018).
Trotz der Bestrebungen vieler Städte, den digitalen
Wandel voranzubringen, ist jedoch von Beteiligungsprozessen dort bislang nicht viel zu hören.

Smart Cities: Bürgerbeteiligung
am Beispiel des Prozesses
„Digitale Agenda“ der Stadt
Ludwigsburg

D

ie Smart City Charta der Bundesregierung zur digitalen Transformation der Kommunen (2017) stellt
in den Leitlinien das dringende Erfordernis auf, im Zuge
dieser Entwicklung ein hohes Maß an Transparenz und
Teilhabe der Bürger zu gewährleisten. Zudem wird
dem politischen Willen Ausdruck verliehen, dass eine
aktive und inklusive Einbeziehung der Bürger in die
Gestaltungsprozesse für die gesellschaftliche Kohäsion
unverzichtbar sei. Es gelte, die für machbar erachteten,
demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten qualitativ
hochwertig zu realisieren und zu gewährleisten (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung 2017).
Während aber die Digitalisierungsprozesse in großem
Tempo und gesellschaftlicher Breite voranschreiten,
in Fülle neue Produkte und Errungenschaften hervorbringen und so einen tiefgreifenden gesellschaftlichen
Wandel einleiten, zeigt sich immer deutlicher, dass Teile
der Älteren und sozial Schwächeren nur wenig davon
wissen, nur bedingt daran teilhaben und immer mehr
den Anschluss verlieren (vhw werkSTADT Nr. 17: S. 21).

Abb. 34: Bürger für Smart City sensibilisieren

Foto: @zapp2photo.fotolia

Daher haben der vhw, die Agentur für Forschung Q| und
die Stadt Ludwigsburg in Kooperation mit der Fraunhofer
Gesellschaft IAO im Rahmen des BMBF Projekts Zukunftsstadt einen mehrstufigen Mitwirkungsprozess realisiert.
Dazu wurden 20 zufällig ausgewählte Bürger ohne
Fachkenntnisse für die Gesprächsrunden rekrutiert und
in Befürworter, Interessierte und Skeptiker der Digitalisierung unterteilt. Mit jeder Gruppe wurden im Abstand
von vier Wochen zwei ausführliche Gespräche geführt.
Im ersten Gespräch wurden die Teilnehmer für die
Begriffe und Inhalte von Smart City und Digitalisierung
sensibilisiert und Fragen der Verantwortlichkeit, Bürger-

51

F or s c hun g u n d P o l i t i k

beteiligung und der persönlichen Bereitschaft zum Engagement diskutiert. In der zweiten Runde berichteten die
Teilnehmenden über ihre zwischenzeitlichen Begegnungen mit dem Thema. Im Anschluss wurden von einem
städtischen Mitarbeiter zwei Projekte zur Digitalisierung
vorgestellt, das „Bürgerkonto“, ein Online-Konto für
alle Bürger und alle administrativen Belange, sowie die
„Smart City Cloud“, die durch Verknüpfung von Nutzerdaten des Verkehrs eine nachhaltige Mobilitätssteuerung erzielen soll. Dazu wurden in Folge der Nutzen, die
Vor- und Nachteile, resultierende Herausforderungen
sowie Fragen der Verantwortlichkeit und der Rolle der
Bürgerbeteiligung erörtert.
Erfreulich war das Ergebnis: es gab unter den Teilnehmenden keine ideologischen Verfestigungen. Trotz
unterschiedlicher Einstellungen war durchweg die
Offenheit da, sich mit dem digitalen Wandel auseinanderzusetzen. Einig waren sich alle darin, dass Chancen
und Risiken damit einhergingen, die ihr Leben stark
beeinflussen würden. Die digital affinen Bürger sahen
eher die Vorteile, wie individuelle Flexibilität, räumliche
Entgrenzung und Verbesserungen des Lebens, ohne den
Heilsversprechen folgen oder die Sorgen ausblenden zu
wollen. Die Skeptiker stellten dagegen die Befürchtungen in den Vordergrund, und vor allem die Älteren zeigten nur wenig Bereitschaft, sich mit digitalen Geräten
vertraut zu machen. Ihr vordringliches Anliegen galt
dem Erhalt nicht-digitaler Möglichkeiten der Information und Erledigung von Amtsgeschäften. Jedoch waren
auch die Skeptiker bereit, die Vorteile der Digitalisierung
anzuerkennen.
Bei den Sorgen standen die Ängste vor eigenen Unzulänglichkeiten, dem Scheitern gegenüber den Anforderungen und Beschleunigungen sowie Kontrollverluste,
die Unbeherrschbarkeit der Technik, Datenmissbrauch
und Manipulation im Vordergrund. Gleichwohl kamen
alle Gruppen zu dem Ergebnis, die Digitalisierung würde
sowieso weitergehen und sei aktiv zu gestalten. Dazu
möge der Bund verbindliche Richtlinien schaffen, die
von den Städten umgesetzt werden könnten. Einig war
52

Abb. 35/36: Zukunftskonferenz der Stadt Ludwigsburg am 22./23. Juni 2018
Fotos: @ vhw e. V.

man sich zudem, dass die Digitalisierung nur mit Beteiligung der Bürger realisiert werden sollte. Dabei sollten
die Bürger laufend, vollständig, verständlich und ausgewogen informiert sowie kontinuierlich und kommunikativ vielseitig begleitet werden.
Unterschiedliche Auffassungen zeigten sich in Fragen
der Gestaltung und Entscheidung: die Interessierten
wollten regelmäßig mitarbeiten und mitentscheiden,
auch wenn sie als Laien Unterstützung von neutralen Experten bräuchten. Über die Akzeptanz und die
Umsetzung städtischer Projekte wollten die Bürger in
kommunalen Abstimmungen mitbestimmen. Die Skeptiker wollten zwar auch regelmäßig informiert werden,
aber nur bei besonderen Anlässen selbst mitarbeiten.
Sie befürchteten, es fehle ihnen an Expertise. Die Stadt
solle vielmehr unabhängige Experten einbinden, die ihr
Wissen transparent machten und auf die Belange des
Allgemeinwohls achteten. Über die Projekte selbst sollten jedoch die Stadträte entscheiden.
Die Ergebnisse aus den sechs Gruppengesprächen
wurden auf der Zukunftskonferenz der Stadt Ludwigs-

Wohnungs - und bodenpolitischer Diskurs

burg im Juni 2018 in einer offenen Runde mit interessierten Bürgern zur Diskussion gestellt. Wichtig erschien
den Diskutanten insbesondere der iterative Entwicklungsprozess digitaler Produkte, das gleichberechtigte
„Hin- und Her“ von Zwischenständen über analoge und
digitale Medien zwischen Bürgern, Politik und Stadtverwaltung. Beteiligt werden sollten auch zivilgesellschaftliche Einrichtungen, Vereine und Initiativen sowie
„Beauftragte“ für schwer erreichbare Gruppen, wie
Organisationen von und für Migranten. Bei den Beteiligungsformen bestand keine einheitliche Auffassung in
der vom vhw moderierten Diskussion. Die Vorschläge
reichten von Infoveranstaltungen über Volksbegehren
bis zu co-kreativen Gestaltungsworkshops, wobei die
Tragweite das Format bestimmen solle. Wichtig seien
vor allem Transparenz und Rechenschaftslegung im
Informations- und Entscheidungsprozess.

schen Groß- und Universitätsstädten gesetzt. In einer
Zwischenbilanz (Aring/Hallenberg/Rohland 2017) über
die wohnungspolitischen Aktivitäten des vhw der Jahre
2016/2017 wurden noch einmal die zentralen Diskursstränge resümiert, die sich im Laufe des wohnungspolitischen Diskurses herausgebildet hatten. Die in diesem
Papier zusammengetragenen Erkenntnisse und Ergebnisse waren richtungsweisend für die Akzentsetzung in
der Forschungstätigkeit des vhw im Zeitraum Sommer
2017 bis Sommer 2018.
Die zentrale Feststellung lautete: „Wohnen“ ist wieder
als Handlungsfeld auf die Agenda politischer und gesellschaftlicher Debatten gerückt. Dies bestätigte sich auch
im Berichtszeitraum. Preis- und Mietdynamiken setzten sich größtenteils fort, die Wohnkosten sind weiter
gestiegen, die negativen Folgen steigender Wohnkosten haben sich verschärft. Wohnen wird heute auf politischer Ebene als die soziale Frage zu Beginn des 21.
Jahrhunderts tituliert (vgl. SPD 2018, S. 1). Darüber
hinaus wurde in der Zwischenbilanz festgehalten, dass
die Baulandfrage und die gemeinwohlorientierte Bodennutzung als zentrale Elemente zur Lösung der aktuellen Versorgungsengpässe im preisgünstigen Segment
angesehen werden. Auch diese Feststellung bestätigte
sich mit Blick auf die zurückliegenden wohnungs- und
bodenpolitischen Debatten. So prägten die Diskussionen über einen gemeinwohlorientierten Umgang mit
Grund und Boden den weiteren wohnungspolitischen
Diskurs. Der vhw hat hieraus Impulse aufgegriffen und
wie bereits im vergangenen Tätigkeitsbericht 2016/2017
angekündigt, einen Arbeitsschwerpunkt auf das Thema
Bodenpolitik gelegt.

Aufgrund des allseits positiven Feedbacks zu diesem
innovativen Mitwirkungs- und Beteiligungsprozess im
Rahmen der Zukunftskonferenz 2018 in Ludwigsburg
soll in den kommenden Monaten in gleicher Konstellation ein Folgeprojekt entwickelt und realisiert werden.
Dabei sollen die mit den Bürgern erarbeiteten Vorschläge zu gemeinsamen iterativen Erarbeitungs- und
Mitwirkungsprozessen anhand eines konkreten Vorhabens der Stadt zur digitalen Transformation exemplarisch umgesetzt werden.

4

Wohnungs- und
bodenpolitischer Diskurs

M

it der Veröffentlichung des Plädoyers für eine soziale und resiliente Wohnungspolitik (Aring et al.
2016) und in deren Folge mit Fachvorträgen sowie externen und internen Veranstaltungen hat der vhw zunächst
im Zeitraum 2016/2017 wichtige Impulse im derzeitigen
wohnungspolitischen Diskurs über die Sicherung und
Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in den deut-

4.1

Grund und Boden als
Schlüsselthema
Wer den aktuellen wohnungspolitischen Diskurs verfolgt, dem wird kaum entgehen, dass dem gemeinwohlorientierten Umgang mit dem knappen und nicht
vermehrbaren Gut „Boden“ eine Schlüsselrolle bei
53

F or s c hun g u n d P o l i t i k

der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in den
angespannten Wohnungsmärkten zufällt. Denn viele
Experten sind sich einig: Fehlende Grundstücke, hohe
Bodenpreise und die Spekulation mit Bauland sind die
größten Hürden für allgemein bezahlbare neue Wohnungen in Deutschlands Großstädten. Exemplarisch für
diesen Befund steht eine Studie des Bundesinstituts für
Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), wonach die
mangelnde Verfügbarkeit von geeignetem und nicht
(knappheitsbedingt) überteuertem Bauland und fehlendes Baurecht für vorhandene Grundstücke die zentralen
Engpassfaktoren für mehr bezahlbaren Wohnungsbau
darstellen (vgl. Waltersbacher 2017, S. 2). Weniger das
Gebäude als vielmehr der Boden ist damit ausschlaggebend für den rasanten Preisanstieg von Immobilien in
den Ballungsräumen. Dabei beruhen Wert- und Preissteigerungen von Grundstücken, wie zunehmend angeprangert wird, in der Regel nicht auf Leistungen der
Eigentümer, sondern sind das Ergebnis von Planungen
und Investitionen der öffentlichen Hand und damit der
Allgemeinheit. Grund und Boden sind unvermehrbar
und unverzichtbar. Vor allem in den Großstadtregionen
wird Bauland daher zu einer attraktiven Anlagealternative, was die knappheitsbedingten Preissteigerungen
weiter befördert. Zudem ist überwiegend eine generell
fehlende Akzeptanz für Neubau und (bauliche) Veränderungen im Wohnumfeld auszumachen, sodass eine
effiziente Nutzung von innerstädtischen Flächenpotenzialen weiter erschwert wird.
Vor dem Hintergrund des hohen Handlungsbedarfs auf
den Wohnungs- und Bodenmärkten scheint sich derzeit
auf bundespolitischer Ebene ein Zeitfenster für notwendige bodenpolitische und bodenrechtliche Reformen zu
öffnen. So sendet die neue Bundesregierung Signale,
dass sie die Probleme auf den Wohnungs- und Bodenmärkten erkannt hat und in dieser Legislaturperiode
angehen möchte. Deutlich wird dies u. a. in der Gründung eines eigenständigen Bauausschusses im Bundestag und der Ankündigung, eine Expertenkommission
zur „Bauland-Mobilisierung“ einzuberufen. Ein weiterer
54

weitreichender Impuls für notwendige bodenpolitische
Neuerungen geht vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10. April 2018 aus, in dem die jetzige Einheitsbewertung bei der Grundsteuer für verfassungswidrig erklärt wurde (Bundesverfassungsgericht 2018).
Mit der Fristsetzung für eine Neuregelung bis zum 31.
Dezember 2019 und einer entsprechenden Umsetzung
(bis spätestens 31.12.2024) hat das Bundesverfassungsgericht den Druck auf den Gesetzgeber jetzt erheblich
erhöht.
Hohe Preisdynamiken und Engpässe auf den Bodenmärkten haben in der jüngeren Vergangenheit zudem
dazu geführt, dass sich viele Initiativen gegründet
haben, zumeist mit dem Ziel, Substanz für die öffentlichen und fachlichen Diskussionen im vorpolitischen
Raum zu erzeugen. Zu den Initiativen und Verbänden,
die sich für eine gemeinwohlorientierte Neuausrichtung
der Bodenpolitik einsetzen, zählen neben dem vhw und
dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) (vgl. vhw/
Difu 2017) u. a. der Münchner Aufruf für eine andere
Bodenpolitik (vgl. Münchner Aufruf 2017), der Deutsche Städtetag (vgl. Deutscher Städtetag 2017) sowie
die Initiative Schwerter Erklärung: Eigentum verpflichtet – mehr Boden für das Gemeinwohl (vgl. Schwerter
Erklärung 2017). Auch der bundesweite Aufruf „Grundsteuer: Zeitgemäß!“ und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung sprechen sich für eine neue Bodenpolitik aus (Horn
et al. 2017, S. 10 f.), indem sie für eine reine Bodenwertsteuer plädieren.
Der bodenpolitische Diskurs ist merklich in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen und damit in der
Mitte der Gesellschaft. Hierbei spiegelt sich seine wachsende Bedeutung nicht nur in den themennahen Fachmedien wider, sondern auch in den großen deutschen
(Tages-)Zeitungen (vgl. u. a. Maak 2018, Rauterberg
2018, Weißmüller 2017). Wie auch seitens der Initiativen und Verbände wird dabei vehement ein veränderter
Umgang mit dem knappen Gut Fläche gefordert.

Wohnungs - und bodenpolitischer Diskurs

vhw und Difu initiieren Expertenkreis
„Bodenpolitik“
Um den bodenpolitischen Diskurs voranzutreiben und
fachlich auf ein solides Fundament zu stellen, hat der
vhw gemeinsam mit dem Difu einen Arbeitskreis von
unabhängigen Experten initiiert, der im Herbst 2017 die
Bodenpolitische Agenda 2020–2030 veröffentlicht hat
(vgl. vhw/Difu 2017).

Abb. 37: Sitzung des Expertenkreises zu den „Zukunftsfragen der Bodenpolitik“
am 30. Juni 2017
Foto: © vhw e. V.

Die Idee, einen Expertenkreis zu den Themen Bodenpolitik und Bodenrecht zu berufen, war bereits aus dem
Plädoyer für eine soziale und resiliente Wohnungspolitik
(vgl. Aring et al. 2016), das von vhw und Difu im Herbst
2016 veröffentlicht wurde, hervorgegangen. Schon in
diesem Positionspapier wurden auf erforderliche bodenpolitische Maßnahmen hingewiesen und die wesentlichen Leitplanken für eine bodenpolitische Agenda
vorgezeichnet. Hierzu zählten z. B. die Stärkung der
kommunalen Handlungsfähigkeit oder bodenpolitische
Instrumente zur Mobilisierung und Aktivierung von Bauland. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Bodenpolitik und Bodenrecht geschah jedoch zunächst kursorisch, sodass eine weitere Konkretisierung und eine
tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema
nötig waren.
Der im Frühjahr 2017 ins Leben gerufene Expertenkreis
bestand schließlich aus 19 Personen mit wissenschaftlichem, kommunalem, beratendem oder juristischem
Hintergrund, die in einem viermonatigen Arbeitsprozess
die „Bodenpolitische Agenda 2020 – 2030“ auf den

Weg brachten. Nicht das Verfolgen von Partikularinteressen, „sondern das Zusammenführen von Wissen war
charakteristisch für den Arbeitsprozess. Dazu gehörte
auch das Prinzip, dass nicht jeder Gedanke der Roadmap von allen Mitgliedern des Expertenkreises mit gleicher Intensität gestützt und getragen werden musste.
So ist ein gemeinsames Papier entstanden, das nicht
auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern auf
ein breit angelegtes Handlungspaket zielt.“ (vhw/Difu
2017: S. 6)
Ziel und wesentliche Grundlinie der Arbeit des Expertenkreises war es, einen Beitrag zu einer vertiefenden
Fachdiskussion und Anstöße für die Politik auf allen
staatlichen Ebenen zu leisten, um die verloren gegangene Steuerungskraft der Städte im Umgang mit öffentlichem Boden zurückzugewinnen (ebd.: S. 4.). Zum
einen fordern die Experten Rückbesinnung darauf, dass
der Boden ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsgrundvorsorge bildet. Zum anderen sehen sie die Aufgabe, die kommunale Handlungsfähigkeit dadurch zu
stärken, dass planungsrechtliche Instrumente geschärft
und die für ihre Anwendung notwendigen finanziellen
Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bodenpolitische Reformen werden bereits seit Jahrzehnten intensiv diskutiert. Daher war ein wichtiges Anliegen des
Arbeitskreises, mehrheitsfähige Ansätze zu erarbeiten,
die nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs bestehen,
sondern auch in der Anwendungspraxis umgesetzt
werden können.
Kernforderungen der „Bodenpolitischen Agenda
2020 – 2030“
In der vom Expertenkreis erarbeiteten „Bodenpolitische Agenda 2020 – 2030“ werden im Hinblick auf
eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung sowohl
bodenpolitische und bodenrechtliche Handlungsbedarfe
diskutiert als auch entsprechende Lösungsoptionen aufgezeigt. Ein wesentliches Kernstück dieser Agenda ist
die Roadmap Bodenpolitik, in der neun Kernforderun-

55

F or s c hun g u n d P o l i t i k

Verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichem
Boden – aktive Liegenschaftspolitik ermöglichen
(1) Gemeinwohlorientierte Vergabe von Grund­
stücken der öffentlichen Hand
(2) Einrichtung von Boden- und Infrastrukturfonds
(3) Vorfahrt für gezielte Bodenbevorratung und
Zwischenerwerb: Kommunales Bodeneigentum als
Schlüssel für eine gezielte Steuerung der Bodennutzung
Handlungsfähigkeit der Kommunen stärken –
planungsrechtliche Instrumente schärfen
(4) Weiterentwicklung des kommunalen Vorkaufsrechts
(5) Stärkung der Gemeinwohlziele bei der Wohnungsbautätigkeit im Innenbereich auf der Grundlage von § 34 BauGB

Oktober 2017

Bodenpolitische Agenda 2020-2030
Warum wir für eine nachhaltige und sozial gerechte Stadtentwicklungsund Wohnungspolitik eine andere Bodenpolitik brauchen

www.difu.de

www.vhw.de

(6) Zeitnahe Einführung der Innenentwicklungsmaßnahme

„Bodenpolitische Agenda 2020 – 2013“, Link: https://www.vhw.
de/fileadmin/user_upload/06_forschung/Wohnungspolitik_und_
Wohnungsmarkt/PDF/Roadmap_Bodenpolitik_10_2017.pdf

Steuerung der Bodenentwicklung zurückgewin‑
nen – Bodenentwicklung besser (be)steuern

Die Forderungen zeigen den Weg für einen sozial verantwortungsvollen Umgang mit Grund und Boden im
Kontext einer nachhaltigen und wirksamen Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik. Dabei benennen sie
überwiegend neue Instrumente und weisen auf notwendige Gesetzesänderungen hin. Mindestens ebenso
große Bedeutung hat jedoch auch eine konsequente
und zielorientierte Anwendung von zum Teil schon
lange zur Verfügung stehenden Instrumenten und eine
stärkere Gewichtung der Baulandmobilisierung bei Zielkonflikten mit anderen Politikfeldern (ebd.: S. 4). In der
Bodenpolitischen Agenda wird hierbei deutlich, dass
eine funktionale, an den Wirkungen auf die Stadtplanung oder den Wohnungsmarkt orientierte „technische“ Debatte dem Gegenstand nicht gerecht wird. Zu
führen ist auch eine Werte-Debatte! Denn es geht um
Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinwohl und Nachhaltig-

(7) Einführung einer Bodenwertsteuer
(8) Bundesweite Absenkung des Grunderwerbsteuersatzes auf 3,5 %
(9) Stärkung interkommunaler Zusammenarbeit
durch Schärfung der Instrumente der Landes- und
Regionalplanung
Tabelle: Die zentralen neuen Forderungen

Die neun Forderungen lassen sich in drei Grundausrichtungen kategorisieren. Die erste Grundausrichtung
zielt auf einen „verantwortungsvollen Umgang mit
öffentlichem Boden“ und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine „aktive Liegenschaftspolitik
ermöglichen“ (Forderungen 1 bis 3). Hierbei wird das
öffentliche Eigentum an Grund und Boden als großer
56

Schatz bezeichnet, der ein entscheidender Schlüssel für
eine das Gemeinwohl sichernde Zukunftsgestaltung sei
(vhw/Difu 2017: S. 1). Die zweite Grundausrichtung
setzt an einer „Stärkung der Handlungsfähigkeit der
Kommunen“ an, die mit einer ‚Schärfung der planungsrechtlichen Instrumente‘ einhergeht (Forderungen 4 bis
6). Schließlich wurden drei Forderungen formuliert, um
die „Steuerung der Bodenentwicklung zurückzugewinnen und eine Bodenentwicklung besser (be)steuern“ zu
können (Forderungen 7 bis 9).

Roadmap Bodenpolitik

gen des Expertenkreises zusammengefasst werden (vgl.
Tabelle).

Wohnungs - und bodenpolitischer Diskurs

keit – Werte, die das Fundament einer demokratischen,
offenen und zum rationalen Interessenausgleich fähigen Gesellschaft bilden. (Ebd.: S. 33)

•

„Grundsteuerreform: sozial und zeitgemäß?“
von Prof. Dr. Dirk Löhr, Umwelt-Campus Birkenfeld

•

„Baulandmodelle nach dem Vorbild der Münchener
SoBoN – Beurteilung der Angemessenheit unter
veränderten Rahmenbedingungen“
von Bernhard Faller und Colin Beyer, Bonn

•

„Ein Bodenfonds muss her! Stetiger Anstieg oder
Volatilität bei deutschen Bodenpreisen?“
von Prof. Dr. Guido Spars, Wuppertal

•

„Kommunale Boden- und Liegenschaftspolitik –
Wohnbaulandstrategien und Baulandbeschlüsse
auf dem Prüfstand“
von Dr. Egbert Dransfeld, Dortmund

•

„Das Erbbaurecht als Instrument von Bodenpolitik
und Stadtentwicklung“
von Rolf Novy-Huy, Hattingen (Ruhr)

•

Heute, morgen, übermorgen – Boden- und Wohnungspolitik im Aufbruch!? von Prof. Dr. Jürgen
Aring, Dr. Diana Coulmas und Fabian Rohland

Bodenpolitischer Folgediskurs
Die Veröffentlichung der „Bodenpolitischen Agenda“
im Herbst 2017 bildete den Auftakt für eine Reihe weiterer Impulse im derzeitigen bodenpolitischen Diskurs
durch den vhw. So schließt die Roadmap Bodenpolitik
mit dem Ausblick, die Forderungen in den Diskursen
sowohl im vorpolitischen Raum als auch auf politischer
Ebene weiter einbringen zu wollen. Entsprechend hat
sich der vhw mit der Teilnahme und Mitwirkung an Veranstaltung, mit Vorträgen und einer bodenpolitischen
Schwerpunktsetzung einer Ausgabe der Verbandszeitschrift Forum Wohnen und Stadtentwicklung Nr.
3/2018 weiter an der bodenpolitischen Debatte beteiligt. Wichtige Beiträge in diesem Heft waren:
•

„Wachsende Stadt, entfesselter Bodenmarkt – wo
bleibt der soziale Frieden? Münchner Initiative zu
einer gemeinwohlorientierten Bodenpolitik“
von Stephan Reiß-Schmidt, München

Forum Wohnen und Stadtentwicklung

3/2018

Heft 3 Mai – Juni 2018

Link zum Beitrag: https://www.vhw.de/fileadmin/
user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/
G 3937 D

Schwerpunkt
Gemeinwohlorientierung in der Bodenpolitik

Immobilienwirtschaft
Boden- und Wohnungspolitik im Aufbruch? • Wo bleibt der soziale Frieden? • Grundsteuerreform:
sozial und zeitgemäß? • Baulandmodelle unter veränderten Rahmenbedingungen • Ein Bodenfonds muss her! • Kommunale Boden- und Liegenschaftspolitik • Das Erbbaurecht als Instrument
der Bodenpolitik • Bauland-Offensive Hessen • Was leisten kommunale Baulandmodelle? •
Von der horizontalen zur vertikalen Mischung • Kostengünstiger Wohnraum durch Baugemeinschaften • Die Wiederkehr kommunaler Wohnungspolitik

Nachrichten
Fachliteratur

Verbandsorgan des vhw

Abb. 38/39/40: „Bodenpolitische Agenda 2020 – 2030“ – Zur Diskussion gestellt am 13. Juni 2018 in Berlin. Die Verbandszeitschrift FWS Nr. 3/2018 erschien zum Schwerpunktthema Gemeinwohlorientierung in der Bodenpolitik.
Fotos: @ vhw e. V.

57

F or s c hun g u n d P o l i t i k

und damit Interventionsmöglichkeiten auf die lokalen Wohnungsmärkte aus der Hand gegeben. Zum
anderen verfügen viele Kommunen nicht über die
finanziellen und personellen Ressourcen, eine aktive
Liegenschaftspolitik zu betreiben. Vor allem im
Zusammenhang mit der Frage: „Wem gehört die
Stadt?“ und der Tatsache, dass stadtentwicklungspolitische Ziele zunehmend auf der Verfügbarkeit
von kommunalen Liegenschaften beruhen rückt der
bodenpolitische und bodenrechtliche Erneuerungsbedarf in den Mittelpunkt politischen Handelns.

FWS/2018/3_2018/FWS_Nr._3_2018_-_Aring__
Coulmas__Rohland__Heute__morgen__uebermorgen_-_Boden-_und_Wohnungspolitik_im_Aufbruch__.pdf
Als weitere Maßnahme mit Öffentlichkeitswirksamkeit
organisierte der vhw eine öffentliche Veranstaltung
im Juni 2018, auf der die Bodenpolitische Agenda zur
Diskussion gestellt wurde. Rund 180 Expertinnen und
Experten sowie bodenpolitische Interessierte nahmen an
der Diskussion mit Vertretern aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft sowie aus der Kommunal- bzw. Landespolitik teil. Im Fokus der Veranstaltung standen sowohl
konkrete Maßnahmen zur Beseitigung der Engpässe auf
den Bodenmärkten als auch Grundsätze und Haltungen
im Zusammenhang mit einem gemeinwohl­orien­tierten
Umgang mit öffentlichem Grund und Boden.
Im Rahmen des bodenpolitischen Folgediskurses wurden
drei wesentliche Stoßrichtungen einer politischen und
gesellschaftlichen Debatte deutlich, die die Legitimation bodenpolitischer Erneuerungen begründen und die
politische Relevanz dieses Themas hervorheben.
Diese waren:

58

•

Bodenpolitik als „soziale Frage“: In den angespannten Wohnungsmärkten steigen die Bodenpreise mit einer hohen Dynamik auf breiter Front.
Die Grundstückskosten machen damit einen stetig
steigenden Anteil der Gestehungskosten einer Wohnung aus, und das mit den entsprechenden preistreibenden Wirkungen auf Mieten und Preise. Da in
den wachsenden Stadtregionen die Wohnungsengpässe bis in die Mittelschicht hineinreichen, stellen
die aktuellen bodenpolitischen und bodenrechtlichen Handlungsbedarfe nicht nur ein Thema für die
„Fachwelt“, sondern auch für den Mainstream dar.

•

Handlungsfähige Kommunen als Gemein‑
wohlakteure: Die Kommunen sind im Umgang
mit Grund und Boden in die Defensive geraten.
Zum einen wurden in der Vergangenheit öffentliche Liegenschaften im großen Umfang veräußert

•

Stadtentwicklung unter den Bedingungen
des Klimawandels: Die Nachhaltigkeit urbanen
Lebens ist eng mit einem Ressourcen schonenden
Umgang verknüpft. Wie lebenswert und zukunftsfähig Städte in Zukunft sein werden hängt demnach
maßgeblich davon ab, inwieweit die politischen und
rechtlichen Rahmenbedingungen auch einen effizienten Umgang mit Grund und Boden fördern.

Schließlich kristallisierte sich im Zuge der Diskussionen
vor allem eines heraus: unter den Teilnehmern herrschte
ein großer Konsens über die Notwendigkeit bodenpolitischer und bodenrechtlicher Reformen, was sich
nicht zuletzt auch in einer großen Zustimmung für die
von vhw und Difu initiierte „Bodenpolitische Agenda“
widerspiegelte. Auch war man sich einig darüber, dass
derzeit kein Erkenntnisdefizit besteht. Eine Vielzahl von
neuen Konzepten und Ideen zeigen die Richtung, in
die Bodenpolitik und Bodenrecht im Sinne der Gemeinwohlorientierung weiterentwickelt werden könnten. Es
besteht vielmehr ein Umsetzungsdefizit; und das trotz
hoher Betroffenheit großer Bevölkerungskreise in den
Städten. Insbesondere die folgenden Konfliktlinien sind
im Diskurs zutage getreten, die die Umsetzung bodenpolitischer Reformen erschweren:
•

Interessensdivergenzen innerhalb der Stadtverwaltung führen dazu, dass öffentlicher Grund und
Boden sowohl als Vermögensposition als auch als
wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge bzw.

Wohnungs - und bodenpolitischer Diskurs

einer nachhaltigen Stadtentwicklungs- sowie sozialen Wohnungspolitik verstanden werden.
•

Steigende Mieten und Preise gehen bei Mietern mit
höheren Wohnkosten einher bzw. erschweren den
Einstieg ins Wohneigentum. Andererseits mehren
steigende Mieten und Preise das Vermögen von
Wohneigentümern. Die Interessen von Mietern
und Eigentümern im bodenpolitischen Diskurs sind
damit gegensätzlich.

•

Während wachsende Stadtregionen über einen
Mangel an Bauflächen und zu wenig (bezahlbaren) Wohnungsbau klagen, sind ländliche Regionen
von Leerstand, Schrumpfung und einem Mangel
an Investoren betroffen. Bodenpolitische Reformen
müssen damit nicht nur den angespannten Wohnungsmärkten zugutekommen, sondern auch strukturschwachen Regionen.

•

Die Bodenmärkte in den deutschen Großstädten
werden zunehmend zu einem Bestandteil internationaler Finanzmärkte. (Internationale) Investoren vertrauen damit auf den im Grundgesetz verankerten
Schutz von Privateigentum und eine weitere Wertsteigerung von Grund und Boden. Ein neues Ausbalancieren von Privatnützigkeit und Sozialpflichtigkeit
von (Grund-)Eigentum betrifft damit auch die Kapitalmarktinteressen internationaler Akteure.

Um die seit langem bestehende Blockade in der Bodenpolitik auflösen zu können, wurde zudem deutlich,
dass eine Verankerung des Themas in einer breiteren
gesellschaftlichen Debatte für eine stärkere öffentliche Wahrnehmung erforderlich ist. Diskutiert wurden
in diesem Zusammenhang sowohl eine notwendige
stärkere Vernetzung von bereits aktiven Akteuren (Initiativen, Verbände, Wissenschaftler, politische Akteure)
als auch die Mobilisierung von neuen Akteuren, deren
originäres Handlungsfeld nicht mit wohnungs- bzw.
bodenpolitischen Aufgaben verbunden ist (z. B. Wohlfahrtsverbände). Zudem besteht eine Herausforderung
darin, den bodenpolitischen Diskurs politikdiskursfähig

zu machen, indem bspw. Reformvorschläge in Artikelgesetze übersetzt werden.

4.2

Die soziale Dimension von Wohnen
In der Zwischenbilanz zum Plädoyer von vhw und Difu
zur Wohnungspolitik (Aring/Hallenberg/Rohland 2017)
wurden zentrale wohnungspolitische Handlungsfelder
bzw. Themen skizziert, die sich während des angestoßenen Diskurses als zentral für die Lösung der Wohnraumversorgungsengpässe in angespannten Wohnungsmärkten herausgebildet haben. Hierbei wurden
auch die „soziale Dimension von Wohnen“ aufgegriffen, da der wohnungspolitische Diskurs nicht nur von
einer Neujustierung instrumenteller Stellschrauben,
sondern – ebenso wie der bodenpolitische Diskurs –
auch von einer Debatte über Werte, Akteure, Verantwortlichkeiten und wohnungspolitischer Möglichkeiten
geprägt war. Insbesondere mit Blick auf langwierige und
tiefgreifende gesellschaftliche Prozesse, bspw. ausgelöst
durch den demografischen Wandel und die Alterung
der Gesellschaft, sind erhebliche Veränderungen und
Anforderungen an den Wohnungsmarkt absehbar, die
mit einer „neuen sozialen Frage“ einhergehen (Aring/
Coulmas/Rohland 2018; S. 118).
Vor diesem Hintergrund wurden im Berichtszeitraum
zwei Forschungsprojekte initiiert, die die soziale Perspek­
tive der aktuellen wohnungspolitischen Diskussion
ausleuchten bzw. weiten sollen. Hierzu zählt zunächst
das Forschungsprojekt „Soziale Wohnungspolitik auf
kommunaler Ebene: Status quo und zukünftige Anforderungen“, das im Frühjahr 2018 gemeinsam mit dem
Forschungs- und Beratungsbüro Quaestio auf den Weg
gebracht wurde. Ziel des Projekts ist es, sich gemeinsam
mit mehreren Projektstädten der Frage anzunähern, zu
welchen Lösungen eine lokal/regional verankerte und
dabei konzeptionell eigenständige (soziale) Wohnungspolitik angesichts der Heterogenität der Wohnungsmärkte und unterschiedlichster wohnungspolitischer
Herausforderungen und Möglichkeiten in Deutschland
59

F or s c hun g u n d P o l i t i k

käme. Im Ergebnis des Projekts soll einerseits sichtbar
werden, mit welchen lokal verankerten Strategien und
Instrumenten Kommunen mit unterschiedlichen lokalen
Wohnungsmarktkonstellationen auf die spezifischen
wohnungspolitischen Herausforderungen reagieren
können. Andererseits soll deutlich gemacht werden,
welche bundes- und landespolitischen Rahmenbedingungen dafür hergestellt werden müssen.
Darüber hinaus wurde im Frühjahr 2018 das Drittmittelprojekt „Institutionelle Investoren als Kapitalgeber für
den kommunalen Wohnungsbau“ an das Forschungsinstitut Kiel Economics vergeben. Angesichts der notwendigen Neuausrichtung der Wohnungspolitik (vgl.
Aring et al. 2016) ist eine nachhaltige Wohnraumversorgungsstrategie zu entwickeln, die auch bei begrenzten öffentlichen finanziellen Mitteln und bei Veränderungen der Marktbedingungen einen stabilen Bestand
preisgünstiger Wohnungen sicherstellen kann. Hierbei
kann die Aktivierung privaten Kapitals (hier mit Fokus
auf nicht-wohnungsmarkt-affine institutionelle Investoren) die kommunalen wohnungspolitischen Handlungsspielräume langfristig erweitern. Vor allem mit Blick
auf das anhaltende Niedrigzinsumfeld und der zumeist
geringen kommunalfiskalischen Handlungsspielräume
sollen im Rahmen des Forschungsprojekts die vielschichtigen Rahmen- und Ausgangsbedingungen (rechtliche
Voraussetzungen, Steuerung, (lokale) Wohnungsmarktlage, Renditezusagen, Eigentumsverhältnisse, etc.)
untersucht werden, damit institutionelle Investoren vermehrt als Kapitalgeber und Partner für Kommunen bei
der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum gewonnen werden können.
Für beide Forschungsprojekte werden Ergebnisse für
das Frühjahr 2019 erwartet.
Ausblick
Weiterhin steigende Mieten, Immobilien- und Bodenpreise in den deutschen Ballungsräumen (vgl. u. a.
vdpResearch 2018) und der für Herbst 2018 angesetzte
Wohngipfel machen es deutlich: der Handlungsbedarf
60

auf den Wohnungsmärkten ist nach wie vor hoch. Eine
zielgruppengerechte Wohnraumversorgung wird damit
weiter oben auf der politischen Agenda stehen. Auch
der vhw wird sich daher in Zukunft mit substanziellen
Impulsen am wohnungs- und bodenpolitischen Diskurs
beteiligen.

vhw

Transfer- und Öffentlichkeitsarbeit

61

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

5

Transferformate

D

er Bundesverband hat sowohl im Forschungs-, als
auch im Fortbildungsbereich die Aufgabe, Ergebnisse und Sachstände von Projekten und Prozessen,
seinen Mitgliedern, den Gremien, Partnern und der
(Fach-)Öffentlichkeit zielgruppenspezifisch zu vermitteln. Dazu bedient er sich verschiedener Informationskanäle und -formate. Für den Informationstransfer im
Forschungsbereich nutzt der vhw e. V. standardisierte
Formate wie den jährlichen Verbandstag, die sechs
Mal im Jahr erscheinende Verbandszeitschrift „Forum
Wohnen und Stadtentwicklung“ sowie die Formate
vhw-Schriftenreihe und vhw werkSTADT. Zudem vermitteln Nachrichten und Artikel im Internet, der „Newsletter Forschung und Politik“, Pressemitteilungen
sowie Vorträge Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem
Forschungsbereich des Verbandes. Verstärkt wurde
im Berichtszeitraum die Vortragstätigkeit bei anderen
Verbänden und Partnern, um die Erkenntnisse aus Forschung und Politik einer breiteren Fachöffentlichkeit zu
vermitteln und damit die Position des vhw als einem zu
wichtigen gesellschaftlichen Fragen der Stadtentwicklung arbeitenden Verband weiter zu etablieren.

vhw-Schriftenreihe

vhw werkSTADT

62

5.1

Veranstaltungen
Refugees make the City. Neue Vielfalt – neue
Kooperationen, Juni 2018

Abb. 41: Treff- und Exkursionsstartpunkt im Sharehouse Refugio Berlin.
Der Tag endete mit einer Diskussionsrunde. 
Fotos: © vhw e. V.

S

eit 2015/2016 besitzt die kulturelle Vielfalt in deutschen Städten eine neue Dimension. Viele Geflüchtete sind angekommen. Viele haben sich für ihre Integration engagiert. Dabei sind neue Kooperationen von
Geflüchteten, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik
entstanden, insbesondere auch in der Stadtentwicklung. Das Refugio Berlin ist ein Symbol dieser Entwicklung. Wie können Ankunft und Integration in einer
kooperativen Stadt gelingen? Das Sharehouse Refugio,
Querstadtein und der vhw machten dies am 23. Juni
2018 zum Thema.
Mit dem MakeCity-Hub im Sharehouse Refugio in BerlinNeukölln ging es um das Engagement von, für und mit
Geflüchteten in der Stadtentwicklung: mittels Touren
durch das Refugio selbst, aber auch mittels Touren
mit Geflüchteten zu ihrem Ankommen in Berlin Neukölln. Ziel (und Erfolg) war letztlich, über verschiedene
Formate (Besichtigung, Exkursion, Diskussion) und die
Verknüpfung mit dem internationalen MakeCity Festival
2018 ein vielfältiges Publikum zu erreichen. Zum Ende
des Tages wurde in einem Fishbowl debattiert. Die Diskussion ließ erkennen, wie vielfältig das Engagement im
Geflüchteten-Bereich ist und wie Geflüchteten-Projekte
mittlerweile an vielen Orten (Leipzig, Berlin, Augsburg
etc.) zu etablierten nachbarschaftlichen Knotenpunkten
geworden sind und damit nicht zuletzt mit Blick auf die

Transferformate

Stadtentwicklung einen wichtigen Beitrag zur sozialen
Kohäsion und zur Stabilisierung kulturell diverser Nachbarschaften beitragen können.

Konferenz Mustersprache für Baugemeinschaften,
Juni 2018

Neue Wege zur kollaborativen Stadt, Juni 2018

Abb. 44/45: Konferenz mit Baugemeinschaftlern, in Verwaltung Arbeitenden
und Netzwerkern
Fotos: © vhw e. V.

Abb. 42/43: In einer Mischung aus Podium und interaktiver Debatte diskutierten Stadtmacher über ihre Rolle als Intermediäre in der Stadtentwicklung.
Fotos: © vhw e. V.

In das Aquarium am Cottbusser Tor lud der vhw am 18.
Juni 2018 engagierte und organisierte Bürger sowie
neue zivilgesellschaftliche Stadtentwicklungsinitiativen
ein, um herauszufinden, wie bestehende Strukturen der
Beteiligung noch passender gemacht werden sollten.
Etwa 100 „Mittler und Macher“ kamen und diskutieren nach den drei Impulsvorträgen zu Kollaboration,
Verbindlichkeit und Ressourcen in kleinen Gruppen.
Die Studie „Stadtmacherinnen und Stadtmacher II – zur
Beteiligung von Intermediären an der Stadtentwicklungspolitik“ von vhw und L.I.S.T GmbH legt den Fokus
auf diese neuen Akteure und fragt: Wie können die
Initiativen wirksam, transparent und verbindlich in die
Entscheidungsprozesse der Berliner Stadtentwicklung
einbezogen werden?
Link Studie Stadtmacherinnen und Stadtmacher II:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/06_
forschung/Stadtmacher/PDF/Stadtmacher_
Thesenpapier_06_2018.pdf

Mit Beauftragung des Projekts „Baugemeinschaften
als Impulsgeber für nachhaltige Stadtentwicklung“ im
Herbst 2017, dessen Ziel es ist, einen empirischen Beitrag
dazu zu leisten, die Perspektiven von Baugemeinschaften als Impulsgeber für eine nachhaltige Stadtentwicklung besser verstehen zu lernen, Orientierungswissen
zu generieren und erste Handlungsempfehlungen für
Kommunen und Baugemeinschaften abzuleiten, war
auch ein Projektworkshop verbunden. In Kooperation
mit dem Institut für Partizipatives Gestalten (IPG) organisierte der vhw diesen als Konferenz zum Thema „Mustersprache für Baugemeinschaften“ am 15./16. Juni
2018 in Berlin. Während der zweitägigen Veranstaltung
wurden im Rahmen des vhw-Forschungsprojekts rund
um das Thema Baugemeinschaften Muster gelingender Praxis für eine nachhaltige Stadtentwicklung erarbeitet, die zukünftigen Baugemeinschaften und Kommunen als Unterstützung dienen können. Innovative
Workshop-Formate, Impulsvorträge und gegenseitiges
Kennenlernen schafften einen Raum für gemeinsames
Arbeiten und austauschorientiertes Lernen.
Mehr unter: www.stadtgestalten.net

63

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

„Bodenpolitische Agenda 2010 – 2030“ –
zur Diskussion gestellt, Juni 2018

Abb. 46/47: vhw-Vorstand Jürgen Aring brachte die Eckpunkte der Agenda noch einmal
auf den Punkt (Bild links). In drei Runden diskutierten Experten beim Thema Bodenpolitik zu instrumentellen Stellschrauben, Implikationen und Handlungsnotwendigkeiten
aus Sicht der Kommunen (Bild rechts: Moderatorin Frauke Burgdorff, Dr. Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung, Dr. Diana Coulmas, vhw, und Prof.
Dr. Dirk Löhr von der Hochschule Trier – von links nach rechts).
Fotos: © vhw e. V.

Am 13. Juni 2018 luden vhw e. V. und Difu zur gemeinsamen Veranstaltung in Berlin, auf der die mit einem
externen Expertenkreis erarbeitete „Bodenpolitische
Agenda 2020 – 2030“ zur Diskussion gestellt wurde.
Rund 180 Experten sowie bodenpolitisch Interessierte
folgten dem Aufruf und nahmen an der Diskussion mit
Vertretern aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft sowie
aus der Kommunal- bzw. Landespolitik teil. Im Fokus der
Veranstaltung standen sowohl konkrete Maßnahmen
zur Beseitigung der Engpässe auf den Bodenmärkten als
auch Grundsätze und Haltungen zu einem gemeinwohlorientierten Umgang mit öffentlichem Grund und Boden.
Die Diskussionen machten vor allem eines deutlich: Unter
den Teilnehmern herrscht ein großer Konsens über die
Notwendigkeit bodenpolitischer und bodenrechtlicher
Reformen, was sich nicht zuletzt auch in einer großen
Zustimmung für die von vhw und Difu initiierte „Bodenpolitische Agenda“ widerspiegelte. Deutlich wurde aber
auch, dass eine Verankerung dieses Themas in einer breiten gesellschaftlichen Debatte notwendig ist, um seine
öffentliche Wahrnehmung zu stärken und die bodenpolitischen Reformbemühungen erfolgversprechend voranzubringen.

64

Internationaler Workshop, Juni 2018

Abb. 48/49: Europäische Perspektiven zur Förderung von sozialer Kohäsion im vielfältigen Quartier, 40 Teilnehmende diskutierten und arbeiteten an zwei Tagen auf
Einladung des vhw.
Fotos: © vhw e. V.

Die starke Zuwanderung der letzten Jahre hat zu einer
weiteren Diversifizierung in den europäischen Städten
beigetragen. Mit steigender Vielfalt nehmen dort die
Herausforderungen zu, den sozialen Zusammenhalt
erfolgreich zu gestalten und durch eine effektive Inte­
grations-, Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik zu
unterstützen. Zusätzlich erschwert werden diese politischen Aufgaben durch unterschiedliche nationalstaatliche Rahmenbedingungen und die Erfolge polarisierender,
populistischer Strömungen in zahlreichen europäischen
Ländern.
Wie können die Verantwortlichen in den Städten und
Regionen angesichts dessen, so stellt sich die Frage,
angemessene und nachhaltige Entwicklungsstrategien
politisch durchsetzen und erfolgreich realisieren? Der
Workshop am 7./8. Juni 2018 zeigte an ausgewählten
europäischen Fallbeispielen interessante Lösungsansätze für diese Herausforderungen und – mit Blick auf
die Leipzig-Charta zur nachhaltigen Stadtentwicklung
(2007/2020) – eine aktuelle Standortbestimmung zur
Frage der Sozialen Kohäsion unter den Bedingungen vielfältiger Stadtgesellschaften.

Transferformate

Verbandstag 2017: Mit Vielfalt umgehen! –
eine Herausforderung für lokale Demokratie und
Stadtentwicklung, November 2017

Abb. 50: Dr. Peter Kurz versteht als Oberbürgermeister der Stadt Mannheim,
wo der Schuh drückt.
Foto: © vhw e. V.

Beim Umgang mit Vielfalt ist es ein Problem, dass die auch
vom vhw seit Jahren genutzten Milieus zur Beschreibung
von Lebensstilen und Wertehaltungen derzeit weniger als
private Lebensentwürfe, sondern stattdessen als konkurrierende Gesellschaftsentwürfe verstanden würden. Dies
führe zu kulturellen Lebensstilkonflikten und zu „MilieuStammesdenken“. Beim Umgang mit Vielfalt sei die Rolle
des Themas Kommunikation nicht zu vernachlässigen, so
Dr. Peter Kurz, Verbandsratsvorsitzender des vhw e. V. zur
Begrüßung der über 200 Gäste am 23. November 2017.
Derzeit erfolge eine Aufspaltung in Teilräume, in „Echokammern“, wo man im Netz nur noch der eigenen Meinung
begegne. Die Frage sei doch, wo überhaupt noch Stadt im
Sinne von tatsächlichen Verhandlungen über gemeinsame
Anliegen stattfindet. Dies sei aber für eine funktionierende
demokratische Stadtgesellschaft unerlässlich.

Abb. 51/52: Prof. Dr. Carlos Strenger (Bild links) aus Tel Aviv und Dr. Mark Terkessidis
interviewt von Moderatorin Asli Sevindim (Bild rechts)
Fotos: © vhw e. V.

Prof. Dr. Carlo Strenger von der Tel Aviv University referierte vom liberalen Umgang mit Vielfalt in seinem Vortrag
„Abenteuer Freiheit bleibt anstrengend“. Dabei nahm er
immer wieder Bezug auf seine Erfahrungen in Israel, wo
unterschiedliche Einstellungen der Menschen mit orthodoxer, ultra-orthodoxer, christlicher, atheistischer und
anderer Ausrichtung zum täglichen Miteinander gehört.
Asli Sevindim sprach mit Dr. Mark Terkessidis, freier Autor
und Migrationsforscher, über Vielfalt als Chance für die
Stadtgesellschaft. Dabei unterstrich Terkessidis, dass u. a.
auch Routinen und Leitbilder zu hinterfragen seien –
etwa zur Frage: Von welcher Bevölkerung gehe ich aus,
wenn ich plane? Von einer „deutschen“ Einwohnerschaft, in die sich alle „anderen“ zu „integrieren“ haben,
oder – wiederum realistischer – von einer Vielheit, die
ständig moderiert werden muss? Im Grunde schwanke
man hierzulande oft zwischen diesen zwei Sichtweisen.
Die Heterogenität werde als Ausnahme betrachtet, die
sich irgendwann wieder einreguliert.

Abb. 53/54: Gemischte Quartiere oder gemischte Gefühle? Das Stadtquartier als
Handlungsebene. Eine Diskussionsrunde mit Dr. Matthias Schulze-Böing aus der Stadt
Offenbach, Cordula Fay von der degewo AG, Prof. Dr. Reiner Staubach vom Planerladen
aus Dortmund und Moderatorin Asli Sevindim (Bild rechts: von links nach rechts).

Fotos: © vhw e. V.

Unbestritten ist, dass sich das Gelingen oder das Scheitern von Integration in unserer Gesellschaft ganz wesentlich vor Ort in den Kommunen entscheidet, insbesondere auf der Quartiersebene, wo durch Zuzug, Vielfalt,
Umbruch und Gegensätze auf engem Raum immer
wieder die Nähe unterschiedlicher Milieus und Kulturen
entsteht. Vor diesem Hintergrund fand am Nachmittag
eine moderierte Diskussionsrunde mit Vertretern aus
dem kommunalen Sektor, aus der Wohnungswirtschaft
65

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

ist in sich eine Urbanisierungsfrage“, so Bude. Die Stadt
sei der Ort der unvollständigen Integration, zitierte er
Max Weber, und sie sei Ort der funktionalen Indifferenz,
so Georg Simmel – und die Chicagoer Schule vermerke
dazu: „Integration durch Segregation“. Dies seien – so
die Ausgangslage seines Vortrags – die Grundbotschaften der Stadtentwicklung in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts.

und aus dem intermediären Bereich statt. Cordula Fay
umriss aus Sicht der Wohnungswirtschaft die durch Lage
und Baustrukturen der Siedlungsbestände bestimmten
Herausforderungen und Interventionsmöglichkeiten. So
sei etwa der Vielfaltsbegriff in einer Großsiedlung am
Stadtrand anders gelagert als in innerstädtischen Quartieren. Dr. Matthias Schulze-Böing von der Stadt Offenbach unterstrich, dass kritische Kontroversen für den
gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtiger seien als
alles in eine „Harmoniesauce“ zu gießen und politisch
zu beglaubigen. Vielfalt könne vor diesem Hintergrund
Bereicherung sein, sei aber auch anstrengend. Konflikte
solle man aufgreifen und nicht umschiffen, so Prof. Dr.
Reiner Staubach. Konflikte würden in der Dortmunder
Nordstadt oft „ethnisiert“ und nicht mit unterschiedlichen Lebensstilen erklärt.

Link Beitrag von Prof. Bude „Das Gefüge der Stadt:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2018/2_2018/
FWS_2_18_Bude.pdf
Link Beitrag Verbandstag 2017 in: FWS Nr. 6/2017:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2017/6_2017/
FWS_6_17_Mit_Vielfalt_umgehen_Bericht_vom_
Verbandstag_2017_F._Jost.pdf

5.2
Abb. 55/56/57: Prof Dr. Heinz Bude (Bild links) referiert unterhaltsam zur Modernisierungsfrage als Urbanisierungsfrage. Das Thema nahm man gern zum Get together auf
und führte es angeregt weiter (Bilder: Mitte + rechts).
Fotos: © vhw e. V.

Im Spannungsfeld zwischen einer weltoffenen Ankommens- bzw. Integrationskultur und einer restriktiven
Asylpolitik wird auf der einen Seite der gesellschaftliche
Zusammenhalt beschworen, auf der anderen Seite ein
regelrechter „Riss durch die Gesellschaft“ konstatiert.
Prof. Bude, Soziologe vom Lehrstuhl für Makrosoziologie
an der Universität Kassel, sprach vor diesem Hintergrund
über Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt
und forderte einen Umgang mit Vielfalt, der den Herausforderungen an ein zeitgemäßes Zusammenleben
angemessen ist. Dabei legte er den Fokus auf die Stadt:
„Die Welt der Zukunft ist eine städtische Welt“, denn
hier entscheiden sich die Grundfragen von Politik und
Zusammenhalt. Aber: Die Stadt sei auch die Kulisse für
die soziale Frage unserer Zeit: „Die Modernisierungsfrage

66

Zeitschrift „Forum Wohnen und
Stadtentwicklung“

D

ie Verbandszeitschrift des vhw „Forum Wohnen und
Stadtentwicklung“ gehört weiter zu den wichtigen
Publikationen an der Schnittstelle von Stadtplanung,
Städtebau, Wohnungswirtschaft und Sozialforschung
im deutschsprachigen Raum. Auch im Berichtszeitraum
2017/2018 wurden die sechs Ausgaben pro Jahr neben
Mitgliedern und Abonnenten auch der Fachöffentlichkeit auf Tagungen und Kongressen – nicht nur des vhw
– zugänglich gemacht, wenn thematische Schnittstellen bestanden. Die Autorinnen und Autoren der Hefte
kommen aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern
im Spannungsfeld von Wohnen und Stadtentwicklung,
sei es aus der Wohnungswirtschaft, aus Wissenschaft
und Forschung, aus Politik und Verwaltung, aus Bund,
Ländern und Kommunen oder aus der Zivilgesellschaft.
Der Forumscharakter der Zeitschrift befördert dabei den
Wissensaustausch und die Diskussion zwischen Politik,
Wissenschaft und Praxis.

Transferformate

Als Verbandsorgan und Fachzeitschrift berichtet das
„Forum“, bei einer Auflage von derzeit 3.000 Heften,
weiterhin nicht nur über die vielfältigen Aktivitäten
des Verbandes, sondern darüber hinaus auch über ein
Schwerpunkthema in jeder Ausgabe. Auf den Internetseiten des vhw bietet die Onlinepräsenz von „Forum
Wohnen und Stadtentwicklung“ mit ihrer Archivfunktion
einen Überblick über alle bislang erschienenen Zeitschriftenausgaben. In den Inhaltsverzeichnissen finden sich seit
dem Jahrgang 2003 Abstracts zu jedem Artikel. Überdies
können seit Ausgabe 1/2009 alle Beiträge pro Ausgabe
kostenlos im PDF-Format heruntergeladen werden.
Folgende Ausgaben sind im Berichtszeitraum erschienen:

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 3/2018

Gemeinwohlorientierung in der Bodenpolitik
Mai – Juni 2018
Wer Bürgerinnen und Bürger mit geringem und immer
häufiger sogar solche mit mittlerem Einkommen auch
morgen noch mit angemessenem Wohnraum versorgen will, wer attraktive, lebenswerte Städte mit einer
ausreichenden öffentlichen Infrastruktur erhalten und
dabei den Erfordernissen des Klimawandels und der Klimaanpassung gerecht werden will, der muss sich heute
mehr denn je die Bodenfrage stellen. Die Tatsache, dass
Grund und Boden nicht vermehrbar und unersetzlich
sind, macht Boden zum Schlüssel für eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Die
Beiträge dieses Schwerpunkthefts tragen dem Rechnung und zeigen Lösungsansätze für die Zukunft einer
gemeinwohlorientierten Bodenpolitik auf.

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 2/2018

Tourismus und Stadtentwicklung
März – April 2018
Die Beiträge dieses Schwerpunkthefts gehen das Thema
„Tourismus und Stadtentwicklung“ aus unterschiedlichen Perspektiven an und sollen damit eine Diskussion
anregen, die über das Agieren von Tourismusvereinen
und kommunalen Wirtschaftsdezernaten hinausgeht.
Auch hier ist die aktive Einbindung der Bevölkerung
unabdingbar, sowohl für die notwendige Toleranz und
Akzeptanz der unmittelbar betroffenen Anwohner, als
auch der gesamtstädtischen Bevölkerung, deren „Gute
Stube“ als identitätsstiftender Teil der Stadt nicht nur
vermarktet und präsentiert werden soll, sondern im
Idealfall auch für die Nutzung durch die Einheimischen
attraktiv bleibt. Vor diesem Hintergrund schließt Harald
A. Friedl seinen Beitrag denn auch mit der entscheidenden Frage: Wofür lohnt es sich zu leben? Ist es die Maximierung von Billigtouristen für den Preis einer zerstrittenen Gemeinde? Die Maximierung von Selfies an 1.000
exotischen Orten für den Preis überrannter Städte? Die
Maximierung kurzfristiger Gewinne für den Preis abgegraster Regionen? Oder geht es doch darum, gemeinsam mit Betroffenen eine Zukunftsperspektive zu entwickeln, damit wir auch morgen noch gut leben und
reisen können? Das braucht vor allem den Mut, in den
Spiegel zu blicken und einander zuzuhören.

67

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 1/2018

Gesundheit in der Stadt
Januar – Februar 2018
Gesundheit ist kein gegebener individueller Zustand,
sondern entsteht und verändert sich dynamisch in Wechselwirkung mit der sozialen, natürlichen und gebauten
Umwelt. Sie ist nicht selbstverständlich, obwohl wir uns
dessen erst bewusst werden, wenn sie angeschlagen
ist. Gesundheit ist physisch, psychisch und sozial, ist
vielfältig und wird entsprechend durch mannigfaltige
Faktoren auf verschiedenen Ebenen beeinflusst. Sie
entsteht unter anderem in unseren jeweiligen, vielfältigen Lebenswelten. In diesen können wir einerseits von
verschiedenen Ressourcen oder Schutzfaktoren profitieren, andererseits werden wir dort mit unterschiedlichen
Belastungen und Risiken konfrontiert. Gesundheitliche
Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten entfalten sich
in (urbanen) Räumen. Gerade die stetige Verdichtung
nach innen stellt permanent neue Herausforderungen,
bietet aber auch Chancen.

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 6/2017

Die Digitalisierung des Städtischen
Dezember 2017
Bereits heute ist die Lebenswirklichkeit der meisten
Menschen in Europa geprägt von einem Miteinander
digitaler und analoger Handlungen. Je nach Erfordernis
werden online oder offline Waren eingekauft, Mobili-

68

tätsangebote kombiniert oder mit Kontakten kommuniziert. Alles geht fließend ineinander über und bei
manchen Anwendungen ist eine Unterscheidung – was
ist real und was fiktiv – zunehmend schwieriger. Was
bedeutet dies aber für unsere Gesellschaft, für unser
Zusammenleben und unsere Städte? Auch im Zeitalter
von künstlicher Intelligenz und Big Data bedarf es des
Streits um Ziele und Wege. Gemeinwohl entsteht nicht
durch Rechenoperationen und Sensorik, sondern durch
den Streit und den Ausgleich im politischen Prozess. Die
Beiträge dieses Heftes wollen gleichsam Anregungen
geben und zur Diskussion animieren.

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 5/2017

Vielfalt und Integration
Oktober – November 2017
Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe – „Integration
und Vielfalt“ – umfasst Beiträge aus unterschiedlichen
Perspektiven. Die Relevanz des Themas als Herausforderung für Demokratie und Stadtentwicklung steht dabei
im Mittelpunkt der Betrachtungen. Neben Akteuren aus
der Wissenschaft kommen insbesondere kommunale
Autorinnen und Autoren zu Wort, denn (wie Jürgen
Aring in seinem Editorial feststellt): „(...) das Gelingen
oder das Scheitern von Integration in unserer Gesellschaft
entscheidet sich ganz wesentlich vor Ort in den Kommunen, insbesondere dort, wo sich durch Zuzug, Vielfalt, Umbruch und Gegensätze auf engem Raum immer
wieder ‚Urbanität‘ entwickelt.“

Transferformate

Lass es Vahr 2030 werden!
Zukunftsperspektiven einer Großsiedlung
Autor: Thomas Kuder

„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“ 4/2017

Gemeinwesenarbeit und Stadtentwicklung
Juli – September 2017
Integration findet in der unmittelbaren Nachbarschaft
in den Wohnquartieren statt. Dabei werden das soziale
Klima und eine entsprechende Kommunikationskultur in
den Stadtteilen angesichts der zunehmenden Politikverdrossenheit immer bedeutsamer. Dazu ist es notwendig
herauszufinden, in welchen Bereichen die Menschen
schon aktiv sind, welche Themen sie beschäftigen, über
was sie sich aufregen, was sie erfreut, und welche Interessen sie in Bewegung bringen. Als Sensor für das Klima
und die Stimmungen im Quartier hat die Gemeinwesenarbeit (GWA) in der integrierten Stadtteilentwicklung
eine zentrale Bedeutung.

5.3

Weitere Publikationen zu
Forschung und Politik
vhw werkSTADT

D

ie vhw werkSTADT ist seit 2016 ein Format, das in
unregelmäßiger Folge erscheint und kostenfrei im
Internet herunterzuladen ist. Der Umfang ist i. d. R. auf
14 Seiten begrenzt. Inhalte des Formats sind Positionen
zu wichtigen Fragen der Stadtentwicklung, Projektbeispiele, fachliche Verortungen und Diskurse. Die vhw
werkSTADT ist unter ISSN: 2367-0819 beim Deutschen
Buchhandel angemeldet.
Im Folgenden werden die im Berichtszeitraum erschienenen werkSTADT-Ausgaben vorgestellt.

Nr. 18, Juni 2018: Angesichts des weitreichenden Wandels der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie
beschleunigter räumlich-struktureller, wohnungswirtschaftlicher und stadtentwicklungspolitischer Dynamik
haben sich 2017 die Verantwortlichen der Freien Hansestadt Bremen und der GEWOBA-AG Bauen und Wohnen
mit dem vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung zusammengesetzt, um sich auf die Durchführung eines kooperativen Planungs- und Mitwirkungsprozesses „Vahr 2030“ zu vereinbaren. Ziel dieses Projekts
in Kooperation mit stadt- und zivilgesellschaftlichen sowie
wohnungspolitischen Akteuren war es, durch frühzeitige
Erarbeitung zukunftsorientierter Entwicklungsperspektiven für die gesamte Vahr auf künftige Fragen und Herausforderungen der Stadtentwicklung vorbereitet zu sein
und angemessen darauf reagieren zu können.
Soziale Herausforderungen der Digitalisierung
Der Smart City ihre Milljöhs
Autor: Thomas Kuder

Nr. 17, Januar 2018: Auch in der neu veröffentlichten
„Smart City Charta“ der Bundesregierung zur nachhaltigen digitalen Transformation der Kommunen aus dem
Jahr 2017 wird zu Beginn in den zentralen Leitlinien das
unbedingte Erfordernis von Transparenz sowie von Teilhabe und Mitgestaltung der Bürgerinnen und Bürger bei

69

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

der digitalen Transformation der Gesellschaft besonders
hervorgehoben. Bevor man sich jedoch der Konzeption
geeigneter Teilhabe- und Mitwirkungsmöglichkeiten
zuwenden kann, gilt es zunächst, sich mit der analytischen Frage zu befassen, mit wem man es bei „den
Menschen“, die man gerne „mitnehmen“ möchte, überhaupt zu tun hat? Wer beschäftigt sich in welcher Weise
mit den vielfältigen digitalen Neuerungen? Wer nutzt sie,
wer nutzt sie nicht, und warum werden sie ggf. nicht
genutzt? Die Ausgabe Nr. 17 nimmt daher die Mediennutzung unter Verwendung des Milieumodells einmal
intensiv unter die Lupe.
Bürgerbeteiligung neu justiert!
Fair, informiert und gleichberechtigt
zum „besseren“ Ergebnis
Autor: Thomas Kuder

Nr. 16, Oktober 2017: Das gesellschaftspolitische Ziel
einer Stärkung der lokalen Demokratie, das sich der
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. als eine seiner zentralen Forschungsaufgaben
gestellt hat, begründet, sich mit den aktuellen Herausforderungen einer qualitativ hochwertigen Bürgermitwirkung zu befassen. Vor diesem Hintergrund skizziert die
vhw werkSTADT Nr. 16 einen als gangbar erachteten,
bewährten Weg, der von den aktuellen Herausforderungen der Bürgerbeteiligung über eine neujustierte, den
Herausforderungen gerecht werdende, einen Mehrwert
versprechende Bürgermitwirkung bis zu den resultierenden Legitimationserfordernissen führt.

70

Wo steht die Integration der Geflüchteten im Herbst
2017?
Zuwanderung, räumliche Verteilung und
Wohnungsversorgung
Autor: Bernd Hallenberg

Nr. 15, September 2017: Kurz vor den Bundestagswahlen spielten die Themen Flucht und Integration wieder
eine zentrale Rolle, nachdem sie zeitweise in den Hintergrund gedrängt erschienen. Der massive Rückgang der
Flüchtlingszuwanderung hat den Fokus stärker auf die
Integration der in den letzten Jahren hier Angekommenen gelenkt. Die Versorgung der Betroffenen am Wohnungs- und Arbeitsmarkt und die gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft rücken in den Mittelpunkt des
Aufgabenspektrums. Bund, Länder, Gemeinden, Parteien
und Zivilgesellschaft ringen um den angemessenen Weg.
Unser Leben in Deutschland
Die neuen Migrantenmilieus – Erkenntnisse aus dem
qualitativen Teil der vhw-Migrantenmilieustudie
2017/2018
Autor: Bernd Hallenberg

Nr. 14, August 2017: In mehreren Veröffentlichungen
hat der vhw e. V. über die erste Phase dieser neuen Migrantenmilieustudie – die qualitative Leitstudie – berichtet. In der vhw werkSTADT Nr. 14 werden ein erweiterter Blick auf die neuen Milieus geworfen und deren
Konturen sichtbar gemacht. Der Fokus liegt auf einer
kurzen Vorstellung ihrer Grundorientierung sowie der

Transferformate

Öffentliche Räume in stadtgesellschaftlich vielfälti‑
gen Quartieren
Autor: Prof. Dr. Klaus Selle in Zusammenarbeit
mit dem vhw e. V.

milieutypischen Identitäten und Einstellungen zur Integration – mit aussagekräftigen O-Tönen aus den Befragungen.
Das Format im Internet unter:
https://www.vhw.de/publikationen/vhw-werkstadt/
vhw-Schriftenreihe 7

vhw-Schriftenreihe

Nr. 7, Juli 2017: Beim Thema der Vielfalt kommt vor allem auch den öffentlichen Räumen in den Städten, also
den Orten vielfältigster Begegnungen,
Öffentliche Räume
eine ganz besondere Bedeutung zu.
in stadtgesellschaftlich vielfältigen
Quartieren
Die Relevanz dieses Themas zeigt sich
nicht nur in den jüngsten gesellschaftlichen Konflikten, die oftmals im
öffentlichen
Raum
ausgetragen
werden und zum vieldiskutierten
Thema der aktuellen Politik geworden
sind, sondern vor allem auch in den
häufig so selbstverständlich scheinenden Leistungen, die der öffentliche Raum tagtäglich und
überall zu bieten und zu erbringen hat. Das Forschungsprojekt wurde der RWTH Aachen übertragen.

D

Im Folgenden werden die im Berichtszeitraum erschienenen Schriftenreihen vorgestellt.

Nutzung, Wahrnehmung und Bedeutung

Ein Forschungsprojekt im
Auftrag des vhw e. V.

Öffentliche Räume in stadtgesellschaftlich vielfältigen Quartieren

ie vhw-Schriftenreihe behandelt ausgewählte
Themen in einem umfangreichen, wissenschaftlichen Kontext, die der vhw unter seinem Leitbild Bürgergesellschaft für die Handlungsfelder Stadtentwicklung
und Wohnen als notwendig zu bearbeitende Aufgabenstellungen ableitet.

vhw - Schriftenreihe 7

Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung und im
Wohnungsbau
Autoren: Gerhard Kienast, Uwe Altrock

Studie

Geflüchtete in der Sozialen Stadt
Autoren: Thomas Francke, Olaf Schnur, Patrick Senkel
vhw -Schriftenreihe 6

Nr. 8, Juni 2018: Der Studie liegt die
These zugrunde, dass eine vorgeschaltete Rahmenplanung mit den direkt
Betroffenen eine Integrierte Stadtentwicklung fördern kann, da sie die
Bürgerbeteiligung
Chance bietet, neue Wohnungsbauin der Stadtentwicklung
und im Wohnungsbau
vorhaben besser auf die Bedürfnisse
des städtischen Wohnungsmarkts und
des jeweiligen Stadtteils auszurichten,
lokale Akteure einzubinden sowie soziale und ökologische Belange bereits
frühzeitig zu berücksichtigen. Sie
untersucht, inwiefern eine Bürgerbeteiligung die vorgenannten Ziele fördern und damit auch zur Akzeptanz
großer Wohnungsbauvorhaben in der jeweiligen Stadtteilöffentlichkeit und Nachbarschaft beitragen kann.
Gerhard Kienast
Uwe Altrock

Geflüchtete in der Sozialen Stadt

Potenziale der Weiterentwicklung des Quartiersansatzes Soziale Stadt im Kontext der Fluchtmigration

vhw - Schriftenreihe 8

Nr. 6, Juli 2017: Die Debatte zum
Umgang mit der gegenwärtigen Fluchtmigration ist seit 2015 im öffentlichen
Diskurs. Naturgemäß sind dabei die DisPotenziale der Weiterentwicklung
des Quartiersansatzes Soziale Stadt
kussionen nicht immer fachlich orientiert
im Kontext der Fluchtmigration
und ausgewogen, denn zum Teil geht es
auch um subjektive Auffassungen, normative Fragestellungen und politische
Richtungsentscheidungen. Im Kern steht
dabei immer auch die Frage nach konkreten Möglichkeiten zur Steuerung der
zukünftigen Entwicklungen in den alltäglichen Lebenswelten der alten und neuen Bewohnerinnen und Bewohner. Vieles in diesem Zusammenhang wird
seit Jahren erprobt, manches ist neu und bisher in diesem
Umfang nicht dagewesen. Es gibt also einen Bedarf, das
Bisherige zu sortieren und zu rekombinieren – bis hin zur
Thomas Franke
Olaf Schnur
Patrick Senkel

vhw - Schriftenreihe 6

71

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

möglichen Weiterentwicklung oder Einführung neuer Instrumente. vhw & Difu
haben deshalb gemeinsam zum Thema
gearbeitet. Herausgekommen ist die vhwSchriftenreihe Nr. 6.
Das Format im Internet unter:
https://www.vhw.de/publikationen/
vhw-schriftenreihe/

5.4

Die Internetredaktion als
Informationskanal

D

ie Internetredaktion aktualisiert,
redigiert, dokumentiert und betreut
alle technischen Optimierungen und
Umsetzungen. Die Nachrichtenerarbeitung ist seit 2016 eine zentrale Informationsmaßnahme, um Ergebnisse,
wichtige (Teil-)Schritte und Ereignisse der
vhw-Forschung auf den entsprechenden
fachlichen Seiten kurz, prägnant und
vollständig bekannt zu machen. Gleichzeitig ergeben sich immer wieder gute
Verknüpfungen zu vhw-Fortbildungsveranstaltungen und umgekehrt. Die Abb. 58/59: Die Rubrik „Termine“ und die verbandspolitische Nachricht zur Diskussion der „Bodenpolitischen Agenda“
Screenshots: vhw-Internet via Google
thematische Verbundenheit zwischen 
Forschung und Fortbildung auch redaktigen anderer Anbieter im Themenumfeld von Stadtentonell herauszuarbeiten, bleibt eine stete Anforderung an
wicklung aktiv recherchiert und veröffentlicht.
die Internetredaktion.
Ergänzend zu den Meldungen aus dem ForschungsbeIn der Nachrichtenredaktion für den Forschungsbereich
reich erfolgt auf der Startseite die redaktionelle Betreuarbeitet die Internetredaktion mit den Verantwortlichen
ung der verbandspolitischen Nachrichten. Die Nachrichder jeweiligen Forschungsprojekte und -diskurse eng
ten – aus Forschung und Fortbildung – haben sich in
zusammen – bei neuen technischen Überarbeitungen
den letzten drei Jahren einen festen Platz unter den Top
werden ressortübergreifend alle in den Prozess zu integTen aller vhw-Internetinhalte sichern können.
rierenden Abteilungen des vhw eingebunden.
Updates Suchstruktur und Forschungsseiten
Neben der Nachrichten- (und Bild-)redaktion werden
Im Berichtszeitraum wurden wichtige Optimierungen
unter der Rubrik „Termine“ im Internet unter den eigefür die Suche der Kunden für den gesamten vhwnen Veranstaltungen und Vorträgen auch VeranstaltunInternetauftritt vorgenommen, u. a. gehörte dazu,

72

Transferformate

dass in die vhw-internetübergreifende Suche nun
auch PDF-Formate eingebunden, die verschiedenen
Suchen harmonisiert und mit Relevanzen strukturiert wurden. Die Verbandszeitschrift bekam zudem
eine deutlich bessere Ergebnisaufbereitung bei der
Archivsuche. Dies ist ein wichtiger Teilschritt, um in
der Menge der Informationen im vhw-Internetauftritt schnell zum gesuchten Ergebnis zu gelangen –
immerhin suchen 20 Prozent unserer Kunden aktiv
auf unseren Seiten und davon verfeinern wiederum
25 Prozent erneut ihre Suche. Den vhw als Quelle
aktueller Fortbildungsnachrichten und wichtiger wissenschaftlicher Ergebnisse in den Fachcommunities
zu etablieren, ist sowohl kurz- als auch langfristiges
Ziel des Verbandes – im Internet durch die Arbeit der
Nachrichtenredaktion.
Im Zuge der Entwicklung des Forschungsbereichs
(siehe Kapitel „Rahmung und Ausrichtung der vhwForschungstätigkeit, Seite 10) ist es notwendig, auch
den Internetauftritt immer wieder anzupassen. Die
neue Clusterstuktur wird im Berichtszeitraum – mit
allen dazu verbundenen Nachrichten und Inhalten –
redaktionell überarbeitet, um in einem ersten Zwischenschritt die vhw-Forschung aktuell und übersichtlich aufzuarbeiten.
Ausbau Suchoptimierung
Wenn zu wichtigen Fragen der Stadtentwicklung
oder Stadtforschung im www gesucht wird, muss
der vhw eine Rolle in der Ergebnisliste spielen. Nachfolgend zwei positive Beispiele erfolgreichen Auffindens: 1. Bodenpolitik (oder bodenpolitische Agenda),
2. Städtenetzwerk – jeweils mit einer Ergebnispräsenz auf der ersten Ergebnisseite in den verwendeten
Suchkategorien.

Abb. 60/61: Gesucht, gefunden

Screenshots: Google

73

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

5.5

Pressearbeit

Grund und Boden nicht vermehrbar und unersetzlich
sind, macht den Boden zum Schlüssel für eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Vor
diesem Hintergrund haben sich das Deutsche Institut für
Urbanistik (Difu) und der vhw – Bundesverband für
Wohnen und Stadtentwicklung e. V. vertieft mit den
Aspekten von Bodenpolitik und Bodenrecht auseinandergesetzt und im vergangenen Jahr eine „Bodenpolitische Agenda 2020 – 2030“ erarbeitet. Wir laden Sie
herzlich ein, um am 13. Juni 2018 im Richard-von-Weizäcker-Saal an der Diskussion zur notwendigen Neuausrichtung der Bodenpolitik teilzunehmen.

I

m Berichtszeitraum wurden drei Pressemitteilungen
erarbeitet und über den Pressedienst OTS sowie an
gezielte Medienverteiler versendet.

Neue Wege zur kollaborativen Stadt: Einladung
zur Berliner Debatte mit Initiativen, Politik und
Wissenschaft zur Beteiligungskultur ins „Aqua‑
rium“ am 18. Juni 2018 in Berlin-Neukölln

Diskussion „Bodenpolitische Agenda 2020 – 2030“
am 13. Juni 2018 in Berlin
Wer Bürgerinnen und Bürger
mit geringen und immer häufiger sogar solche mit mittleren Einkommen auch morgen
noch mit angemessenem
Wohnraum versorgen will,
wer attraktive, lebenswerte
Städte mit einer ausreichenden öffentlichen Infrastruktur erhalten und dabei den
Erfordernissen des Klimawandels und der Klimaanpassung gerecht werden will, der muss sich heute mehr
denn je der Bodenfrage stellen. Die Tatsache, dass
74

Sozial gerechte Wohnraumversorgung erfordert
neue Bodenpolitik – vhw und Difu veröffentlichen
„Bodenpolitische Agenda 2020-2030“, Oktober
2017
Oktober 2017

Roadmap Bodenpolitik

In einer Mischung aus Podium
und interaktiver Debatte
setzte die Veranstaltung am
18. Juni 2018 im „Aquarium“
am Cottbusser Tor den Diskurs über die Rolle von Stadtmachern als Intermediäre in
der Stadtentwicklung fort, den der vhw e. V. 2016 mit
dem Debattenbuch „Mittler, Macher, Protestierer“
(Beck/Schnur 2016) begonnen hat. Diskussionsgäste zu
den Themen Kollaboration, Verbindlichkeit und Ressourcen waren u. a. Dr. Andrej Holm, Humboldt Universität zu Berlin und Florian Schmidt, Baustadtrat Friedrichshain-Kreuzberg. In der Abschlussrunde zeigten
Michael Künzel und Lukas Born die Möglichkeiten der
Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und
Wohnen zum „Wie geht’s weiter?“ auf.

Der von vhw und Difu initiierte Expertenkreis „Zukunftsfragen
der Bodenpolitik“ hat eine Roadmap
auf den Weg gebracht. In der „RoadBodenpolitische Agenda 2020-2030
map Bodenpolitik“ werden neun Kernforderungen formuliert, die aus Sicht
der Experten dringend aufzugreifen
sind, um einen nachhaltigen und sozial
verantwortungsvollen Umgang mit
dem knappen Gut Boden zu sichern.
Die „Bodenpolitische Agenda für die
Jahre 2020 bis 2030“ zeigt, durch
welche Reformen die vielfältigen, nicht länger hinnehmbaren Blockaden in der Bodenpolitik aufgelöst werden
können.
Warum wir für eine nachhaltige und sozial gerechte Stadtentwicklungsund Wohnungspolitik eine andere Bodenpolitik brauchen

www.difu.de

www.vhw.de

Pressemeldungen im Internet unter:
http://www.vhw.de/presse/

Transferformate

5.6

vhw-Kolloquium 2017/2018

D

iese Reihe thematisiert Tendenzen, Kausalitäten
und Effekte sich wandelnder Strukturen in der
gesellschaftlichen Kommunikation und politischen Steuerung von Stadtentwicklung. 2017 unter dem Dachthema „Medien.Macht.Politik und Emotionen“ und
2018 unter dem Titel „Digitaler Urbanismus – Stadtentwicklung in der vernetzten Gesellschaft!“ Gäste sind zu
dieser Veranstaltungsreihe immer herzlich willkommen.

5.7

Kooperationen

Z

unehmend arbeitet der vhw mit externen gemeinnützigen, wissenschaftlichen oder institutionellen
Partnern bei verschiedenen Projekten der Forschung
zusammen.
Unsere Partner in der Forschungsarbeit in alphabetischer
Reihenfolge und mit den dazugehörigen Nachrichten:

•

adelphi gemeinnützige GmbH und Zebralog
GmbH & Co KG
Der Endbericht der in Zusammenarbeit mit adelphi
dem Projektpartner Zebralog durchgeführten vhwStudie zum Projekt „Vernetzte Nachbarn“ lieferte
erstmals ein umfassendes Bild zur Landschaft digitaler Plattformen mit Nachbarschaftsbezug.

•

Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbe‑
gleitung und Forschung im sozialen Bereich
gGmbH
Integration mit besonderer Wirkkraft? Studie zu
Stadtteilmütterprojekten startet. Im Auftrag des
vhw erforscht Camino – Werkstatt für Fortbildung,
Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich
gGmbH die Wirkung von Stadtteilmütterprojekten
in städtischen Quartieren. Untersucht werden mittels Netzwerkanalysen und Interviews bisher noch
nicht erforschte Wirkungen von Stadtteilmütterarbeit. Das Augenmerk wird dabei besonders auf
die sozialintegrativen Effekte der Projekte gerichtet
und Langzeitwirkungen sollen genauer beleuchtet
werden. Ergebnisse werden bereits im Herbst 2018
vorliegen.

•

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Zwischen dem vhw e. V. und dem DOSB wurde eine
zukünftige enge Zusammenarbeit vereinbart. Insbesondere in den Themenfeldern Öffentliche Räume
und Sporträume, Sportstätten, Sportverwaltung,
Breitensport sowie gesellschaftliche Verantwortung und Mitgestaltung des Sports bieten sich viele

Die Themen im Berichtszeitraum im Einzelnen:
•

Neue Modelle des Lokaljournalismus – Potenziale
für Gemeinwesen & Engagement
Tinder die Stadt – Nachrichten-App zur Stärkung
lokaler Öffentlichkeit
29. Mai 2018 mit Lorenz Matzat und Adrian Roeske

•

Google Urbanismus – wie Tech-Unternehmen Stadtentwicklung beeinflussen
20. März 2018 mit Nina Scholz

•

Die normative Lücke: Algorithmen und digitaler
Wandel des Öffentlichen
18. Oktober 2017 mit Lorena Jaume-Palasi

•

De:bate // De:Hate „Hate Speech und Digital Streetwork“
13. September 2017 mit Christina Dinar - Amadeu
Antonio-Stiftung

•

Fake News und Social Bots im Bundestagswahlkampf 2017
16. August 2017 mit Markus Reuter

Im Internet unter:
https://www.vhw.de/termine/

75

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

Möglichkeiten des Zusammenwirkens – sowohl im
Bereich Fortbildung als auch im Bereich Forschung.

76

•

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
Gemeinsam mit dem Difu hat der vhw 2017 eine
Bodenpolitische Agenda mit neun Kernforderungen
auf den Weg gebracht, die für die Jahre 2020 bis
2030 zeigt, durch welche Reformen die vielfältigen,
nicht länger hinnehmbaren Blockaden in der Bodenpolitik aufgelöst werden können. Am 13. Juni 2018
wurde dazu in Berlin vor allen zu den effektivsten
Instrumenten und wegen ihrer Umsetzung diskutiert.

•

ILS – Institut für Landes- und Stadtentwick‑
lungsforschung
Mit welchen Strategien begegnen Wohnungsunternehmen den Herausforderungen von Zuwanderung? Das im Auftrag des vhw vom ILS betreute
Forschungsprojekt „Wohnraumversorgung und
sozialräumliche Integration von Migrantinnen und
Migranten – Belegungspolitiken institutioneller
Wohnungsanbieter“ untersucht, wie Belegungspraktiken institutioneller Wohnungsunternehmen
in unterschiedlichen städtischen Kontexten die
Zugänge von Migrantinnen und Migranten zum
Mietwohnungsmarkt strukturieren und damit sozialräumliche Segregation und Integration in Quartier
und Nachbarschaft beeinflussen.

•

Institut für Partizipatives Gestalten (IPG)
Der vhw hat das Institut für Partizipatives Gestalten
(IPG) mit der Durchführung des Projekts „Baugemeinschaften als Impulsgeben für eine nachhaltige
Stadtentwicklung“ beauftragt. Ziel ist es, auf dem
Blog stadtgestalten.net und in einer begleitenden
Forschung herauszufinden, wie Baugemeinschaften
eigene Strategien entwickeln und Unterstützung
finden, um als Impulsgeber für eine nachhaltige
Stadtentwicklung wirksam werden zu können.

•

Institut Sozialplanung, Organisationaler
Wandel und Stadtentwicklung (ISOS),
Hochschule für Soziale Arbeit (FHNW)
Die vom ISOS im Auftrag des vhw erstellte Pilotstudie „Potenziale postmoderner Nachbarschaften“
kommt zu dem Ergebnis, dass es in einer weiteren
Annäherung an das „Phänomen Nachbarschaft“
einer lebensweltlichen Perspektive bedarf, die
Wissen darüber generiert, wie sich Nachbarschaften
formieren, wie sie auf veränderte Kontextbedingungen reagieren und welche Bedeutungen Nachbarschaft für die dort lebenden Menschen hat.

•

IÖR – Leibniz-Institut für ökologische Raum‑
entwicklung e. V.
Tatsächlich engagieren sich bereits viele Bürgerinnen und Bürger für Klimaschutz, Nachhaltigkeit
und Umweltgerechtigkeit. Eine in den vergangenen
Jahren wachsende Zahl hat sich dabei in TransitionTown-Initiativen zusammengeschlossen und bringt
sich über unterschiedliche Projekte aktiv in die Entwicklung ihrer Städte ein. Sind sie die neuen Partner
nachhaltiger Stadtentwicklung? Das Forschungsprojekt „Neue Partnerschaften in der nachhaltigen
Stadtentwicklung? Potenziale von Transition-TownInitiativen“ untersucht diese verhältnismäßig neuen
Akteure in einer bereits vielfältigen Landschaft urbaner Governance im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung.

•

Kiel Economics Research & Forecasting
Die Entwicklungen auf den Wohnungsmärkten in
den wachsenden Stadtregionen machen deutlich,
dass die bestehenden Instrumente der Bestandspolitik und zur Förderung des preisgünstigen Wohnungsbaus nicht ausreichen. Der vhw hat daher
das Institut Kiel Economics Research & Forecasting
damit beauftragt, im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Institutionelle Investoren als Kapitalgeber für
den kommunalen Wohnungsbau“ herauszufinden,
ob – und wenn ja, wie – die Interessen und Bedarfe
von institutionellen Investoren und Kommunen in

Transferformate

Hintergrund untersucht das Institut Quaestio – Forschung & Beratung im Auftrag des vhw die zukünftigen Anforderungen an eine soziale Wohnungspolitik auf kommunaler Ebene. Anhand von fünf
Fallstädten sollen in Abhängigkeit unterschiedlicher
lokaler Ausgangsbedingungen wohnungspolitische
Umsetzungsstrategien für eine soziale Wohnraumversorgung identifiziert und entwickelt werden.

Zeiten geringer Kapitalmarktrenditen sowie geringer kommunalfiskalischer Handlungsspielräume
gewinnbringend für den bezahlbaren Wohnungsbau zusammengeführt werden können.
•

•

•

nebenan.de Stiftung gGmbH
Im Mai wurde der „Deutsche Nachbarschaftspreis
2018“ ausgelobt. Der Preis ist eine bundesweite
Auszeichnung für all diejenigen, die sich vielerorts
als Nachbar für Nachbarn einsetzen, das Miteinander stärken und das WIR gestalten. Die nebenan.de
Stiftung betreut den Wettbewerb, der vhw ist Netzwerkpartner.
Politik zum Anfassen e. V.
In einer vom vhw beauftragten Kurzstudie „Kommunalpolitiker als Governance-Akteure“ hat sich die
Partizipationsagentur Politik zum Anfassen e. V. mit
der heutigen Rolle der Kommunalpolitik im Handlungsfeld Stadtentwicklung und Wohnen befasst.
In zahlreichen Interviews mit Kommunalpolitikern
verschiedener Parteien aus vier Städten wurde die
Arbeit der oft ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker beleuchtet, ihre Einbindung bei wichtigen stadtentwicklungspolitischen Fragen und insbesondere
Bürgerbeteiligungsverfahren erörtert. Zurzeit wird
die Dokumentation zur Studie erstellt.
Quaestio – Forschung & Beratung
Die unterschiedlichen Entwicklungen und Herausforderungen der lokalen Wohnungsmärkte in Deutschland machen ein auf die jeweiligen Bedingungen
abgestimmtes wohnungspolitisches Handeln und
ein entsprechend flexibel einsetzbares Instrumentarium erforderlich. In den derzeitigen Diskussionen
über eine zielgruppengerechte Wohnraumversorgung sowohl in den prosperierenden Stadtregionen
als auch im ländlichen Raum überwiegen jedoch Forderungen an die bundespolitische Ebene, die kaum
eine Differenzierung auf der Grundlage ökonomischer, demografischer, sozialer oder städtebaulicher
Ausgangsbedingungen vornehmen. Vor diesem

•

Quartiersmanagement Flughafenstraße
Gemeinsam mit dem Projektpartner Quartiersmanagement Flughafenstraße hat der vhw an der
Weiterentwicklung eines lokalen Bildungsnetzwerks
in Berlin-Neukölln gearbeitet. Ziel dabei war es zu
benennen, an welchen Punkten Bildungspotenziale
noch stärker genutzt und mittels konkreter Projekte
weiterentwickelt werden können. Die besondere
Herausforderung bestand darin, sowohl die Verwaltung, die lokale Politik, Bildungseinrichtungen,
zivilgesellschaftliche Akteure, als auch die lokale
Bevölkerung, namentlich Eltern und Schüler, in die
Weiterentwicklung des Netzwerks miteinzubeziehen.

•

Sinus Sociovision
Angesichts der hohen Dynamik der Zuwanderung
in den letzten Jahren, aber auch der Entwicklung
der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte in
Deutschland hat der vhw im Jahr 2016 – zum zweiten Mal nach 2008 – gemeinsam mit Sinus Sociovision eine dreistufige Studie auf den Weg gebracht,
in der die Lebenswelten der migrantischen Bevölkerung untersucht werden. In mehreren Veröffentlichungen hat der vhw e. V. über die erste Phase einer
neuen Migrantenmilieustudie – die qualitative Leitstudie – berichtet. Die vhw-Migrantenmilieustudie
wird im Herbst 2018 vorliegen.

•

UMR Ambiances Architectures Urbanités/
CRESSON
Mit der Erstellung einer Expertise zu „Atmosphären
als Ressource von Partizipation und Quartiersent-

77

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

wicklung“ wurde UMR beauftragt. Das Projekt
ging von der Beobachtung aus, dass trotz ähnlicher
sozioökonomischer, demographischer o. ä. Voraussetzungen in Quartieren unterschiedliche Grade an
„Zivilität“, politischem und zivilgesellschaftlichem
Engagement o. Ä. auftreten können. Doch wie
kommt vor Ort ein „partizipatives Klima“ zustande?

5.8

Vorträge & Veröffentlichungen

I

m Berichtszeitraum beteiligten sich die Mitarbeiter des
vhw-Forschungsbereichs verstärkt an externen Veranstaltungen bspw. mit Vorträgen oder wissenschaftlichen
Inputs und veröffentlichten über die vhw-Eigenpublikationen hinaus Aufsätze in externen Buchpublikationen
und Zeitschriften.
Vortragstätigkeit (extern)

Datum/Ort

Thema

Veranstalter

Inputgeber

24. Juni 2018,
Berlin

Diskussion zu Wegen der direkten Demokratie und
Mitgestaltung von Stadt (Input: Die Intermediäre
Perspektive) beim „Direct Democracy Ride“,
Radtour und Diskussion zu Wegen der direkten
Demokratie und Mitgestaltung von Stadt

TU Berlin, Institut für Stadt- und
Regionalplanung
im Rahmen des MakeCity Festivals
2018

Sebastian Beck

23. Juni 2018,
Berlin

Fishbowl-Diskussion, Moderation bei der
Veranstaltung „Refugees make the City.
Neue Vielfalt – neue Kooperationen
Wie können Ankunft und Integration in einer
kooperativen Stadt gelingen?“ im Rahmen des
MakeCity Festivals 2018

Make City, Querstadtein,
Stadtsichten e. V.,
Sharehouse Refugio

Sebastian Beck

23. Juni 2018,
Ludwigsburg

„Die Beteiligung der Bürger am Prozess der
Digitalen Agenda der Stadt Ludwigsburg“,
Vortrag und Moderation der gleichnamigen
Diskussionsrunde auf der Zukunftskonferenz
Ludwigsburg

Stadt Ludwigsburg

Thomas Kuder

22. Juni 2018,
Billerbeck

„Milieus in der Stadtentwicklung“, Vortrag bei der CDU Essen
Klausurtagung der CDU Essen in Billerbeck. Thema:
Integrative Stadtentwicklung

20. Juni 2018,
Essen

Podiumsteilnahme zu „Vernetzte Nachbarn“
im Rahmen der RAG-Veranstaltung „Glückauf
Nachbarn“

78

Ruhrkohle AG

Christian Höcke

Bernd Hallenberg

Transferformate

Datum/Ort

Thema

Veranstalter

Inputgeber

17. Juni 2018,
Berlin

Exkursions-Moderation zu „Building
Cooperatives – New Perspectives on Sustainable
Urban Development / A Tour of Berlin's
Baugemeinschaften“

vhw in Kooperation mit dem Institut Sebastian Beck
für Partizipatives Gestalten (IPG)
Oldenburg im Rahmen des
MakeCity Festivals 2018

13. Juni 2018,
Berlin

Vorstellung der „Roadmap Bodenpolitik“ bei der
Veranstaltung „Bodenpolitische Agenda 2020 –
2030“ zur Diskussion gestellt“

gemeinsame Veranstaltung von Difu Jürgen Aring
und vhw

23. Mai 2018,
Oldenburg

Input beim Kolloquium „Wie können Stadtmacher
und Stadtmacherinnen Stadt machen?“

Institut für Partizipatives Gestalten
(IPG)

20. Mai 2018,
Bremen
(4 weitere Termine
2017/2018)

Bürgerhaus Neue Vahr
„Bürgerbefragung und Bürgerbeteiligung in der
Neuen Vahr, Bremen: Auswertung der Ergebnisse“,
öffentliche Berichterstattung

22. März 2018,
Mannheim

„Eine Bodenpolitische Agenda 2020-2030 –
Notwendige bodenpolitische und bodenrechtliche
Reformen für eine nachhaltige und soziale
Stadtentwicklung“, Vortrag auf dem Wohnungsund immobilienwirtschaftlichen Seminar der
Universität Mannheim

Mannheimer Arbeitsgemeinschaft
für Wohnungswesen,
Kreditwirtschaft und Raumplanung

Fabian Rohland

20. März 2018,
Kreuzberg/Rhön

„Regiopolregion – Idee, Potenziale, Umsetzung“,
Input bei der Veranstaltung „Positionierung der
Region Mainfranken als Regiopolregion“

Region Mainfranken GmbH
Würzburg

Jürgen Aring

15. März 2018,
Berlin

Input beim Panel „Partnerschaften für eine
nachhaltige Quartiersentwicklung bei der UPJJahrestagung 2018 – CSR, Leadership und
Kooperation

UPj e. V.

Christian Höcke

19. Februar 2018,
Berlin

Wissenschaftliche Diskussionsbeiträge in
Expertenworkshops der Facharbeitsgruppe
Sozialräumliche Integration

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Olaf Schnur,
Anna Becker

Sebastian Beck
Thomas Kuder

79

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

Datum/Ort

Thema

9. Februar 2018,
Dortmund

Technische Universität Dortmund,
Input zum Workshop: Zukunftsfähiger Umgang
mit der Ressource Boden, „Wo liegen die Grenzen Fakultät Raumplanung
der Verdichtung?, Welche Eigentumsverhältnisse
sind einer adaptiven Planung zuträglich?“ bei der
Veranstaltung „Urbane Megatrends – Impulse für
Forschung und Praxis zum integrierten Umgang mit
Klimawandel und demographischen Wandel“

2. Februar 2018,
Berlin

Podiumsdiskussion zum Film „Niemandsland“ des
Franklin Konversionsprojekts Mannheim, Input im
Ladenkino Berlin

24. Januar 2018,
Bonn

Experteninput zum Workshop „Integration von
Empirica, BMUB und BBSR
Zuwanderern – Reflektion der Zwischenergebnisse“

Bernd Hallenberg

23. Januar 2018,
in Köln

„Die Migrantenmilieus 2017/18 Grundorientierung, LVR Landesjugendamt Rheinland
Identität, Familie“, Vortrag auf der Jahrestagung
des LVR Landesjugendamtes Rheinland

Bernd Hallenberg

19. Januar 2018,
Rehburg-Loccum

Input auf der 11. Loccumer ProcedereWerkstatttagung „Beteiligung verwurzeln in
Organisation und Demokratie“

Evangelische Akademie Loccum in
Kooperation mit PROCEDERE

Sebastian Beck

11./12. Januar 2018,
Berlin

„Breite Beteiligung“, Input und Moderation einer
öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema „Breite
Beteiligung“ und Leitung des gleichnamigen
Arbeitskreises auf der Abschlusskonferenz der
„Allianz Vielfältige Demokratie“

Bertelsmann Stiftung

Thomas Kuder

11./12. Januar 2018,
Berlin

„Mitreden, mitgestalten, mitentscheiden – Impulse Bertelsmann Stiftung
zur Erneuerung demokratischer Beteiligung“,
Leitung des Thementisches auf der Tagung „Allianz
Vielfältige Demokratie“

17. November 2017,
Berlin

Wissenschaftliche Diskussionsbeiträge in den
Expertenworkshops der Facharbeitsgruppe
Sozialräumliche Integration

80

Veranstalter

Niemandsland mit: Die Macher,
Gallion Filmproduktion, Franklin

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Inputgeber
Jürgen Aring

Thomas Kuder

Bernd Hallenberg

Olaf Schnur,
Anna Becker

Transferformate

Datum/Ort

Thema

Veranstalter

16. November 2017,
Offenbach

„Milieuanalyse zur Stadt Offenbach und Strategien Stadt Offenbach
der Bürgerbeteiligung“, Präsentation und
Diskussion in der Volkshochschule Offenbach

25. Oktober 2017,
Berlin

Moderation zur Veranstaltung bei der
Veranstaltung „Flüchtlingen ein Gesicht geben“ –
Integrationspreisträger aus Lippstadt on Tour

vhw in Kooperation mit
Interkulturanstalten Westend e. V.

Verein für soziokulturelle Arbeit
19./20. Oktober 2017, Vernetzte Nachbarn – Wie kommunizieren
(VskA)
München
Nachbarschaften in digitalen Zeiten?, Vortrag auf
der Jahrestagung Stadtteilarbeit „Netze nutzen! Im
sozialen und im digitalen Raum“

Inputgeber
Bernd Hallenberg,
Thomas Kuder
Sebastian Beck

Anna Becker

29. September 2017,
Berlin

„Intermediäre als Co-Produzenten von Quartier und Arbeitskreise Quartiersforschung
Nachbarschaft“, Vortrag auf der Jahrestagung des der Deutschen Gesellschaft für
Geographie
Arbeitskreises Quartiersforschung der Deutschen
Gesellschaft für Geographie

Sebastian Beck

28./29. September
2017, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Geografie
Einführung und Moderation auf der Konferenz
„Quartiersentwicklung zwischen Fremdbestimmung (DGfG), AK Quartiersforschung und
vhw, Berlin
und Grassroots – Theorie und Praxis lokaler
Demokratie

Olaf Schnur

22. September 2017,
Berlin

Wissenschaftliche Diskussionsbeiträge in den
Expertenworkshops der Facharbeitsgruppe
Sozialräumliche Integration

Olaf Schnur,
Anna Becker

21.September 2017,
Berlin

Senatsverwaltung für
„Stadtgesellschaftliche Milieus und
Bürgerbeteiligung“, Vortrag zum Programm „Berlin Stadtentwicklung und Wohnen,
Berlin
entwickelt neue Nachbarschaften“

20. September 2017,
Magdeburg

„Bürgerbeteiligung in den Städten der
Bundesrepublik Deutschland“, Vortrag auf der
Deutsch-Chinesischen Bürgermeister-Konferenz

Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit GIZ

5. Juli 2017,
Hamburg

„Ergebnisse der Beteiligung zum Projekt
Spreehafenviertel“, Vortrag auf dem Workshop
„Was brauchen wir in unserer Nachbarschaft?“

vhw, IBA Hamburg GmbH, Bezirksamt Sebastian Beck
Hamburg-Mitte, Perspektiven!
Hamburg Wilhelmsburg

5. Juli 2017,
Berlin

„Soziale Wohnungspolitik – Bauen. Wohnen.
Soziale Arbeit.“ Input zum Fachgespräch

Paritätischer Gesamtverband

Senatsverwaltung für Stadt­
entwicklung und Wohnen Berlin

Thomas Kuder

Thomas Kuder

Fabian Rohland

81

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

Veröffentlichungen in
„Forum Wohnen und Stadtentwicklung“
Jürgen Aring, Diana Coulmas, Fabian Rohland: Heute,
morgen, übermorgen – Boden- und Wohnungspoli‑
tik im Aufbruch!?, in: Forum Wohnen und Stadtentwicklung 3/2018, S. 114-118.

Jürgen Aring: Lokale Gestaltungsmöglichkeiten zur
Sicherung der Daseinsvorsorge, (2017), in: Joachim
Lange (Hg.): Erfolgsfaktoren der Regionalentwicklung
jenseits der großen Städte. Reihe Loccumer Protokolle
Bd. 33/16, Rehburg-Loccum 2017, S. 133-141.

Jürgen Aring et al.: Roadmap Bodenpolitik – Eckpunk‑
teeiner bodenpolitischen Agenda 2020 – 2030, in:
Forum Wohnen und Stadtentwicklung 5/2017, S. 269271.

Jürgen Aring: Establishing functional interrelations and
political governance – On the way to a cross-border
metropolitan region of Szczecin, (2017), in: Europa
Regional 3/2015 (erschienen 2017), Leipzig, S. 11-16.

Anna Becker, Olaf Schnur et al.: Digital vernetzt und
lokal verbunden? Nachbarschaftsplattformen als
Potenzial… – ein Werkstattbericht, in: Forum Wohnen
und Stadtentwicklung 4/2017, S. 211-216.

Anna Becker: Zwischen Mobilität und Sesshaftigkeit.
Sozial­
räumliche Verortung hochqualifizierter Mig‑
ranten in Hamburg, (2018): Springer VS. Wiesbaden.

Henning Dettleff: Kulturelle Vielfalt in der Kommu‑
nalverwaltung – Herausforderung für die Quali‑
fizierung der Beschäftigten, in: Forum Wohnen und
Stadtentwicklung 5/2017, S. 254-258.
Anna Florl, Robert Kretschmann: Therapierst Du noch
oder heilst Du schon? Gesundheit in der Stadtge‑
sellschaft aus Milieuperspektive, in: Forum Wohnen
und Stadtentwicklung 1/2018, S. 34-38.
Thomas Kuder: Inklusive Bürgerbeteiligung bei der
digitalen Transformation der Stadt – ein Beitrag zur
Zukunftskonferenz Ludwigsburg, in: Forum Wohnen
und Stadtentwicklung 6/2017, S. 315-318.
Olaf Schnur, Thomas Franke: Geflüchtete in der sozia‑
len Stadt – Weiterentwicklung des Quartiersansat‑
zes, in: Forum Wohnen und Stadtentwicklung 4/2017,
S. 189-192.
Olaf Schnur et al.: Professionelles Handeln in Nach‑
barschaften – eine studiengeleitete Skizze, in: Forum
Wohnen und Stadtentwicklung 4/2017, S. 204-210.

82

Externe Veröffentlichungen

Anna Becker untersucht anhand der
Lebensführung hochqualifizierter Mi­
grantinnen und Migranten idealtypisch
die Herausforderungen, mit denen
Menschen in Zeiten von Globalisierung,
flexibilisierten Arbeitsmärkten und
gestiegenen Mobilitätsanforderungen
konfrontiert sind. Über die Analyse der
Verortungspraktiken von beruflich
Mobilen zwischen Entankerung und
Wiedereinbettung wird aufgezeigt, wie
sich soziale Beziehungen unter den
Bedingungen von Mobilität, Temporalität und kultureller
Vielfalt gestalten und welche Funktionen sozialräumliche
Strukturen für lokale und transnationale Einbettung
sowie für das Zusammenleben und gesellschaftliche Teilhabe erhalten.
Anna Becker und Olaf Schnur: Quartiersforschung und
Quartierspolitik: Perspektiven in Deutschland und
Europa, (2018), in: Geographische Rundschau Heft 6, S.
40-45.

Transferformate

Anna Becker: Vernetzte Nachbarn. Neue Plattformen
für das Quartier, (2017), in: Stadtpilot. Das Magazin zu
den Pilotprojekten der Nationalen Stadtentwicklungspolitik. Ausgabe 13. Dezember 2017, Berlin.

Wohnungspolitik angesichts angespannter städtischer
Wohnungsmärkte. Mannheimer Schriften zu Wohnungswesen, Kreditwirtschaft und Raumplanung, Band 17,
Mannheim, S. 31-54.

Anna Becker: Vernetzte Nachbarn. Digitale Platt‑
formen als Potenzial für soziales Engagement und
lokale Demokratie, (2017), in: eNewsletter Wegweiser
Bürgergesellschaft 11/2017 vom 22. November 2017.

Thomas Franke und Olaf Schnur: Geflüchtete in der
Sozialen Stadt, (2018), in: Holger Floeting, Gudrun
Kirchhoff, Henrik Scheller und Jessica Schneider (Hrsg.):
Zuwanderung und Integration von Geflüchteten in Kommunen. Der lange Weg vom Ankommen zum Bleiben.
Difu-Impulse 1/2018, Berlin: S. 153-162.

Anna Becker et al.: Nachbarschaftsplattformen als
Potenzial für Zusammenhalt und Engagement,
(2017), in: Rundbrief Stadtteilarbeit. Nachbarschaft 4.0.
u. a. Doku Jahrestagung Stadtteilarbeit. Rundbrief 1–2017.
53. Jahrgang. ISSN 2510-5132. November 2017.
Bernd Hallenberg: Wohnen im Alter und die Verände‑
rung von Lebensstilen und Lebenswelten, (2017), in:
Heidi Sinning (Hrsg.): Altersgerecht Wohnen und Leben
im Quartier. Fraunhofer IRB Verlag 2017, S. 29-50.
Thomas Kuder (mit Thomas Helfen): Soziale und smarte
Quartiersentwicklung, (2018), in PlanerIn: Digitale
Transformation, Heft 2_18, April 2018.
Thomas Kuder: Bürgerorientierte Quartiersent‑
wicklung in der „Sozialen Stadt“, Berlin-Neukölln,
(2017), in: Allianz Vielfältige Demokratie: Wegweiser
Breite Beteiligung. Argumente, Methoden, Praxisbeispiele. Gütersloh.
Fabian Rohland: Neun Kernforderungen des Exper‑
tenkreises „Zukunftsfragen der Bodenpolitik“ für
eine nachhaltige und soziale Stadtentwicklung,
(2018), in: Paul Gans und Peter Westerheide (Hg.): Gentrifizierung. Mannheimer Schriften zu Wohnungswesen,
Kreditwirtschaft und Raumplanung, Band 20, Mannheim, S. 33-49.
Fabian Rohland: Bezahlbarer Wohnraum – Die Her‑
ausforderung für Politik und Wohnungswirtschaft,
(2017), in: Paul Gans und Peter Westerheide (Hg.):

Olaf Schnur: ‘Quartiersentwicklung für alle?‘ Von
Integrationsdiskursen
und
Quartierspolitiken,
(2018), in: Frank Gesemann und Roland Roth (Hrsg.):
Handbuch Lokale Integrationspolitik, Springer VS, Wiesbaden: S. 373-392.
Die ökonomische Globalisierung, neue
Migrationsformen und -ströme, der
soziodemographische Wandel und
zunehmende Fragmentierungstendenzen setzen die städtischen Gesell­
schaften und die kommunale Steue­
rung unter Handlungsdruck. Die
Quartiersebene nimmt bei den Debatten um gelingende Integration von
Migrantinnen und Migranten inzwischen eine herausragende Stellung ein:
Einerseits werden manchen stark segregierten Stadtvierteln parallelgesellschaftliche Strukturen
zugeschrieben und deren Bewohnergruppen Abschottungstendenzen unterstellt, andererseits ist es zur gängigen Programmformel geworden, dass „Inte­gration vor
Ort“ beginne, also im sozialen Nahraum, in der Nachbarschaft, im Quartier. Der Beitrag skizziert die wesentlichen
Diskurse und zeigt Widersprüche auf, die zwischen konzeptionellen und politischen Konzepten, Stadtentwicklungsprogrammen und der Alltagspraxis auftreten. Er
endet mit Thesen für eine Weiterentwicklung quartiersbezogener Integrationspolitik.

83

Tr ans f er- u n d Ö ff e n t l i c h k e itsa rb e it zu Fo rsch u n g & P o litik

Interviews
„Via Internet die Anonymität verringern. Die Sozi‑
alwissenschaftlerin Anna Becker im Gespräch“,
Interview in: Berliner Morgenpost, Sonntagsausgabe,
27. Mai 2018, S. 15
Anna Becker: „Sich online vorstellen, statt an der
Tür zu klingeln“, im Interview, in: DW – Die Deutsche
Wohnungswirtschaft Nr. 3/2018. Hamburg. S. 64-67

Abb. 62: Berliner Morgenpost online Screenshot via Google

84

vhw

Fortbildung

85

F or t bi l d u n g

6.

Der vhw hält für seine Zielgruppen ein bundesweit flächendeckendes Fortbildungsangebot vor: In allen 16
Bundesländern werden Interessenten fündig. Am Puls
der einzelnen Regionen bleibt der vhw auch dank seiner
acht regionalen Geschäftsstellen. Gebündelt werden
gerade themenspezifische Kompetenzen in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Auf allen Ebenen unterhält der vhw enge Kontakte zu Entscheidungsträgern
in Politik und Verwaltung sowie zu Fachexperten und
Wissenschaftlern. Auf diese Weise gewährleistet er,
dass bundesweit relevante Themen genauso Eingang
in die Programmentwicklung finden wie regionale und
landesspezifische Besonderheiten.

Fortbildung: Auftrag und
Überblick

Z

um satzungsgemäßen Auftrag des vhw gehört
maßgeblich die Konzeption und Durchführung von

Fachtagungen und Fortbildungsveranstaltungen. Die
Teilnehmer erhalten durch den Kontakt zu fachlich erstklassigen Dozenten sowie den Austausch untereinander
Zugang zu aktuellem Wissen genauso wie zu erprobten
Techniken und Erfolgsmodellen und dadurch Unterstüt-

zung in ihrem beruflichen Handeln.

Veranstaltungsstatistik 2010-2018
2010
Geschäftsstellen

Teilnehmer

2011
Seminare

Teilnehmer

2012
Seminare

Teilnehmer

2013
Seminare

Teilnehmer

2014
Seminare

Teilnehmer

Seminare

Baden-Württemberg

4.103

122

5.055

151

4.961

154

5.403

163

5.707

189

Bayern

2.961

99

3.813

121

4.464

154

4.705

176

5.295

186

Hessen

3.017

102

3.550

116

3.340

126

3.113

126

3.291

134

Niedersachsen/Bremen

5.052

160

4.979

153

5.340

174

5.262

172

6.402

214

Nordrhein-Westfalen

8.609

198

9.180

222

9.410

238

9.646

251

9.702

291

Rheinland-Pfalz

1.539

55

1.353

51

1.531

54

1.708

56

2.109

85

753

18

663

18

623

19

608

19

671

18

1.228

44

1.620

60

1.623

66

1.851

68

2.200

84

27.262

798

30.213

892

31.292

985

32.296

1.031

35.377

1.201

3.726

105

4.209

160

4.658

167

4.933

179

5.427

212

827

35

678

28

830

36

655

30

702

31

Sachsen

2.787

110

3.059

119

3.108

134

3.614

151

3.584

159

Sachsen-Anhalt

1.288

47

998

43

947

41

963

45

667

34

Thüringen

1.375

55

1.084

33

1.053

42

750

30

793

42

471

14

0

0

0

0

0

0

0

0

Summe neue
Bundesländer

10.474

366

10.028

383

10.596

420

10.915

435

11.173

478

Gesamtzahlen

37.736

1.164

40.241

1.275

41.888

1.405

43.211

1.466

46.550

1.679

Saarland
Schleswig-Holstein/
Hamburg
Summe alte
Bundesländer
Berlin/Brandenburg
MecklenburgVorpommern

Region Ost

Abb. 63: Übersicht der Angebots- und Teilnehmerentwicklung ab 2010

86

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Themen, zu Fragen der Kinderbetreuung und der Schulverwaltung sowie zur Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung.

Inhaltlich deckt der vhw mit seinem Fortbildungsangebot einen Großteil der Themen ab, die für unsere Hauptzielgruppen relevant sind. Hierzu gehören in erster Linie
die öffentliche Verwaltung auf Ebene der Kommunen,
Landkreise, der Mittelbehörden und Länder. Hinzukommen die Siedlungs- und Wohnungsunternehmen, die
Versorgungswirtschaft, andere kommunale Betriebe,
die einschlägigen Verbände, die Kreditinstitute sowie
Architekten, Ingenieure und Sachverständige. Der vhw
erweitert sein Themenspektrum kontinuierlich, um dem
Bedarf seiner Hauptzielgruppen zu entsprechen. Im vergangenen Jahr hinzugekommen bzw. erweitert wurde
das Fortbildungsangebot zu immobilienwirtschaftlichen

2015
Teilnehmer

Die Bewertungen der Teilnehmer sprechen deutlich für
die hohe Qualität der vhw-Fortbildungsveranstaltungen.
Im ersten Halbjahr 2018 erzielte der vhw für seine Seminarqualität eine Durchschnittsnote von 1,8. Für die reibungslose Organisation vor und während der Seminare
gab es sogar eine Spitzenbewertung von 1,2. Zudem
gaben 99,5 Prozent der Teilnehmer an, den vhw als
Fortbildungsanbieter weiterzuempfehlen.

2016
Seminare

Teilnehmer

2017
Seminare

Teilnehmer

2018 1. Halbjahr
Seminare

Teilnehmer

Gesamt 2010 bis 30.06.2018

Seminare

Teilnehmer

Seminare

6.253

219

6.582

213

6.852

231

4.131

134

49.047

1.576

5.661

228

6.684

232

7.146

243

4.253

149

44.982

1.588

3.400

158

3.842

165

3.458

141

2.247

83

29.258

1.151

6.104

228

6.479

211

6.924

217

3.441

112

49.983

1.641

9.870

323

10.260

305

10.689

296

6.064

172

83.430

2.296

1.693

80

1.958

78

1.997

77

1.469

65

15.357

601

828

21

654

17

698

17

395

10

5.893

157

2.725

103

2.556

92

2.997

102

1.815

64

18.615

683

36.534

1.360

39.015

1.313

40.761

1.324

23.815

789

296.565

9.693

5.333

213

6.003

229

5.803

221

2.881

116

42.973

1.602

811

42

650

31

833

29

332

10

6.318

272

3.716

194

4.009

186

4.255

174

2.026

93

30.158

1.320

917

45

871

37

832

32

374

14

7.857

338

594

31

619

30

616

18

286

8

7.170

289

0

0

0

0

0

0

11.371

525

12.152

513

12.339

474

5.899

47.905

1.885

51.167

1.826

53.100

1.798

29.714

471

14

241

94.947

3.835

1.030

391.512

13.528
Tabelle: vhw e. V.

87

F or t bi l d u n g

6.1

Die Entwicklung der
Fortbildungstätigkeit

6.2

Das Kerngeschäft im Überblick

I

m Jahr 2017 besuchten mit 53.100 Teilnehmern erstmals mehr als 53.000 Personen die bundesweit insgesamt 1.798 Veranstaltungen des vhw. Damit nahmen im
Vergleich zum Vorjahr 1.933 Personen mehr an Seminaren teil, deren Zahl gegenüber 2016 um 28 Veranstaltungen sank.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
in Baden-Württemberg

Betrachtet man die Entwicklung der Fortbildungstätigkeit im Detail, so ergibt sich folgendes Bild:

D

Beginnend mit dem Jahr 2003 ist die Fortbildungstätigkeit in den neuen Bundesländern als Gesamtregion
Ost neu strukturiert worden. Betrachtet man die Entwicklung der Fortbildungstätigkeit getrennt nach neuen
und alten Bundesländern, so konnten in der Region Ost
in 2016 mit 513 Veranstaltungen 12.152 Teilnehmer
angesprochen werden. Der positive Trend konnte 2017
bei einer geringeren Anzahl von 474 Veranstaltungen
und einer um 187 leicht steigenden Anzahl von Teilnehmer auf 12.339 fortgeschrieben werden. In den alten
Bundesländern ist gegenüber dem Vorjahr die Zahl der
Veranstaltungen um 11 von 1.313 in 2016 auf 1.324
in 2017 leicht gestiegen; die Teilnehmerzahl wuchs um
1.746 von 39.015 in 2016 auf 40.761 in 2017.
Die Anzahl der Teilnehmer im 1. Halbjahr 2017 war
mit 29.355 um 5.570 Teilnehmer höher als im 2. Halbjahr 2017 mit 23.765 Teilnehmern. Also nahmen rund
55 Prozent aller Teilnehmer 2017 an Veranstaltungen im
1. Halbjahr teil, womit der Anteil des 1. Halbjahres in
gleicher Höhe wie in 2016 ausfällt.
Für die Gesamtzahlen des Jahres 2018 ist die Tendenz
weiterhin positiv. Die Anzahl der Teilnehmer im 1. Halbjahr 2018 ist mit 29.714 um 379 höher als im 1. Halbjahr 2017, während die Anzahl der Veranstaltungen um
39 auf 1.030 leicht gestiegen ist.
88

ie Geschäftsstelle Baden-Württemberg hat im
Berichtszeitraum 238 Fortbildungsveranstaltungen
durchgeführt und konnte hierbei erstmals über 7.200 Teil­
nehmer begrüßen. Im Vergleich zum Berichtszeitraum
2016/2017 bedeutet dies einen Anstieg von 19 Veranstaltungen mit über 400 Teilnehmern.
Zur Bewältigung des damit verbundenen Arbeitsaufwandes
wurde in der GST Baden-Württemberg eine vierte Bürokraft
in Teilzeit eingestellt, die sich seit Juni 2018 in der Einarbeitung befindet.
Von den 238 durchgeführten Veranstaltungen lagen 72 thematisch in der Verantwortung der GST Baden-Württemberg.
Auf jene soll hier näher eingegangen werden.
Das Fortbildungsanbot verteilt sich thematisch wie folgt:
22 Veranstaltungen zum Städtebaurecht, 17 zur Landesbauordnung, 11 zum besonderen Verwaltungsverfahren,
11 zum allgemeinen Verwaltungsverfahren, sechs zum
Immobilienrecht und fünf Veranstaltungen zum Abgabenrecht.
Inhaltlich setzten ab dem 1. Januar 2018 die beiden neuen
Fortbildungsreferentinnen Astrid Khokale und Natascha
Blank neue Akzente. Sie befassen sich intensiv mit den
Themen Ausländerrecht, Flüchtlingsintegration, Schul- und
Kitawesen sowie mit der Digitalisierung und Fragen zum
Datenschutz. Die ersten Seminare zu diesen Themen sind
bereits erfolgreich durchgeführt worden.
Weitere Veranstaltungen sollen hier hervorgehoben werden:

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Abb. 64: Städtebauliche Exkursion in Ulm

Foto: © vhw e. V.

Abb. 65: Wie immer gut besucht: Die vhw Baurechtstage
Baden-WürttembergFoto: © vhw e. V.

Abb. 66: Am Stadtmodell von Ulm mit Baubürgermeister Tim von WinningFoto: © vhw e. V.

Die „7. Baurechtstage Baden-Württemberg“ fanden am 20.
und 21. September 2017 erstmals in Ulm statt (Abb. 64 bis
66). Die über 90 Teilnehmer wurden aus erster Hand über
die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
und des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg zum
öffentlichen Baurecht informiert. Hiernach wurden in mehreren Vorträgen erste Erfahrungen mit der BauGB-Novelle
2017 diskutiert. Städtebaulicher Themenschwerpunkt war
die Schaffung und Erhaltung von preiswertem Wohnraum.
Sehr spannend war hier die intensive Beschäftigung mit den
Vorschriften der Landesbauordnung. Gerade bei den großen
Preistreibern – den Anforderungen an den Brandschutz und
die Barrierefreiheit – konnten die Referenten anhand konkreter Beispiele aufzeigen, wie man mit Sachkenntnis und
Kreativität kostensparende und trotzdem rechtskonforme
Lösungen finden kann. Die städtebauliche Exkursion durch
Ulm stand unter dem Motto „Altertum trifft Moderne“. Der
Andrang war so groß, dass gleich drei Fußgruppen gebildet
werden mussten.
Wie sehr das Thema Wohnraumverknappung die Kommunen im Ländle drückt, hat auch die große Nachfrage
nach einem neuen Seminar zur Anwendung der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) gezeigt. Die
SEM gilt als scharfes Schwert des Baurechts, denn nach
den §§ 165 ff des BauGB hat die Gemeinde die Möglichkeit der Enteignung von nicht kooperativen Grundstückseigentümern. Dass es so weit nicht kommen muss, hat der
Baubürgermeister der Stadt Konstanz, Karl LangensteinerSchönborn, anhand der SEM „Nördlicher Hafner“ sehr
anschaulich aufgezeigt.
Nicht nur inhaltlich, sondern auch didaktisch entwickelt
sich die Fortbildung beim vhw weiter. Die Geschäftsstelle
Baden-Württemberg hat ein neues Seminarkonzept
mit drei Lernphasen entwickelt. Am ersten Seminartag
werden die rechtlichen Grundlagen zum Seminarthema
zusammen mit dem Referenten erarbeitet. Im Anschluss
hieran erhalten die Teilnehmer ein Arbeitspapier mit Frage­
stellungen zum Lernstoff und bearbeiten dieses alleine
oder im Team. Die Ergebnisse werden vom Referenten
durchgesehen und an einem zweiten Seminartag mit
89

F or t bi l d u n g

den Teilnehmern intensiv besprochen. Die Förderung
der Eigeninitiative und das intensive Feedback durch den
Referenten am zweiten Seminartag sind der Schlüssel
zum größeren Lernerfolg. Die Veranstaltung war schnell
ausgebucht, und die positiven Rückmeldungen durch die
Teilnehmer sprechen für weitere Angebote.
Zudem war die Geschätsstelle Baden-Württemberg
auch bei der Gewinnung neuer Mitglieder wieder sehr
erfolgreich. Unter den 23 neuen Mitgliedern im Berichtszeitraum finden sich u. a. die Landkreise Böblingen, Heilbronn, Lörrach, Ostalbkreis, Ravensburg und Rastatt,
der Stadtkreis Baden-Baden sowie die Städte Brackenheim, Hockenheim, Leutkirch im Allgäu, Neckarsulm,
Pfullingen und Rheinfelden.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
in Bayern

D

as thematisch breit gefächerte Angebot der in
Bayern platzierten Veranstaltungen konnte im
Berichtszeitraum erfolgreich ausgebaut werden. Es
fanden über 7.500 Teilnehmer in die in Bayern im
Geschäftsstellenkernbereich und den Kompetenzfeldern angebotenen Fortbildungsveranstaltungen. Davon
entfielen auf den Bereich des Kerngeschäfts allein über
2.500 Teilnahmen.

Die Geschäftsstelle Bayern ist ihrem Anspruch, teilnehmerrelevante Themen anzusprechen und dabei zum
einen aktuelle Entwicklungen in der Gesetzgebung und
Rechtsprechung sowie zum anderen auch generelle
Praxis­fragen in ihre Veranstaltungen zu tragen, wiederum gerecht geworden.
Beispielhaft zu nennen seien in diesem Zusammenhang die Veranstaltungen „Bauordnungsrecht aktuell“,
90

in denen in jährlichem Rhythmus die gegebenen und
zu erwartenden Neuerungen des bayerischen Bauordnungsrechts vorgestellt werden, Überblicksveranstaltungen im Zusammenhang mit der BauGB-Novelle 2017,
Veranstaltungen ganz konkret zu den praktischen und
rechtlichen Auswirkungen des „Urbanen Gebiets“ als
neuen Baugebietstyp, sowie – parallel zum Inkrafttreten
der Datenschutzgrundverordnung und des novellierten
Bundesdatenschutzgesetztes – eine Veranstaltung zum
Datenschutz in der kommunalen Praxis.
Thematisch weiterentwickelt und ausgestaltet, bzw.
neu in das Veranstaltungsportfolio der Geschäftsstelle
aufgenommen wurden zudem Seminare in den Bereichen Schulen und Kindertagesstätten, Migrations- und
Ausländerrecht, Digitalisierung in den Kommunen
sowie zum Straßen- und Straßenverkehrsrecht.
Neben zahlreichen neu konzipierten Veranstaltungen
konnten aber auch die Klassiker im Angebotsportfolio
der Geschäftsstelle, wie die Tagung im Themenbereich
Abgabenrecht „Aktuelle Rechtsfragen zu den Einrichtungen der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung“ in Ising und das Rechtsprechungsseminar zum
Städtebaurecht erfolgreich fortgeführt werden.
Die Geschäftsstelle Bayern ist aber nicht nur quantitativthematisch einen Schritt nach vorn gegangen, sondern
auch sprichwörtlich einen Schritt auf ihre Teilnehmer
zu. Neben den Seminarhauptstandorten München und
Nürnberg wurde der Seminarbetrieb auf die Standorte
Regensburg und Würzburg ausgeweitet, um es Interessenten aus Ostbayern und Nordwestbayern leichter zu
machen, in die Veranstaltungen zu finden.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Veranstaltung zur bauplanungsrechtlichen Absicherung
von Ferienwohnungen und Gebieten für den Fremdenverkehr sowie eine Veranstaltung zu den ersten Erfahrungen
mit dem neuen Recht in Schleswig-Holstein, rundeten das
Angebot ab.
Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
der Region Nord

D

ie vhw-Geschäftsstelle Region Nord hat in den
Bundesländern Niedersachsen, Bremen, SchleswigHolstein und Hamburg im Berichtszeitraum 318 Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt und damit über
9.700 Teilnehmer erreicht. 185 Seminare entfielen auf
Niedersachsen, 24 Seminare auf Bremen, 16 Seminare
auf Schleswig-Holstein und 93 Seminare auf Hamburg.

Von den 318 durchgeführten Fortbildungsveranstaltungen fielen 110 in die konzeptionelle Verantwortung der
Geschäftsstelle Region Nord, von denen 65 Seminare in
Niedersachsen, sechs Seminare in Bremen, 12 Seminare in
Schleswig-Holstein und 27 Seminare in Hamburg stattfanden. Thematisch widmeten sich die Veranstaltungen dem
Städtebau-, Bauordnungsrecht und der Raumordnung,
dem Abgaben-, Gebühren- und Beitragsrecht, dem Polizei- und Ordnungsrecht, dem Straßenrecht, dem Allgemeinen Verwaltungshandeln sowie dem Immobilienrecht.
Auf diese soll hier auszugsweise eingegangen werden.
Die Fortbildungstätigkeit im Städtebaurecht war stark von
der Novelle des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2014/52/EU im Städtebaurecht und zur Stärkung
des neuen Zusammenlebens in der Stadt geprägt, das am
13. Mai 2017 in Kraft getreten ist. 180 Teilnehmer nutzen
die Gelegenheit, sich in Hamburg auf drei Überblicksveranstaltungen aus erster Hand von Dr. Jens Wahlhäuser
aus dem Bundesministerium des Innern, für Bau und
Heimat, Berlin, über die wesentlichen Änderungen durch
das Gesetz informieren zu lassen. Zwei Vertiefungsveranstaltungen zur neu geschaffenen Baugebietskategorie
„Urbanes Gebiet“, eine insbesondere für die Tourismusregionen an Nord- und Ostsee und dem Harz relevante

Den jüngsten Änderungen des Landes-Raumordnungsprogramms Niedersachsen, die nach Abschluss umfangreicher Abstimmungs- und Beteiligungsverfahren in einer
Neubekanntgabe der Verordnung über das Landes-Raumordnungsprogramm im Mai 2017 mündete, widmete
die vhw-Geschäftsstelle Region Nord eine gut besuchte
Veranstaltung in Hannover. Die Dozenten, u. a. die Referatsleiterin Raumordnung und Landesplanung im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft,
Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Hannover,
stellten den interessierten Teilnehmern die aktuellen Entwicklungen in der Raumordnung und Landesplanung in
Niedersachsen und ihre Bedeutung für die nachfolgende
Regional- und Bauleitplanung, für Vorhabenplanungen
sowie für die Genehmigungspraxis vor.

Abb. 67: Auftakt-Trailer zum vhw-Baurechtsforum 2018

Screenshot: © vhw e. V

Das vhw-Baurechtsforum am 4. und 5. Juni 2018 in Hamburg war dem Schwerpunkt Einzelhandel gewidmet. Zehn
hochkarätige Dozenten informierten über die aktuellen
und künftigen Herausforderungen im Einzelhandel und
boten den Teilnehmern Gelegenheit, ihr Wissen über die
verschiedenen Möglichkeiten zur Steuerung des Einzel91

F or t bi l d u n g

handels auf den unterschiedlichen Planungsebenen zu
vertiefen. Bei einer städtebaulichen Exkursion in der Hamburger Innenstadt hatten die Teilnehmer die Möglichkeit,
hautnah zu erleben, wie öffentliche und private Akteure
die Innenstadt verändern.

chen Grundlagen der Prostitutionsausübung im Rahmen
des allgemeinen Gewerberechts und die Besonderheiten
und Regelfälle ordnungsbehördlicher Befugnisse unterrichten und Hilfestellungen für künftige Entscheidungen
geben.

Auf breites Interesse stießen wiederum unsere Veranstaltungen zur aktuellen Rechtsprechung der Oberverwaltungsgerichte in Lüneburg und Schleswig zum öffentlichen Baurecht unter Mitwirkung von VROVG Sören Claus
und ROVG Reinhard Wilke. Gleiches gilt für das Seminar
zur aktuellen Rechtsprechung zum Bauordnungsrecht in
Niedersachsen, für das wir erneut Vertreter der Baukammern der Verwaltungsgerichte Hannover und Oldenburg
gewinnen konnten.

Zu einem immer wieder ausgebuchten Dauerbrenner im
Allgemeinen Verwaltungsrecht entwickelt sich das Seminar „Grundlagen der Kommunalverwaltung für Fachbeschäftigte“. In zwei unabhängig voneinander buchbaren
Modulen „Aufbau, Aufgaben und innere Organisation
einer Kommune“ und „Kommunales Verwaltungshandeln“ wird darin Mitarbeitern, die über keine spezifische
Verwaltungsausbildung verfügen – auch im Interesse
ihrer Kommunen – ein Angebot eröffnet, verwaltungsspezifische Grundkenntnisse zu erwerben oder diesbezüglich bereits erworbene Kenntnisse systematisch zu
erweitern und zu vervollständigen.

Ein Schwerpunkt im Bauordnungsrecht stellt nach wie vor
der Brandschutz mit einer breit gefächerten Angebotspalette dar. Neu ins Programm aufgenommen wurde 2018
ein gleich ausgebuchtes Seminar zum Brandschutz im
Denkmalschutz. Bewährt hat sich auch der Workshop mit
einer Teilnehmerbegrenzung zu den Abweichungen von
den Brandschutzvorschriften.
Im Abgaben-, Gebühren- und Beitragsrecht sind besonders die „Bad Zwischenahner Beitragstage“ hervorzuheben, die am 4. und 5. September 2017 zum 20. Mal
stattfanden. Dieses besondere Jubiläum zeigt, dass sich die
Beitragstage längst zu einer festen Größe und bewährten
Einrichtung im Fortbildungsangebot der vhw-Geschäftsstelle Region Nord entwickelt haben. Auch die beiden
kleinen Schwestern, die Hannoverschen Beitragstage und
die Abgabentage in Neumünster, stießen erneut auf regen
Zuspruch der Teilnehmer. Mit dem Seminar „Grundlagen
der Kalkulation und Erhebung von Benutzungsgebühren“
wurde zudem das Angebot speziell für Schleswig-Holstein
erweitert.
Im Polizei- und Ordnungsrecht sind besonders zwei
Seminare zum am 1. Juli 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetz zu erwähnen. In Hannover und
Hamburg ließen sich zahlreiche Vertreter von Ordnungsämtern und Gewerbebehörden über die neuen rechtli92

Punktgenau zum Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung am 25. Mai 2018 stieß zudem das
Seminar „Datenschutz in der kommunalen Praxis – Neues
Recht ab Mai 2018“ auf regen Zuspruch.
Im Immobilienrecht wurden von der vhw-Geschäftsstelle
Region Nord schließlich Seminare zur Wohnraumförderung in Niedersachen und Schleswig-Holstein, zum Wohnungseigentumsrecht sowie zu verschiedenen bautechnischen Themen angeboten.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
in Nordrhein-Westfalen

I

m Zeitraum Juli 2017 bis Juni 2018 wurden mehr als
300 Seminare in Nordrhein-Westfalen durchgeführt,
die von fast 11.000 Teilnehmern besucht wurden. Davon
wurden rund 100 Veranstaltungen von der Geschäfts-

Fortbildung: Auftrag und Überblick

stelle selbst konzipiert – die weiteren entfielen auf die
Aktivitäten der Module (Kompetenzteams).
Das Seminarangebot der Geschäftsstelle setzte sich im
Berichtszeitraum aus bewährten Klassikern und zahlreichen, gänzlich neuen Themen zusammen, die erstmals
angeboten wurden.
Als wichtige traditionelle Veranstaltungen sind die „Bad
Honnefer Beitragstage“ und die „Kommunalen Gebührentage“ hervorzuheben. Zu erwähnen ist auch das
halbjährlich stattfindende Seminar „Was gibt es Neues?
Aktuelle Rechtsprechung zum Bauplanungs- und Bauordnungsrecht“, dessen Inhalte trotz gleichbleibenden Titels
bei jedem Termin aktuell und völlig neu zusammengestellt
werden.
Der Berichtszeitraum war unter anderem geprägt von
Gesetzes-Novellen: Die Novelle des Baugesetzbuchs
(BauGB) und der Baunutzungsverordnung (BauNVO)
setzen die EU-Richtlinie 214/52/EU über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und zur Stärkung des neuen
Zusammenlebens in der Stadt um. Im Herbst 2017
fanden vier stark nachgefragte Seminare zur BauGBNovelle 2017 im Allgemeinen und anschließend einige
vertiefende Seminare – zu den neu
eingeführten „Urbanen Gebieten“
und anderen Spezialfragen – statt.
Nicht nur als Konsequenz des Einwandererzustroms, sondern auch
als Auswirkung neuer Schulmodelle
(Inklusion) entwickeln die Kommunen erhebliche Neubau- und Umbautätigkeiten bei Schulen. Im Herbst
2017 und Frühjahr 2018 fanden zum
Thema „Brandschutz in Schulen“
vier gut besuchte Veranstaltungen
statt, diese Serie wird fortgesetzt.
Dem Thema Schule widmet der vhw
nun unter verschiedensten Aspekten
viel Aufmerksamkeit.

Es wurden mit großem Erfolg eine Reihe von Themen
erstmalig in NRW angeboten: Gestaltung von Friedhofssatzungen, Brandschutz in denkmalgeschützten Gebäuden, Raumordnung in der Bauleitplanung, Schaffung und
Erhaltung preisgünstigen Wohnraums und Rechtsichere
Zulassung verkaufsoffener Sonntage. Brandaktuell und
wichtig war auch ein Seminar zur Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft trat und wozu die
Kommunen erheblichen Informationsbedarf hatten.
Die Seminare zur Wiedereinführung des Widerspruchsverfahrens in Beitragsangelegenheiten wurden fortgesetzt: das Widerspruchsverfahrens war als Folge des Bürokratieabbaugesetzes 2007 so lange ausgesetzt gewesen,
dass nun erheblicher Schulungsbedarf bestand.
Nach vielen Jahren der Pause kann der vhw im NRW seit
2017 endlich wieder Seminare zur Kostenmiete im sozial
geförderten Wohnungsbau anbieten. Der Zustrom war
und ist groß.
Einige Seminare gibt es zwar bereits seit mehreren Jahren,
aber die große Nachfrage der vergangenen Monate
zeigt, wo in der Praxis „der Schuh drückt“ und deshalb
Fortbildungsbedarf besteht, unter anderem bei Seminaren zum Umgang mit Kampfhunden, zum rechtssicheren Management kommunaler Großveranstaltungen, zu
praktischen Fragen des PsychKG und zu Problemen der
Ordnungsbehörden bei der Kampfmittelbeseitigung.
Die Seminare finden in Bonn, Köln, Bergisch Gladbach,
Düsseldorf, Essen, Dortmund, Bochum, Münster, Hamm
und Bielefeld statt. Manchen Interessenten kommt die
Geschäftsstelle Nordrhein-Westfalen jedoch auch räumlich entgegen, indem sie Seminare als Inhouse-Veranstaltungen in der jeweiligen Stadt durchgeführt. Im Berichtszeitraum waren es 15 Seminare, die zu den genannten
300 Veranstaltungen hinzuzuzählen sind.

93

F or t bi l d u n g

Aus diesem vielfältigen Veranstaltungsangebot wird Folgendes exemplarisch herausgehoben:

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
der Region Ost

Diese Veranstaltungen fanden – wie in den Vorjahren –
teils in den einzelnen Bundesländern, teils länderübergreifend für die gesamte Region Ost an zentral gelegenen
Orten – zumeist Berlin und Leipzig – statt. Die Auswahl
gut erreichbarer Tagungsorte ermöglichte es, ein differenziertes und spezialisiertes Angebot vielfältiger Seminarthemen für die Zielgruppen aus benachbarten Bundesländern
anzubieten.

Im Themenfeld Abgabenrecht wurden Rechts- und
Anwendungsanfragen zur Erhebung verschiedenster Beiträge, Gebühren und kommunaler Steuern behandelt.
Anzuführen sind hier vor allem Erschließungs-, Straßenbau- und Ausbaubeiträge, Beiträge für leitungsgebundene Einrichtungen, Gewässerunterhaltungs-, Markt- und
Sondernutzungs- sowie Kitagebühren, Kur- und Tourismusabgaben, Feuerwehr- und Friedhofsgebühren. In den
einzelnen Veranstaltungen wurden spezielle Fragen zu
satzungsrechtlichen Grundlagen, zur Ermittlung des zu
erhebenden Entgelts sowie zu diversen Rechts- und verwaltungspraktischen Problemen behandelt.

Die Seminare waren den Themenfeldern Allgemeines und
Besonderes Verwaltungsrecht, Abgabenrecht sowie Bauplanungs- und Bauordnungsrecht zuzuordnen. Behandelt
wurden neben etablierten Themenschwerpunkten, bei
denen vor allem aktuelle Anwendungsprobleme bekannt
waren oder die Rechtsprechung neue Akzente für die
Rechtsanwendung setzte, auch neu oder wesentlich weiterentwickelte Seminarkonzepte. Darüber hinaus bildeten
Änderungen von bundes- und landesrechtlichen Vorschriften unterschiedlicher Regelungsbereiche den thematischen Kern von Seminaren.

Veranstaltungen im besonderen Verwaltungsrecht mit
ordnungs- und polizeirechtlichen Fragestellungen spielten auch in diesem Berichtszeitraum eine große Rolle.
Dabei standen oft die Vielfalt der Aufgaben und Befugnisse der allgemeinen Ordnungsbehörden, insbesondere
in Abgrenzung zu denen der Sonderordnungsbehörden,
im Vordergrund. Zu nennen sind hier zum Beispiel Veranstaltungen zu „Standardaufgaben“ der Ordnungsbehörden, zu ordnungsrechtlichen Fragestellungen bei abwesenden, unbekannten und unauffindbaren Eigentümern
sowie zum Betreten von Grundstücken durch berechtigte

I

m Kerngeschäft der Region Ost wurden im Berichtszeitraum 277 Seminare mit mehr als 6.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt.

94

Im Bereich des Allgemeinen Verwaltungsrechts waren Seminare zum Informationszugang, zum Aktieneinsichtsrecht,
zur Einführung der E-Akte und zur Datenschutzgrundverordnung als Überblicksseminare oder in Verbindung mit
speziellen Anforderungen aus einzelnen Rechtsgebieten
besonders gefragt. Darüber hinaus wurden Seminare zur
Anhörung, zum rechtssicheren Erlass, der Änderung oder
Aufhebung von (Widerspruchs-)Bescheiden, zur Verwaltungsvollstreckung, zu verfahrensrechtlichen Problemen
des Planfeststellungsrechts sowie zum Umgang mit öffentlichen Mitteln und zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in der Behörde, aber auch zu Fragen des Erbrechts, die
für die öffentliche Verwaltung von besonderer Bedeutung
sind, angeboten.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Amtspersonen, zur Durchführung von Veranstaltungen im
öffentlichen Raum, zu Rechtsfragen bei Obdachlosigkeit,
zu Problemen der Hundehaltung sowie zum Umgang mit
sogenannten Reichsbürgern.
Des Weiteren bildeten verschiedene Frage- und Problemstellungen im öffentlichen Raum den Gegenstand von
Seminaren. Dies betraf sowohl die Verkehrssicherungspflicht von Behörden und Eigentümern, straßen- und straßenverkehrsrechtliche Themen, die Zustandserfassung,
Sanierungs- und Erhaltungspflichten bestimmter Infrastruktureinrichtungen sowie bestimmte grünordnerische
Maßnahmen wie die Pflege von Straßenbäumen und den
Baumschutz bei Bauarbeiten.
Die zu Fragen des Denkmalrechts angebotenen Seminare behandelten schwerpunktmäßig die Befugnisse der
Denkmalbehörden, die (Zumutbarkeit der) Erhaltung von
Denkmalen, steuerliche Fragen sowie Chancen einer verbesserten Kommunikation zwischen Denkmalbehörden
und Eigentümern. Darüber hinaus fanden Seminare zum
Umgang mit bestimmten Bauschäden, zur Betreiberverantwortung bei Immobilien und zur Erlangung von Grundkenntnissen im Immobilienmanagement statt.
Auch in diesem Berichtszeitraum wurden die Seminare
im Bauplanungsrecht durch eine Reihe von Rechtsänderungen geprägt. Hervorzuheben ist hier die mehrfache
Novellierung des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung im Jahre 2017. Hierzu wurden sowohl Überblicksseminare als auch Veranstaltungen zu speziellen
Fragestellungen durchgeführt (z. B. Urbane Gebiete,
Bebauungspläne nach § 18b BauGB, Ferienwohnungen).
Darüber hinaus wurden im Bereich des Bauplanungsrechts
aktuelle Rechts- und Praxisfragen bereits etablierte Seminar fortgeführt und zum Teil fortentwickelt. Behandelt
wurden vor allem formelle und materielle Probleme der
Bauleitplanung und von sonstigen städtebaulichen Satzungen, die rechtssichere Gestaltung von städtebaulichen
Verträgen und die Zulässigkeit von Vorhaben.
Im Bereich des Bauordnungsrechts wurden Seminare zu
ausgewählten formellen und materiellen Fragestellungen

angeboten. Dies betraf vor allem die Durchführung des
Genehmigungsverfahrens und die Verfahrensarten, die
Teilung von Grundstücken, die Sicherung öffentlich-rechtlicher Verpflichtungen durch Baulasten sowie Fragestellungen zum Abstandsflächenrecht, zum Bestandsschutz
und zum behördlichen Umgang mit baurechtswidrigen
Zuständen. Weiter ausdifferenziert wurde das Seminarangebot zum Brandschutz bei verschiedenen Nutzungs- und
Gebäudearten.
In verschiedenen Ländern wurden bereits traditionelle
Seminare durchgeführt, in denen Entscheidungen des
Bundesverwaltungsgerichts und der Obergerichte zum
Bauplanungs- und Bauordnungsrecht vorgestellt und
erläutert wurden.
In personeller Hinsicht gab es im Berichtszeitraum Veränderungen, Fortbildungsreferentin Maja Ohlwein nahm ihre
Tätigkeit im Themenfeld Besonderes Verwaltungsrecht
wieder auf.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
der Region Südwest

D

ie Region Südwest wird von der Geschäftsstelle
Hessen und der Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz
betreut, deren gemeinsamer Sitz sich in Ingelheim am
Rhein befindet.

Im Berichtszeitraum wurde der überwiegende Teil der Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet und den umliegenden Regionen durchgeführt. Die Tagungsstätten waren für
alle Teilnehmer aus beiden Bundesländern zentral gelegen
und mit verschiedenen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Der
sonstige Teil der Veranstaltungen wurde in den entfernteren Regionen durchgeführt, um die Kundenbindung auch
dort zu gewährleisten.
95

F or t bi l d u n g

Einerseits wurden einheitliche Veranstaltungen über die
gemeinsame Landesgrenze hinweg durchgeführt, deren
Themen sich in beiden Bundesländern gleichermaßen
eignen. Andererseits wurden landesspezifische Veranstaltungen in dem jeweiligen Bundesland durchgeführt, deren
Themen sich in den beiden Bundesländern jeweils unterscheiden.
Im Kernbereich wurden Veranstaltungen zu allen Themen
durchgeführt, die nicht den Modulbereichen zugeordnet
waren.

Ü

In Hessen betrug die Anzahl der durchgeführten Veranstaltungen zum Allgemeinen Verwaltungshandeln 5,
Abgabenrecht 2, Bauordnungsrecht 15, Bauplanungsrecht 10, Ordnungsrecht 8 und Straßenrecht 7 sowie zur
Kinderbetreuung 2 und Migration 1. Unter anderem lagen
Schwerpunkte auf dem neuen Prostitutionsschutz, der
Sicherheit öffentlicher Veranstaltungen, der Rechtsprechung zum Bauplanungs- und Bauordnungsrecht sowie
der Novellierung der Hessischen Bauordnung.

Die Geschäftsstelle Saarland bietet traditionell fachliche
Fortbildung für die Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, der Wohnungswirtschaft sowie für Architekten,
Ingenieure und Rechtsanwälte an.

In Rheinland-Pfalz betrug die Anzahl der durchgeführten
Veranstaltungen zum Allgemeinen Verwaltungshandeln 5,
Abgabenrecht 3, Bauordnungsrecht 11, Bauplanungsrecht
14, Ordnungsrecht 5 und Straßenrecht 6 sowie zur Kaufm.
Wohnungswirtschaft 1 und Migration 2. Unter anderem lagen Schwerpunkte auf den Fragen zum Erschließungs- und Straßenbaubeitragsrecht, der Verkehrssicherungspflicht für Schwimmbäder, dem Brandschutz und
Bestandsschutz sowie der Novellierung des Baugesetzbuchs.
Im Gesamtergebnis hat sich der Trend aus dem letzten
Berichtzeitraum positiv weiterentwickelt, wobei sich eine
stabile Teilnehmer-, Umsatz-, und Überschussentwicklung
verzeichnen lässt. Das Interesse der Teilnehmer an neuen
oder modifizierten Konzepten war erfreulich hoch und ist
weiterhin vorhanden. Besonders wichtig wird es sein, die
Teilnehmer von neuen Themen nachhaltig zu überzeugen.

96

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
im Saarland
ber die Geschäftsstelle Saarland hat der vhw im
Berichtsjahr seine Fortbildungsaufgaben in der
Region wahrgenommen. Die Veranstaltungen wurden
als Tagesseminare, Tagungen oder Workshops durchgeführt.

Der vhw im Saarland hat sich im Berichtsjahr als kompetenter und erfahrener Bildungsträger mit einem breit
angelegten Themenspektrum rund um die Stadtentwicklung und die Immobilienwirtschaft bewährt.
In Lehre und Forschung ausgewiesene Referenten aus
Anwaltschaft und Justiz, öffentlicher Verwaltung, Wirtschaft und Hochschulen sorgten für die Aktualität und
Qualität der Seminarinhalte.
Im Berichtszeitraum hat die Geschäftsstelle Saarland im
Jahre 2017 17 Seminare mit 691 Teilnehmern und im
1. Halbjahr 2018 10 Seminare mit 395 Teilnehmern durchgeführt.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

6.3

Fortbildung in den Themenfeldern

von 13,69 Personen pro Seminar. Die Teilnehmerzahl
im Modul ist damit um 23,6 Prozent gegenüber dem
Berichtszeitraum des Vorjahres gestiegen.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

D

as Modul Abreits-, Dienst & Beamtenrecht (ADBR)
nimmt innerhalb der Seminarangebote des vhw
eine ganz besondere Stellung ein. Schließlich sind bei
Bund, Ländern, Kommunen sowie bei den gesetzlichen
Sozialversicherungen 1.836.470 Beamte (einschließlich
Richter und Soldaten) sowie 2.808.190 Tarifangestellte
beschäftigt. Der öffentliche Dienst ist damit mit Abstand
der größte Arbeitgeber in der Bundesrepublik Deutschland. Es folgen die Metall- und Elektroindustrie mit
3.994.000 sowie das Bauhauptgewerbe mit 760.000
Beschäftigten.
Für die Zielgruppe der Beamten bildeten das Dienstunfähigkeitsrecht sowie die beamtenrechtliche Konkurrentenklage (hier besonders bei Bundes- und Landesbehörden)
wichtige Veranstaltungsschwerpunkte. Für die Zielgruppe
der Angestellten waren es Themen wie die krankheitsbedingte Kündigung sowie Eingruppierungs- und Stellenbeschreibungsfragen rund um den TVÖD.
Bei beiden Berufsgruppen interessierten in 2018 insbesondere Veranstaltungen zur EU-Datenschutzgrundverordnung. Hier wurden wegen erheblicher Nachfrage insgesamt sechs Zusatzseminare als Workshops konzipiert.
Das Modul ADBR verzeichnete im Berichtszeitraum
2017/2018 insgesamt 1.219 Teilnehmer bei 72 Seminaren. Das sind 16,93 Teilnehmer je Veranstaltung. Demgegenüber lag im Berichtszeitraum 2016/2017 die Anzahl
der Teilnehmer bei 986 Personen und 72 Seminaren.
Das entsprach einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

I

m Zeitraum Juli 2017 bis Juni 2018 wurden insgesamt
120 Seminare mit ca. 3.200 Teilnehmern bundesweit
durchgeführt. Themenschwerpunkte im Kompetenzfeld
Bodenrecht & Immobilienbewertung für das Fortbildungsjahr 2017/18 waren u. a.:
•

Das Erbbaurecht,

•

Landpachtverträge, Pachtpreise
schaftlicher Grundstücksverkehr,

•

Grundbuch und Grundstücks-/Immobilienverkauf,
Verkauf öffentlicher Immobilien, Beschaffung von
Grundstücken für gemeindliche Vorhaben,

•

Ausgleichsbeträge in Sanierungsgebieten,

•

Verfahren und Instrumente der Wertermittlung bei
unterschiedlichen Wertermittlungsanlässen,

•

Bodenordnungs- und Baulandentwicklungsverfahren,

•

Leitungs- und Wegerechte,

•

Vorzeitige Besitzeinweisung, Enteignung und Entschädigung und

•

Bodenrichtwerte.

und

landwirt-

Bewährte Veranstaltungen mit Fragestellungen aus
dem Agrarbereich fanden ebenso wie Neukonzeptionen erneuten Anklang und bildeten einen Schwerpunkt des bodenrechtlichen Fortbildungsprogramms.
Seminare zu den Themen Landpacht und Pachtpreise,
Wertermittlungsfragen im ländlichen Raum und Fragen
97

F or t bi l d u n g

zum siedlungsrechtlichen Vorkaufsrecht wurden ausgebaut und vertieft. So wurden auf Anregung zahlreicher
Teilnehmer beispielsweise Veranstaltungen zum landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr zu zweitägigen
Intensivkursen weiterentwickelt. Fortgeführt wurde die
Anfang 2017 aufgelegte Veranstaltung zum Thema
Flurbereinigung, die das fortgesetzte Interesse der Teilnehmer bedient.
Neu im Programm ist das Seminar „Der Grundstückssachverständige als Gerichtsgutachter“. Das Seminar
informiert über wichtige Fragen der Beweiserhebung
durch Sachverständige unter Berücksichtigung der ab
dem 15.10.2016 geltenden Neuerungen im Sachverständigenrecht.
Die Weiterbildungsveranstaltungen rund um die Themenbereiche Erbbaurecht, Grundbuch und Grundstücks-/Immobilienverkauf stellen nach wie vor einen
wichtigen Schwerpunkt im Veranstaltungsportfolio dar.
Neben verschiedenen Grundlagenseminaren wurden
auch diverse Vertiefungsseminare, wie z. B. der zu einem
zweitägigen Seminar ausgebaute Intensivkurs zum Erbbaurechtsvertrag, angeboten. Ebenfalls neu entwickelt
wurde eine Veranstaltung zur marktgerechten und sozialen Ausgestaltung kommunaler Erbbaurechte, bei der
Wege aufgezeigt werden, wie bei einer marktgerechten
Anwendung im Rahmen von Erbbaurechten die Kommunen als Ausgeber und die Gebäudeeigentümer als
Erbbauverpflichtete besser als bei Volleigentum gestellt
werden können.
Im Bereich der Immobilienwertermittlungsverordnung
(ImmoWertV) gibt es derzeit wenig Neues. Der vhw hat
sich daher – wie auch im Vorjahr – vor allem auf Spezialund Vertiefungsseminare zur Immobilienbewertung
konzentriert.
Die in 2016 neu aufgelegten Seminare zur Ermittlung
von Bodenrichtwerten wurden mit gutem Zuspruch in
2017 und 2018 weitergeführt.
98

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

I

m zurückliegenden Berichtszeitraum fanden knapp
4.300 Teilnehmer in die im Bereich Immobilienrecht,
-management & -förderung bundesweit durchgeführten 165 Veranstaltungen.
Themenfeld Mietrecht

I

nnerhalb dieses thematisch breiten Feldes richtet
der vhw einen besonderen Fokus auf das Mietrecht.
Bereits durch seinen Verbandsnamen „Bundesverband
für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.“ wird deutlich,
dass dem Bereich Wohnen und damit einhergehend
dem Wohnraummietrecht ein besonderer Stellenwert
zukommt. Daneben widmete sich das Kompetenzfeld
mit seinen Fortbildungsveranstaltungen – wie bereits in
den Jahren zuvor – aber auch dem gewerblichen Mietrecht und mietrechtlichen Randthemen.
Wie in den Jahren zuvor ist es dem vhw auch im zurückliegenden Berichtzeitraum gelungen, den Teilnehmerkreis
aus Mitarbeitern der Mieterverwaltungen in Wohnungsunternehmen und Wohnungsverwaltungen, aus kommunalen Wohnungs-, Rechts- und Liegenschaftsämtern,
Mieter- und Grundstückseigentümervereinen sowie
Rechtsanwälten und sonstigen am Mietrecht Interessierten durch ein differenziertes Seminarangebot zu erweitern. Es fanden über 1.750 Teilnehmer in die Veranstaltungen der Projektgruppe Mietrecht.
In den angebotenen Veranstaltungen wurden neben klassischen mietrechtlichen Themen, wie etwa dem Betriebskostenrecht, auch regelmäßig in der Praxis auftretende
Problemkonstellationen und damit einhergehende mietrechtliche Schnittmengenprobleme dargestellt und erörtert. Zudem wurden gesetzgeberische Neuerungen im

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Blick behalten und im Fortbildungsangebot berücksichtigt. Im Vorfeld des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung und des novellierten Bundesdatenschutzgesetztes bot der vhw bundesweit Veranstaltungen zum
Datenschutz im Mietrecht an.
Fortgeführt wurden die jährlich platzierten Rechtsprechungsseminare im Bereich Wohn- und Gewerberaummietrecht und Gewerbemietrecht. Dr. Dietrich Beyer
stellte die besonders relevanten Entscheidungen des für
Wohnraummietrecht zuständigen XIII. Zivilsenats des
Bundesgerichtshofs vor. Die Richter des für das Gewerberaummietrecht zuständigen XII. Zivilsenats am Bundesgerichtshof, Dr. Peter Günter und Hartmut Guhling,
präsentierten und besprachen bedeutsame Entscheidungen ihres Senats.
Auf breites Interesse stieß wiederum die gemeinsam mit
dem Deutschen Mieterbund durchgeführte Traditionsveranstaltung „Weimarer Immobilienrechtstage“, die,
wie in den Jahren zuvor, von über 200 Mietrechtpraktikern besucht wurde. Auch die seit vielen Jahren vom
vhw angebotenen Mietrechtstage in Bad Salzuflen und
Meißen, bei denen einem weiten Interessentenkreis aktuelle Entwicklungen und wegweisende Rechtsprechung
im Mietrecht vorgestellt werden, wurden wieder erfolgreich angeboten.
Fortgeführt wurde zudem auch der „Fernlehrgang
Wohn- und Gewerberaummietrecht“, der für Einsteiger in den Bereich der Mietrechtsverwaltung konzipiert
wurde.
Themenfeld Public Real Estate Management (PREM)
Seminarreihe „Kommunale Immobilien“

D

en Schwerpunkt in diesem Fortbildungsbereich
bildet die Seminarreihe „Kommunale Immobilien“
mit dem Fokus auf das kommunale Gebäude- und
Immobilienmanagement in strategischer und operativer
Hinsicht.

In den finanzschwachen Kommunen und Kreisen
herrschte in diesem Bereich seit Mitte der 1990er-Jahre
ein weitgehender Stillstand mit einem wachsenden
Investitionsstau in den kommunalen Immobilien, der
lediglich durch die Konjunkturprogramme in der letzten
Dekade ein wenig abgemildert wurde. Im Berichtszeitraum ist hier ein deutlicher Kurswechsel zu verzeichnen. Die demographische Entwicklung mit wachsenden
Bedarfen, insbesondere in der Schul- und Kita-Infrastruktur, führt neuerdings zu umfangreichen Neubau-,
Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen.
Flankiert werden diese Maßnahmen durch das mit
3,5 Mrd. Euro dotierte „Schulsanierungsprogramm“
im Rahmen des Kommunalinvestitionsfördergesetzes
(KInvFG), das in Kapitel 2 (Finanzhilfen zur Verbesserung
der Schulinfrastruktur finanzschwacher Kommunen
nach Artikel 104c des Grundgesetzes) gezielt kommunale Investitionen zur Sanierung und Erweiterung sowie
den Umbau von Schulgebäuden unterstützt. Darüber
hinaus werden im ebenfalls mit 3,5 Mrd. Euro dortierten
„Infrastrukturprogramm“ (Kapitel 1) auch Investitionen
in die frühkindliche Infrastruktur und in die energetische
Sanierung von Schulgebäuden gefördert.
Erstmals seit den 1990er-Jahren ist damit in den finanzschwachen Kommunen wieder Geld vorhanden, um die
kommunale Infrastruktur den gegenwärtigen Bedarfen
im Bildungsbereich anzupassen. Allerdings hat der langjährige Personalabbau in den kommunalen Hochbauverwaltungen dazu geführt, dass geeignetes Personal
für die Umsetzung durch die Konkurrenz der privaten
Immobilienwirtschaft nur sehr schwer zu gewinnen ist.
So fehlen in den Kommunen vor allem erfahrene Mitarbeiter im Projektmanagement und im technischen
Gebäudemanagement. In den Seminaren ist zu beobachten, dass offenbar viele Neueinstellungen von jüngeren Mitarbeiter stattfinden und dadurch zu größeren
Teilnehmerzahlen beitragen.
Insgesamt wurden 69 Seminare mit 2.192 Teilnehmern
(TN) für die Zielgruppe der Bauverwaltungen auf Kom99

F or t bi l d u n g

munal- und Kreisebene durchgeführt. Gegenüber dem
vorherigen Berichtszeitraum sind 713 mehr Teilnehmer
zu verzeichnen und die durchschnittliche Teilnehmerzahl
pro Seminar hat sich von 24,7 TN auf 31,8 TN deutlich
erhöht.
Die im Berichtszeitraum durchgeführten Seminare für
die Bauverwaltungen verteilen sich wie folgt auf die
Regionen:
•

Bayern: 13 Seminare mit 336 TN

•

Baden-Württemberg: 13 Seminare mit 438 TN

•

Region Südwest: neun Seminare mit 328 TN

•

Nordrhein-Westfalen: 17 Seminare mit 569 TN

•

Region Nord: neun Seminare mit 314 TN

•

Region Ost: acht Seminare mit 207 TN

Darüber hinaus wurden sechs Inhouse-Seminare mit
insgesamt 82 Teilnehmern im Berichtszeitraum durchgeführt.
In inhaltlicher Hinsicht gab es neue Seminarangebote,
die eine relativ große Resonanz erzielen konnten. Es
handelt sich dabei um folgende Themen:
•

Projektmanagement für Bauherren in der Praxis der
kommunalen Bauverwaltung (sieben Seminare mit
313 TN)

Im Rahmen der Kooperation mit dem VKIG konnte
inzwischen auch das Thema „Neue pädagogische
Schulbaukonzepte“ für die vhw-Regionen Nord, Nordrhein-Westfalen und Südwest mit Wiederholungsangeboten aufgrund großer Nachfrage umgesetzt werden.
Das Thema wird im Weiteren für die Regionen BadenWürttemberg, Bayern und Ostdeutschland entwickelt.
Weitere Themenschwerpunkte im Berichtzeitraum
waren einerseits die Umsetzung der Trinkwasserverordnung in der kommunalen Praxis (sieben Seminare mit
156 TN) und andererseits die kommunale Gebäudereinigung (fünf Seminare mit 117 TN).
Seminarreihe „Kirchliche Immobilien“

•

Gebäudemanagement für (Schul-)Hausmeister/innen
– Überblick und praktisches Anwenderwissen bzw.
Technisches Wissen für Hausmeister/innen in kommunalen Immobilien (neun Seminare mit 268 TN)

•

Neue pädagogische Schulbaukonzepte – Herausforderungen für den kommunalen Umsetzungsprozess (fünf Seminare mit 241 TN)

Die Angebote in der Seminarreihe „Kirchliche Immobilien“ werden in gemeinsamer Trägerschaft von Evangelischer Bundesverband für Immobilienwesen in Wissenschaft und Praxis e. V. sowie dem KSD Katholischer
Siedlungsdienst e. V. und vhw entwickelt und durchgeführt. Die Seminarreihe soll dem bundesweiten Austausch von Erfahrungen und Handlungsansätzen im
kirchlichen Immobilienmanagement dienen.

•

Technisches Gebäudemanagement – Bedarfsplanung
und Anwendungspraxis bei Kommunen und Immobilienunternehmen (sechs Seminare mit 197 TN)

Durch die Fokussierung auf den Bereich der kommunalen Immobilien wurde im Berichtszeitraum kein Seminar
in dieser Reihe angeboten.

Nach wie vor hat auch die Organisation der Betreiberverantwortung einen besonderen Stellenwert im Bereich
100

der kommunalen Immobilien. In Zusammenarbeit mit
dem Verband kommunaler Immobilien- und Gebäudewirtschaftsunternehmen e. V. (VKIG) als Mitveranstalter
wurden im Berichtszeitraum insgesamt acht Seminare
mit insgesamt 366 TN zu dieser Thematik durchgeführt. Mit den Themen ­
„Betreiberverantwortung:
Rechtsgrundlagen und Handlungsempfehlungen –
unter besonderer Berücksichtigung der Schulen“ und
„Sichere Organisation der Betreiberpflichten – Umsetzung von Gefährdungsbeurteilungen und Sicherheitsbegehungen“ konnten insgesamt 366 Teilnehmer (Vorjahr: 237 TN) erreicht werden.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Seminarreihe „SeniorenImmobilien/
SozialImmobilien“
Diese Reihe zielt darauf, mit entsprechenden Fortbildungsangeboten die Träger und Betreiber von Pflegeheimen und Anlagen des Betreuten Wohnens als eine
neue Zielgruppe anzusprechen. Im Berichtszeitraum ist
die Resonanz erneut gering ausgefallen, obwohl die
operativen Themen durch ein strategisches Seminarangebot zum Thema „Marktentwicklungen und Finanzierungsmöglichkeiten im Bereich der Träger und Betreiber
von Pflegeeinrichtungen“ ergänzt wurden. Um die Zielgruppe der Träger und Betreiber von Altenpflege- und
Altenwohneinrichtungen besser zu erreichen ist es u. a.
notwendig, die Datenbasis zu überarbeiten.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

D

as Kompetenzfeld Kommunalwirtschaft wurde im
Jahre 2013 gegründet und hat die Seminartätigkeit Anfang 2014 aufgenommen. Es wurde ursprünglich von zwei, ab dem Jahre 2015 von drei und wird seit
dem Jahre 2016 von vier Referenten des vhw inhaltlich
betreut. Im Berichtszeitraum wurden Veranstaltungen
zur Kommunalwirtschaft im gesamten Bundesgebiet
durchgeführt und hierbei der landesspezifische Bedarf
berücksichtigt. Es fanden Veranstaltungen zu allen Teilfeldern statt, welche Wirtschaftsbetätigung, Haushalt
und Doppik sowie Finanzen und Steuern beinhalten.
Bundesweit wurden insgesamt 138 Seminare mit 3.009
Teilnehmern durchgeführt. Die Veranstaltungen entfielen
mit 19 Seminaren auf die Region Ost, mit 29 Seminare
auf die Region Nord, mit 22 auf Nordrhein-Westfalen,
mit 21 auf Baden-Württemberg, mit 28 auf Bayern und
mit 19 auf die Region Südwest.

Kommunale Wirtschaftstätigkeit

Abb. 68: Kreative Fortbildung in der Kommunalwirtschaft

Foto: © vhw e. V.

Hierzu wurden Seminare zu Organisations- und Rechtsformen (u. a. Eigenbetrieb, Anstalt des öffentlichen
Rechts, Zweckverband), Beteiligungen und Organen
(u. a. Geschäftsführer, Verwaltungs- und Aufsichtsrat),
Betriebsführung und Prozesssteuerung (u. a. Bauhofbetrieb, Bäderbetrieb, Interkommunale Zusammenarbeit, Effiziente Organisation) sowie Infrastruktur (u. a.
Beleuchtung, Breitbandausbau, Strom- und Gaskonzessionen) durchgeführt. Zudem lag der Schwerpunkt
auf einem neuen Fortbildungsformat des vhw, das mit
großem Erfolg 2017 im südlichen und 2018 im nördlichen Bundesgebiet angeboten wurde. Das Format bein-

Fortbildung

Fortbildung zur Leitungskraft
im kommunalen Bauhof
Erlernen Sie die wichtigsten Techniken und Instrumente
einer Leitungskraft

April
April
A
prilbis
bis
bisJuni
Juni
Juni2018
2018
2018
Hannover
H
annover
Hannover

www.vhw.de

Abb. 69: Erfolgreich angelaufen, erfolgreich wiederholt.

101

F or t bi l d u n g

haltet ein konzentriertes Fortbildungskonzept für Leitungskräfte und ambitionierte Mitarbeiter kommunaler
Bauhöfe. Für die abgeschlossene Fortbildung in drei
Einheiten konnte das Zertifikat „Leitungskraft im kommunalen Bauhof (vhw)“ an alle Teilnehmer vergeben
werden.
Haushalt und Doppik

Abb. 70: Controlling – ein Dauerthema
und ein großer Bedarf

Auf großes Interesse stieß außerdem das neue Fortbildungsangebot des mehrtägigen Modulseminares zur zertifizierten
„Fachkraft für Kostenrechnung,
Controlling und Berichtswesen“. Ebenfalls verliefen die eintägigen Seminarveranstaltungen zum Auf- und Ausbau einer
Kosten- und Leistungsrechnung
sehr erfolgreich. Hieraus wird
deutlich, dass insbesondere das
interne Rechnungswesen aktuell im Fokus der Kommunalverwaltung steht.

Finanzen und Steuern
Mit den Einführungslehrgängen „Steuerrecht für die
öffentliche Hand“ und den Seminaren „Aktuelle Steuerinformationen“ haben sich wieder in allen Regionen
Deutschlands Sachbearbeiter und Führungskräfte aus
den Kämmereien und kommunalen Unternehmen
mit unterschiedlichen Wissensstand über Grundlagen
bzw. über die aktuellen Jahressteuergesetze, Rechtsprechung und neue BMF-Schreiben informiert. Da die
Übergangsfrist zur Einführung der Umsatzsteuerpflicht
der Kommunen bis zum 31. Dezember 2020 nun in
greifbare Nähe rückt, war dieses Thema hier natürlich
inkludiert. Aber auch gesonderte Seminare zur Umsetzung dieser Problematik, z. B. durch die Einführung
eines Tax-Compliance-Managementsystems waren
stark nachgefragt.
102

Grundlagenkurse sowie Spezialseminare zu den aktuellsten Entwicklungen beim Thema EU-Beihilferecht
ermöglichen es unseren Teilnehmern, auch in diesem
schwierigen Rechtsgebiet die Strukturen zu erkennen
und Lösungswege für die eigenen Fallkonstellationen
zu entwickeln. Anpassungen der EU-Regularien an die
Bedürfnisse der Kommunen, beispielsweise mit der
überarbeiteten Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO), enthalten neue Möglichkeiten der
Bearbeitung und vereinfachen zahlreiche Verfahrensweisen der Sachbearbeiter.
Auch das Zuwendungsrecht ist für Kommunen und
ihre Betriebe ein Bereich, der für jegliche institutionelle
Förderung, bspw. von Kultur- oder Forschungseinrichtungen sowie die Projektförderung, strikte Vorgaben
festschreibt. Unsere Seminare bieten hier verschiedene
Ansatzpunkte zur Bewältigung dieser Aufgaben, welche
in kleineren Gebietskörperschaften nur sehr selten zu
bearbeiten sind. Von der richtigen Zuwendungsbescheid-Erteilung über die Prüfung von Verwendungsnachweisen bis zur Thematik der Rückforderungen von
Zuwendungen werden Veranstaltungen angeboten. Die
zielgruppenspezifische Ausrichtung auf die Arbeit der
Rechnungsprüfer in diesem Zusammenhang brachte in
diesem Jahr eine wertvolle Ergänzung unseres Angebots. In einer workshop-ähnlichen Atmosphäre werden
hier Informationen zu Arbeitsweisen ausgetauscht und
Wege zur Optimierung aufgezeigt.
Im Gesamtergebnis hat sich der Trend aus dem letzten
Berichtszeitraum positiv weiterentwickelt, wobei sich
eine Steigerung der Teilnehmer-, Umsatz- und Überschussentwicklung verzeichnen lässt, besonders in
Bayern ist diese Entwicklung zu beobachten. Das Interesse der Teilnehmer an neuen oder modifizierten Konzepten war erfreulich hoch und ist weiterhin vorhanden.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

•

Organisations-Hilfen (Zeit-Management, Delegieren, Arbeitsplatz-Organisation),

•

Veranstaltungen zum Umgang mit Konflikten
(im Team, mit Bürgern in der Dienststelle und bei
Außendienst-Tätigkeiten) sowie

•

Seminare im Bereich der strategischen Kommunikation („Reden mit der Politik“, Systemisches
Führen, Erfolgreich Verhandeln und Entscheiden).

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

E

ine zielführende Kommunikation, Transparenz in der
Entscheidungsfindung und ein modernes Management gehören inzwischen zum guten Ton in Behörden,
öffentlichen Einrichtungen und (kommunalen) Unternehmen. In der Praxis stehen die Beschäftigten in der
öffentlichen Verwaltung dabei aber vor beträchtlichen
Herausforderungen, da die hierfür benötigten Kenntnisse und Fertigkeiten nur langsam Einzug in die fachlichen Ausbildungs- und Studiengänge halten.
Auch die Außenwahrnehmung hat sich gewandelt. Proteste gegen kleine wie große Projekte, aber auch Vorschläge aus der organisierten Bürgergesellschaft zeigen,
wie wichtig es ist, für die komplexen Problemlagen und
Steuerungserfordernisse nicht nur fachlich und rechtlich
abgesicherte Lösungen anzubieten. Auf dem Weg zur
Umsetzung geht es vor allem auch darum – unter dem
wachsamen Auge der digitalen Öffentlichkeit –, Überzeugungsarbeit zu leisten, Verbündete zu gewinnen
und den Dialog mit dem Bürger neu zu definieren.
Mit dem Kompetenzfeld „Kommunikation, Personalentwicklung & Soft Skills“ werden für diese mannigfaltigen Anforderungen gezielte Hilfestellungen für den
behördlichen Arbeitsalltag angeboten. Veranstaltungsschwerpunkte im Berichtszeitraum waren:

•

Führungskräfte-Trainings (Führungswissen für Einsteiger, Team-Entwicklung, Führen aus der Sandwich-Position),

•

Rhetorik- und Kommunikations-Workshops (Argumentations-Techniken, Schreibwerkstatt, Schlagfertigkeits-Training, „Persönlichkeit trifft Körpersprache“),

Ergänzt wurden die Veranstaltungsschwerpunkte durch
jeweils zwei Veranstaltungen zum Thema „Moderation von Veranstaltungen mit Bürgerbeteiligung“ und
„Ideen und Prozesse visuell präsentieren“.
Die Veranstaltungen richten sich vorwiegend an Führungskräfte und zeichnen sich durch eine intensive
Arbeit in kleinen Gruppen unter Anleitung von professionellen Trainern und Dozenten aus. Dabei wird
auch dem praktischen Erfahrungsaustausch ein hoher
Stellenwert eingeräumt. Das Profil des Moduls wird
kontinuierlich weiterentwickelt und um neue Fragestellungen ergänzt. Für das laufende Jahr wurden 12 neue
Themen aufbereitet.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

D

as Kompetenzteam Stadtentwicklung ergänzte das
Veranstaltungsprogramm des vhw im Berichtszeitraum mit Fortbildungen zu folgenden Themenschwerpunkten:

•

Verkehrsplanung und Mobilität,

•

Einzelhandel,

•

Integrierte Stadtentwicklung,
103

F or t bi l d u n g

•

Methoden und Instrumente der informellen
Planung,

•

Betriebs- und volkswirtschaftliche Grundlagen der
Stadtplanung,

•

Innenentwicklung und gestalterische Aspekte der
Stadtentwicklung sowie

•

soziale Wohnungspolitik und Armut im öffentlichen
Raum.

Verkehrsplanung und Mobilität
Dieses Themenfeld wurde gezielt als Fortbildungsschwerpunkt weiter ausgebaut und um neue Veranstaltungskonzepte ergänzt. Fast die Hälfte (45 von 102) der Veranstaltungen des Moduls Stadtentwicklung gehören zu
diesem fachlichen Schwerpunkt. Die neuen Fortbildungen im Bereich Verkehrsplanung und Mobilität haben
eine thematische Lücke im Angebot des vhw geschlossen;
die hohen Teilnehmerzahlen belegen das starke Interesse
und den Fortbildungsbedarf. Zu den durchgeführten Veranstaltungen gehörten u. a. Seminare zum Radverkehr,
Fußverkehr, Car-Sharing, zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, zu Tempo 30- und Begegnungszonen, zur
vollständigen Barrierefreiheit im ÖPNV bis 2022!? sowie
zur modernen Schulwegplanung.
Einzelhandel
Die Fortbildungen in diesem Themenfeld greifen aktuelle Herausforderungen auf, vor denen die Städte und
Gemeinden in der Bundesrepublik derzeit stehen. Dazu
gehören u. a. neue Trends im Verbraucherverhalten
(Online-Handel), aber auch klassische Fragen der kommunalen Steuerung des Einzelhandels. Angeboten wurden
u. a. die Seminare „Einzelhandelsgutachten“, „Erstellung
und Fortschreibung von Einzelhandelskonzepten“ sowie
„Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstädte“.
Mit der Seminarreihe „Der standortgerechte Einzelhandel“ wurden die Anforderungen an die städtebaulichen
Steuerungsmöglichkeiten für einen standortgerechten
Einzelhandel unter Berücksichtigung der Planungsinstrumente des BauGB und der BauNVO aufgegriffen und
104

ihre praktischen Umsetzungsmöglichkeiten verdeutlicht.
Teilnehmer dieser Seminare konnten passend zum Thema
mit der im Mai 2018 im vhw-Verlag in 2. Auflage erschienenen Schrift „Der standortgerechte Einzelhandel“ von
Kuschnerus/Bischopink/Wirth, die 2007 von Richter am
Oberverwaltungsgericht NRW Ulrich Kuschnerus (†)
begründet und von den beiden Referenten des Seminars
fortgeführt wurde, versorgt werden.
Integrierte Stadtentwicklung
Der Themenbereich umfasst ein Fortbildungsangebot,
das dazu beitragen will, die Arbeits- und Kommunikationsprozesse in der Verwaltung zu verbessern. Dieser
Fortbildungsbereich zeichnet sich durch viele interaktive
und innovative Formate aus: In Workshops, kollegialer
Beratung oder Rollenspielen und häufig teilnehmerbegrenzten Veranstaltungen können die Teilnehmenden zentrale Fragen zur Bürgerbeteiligung und zur
Integrierten Stadtentwicklung gemeinsam erörtern
und trainieren. Im Berichtszeitraum wurden u. a. die
Veranstaltungen „Das Rathaus im Wandel: Welche
Organisationsstruktur und -kultur braucht die Verwaltung?“, „Kreativitätstechniken in der Stadtplanung“
und „Stadtentwicklung braucht gute Kommunikation
zwischen Verwaltung und Bürgerschaft!“ sowie „Nachhaltige Stadtentwicklung“ angeboten.
Die Themenfelder Methoden und Instrumente der
informellen Planung, Betriebs- und volkswirtschaftliche
Grundlagen der Stadtplanung, Innenentwicklung und
gestalterische Aspekte der Stadtentwicklung sowie soziale Wohnungs- und Stadtpolitik bildeten im Berichtszeitraum weitere inhaltliche Schwerpunkte und umfassten
insgesamt ein Drittel der angebotenen Fortbildungen.
Angeboten wurden u. a. Seminare und Workshops zu
den Themen: Informelle Bürgerbeteiligung, Planungswettbewerbe, Innenentwicklung und Nachverdichtung,
E-Partizipation, Sozialraum- und Datenanalyse, Geographische Informationssysteme (GIS), Betriebswirtschaftliche Kalkulation von städtebaulichen Projekten und
Modelle kommunaler Kosten-Nutzen-Rechnungen in

Fortbildung: Auftrag und Überblick

der Stadtentwicklung bzw. zu Hilfen in Wohnungsnotfällen sowie zur Armut im öffentlichen Raum.
Migration und Integration
Als Reaktion auf gestiegene Flüchtlingszahlen und die
Zunahme migrationspolitischer Diskussionen (im öffentlichen Raum und in den Kommunalverwaltungen), wurde
das neue Themenfeld Migration und Integration als solches definiert. Um das Potenzial dazu auszuschöpfen,
entwickelt eine neue Kollegin bestehende Seminarangebote fort und erstellt weitere Konzepte. Im Berichtszeitraum fand bereits eine neue Veranstaltung mit dem Titel
„Erstellung und Fortschreibung kommunaler Integrationskonzepte“ statt, die auf große Nachfrage stieß. Hier
konnte ebenfalls eine gewinnbringende Kooperation mit
der vhw-Forschung initiiert werden.
Sport in der Kommune
Ergänzend dazu hat das Modulteam Stadtentwicklung
damit begonnen, den Fortbildungsbereich „Sport in der
Kommune“ systematisch aufzubauen. Dieser Prozess
begann im Herbst 2017, als das Konzept für die Seminarentwicklung in diesem Themenfeld erarbeitet wurde.
Im März 2018 fand ein Workshop statt, zu dem verschiedene Experten aus der Verwaltung und Interessensvertretung des Sports eingeladen wurden. Unterstützt durch
eine Projektmitarbeiterin Sport wurden anschließend
die unterschiedlichen inhaltlichen Bereiche des Themas
recherchiert und die bestehenden Fortbildungsangebote

des vhw zum Thema Sport vor diesem Hintergrund evaluiert. Auf dieser Grundlage und in Kombination mit einer
Analyse des Fortbildungsmarkts zu diesem Thema sowie
durch Experteninterviews konnten Fortbildungsbedarfe
ermittelt werden. Ein umfangreicher Wissensspeicher mit
einem Pool an Referenten zu den verschiedenen Unterthemen wurde angelegt, der die Planung zukünftiger Fortbildungen erleichtern soll. Vier Fortbildungskonzepte zu den
Themen: Sportentwicklungsplanung, Nachhaltige Sporthallenkonzepte, Sportplätze neu denken und gestalten
sowie Sport im öffentlichen Raum – digitale und analoge
Möglichkeiten wurden erarbeitet und sollen Ende 2018/
Anfang 2019 erstmals angeboten werden.
Die Veranstaltungen des Moduls Stadtentwicklung
zeichnen sich neben der Themen- und Methodenvielfalt
besonders dadurch aus, dass regelmäßig mehrere Referenten mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen
und Expertisen in die Veranstaltungen eingebunden
sind. Dieses Vorgehen kommt insbesondere der querschnittsorientierten Fortbildung zugute: Die Referenten
nähern sich dem Thema aus verschiedener – z. B. ökonomischer, sozialer, baulicher und juristischer – Blickrichtung an. Die Teilnehmer erleben so unterschiedliche
Perspektiven, die für ihre Praxis zusammengehören.
Im Berichtszeitraum wurden 101 Seminare mit 2.692
Teilnehmern durchgeführt. Das Angebot soll im
Geschäftsjahr 2018/2019 fortgeführt und systematisch
weiterentwickelt werden.

Abb. 71/72: Gemeinsam mit dem Expertenkreis – viele Perspektiven entwickeln das Thema „Sport in der Kommune“.

Fotos: © vhw e. V.

105

F or t bi l d u n g

Fortbildung zur Moderatorin/zum Moderator in
der Stadtentwicklung

A

uf vielfachen Wunsch unserer Seminarteilnehmer im Bereich der informellen Bürgerbeteiligung
wurde erstmals im Herbst 2016 ein für den vhw neues
Fortbildungsformat angeboten und durchgeführt:
Die „Fortbildung zur Moderatorin/zum Moderator in
der Stadtentwicklung“, bestehend aus insgesamt drei
Ausbildungseinheiten, die jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (freitags und samstags) stattfinden.
Somit umfasst diese Fortbildung insgesamt 48 Fortbildungsstunden, verteilt auf sechs Tage bei einem Teilnehmerlimit von 15 Personen.
Es handelt sich dabei um einen berufsbegleitenden
Lernprozess, eingebettet in ein praxisnahes und modernes Konzept für die Moderation von Stadtentwicklungsprozessen.
Die Fortbildung soll die Teilnehmenden dazu befähigen,
selbständig Moderationskonzepte zu entwickeln und
Beteiligungsprozesse erfolgreich durchzuführen. Des
Weiteren sollen Techniken vermittelt werden, die es im
alltäglichen Planungsleben leichter machen, die Herausforderungen in der Kommunikation mit der breiten
Bürgerschaft zu meistern – im strategischen Umgang,
in der Steuerung von Partizipationsmethoden sowie in
der operativen Umsetzung. Ziel ist es, Methoden und
Vorgehensweisen zur Gestaltung und Umsetzung von
Moderationsprozessen zu vermitteln. Im Mittelpunkt
steht dabei, das erlernte Wissen auf die Anwendungsbedarfe der Teilnehmenden zu übertragen. Hierfür
stehen den Teilnehmenden zwei Trainer mit ihrem breiten Erfahrungsschatz zur Seite. Aufgrund der Nachfrage
und des sehr guten Feedbacks ist die Fortbildung mittlerweile ein fester Bestandteil im Fortbildungsangebot
des vhw.

106

Abb. 73: Ein neuer Bedarf wurde erschlossen und im Internet gut gefunden.

Screenshot: Google

Im Berichtszeitraum wurde die Ausbildung zweimal in
Karlsruhe und einmal in Hannover durchgeführt. Alle drei
Fortbildungen waren ausgebucht. Zusätzlich wurde auch
noch ein Inhouse-Seminar angefragt und durchgeführt.
Des Weiteren wurde ein neues Fortbildungsthema nach
gleichem Format entwickelt: Die „Fortbildung zur Mediation in der Stadtentwicklung“. Diese soll erstmals im
Herbst 2018 in Karlsruhe stattfinden.
12. Bundesrichtertagung des vhw zum
Städtebaurecht

D

ie vhw-Bundesrichtertagung zum Städtebaurecht
hat Tradition. Am 4. Dezember 2017 versammelten
sich im großen Saal des Kardinal-Schulte-Hauses wieder
rund 160 Gäste, um sich über die neuen höchstrichterlichen Entscheidungen zum Städtebaurecht aus erster
Hand zu unterrichten und diese mit den vier anwesenden Bundesrichtern zu diskutieren. Den anwesenden
Gästen wurden die für das Städtebau-, Planungs- und
Umweltrecht so wichtigen aktuellen höchstrichterlichen
Leitentscheidungen einprägsam vorgestellt und rechtssichere Wege für die Anwendung des immer komplexer
werdenden Rechtsgebiets aufgezeigt. Fragen aus dem
Kreis der Teilnehmer, die zu fruchtbaren Diskussionen
führten, waren wie stets sehr willkommen.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten
Abb. 74/75: Die Bundesrichtertagung – eine renommierte Fortbildung des vhw.
Links: Referent Dr. Hendrik Röwekamp, rechts: konzentrierte Teilnehmer Fotos: © vhw e. V.

Die Auswahl der von den vier Bundesrichtern vorgestellten – teilweise noch nicht veröffentlichten – Entscheidungen hat die Bandbreite der gegenwärtigen
Aufgaben des Städtebaurechts und seiner Nebengebiete gezeigt. Sie reichte von der dem EUGH in einem
Vorabentscheidungsersuchen vorgelegten Frage zur
Zulässigkeit von Planerhaltungsvorschriften bei UVPpflichtigen Bebauungsplänen (BVerwG 4 CN 3.16), über
das ebenfalls unionsrechtlich relevante Problem einer
erneuten Pflicht zur Auslegung nach Änderung des
Umweltberichts (BVerwG 4 CN 1.16) bis zur Frage der
Zulässigkeit eines Schweinestalls trotz Überschreitung
von Grenzwerten aus der Geruchsimmissions-Richtlinie
(GIRL), wenn die zuvor vorhandene Immissionssituation
durch das Vorhaben nicht weiter verschlechtert wird
(BVerwG, 4 C 3.16), die im Europarecht wurzelnde
nachträgliche UVP-Pflicht bei kumulierenden Vorhaben
(BVerwG 4 C 4.14), bis zu komplexen Auslegungsfragen
im Zusammenhang mit der Planung von Großvorhaben
zur Umsetzung der Energiewende (BVerwG 4 A 5.14).
Die 12. vhw-Bundesrichtertagung hat den Teilnehmern
in bewährter Weise wieder einen sehr nahen Einblick in
die höchstrichterliche Rechtsprechung des vergangenen
Jahres zum Städtebaurecht gewährt und zu angeregten
Diskussionen geführt. Die Bundesrichter wurden mit Dank
und Applaus bis zum November 2018 verabschiedet.
Ein Bericht zu der Tagung ist in Forum Wohnen & Stadtentwicklung 1/2018 erschienen.
Link: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_
publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2018/1_2018/
FWS_1_18_Coulmas.pdf

D

as Umweltrecht stellt ein sehr komplexes, selbst für
Fachleute nur noch schwer überschaubares Rechtsgebiet dar. Es wird durch eine Vielzahl unterschiedlichster Vorschriften auf völkerrechtlicher, europäischer,
bundes- und landesrechtlicher Ebene mit einer hohen
Dynamik in Gesetzgebung und Rechtsprechung geprägt
und ist zudem sehr stark mit anderen Rechtsgebieten,
wie dem Bauplanungs- und Planfeststellungsrecht, verzahnt.
Die Komplexität dieser Materie spiegelt sich im Seminarangebot des Kompetenzfelds Umweltrecht & Klimaschutz wider. In den Seminaren werden die aktuellen
Rechtsgrundlagen und bedeutsamen Entscheidungen
des Europäischen Gerichtshofs, des Bundesverwaltungsgerichts und der Obergerichte unter Einbeziehung
planerischer, technischer, biologischer und weiterer
fachlicher Aspekte dargestellt und erläutert. Diesem
spezifischen Fortbildungsbedarf wird dabei vielfach
durch den Einsatz interdisziplinär besetzter und besonders fachlich ausgewiesener Referententeams Rechnung getragen.
Im Berichtszeitraum wurden bundesweit 108 Seminare
mit rund 3.800 Teilnehmern im Kompetenzfeld Umweltrecht & Klimaschutz durchgeführt. Diese Veranstaltungen beschäftigten sich vorrangig mit den Themenfeldern
Immissionsschutz sowie Natur- und Artenschutz. Zum
Portfolio gehörten ferner Veranstaltungen zur Rechtsprechung und zu Fragen des Wasserrechts.
Immissionsschutzrecht
Dieses Thema bildete – wie in den vergangenen
Jahren – einen Fortbildungsschwerpunkt im Kompe107

F or t bi l d u n g

tenzfeld Umweltrecht. Auch in diesem Berichtszeitraum
wurde eine schon traditionelle Veranstaltung angeboten, die auf der Grundlage aktueller Rechtsgrundlagen
und Rechtsprechung einen Überblick über den Immissionsschutz in der Bauleitplanung gibt. Fortgeführt
wurde ebenfalls die Seminarreihe „Rechtsprechung zum
Immissionsschutzrecht“.
Der Lärm als herausragendes Problem im Bereich des
Immissionsschutzes spiegelt sich auch im Seminarangebot wider. Durchgeführt wurden verschiedene Seminare
zum Lärmschutz unter besonderer Berücksichtigung
unterschiedlicher in Betracht kommender Lärmquellen,
wie Gewerbe- und Industrielärm, Straßen-, Schienen-,
Sport- und Freizeitlärm. Dabei standen Rechts- und
technische Fragen zum Verständnis der Rechtsgrundlagen, zur Ermittlung und Bewertung des Lärms sowie zur
Konfliktbewältigung zwischen unterschiedlichen Nutzungsarten bei der Neuordnung oder Nachverdichtung
innerstädtischer Flächen sowie Fragen des behördlichen
Einschreitens bei Immissionskonflikten im Vordergrund.
Diskutiert wurden zum Beispiel aktuelle Rechtsänderungen der TA Lärm infolge der Einführung „Urbaner
Gebiete“ in § 6a BauNVO und der Sportanlagenlärmschutzverordnung.
Mit zunehmender Fokussierung der Stadtentwicklung
auf die Innenentwicklung nehmen Lärmkonflikte nicht
nur bei der Ausübung der Nutzung, sondern vor allem in
der Bauphase zu. Dementsprechend wurde eine Seminarreihe, die sich mit Rechts- und Praxisfragen zum Thema
Baulärm beschäftigt, in das Programm aufgenommen.
Ebenfalls neu angeboten wurde eine Seminarreihe, die
die Novellierung der DIN 4109 aufgreift und Probleme
des Schallschutzes im Gebäude thematisiert. Seminare
zum Umgang mit Geruchs- und Lichtimmissionen rundeten das Angebot zum Immissionsschutz ab.
Natur- und Artenschutz
Ein weiterer Themenschwerpunkt im Kompetenzfeld
Umweltrecht und Klimaschutz lag im weitreichenden
108

Bereich des Naturschutzes. Naturschutzrechtliche Vorgaben sind bei nahezu allen Planungs- und Genehmigungsverfahren für Bau- und Infrastrukturvorhaben von Bedeutung. Dabei sind die einzuhaltenden Anforderungen
äußerst komplex, dynamisch und in verschiedenen Regelwerken „verstreut“. Eine Vielzahl der Seminare im Themenbereich Natur- und Artenschutz widmete sich unter
verschiedenen Blickwinkeln der Eingriffsregelung und
den artschutzrechtlichen Belangen in der Bauleitplanung
sowie in der Fachplanung. Die Seminare zur Kompensation von Eingriffen bei Flächenknappheit, zu Ausgleichsflächen in der Bauleitplanung, zur speziellen artenschutzrechtliche Prüfung, zum Management vorgezogener
Ausgleichsmaßnahmen, zu den Auswirkungen der Windenergie auf artenschutzrechtliche Belange sowie zur FFH,
UVP und Artenschutz im Zulassungsverfahren gehören in
diesen Kontext. Auch der Landschaftsschutz wurde mit
seinen in der Praxis derzeit aufkommenden Fragen bei
verschiedenen Veranstaltungen aufgegriffen.
Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wurde zudem noch
eine Reihe von umweltrelevanten Gesetzesvorhaben
abgeschlossen. Die Novellierungen betrafen das Bundesnaturschutzgesetz, das Umweltrechtsbehelfsgesetz,
das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung und
das Baugesetzbuch. In zwei neu konzipierten Seminaren
wurde der daraus resultierende Fortbildungsbedarf verarbeitet: „Die Knackpunkte der Umweltrechts-Novellen
2017“ als Kompakt- und „Das neue UVP-Gesetz 2017“
als Spezial-Seminar.
Fortgeführt wurden Seminarangebote zum Klima-,
Lärm- und Artenschutz (als Kompaktseminar), zu Baumschutzsatzungen und zu Störfallbetrieben. Die Themen
Gebietsschutz im Planungsrecht, Umweltinformationsgesetz, Umweltverfahrensrecht und Strategische
Umweltprüfung rundeten das Seminarangebot ab.
Wasserrecht
Über die aktuelle Gesetzgebung und neue Rechtsprechung zu einzelnen Fragen und Aspekten des Wasserrechts und den dazugehörigen fachlichen Fragen wurde

Fortbildung: Auftrag und Überblick

in Seminaren mit unterschiedlichen Schwerpunkten informiert und wurden folgende Veranstaltungen angeboten:
•

zur Wasserrahmenrichtlinie (insbesondere zum
Verschlechterungsverbot nach der Rechtsprechung
des EuGH),

•

zum Hochwasserschutz unter Einbeziehung der
besonderen Fragen zum Umgang mit Starkregen
und Sturzfluten,

•

zu Wasserschutzgebieten,

•

zu aktuellen Novellierungen verschiedener Landeswassergesetze und

•

zur neuen Bundesverordnung über Anlagen zum
Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV).

Neu aufgelegt wurde eine Veranstaltung zu Fragen des
Umweltverfahrensrechts, die auf großes Interesse gestoßen ist. Die immer wieder neuen durch Rechtsprechung
und Gesetzgebung veranlassten Veränderungen im
Umweltrecht betreffen insbesondere die Umwelt- und
Bauverwaltung, die mit den sich stellenden Verfahrensfragen in Genehmigungsverfahren umzugehen und
über Anträge zu entscheiden hat. In den entsprechenden Verfahren ist ein immer dichter werdendes Netz an
EU-Richtlinien, Bundes- und Ländergesetzen und darauf
gestützte Verordnungen und Verwaltungsvorschriften
sowie Ausführungsbestimmungen zu beachten.
Im Berichtszeitraum wurde die Veranstaltungsreihe
„Aktuelle Rechtsprechung zum Umweltrecht“ in das
Programm aufgenommen. Ausgehend von diversen
grundlegenden Entscheidungen zu ausgewählten Themenschwerpunkten des Umweltrechts werden aktuelle
Entscheidungen vorgestellt und deren Auswirkungen
auf die praktische Tätigkeit erläutert.
Weiter ausgebaut wird künftig der Bereich Klimaschutz
und Klimaanpassung. Dem neu konzipierten Seminar
„Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region“
sollen weitere differenzierte Angebote folgen.
Wie anspruchsvoll die Bewältigung umweltrechtlicher
Anforderungen für alle Beteiligten ist, zeigt auch die

vermehrte Nachfrage nach Inhouse-Schulungen, die
häufig in ihren Inhalten den offenen Veranstaltungen
nachgebildet sind.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

S

eit dem 1. Januar 2018 gelten neue EU-Schwellenwerte. Ansonsten sind im Berichtszeitraum im EUVergaberecht keine Neuerungen zu vermelden.

Im nationalen Vergaberecht ändert sich für Dienst- und
Lieferleistungen peu à peu der Rechtsrahmen. Die neue
Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) ist am 7. Februar
2017 im Bundesanzeiger veröffentlicht worden und soll
in Zukunft die VOL/A ersetzen. Die UVgO ist als Verfahrensordnung nicht aus sich heraus rechtsverbindlich, sondern muss durch Bund und Länder erst zur Anwendung
gebracht werden. Für den Bund und seine Behörden ist
dies durch die Änderung der Verwaltungsvorschriften zu
§55 der Bundeshaushaltsordnung (BHO) am 2. September 2017 geschehen. Auf Ebene der Bundesländer ist der
Stand der Einführung – inhaltlich wie formal – höchst
unterschiedlich, zum Teil noch völlig offen und weit entfernt von der vom Bundeswirtschaftsministerium angestrebten einheitlichen Umsetzung durch die Länder. Auf
eine Darstellung im Einzelnen wird hier verzichtet.
Die VOB/A ist im Berichtszeitraum – nach einer Änderung im Oberschwellenbereich und zwei Änderungen im
Unterschwellenbereich 2016 – unverändert geblieben. In
die Diskussion um den Fortbestand der VOB/A ist mit dem
Koalitionsvertrag vom 14. März 2018 allerdings erneut
Schwung gekommen, wenn es darin unter VI., 1. (Zeilen
2915 ff.) zum einen heißt: „Zur weiteren Vereinheitlichung
des Vergaberechts prüfen wir die Zusammenführung von
109

F or t bi l d u n g

Verfahrensregeln für die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungen einerseits und von Bauleistungen andererseits
in einer einheitlichen Vergabeverordnung.“ Und zum
anderen unter IX. 4. (Zeilen 5383 ff.): „Die Vergabe- und
Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) als faire, wettbewerbsneutrale und von allen Bauverbänden getragene
Verfahrensregelung garantiert gute Bauleistungen. Sie ist
zu sichern und anwenderorientiert weiterzuentwickeln.“
Im Bauvertragsrecht gelten seit dem 1. Januar 2018 für alle
nach diesem Zeitpunkt geschlossenen Bauverträge neue
gesetzliche Regelungen von teils grundlegender Bedeutung. Durch das Gesetz zur Reform des Bauvertragsrechts
und zur Modernisierung des Kaufrechts wurden erstmals
spezifische Regelungen zum Bauvertrag, zum Architekten- und Ingenieurvertrag sowie zum Bauträgervertrag
in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) aufgenommen. Die
Praxis muss sich insbesondere auf geänderte Vorschriften
zur Abnahme, zur Leistungsänderung und deren Vergütung sowie zur Kündigung von Bauverträgen einstellen.
Vor dem Hintergrund des Inkrafttretens des gesetzlichen
Bauvertragsrechts im BGB hat der Deutscher Vergabeund Vertragsausschuss für Bauleistungen (DVA), der die
VOB erarbeitet, die VOB/B auf Aktualisierungsbedarf
überprüft und mehrheitlich den Beschluss gefasst, diese
vorerst unverändert zu lassen und zunächst die aktuelle
Diskussion zum BGB-Bauvertrag in der Fachwelt und die
Rechtsprechung zu beobachten.
Die Fortbildungstätigkeit im Vergabe- und
Bauvertragsrecht
Insgesamt wurden im Berichtszeitraum fünf Vergabeforen
und 134 Seminare durchgeführt, 52 davon zum Bauvertragsrecht. 5.772 Teilnehmer konnten erreicht werden.
Die Reform des Vergaberechts für Dienst- und Lieferleistungen unterhalb der EU-Schwellenwerte, mit dem
Übergang von VOL/A zur UVgO, hat die Arbeit des Kompetenzfelds Vergabe- und Bauvertragsrecht im Berichtszeitraum entscheidend geprägt. Die unterschiedliche
Geschwindigkeit bei der Umsetzung der UVgO in den
einzelnen Bundesländern machte eine genaue Beobach110

tung der Gesetzgebungsaktivitäten und einen intensiven
Austausch mit den für die Umsetzung verantwortlichen
Ministerien erforderlich. Nur so konnte, unter Berücksichtigung der erforderlichen Vorläufe für die Werbemaßnahmen, zum richtigen Zeitpunkt ein Fortbildungsangebot
mit Mehrwert für die Teilnehmer angeboten werden.
Zum Teil mussten hier auch Umplanungen vorgenommen werden, wenn ein Gesetzgebungsverfahren, wie
beispielsweise in Niedersachsen wegen Auflösung des
Landtags im August 2017, ins Stocken geriet.
Auf große Nachfrage stießen die Veranstaltungen zur
Vergabe von Architekten- und Ingenieurverträgen, die
durch die Vergaberechtsreform 2016 ebenfalls auf eine
neue Rechtsgrundlage gestellt wurde. Die altbekannte
VOF findet keine Anwendung mehr, stattdessen ist die
neue Vergabeverordnung (VgV), mit ihren Besonderheiten bei der Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen, maßgeblich. Mit § 50 UVgO sind nun erstmals
auch im unterschwelligen Bereich explizite Regelungen
für die Vergabe freiberuflicher Leistungen vorgesehen.
Rechtzeitig zum Inkrafttreten der Novelle des Bauvertragsrechts zum 1. Januar 2018 konnten sich die Teilnehmer der vhw-Seminare auf verschiedenen Veranstaltungen im November und Dezember 2017 auf das neue
Recht vorbereiten.
Das Veranstaltungsangebot im Vergabe- und Bauvertragsrecht bot auch wieder Raum für neue Seminarthemen, etwa zur ausschreibungsfreien Zusammenarbeit
zwischen Kommunen nach dem neuen §108 GWB, der
Vergabe von Beratungsleistungen, sozialen Dienstleistungen oder zur Berücksichtigung von Lebenszykluskosten
bei der Ausschreibung von Bauleistungen für Gebäude,
die durch die Vergaberechtsreform 2016 ebenfalls auf
eine neue gesetzliche Grundlage gestellt worden ist.
Vergabeforen als bekannte Plattformen
Auch in diesem Berichtszeitraum führte der vhw bundesweit wiederum fünf Vergabeforen durch, die mit hochkarätigen Vertretern von Bundes- und Landesministerien,

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Vergabesenaten und Vergabekammern sowie Kommunalverwaltung und Rechtsberatung besetzt waren.
•

11. Vergaberechtsforum Süd
am 17./18. Juli 2017 in Lindau

•

11. Vergaberechtsforum Südwest
am 30./31. August 2017 in Frankfurt

•

11. Vergaberechtsforum West
am 13./14. Dezember 2017 in Köln

•

15. Vergaberechtsforum Ost
am 26./27. April 2018 in Potsdam

•

12. Vergaberechtsforum Südwest
am 20./21. Juni 2018 in Frankfurt

Ausblick
Bis spätestens zum 18. Oktober 2018 müssen sich die
Beschaffungsstellen auf die Einführung der elektronischen
Ausschreibung vorbereiten. Noch etwas länger Zeit haben
die Vergabestellen beim Wettbewerbsregister. Das Wettbewerbsregistergesetz (WReG) ist zwar am 29. Juli 2017 in
Kraft getreten. Die daraus resultierenden Mitteilungs- und
Abfragepflichten greifen jedoch erst nach Inkrafttreten
einer Rechtsverordnung, welche die Einzelheiten regelt.
Solange bleiben die Landeskorruptionsregister gültig. Gleiches gilt für die Meldepflichten im Unterschwellenbereich
nach der Vergabestatistikverordnung (VergabeStatVO).
Diese sollen erst in Kraft treten, wenn die Voraussetzungen für eine elektronische Datenübermittlung gegeben
sind, was voraussichtlich nicht vor 2020 der Fall sein wird.
Im Unterschwellenbereich warten die Rechtsanwender
weiterhin gespannt, wann, in welchem Umfang und mit
welchen Ausnahmen die noch ausstehenden Bundesländer die UVgO zur Anwendung bringen oder ob sie gar, wie
im Fall Hessen kolportiert wird, an der VOL/A festhalten.
Schon jetzt ist jedoch abzusehen, dass es unübersichtlich
bleibt und ein Flickenteppich droht.

Abb. 76 bis 79: Vergaberechtsforum Potsdam 2018 (oben „links“),
Vergaberechtsforum Süd - Trailer (Mitte),
Vergaberechtsforum West 2017 (unten),

Fotos: © vhw e. V.

Spannend bleibt die Entwicklung der VOB/A. Der DVA hält
trotz der widersprüchlichen Aussagen des Koalitionsvertrags (siehe vorher) an der VOB/A fest und arbeitet derzeit an einer Weiterentwicklung. Zur Diskussion stehen
einige Anpassungen an die UVgO, etwa die Wahlfreiheit
zwischen Öffentlicher Ausschreibung und der Beschränkter Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb, die Einführung des Direktauftrags bis zu einem Auftragswert von
3.000 Euro, Erleichterungen bei der Eignungsprüfung,
eine Regelung zum Umgang mit mehreren Hauptangeboten sowie eine klarere Regelung zur Nachforderung von
Unterlagen. Ziel des DVA ist es, Anfang 2019 eine neue
Gesamtausgabe der VOB herauszugeben, mit überarbeitetem ersten, zweiten und dritten Teil VOB/A und Änderungen im Teil C.

111

F or t bi l d u n g

berechtigten statt. Neben der Darstellung des rechtlichen
Instrumentariums wurden verstärkt psychologische und
sozialmedizinische Kenntnisse vermittelt.

Fortbildungsveranstaltungen und -aktivitäten

D

as Kompetenzfeld Wohngeld- & Sozialrecht
erreichte mit seinen Veranstaltungen im Berichtszeitraum erneut 7.000 Teilnehmer. Die Zahl der durchgeführten Seminare sank von 260 im voherigen Berichtzeitraum auf 245. Die gute Auslastung der Seminare
belegt eine gelungene Schwerpunktsetzung in thematischer wie auch örtlicher Hinsicht. Zusätzlich zu den offenen Seminaren wurden 20 Inhouse-Seminare vereinbart
und durchgeführt.
Ergebnisse und Entwicklungen in den einzelnen
Rechtsgebieten
SGB II/III
Der grundsätzliche Bedarf an Fortbildungen und Austausch über die Rechtsprechung im Bereich der HartzIV-Gesetze wurde durch zahlreiche Veranstaltungen
mit erfahrenen Richtern als Referenten abgedeckt. Das
übrige Fortbildungsangebot, gerichtet an Vermittler
oder Leistungssachbearbeiter in diesem Bereich, umfasst
rechtliche Grundlagenveranstaltungen („Sozialgeheimnis
und Sozialdatenschutz im Bereich des SGB“, „Ersatz- und
Erstattungsansprüche im SGB II“) sowie Schulungen zu
konkreten Themen wie beispielsweise den Umgang mit
Darlehen, Eigentum und Vermögen im SGB II, Bildungsund Teilhabeleistungen etc. Diese werden häufig in Form
eines Workshops und immer von versierten Praktikern
oder Richtern aus diesem Bereich durchgeführt. Die Teilnehmer profitieren von der hohen Anwendungsorientierung der Veranstaltungen. Im Vermittlungsbereich finden
nach wie vor Seminare zum Umgang mit psychischen
Problemen der grundsätzlich erwerbsfähigen Leistungs-

112

Dem thematischen Dauerbrenner „Umgang mit Selbstständigen im SGB II“ – sowohl im Vermittlungs-, als auch
im Leistungsbereich – wurde die notwendige Aufmerksamkeit zuteil: 15 Veranstaltungen widmeten sich den
Grundsätzen zur Einkommensermittlung für Einsteiger/
Fortgeschrittene oder dem Abschluss von wirkkräftigen
Eingliederungsvereinbarungen in der praktischen Handhabung unter Berücksichtigung der immer detailreicheren Rechtsprechung.
Jährlicher Höhepunkt der Fortbildungstätigkeit im
Bereich des SGB II sind die in allen Bundesländern
stattfindenden Veranstaltungen zur neuesten Rechtsprechung des Bundessozialgerichts und der Landessozialgerichte mit den Vorsitzenden Richtern der jeweils
zuständigen Gerichte.
SGB VIII/XII
Die Gestaltung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist ein wichtiger Bereich des vhw-Fortbildungsangebots. Bestimmt wurde dieser durch Veranstaltungen zu den im Berichtszeitraum teilweise bereits
eingetretenen und zu erwartenden Neuerungen des
Bundesteilhabegesetzes (Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen). Die Umsetzung dieses Gesetzes erfordert
u. a. eine völlig neue Zusammenarbeit der unterschiedlichen Stellen im Hinblick auf die Gesamthilfeplanung,
so dass der Wissens- und Austauschbedarf aller Verantwortlichen sehr groß ist.
Die daneben angebotenen Seminare wie „Integrationshelfer/Schulbegleiter für Kinder und Jugendliche“,
„Eingliederungshilfen nach dem SGB XII und SGB VIII“
sowie „Grundlagen- und Rechtsprechungsseminare zu
verschiedenen leistungsrechtlichen Themen im SGB XII“
decken den grundsätzlichen Bedarf an Fortbildung und
Austausch der Teilnehmer für ihre tägliche Arbeit gut ab.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Asylbewerberleistungsrecht

•

Straßen- und Straßenverkehrsrecht,

Nach wie vor sind die Mitarbeiter der Kommunen in der
Flüchtlingsversorgung enormen Anforderungen ausgesetzt. Die Handhabung des mehrfach geänderten Asylbewerberleistungsrechts bei großen Fallzahlen erzeugt
einen stetigen Fortbildungsbedarf, dem der vhw kontinuierlich mit über zehn Veranstaltungen im Berichtszeitraum gerecht wird.

•

Vergaberecht und

•

Wohn- und Gewerberaummietrecht.

Wohngeldrecht
Die Umgestaltung des Wohngeldrechts im Januar 2016
samt Einführung der Wohngeldverordnung bestimmte
auch im vorliegenden Berichtszeitraum als grundsätzliche
Novelle das Fortbildungsangebot des vhw. In über 20 Veranstaltungen mit mehr als 400 Teilnehmern wurde das
Instrumentarium vorgestellt, schwerpunktmäßig seine
Umsetzung in der Praxis diskutiert und im Austausch
zwischen Teilnehmern und Referenten Erfahrungswerte
gefestigt oder Rechtsauffassungen revidiert.

6.4

Fernlehrgänge

Anschlussbeitrags- und
Benutzungsgebührenrecht

Erschließungs- und
Straßenbaubeitragsrecht

Fernlehrgang

Städtebaurecht

Fernlehrgang

Ansprechpartner
für inhaltliche Fragen

Komplexe rechtliche Zusammenhänge leicht verständlich zusammengestellt
Klare Strukturen durch Aufbau in Lektionen
Lernerfolgskontrolle durch Experten

Daniela Srot
Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690
E-Mail: dsrot@vhw.de

Einstieg: Jederzeit · Dauer: 12 Monate

Basiswissen für Nichtjuristen

Der Fernlehrgang ist unter
der Nummer 0000000 von der
Staatlichen •
Zentralstelle
Komplexefürrechtliche
Fernunterricht zugelassen.

ic
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ht · Ausbil

du
n

vhw-DIPLOM

Zusammenhänge leicht verständlich zusammengestellt
• Klare Strukturen durch Aufbau in Lektionen
• Lernerfolgskontrolle durch Experten

13 Lektionen

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14 Lektionen

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Einstieg: Jederzeit · Dauer: 14 Monate

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Ansprechpartner
für organisatorische Fragen

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PLZ/Ort

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Straße

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Institution

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Name/Vorname

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Basiswissen für Nichtjuristen

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vhw – Bundesverband für
Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Bundesgeschäftsstelle / Ausbildung
Fritschestraße 27/ 28
10585 Berlin

n

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12 Lektionen

du

vhw-DIPLOM

Einstieg: Jederzeit · Dauer: 13 Monate

•
•
•

ht · Ausbil

d Lehrgangsz

vhw-DIPLOM

Komplexe rechtliche Zusammenhänge leicht verständlich zusammengestellt
klare Strukturen durch Aufbau in Lektionen
Lernerfolgskontrolle durch Experten

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d Lehrgangsz

Einstieg: Jederzeit · Dauer: 14 Monate

Basiswissen für Nichtjuristen
•
•
•

ht · Ausbil

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vhw-Diplom

Komplexe rechtliche Zusammenhänge leicht verständlich zusammengestellt
Länderübergreifende Darstellung unter Berücksichtigung von
Besonderheiten der Länder
Lernerfolgskontrolle durch Experten

ic
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as

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•

•

ht · Ausbil

d Lehrgangsz

Einstieg: Jederzeit · Dauer: 12 Monate

Basiswissen für Nichtjuristen
•

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Basiswissen für Nichtjuristen

du
n

nd Lehrgangszu
-u
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gs

un

- un
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Antwortkarte bitte ausschneiden

Leiter Fernlehrgang
RA Yves Müller
Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690
E-Mail: ymueller@vhw.de

Der Fernlehrgang ist unter der Nummer
7212010 von der Staatlichen Zentralstelle
für Fernunterricht zugelassen.

• Fernlehrgänge u. a. zum Mietrecht
• Präsenzseminare zum Erschließungs- und Straßenbaubeitragsrecht
• Fachveranstaltungen, u. a. Bad Honnefer Beitragstage

Der vhw – Ihr Partner für Wissensvermittlung

Der vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. ist
ein seit über 60 Jahren etablierter unabhängiger Idealverband in den
Tätigkeitsfeldern Stadtentwicklung und Wohnen.
Ihm gehören über 1.300 Mitglieder aus Kommunen, Immobilienund Wohnungswirtschaft an. Mit jährlich 1.000 Veranstaltungen
bundesweit und ca. 30.000 Teilnehmern gehört der vhw zu den führenden Anbietern von Fortbildung in den Bereichen Stadtentwicklung, Städtebau- und Immobilienrecht.
www.vhw.de

Fernlehrgang

Pädagogischer Leiter
Dr. H.-J. Driehaus
Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690
E-Mail: hjdriehaus@vhw.de

Ulrike Vollbrecht
Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690
E-Mail: uvollbrecht@vhw.de

Weitere Aus- und Fortbildungsangebote

Wohn- und
Gewerberaummietrecht

Fernlehrgang

Ansprechpartner
für inhaltliche Fragen

Ansprechpartner
für organisatorische Fragen

vhw-DIPLOM
urch Staa
tlic
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Gebühren / Zahlungskonditionen

Die Lehrgangsgebühren betragen insgesamt (für alle 14 Lektionen)
1.250,00 € für vhw-Mitglieder bzw. deren Mitarbeiter/Innen und
1.650,00 € für Nichtmitglieder. Dieser Betrag ist in fünf Raten zu
zahlen, und zwar in vier gleichen Raten zu je 270,00 € für vhwMitglieder und 370,00 € für Nichtmitglieder sowie einer Schlussrate
für vhw-Mitglieder und Nichtmitglieder von 170,00 €.
Die Zahlung erfolgt vierteljährlich.

Vergaberecht

Fernlehrgang

Pädagogischer Leiter / Leiter Fernlehrgang
Prof. Dr. Hans-Joachim Driehaus
Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690
E-Mail: hjdriehaus@vhw.de

ng d

Der Fernlehrgang umfasst 14 Lektionen und beginnt immer zum
Monatsanfang. Pro Monat erhalten Sie jeweils ein Lehrheft mit mindestens vier Selbstkontroll- und einer Fremdkontrollaufgabe (Einsendeaufgabe).

su
as

Organisation / Ablauf

• Komplexe rechtliche Zusammenhänge leicht verständlich zusammengestellt
• Klare Strukturen durch Aufbau in Lektionen
• Lernerfolgskontrolle durch Experten
• Unter Berücksichtigung der Mietrechtsnovelle 2013

14 Lektionen

12 Lektionen

Alle Fernlehrgänge sind von der Staatlichen Zentralstelle
für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und werden mit
einem vhw-Diplom abgeschlossen. Das Format der Fernlehrgänge ermöglicht den Teilnehmern, sich neben ihrer
Arbeit orts- und zeitunabhängig Wissen anzueignen.
Jeder Lehrgang ist in 12 bis 14 Lektionen aufgeteilt; in
den entsprechenden Lehrheften ist der Lehrstoff auf zwischen mindestens 30 bis maximal 60 Seiten komprimiert
und in einer für Nichtjuristen verständlichen Weise aufbereitet. Der Inhalt der Lehrhefte wird fortlaufend kontrolliert und bei Bedarf etwaigen Gesetzesänderungen
angepasst. So wurden beispielsweise die Lehrhefte des
Fernlehrgangs Vergaberecht nach der Vergaberechtsreform 2016 weitgehend neugefasst und die Lehrhefte des
Fernlehrgangs Städtebaurecht nach der BauGB-Novelle
2017 der neuen Rechtslage angepasst.
Jedes Lehrheft endet mit vier Selbstkontrollaufgaben
und einer Fremdkontrollaufgabe (Einsendeaufgabe).
Die Bewertung der Einsendeaufgabe erfolgt durch
den Autor des jeweiligen Lehrhefts; diese Bewertung
ist Grundlage für das bei erfolgreichem Abschluss des
Lehrgangs zu erteilende vhw-Diplom. Die Autoren der
Lehrhefte sind renommierte Experten, vornehmlich
Richter und Rechtsanwälte.

Einstieg: Jederzeit · Dauer: 12 Monate
Teilnahmegebühr: 1.400 €
(1.100 € für Mitglieder des vhw)

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Bundesgeschäftsstelle / Ausbildung
Fritschestraße 27/28, 10585 Berlin · Telefon: 030 390473 - 630
Fax: 030 390473 - 690 · E-Mail: uvollbrecht@vhw.de
www.vhw.de

www.vhw-Ausbildung.de

www.vhw-Ausbildung.de

www.vhw-Ausbildung.de

vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Bundesgeschäftsstelle / Ausbildung
Fritschestraße 27/28, 10585 Berlin · Telefon 030 390473 - 630
Fax 030 390473 - 690 · E-Mail: dsrot@vhw.de
www.vhw.de

www.vhw-Ausbildung.de

www.vhw-Ausbildung.de

Die sechs aktuellen Fernlehrgänge des vhw

Mit den vhw-Fernlehrgängen zum vhw-Diplom

N

ach jahrzehntelanger, erfolgreicher Arbeit im
Rahmen von Präsenzseminaren ist der vhw seit
März 2010 mit Fernlehrgängen auf dem Markt. In der
Ausbildungsreihe „Basiswissen für Nichtjuristen“ bietet
er gegenwärtig die sechs folgenden Fernlehrgänge an:
•

Anschlussbeitrags- und Benutzungsgebührenrecht,

•

Erschließungs- und Straßenbaubeitragsrecht,

•

Städtebaurecht,

Das vom vhw entwickelte Konzept für die Fernlehrgänge
hat sich nicht zuletzt dank der engagierten Mitarbeit der
Autoren der Lehrhefte bewährt; die Fernlehrgänge sind
vom Markt überwiegend gut angenommen worden.
Bereits über 1.000 Teilnehmer haben sich angemeldet. Interessenten können telefonisch oder schriftlich
Informationsunterlagen anfordern und sich u. a. auf
der Grundlage von Lehrheftauszügen ausführlich über
Aufbau und Inhalte der Lehrgänge informieren. Viele
Teilnehmer haben inzwischen einen Fernlehrgang erfolgreich abgeschlossen und ein vhw-Diplom erhalten; sie
konnten dadurch an den vhw gebunden werden und
sind seither mehr oder weniger regelmäßige Teilnehmer
von Präsenzseminaren des vhw geworden.
113

F or t bi l d u n g

6.5

Fachliteratur Fortbildung
Neuerscheinungen im 2. Halbjahr 2017 und
1. Halbjahr 2018:

„Selbstständigen“ ergänzt. Die mit der Wohngeldverwaltungsvorschrift 2017 (WoGVwV) definierten Anforderungen zum Umgang werden hiermit umfassend dargestellt,
erläutert und anhand von Beispielen und Übungen veranschaulicht. Eine kritische Auseinandersetzung mit den
von den Autoren gesehenen rechtlichen Widersprüchen
in der WoGVwV ergänzt diesen Abschnitt.

Aufhebung und Rückforderung von Leistungen
nach dem Wohngeldgesetz (WoGG) –
Ein Handbuch für die tägliche Praxis
Uwe Grund, Werner Zills
2. Auflage, Juni 2018 – mit CD-ROM mit zahlreichen
Mustertexten

An den in der Praxis auftauchenden Frage- und Problemstellungen orientiert, werden die materiell-rechtlichen
Anforderungen an eine rechtskonforme Umsetzung der
Aufhebungs- und Rückforderungsvorschriften aus dem
WoGG und dem SGB X unter Berücksichtigung auch der
verfahrensrechtlichen Erfordernisse behandelt. Anhand
vieler kleiner Vertiefungsübungen kann der Leser die
bereits vorhandenen oder dazugewonnenen Kenntnisse
überprüfen. Die Lösungen hierfür finden sich im Anhang
des Buches. Es werden zudem viele Mustertexte für die
Gestaltung von Bescheiden und weiteren notwendigen
Schriftverkehr – ergänzt um weitere Muster für den
Personenkreis der Selbstständigen – angeboten. Um
die Nutzung und Anpassung der Muster an die lokalen
Bedürfnisse – soweit hierfür Bedarf besteht – zu erleichtern, ist dieser Auflage nunmehr eine CD beigelegt, die
alle Mustertexte in Dateiform enthält.

Eine wichtige Anwendungshilfe für die Praxis

M

it dem Handbuch steht eine praxisorientierte
Hilfe für den speziellen Themenkreis der Aufhebung von Wohngeldbescheiden und Rückforderung zu
Unrecht erbrachter Leistungen zur Verfügung.
Vor dem Hintergrund der in der Praxis regelmäßig auftauchenden Frage- und Problemstellungen erläutern
die Autoren neben den materiell-rechtlichen Anforderungen an eine rechtskonforme Umsetzung der Aufhebungs- und Rückforderungsvorschriften aus dem WoGG
und dem SGB X, insbesondere auch die verfahrensrechtlichen Erfordernisse, ausführlich. Auch die notwendigen
Fragen des Forderungsmanagements und der Einleitung
von Sanktionsverfahren werden in eigenen Abschnitten
der Schrift erläutert.
Die erste Auflage war nach weniger als einem Jahr vergriffen. Mit der 2. Auflage wurde die Schrift in einigen
Punkten redaktionell überarbeitet, vor allem aber um den
Schwerpunkt des schwierigen Umgangs mit der Ermittlung des Wohngeldanspruchs für den Personenkreis der

114

Der standortgerechte Einzelhandel
Ulrich Kuschnerus, Olaf Bischopink, Alexander Wirth
2. vollständig überarbeitete Auflage, Mai 2018
Einzelhandel raum- und stadtverträglich planen

D

ie Zulässigkeit von Einzelhandelsnutzungen und
ihre sachgerechte Steuerung durch die kommu-

Fortbildung: Auftrag und Überblick

nale Bauleitplanung wie auch die Landes- und Regionalplanung gehören zu den wichtigsten Themen der
Raumplanung und des Städtebaus. Einzelhandel ist ein
unverzichtbares Element unserer Städte und Gemeinden. Ohne ihn können sie ihre Aufgabe einer bedarfsgerechten Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung
nicht hinreichend erfüllen, zudem bestimmt gerade
der Einzelhandel in hohem Maße die Attraktivität der
Innenstädte und Ortskerne. Der gegenläufige Trend
zum „verkehrsgerechten“ Einzelhandel mit Standorten
auf der grünen Wiese und in peripheren Lagen, ist noch
nicht gebrochen. Hinzu kommt die Konkurrenz durch
den Onlinehandel. Die Gesetzgeber des Bundes und der
Länder haben die sich hieraus ergebenden Herausforderungen erkannt und mit gesetzlichen Vorgaben zur Stärkung der Innenentwicklung der Städte sowie der verbrauchernahen Versorgung der Bevölkerung reagiert.
Auch die Rechtsprechung muss sich vielfach und in
unterschiedlichsten Konstellationen – zunehmend auch
in interkommunalen Streitigkeiten – mit der Zulässigkeit von Einzelhandelsnutzungen und ihrer planerischen
Steuerung befassen.
Entscheidend für einen raum- und stadtverträglichen
Einzelhandel ist, wo und in welcher Form er sich ansiedelt. In den Erläuterungen werden daher die Anforderungen des aktuellen Raumordnungs- und Städtebaurechts an einen standortgerechten Einzelhandel
systematisch aufbereitet und ihre praktischen Umsetzungsmöglichkeiten verdeutlicht. Der erfolgreiche Einsatz der vom Gesetzgeber bereitgestellten Instrumentarien zur standortgerechten Steuerung des Einzelhandels
hängt von der Einhaltung der zugleich bestehenden
rechtlichen Schranken ab.
Mit der Neuauflage möchten die Autoren einen Beitrag
zum rechtssicheren Umgang mit Einzelhandelsvorhaben
leisten, damit raumordnerisch und städtebaulich sinnvolle Steuerungsbemühungen nicht letztlich vor Gericht
scheitern und im Übrigen städtebaulich erwünschte
Ansiedlungsentscheidungen rechtssicher umgesetzt
werden können. Hierzu sind die Ausführungen zum

standortgerechten Einzelhandel in der Neuauflage
umfassend überarbeitet und dem Stand der Gesetzeslage und hierzu vorliegender Rechtsprechung angepasst
worden.

Praxislehrbuch Vergaberecht
Kai-Uwe Schneevogl, Jan Peter Müller
1. Auflage, April 2018
Das neue Lehrbuch zum Vergaberecht

D

as neu in erster Auflage erschienene Praxislehrbuch
Vergaberecht zeigt, wie das schier undurchdringlich erscheinende Vergaberecht von den Auftraggebern
genutzt werden kann, um einen Auftrag erfolgreich und
effizient vergeben zu können. In leicht verständlicher
Weise werden die maßgeblichen Leitlinien dargestellt.
Dabei berücksichtigt die Handreichung alle Stadien
eines Vergabeverfahrens von der Strukturierungsphase,
über die Bekanntmachung, die Prüfung und Wertung
der Angebote bis hin zum Zuschlag.
Das öffentliche Auftragswesen und damit auch das
gesamte Vergaberecht haben in den vergangenen Jahren
immer mehr an Bedeutung gewonnen. War es früher
allein Teil des Haushaltsrechts und insoweit reines Binnenrecht der Verwaltung, hat es sich spätestens mit der
Einführung eines eigenständigen Rechtsschutzsystems im
Oberschwellenbereich in den vergangenen 20 Jahren zu
einem eigenständigen, voll entwickelten, aber in unterschiedliche Rechtsregime (Gesetze, Rechtsverordnungen,
Erlasse, etc.) zersplitterten Rechtsgebiet entwickelt. Seither
ist das Vergaberecht traditionell einer hohen Dynamik in

115

F or t bi l d u n g

der Rechtsetzung und Rechtsprechung unterworfen, was
die ohnehin bereits bestehende Komplexität des Rechtsgebiets noch erhöht. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine rechtssichere Vergabe öffentlicher Aufträge
werden insofern zunehmend anspruchsvoller. Hier will
das Praxislehrbuch Vergaberecht ansetzen und dem Leser
einen Überblick über das Vergaberecht und dessen Leitlinien geben. In einfacher Sprache und unter Zuhilfenahme
vieler Schaubilder soll dieses Buch eine Anwendungshilfe
für die Praxis sein. Getreu dem Motto „komplizierte Materie muss nicht auch noch kompliziert dargestellt werden“
richtet sich das Buch deshalb insbesondere an Praktiker
und auch Nicht-Juristen, die eine Vergabe rechtssicher
gestalten wollen.

Das Baugesetzbuch
Gesetze und Verordnungen zum Bau- und
Planungsrecht – Textausgabe/Synopse
14. Auflage, Februar 2018
Für eine schnelle Einarbeitung in die neuen
Vorschriften

D

ie Neuauflage der Textausgabe ist dem schnellen
Abverkauf der 13. Auflage vom September 2017
geschuldet. Sie berücksichtigt den redaktionell angepassten amtlichen Wortlaut des Baugesetzbuchs und
der Baunutzungsverordnung durch die Neubekanntmachungen vom 3. und 21. November 2017, mit denen
keine inhaltlichen Änderungen verbunden waren.
Die 14. überarbeitete Auflage beinhaltet alle mit dem
Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2014/52/EU im Städ-

116

tebaurecht und zur Stärkung des neuen Zusammenlebens
in der Stadt einhergehenden Rechtsänderungen. Eingearbeitet sind zudem die Änderungen durch das Gesetz
zur Anpassung des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes, das
Gesetz zur Modernisierung des Rechts der Umweltverträglichkeitsprüfung, das Gesetz zur Änderung raumordnungsrechtlicher Vorschriften sowie die Neuregelungen
durch das Hochwasserschutzgesetz II. Die Textausgabe
berücksichtigt ferner bereits die Vorschriften des Gesetzes zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, die am
1. April 2018 in Kraft getreten sind. Sie bietet eine wertvolle Hilfe bei der Einarbeitung in die neue Gesetzeslage
und erleichtert den korrekten Umgang mit dem neuen
BauGB.

Wohngeld – Leitfaden 2017/2018
Die Schwerpunkte der Wohngeldentscheidung
Ingo Christian Hartmann
10. Auflage, September 2017
Das Standardwerk für die Wohngeldentscheidung

D

er bei allen Wohngeldbehörden eingeführte,
bewährte Leitfaden zum Wohngeld ist im September 2017 in 10. Auflage erschienen und erläutert das
Wohngeldrecht umfassend. Die Reform 2016 hat zu einer
weitgehenden Änderung des Wohngeldgesetzes geführt;
auch die Wohngeldverordnung ist angepasst worden. Die
neue, im Juli 2017 bekanntgegebene Wohngeld-Verwaltungsvorschrift ist umfassend eingearbeitet.
Sämtliche Rechtsänderungen sind im Leitfaden berücksichtigt. Ausführlich werden Inhalt und Konsequenzen

Fortbildung: Auftrag und Überblick

der neuen Vorschriften behandelt. Ausgebaut sind u. a.
die Einkommensermittlung und Fragen der missbräuchlichen Inanspruchnahme. Neu aufgenommen ist ein Kapitel zum Erstattungsrecht zwischen den Leistungsträgern.
Eingehend verarbeitet sind insbesondere die aktuelle
Rechtsprechung und die Rechtsetzung außerhalb des
Wohngeldrechts. Weiter ausgebaut und vertieft ist der
Einkommenskatalog.

ausweis der behördlichen Verwaltungstätigkeit. Woher
aber wissen Mitarbeiter, wie ein solcher Bescheid äußerlich und inhaltlich zu gestalten ist? Gesetzliche Vorgaben
über Inhalt und Aufbau eines Bescheids existieren nicht.
Gleichwohl besteht keine vollkommene Freiheit für die
Gestaltung des Bescheids. Der rechtliche Maßstab ergibt
sich vielmehr aus dem Inhalt der durch den Bescheid verkörperten Verwaltungstätigkeit selbst.

Der Leitfaden behandelt alle wichtigen Arbeitsvorgänge
der Wohngeldpraxis – von der Antragsannahme und
Einkommensermittlung über die Bewilligung oder Versagung bis zur Aufhebung des Wohngeldbescheides und
zur Erstattung. Zahlreiche Beispiele erleichtern die Arbeit
ebenso wie der Einkommenskatalog und ein umfassendes Stichwortverzeichnis, das die Nutzer des Fachbuchs
zu ihren speziellen Fragen führt. Die ausführlichen Erläuterungen bieten allen mit dem Wohngeld Befassten eine
fundierte Orientierung für die tägliche Arbeit.

Die dritte Auflage behält das bewährte Konzept der ersten
beiden Auflagen bei. Neben der Einarbeitung von aktueller Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(etwa zur Inanspruchnahme von Gesellschaftern einer
GbR – BVerwG vom 14.10.2015, 9 C 11/14) fand das seit
1. Januar 2017 geltende „Gesetz zur Modernisierung des
Besteuerungsverfahrens“ vom 18. Juli 2016 (BGBl I 1679)
Berücksichtigung. Dies ermöglicht auch Mitarbeitern von
Landes- und Kommunalbehörden eine frühzeitige Einarbeitung in die Materie, da die Verabschiedung entsprechender Landesregelungen nur eine Frage der Zeit ist.

6.6

Informations- und
Öffentlichkeitsarbeit im
Fortbildungsbereich
Veranstaltungsmarketing

Bescheidtechnik
Sven Müller-Grune
3. Auflage, Juli 2017
Eine wichtige Anwendungshilfe für die Praxis

A

uch die 2. Auflage „Bescheidtechnik“ war schnell
vergriffen. Mit dem Werk gibt der Autor Mitarbeitern in der öffentlichen Verwaltung wichtige Hilfestellungen beim Erlass von Bescheiden unter Anwendung
der richtigen Bescheidtechnik an die Hand. Bescheide
geben Verwaltungsakten – als wichtigstes Instrument der
öffentlichen Verwaltung – eine Gestalt. Sie sind Qualitäts-

D

ie wirkungsvollsten Informationsinstrumente und
-kanäle des vhw zur Ansprache seiner Zielgruppen
sind Flyer, Veranstaltungskalender, E-Mailings, die Veranstaltungspräsenz im Internet sowie Auslagenaktivitäten auf
den Präsenzveranstaltungen und Bewerbungen weiterer
passender Termine in den Fortbildungsflyern. Mit diesen
auflagenstarken Informationsträgern werden potenzielle
Fortbildungsinteressenten regelmäßig, nutzerorientiert
und einladend zu den verschiedenen Veranstaltungen und
Veranstaltungsformaten informiert. Neben diesen eigenen
Kanälen bedient der vhw für die Vermarktung seines Fortbildungsangebots aber auch gezielt und regelmäßig Landesund Fachportale.
117

F or t bi l d u n g

Abb. 80: Infoservice zur Zweitverwertung

Monatlich wird ein seit 2008 aktiver Informationsservice an Medien, Newsletter, Portale und für Informationskanäle Externer
zusammengestellt und an verwertende
Partner mit entsprechenden Terminrubriken versendet. So ergänzen sich eigene
und externe Informationskanäle, um die
unterschiedlichen Zielgruppen fachlich und
mehrfach über „ihre“ zusätzlichen Informationsmedien zu erreichen.
In der Regel werden neben den individuell
zusammengestellten Listen für kommunale Verwerter monatlich bis zu 16 Themenlisten zu folgenden Themenfeldern
erstellt und versendet: 1. Abgabenrecht, 2.
Arbeits-, Dienst-, Beamtenrecht, 3. Bodenrecht & Immobilienbewertung, 4. Immobilienrecht, -management und -förderung,
5. Kommunikation & Personalentwicklung,
6. Stadtentwicklung & Bürgerbeteiligung
(gesondert 7. Denkmalrecht), 8. Städtebaurecht, 9. Umweltrecht & Klimaschutz
(gesondert 10. Abfall- und Wasserrecht,
11. Erneuerbare Energien, 12. Windenergie), 13. Vergaberecht, 14. Verwaltungsrecht, 15. Verkehrsplanung & Straßenrecht, 16. Wohngeld- & Sozialrecht.

Abb. 81 bis 84: Ergebnisse dieses monatlichen Informationsservices
sind mess- und sichtbar

Die Versandlisten dienen zur etablierten Zweitverwertung
von Veranstaltungsterminen durch Multiplikatoren, wie

118

Screenshots: Publikationen via Google

Fach- und Kommunalmedien mit eigenen Plattformen, Zeitschriften und Newslettern.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Abb. 85 bis 88: Fach- und Landesportale als zweiter Informationsweg zur vhw-Fortbildung

Fach- und Landesportale

N

eben dem fachmedienspezifischen Versenden von Veranstaltungsinformationen werden regelmäßig verschiedene Landes- und Fachportale mit Fortbildungsangeboten
durch den vhw gepflegt.

Screenshots: Portale via Google

Zu einem wichtigen Multiplikator in der Informationsverbreitung haben sich die vhw-Referenten entwickelt. Ihre Tweets,
Referenzen und Verweise auf vhw-Fortbildungsangebote
von eigenen Webseiten unterstützen die Informationsaktivitäten des Verbandes und die Ansprache der verschiedenen
Zielgruppen auf unterschiedlichen Informationskanälen.
119

F or t bi l d u n g

Abb. 89 bis 91: Verweise von Referenten des vhw unterstützen die Zielgruppenansprache.

Pilot Einleger: Fundstelle & Verwaltungsblatt

M

it einer Einlegeaktion in drei ausgewählten Medien
des Boorberg Verlags: der Gemeindeverwaltung
Rheinland-Pfalz, der Fundstelle Bayern und der Fundstelle Hessen hat der vhw e. V. in 2017 ein werbliches
Pilotprojekt unternommen. Alle zwei Monate wurden
den drei Fachmedien Veranstaltungskalender beigefügt.
Ziel der Kampagne war es, der vhw-Fortbildungszielgruppe in anderen Medien zu begegnen, neue Kontakte
herzustellen und neue Teilnehmer (identifizierbar über
einen eineindeutigen Code) zu generieren. Einige Neu-

120

Screenshots: Internetstartseiten von Referenten via Google

kunden konnten gewonnen werden, die konkrete Kontaktanzahl von Erstinformierenden hingegen war damit
nicht zu bestimmen, ist aber anzunehmend vorhanden.
Renommierte und etablierte Fachmedien werden für
den Verband in Zukunft ein stärkerer Partner werden,
um Fortbildungsinformationen zielgruppenbezogen
kontinuierlich auch in anderen Kanälen Interessierten
verfügbar zu machen.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Werbe- und Informationsmittel

D

ie Öffentlichkeitsarbeit unterstützte verschiedene
Kleinprojekte: von der Bildmotivsuche für Programmflyer über spezielle Kooperation zwischen Veranstaltungsverantwortlichem und Medienpartner bis
zum Sonderverteiler Fachmedien und Trailern für vhwLeuchtturmveranstaltungen.

Abb. 92: Kooperation mit dem Boorberg Verlag 2017

Screenshots: Fundstelle/Gemeindeverwaltung via Google

Arbeitsgemeinschaft Flyeroptimierung

D

er Veranstaltungsflyer ist neben der E-Mail und
dem Internet das häufigste Informationsmittel,
um Kunden über Fortbildungsangebote zu informieren, dafür zu interessieren und zu gewinnen. Um hier
immer wieder die „Kundenbrille“ aufzusetzen, wurde
2016 die Arbeitsgemeinschaft Flyeroptimierung eingerichtet. Sie soll durch das
Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven den Kundennutzen für die Gestaltung eines
attraktiven Flyers immer wieder
auf den Prüfstand stellen. 2018
gab die Datenschutzgrundverordnung den Anlass, den Flyer
entsprechend
auszustatten.
Die inzwischen eingegangenen
Anregungen zur Optimierung
des Layouts der Veranstaltungsflyer wurden gesammelt und
werden im Sommer 2018 ausgewertet. Die im Resultat dann
überarbeiteten Layoutvorschlägen werden mit den Kollegen
diskutiert, um am Ende auch
der aktuellen Gestaltung neue
Impulse zu geben.

Abb. 93: Flyerdesign im Fokus

Abb. 94: Im Berichtszeitraum wurden 16 Trailer gefertigt.

Regelmäßig informiert die Öffentlichkeitsarbeit mit dem
Format „ÖA informiert“ zu verbandspolitischen Veranstaltungen, dem Erscheinen der Verbandszeitschrift, Werbemaßnahmen, Kooperationen und Projektaktivitäten.
Im Berichtszeitraum gab es 20 „ÖA informiert“:
ÖA informiert: Fortbildung – V-Ticker-Abonnenten – 5.000 geschafft!
ÖA informiert: vhw e. V. unterstützt Integrationspreisprojekt
„Flüchtlingen ein Gesicht geben“ – 25. Oktober 2017 in Berlin
ÖA informiert: Stichwortsuche unter Fortbildung teiloptimiert
ÖA informiert: vhw-Verbandstag 15. November 2018 – Programm live
ÖA informiert: FWS 6/2017 online – Digitales im Städtischen

Slider

D

ie Bildbühne als ein Informationsmittel im Internet
wird auf der Fortbildungsseite im Internet regelmäßig genutzt. In der Regel finden sich dort im Wechsel acht verschiedene Ankündigungen für jeweils eine
Dauer von ca. vier Wochen. Nutzer werden über einen
Link zu weiteren Informationen auf die jeweilige Ver121

F or t bi l d u n g

anstaltungs- oder Publikationsseite geführt. Thematisch
werden hier die Leuchtturmveranstaltungen des vhw,
wie Vergaberechtsforen oder Beitrags- bzw. Baurechtsoder Mietrechtstage, Neuerscheinungen von Fachbücher, neue Themen oder Formate aufgenommen.

Abb. 95: Auf der Fortbildungsseite werden besonders hervorzuhebende
vhw-Veranstaltungen im Slider angekündigt.

vhw im www

D

rei Beispiele zeigen, dass der vhw mittels sehr verschiedener „Anker“ im Internet gut aufzufinden
ist. Bei ca. 1.900 Veranstaltungen im Jahr bringen 1.900
URL thematische Vielfalt ins Netz. Interessierte, die thematisch, aber anbieter-ungezielt suchen, können auf
diese Weise zum vhw gelangen. Prägnante Titel, Schlüsselwörter im Teaser, unterstützende Verlinkungen bei
Referenten und in Portalen sowie verweisende Seiten von
Fachmedien helfen, den Algorithmus so zu beeinflussen,
dass der vhw seinen guten Rankingplatz behält, der von
Zugriffen, Suchagenten, Bewertungen und einer Reihe
von nicht bekannten Faktoren immer wieder neu berechnet wird. Die Suchoptimierung für das Netz ist somit eine
Dauerbaustelle, die 2018 mit konkreten Maßnahmen im
Rahmen des „Warenkorb-Projekts“ umgesetzt wird.
Internetentwicklung

D
Abb. 96: Ankündigung einer Neuerscheinung aus dem vhw-Fachbuchverlag

as Nutzerverhalten – ablesbar an Zugriffszahlen
und -zeiten – hat sich für den Bereich Fortbildung
im Vergleich zu den letzten Berichtszeiträumen wenig
verändert. Wie in jedem Berichtszeitraum ist zum Jah-

Abb. 97 bis 99: Mit den Suchworten „Städtebaurecht“, „Sicherung der Bauleitplanung“
und „Seminar vhw“ werden Fortbildungsangebote des vhw direkt beim vhw, aber auch
auf Portalen Externer gefunden.
Screenshots: Google

122

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Monatliche Internetzugriffe

900000
800000 110356
700000
600000

71275

500000

57608

400000
84005

300000

52848

200000

73659

45886

100000

2012

2013

2014

be

2018

Abb. 100: Monatliche Zugriffe im Internet auf den Bereich Fortbildung mit jährlich typischem Verlauf

Grafik: vhw e. V.

resbeginn ein Anstieg der Nutzerzahlen festzustellen.
Besonders erfreulich ist, dass sich permanent laufende
Anpassungen zur besseren Nutzerfreundlichkeit (z. B.
mit der Suchoptimierung) in einer deutlich reduzierten
Absprungrate manifestieren.

Warenkorb & Kundenservice

ez
D

N

em

em

2017

r

r
be

er

2016

ov

kt

ob

be
o

em

2015

Se

pt

ug

us

r

t

li
A

Ju

ai

ni
Ju

2011

m

il
A

pr

m

är

z

r
ua
br

2010

Fe

Ja

nu

ar

0

– wie das Markierung der Suchworte auf Ergebnis- und
Folgeseite, die Vergabe von Relevanzen in der Anzeige, die
Angleichung der Such- und Ergebnisdarstellungsmodi bei
beiden Suchtypen sowie ein strukturiertes Darstellen der
Suchergebnisse bei der Indexsuche – unterstützen erfolgreiche Suchen der Kunden. Gleichzeitig ermöglicht die
überarbeitete Indexsuche, die alle Inhalte des vhw-Internets
filtert, das Sichtbarmachen von inhaltlichen Schnittstellen
bei Fortbildung und Forschung. 20 Prozent der Sitzungen
sind mit Suchaktivitäten verbunden, davon verfeinert etwa
ein Viertel die Suche noch einmal. In Kombination mit dem
Wert der Absprungrate, der sehr gering ist, darf interpretiert
werden: Der Kunde findet, was er sucht.

Diese zwei miteinander verbundene Projekte sind seit
März 2017 in der Planung und seit Mitte 2018 in der
konkreten Umsetzung. Ziel ist es, die Bedienerfreundlichkeit für die Kunden im Internet zu erhöhen und
Angebote miteinander zu verbinden. In diesen Prozess
sind verschiedene Abteilungen des vhw eingebunden.
Die Aufstellung einer interdisziplinären Projektgruppe
mit Internetredaktion, Controlling, Seminarverwaltung,
Fortbildung und Datenschutz war daher nur folgerichtig. Ab Juli 2018 werden die ersten Testschleifen auf
dem Testserver erfolgen. Die Projekte sind zur Liveumsetzung zum Jahresbeginn 2019 angestrebt.

Bei den Zielseiten – also den Einstiegsseiten – gehen ca.
50 Prozent der gezielten Einstiege auf das Konto von Veranstaltungsdetailseiten. Den mit Verlinkungen zu diesen Seiten
arbeitenden E-Mailings, welche diese Einstiege erst ermöglichen, bestätigt dies ihre Relevanz als Informationsweg.
Suchoptimierung
Seit 2017 liegen die Anteile
der Indexsuche (Suche im
blauen Kopfteil jeder Internetseite) und der Veranstaltungssuche annähernd gleich.
Schritte zur Suchoptimierung

Abb. 101: Kategorienauflistung der Indexsuche mit dem Beispielsuchwort „Fläche“

Screenshot: vhw-Internet via Google

123

F or t bi l d u n g

Warenkorb Kundenservice

November 2017 Februar bis Juni 2018

Anforderungen
definieren, vhw

März 2017

Designrichtung
abstimmen, technisches Konzept
schreiben, Form4

April bis Juni 2018

Juli 2018

August 2018

Angebot(e) mit
Zeitrahmen und
Budget anpassen.

Juli/August 2018

bis November 2018

Prototyp erstellen,
Testkonfigurationen
vornehmen, Seiten in
der Livetestumgebung anlegen.
Juli/August 2018

Tests im
Team,
mit vhw &
Form4
machen.

Freigabe zur
Umsetzung
auf Live
erteilen.

bis November 2018

Abb. 102: Zeitplan verbundener Internetprojekte

Grafik: vhw e. V.

Nachrichten wurden mit
thematisch passenden
und aktuellen Fortbildungsveranstaltungen
verknüpft. Zunehmend
erfolgt aber auch eine
Verknüpfung von vhwFortbildungsnachrichten
mit passenden Forschungsergebnissen
und vhw-Veranstaltungen. Insgesamt wurden
337 Meldungen aus
Pressemitteilungen und
Newslettern verarbeitet.

Nachrichtenredaktion
Das Interesse an Nachrichten nimmt seit 2016 beständig Platz 8 oder 9 von allen Internetinhalten im Ranking ein. 2,3 Prozent der Aufrufe oder
10 Prozent der Sitzungen sind mit dem
Anschauen von Nachrichten verbunden.
Diesen Argumenten eines Interesses an
nachrichtlichen Informationen folgt die
Internetredaktion. Im Juli 2013 begann
die Nachrichtenredaktion und hat seit1220
dem diesen Bereich stetig bedient. InzwiAnzahl
1441
schen arbeitet die Nachrichtenredaktion
1279
mit ca. 60 auszuwertenden Newslettern/
RSS-Feeds, z. B. von Fachministerien,
Landesregierungen,
EU-Institutionen,
Bundes- und Obergerichten sowie ForAufrufe
schungseinrichtungen.
Nachrichten zu den rechtlichen Themenfeldern der Fortbildung spielen sowohl auf
der Startseite (Rubrik Fortbildung), als auch
auf der Fortbildungsseite (dort als eigene
Kategorie, die sich je nach gesuchtem Themenfeld automatisiert zuordnet) eine große
Rolle. 92 Prozent (eine Steigerung um 9 Prozent zum vorherigen Berichtszeitraum) der
124

Zugriffe auf Nachrichten

13651
28982
22600

0

5000

10000

15000
2018*

2017

20000

25000

30000

35000

2016
*erstes Halbjahr 2018

Abb. 103: Zugriffe auf Nachrichten – ein guter Grund, die vhw-Internetseite zu besuchen

Grafik: vhw e. V.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Abb. 104/105: Auf der Fortbildungsseite werden in der Rubrik Nachrichten zu jedem Fortbildungsthemenfeld des vhw wöchentlich aktuelle Nachrichten
angezeigt. Oben: Nachricht zum Polizei- und Ordnungsrecht, unten: Nachricht Stadtentwicklung
Screenshots: vhw-Internet aus Google

Top 3 der am häufigsten aufgerufenen Nachrichten
waren im Berichtszeitraum:

Top 3 der Nachrichten mit den am häufigsten aufgerufenen Veranstaltungshinweisen waren:

1.

Neue Landesbauordnung Schleswig-Holstein am
1. Juli 2016 in Kraft getreten

1.

Neue EU-Schwellenwerte ab 1. Januar 2018
veröffentlicht

2.

Muster-Einführungserlass zur BauGB-Novelle 2017
veröffentlicht

2.

Muster-Einführungserlass zur BauGB-Novelle 2017
veröffentlicht

3.

Niedersachsen: 1000 Grundwassermessstellen
liefern wichtige Daten für die Politik

3.

Bundestag hat das Gesetz zur Modernisierung der
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) beschlossen

125

F or t bi l d u n g

Themenfeldzuordnung

2018*

2017

2016

Abgaben-, Gebühren-, Beitragsrecht

11

13

11

Allgemeines Verwaltungshandeln

20

30

25

Arbeits-, Dienst-, Beamtenrecht

8

11

10

Bodenrecht & Immobilienbewertung

13

12

6

Immobilienrecht, -management, -förderung

28

50

35

Kommunalwirtschaft

15

26

35

Kommunikation & Personalentwicklung, Softskills

2

6

7

Polizei- & Ordnungsrecht

26

22

20

Städtebau-, Bauordnungsrecht, Raumordnung

37

78

63

Stadtentwicklung & Bürgerbeteiligung

37

63

57

Umweltrecht & Klimaschutz

46

80

64

Vergabe- & Bauvertragsrecht

12

19

16

Verkehrsplanung & Straßenrecht

32

37

13

Wohngeld- & Sozialrecht

20

17

46

Summe FB-Nachrichten

200

326

260

*erstes Halbjahr 2018

Abb. 106: Überblick über die redaktionelle Nachrichtenverarbeitung
nach Themen

Tabelle: vhw e. V.

Um dem Interesse an Informationen auch durch Nachrichten mit Landesbezug gerecht zu werden, hat die Redaktion 2018 ein Konzept erarbeitet, was einerseits die Arbeit
der Redaktion transparent strukturiert und andererseits
erste Maßnahmen für einen gemäßigten redaktionellen
Ausbau beschreibt. Nachrichten, zumeist in Verbindung
mit aktuellen Fortbildungsangeboten des vhw, unterstützen die praxisnahe und auf neue Rechtsprechung konzipierte Fortbildungsarbeit des Verbandes. Zugleich sind
Nachrichten ein zusätzlicher Grund, den vhw für fachliche
Informationen zu nutzen. Für den redaktionellen Ausbau
ist geplant, mit Partnern zu kooperieren, die durch Kommentare zu Rechtsprechung und Fachartikel ein Renommee in den Fachzielgruppen erarbeitet haben sowie
redaktionelle Mitarbeiterkapazitäten vorhalten.

126

Regionale Geschäftsstellenseiten
Auf den Kontaktseiten der Regionalgeschäftsstellen werden regelmäßig Veranstaltungskalender zum
Fortbildungsangebot in den jeweiligen Regionen zum
Download bereitgestellt. Darüber hinaus werden an
dieser Stelle organisatorische Hinweise aus den Regionalgeschäftsstellen platziert.
Dokumentation
Die Internetredaktion erarbeitet und aktualisiert Handlungsanleitungen, dokumentiert und betreut wesentliche technischen Umsetzungen. 2017 wurde ein
Style- und Redaktionsguide erarbeitet, das alle Seiten
unseres Internetauftritts mit den dazugehörigen Rubriken, deren Funktionen und fixierten Regeln sowie den
wesentlichen prozessualen Abläufen für die Sichtbarkeit
im Internet zu einem gebrauchsfähigen Handbuch formuliert hat.
Fernlehrgänge & neue Fortbildungsformate
Bewerbungsmaßnahmen für die Fernlehrgänge erfolgten hauptsächlich über eigene Kanäle, die Präsenzveranstaltungen und Flyer. Trailer zur Verwendung auf
Präsenzveranstaltungen bzw. Textbausteine für Veranstaltungsflyer wurden aktualisiert und die Auslageaktivitäten dokumentiert.
Für neue Formate – wie den mehrtägigen Lehrgang –
wurden ein neues Gestaltungsformat und kleine Werbekonzepte entwickelt und gemeinsam mit den Konzipierenden dieser Veranstaltungsformate umgesetzt.

Fortbildung: Auftrag und Überblick

Abb. 107 bis 109: Mehrtägige Fortbildungen kommen an: Fachkraft Kostenrechnung + Moderator in der Stadtentwicklung + Fortbildung zur Leitungskraft im kommunalen Bauhof

127

F or t bi l d u n g

128

vhw

Organisation

129

O r gani s a t i o n

7.

Rechtliche Verhältnisse, Organe
und Organisation

sitzende und Ehrenmitglieder haben das Recht, an den
Sitzungen der Organe und Arbeitsgruppen des Verbandes beratend teilzunehmen, denen sie früher angehört
haben.

7.1

Rechtliche Verhältnisse

Ehrenvorsitzende des vhw sind:
Reinhart Chr. Bartholomäi
Staatssekretär a. D.
Frankfurt am Main

D

er vhw – Bundesverband wurde als Deutsches
Volksheimstättenwerk e. V. am 1. Dezember 1946
gegründet. Er war im Vereinsregister beim Amtsgericht
Bielefeld unter der Vereinsregister-Nr. 415 und seit dem
4. März 1964 in Köln unter der Vereinsregister-Nr. 4924
eingetragen. Mit der Verlegung des Vereinssitzes nach
Bonn erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister des
Amtsgerichts Bonn am 27. März 1986 unter der Vereinsregister-Nr. 5286. Seit dem 21. August 2001 mit der
Verlegung des Vereinssitzes nach Berlin ist der vhw beim
Amtsgericht Berlin Charlottenburg unter der Vereinsregister-Nr. 21002 B eingetragen.
Nach der Satzungsänderung in der Mitgliederversammlung vom 17. September 2008 erfolgte die Umbenennung in vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der
Körperschaftssteuer befreit, weil er ausschließlich und
unmittelbar steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne der §§ 51 ff. AO dient.
Der letzte Freistellungsbescheid erfasst den Veranlagungszeitraum bis 2016 und wurde am 31.08.2017
unter der Steuernummer 205/5783/1805 vom Finanzamt Bonn ausgestellt.

7.2

Ehrenmitgliedschaften

D

ie Mitgliederversammlung kann nach § 13 der Verbandssatzung Persönlichkeiten, die sich um den
Verband besonders verdient gemacht haben, zu Ehrenvorsitzenden oder Ehrenmitgliedern berufen. Ehrenvor-

130

Dr. Dieter Haack
Bundesminister a. D.
Erlangen
Ehrenmitglieder des vhw sind:
Peter Berberich
Ottendorf
Prof. Dr. Klaus Borchard
Regierungsbaumeister
Königswinter
Dr. Ottobert L. Brintzinger
Ministerialdirigent a. D.
Kiel
Werner Cholewa
Beigeordneter a. D.
Bonn
Volker Nordalm
Kamen
Peter Rohland
Düsseldorf
Johann Schell
Oberursel
Prof. Christiane Thalgott
Stadtbaurätin a. D.
München

Rechtliche Verhältnisse, Organe und Organisation

7.3

Organe des Verbandes

Z

ur Erfüllung seiner Aufgaben als gemeinnütziger,
der wissenschaftlichen Arbeit verpflichteter Verband
handelt der vhw durch seine Organe und Einrichtungen.

7.3.1 Die Mitgliederversammlung
(§§ 7-9 der Satzung)

D

ie Mitgliederversammlung hat in ihrer Sitzung am
23. November 2017 in Berlin nach Aussprache

•

den Bericht des Verbandsrats (§ 8 Abs. 1 Nr. 5)
zustimmend entgegengenommen,

•

den Bericht des Vorstandes (§ 8 Abs. 1 Nr. 6)
zustimmend entgegengenommen,

•

den Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses
(§ 8 Abs. 1 Nr. 7) zustimmend entgegengenommen,

•

den vom Verbandsrat und Vorstand aufgestellten
Jahresabschluss 2016 festgestellt (§ 8 Abs. 1 Nr. 8),

•

dem Verbandsrat für das Geschäftsjahr 2016 Entlastung erteilt (§ 8 Abs. 1 Nr. 9) und

•

dem Vorstand für das Geschäftsjahr 2016 Entlastung erteilt (§ 8 Abs. 1 Nr. 10).

7.3.2 Das Kuratorium (§ 10 der Satzung)

N

ach § 10 Abs. 3 hat das Kuratorium insbesondere
die Aufgabe, den Verbandsrat in Grundsatzfragen der Verbandspolitik zu beraten und die Arbeit der
Arbeitsgruppen zu begleiten. Das Kuratorium kann
Anträge zur Tagesordnung der Mitgliederversammlung
stellen.
Dem Kuratorium gehören derzeit an:
Vorsitzender:
Prof. Klaus Wermker
Essen

Stellvertretende Vorsitzende:
Prof. Dr. Heidi Sinning
Leiterin Institut für Stadtforschung, Planung und
­Kommunikation (ISP)
Fachhochschule Erfurt
Mitglieder:
Dr. Manfred Beck
Gelsenkirchen
Prof. Dr. Klaus J. Beckmann
KJB. KOM - Prof. Dr. Klaus J. Beckmann
Kommunalforschung, Beratung, Moderation und
Kommunikation
Berlin
Dr. Sonja Beeck
Architektin, Planerin
chezweitz GmbH
Berlin
Dennis Beyer
Geschäftsführender Vorstand
eid Evangelischer Immobilienverband Deutschland e. V.
Berlin
Frauke Burgdorff
Burg Dorff Stadt Agentur für Kooperative Stadtenwicklung
Bochum
Em. O. Univ. Prof. Mag. rer. nat. Dr. phil.
Jens S. Dangschat
Department für Raumplanung
Fachbereich Soziologie (ISRA)
Technische Universität Wien
Bernhard Faller
Consultant
Quaestio - Forschung & Beratung
Bonn
131

O r gani s a t i o n

Albert Geiger
Referatsleiter für Nachhaltige Stadtentwicklung
und Fachbereichsleiter im Bürgerbüro Bauen
Stadt Ludwigsburg
Karl-Heinz Goetz
Geschäftsführer
Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften
Berlin
Michael Groß, MdB
Geschäftsbereichsleiter
Deutscher Bundestag
Berlin
Meike Heckenroth
Vorstand
empirica ag
Berlin
Christian Huttenloher
Generalsekretär und Vorstandsmitglied
Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau
und Raumordnung e. V.
Berlin
Folkert Kiepe
Beigeordneter a. D.
Rechtsanwalt
Partner of Counsel BBH Becker Büttner Held
Köln
Kerstin Kirsch
Geschäftsführerin
GEWOBA Wohnungsverwaltungsgesellschaft
Potsdam mbH
Dr. Ansgar Klein
Geschäftsführer
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
Berlin
Dr. Stefan Köhler
Erster Bürgermeister
Stadt Friedrichshafen
132

Dr. Dieter Korczak
Leiter und Geschäftsführer
GP-Forschungsgruppe Institut für Grundlagen- und
Programmforschung
Bernau bei Berlin
Hans-Otto Kraus
München
Jan Kuhnert
Geschäftsführer
KUB Kommunal- und Unternehmensberatung GmbH
Hannover
Ute Kumpf
ehem. MdB, Vorstand
Stiftung Bürger für Bürger
Wildau
Dr. Martin Lenz
Bürgermeister
Stadt Karlsruhe
Dr. Christian Lieberknecht
Geschäftsführer
GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V.
Berlin
Claudius Lieven
Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen
Amt für Landesplanung und Stadtentwicklung,
Stadtwerkstatt und Partizipationsverfahren
Hamburg
Prof. Dr. Edda Müller
Ministerin a. D.
Vorstandsvorsitzende
Transparency International Deutschland e. V.
Berlin
Rolf Müller
Gruppenleiter Wohnungs- und Immobilienwesen
BBSR Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung
im Bundesamt für Bauwesen und Raumforschung
Bonn

Rechtliche Verhältnisse, Organe und Organisation

Prof. Dr. Halit Öztürk
Professur für Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt
Erwachsenenbildung/Weiterbildung
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Dr. Peter Schaffner
Geschäftsführer
Dakini Investments GmbH
Frankfurt am Main

Prof. Dr. Leo Penta
Leiter des Instituts für Community Organizing (DICO)
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

Stephan Schmickler
Bergisch Gladbach

Thomas Perry
Berater Milieuforschung
Geschäftsführung
Q I Agentur für Forschung GmbH
Mannheim

Prof. Dr. Klaus Selle
NetzwerkStadt
Forschung Beratung Kommunikation GmbH
Schwerte

Norbert Portz
Beigeordneter
Deutscher Städte- und Gemeindebund
Bonn

Prof. Dr. Guido Spars
Prodekan für Forschung
Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen
Ökonomie des Planens und Bauens
Bergische Universität Wuppertal

Reiner Prölß
Referatsleiter
Referat für Jugend, Familie und Soziales
Stadt Nürnberg

Guido Stephan
Geschäftsführer
Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH
Köln

Hans Rauch
Ehrenpräsident
Verband Wohneigentum e. V.
Bonn

Gerwin Stöcken
Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport
Landeshauptstadt Kiel

Stephan Reiß-Schmidt
München
Prof. Dr. Frank Roost
Institut für urbane Entwicklungen
Universtität Kassel
Prof. Dr. Roland Roth
Professor für Politikwissenschaft
Berlin
Prof. Dr. Gary S. Schaal
Professur für Politikwissenschaft
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

Dag Tvilde
Architekt und Stadtplaner
Oslo
Prof. Dr. Stefanie Wesselmann
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Öffentliches Management
Hochschule Osnabrück
Prof. Dr. Erol Yildiz
Kulturwissenschaftler
Institut für Erziehungswissenschaft
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Prof. Martin zur Nedden
Leipzig
133

O r gani s a t i o n

7.3.3 Der Verbandsrat (§ 11 der Satzung)

D

em Verbandsrat obliegen die Beratung und Aufsicht des Vorstandes sowie die in § 11 Abs. 6 der
Satzung aufgeführten Beschlussfassungen über:
1. den Vorschlag der von der Mitgliederversammlung
zu wählenden/abzuberufenden Mitglieder des
Kuratoriums,
2. den Vorschlag des von der Mitgliederversammlung
zu wählenden/abzuberufenden Vorstandes,
3. die Grundsätze der Verbandspolitik,
4. die Grundsätze der Rechnungslegung,
5. den Wirtschaftsplan und den Arbeitsplan,
6. die Verwendung von Jahresüberschüssen und
Ergebnisrücklagen sowie die Deckung von wirtschaftlichen Unterschüssen und
7. über die Tagesordnung der Mitgliederversammlung.
Vorsitzender:
Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister der Stadt Mannheim
Stellvertretende Vorsitzende:
Helmut Knüpp
K & K Media – Berlin GbR
Berlin
Werner Spec
Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg
Mitglieder:
Charlotte Britz
Oberbürgermeisterin
Landeshauptstadt Saarbrücken
Dr. Stephan Gatz
Richter am Bundesverwaltungsgericht
Leipzig

134

Prof. Dr. Ilse Helbrecht
Direktorin
Geographisches Institut
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Humboldt-Universität zu Berlin
Hendrik Jellema
Vorstandsvorsitzender
Stiftung Berliner Leben
Berlin
Prof. Elke Pahl-Weber
Institut für Stadt- und Regionalplanung
Technische Universität Berlin
Michael Sachs
Staatsrat a. D.
Hamburg
Karl-Christian Schelzke
Geschäftsführender Direktor
Hessischer Städte- und Gemeindebund
Mühlheim
Prof. (em.) Dr. Gunnar Folke Schuppert
Emeritierte Forschungsprofessur „Neue Formen von
Governance“
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Berlin
Lukas Siebenkotten
Direktor
Deutscher Mieterbund e. V.
Berlin
Peter Stubbe
Vorstandsvorsitzender
GEWOBA Aktiengesellschaft Bauen und Wohnen
Bremen
Hilmar von Lojewski
Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen
und Verkehr
Deutscher Städtetag
Berlin

Rechtliche Verhältnisse, Organe und Organisation

Der Verbandsrat ist seit der Mitgliederversammlung
am 23. November 2017 dreimal zusammengetreten,
nämlich am 6. Dezember 2017, am 12. April 2018 und
am 5. Juli 2018. Er hat sich in seinen Sitzungen insbesondere mit der Vorbereitung der verbandspolitischen
Entscheidungen, der Verbandsarbeit, der Vorbereitung
der öffentlichen Veranstaltung sowie mit der wirtschaftlichen Situation des Verbandes auseinandergesetzt.
Außerdem bereitete er die Mitgliederversammlung am
15. November 2018 vor.

8. die Bestellung der Geschäftsführerinnen oder der
Geschäftsführer der regionalen Geschäftsstellen,
9. die Beratung und Betreuung der regionalen
Geschäftsstellen sowie
10. die Herausgabe oder Schriftleitung der Veröffentlichungen des Verbandes.

7.3.5 Rechnungsprüfungsausschuss
(§ 6 Abs. 3 der Satzung)

7.3.4 Der Vorstand (§ 12 der Satzung)

D

er von der Mitgliederversammlung gewählte Rechnungsprüfungsausschuss prüft den Jahresabschluss.
Die Mitglieder des Rechnungsprüfungsausschusses sind
kraft ihres Amts geborene Mitglieder des Kuratoriums.

P

rof. Dr. Jürgen Aring wurde gemäß § 12 der Satzung in der Sitzung der Mitgliederversammlung am
12. November 2014 zum Vorstand gewählt.

Dem Rechnungsprüfungsausschuss gehören
derzeit an:

Laut § 12 Abs. 3 der Satzung führt der Vorstand die
Geschäfte des Verbandes im Rahmen der Beschlüsse
der Verbandsorgane. Er leitet die Geschäftsstelle und ist
Dienstvorgesetzter der in ihr tätigen Dienstkräfte sowie
der Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer der
regionalen Geschäftsstellen.

Karl-Heinz Goetz
Geschäftsführer Bundesverband der gemeinnützigen
Landgesellschaften
Berlin

Ihm obliegt insbesondere

Michael Hampel
Mainz

1. die Verwaltung des Verbandsvermögens und die
laufende Geschäftsführung des Verbandes im
Rahmen der Richtlinien des Verbandsrats,

Wolfgang D. Heckeler
Remseck

2. die Vorbereitung der Mitgliederversammlung,
3. die Vorbereitung der Beratungen und die Durchführung der Beschlüsse der Verbandsorgane und
sonstigen Einrichtungen,

Herbert Jaspert
Bielefeld

4. die Aufstellung des Jahresabschlusses gemeinsam
mit dem Verbandsrat,

Helmut Mäule
Ludwigsburg

5. die Aufstellung des Wirtschaftsplans,
6. die Aufstellung des Arbeitsplans,
7. der Vorschlag für die Berufung eines wissenschaftlichen Beirates und der Arbeitsgruppen sowie die
Betreuung dieser Einrichtung,

7.4

Verbandsstruktur

S

itz des Verbandes ist Berlin. Die Verwaltungssitze des
Verbandes sind Bonn und Berlin. Der Verband ist in
regionale Geschäftsbereiche gegliedert.
135

O r gani s a t i o n

7.4.1 Bundesgeschäftsstelle/
Hauptgeschäftsstelle

D

ie Bundesgeschäftsstelle in Berlin war zum 30. Juni
2018 mit dem Vorstand des vhw, dem Stellvertreter

Vorstand
Prof. Dr. Jürgen Aring
Stellvertreter des Vorstandes
Bernd Hallenberg
Sekretariat
Carmen Schubert, Monika Greiner

Fortbildung

Bereichsleitung
Henning Dettleff
Koordinator
Philipp Sachsinger

Forschung und
Beratung

Politik und
Öffentlichkeit

Controlling und
Verwaltung

Verlag

Wissenschaftliche
Leitung und Bereichs‑
management
Dr. Olaf Schnur

Bereichsleitung
Prof. Dr.
Jürgen Aring

Bereichsleitung
Britta Klück

Geschäftsleitung
Dr. Diana Coulmas

des Vorstandes, der Bereichsleiterin für Controlling und
Verwaltung, dem Bereichsleiter für Fortbildung, dem
wissenschaftlichen Leiter, zwei Seniorwissenschaftlern,
vier Wissenschaftlern, zwei Juniorwissenschaftlern, fünf
Forschungsassistenten, zwei Referentinnen für Öffentlichkeitsarbeit, drei Verwaltungsmitarbeitern, zwei ITAdministratoren sowie einer Sekretärin und zwei Sekretariatsmitarbeiterinnen besetzt.

136

vhw Dienstleistung
GmbH

Die Fortbildung war mit den Abteilungen Seminar- und
Adressverwaltung sowie mit der Fortbildungsverwaltung mit 23 Sachbearbeitern und Sachbearbeiterinnen
besetzt.

7.4.2 Geschäftsstellen

N

ach § 15 Abs.1 und 2 der Satzung ist der Verband
in regionale Geschäftsbereiche gegliedert. Die regi-

Rechtliche Verhältnisse, Organe und Organisation

onalen Geschäftsstellen werden durch Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer geleitet:

Der Mitgliederbestand weist folgende Struktur auf:

Baden-Württemberg:
Rainer Floren
Sindelfingen
Bayern:
Yves Müller
München

2

3
4

Region Nord:
Petra Paul
Philipp Sachsinger
Niedersachsen/Bremen
Schleswig-Holstein/Hamburg
Hannover

5

1
6
7
8
9

Nordrhein-Westfalen:
Eva Isabel Spilker
Bonn
Region Ost:
Petra Lau
Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,
Sachsen-Anhalt
Berlin
Petra Rösler
Sachsen/Thüringen
Leipzig

1 1.405 Gebietskörperschaften
aufgeteilt in: 453 Gemeindeverwaltungen
199 Kreisverwaltungen
753 Stadtverwaltungen
2 161 Wohnungsunternehmen

Region Südwest:
Bernd Bauer
Hessen/Rheinland-Pfalz
Ingelheim

3 12 Kreditinstitute

Saarland:
Detlef Loch
Saarbrücken

6 120 Gewerbliche Unternehmen

4 30 Verbände
5 92 Freiberufliche Träger

7 74 Sonstige
8 16 Einzelförderer

7.5

Mitgliederbewegung

I

m Berichtszeitraum 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018
wurden 100 Mitglieder neu aufgenommen, 24 Mitglieder sind ausgeschieden. Dem Verband gehören
somit zum 30. Juni 2018 1.972 Mitglieder an.

9 62 Versorger
Abb. 110: Aktuelle Mitgliederverteilung

Grafik: vhw e. V.

137

O r gani s a t i o n

7.6

vhw-Dienstleistung GmbH

Peter Rohland
Ehrenmitglied des vhw e. V.

D

as Verlagsgeschäft des vhw wird seit dem 1. Januar
1982 in der Rechtsform der vhw-Verlag Deutsches
Volksheimstättenwerk GmbH betrieben. Mit dem Eintrag ins Handelsregister B (HRB 397) des Amtsgerichts
Bonn am 11. Oktober 2004 wurde der vhw-Verlag in
vhw-Dienstleistung GmbH umfirmiert. Mit der Namensänderung wurde auch der Unternehmensgegenstand – bisher Herstellung, Verlegen und Vertrieb von
Druckerzeugnissen – um die Geschäftsfelder Aus- und
Fortbildung sowie Beratung Dritter erweitert. Der
Gesellschaftszweck sollte insbesondere auf den Gebieten der Stadtentwicklungs-, Umwelt-, Vermögens- und
Wohnungspolitik sowie des Städtebau- und Wohnungsrechts umgesetzt werden. Alleingesellschafter ist
der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., Berlin, mit einem Geschäftsanteil von
33.233,97 Euro.

Die Geschäftsführung:
Dr. Diana Coulmas
Geschäftsführerin der vhw-Dienstleistung GmbH
Das Verlagsgeschäft

D

ie vhw-Dienstleistung GmbH gibt Fachliteratur
zu den rechtlichen Grundlagen des Planens und
Bauens heraus. Die verlegten Fachbücher – darunter
auch Textausgaben, Leitfäden und Rechtsprechungssammlungen – unterstützen die Tätigkeit des vhw e. V.
im Rahmen der Aus- und Fortbildung. Das Fachbuchprogramm rundet damit das Dienstleistungsangebot
des Verbandes ab. Der Vertrieb der Broschüren erfolgt
durch gezieltes Direktmarketing und ist in weiten Teilen
abgestimmt auf das bundesweite Aus- und Fortbildungsprogramm des vhw e. V. Das Fachbuchprogramm
des Verlages ist u. a. auf aktuelle Fragen in den Bereichen Stadtentwicklung, Planungs-, Umwelt- und Vergaberecht sowie Sozialrecht gerichtet. Es umfasst zum
ersten Halbjahr 2018 21 Buchtitel und eine Loseblattsammlung.

Die Gesellschafterversammlung

D

ie 36. Ordentliche Gesellschafterversammlung fand
am 6. Dezember 2017 in Berlin statt.

Der Aufsichtsrat

D

er Aufsichtsrat hat die Aktivitäten der Gesellschaft
für das Geschäftsjahr 2017/2018 in seiner Sitzung
am 6. Dezember 2017 und die Vorbereitung für die 36.
Gesellschafterversammlung veranlasst.
Dem Aufsichtsrat gehören im Berichtszeitraum an:

Vorsitzender:
Reinhart Chr. Bartholomäi
Ehrenvorsitzender des vhw e. V.
Mitglieder:
Dr. Stephan Gatz
Verbandsratsmitglied des vhw e. V.
Volker Nordalm
Ehrenmitglied des vhw e. V.
138

7.7

vhw Stiftung

D

ie vhw Stiftung wurde am 16. Dezember 2016
von der Bezirksregierung Köln in der Rechtsform
der selbständigen Stiftung bürgerlichen Rechts als
rechtsfähig anerkannt. Der unmittelbar gemeinnützige
Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft,
Forschung und Bildung. Zweck der Stiftung ist auch
die Beschaffung von Mitteln zur Förderung der vorgenannten Zwecke durch eine andere Körperschaft oder
juristische Person des öffentlichen Rechts. Das Stiftungsvermögen beläuft sich auf 3 Mio. Euro.
Stiftungskuratorium:
Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister der Stadt Mannheim

Rechtliche Verhältnisse, Organe und Organisation

Helmut Knüpp
K & K Media - Berlin GbR
Berlin
Hendrik Jellema
Vorstandsvorsitzender
Stiftung Berliner Leben
Berlin
Vorstand:
Prof. Dr. Jürgen Aring
Vorstand vhw e. V.
Bonn/Berlin

139

O r gani s a t i o n

140

vhw

Anhang

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Berlin/Bonn
•

Bilanz zum 31. Dezember 2017

•

Gewinn- und Verlustrechnung vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2017

Berlin, 1. Oktober 2018

gez. Dr. Peter Kurz

gez. Prof. Dr. Jürgen Aring

Vorsitzender des Verbandsrats

Vorstand
141

Bi l anz z u m 3 1 . D e z e m b e r 2 0 1 7
( mit Verg lei ch s za h l e n d e s Vo r j a h re s )

Aktiva
31.12.2017
EUR

31.12.2016

EUR

EUR

EUR

A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1.	Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche
Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte
sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten

7,00

2.

0,00

Geleistete Anzahlungen

7,00
7,00

0,00

7,00

II. Sachanlagen
1.

Betriebs- und Geschäftsausstattung

2.

Geleistete Anzahlungen

456.720,52

453.217,52

0,00

0,00

33.233,97

33.233,97

489.961,49

486.458,49

88.102,57

112.917,47

III. Finanzanlagen
Beteiligungen

B. Umlaufvermögen
I. Vorräte
Fertige Erzeugnisse und Waren
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
1.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

69.402,11

2.

Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht

41.375,67

3.

Sonstige Vermögensgegenstände

45.135,82

59.955,16
31.993,84
155.913,60

128.474,11

220.423,11

II. Wertpapiere
Sonstige Wertpapiere
III. Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten

C. Rechnungsabgrenzungsposten

142

6.739.082,99

6.705.239,41

4.578.229,05

5.623.188,78

11.561.328,21

12.661.768,77

42.114,10

6.995,13

12.093.403,80

13.155.222,39

Passiva
31.12.2017
EUR

EUR

31.12.2016
EUR

EUR

A. Eigenkapital
I. Verbandsvermögen (Freie Eigenmittel)

616.135,31

616.135,31

II. Rücklagen
1.

Freie Rücklage

2.996.766,87

2.427.876,12

2.

Betriebsmittelrücklage

2.934.568,53

3.160.190,75

3.

Rücklage für projektbezogene Wissenschaftsarbeit

0,00

0,00

4.

Rücklage Zuwendung vhw Stiftung

0,00

III. Bilanzgewinn

5.931.335,40

0,00

5.588.066,87

3.152.950,02

1.543.268,53

9.700.420,73

7.747.470,71

B. Rückstellungen
1.

Rückstellungen für Pensionen

2.

Steuerrückstellungen

3.

Sonstige Rückstellungen

548.920,00

595.443,00

0,00

0,00

497.840,00

1.046.760,00

546.900,00

1.142.343,00

C. Verbindlichkeiten
1.

Verbindlichkeit Dotierung Stiftungsvermögen vhw Stiftung

0,00

3.000.000,00

2.
3.

Erhaltene Anzahlungen

474.395,03

697.173,87

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

652.598,28

396.030,94

4.

Sonstige Verbindlichkeiten

219.229,76

1.346.223,07
12.093.403,80

172.203,87

4.265.408,68
13.155.222,39

143

vhw

Gewinn- und Verlustrechnung vom
1. Januar bis zum 31. Dezember 2017
(mit Vergleichszahlen des Vorjahres)

1.
2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.
12.
13.
14.

144

15.
16.
17.
18.
19.
20.
21
22.
23.
24.
25.
26.

Mitgliederbeiträge, Spenden
Ergebnis aus Lehrgängen
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Fernlehrgängen
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis Qualitätsmanagement Fortbildung
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Adressdatenbank
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Seminarverwaltung
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Modulsekretariat
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Forum Wohnen und Stadtentwicklung
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Wissenschaftsarbeit
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Ergebnis aus Veranstaltungen
a Erlöse
b Aufwendungen mit Einzelkostencharakter
Sonstige Erträge
Personalaufwand mit Gemeinkostencharakter
Abschreibungen
Sächl. Verwaltungsk. mit Gemeinkostencharakter
a Sonstige sächliche Verwaltungskosten
– Bundesgeschäftsstelle
– Hauptgeschäftsstelle
b Öffentlichkeitsarbeit
c EDV-Kosten
Zinsen und ähnliche Erträge
Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Steuern vom Einkommen und Ertrag
Dotierung des Stiftungsvermögens der vhw Stiftung
Kaufmännischer Jahresüberschuss
Gewinnvortrag
Entnahme aus Rücklagen
Jahresüberschuss/Bilanzgewinn
Geplante Entnahme aus Rücklagen
Geplante Einstellung in Rücklagen
Bilanzgewinn nach gepl. Einstellung in Rücklagen

2017

2016

Euro

Euro
556.510,83

19.176.300,33
-13.578.658,77

5.597.641,56

18.062.864,92
-13.171.401,81

4.891.463,11

204.288,84
-131.908,71

72.380,13

162.499,47
-101.035,86

61.463,61

493.000,00
-493.000,00

0,00

468.000,00
-468.000,00

0,00

646.147,42
-650.000,00

-3.852,58

704.547,15
-637.000,00

67.547,15

330.000,00
-330.000,00

0,00

295.000,00
-295.000,00

0,00

325.000,00
-325.000,00

0,00

305.000,00
-305.000,00

0,00

8.492,34
-81.544,64

-73.052,30

8.438,86
-91.622,58

-83.183,72

52.135,00
-1.989.064,30

-1.936.929,30

8.225,60
-1.835.022,73

-1.826.797,13

0,00
-64.878,59

-517.470,57
-45.492,57

534.642,46

-562.963,14
-239.885,47
-173.234,24

0,00
-46.537,50

-64.878,59
184.964,86
-799.926,65
-129.746,86

-515.094,20
-29.843,20
-976.082,85
92.936,08
-42.259,46
-24.515,02
-239,83
-500.000,00
1.952.950,02
0,00
1.200.000,00
3.152.950,02
0,00
-3.152.950,02
0,00

-544.937,40
-180.088,46
-76.663,82

-46.537,50
121.855,53
-669.960,50
-101.934,54

-801.689,68
97.869,73
-47.113,62
-31.438,00
-969,77
-3.000.000,00
-834.782,87
1.678.051,40
700.000,00
1.543.268,53
225.622,22
-1.768.890,75
0,00

145

vhw - Ges c h ä f t s s t e l l e n

Bundesgeschäftsstelle
Fritschestraße 27/28
10585 Berlin
Tel.: 030 390473-0
Fax: 030 390473-190
bund@vhw.de
www.vhw.de

Geschäftsstellen
Baden-Württemberg
Gartenstraße 13
71063 Sindelfingen
Tel.: 07031 866107-0
Fax: 07031 866107-9
gst-bw@vhw.de

Hauptgeschäftsstelle
Hinter Hoben 149
53129 Bonn
Tel.: 0228 72599-0
Fax: 0228 72599-19
bonn@vhw.de

vhw-Dienstleistung GmbH
Hinter Hoben 149
53129 Bonn
Tel.: 0228 72599-30
Fax: 0228 72599-19
verlag@vhw.de

Bayern
Josephsplatz 6
80798 München
Tel.: 089 291639-30
Fax: 089 291639-32
gst-by@vhw.de
Region Nord
Niedersachsen/Bremen
Schleswig-Holstein/Hamburg
Sextrostraße 3 – 5
30169 Hannover
Tel.: 0511 984225-0
Fax: 0511 984225-19
gst-ns@vhw.de
gst-sh@vhw.de
Nordrhein-Westfalen
Hinter Hoben 149
53129 Bonn
Tel.: 0228 72599-40
Fax: 0228 72599-49
gst-nrw@vhw.de

146

Region Ost
Berlin/Brandenburg
Fritschestraße 27/28
10585 Berlin
Tel.: 030 390473-320
Fax: 030 390473-390
gst-bb@vhw.de
Mecklenburg-Vorpommern
Fritschestraße 27/28
10585 Berlin
Tel.: 030 390473-310
Fax: 030 390473-390
gst-mv@vhw.de
Sachsen

Region Südwest
Hessen/
Rheinland-Pfalz
Friedrich-Ebert-Straße 5
55218 Ingelheim
Tel.: 06132 71496-0
Fax: 06132 71496-9
gst-he@vhw.de
gst-rp@vhw.de
Saarland
Konrad-Zuse-Straße 5
66115 Saarbrücken
Tel.: 0681 92682-10
Fax: 0681 92682-26
gst-sl@vhw.de

Grassistraße 12
04107 Leipzig
Tel.: 0341 98489-0
Fax: 0341 98489-11
gst-sn@vhw.de
Sachsen-Anhalt
Fritschestraße 27/28
10585 Berlin
Tel.: 030 390473-310
Fax: 030 390473-390
gst-st@vhw.de
Thüringen
Grassistraße 12
04107 Leipzig
Tel.: 0341 98489-0
Fax: 0341 98489-11
gst-th@vhw.de

147

Herausgeber:

vhw – Bundesverband für Wohnen
und Stadtentwicklung e. V.
Fritschestraße 27/28
10585 Berlin

Telefon:
Fax:

030 390473-0
030 390473-190
www.vhw.de

	Im Tätigkeitsbericht wird zugunsten einer
besseren Lesbarkeit nicht bei jeder Möglichkeit
die Schreibweise „/in, /innen, (in), (innen)“ bei
Akteuer, Bürger, Bewohner, Nutzer, Teilnehmer
angewendet. Selbstverständlich sind immer
gleichzeitig und chancengleich Frauen und
Männer angesprochen.
Redaktion:

Ruby Nähring/Ruth Twellmann

Gestaltung/
Druck:

DCM Druck Center Meckenheim GmbH

Collage/Cover,
Fotos/Grafiken:	Titel- und Kapitelseite(n): vhw e. V.,
Screenshots von Medientiteln und Internetseiten,
Quellenangaben am jeweiligen Bild
Oktober 2018
        
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