III
GELEITWORT
Wer wird diesen wohlgerundeten Band in die Hand nehmen,
ohne daß ihm die Wellen des Staunens über dem Kopf zusammen
schlagen?
Gewiß, es war uns nicht unbekannt, daß die Menschen, und
gar die Deutschen, es nun einmal nicht lassen können, sich der
Kunst zu verschreiben — obschon sie in so vielen Fällen leider
eine „brotlose Kunst“ ist. Selbst in unseren amerikanischen Zeit
läuften, die von trockenem Wirklichkeitssinn, materiellen Wün
schen und Beseeligungen der technischen Zivilisation beherrscht
sind, wobei für Geist und Phaütasie nur ein mitleidig gegönntes
Respektsplätzchen übrig bleibt, ist das heimliche Bewußtsein nicht
ganz ausgestorben, daß es schließlich die Taten der Künste, der
geistigen Entwicklung sind, die dem Dasein eines Volkes für die
Zukunft das Gepräge geben und ihm seine Stellung in der Geschichte
anweisen. Aber dies war uns denn doch nicht geläufig: daß die
Zahl derjenigen, die sich in unserem Volke schöpferisch, wissen
schaftlich, organisatorisch, kritisch, geschäftlich oder in syste
matischer Pflege mit den Dingen allein der bildenden Kunst
beschäftigen, eine solche Höhe erreicht — daß das Netz der
Institutionen, die diesem Zweige werteschaffender Tätigkeit ge
widmet sind, sich in solcher Dichtigkeit und Weite über die
deutschen Länder spannt — daß die Aeußerungsformen der künst
lerischen Welt in ihren mannigfachen Ausstrahlungen auch in
dem Riesenmechanismus unseres Staats- und Wirtschaftsgetriebes
eine so imponierende Rolle spielen.
Erst ein Unternehmen wie dies, das hier vorliegt, öffnet uns
wieder die Augen über den ungeheuren Umfang des Gebietes.