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1. Die Kirche des Dorfes Wedding

Full text: Bilder aus der Berliner Feldmark / Jahn, Hans (Public Domain)

selbst vfm Wedding von einem Bürger ein Gebeude angefangen, aber 
wegen dessen, das es eine gemeine Stadthütungen und unserer armen 
bedrängten Gemeine zum großen praeinducio gereichet, wieder ab- 
geschaffet worden, welches alles wir die Zeit, do dies gebeude erstlichen 
angefangen, denjenigen, so damals von der Regierung gewest, genug- 
sam zu gemute gefurett, daß sie aber darzumal nichts zur sachen thun 
wollen, haben wir dahin gestalt sein lassen müssen.“ 
Der Bericht ist wirr und geheimnisvoll. Aber „das Haus“ hat den 
Acerleuten schwere Bedenken bereitet. Ist Kaspar Bolings Haus viel- 
leicht die ausgebaute alte Kirche? Ich erinnere daran, daß „Kirche“ 
oft „Haus“ genannt wird. 
Der auf dem Kirchturm wohnende Türmer heißt Hausmann. 
Wir können die Frage nicht beantworten. Wenn die alte Kirche und 
Bolings Haus ein und dasselbe sind, hat sie am Teich, also unmittelbar 
am späteren Weddinggehöft gelegen. 
Jedenfalls ist an dem zur rechten Ausbildung gekommenen Dorfe 
Wedding mit seiner Kirche nicht zu zweifeln. 
2. Der „Turm“ auf dem Wedding. 
Die Frühgeschichte Berlins liegt in einem undurchdringlichen Dunkel. 
Troßzdem oder vielleicht gerade deswegen haben sich immer wieder 
Berliner Geschichtsforscher bemüht, es aufzuhellen und troß des Man- 
gels an Urkunden und Quellen beachtliche Feststellungen zu machen. 
Wenn sie nun noch mit einer reichen Phantasie ausgestattet waren, so 
konnte es an einem befriedigenden Endergebnis nicht fehlen. Zu ihnen 
gehört Kl5d en). So hat nach seiner Meinung im Jahre 954 ein wen- 
disches Schloß in Berlin bestanden, das mit anderen Befestigungen in 
der näheren Umgebung Berlins in Verbindung stand; unter diesen 
nennt Klöden einen Turm auf dem Wedding, d. h. eine Warte, wie 
sie bei anderen Orten, 3. B. bei Gransee, noch jezt bekannt und vor- 
handen sind. 
' Holze?) steht den Klödenschen Phantastereien sehr kritisch gegen- 
über und bezieht sich hinsichtlich des Weddingturmes auf einen Aufsat 
des Berliner Propstes Zöllner vom Jahre 1798; aber eine Erklärung 
bringt Holte nicht. 
Zöllner berichtet in seinem Aufsatz*) folgendes: Schon in der Zeit, 
als er noch Prediger in der Charits gewesen, ist er oft von dort über 
den Wedding nach dem Gesundbrunnen gegangen. Immer wieder hat 
er eine Erklärung des Namens Wedding finden wollen, um so vielleicht 
über die älteste Geschichte des Weddings etwas ermitteln zu können. 
Zöllners etymologischer Versuch ist fesselnd zu lesen, kommt aber für 
*) Über Entstehung . . . der Städte Berlin und Kölln, Berlin 1839, S. 303. 
*) Geschichte der Befestigung von Berlin: Schriften des Vereins für die Ge- 
schichte Berlins, Bd. 10, und vorher Märkische Forschungen, Bd. 7. 
*) Berlinische Blätter, herausgegeben v. Biester, Berlin, Mai 1798, S. 132/45.
	        
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