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6. Das Tauentziensche Grundstück auf dem Wedding und seine Umgebung

Full text: Bilder aus der Berliner Feldmark / Jahn, Hans (Public Domain)

zeit kein Hütungsbeteiligter Verwahrung eingelegt habe. Bis 1782 
zogen sich die Zänkereien hin. Erst nach Dr. Behms Tode erklärte sich 
dessen Sohn, als Erbpächter auf dem Wedding, zu einem Vergleich 
bereit, wenn ihm der wüste, zur allgemeinen Hütung gehörige s<male 
Strich Sandland von ungefähr 2 Morgen zwischen der alten und der 
neuen Panke und dem Wedding und Gesundbrunnen als Entschädi- 
gung gegeben würde. Auf dieser Grundlage wurde der Vergleich ab- 
geschlossen. Inzwischen hatte Corsica mit der Urbarmachung des Erb- 
pachtgeländes und seiner Bebauung begonnen. Am 26. Juli 1779 konnte 
er der Kammer melden, daß er ein paar Hundert Obstbäume ange- 
pflanzt und den Rest des Geländes mit Futterkräutern besät habe. 
Ein Wohn- und Wirtschaftshaus war errichtet und dazu drei Familien- 
häuser zu je zwei Familien. Um das ganze Gebiet war ein Zaun 
errichtet. Der Boden war durch Abtragen der Sandberge eingeebnet, 
und durch Anfuhr von Moder vor zukünftiger Versandung gesichert 
worden. 2896 Taler 12 Groschen 4 Pfg. hatte er bisher für das neue 
Anwesen ausgegeben. Deshalb bat er, ihm die für solche Kolonisations- 
zwecke bestimmten Baugelder zu gewähren. 
über die Lage der Gebäude unterrichtet die obengenannte Evertsche 
Karte von 1779. Das Wohn- und Wirtschaftshaus, in Fachwerk ge- 
baut, mit Ziegeln gede>t, war 100 Fuß lang, 18 Fuß tief und 8% Fuß 
hoch; es enthielt 3 Stuben, 2 Kammern, 1 Flur und 1 Stall. 
In der Küche war ein Rauchfang, in den Stuben standen Öfen 
aus sc<warzen Kacheln. Jedes Zweifamilienhaus war in Fach- 
werk gebaut, 37 Fuß lang, 26 Fuß tief, 8% Fuß hoch, mit 
Stroh gede>t und hatte für jede Familie eine geräumige Stube, 
eine kleine Kammer, eine Küche, einen besonderen Flur und Ein- 
gang, dazu einen besonders angebauten Stall. Jedes Doppelhaus 
war mit einem massiven Schornstein versehen. Die angeseßten sechs 
Familien waren: Gottfried Noa>, abgedankter Soldat vom Regiment 
v. Kowalsky; ein gewisser Schulze aus Sachsen; aus dem Dorfe Herms- 
dorf bei Baruth kamen die Tagelöhner Stephan und Friedrich; dazu 
gesellten sich die Kattunweber Christoph Jena aus Herbigsdorf bei 
Jena und der Schmelzer Johann Heinrich Geier aus Weimar. Jeder 
Kolonist durfte eine Kuh gegen Weidegeld halten, besaß 3% Morgen 
Land zur Fütterung der Kuh und zum Anbau von Gartenfrüchten. 
Bei einer solchen wirtschaftlichen Ausstattung glaubte man, so sagte 
das Revisionsprotokoll vom 21. November 1779, würden sich die Kolo- 
nisten „dichte bei Berlin konservieren“. 
Corsica hatte alles getan, was er vorschriftsmäßig tun konnte. Troß- 
dem wurden ihm die Baugelder nicht bewilligt. Die Krudkammer 
wollte erst noch wissen, wer den Kolonisten erlaubt habe, gegen Weide- 
geld Kühe zu halten, damit „wir uns völlig“, so jagte die Kammer am 
9. März 1780 in ihrer Verfügung an den Magistrat, „überzeugen, daß 
diese Familien auch dergestalt angesetzt werden, daß sie sich ihren not- 
dürftigsten Unterhalt erwerben können“. Am 11. Dezember 1780 ant- 
wortete der Magistrat nach zweimaliger Ermahnung, das Vieh sollte 
4,8
	        
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