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5. Aus der Geschichte des "Hohen Weinbergs vor dem Spandauertor"

Full text: Bilder aus der Berliner Feldmark / Jahn, Hans (Public Domain)

Bis 1703 blieb der Weinberg unmittelbar in landesherrlichem Besitz 
und gehörte zuletzt als Pertinenzstü> zum Vorwerk vor dem Span- 
dauer Tor (Monbijou), das zum persönlichen Gebrauch der Königin 
Sophie Charlotte bestimmt war“). - Zu Trinitatis 1703 (= 29. Mai) 
hatte die Verpachtung des genannten Vorwerks ein Ende genommen. 
Schon immer hatten die arrendatores des Vorwerks wegen des Wein- 
bergs im Tiergarten (der nördlich der Spree gelegene Tiergarten ist 
gemeint, dessen Rest der jetzige kleine Tiergarten bildet), der zu 
20 Taler Pacht angeschlagen war, Schwierigkeiten gemacht und immer 
eine remisgion über die andere gefordert, auch der neue pensionarius 
des Vorwerks hatte difficultieret, solchen anzunehmen. Da entschloß 
sic die Königin am 12. August 1703 in Liegzenburg, den Weinberg 
dem Kgl. Laquay Francois Meinadie (auch Menadier, er selbst unter- 
schreibt mit Mejnadjer) mit königlicher approbation in Erbpacht zu 
geben. Für den Entschluß der Königin waren zwei Gründe maß- 
gebend; Menadier hatte ein höheres Erbstandsgeld, als jemals die 
Verpachtung gebracht, zu geben versprochen und mit Vergünstigung 
der Landesmutter auf seine eigenen Kosten eine Eisgrube darin an- 
gelegt. So erhielt Menadier am genannten Tage den Weinberg im 
Tiergarten in der Nähe der Spandauischen Straße (= Invaliden- 
straße). Zu dem Berge gehörte ein Wohn- und Preßhaus. Der Erb- 
pächter durfte das Pachtgut vererben, auch mit Zustimmung der 
Königin an andere abtreten und veräußern; er war frei von Kontri- 
bution und Einquartierung, durfte eine Brandweinblase anrichten und 
genoß den besonderen Schuß der Königin, wie alle übrigen, die unter 
der Jurisdiktion der Königin wohnten. Auch drei Kühe unter das 
Vorwerksvieh zu treiben war ihm erlaubt; jedoch mußte er den Hirten- 
lohn dafür bezahlen. Der Erbpächter war verpflichtet, von Trinitatis 
1703 an ein Erbpachtsgeld von 25 Talern jährlich zu bezahlen und 
von „Korn und Schrot, so er bei der Branntweinblase gebraucht, und 
allen „consumptibilibus“ Zinsen, Accise und andere Imposten“ zu ent- 
richten. Die Vererbpachtung der Domänenstü>e hatte sich in diesem 
Falle wie auch im allgemeinen als ungünstig für die Staatseinnahmen 
erwiesen. Daher hob Friedrich Wilhelm 1. die Erbpacht auf. Beson- 
ders die königlichen Weinberge um Berlin -- gemeint sind die Tempel- 
hofer Berge auf der Köllnischen Seite und der Hohe Weinberg 
=- verursachten viele Unterhaltungskosten. Um sie zu ersparen, hatte 
der König befohlen, diese Grundstücke mit Vorbehalt eines gewissen 
jährlichen Grundzinses an die Meistbietenden erb- und eigentümlich 
zu kaufen. So wurde auch der Hohe Weinberg, der 814 Taler Ver- 
besserungs- und Unterhaltungskosten verursacht hatte, durch zwei- 
maliges öffentliches proclama ausgeboten und schließlich dem bis- 
herigen Erbpächter Menadier käuflich überlassen, weil keiner gefunden 
wurde, der bessere „conditiones als er machen würde“. Am 6. Mai 
*) G. St. A., Pr. Br. Rep. 2. 2. Dom.-Registratur Amt Schönhausen, Pak. 60, 
Nr. 45, und G. St. A. Pr. De Rep. 7, Amt GEERT EEE aus 5 Nr. 1. 
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