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Full text: Alice (Rights reserved) Issue27.2014 (Rights reserved)

alice magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin Sommersemester 2014 Hand aufs Herz Gesundheit und Pflege an der ASH Berlin Ausgezeichnet! Helleum erhält Auszeichnung als herausragende Bildungsidee alice tagt Impressionen vom ersten International Day Hörsaal Aktuelles aus dem Zentrum ASH-IQ Editorial I 1 Liebe Leserinnen, liebe Leser, zwei große Symbole zieren das Titelbild der vorliegenden alice „HAND AUFS HERZ“. Sie stehen für die Gesundheitsstudiengänge der Alice Salomon Hochschule, die den Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe bilden und das nicht ohne Grund: Im Juni 2014 feiert der Bachelorstudiengang „Gesundheits- und Pflegemanagement“ (vor der Bologna-Reform: Diplomstudiengang „Pflege/Pflegewissenschaft“) sein 20-jähriges Bestehen. Und auch der Bachelorstudiengang „Physiotherapie/Ergotherapie“ lässt 2014 nach zehn erfolgreichen, für die akademische Ausbildung bedeutenden Jahren die Korken knallen. Ein guter Moment also, um „nah am Herzen“ zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. In der Rubrik „Im Mittelpunkt“ wird über „Gesundheit und Pflege an der ASH Berlin“ aus drei unterschiedlichen Perspektiven berichtet. Aus Sicht der „Hochschule“ lässt Elke Weisgerber, die von Anfang an als Studiengangskoordinatorin an der Entwicklung dieses Bereichs beteiligt war, die vergangenen 20 Jahre Revue passieren. Außerdem stellen die jeweiligen Studiengangsleitungen aktuelle Bezüge her und präsentieren die Bachelor- und Masterstudiengänge aus diesem Bereich. Im zweiten Teil blicken Studierende auf die Gesundheits- und Pflegestudiengänge und erläutern aus ihrer Sicht aktuelle Themen wie etwa die kontroverse Debatte um die Gründung einer Pflegekammer. Und in der Rubrik „Forschung“ wird zum einen von Prof. Dr. Ingrid Kollak die bedeutende Rolle der Gesundheits- und Pflegeforschung erläutert, die an der ASH Berlin bereits genauso lange existiert wie die Lehre in diesem Bereich. Zum anderen werden exemplarisch einige aktuelle Forschungsprojekte der Hochschule sowie Kooperationsprojekte vorgestellt. Den Autorinnen und Autoren gilt mein herzlicher Dank für die lesenswerten Beiträge dieser alice-Ausgabe. Sie ist gleichzeitig die letzte, die in meiner Amtszeit unter meiner Federführung entstanden ist. Vier Jahre lang den Entstehungsprozess von insgesamt neun Ausgaben der alice zu begleiten, Themenschwerpunkte zu setzen und intern wie öffentlich zur Diskussion zu stellen, hat mir viel Spaß bereitet. Zukünftig wird Sie an dieser Stelle mein Nachfolger Prof. Dr. Uwe Bettig begrüßen und Ihnen die Höhepunkte des Hochschullebens an der ASH Berlin näherbringen. Auch im Namen der ehemaligen Prorektorin Prof. Dr. Susanne Viernickel bedanke ich mich bei allen Hochschulangehörigen für das Vertrauen und die Unterstützung in den vergangenen vier Jahren. Es war eine ereignisreiche und spannende Zeit! Dem neuen Rektorat wünsche ich viel Erfolg für die Zukunft. Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine interessante und anregende Lektüre. Prof. Dr. Theda Borde, ehemalige Rektorin der ASH Berlin (April 2010 bis März 2014) alice Inhalt 48 I Neuer Master: Social Work as a Human Rights Profession 4 Neues! 4 Das neue Rektorat stellt sich vor 6 Alice und Familie – neuer Internetauftritt „Studieren & Arbeiten mit Familie“ 7 Kurzmeldungen 8 Im Mittelpunkt 58 I Netzwerk Prekäres Praktikum 26 Ab in die Praxis! „Physiotherapie/Ergotherapie“ aus der Sicht einer Studentin 28 Ein Interview mit GPM- und MQG-Alumna Katja Thielemann 29 WISSENschafft gesunde KOMMUNE: ein Projekt des Masterstudiengangs MQG 30 Eine Kammer für die Pflege: zur beruflichen Selbstverwaltung der Pflegenden in Deutschland Forschung Hochschule 9 20 Jahre Gesundheits- und Pflegestudiengänge an der ASH Berlin 32 20 Jahre Gesundheits- und Pflegeforschung an der ASH Berlin 11 Akademisierung der Pflege – Chancen des Pflegemanagements (GPM) 33 Aktuelle Projekte aus dem Bereich Gesundheits- und Versorgungsforschung 12 Die ASH Berlin als Pionierin (PT/ET) 35 GLESA: innovative Wohnformen im Alter im Fokus der Forschung 14 Mit dem Gesellenbrief auf direktem Weg zur Meisterprüfung (MQG) 36 QPM-Pflege: integrative Managementstrategien 16 Auf einen Blick: Professorinnen und Professoren der Studiengänge 38 EyeTrack4all: neue Hilfsmittel in der Unterstützten Kommunikation 17 GPM-Studierende auf der Suche nach beruflicher Identität 39 INDIKA: Verbesserung der Versorgungssituation und Lebensqualität älterer Menschen mit Pflegebedarf 18 Persönlichkeit mit Fachkompetenz: ein erfolgreicher Start ins Berufsleben 40 dig-TEMA: neue Messinstrumente und Testverfahren in der therapeutischen Diagnostik 19 Erste Ergebnisse der Absolventinnen- und Absolventenbefragung 41 LedeMitH: Lebenswelten von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten 21 Ein Gespräch mit Prof. Dr. Jutta Räbiger zur Zukunft der Gesundheitsberufe 43 MAAL: interdisziplinärer Studiengang zur Entwicklung innovativer Technologien und Dienstleistungen 23 Die Zukunft der akademischen Pflege aus Sicht der Dekanekonferenz 44 ZukunftPflege: Entwicklung eines Online-E-LearningPortals für gesunde, qualifizierte häusliche Pflege 24 Qualitätssicherung und Forschung für Langzeitpflege Studierendenwelt 25 Der Studiengang „Gesundheits- und Pflegemanagement“ aus Studierendenperspektive alice 46 Hörsaal 46 Neuer Master: „Netzwerkmanagement Bildung für nachhaltige Entwicklung“ alice Sommersemester 2014 64 I Austauch sprengt Grenzen 48 Human Rights in Action – New Master Program “Social Work as a Human Rights Profession” 49 Und nach dem Studienabbruch? „Looping Berlin“ bietet Bildungsberatung 50 Aktuelles aus dem Zentrum ASH-IQ 51 Neuer Zertifikatskurs zur Erlebnispädagogik 53 alice forscht 69 69 Ein Interview mit dem Alice Salomon Poetik Preisträger Franz Hohler 71 Herausragende „Bildungsidee“: Helleum erhält Auszeichnung bei bundesweitem Wettbewerb 72 Kunst bricht auf! Theodor Heuss Medaille 2014 für das „Theater der Erfahrungen“ 73 Preise für Studierende im Wintersemester 2013/14 53 Alice Salomons Werk erforschen – aber wie? 54 Für den Erzieher/-innenberuf (ver)brennen? Ergebnisse des Forschungsprojekts STEGE 56 Zu den Wirkungen des Zertifikatskurses „Fachberatung für Opferhilfe“ 74 58 Seitenwechsel 59 Ein Interview mit der ersten promovierten Absolventin des „BKS“ 60 Produktives Lernen selbst in die Hand nehmen: ein Weg aus der Bildungsbenachteiligung 63 Selbstreflexion und Geduld: aus der Praxiserfahrung einer werdenden Sozialarbeiterin 64 Grenzübergang 64 Austausch sprengt Grenzen: ein deutsch-ecuadorianisches Austauschprojekt Menschen 74 Neuberufungen 76 Neue Mitarbeiter/-innen 79 58 0 Euro sind nicht genug! Erste Umfrageergebnisse der Initiative „Netzwerk Prekäres Praktikum“ Ausgezeichnet! alice tagt 79 Meet the World! Impressionen vom ersten „International Day“ 81 Rückblick auf den Hochschultag zum Thema „Gewalt: Prävention und Intervention“ 82 Gesundheit als Erfolgsfaktor – 29. Jahrestagung der Hochschulkanzlerinnen und -kanzler 83 Lesestoff 86 Termine, Termine 87 Die letzte Meldung 88 Impressum 66 An interview with Erasmus student Špela Breceljnik from Slovenia 68 Empowerment pur! Reise in die Türkei mit der „Jungen Selbsthilfe“ alice 4 I NEUES Neues! Gemeinsam neue Wege finden Das neue Rektorat stellt sich vor Das neue Rektorat: Nils Lehmann-Franßen, Uwe Bettig, Bettina Völter Uwe Bettig Im Jahr 2007 wurde ich auf die Professur für Management und Betriebswirtschaft in gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen an der ASH Berlin berufen. Zum 1. April 2010 übernahm ich die Leitung des Bachelorstudiengangs „Gesundheits- und Pflegemanagement“. Nach vier sehr schönen Jahren in dieser Funktion mit Meilensteinen wie der Reakkreditierung im Jahr 2013 und der Planung der 20-Jahr-Feier im Juni 2014 warten nun neue Herausforderungen. Im Sommer 2013 trafen sich Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Studiengängen, um die zukünftigen Herausforderungen, der sich die ASH Berlin stellen wird, zu erörtern. Im Laufe der Diskussionen bildete sich das Team, das nun mit großem Respekt aber auch großer Freude das Rektorat übernimmt. Ich selbst freue mich darauf, im Dialog mit Vertre- alice terinnen und Vertretern aller Statusgruppen gemeinsam neue Wege zu finden und zu beschreiten. Wesentliche Leitmotive unseres Handelns sind Anerkennung der Leistungen aller und eine möglichst weitgehende Offenlegung der Informationen für alle Interessierten, um so die großen Aufgaben – wie die Gründung von Fachbereichen – auf eine breite Basis zu stellen. Die Ressourcen, die uns durch die Hochschulverträge zur Verfügung stehen, begrenzen das Wachstum an grundständigen Studiengängen. Dennoch halten wir es für sinnvoll, Möglichkeiten zu suchen, Studienplätze in konsekutiven Masterstudiengängen zu schaffen. Politisch wird uns die Möglichkeit der Promotion unserer Absolventinnen und Absolventen beschäftigen, hier gibt es ja NEUES I 5 einige ermutigende Signale. Ebenfalls sind die Durchlässigkeit von Beruf und Studium und die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens Aspekte, die wir in entsprechenden Gremien voranbringen wollen. Die Weiterführung des Zertifikats als familiengerechte Hochschule liegt uns außerdem am Herzen. Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Studium wollen wir weiter stärken. Bei all den Punkten freuen wir uns auf konstruktiv-kritische Dialoge und die Unterstützung aller Interessierten. Gleichzeitig bedanken wir uns für die vielen Glückwünsche nach der Wahl und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sowie für das Verständnis, wenn es in den ersten Monaten noch nicht perfekt läuft. Bettina Völter Die AS(F)H Berlin habe ich 2003 zum ersten Mal betreten. Ich übernahm die Methodenbetreuung der Promotions-Stipendiatinnen und wünschte mir damals sehr, hier eines Tages mit Perspektive zu arbeiten. Seit 2007 bin ich nun Hochschullehrerin für Theorie und Methoden der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Rekonstruktive Soziale Arbeit. Neben Lehre und Forschung war ich seither für mehrere Module verantwortlich, habe in der Tutorinnen- und Tutorenkommission, im Konzil, der Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs sowie im Akademischen Senat mitgearbeitet. Mitbegründet habe ich das Kooperationsforum ASH – Bezirk Marzahn-Hellersdorf und die Brasilien AG. Als Theda Borde und Susanne Viernickel erklärten, nicht wieder anzutreten, entschloss ich mich spontan, meine persönlichen sowie meine Forschungs- und Lehrinteressen zurückzustellen und im Team mit Uwe Bettig und Nils LehmannFranßen zu kandidieren. Angesichts der komplexen Aufgaben (wie Neubau, Personalentwicklung in der Verwaltung, Entwicklung von angemessenen Arbeits- und Förderbedingungen für Lehrbeauftragte, Etablierung einer Grundordnung), schien es mir wichtig, dass wir Mitglieder der Organisation weder Energie noch Zusammenhalt oder Motivation bei der Suche nach einer neuen Leitung verlieren. Vor der Wahl hatten wir die Chance, uns allen Mitgliedergruppen vorzustellen. Die Anliegen und Anregungen nehme ich gerne in unsere Amtszeit mit, wie etwa den Wunsch nach einem wertschätzenden und fördernden Umgang untereinander, nach demokratischen Strukturen und Regeln, nach mehr Räumen für Austausch sowie den Wunsch nach einer Hochschulentwicklung, die auf Innehalten, Vertiefung und Qualität setzt. Dazu gehört für mich, dem messenden Leistungsdenken des „Immer-Mehr und -Besser“ die prozessorientierten Bildungsideen, die Diskurskritik sowie die dialog- und subjektorientierte Praxis entgegenzusetzen, die in unseren Studiengängen eine tragende Rolle spielen. Zu unseren Leitgedanken gehören insofern auch die Förderung von Dialog und Achtsamkeit. Ich freue mich, dass ich mit den Aufgabenbereichen Forschung und Kooperationen ins neue Rektorat gewählt wurde, wünsche mir eine kreative Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern, Partnerinnen und Partnern der ASH Berlin und danke sehr für das Vertrauen! Nils Lehmann-Franßen Seit 2006 bin ich Professor für Recht der Sozialen Sicherheit. Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation an der (jetzigen) Universität der Künste Berlin und einem Studium der Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin – dort erfolgte auch die Promotion – engagiere ich mich seit 1998 in der Lehre von Sozial- und Arbeitsrecht an den Sozialarbeitsstudiengängen. Meine Forschungsinteressen liegen besonders im Bereich des transnationalen Sozialrechts. Aufgaben der akademischen Selbstverwaltung habe und hatte ich u. a. im Konzil, im Wahlvorstand, in der Barrierefrei-Kommission und im Prüfungsausschuss. Mit den Aufgaben eines Prorektors sind nun andere Perspektiven verbunden, auf die ich mich – in kollegialer Zusammenarbeit in der Hochschulleitung – sehr freue. Ein weiterer Leitgedanke für unsere Arbeit ist Partizipation. Partizipation fokussiert auf ein Gemeinsames der Beteiligten – der Studierenden, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Lehrenden – an den Entwicklungen und gesellschaftlichen Aufgaben unserer Hochschule. Partizipation zielt auch auf Akzeptanz. Nicht ohne Grund sind für Hochschulen im Rahmen der Autonomie Gremien vorgesehen, die im fachlichen Diskurs Entscheidungen auf breiter Basis vorbereiten und treffen können. Die Verabschiedung einer neuen Grundordnung unserer Hochschule dürfte in den kommenden Semestern nach umsichtig vorbereitender Arbeit und Diskussionen durch das Konzil erfolgen. An diesem vielschichtigen Prozess mitzuarbeiten und die damit verbundenen Neustrukturierungen in der Hochschule umzusetzen, liegt auch in der Verantwortung des Rektorats. Meine Aufgaben werden zudem im Bereich Lehre und Studium liegen. Dazu gehört die Vielfalt der Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Soziales, Bildung und Gesundheit mit der wachsenden Zahl von (internationalen) Studierenden und Lehrenden, die sich erwartungsvoll für unsere Hochschule entschieden haben – oder entscheiden möchten. Besonderes Augenmerk verdienen dabei die Qualität unserer grundständigen Bachelorstudiengänge und die Öffnung für weitere Lern- und Lehrformen, um besonderen Anforderungen entsprechen zu können. Kontakt bettig@ash-berlin.eu voelter@ash-berlin.eu lehmann-franssen@ash-berlin.eu alice 6 I NEUES Alice und Familie Neuer Internetauftritt „Studieren & Arbeiten mit Familie“ Verena Meister Wer das Studium oder den Beruf an der Alice Salomon Hochschule Berlin mit familiären Verpflichtungen vereinbaren möchte oder muss, hat in der Regel erst mal viele Fragen: Welche Möglichkeiten bietet die ASH Berlin? Welche Rechte habe ich an der Hochschule? Wo finde ich Informationen und wer kann mich beraten? Eine gute erste Anlaufstelle für diese deutung: Familie ist kein reines Frauenthema, es betrifft alle Geschlechter und die Hochschule im Allgemeinen. Auch das soll mit der neuen Verankerung des Themas zum Ausdruck gebracht werden. Inhaltlich wurde der Internetauftritt umfassend erweitert. Neben den wesentlichen Informationen zu den Einrichtungen für Eltern – wie der Kinderbetreuungsstube und den diversen Einrichtungen auf dem Campus – werden auch die wichtigsten Regelungen für studierende und berufstätige Eltern an der ASH Berlin vorgestellt. Neuer Unterpunkt: „Pflege von Angehörigen“ Außerdem enthalten die neuen Seiten erstmals auch Informationen zum Thema „Pflege“. Die Pflege von Familienangehörigen ist für viele Hochschulmitglieder ein relevantes Thema. Die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds tritt häufig ohne Vorwarnung ein und stellt Studierende und Berufstätige vor große Herausforderungen. Die Möglichkeiten, die es im akuten Pflegefall gibt, sind aber weniger bekannt als Maßnahmen, die Kinder betreffen. Hier soll der Internetauftritt in Zukunft Abhilfe schaffen. Er bietet Broschüren zum Herunterladen, wie etwa eine Checkliste, was im Pflegefall zu tun ist und Kontakte zu Pflegestützpunkten, die individuell, wohnortnah und kostenlos beraten. Fragen ist die Webseite der Hochschule. Der Internetauftritt zum Thema „Vereinbarkeit von Studium und Beruf mit Familie“ an der ASH Berlin wurde gerade vollständig überarbeitet. Abgerundet wird der neue Internetauftritt durch eine Liste mit Links und Downloads zum Thema „Vereinbarkeit“ sowie Informationen zum Audit „familiengerechte hochschule“ und zu den Zielvereinbarungen, die die Hochschule im Rahmen dieses Zertifizierungsprozesses abgeschlossen hat. Für alle, die weitergehende Fragen haben, ist auf der Webseite ein Kontakt für die Beratung angegeben. Speziell Fragen rund um die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit mit Familie können hier beantwortet werden. Wir freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen zu den Informationsmaterialien und zu unseren Angeboten. Formale und inhaltliche Änderungen Die erste Veränderung, die auffällt, ist die neue Anordnung der Internetseiten. Die Informationen sind jetzt nicht mehr wie bisher auf den Seiten der Frauenbeauftragten zu finden, sondern direkt unter dem „PROFIL“ der Hochschule als Unterpunkt „Studieren & Arbeiten mit Familie“. Die Informationen sind nun schneller und leichter auf einen Blick zu finden. Diese grafische Umstrukturierung hat aber auch eine symbolische Be- alice Verena Meister Frauenbeauftragte familie@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-322 Weitere Informationen www.tinyurl.com/mit-familie © Ayse Yavas NEUES I 7 Humorvoll ins neue Jahr Lehre im Flüchtlingsheim Die ASH Berlin hat den Alice Salomon Poetik Preis 2014 an den Schweizer Schriftsteller Franz Hohler vergeben und würdigt ihn damit als Autor, dessen Humor „von politischer Moral ebenso wie von Humanität und einer faszinierenden Einbildungskraft zeugt, mit der er etwas Schönheit in unser Leben schmuggelt“, so heißt es in der Begründung der Jury. Eröffnet wurde die Preisverleihung, die am 18. Januar 2014 im Rahmen des Neujahrsempfangs der Hochschule stattfand, vom Teresa Bergman Trio. Nach der Neujahrsansprache von Prof. Dr. Theda Borde und der Jurybegründung, die von Dr. Thomas Wohlfahrt vorgetragen wurde, hielt Prof. Dr. Klaus Wagenbach eine fesselnde Laudatio auf den Preisträger. Franz Hohler selbst begeisterte schließlich die knapp 300 Gäste, die sich in der Berlinischen Galerie eingefunden hatten, mit einer gelungenen Mischung aus Lesung, autobiografischen Details und Verweisen auf das Leben Alice Salomons. Seit Oktober 2013 haben in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Hellersdorf täglich mehrere Lehrveranstaltungen der ASH Berlin stattgefunden. Nach Gesprächen im Juli 2013 zwischen Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, und der Rektorin Prof. Dr. Theda Borde, stand der Hochschule ein Gruppenraum im Flüchtlingsheim – ausgestattet mit Tafel, Beamer und PC mit Internetzugang – für 50 Personen zur Verfügung. So konnten dort regelmäßig Seminare wie „Rassismus und Migration“ oder „Kritische Soziale Arbeit im gesellschaftspolitischen Kontext“ abgehalten werden. Aber auch der Hochschulchor der ASH Berlin hat einen Teil seiner Proben in die Flüchtlingsunterkunft verlegt. Alle Veranstaltungen standen den Flüchtlingen offen. Der Autor, Kabarettist und Liedermacher arbeitet seit 1965 für Bühne, Radio und Fernsehen, schreibt u. a. Erzählungen, Romane, Gedichte und Kinderbücher. Zu seinen Erstlingswerken zählt „Das verlorene Gähnen und andere nutzlose Geschichten“ (1967); in 2013 veröffentlichte er den Erzählband „Der Geisterfahrer“ und den Roman „Gleis 4“. Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die ASH Berlin Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören u. a. Michael Roes, Valeri Scherstjanoi, Eugen Gomringer, Emine Sevgi Özdamar und Andreas Steinhöfel. Am Freitag, den 16. Mai 2014 hält Franz Hohler an der ASH Berlin eine Poetik Vorlesung. Er wird ab 19.00 Uhr im Audimax über die Verknüpfung von biografischem und kreativem Schreiben sprechen. (SR) Weitere Informationen und Fotos unter www.tinyurl.com/poetikpreis-2014 Im Wintersemester absolvierten auch zwei Studierende aus dem Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“ ihr Praktikum in der Flüchtlingsunterkunft. Im direkten Kontakt war es so möglich, die Bedürfnisse der Bewohner/-innen zu klären und spezielle Unterstützungsangebote durch die ASH Berlin auszurichten. Verbindungen zu Studierenden der Hochschule mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen konnten hergestellt werden, die Übersetzungshilfe leisteten und die Flüchtlinge beispielsweise bei Arzt- oder Amtsterminen begleiteten. Außerdem wurde in der Flüchtlingsunterkunft eine dauerhafte Hausaufgabenbetreuung für Kinder eingerichtet und eine offene Jugendarbeit integriert. Inzwischen sind die etwa 200 Bewohnerinnen und Bewohner des Flüchtlingsheims bereits ins größere, umgebaute Nachbargebäude mit Apartmentstruktur umgezogen. Dort wird es erneut einen ausgestatteten Unterrichtsraum geben, sodass die Seminare und weitere Aktivitäten der ASH Berlin im Sommersemester 2014 nahtlos weitergehen können. (DG) Weitere Informationen www.tinyurl.com/heim-hellersdorf alice 8 I IM MITTELPUNKT Hand aufs Herz Gesundheit und Pflege an der ASH Berlin Im Mittelpunkt dieser alice-Ausgabe stehen die Gesundheits- und Pflegestudiengänge an der Hochschule. Die Bachelorstudiengänge „Gesundheits- und Pflegemanagement“ und „Physiotherapie/Ergotherapie“ haben Grund zum Feiern! Erfahren Sie mehr dazu auf den folgenden Seiten und lesen Sie interessante Berichte über diesen Bereich aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. IM MITTELPUNKT I 9 Hochschule Am Puls der Zeit 20 Jahre Gesundheits- und Pflegestudiengänge an der ASH Berlin Elke Weisgerber Blicken wir zurück auf Ereignisse des Jahres 1994: Das ‚Berlin-Bonn-Gesetz‘ zur Umsetzung des Hauptstadtbeschlusses wird verabschiedet; in der Folge erst zieht die Bundesregierung nach Berlin. Der Deutsche Bundestag beschließt im März 1994 die Einführung der Sozialen Pflegeversicherung – ein Meilenstein in der Gesetzgebung des Sozialstaats aus heutiger Sicht. Und die Situation der Pflege in Deutschland vor 20 Jahren? ‚Pflegenotstand‘ wird konstatiert – gemeint ist Personalmangel. Im internationalen Vergleich hat die akademische Qualifizierung in der Kranken- und Altenpflege immensen Aufholbedarf: Die Jahrzehnte währenden Bemühungen um die Etablierung pflegebezogener Studiengänge mit den Hauptakteurinnen und -akteuren Berufsverband, Pflegewissenschaftliche Gesellschaft sowie Protagonistinnen und Protagonisten aus Hochschulen und Politik, führen ab 1993 endlich zu einer bundesweiten ‚Gründungswelle‘ von über 50 Studiengängen in den nächsten Jahren. Von Schöneberg nach Hellersdorf An der damaligen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (FHSS) waren ab 1992 Professorinnen und Professoren bereits dabei, ein innovatives Studienkonzept und entsprechendes Curriculum zu entwickeln. Der 1993 einberufene Gründungsbeirat, bestehend aus externen Fachleuten aus Berufs- und Wohlfahrtsverbänden, Vertretungen anderer Hochschulen, Pflegeleitungen und der Senatsverwaltung, wird Wegbereiter für einen der frühen Pflegestudiengänge. Der Diplomstudiengang „Pflege/Pflegemanagement“ startet im April 1994 noch im beengten Schöneberger Domizil der FHSS. Nach weiteren ‚Zwischenstopps‘ in Räumen des Schöneberger Rathauses und einer Fabriketage in der Treptower Lohmühlenstraße, erfolgt 1998 der letzte Umzug in das neu errichtete Hochschulgebäude in Hellersdorf. Die Aufbauzeit alice 10 I IM MITTELPUNKT ist geprägt von intensiver Berufungsarbeit bei laufendem, stetig wachsendem Lehrbetrieb. Der achtsemestrige Diplomstudiengang ist zum Zeitpunkt des Umzugs voll ausgebaut, hat die ersten zwei Semester als Pflegewirtinnen und -wirte verabschiedet und zieht mit rund 200 Studierenden, fünf Professuren, einigen Lehrbeauftragten und drei Beschäftigten der Studiengangskoordination unter das gemeinsame Dach der heutigen ASH Berlin (1). Vom Diplom zum Bachelor und Master Zum zehnjährigen Jubiläum 2004 ist die Akademisierung der Pflege an der ASH Berlin und bundesweit den Kinderschuhen entwachsen. Zwar werden Diplom-Pflegewirtinnen und -wirte in der Berufspraxis nicht überall mit offenen Armen empfangen, die Ergebnisse zweier Verbleibstudien der nun über 350 Alumni zeigen aber gute Berufsaussichten, meist in den verschiedenen Leitungsebenen und im Qualitätsmanagement von Einrichtungen der Pflege. Währenddessen ist die nächste Reform schon in Vorbereitung: Die Bologna-Anpassung des vierjährigen Diplomstudiums in ein zweistufiges Bachelor- und Masterstudium. Die Modularisierung kann genutzt werden, um die Lehrinhalte nach Rückmeldung von Arbeitgeberinnen und -gebern, Alumni und Studierenden neu zu strukturieren. Zum April 2005 startet der sechssemestrige Bachelorstudiengang „Gesundheitsund Pflegemanagement“ (GPM), der nun das Diplomstudium ersetzt. Wie schon für den Diplomstudiengang bleibt im Bachelor GPM eine pflegerische Ausbildung weiter Zugangsvoraussetzung, nicht mehr jedoch die zusätzliche zweijährige Berufserfahrung im Pflegeberuf. Seit April 2005 bis heute haben mehr als 700 Studierende das GPM-Studium aufgenommen; 2013 gab es bereits über 380 Alumni des Bachelors GPM. Als konsekutive Studienfortsetzung für Absolventinnen und Absolventen des Bachelors GPM wie auch des 2004 neu entwickelten Bachelors „Physiotherapie/Ergotherapie“ (PT/ET) beginnt der Masterstudiengang „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ (MQG) erstmals zum April 2008. Der Abschluss des MQG ist dem universitären Masterabschluss gleichwertig. Inzwischen haben bereits rund 200 alice Studierende das Masterstudium MQG aufgenommen; etwa 100 haben das Studium schon erfolgreich absolviert. Die pflegerischen Vorberufe wie auch die stärkere Fokussierung der Lehre auf Managementinhalte prädestinieren die GPM-Absolventinnen und -Absolventen weiterhin für leitende Positionen in der Pflege. Zugleich konnte mit dem Beibehalt der Forschungsmodule im Bachelorstudium eine fundierte Basis für ein vertiefendes Masterstudium geschaffen werden. In dieser Kombination bietet das breit angelegte Gesundheitsund Pflegemanagement den Absolventinnen und Absolventen nach wie vor gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sowohl in klassischen Leitungsebenen wie auch in neuen Berufszweigen, von Controlling bis Pflegeberatung. Vor allem unter den ehemaligen Diplom-Studierenden ist nunmehr eine zweistellige Zahl promoviert oder in Abschlussphasen, auch dank eines von der Robert Bosch Stiftung speziell für das Fördergebiet Gesundheitspflege ausgerichteten Graduiertenkollegs. Viele der an dieser Stelle nur kurz skizzierten Themen werden in den Artikeln von Hochschulangehörigen, Leitungen, Lehrenden und Studierenden der Studiengänge auf den folgenden Seiten genauer dargestellt. Allen am Aufbau und der Entwicklung des Gesundheits- und Pflegestudiums Beteiligten sei hiermit besonders gedankt. Herzliche Glückwünsche zu den runden Jubiläen: Dem Studiengang PT/ET zum 10., den Studiengängen GPM und MQG zum 20. Geburtstag! Das 20-jährige Bestehen wird am 20. Juni 2014 mit einer Festveranstaltung gefeiert. (1) Zur ausführlichen Darstellung der Entwicklung im Bereich Gesundheit und Pflege siehe: Räbiger, Jutta und Elke Weisgerber (2004). „Pflegekräfte mit Diplom: Von der Vision zur Wirklichkeit. 10 Jahre Pflegestudiengang an der ASFH“, in: alice Magazin, Nr. 8, S. 10 –15. Elke Weisgerber Studiengangskoordinatorin weisgerber@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-334 IM MITTELPUNKT I 11 Hochschule Akademisierung der Pflege – Chancen des Pflegemanagements Der Bachelorstudiengang Gesundheits- und Pflegemanagement (GPM) Uwe Bettig An der ASH Berlin kann das Pflegemanagement nun bereits auf eine 20-jährige Tradition verweisen. In dieser Zeit haben sich viele Änderungen ergeben, die zum Teil inhaltlicher und zum Teil struktureller Natur sind. Inhaltlich ist besonders die stärkere Hinwendung zur Betriebswirtschaft und zum Management zu erwähnen. Größte Herausforderung in der Überarbeitung der Studienstruktur war sicherlich die Umsetzung der „Bologna-Reform“ mit der Umwandlung des Diplomstudiengangs „Pflege/Pflegemanagement“ in einen Bachelor- und einen konsekutiven Masterstudiengang. Die inhaltlichen Änderungen orientierten sich stets stark an den Wünschen der Studierenden – allesamt mit abgeschlossener Berufsausbildung – und deren späteren Berufsmöglichkeiten. Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Praxisbeirat mit Vertreterinnen und Vertretern der Berufspraxis und der Berufsverbände. Dieser trifft sich einmal jährlich, um über das Studium und künftige Herausforderungen zu diskutieren. Im Rahmen dieser Diskussionen haben sich unter anderem Verbesserungen der Praktika ergeben, indem die Studierenden besser vorbereitet und begleitet werden. Im Fokus dieser Sitzungen, aber auch der regelmäßigen Dozentinnen-/Dozentenkonferenzen stehen immer die möglichen Einsatzfelder der Alumni. Das Aufgabengebiet der Pflege hat sich zum Beispiel durch die reformierte Finanzierung im Ge- sundheitswesen (insbesondere die Einführungen der Pflegeversicherung und der DRG-basierten Vergütungssysteme) stark verändert. Die zu erfüllenden Aufgaben erfordern eine hohe Fachkompetenz der Pflegenden. So empfiehlt der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme von 2012, 10 bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrganges in den Gesundheitsfachberufen akademisch zu qualifizieren. Als neue Einsatzfelder nach dem Studium haben sich interdisziplinäre Arbeitsfelder, wie das Medizincontrolling, das Casemanagement und das Qualitätsmanagement herausgebildet. Auch der Einsatz im betriebswirtschaftlichen Controlling oder in Personalabteilungen sind häufige Startpositionen der Alumni. Auch der Sprung in die Selbstständigkeit wird oft gewagt. Die neuen Tätigkeitsfelder sind insgesamt interprofessioneller, aufgabenreicher aber auch verantwortungsvoller geworden. Entsprechende Module bereiten die Studierenden an der ASH Berlin hierauf gezielt vor. Daneben wird in Projektmodulen an konkreten Problemstellungen der Praxis gearbeitet, um aktuelle Lösungen auf Herausforderungen im späteren Arbeitsumfeld zu finden. Über drei Semester werden so praxisrelevante Inhalte erarbeitet, die während des Praktikums gezielt vertieft werden können. Bei der Wahl der Praktikumsstelle helfen die zahlreichen Kooperationen der Hochschule mit Praxispartnern des Gesundheits- und Sozialwesens. Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs GPM alice 12 I IM MITTELPUNKT Die Abschlussarbeiten der Studierenden sind ebenfalls häufig anwendungsorientiert und werden in Kooperation mit Praxiseinrichtungen entwickelt. So kann der Theorie-PraxisTransfer bereits während des Studiums stattfinden. Dies geschieht auch durch die mögliche Mitarbeit von Studierenden in den zahlreichen Forschungsprojekten. Erfreulicherweise bieten sich hier recht häufig Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen an, die weitere akademische Karrieremöglichkeiten eröffnen. Hochschule Die ASH Berlin als Pionierin Vorstellung des Bachelorstudiengangs Physiotherapie/Ergotherapie (PT/ET) Heidi Höppner Wandel des Aufgabenfeldes der Pflege Der Wandel des Studiengangs ist keineswegs abgeschlossen, der Wandel wird uns kontinuierlich begleiten. Dass dies gelingt, beweist auch die Reakkreditierung des Studiengangs, die 2013 ohne Auflagen erfolgt ist. Uwe Bettig Professor für Management und Betriebswirtschaft in gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen bettig@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-400 Die ASH Berlin gehört zu den Pionierinnen der Hochschulausbildung von Therapeutinnen und Therapeuten in Deutschland. Vor genau zehn Jahren, am 1. April 2004, startete der erste Bachelorstudiengang „Physiotherapie/Ergotherapie“ mit je 20 Studienplätzen. Zusammen mit verschiedenen Kooperationsschulen – der Wannseeschule Berlin, der Evangelischen Waldschule für Ergotherapie, den Schulen für Physiotherapie an der Charité und in Potsdam – entstand ein ausbildungsintegrierendes Studium, das in insgesamt fünf Jahren (davon drei Jahre berufsqualifizierende Ausbildung) zum Bachelor führt. Bis 2013 konnten bereits 251 Absolventinnen und Absolventen mit einem Bachelor of Science entlassen werden. Eine vorerst letzte Kohorte wurde 2013 aufgenommen – ein neues Studienformat ist in Arbeit. Die Versorgung von Patientinnen und Patienten ist komplex geworden und fordert andere und neue Kompetenzen – wie es auch der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen 2012 noch mal ausdrücklich unterstrich. 10–20 Prozent aller Therapeutinnen und Therapeuten – so der Wissenschaftsrat – sollen in Zukunft in Deutschland eine Hochschulausbildung erhalten. Die Akademisierung der Physio- und Ergotherapie verfolgt vier Ziele: n n Bachelorstudiengang Gesundheits- und Pflegemanagement (GPM) Abschlussgrad Bachelor of Science (B.Sc.) Akkreditierung bis 30.09.2021 Turnus des Studienbetriebs Aufnahme zum Sommer- und Wintersemester alice Studienplätze 30 pro Semester Dauer 6 Semester (Vollzeit) Credit Points (CP) 180 n n Fachkompetenzerweiterung, d. h. Stärkung therapeutischer Kompetenzen durch Wissenschaftsbasierung Förderung von Wissenschaftskompetenz: d. h. wissenschaftliches Arbeiten kennenlernen und Voraussetzungen für ein Masterstudium erhalten Systemkompetenz für Innovationen: durch den Einsatz von Fachwissen und personaler und sozialer Kompetenz für Veränderungen („change agents“) eintreten Internationale Orientierung, um Chancen der internationalen Anschlussfähigkeit zu erhalten (wissenschaftlich und beruflich) Vorteile dieses (ausbildungsintegrierenden) Studienformates ergeben sich aus der Zusammensetzung der Gruppen: Erfahrungen rund um interdisziplinäres Lernen stehen bei den Absolventinnen und Absolventen ebenso hoch im Kurs IM MITTELPUNKT I 13 wie der Austausch zwischen „erfahrenen und weniger erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten“. Der Studiengang ist bisher sehr gut nachgefragt. Nachteile sind jedoch der lange Weg zum Bachelor (fünf Jahre) und eine geringe Zeit für die „akademische Sozialisation“ konkret an der Hochschule. Die ASH Berlin wird auch in Zukunft Berufserfahrenen eine Chance der hochschulischen Qualifikation bieten. Die Arbeit der letzten fünf Jahre stand im Studiengang sehr unter dem Zeichen der Umsetzung der Modellklausel in den Berufsgesetzen und damit die Chance für einen primärqualifizierenden Studiengang (PQS). 2011 war die ASH Berlin – gemeinsam mit den Schulen für Physio- bzw. Ergotherapie an der Wannseeschule – Pionierin in Deutschland: Primärqualifikation, d. h. die Berufsbefähigung durch ein Hochschulstudium und damit ein zukunftsorientiertes und neues Konzept, wird nun umgesetzt. Die Erfahrungen der Berufsfachschule helfen, das gemeinsame Ziel zu verfolgen: Vor dem Hintergrund gesetzlicher Möglichkeiten entsteht in der Therapeutinnen- und Therapeuten-Ausbildung in Deutschland etwas Neues und diese wird somit auch formal international anschlussfähig. Im Herbst 2014 werden die ersten Studierenden das sogenannte „Staatsexamen“ durchlaufen und zum 1. Oktober 2014 wird mit der vierten Kohorte der Studiengang PQS erstmalig ausgestaltet sein – „Full House“. In absehbarer Zeit bieten sich also viele Gründe zum Feiern: Zehn Jahre Bachelorstudiengang „Physiotherapie/Ergothera- pie“, „Full House“ im PQS, ein neues Format für Berufserfahrene sowie 2015 erste Absolventinnen und Absolventen des primärqualifizierenden Studiengangs. Heidi Höppner Professorin für Physiotherapie heidi.hoeppner@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-413 Primärqualifizierender Bachelorstudiengang Physiotherapie/Ergotherapie (PT/ET) Abschlussgrad Bachelor of Science (B.Sc.) Akkreditierung bis 30.09.2019 Turnus des Studienbetriebs Aufnahme zum Wintersemester Studienplätze 40 pro Semester (20 pro Fachrichtung) Dauer 7 Semester (Vollzeit) Credit Points (CP) 210 alice © bluedesign - Fotolia. com 14 I IM MITTELPUNKT Hochschule Mit dem Gesellenbrief auf direktem Weg zur Meisterprüfung Der Masterstudiengang Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen (MQG) Peter Hensen Was hat „Bologna“ den Fachhochschulen gebracht? Die Masterstudiengänge! Deshalb bietet auch die ASH Berlin seit 2008 Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Gesundheitsund Pflegestudiengänge die Möglichkeit, ihre bisher erwor- wie Absolventinnen und Absolventen der Universitäten. Der konsekutive Masterstudiengang „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ (MQG) ist im Jahr 2014, sechs Jahre nach seiner Einführung, ein Riesenerfolg. War im ersten Jahr die Nachfrage noch verhalten, kommen mittlerweile mehr als drei Bewerbungen auf einen der vorhandenen 30 Studienplätze. Studienstart ist jedes Jahr im Sommersemester. Wahl- und Schwerpunktstudium geben persönlichen Neigungen Raum Konzept des Masterstudiengangs MQG in der viersemestrigen Vollzeitvariante benen Kenntnisse und Kompetenzen im Rahmen eines Masterstudiums weiterzuentwickeln. Wer nach dem dreijährigen Bachelor noch nicht genug hat und zwei weitere Studienjahre anhängt, dem eröffnen sich die gleichen beruflichen Zugänge alice Wer einen der begehrten Studienplätze erhalten hat, kann sein „Studientempo“ selber bestimmen. Der Master ist grundsätzlich auf zwei Studienjahre zugeschnitten. Das Grundlagenstudium der ersten beiden Semester knüpft zunächst an den Bachelor an und erweitert die Fach- und Methodenkenntnis der Studierenden. Im weiteren Verlauf des Studiums werden die erworbenen Kompetenzen in einem der gewählten Schwerpunktbereiche weiter vertieft: entweder „Management und Betriebswirtschaft“ oder „Forschung und Qualitätsentwicklung“. Das Schwerpunktstudium ist auf ein Semester beschränkt, um die Durchlässigkeit hinsichtlich der beruflichen Tätigkeitsfelder zu wahren und eine Überspezialisierung zu vermeiden. Zusätzlich können die Studierenden im Rahmen verschiedener Projekt- und Wahlpflichtangebote ihre fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten anwendungs- und praxisbezogen vertiefen. Mit der abschließenden Masterarbeit stellen IM MITTELPUNKT I 15 Anzeige die Studierenden dann ihre Fähigkeiten zu selbstständiger, wissenschaftlicher Arbeit unter Beweis. Qualitätsmanagement ist der „rote Faden“ Im Gegensatz zu rein betriebswirtschaftlich ausgerichteten Masterstudiengängen stehen bei uns im Studium die Perspektiven und Handlungslogiken der verschiedenen Gesundheitsberufe und der Nutzer/-innengruppen im Vordergrund. Das Thema Qualitätsmanagement genießt dabei besondere Aufmerksamkeit, da es neben den Fragen wertorientierter Unternehmensführung auch methodische Ansätze der Qualitätsentwicklung adressiert. Je nach gewähltem Schwerpunkt befähigt das Studium dann zur Wahrnehmung von Leitungsund Beratungsaufgaben oder eher zu Forschungs- und Gestaltungsaufgaben im Gesundheitswesen. Hervorragende berufliche Aussichten Mit der akademischen „Meisterprüfung“ entlassen wir begehrte Expertinnen und Experten auf den Arbeitsmarkt. Die bisher beschrittenen Karrierewege unserer Absolventinnen und Absolventen sind sehr vielfältig und die Tätigkeitsfelder entsprechend anspruchsvoll: als Trainee oder Assistent/-in in der Geschäftsführung im Krankenhausbereich, Projektleitung in der Pharmaindustrie, wissenschaftliche Mitarbeit in internationalen Forschungsprojekten oder als Referent/-in bei großen Krankenkassen. Und wer nach dem Master noch promovieren möchte, dem stehen – zumindest formal – alle Türen offen, bisher jedoch nur an den Universitäten. Das Promotionsrecht hat „Bologna“ den Fachhochschulen leider nicht gebracht. Sprachtandems an der ASH Berlin Ein Sprachtandem ist eine besondere Art des Fremdsprachenlernens und des Kulturaustauschs. Zwei Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen oder Fremdsprachenkenntnissen auf hohem Niveau treffen sich und lernen voneinander Sprache und Kultur kennen. Beide Personen lehren und lernen gleichzeitig und können so ganz individuelle Schwerpunkte setzen, abseits vom universitären Lehrplan. Seit September 2012 gibt es auch an der Peter Hensen Professor für Qualitätsentwicklung und -management im Gesundheits- und Sozialwesen hensen@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-415 ASH Berlin ein Tandemprogramm und bringt internationale und deutsche Studierende an der Hochschule näher zusammen. Ein gewünschter Nebeneffekt: Oft entstehen Freundschaften und Verbindungen, die auch nach dem Tandem erhalten bleiben und ASH-Studierende motivieren, sich selbst für einen Auslandsaufenthalt zu interessieren. Im 3. Obergeschoss neben Raum 350 gibt es die Tandemwand mit den aktuellen Sprachangeboten. Masterstudiengang (konsekutiv) Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen (MQG) Die Wand wird nach jedem Semester aktualisiert und ist offen für alle Interessierte. Vor Ort finden Sie eine Vorlage, die Sie für Ihr Angebot nutzen können. Abschlussgrad Master of Science (M. Sc.) Von Englisch über Türkisch bis hin zu Katalanisch Akkreditierung bis 30.09.2021 sind in jedem Semester oft mehr als zehn verschie- Turnus des Studienbetriebs Aufnahme zum Sommersemester Studienplätze 30 Dauer 4 Semester (Vollzeit) Credit Points (CP) 120 dene Sprachen im Angebot. Mehr Informationen: www.ash-berlin.eu/international/sprachtandems alice 16 I IM MITTELPUNKT Professorinnen und Professoren der Studiengänge „Gesundheits- und Pflegemanagement“, „Physiotherapie/Ergotherapie“ und „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ Hochschullehrer/-in Denomination/Lehrgebiet Forschungsschwerpunkte* Prof. Dr. Friederike Baeumer baeumer@ash-berlin.eu Professur für Physiotherapie • Akademisierung und Professionalisierung der Physiotherapie • Multiperspektivische Betrachtung und wissenschaftliche Fundierung der Physiotherapie • Psychosoziale Kompetenzen im Berufsfeld Physiotherapie Prof. Dr. Uwe Bettig bettig@ash-berlin.eu Professur für Management und Betriebswirtschaft in gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen • Qualitätscontrolling in der stationären Altenhilfe • Fachkräftemangel in der Pflege • Existenzgründungen Prof. Dr. Ines Dernedde dernedde@ash-berlin.eu Professur für Recht der Sozialen Arbeit und Gesundheitsrecht • Gesundheitsrecht • Arbeits- und Sozialrecht • Wirtschaftsrecht Prof. Dr. Stefan Dietsche dietsche@ash-berlin.eu Professur für Gesundheitsund Rehabilitationswissenschaften • Versorgungsforschung • Rehabilitationsforschung • Interprofessionelle Kommunikation Prof. Dr. Reinhold Grün gruen@ash-berlin.eu Professur für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Gesundheitsökonomie • Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen • Gesundheitsökonomie • Versorgungsforschung Prof. Dr. Peter Hensen hensen@ash-berlin.eu Professur für Qualitätsentwicklung und -management im Gesundheitsund Sozialwesen • Management im Gesundheitswesen insbesondere Qualitätsmanagement • Versorgungsforschung insbesondere Auswirkungen des DRG-Systems • Hochschulentwicklung gesundheitsbezogener Studiengänge Prof. Dr. Heidi Höppner hoeppner@ash-berlin.eu Professur für Physiotherapie mit dem Schwerpunkt Förderung von Gesundheit und Teilhabe • Kooperation der Gesundheitsberufe • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses • Entwicklung der Therapiewissenschaften im Kontext von Public Health Prof. Dr. Ingrid Kollak kollak@ash-berlin.eu Professur für Pflegewissenschaft • Gesundheitsforschung in den Bereichen Alltagsunterstützende Assistenzsysteme, Care und Casemanagement und Prävention durch Yoga • Schreibforschung und Berufliches Schreiben Prof. Dr. Elke Kraus kraus@ash-berlin.eu Professur für Ergotherapie • Diagnostik • Pädiatrie • Händigkeit Prof. Dr. Gudrun Piechotta-Henze piechotta@ash-berlin.eu Professur für Pflegewissenschaft • Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz und Angehörigen • Beratungsprozesse im Pflege- und Gesundheitssektor • Menschenwürde und Menschenrechte/Kultursensible Pflege Prof. Dr. Jutta Räbiger raebiger@ash-berlin.eu Professur für Gesundheitsökonomie und -politik • Qualitätstransparenz und Verbraucher/-innen-Informationen im Gesundheitswesen • Neue integrierte Versorgungsformen • Anrechnungsverfahren im Bildungswesen Prof. Dr. Lutz Schumacher (ab 1. April 2014) Professur für Personalmanagement und Organisationsentwicklung in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens Prof. Dr. Günter Thiele thiele@ash-berlin.eu Professur für Betriebswirtschaft und Gesundheitsmanagement in Gesundheitsund Sozialeinrichtungen N.N. (z.Zt. unbesetzt) Professur für Methoden der Qualitativen Forschung im Gesundheits- und Sozialwesen alice • Sozialökonomie • Arbeitsmarktforschung • Pflegeökonomie und Pflegewirtschaftslehre (*Quelle: Forschungsbericht der Alice Salomon Hochschule Berlin 2008–2012) IM MITTELPUNKT I 17 Hochschule Nichts ist mehr, wie es einmal war GPM-Studierende auf der Suche nach beruflicher Identität Hans-Jürgen Lorenz, Susanne Hecht „Raus aus der Pflege! Weg vom Bett!“ hören wir oft, wenn wir Studierende des Bachelorstudiengangs Gesundheits- und Pflegemanagement (GPM) nach ihrer Studienmotivation fragen. Andere Studierende möchten sehr wohl mit der Pflege in Verbindung bleiben und diese durch Managementqualifikationen ergänzen. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, dem individuellen Berufsprofil durch die Akademisierung etwas Besonderes zu geben oder etwas ganz Neues zu machen. Mit dem Studiengang GPM soll vor allem auf Tätigkeitsfelder im mittleren Management der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung vorbereitet werden, z. B. konzipieren, koordinieren, beraten, kalkulieren, forschen, leiten und weiterentwickeln. Ziele und Motivation sollten also zusammenpassen. Studierende stellen dies jedoch oft infrage: Wohin entwickeln sich die neuen Arbeitsfelder? Finde ich darin meinen Platz? Das Gleichnis wird zum Gegensatzpaar: Die bisherige (pflegerische) Tätigkeit lockt mit (Arbeitsplatz-)Sicherheit. Die neuen Berufsfelder eröffnen dagegen mehr Entfaltungsmöglichkeiten, gehen aber auch mit Unsicherheiten einher. Der Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte bis hin zu Pflegedienstleiterinnen und -leitern ist groß. Neue übergreifende Stellen haben jedoch noch keine Tradition, wenig Klarheit und sind mühsam zu finden, denn sie zielen oft nicht nur auf eine Profession. Oftmals sind das unspezifische Stellenprofile, die von den Bewerberinnen und Bewerbern fachübergreifende Kenntnisse und Fähigkeiten erwarten u. a. in den Bereichen Koordination, Netzwerkbildung, Qualitätsmanagement, Evaluation, Controlling und Projektmanagement. Die Diskrepanz zwischen bisherigen Tätigkeiten und zusätzlich erworbenem Wissen des Studiums in Bezug auf die konkreten Anforderungen in den neuen Arbeitsfeldern wird im Übergang vom Studium in den Beruf spürbar. Das verunsichert und führt zu besonderem Informations- und Beratungsbedarf. Wie die Karriereplanung unterstützt Die Karriereplanung der ASH Berlin begleitet Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen der Hochschule bei diesen Übergängen. Neben der Durchführung von Seminaren und Veranstaltungen ist die Beratungsarbeit das Kernstück der Angebote. Beratung und Coaching wird von Dr. Hans-Jürgen Lorenz durchgeführt. In seiner klientenzentrierten und bedürfnisorientierten Beratung legt er besonderen Wert darauf, mög- alice 18 I IM MITTELPUNKT liche Berufsfelder speziell nach den individuellen Kernkompetenzen und Zielfeldern der Ratsuchenden zu identifizieren. Ihr Profil wird dann deutlicher und kann mit den Erfordernissen des Arbeitsmarkts abgeglichen werden. Gerade beim Formulieren von Bewerbungsanschreiben und bei der Suche nach effizienten Bewerbungsstrategien werden Unsicherheiten deutlich. Die Frage nach der beruflichen Identität ist dabei zentral. In der Beratung wird auch oft gefragt, wo es ausbildungsadäquate Stellen gebe und wo man suchen könne. Viele Studierende erkundigen sich nach Masterstudiengängen, z. B. in Public Health. Das Gehalt ist ebenfalls von Interesse. Darüber hinaus spielt die Qualifikation für eine mögliche Leitungsposition häufig eine Rolle, jedoch werden Führungskompetenzen im Studiengang GPM wenig berücksichtigt. Die entscheidende Herausforderung für angehende Pflegemanagerinnen und -manager besteht darin, mit der Unsicherheit in den neuen Berufsfeldern umzugehen. Das spiegelt auch ge- samtgesellschaftliche Entwicklungen. Letztlich ist nichts mehr so, wie es einmal war – darin liegen große Chancen und Herausforderungen. Die Erfahrung lehrt: Man ist, was man tut! Im professionellen Handeln zeigt sich letztlich die berufliche Identität. Hans-Jürgen Lorenz Leiter der Karriereplanung lorenz@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-155 Susanne Hecht Mitarbeiterin der Karriereplanung susanne.hecht@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-354 Hochschule Persönlichkeit mit Fachkompetenz Was Alumni der Gesundheits- und Pflegestudiengänge für einen erfolgreichen Start ins neue Berufsleben mitbringen sollten Gesine Dannenmaier liche Beziehung. Für mich als Geschäftsführerin der „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“ (KTQ®) ist es immer wieder eine Herausforderung, in einer Bewerbungsphase die vielen verschiedenen Kompetenzen einer © contrastwerkstatt - Fotolia.com „Herzlich Willkommen bei der KTQ® “ steht hin und wieder in großen Lettern auf dem Flipchart unseres Besprechungsraumes geschrieben. Ob Praktikant/-in, neue Mitarbeiterin oder neuer Mitarbeiter, es ist der Startschuss für eine neue beruf- alice IM MITTELPUNKT I 19 Bewerberin oder eines Bewerbers zu erkennen und mit den Anforderungen des zukünftigen Arbeitsplatzes abzugleichen. Die KTQ® bietet passgenaue Zertifizierungsverfahren des Qualitätsmanagements für die verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens an: von Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken und Einrichtungen der Pflege, über Polikliniken bzw. Medizinische Versorgungszentren bis hin zu Rettungsdiensten. Unsere Aufgabe ist es, für jeden spezifischen Bereich die passgenaue Umsetzung unseres Zertifizierungsverfahrens sicherzustellen und das Verfahren kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dazu aktualisieren wir regelmäßig unsere Fragenkataloge und informieren, aktivieren und schulen die unterschiedlichsten Fachexpertinnen und -experten aus der Praxis des Gesundheitswesens. Die Aufgabenbereiche in unserer Geschäftsstelle sind somit sehr breit gefächert. Entsprechend ist es von Vorteil, wenn die Bewerberin oder der Bewerber über ein breites Spektrum an Kompetenzen verfügt: Fachliche, methodische, persönliche und soziale Kompetenzen sind gleichermaßen von Bedeutung. Die unterschiedlichen Fachkompetenzen verstehe ich als Grundqualifikation von Mitarbeitenden. Besonders relevant ist für mich, ob die Bewerberin oder der Bewerber über Grundkenntnisse im Qualitätsmanagement verfügt und diese auch praxisnah veranschaulichen kann. Dabei zeigt sich dann auch, inwieweit potenzielle Mitarbeitende die überaus wichtige Fähigkeit besitzen, ihr Fachwissen auf die Praxis zu übertragen, also den sogenannten Wissenstransfer beherrschen. Ebenso sind gute Fachkenntnisse im EDV-Bereich für fast alle Tätigkeiten in unserer Geschäftsstelle wichtig, denn je besser die gängigen Office-Anwendungen – wie Word, Excel und PowerPoint – beherrscht werden, desto anschaulicher und präziser können z. B. in Analysen Zusammenhänge, fachliche Inhalte und Ergebnisse dargestellt werden. Dies gelingt wiederum nur mit Hilfe von Methodenkompetenzen wie problemlösendem, abstraktem und vernetztem Denken, welches notwendig ist, um strukturiert zu arbeiten. Einen weiteren wichtigen Baustein für die erfolgreiche Arbeit in unserer Geschäftsstelle bildet die Sozialkompetenz, denn wir stehen im ständigen Informationsaustausch, sowohl intern im Team, als auch extern mit unseren Kundinnen und Kunden, mit Fachexpertinnen und -experten verschiedener Berufsgruppen und mit Interessenvertreterinnen und -vertretern. Dieser Informationsaustausch gelingt, wenn die Mitarbeitenden sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken können, kontaktfreudig sind und empathisch die Befindlichkeiten des Gegenübers wahrnehmen können. Abgerundet wird das „Kompetenzgebilde“ durch die Persönlichkeit der Bewerberin oder des Bewerbers. Angesichts einer immer größer werdenden Informationsflut, die zu bewerten ist, sind Entscheidungsfähigkeit und Zielorientierung für mich zu personalen Schlüsselqualifikationen geworden. Schlussendlich beruht jedoch der Erfolg einer guten Zusammenarbeit immer auf der Kombination persönlicher Qualifikationen der Mitarbeitenden und ihrem Teamgeist, denn nur in der synergetischen Verbindung vieler einzelner Fähigkeiten kann die kontinuierliche Weiterentwicklung unseres praxisorientierten Verfahrens zum Wohle der Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter/-innen gelingen. Gesine Dannenmaier Geschäftsführerin der KTQ ® gesine.dannenmaier@ktq.de Hochschule Hoch im Kurs! Erste Ergebnisse der Absolventinnen- und Absolventenbefragung des Masterstudiengangs MQG Hans-Jürgen Lorenz Neben Beratungen, Workshops und Befragungen der Arbeitergeber/-innen führt die Karriereplanung auch Absolventinnen- und Absolventenbefragungen durch. Wir waren sehr gespannt, welchen Erfolg die Absolventinnen und Absolventen des erst seit 2008 existierenden Masterstudiengangs „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ (MQG) in der beruflichen Praxis haben. Die Befragung dauert noch bis Ende Februar 2014 fort; die folgenden Ergebnisse entsprechen dem Zwischenstand vom 30. Januar 2014. Von 79 angeschriebenen Absolventinnen und Absolventen haben zum Zeitpunkt der Zwischenauswertung insgesamt 30 Personen den Fragebogen teilweise und 25 bereits vollständig ausgefüllt. Drei Viertel aller Teilnehmenden hatten vorher ein Bachelorstudium an der ASH Berlin absolviert, entweder der „Physio-/Ergotherapie“ oder des „Gesundheits- und Pflegemanagements“. Die ASH Berlin wurde primär wegen der geringen Studiengebühren, dem zuvor dort absolvierten Bachelorstudium, der Berufsvereinbarkeit sowie Heimat- alice 20 I IM MITTELPUNKT Die Regelstudienzeit wurde im MQG eingehalten, dies bestätigten 92 Prozent der Befragten. An einen möglichen Abbruch des Studiums hatten 16 Prozent der Teilnehmenden gedacht, vor allem aufgrund mangelnder Zufriedenheit mit den Studieninhalten. Kompetenzen wurden besonders in den Bereichen „Selbstständiges Arbeiten“, „Wissenschaftliche Arbeitsweisen“ sowie „Forschen und Recherchieren“ erworben. Die Entwicklung von „Führungsqualitäten/Leitungskompetenzen“ kam hingegen laut Umfrage zu kurz. Längere Stellensuche, höheres Einkommen Die Beschäftigungssuche nach dem MQG dauerte durchschnittlich sechs Monate und damit länger als nach Bachelorstudiengängen (durchschnittlich drei Monate). Als Schwierigkeiten bei der Stellensuche wurden vor allem folgende Umstände angegeben: „Bewerber/-innen mit mehr Berufserfahrung waren gewünscht“, „Eigene berufliche Identität eher noch unsicher“, „Zu geringes Gehalt“ und „Master-Qualifikation ist wenig bekannt“. Einstellungsentscheidend waren besonders „Persönlichkeitsmerkmale“, „Berufliche Vorerfahrungen“, „Flexibilität“ und „Konkrete Projektmanagement-Erfahrungen“. Drei der befragten Absolventinnen und Absolventen sind selbstständig, alle anderen arbeiten im Angestelltenverhältnis. 84 Prozent von alice ihnen erzielen ein Gehalt gleich oder besser als TV-L E13, rund ein Viertel von ihnen verdient über 4.000 EUR brutto und zwei Befragte verdienen mehr als 5.000 EUR brutto im Monat. Diese Zwischenergebnisse zeigen bereits, dass Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen mit den Absolventinnen und Absolventen der ASH Berlin hoch im Kurs stehen. Als herausragende Tätigkeitsbereiche im Beruf werden „Qualitätsmanagement“, „Controlling“, „Organisation, Koordination, Management“, „Projektmanagement“ sowie „Beratung“ angegeben. Weitere Bedarfe an Themen, welche die Praxisbezüge vertiefen, liegen in den zuvor genannten Arbeitsbereichen sowie in „Organisationsentwicklung“ und „Personalentwicklung“. Im Studium erworbene Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten werden besonders intensiv im Job genutzt. Bedeutsam ist die hohe Zufriedenheit in der Berufstätigkeit der Absolventinnen und Absolventen. Große Zustimmung ernteten die Indikatoren „Zusammenarbeit mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen“ sowie „Qualifikationsangemessenheit“. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass andere Fachrichtungen ebenfalls auf ihre aktuellen beruflichen Aufgaben hätten vorbereiten können – ein Indikator also für den Zuwachs an disziplinübergreifenden Aufgaben in neuen, weniger spezifischen Berufswelten. Hans-Jürgen Lorenz Leiter der Karriereplanung lorenz@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-155 © artifika - Fotolia.com verortung und aufgrund fachlicher Interessenschwerpunkte gewählt. 60 Prozent der Befragten nutzten Angebote der Karriereplanung. Drei Viertel der Befragten würden sich heute erneut für diese Hochschule und denselben Studiengang entscheiden. IM MITTELPUNKT I 21 Hochschule „Die Zukunft der Gesundheitsfachberufe liegt in mehr Handlungsautonomie“ Ein Gespräch mit Prof. Dr. Jutta Räbiger Können Sie ein konkretes Beispiel nennen? In der Physiotherapie wird der sogenannte Direktzugang bzw. „Erstkontakt“ angestrebt. Die Patientinnen und Patienten sollen auch ohne ärztliche Verordnung die Physiotherapie (direkt) in Anspruch nehmen können. Natürlich sind dafür entsprechende diagnostische Qualifikationen erforderlich, diese können im Studium vermittelt werden. Die Studierenden der ASH Berlin interessieren sich sehr für den Direktzugang und wollen dazu in diesem Jahr eine Tagung veranstalten. Was muss geschehen, damit die Gesundheitsfachberufe künftig mehr Entscheidungs- und Handlungsautonomie erhalten? Theda Borde bezeichnet Jutta Räbiger als „Motor der Gesundheitsstudiengänge“ an der ASH Berlin. Sie prägte und leitete im Zeitraum von 2004 bis 2013 die Studiengänge „Gesundheits- und Pflegemanagement“, „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ sowie „Physiotherapie/ Ergotherapie“. Seit 2012 ist sie Vorsitzende des Hochschulverbundes Gesundheitsfachberufe e. V. und mit der ASH Berlin weiterhin eng verbunden. Frau Räbiger, wie schätzen Sie die Zukunft der Gesundheitsfachberufe ein? Ich prophezeie ihnen eine große Zukunft. Das gilt sowohl für die Pflege- als auch für die Therapieberufe (Physio- und Ergotherapie, Logopädie). Seit zehn Jahren (Therapieberufe) bzw. 20 Jahren (Pflegeberufe) können sich die Gesundheitsberufe per Studium weiterqualifizieren und tun es auch. Damit erwerben diese Berufsgruppen Qualifikationen, die für die gesundheitliche Versorgung in Zukunft dringend benötigt werden. Welche Aufgaben kommen auf die akademisierten Pflege- und Therapieberufe zu? Von unseren Kooperationspartnerinnen und -partnern, insbesondere den Praxisbeiräten der Studiengänge, wissen wir, dass große Erwartungen an die studierten Berufsangehörigen bestehen, was ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen betrifft. Therapie-Praxen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen usw. trauen ihnen vor allem zu, dass sie Behandlungsabläufe optimieren und sich forschend betätigen können – Qualität und Effizienz sollen gesteigert werden. Im Jahr 2012 hat auch der Wissenschaftsrat die Notwendigkeit der Akademisierung unterstrichen. Der Rat sieht angesichts der demografischen Entwicklung und der ärztlichen Unterversorgung auf dem Lande immer mehr und immer anspruchsvollere Aufgaben auf die Gesundheitsfachberufe zukommen. Genau darum geht es, um die Emanzipation der Gesundheitsfachberufe, um das Ablegen der Fesseln, die ihnen als sogenannte Heilhilfsberufe durch den Vorbehalt ärztlicher An- und Verordnungen angelegt sind. Das passt nicht mehr in unsere Zeit. Mit den Ärztinnen und Ärzten ,auf gleicher Augenhöhe‘ zu arbeiten ist nicht nur ein berufspolitisches Ziel, hierin werden auch große Reserven für die Steigerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Patientenversorgung gesehen. Die Hochschulen, wie zum Beispiel die ASH Berlin, haben ihren ,Emanzipationsbeitrag‘ geleistet, indem sie Studienangebote für die Gesundheitsfachberufe geschaffen haben. Die Zahl der Studienplätze reicht aber noch nicht aus, vor allem die staatlichen Hochschulen sind hier gefordert. Schließlich hat der Staat im Gesundheitswesen eine grundgesetzlich verankerte Verantwortung, die auch die Sicherstellung der Ausbildung mit einschließt (Stichwort: Staatsexamen). Die ASH Berlin ist übrigens eine der wenigen staatlichen Hochschulen, die einen kompletten berufsqualifizierenden Studiengang für Physiound Ergotherapie anbietet, und die einzige, die zwei Berufe in einem Studiengang ausbildet. Das gemeinsame Lernen wird allseits als die beste Voraussetzung für die spätere interprofessionelle Kooperation betrachtet. Auch in der Forschung wird Interdisziplinarität großgeschrieben, die ASH Berlin arbeitet in verschiedenen Projekten eng mit der Berliner Charité – Universitätsmedizin zusammen. Und was fordern Sie vom Gesetzgeber? Die Akademisierung ist das eine, die Anpassung der Versorgungspraxis das andere. Wenn sich das Gesundheitswesen ändern soll, müssen die Gesetze geändert werden. Rechtswissenschaftler/-innen sind schon dabei, die bestehenden Gesetze auf Reformbedarf im Sinne von mehr Handlungsautonomie für gut qualifizierte Gesundheitsfachberufe zu durchforsten. Die bestehenden Gesetze sind ein Hindernis auf dem Weg in die Zukunft der gesundheitlichen Versorgung. alice 22 I IM MITTELPUNKT Da ist zum einen das ,Heilpraktikergesetz‘ aus dem Jahre 1939, das also 75 Jahre alt ist und das – heute wie damals – die selbstständige Ausübung der Heilkunde auf die Ärztinnen und Ärzte (und die Heilpraktiker/-innen) beschränkt. Die anderen sind Heilhilfsberufe, so auch die Pflege- und die Therapieberufe. Die ärztliche Sonderrolle soll und kann aufgehoben und die Heilkundeerlaubnis auf andere Berufsgruppen ausgeweitet werden. Vor allem ist das Sozialrecht (SGB V) zu ändern, das für das tatsächliche Versorgungsgeschehen tonangebend ist. Hier müsste es heißen: „Der, der etwas kann, darf es auch tun“. Die ,selbstständige Ausübung der Heilkunde‘ in eigener fachlicher Verantwortung ist selbst für hoch qualifizierte Pflegekräfte und Physiotherapeutinnen und -therapeuten zur Zeit nur im Rahmen von Modellversuchen möglich (§ 63 SGB V). Die ASH Berlin begleitet derzeit unter meiner Leitung einen solchen Modellversuch in der Physiotherapie. Was ist mit den Berufsgesetzen? Erhalten Sie Unterstützung auf dem Weg zu mehr Autonomie? Für die notwendigen Reformen im SGB V ist wichtig, dass die lobbystarken Interessengruppen im Gesundheitswesen (Krankenkassen-, Krankenhaus-, Ärzteverbände) ihre ursprünglich ablehnende Haltung gegenüber der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, die ja letztlich auch mit einer höheren Vergütung einhergehen muss, zugunsten einer erwartungsfrohen Grundstimmung aufgeben. Erste Anzeichen dafür gibt es schon. Wenn es uns gelingt nachzuweisen, dass sich mit mehr Autonomie und Empowerment der Gesundheitsfachberufe wesentliche Probleme des Gesundheitswesens lösen lassen, die mit den Ärztinnen und Ärzten allein nicht lösbar sind (z. B. die angemessene Versorgung der zunehmend älteren, multimorbiden Bevölkerung und die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung auf dem Lande), dann werden wir die Wende schaffen. Davon bin ich überzeugt. Wie lautet Ihr persönlicher Rückblick? 20 Jahre Akademisierung der Gesundheitsfachberufe war ein hartes, aber lohnendes Stück Arbeit. Wir Kolleginnen und Kollegen hier an der ASH Berlin und anderswo empfinden es aber auch als große Ehre und als Glück, dass uns die Geschichte die Gelegenheit zur ,Wendearbeit‘ gab und ganz bestimmt auch in Zukunft geben wird. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Diana Grothues. Anzeige Im Berufsgesetz für die Pflege wird demnächst die hochschulische neben der berufsfachschulischen Ausbildung als Regelangebot – nicht mehr nur als Modellversuch – gesetzlich verankert sein. Das streben wir auch für die Therapieberufe an. Der Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe (HVG) arbeitet – gemeinsam mit den Berufsverbänden und ver.di – entsprechende Reformvorschläge aus. Da die Beschreibung der Kompetenzen in den Berufsgesetzen eine wesentliche Voraussetzung für eine eigenständige Berufsausübung ist, hat der HVG im letzten Jahr einen Qualifikationsrahmen für die Therapieberufe auf Bachelor- und Masterniveau entwickelt. Um unsere Forderungen auch auf hochschulpolitischer Ebene wirkungsvoll vertreten zu können, haben zudem die 27 Mitgliedshoch- schulen des HVG, darunter die ASH Berlin, 2013 hier in Berlin einen ,Fachbereichstag Therapiewissenschaften‘ gegründet. 19th International Summer School for Social Work June 30 to July 9, 2014 Berlin alice May social workers think of themselves? Social Esteem of the Profession and Representation of its Interests www.socialeurope.de IM MITTELPUNKT I 23 Hochschule Zur Zukunft der akademischen Pflege Aus Sicht der Dekanekonferenz Pflegewissenschaft Johannes Korporal Die ersten zehn Entwicklungsjahre hatten sich mit den wissenschafts- und gesundheitspolitischen Prämissen des Einstiegs auseinanderzusetzen: Studiengänge waren zweite Ausbildung im Pflegeberuf, regelhafter Ausstieg aus der patientenorientierten Pflege in die Hochschulqualifikation zum Management pflegerischer Einrichtungen und in die Lehre an den besonderen Schulen des Gesundheitswesens und berufsbildenden Schulen. In einem zweiten Schritt näherte sich „pflegewissenschaftliche Expertise“ denjenigen Problemen der Praxis an, die durch die Weiterentwicklung der praktischen Pflege, der pflegebezogenen sozialrechtlichen Grundlagen und der Anforderungen der Pflegeinstitutionen durch berufsfachschulische Ausbildung nicht mehr lösbar waren. In einem dritten mühsamen Entwicklungsschritt integrierten die Hochschulen ab 2003 in schwierigen Vereinbarungen mit den Gesundheitsverwaltungen die berufliche Erstausbildung an Hochschulen, einschließlich der staatlichen Anerkennung. Bezogen auf diese Entwicklung, aber auch im Hinblick auf deren Relevanz für die pflegerisch-gesundheitliche Versorgung war die Dekanekonferenz durch wichtige Stellungnahmen beteiligt. Vier Entwicklungslinien in der Pflegewissenschaft Insgesamt ist die Pflegewissenschaft in ständiger Entwicklung. Die Studiengänge folgen den vier Entwicklungslinien der „Expertise“ (Wissenschaft, Versorgung), der „klinischen Angebote“ (erstausbildender Bachelor und klinischer Master), der „Pflegeorganisation“ (Management, Administration) und der „Lehre“ (fach- und erziehungswissenschaftlicher Bachelor sowie fachlich-pädagogischer Master) in mehr als 100 Studiengängen in ganz Deutschland. Jenseits der Ausbildungsziele und Studienstrukturen stellte sich zunehmend die Frage des Ertrags für Praxis und Einrichtungen der Pflege. Probleme der Alterung und die Ausdünnung von Versorgungsstrukturen, insbesondere im ländlichen Raum, bewirkten, über selbstständiges Versorgungshandeln der Pflege auf normativer Grundlage des Sozialrechts und in eigenständigem Finanzierungszugang nachzudenken. Damit ist die anzustrebende Kompetenzstruktur pflegewissenschaftlicher Hochschulbildung erreicht: Fachkompetenzen der Studiengänge orientieren auf wissenschaftlich fundierte Hand- © Robert Kneschke - Fotolia.com Ziemlich genau 20 Jahre nach dem stürmischen Beginn pflegewissenschaftlicher Bildung an deutschen Hochschulen gilt es, aus Sicht der Dekanekonferenz Pflegewissenschaft Bilanz des Erreichten zu ziehen, den gegenwärtigen Stand und mögliche Perspektiven zu reflektieren. lungskompetenz in eigenverantwortlich erbrachter Pflege auf Grundlage empirisch gesicherter Durchführung vollständiger Pflege-/Handlungsprozesse, auf eigenständige Erbringung ärztlich veranlasster Pflege, auf qualifizierte Mitwirkung und kompetentes Notfallhandeln. Fachliche und überfachliche Kompetenzen beziehen sich auf das Vermitteln von Legitimation für das eigene Handeln, die sachgerechte Information im Team und in der Institution, Beratung, Anleitung, Verweisung von Klientelen und Angehörigen im Versorgungssystem und die angemessene Übernahme und Übergabe von Arbeitsprozessen. Fachkompetenz sollte die Erschließung notwendiger bedarfsgerechter Leistungen, ihre normative Verortung und Implementation umfassen. Die sozialrechtlich vorgeschriebene Bezugnahme auf Evidenz des Handelns ist ein Schritt auf dem Weg zu gleichem Rang in interberuflichen Handlungsabläufen. Mit diesen, sicher noch nicht durchgehend erreichten Kompetenzzielen kann eine Äquivalenz von Versorgungshandeln in interdisziplinären Prozessen erreicht werden. Johannes Korporal Professor (em.) für Sozialmedizin ipg@macdirect.de alice 24 I IM MITTELPUNKT Hochschule Im Sinne der vor 20 Jahren begonnenen Tradition Qualitätssicherung und Forschung für Langzeitpflege Vjenka Garms-Homolová Im ersten Pflegestudiengang an der ASH Berlin, dem Diplomstudiengang für „Pflegewirtinnen und Pflegewirte“, sollte das Thema „Qualität“ von Beginn an eine wichtige Rolle spielen. Die Verwirklichung dieser Intention war schwierig. Anfang der Neunzigerjahre gab es nur Ansätze zum Qualitätsdenken im Pflegebereich. Einerseits mussten Modelle des Qualitätsmanagements aus anderen Branchen übernommen werden. Andererseits wurde das Verständnis für Pflegequalität aus internationalen Quellen in die deutsche Realität transportiert, wozu Studierende und Lehrende der ASH Berlin einen relevanten Beitrag leisteten. Die viel beachtete Broschüre „Qualitätsmessung in der Pflege“ – eine damals in Deutschland einzigartige Übersicht über Methoden zur Erfassung von Prozess- und Ergebnisqualität – wurde in einem der ersten Projekte von Studierenden erarbeitet. Meilensteine der fordernden und rehabilitativen Langzeitpflege Heute ist die Situation anders. Die Qualitätssicherung in der Pflege steht im Gesetz, ein umfassender Kontrollmechanismus ist etabliert, ein – wenn auch umstrittenes – öffentliches Berichtssystem, die „Pflegenoten“, ist im Internet erreichbar. Es gibt Pflegestandards, Leitlinien, Qualitätsnetzwerke, Audits und Zertifikate. Viele Aspekte der Pflegequalität bleiben noch unbeachtet oder stehen unter dem internationalen Niveau. Ein Beispiel ist die Vernachlässigung der gesundheitsfördernden und rehabilitativen Orientierung der Langzeitpflege. alice Neuausrichtung in der Pflegequalität Das gesetzlich verankerte Prinzip „Rehabilitation vor Pflege“ dokumentiert, dass auch Hochbetagte und Pflegebedürftige einen Anspruch auf Rehabilitation haben. Dieses Prinzip – in der Praxis nur unzureichend umgesetzt – unterstützt jedoch die Vorstellung, dass Pflegeaufgaben dort beginnen, wo keine Rehabilitationserfolge mehr möglich sind. Die Pflegeversicherung ist so konzipiert, dass eine Förderung von Unabhängigkeit bei den „Pflegebedürftigen“ mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden ist. Qualitativ hochwertige Pflege, die wirksam ist und Verbesserungen erzielt, wird nicht belohnt, sondern mit einer niedrigeren Pflegestufe und weniger Geld „bestraft“. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine Verzahnung der Strategien und Maßnahmen von Pflege und Rehabilitation für angemessene Qualität unerlässlich. Unterschiedliche Gesundheits- und Sozialberufe (Pflege, Therapie und Soziale Arbeit) sollen beteiligt sein, differente Schwerpunkte setzen und je nach Zustand der Klientinnen und Klienten gemeinsam intervenieren. Neben der Notwendigkeit gesundheitspolitischer Veränderungen hat die Pflegeforschung dabei viele Aufgaben Zunächst muss ein Konzept entwickelt werden. Pflege mangelt es nicht an theoretischen Grundlagen, aber an Handlungskonzepten für die rehabilitative Ausrichtung. Eine Herkulesaufgabe ist die Änderung des Problembewusstseins. Der sechste Bundesaltenbericht zeigte, dass fatalistische Altersbilder bei Pflegestudierenden langsam verschwinden, aber in der Praxis ist viel Aufklärung notwendig. Eine Zieldefinition mit systematischer Einbeziehung aktivierender Pflege, der Eigenverantwortung und Teilhabe von Menschen mit Pflegebedarf, ist die Basis für Kompetenzen der handelnden und forschenden Pflege. Die Entwicklung entsprechender Standards hat dabei Priorität. Die ASH Berlin ist eine forschungsstarke Hochschule, die sowohl das Pflegestudium als auch Studiengänge für Therapieberufe unterhält. Deshalb hat sie gute Voraussetzungen, Projekte zu initiieren und die Kooperation im multidisziplinären Team sowie in Netzwerken zu proben und zu evaluieren: ganz im Sinne der vor 20 Jahren begonnenen Tradition. Vjenka Garms-Homolová Professorin (em.) für Gesundheits-/Pflegemanagement garms.homolova@gmail.com IM MITTELPUNKT I 25 Studierendenwelt Management mit Mehrwert Der Studiengang „Gesundheits- und Pflegemanagement“ aus Studierendenperspektive Theresa Adele Göppert, Christina Heger, Maren Simon Der Bachelorstudiengang „Gesundheits- und Pflegemanagement“ (GPM) wirbt mit einem breit aufgestellten Portfolio von Kooperationspartnerinnen und -partnern. Diese Chance und die vergleichsweise lange Tradition, Pflege und Gesundheit an der ASH Berlin studieren zu können, waren für mich zwei wichtige Faktoren, meine Bewerbung an gerade diese Hochschule zu richten. Nun sind Christina und ich im dritten Semester, Maren ist bereits Alumna. Es lohnt sich, ein (Zwischen-)Fazit zu ziehen. „Gesundheits- und Pflegemanagement“ ist vor allem ein praxisnaher Studiengang. Von Beginn an werden wir zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen, die es ermöglichen, Praxiseinrichtungen kennenzulernen. Vom dritten bis zum fünften Semester werden Projekte angeboten, in denen ein Themengebiet detailliert bearbeitet wird. Nicht zu vergessen, das Pflichtpraktikum im vierten Semester – ein willkommener Einstieg in eine mögliche berufliche Zukunft. Manchmal dient es aber auch nur als Erfahrung, um bestimmte Tätigkeitsfelder für sich selbst zukünftig auszuschließen. Um bestehende Kontakte bestmöglich nutzen zu können, hoffen wir, dass weiterhin an Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten und Praktika angeknüpft wird und diese ausgebaut werden. Theresa Adele Göppert GPM-Studentin Maren Simon GPM-Alumna Von der Freiheit einer Managerin Leider war weder im damaligen Diplomstudiengang „Pflege/ Pflegemanagement“, also bis 2005, noch ist im aktuellen Bachelormodell eine gezielte persönliche Profilschärfung durch die individuelle Anwahl von Modulen möglich. Nur wenige Wahlmodule lassen uns Studierenden diese Freiheit. Trotzdem bedeutet für uns Gesundheits- und Pflegemanagement an der ASH Berlin zu studieren „Management mit Mehrwert“. Denn neben Modulen der Ökonomie und BWL finden sich auch einige Module, die Titel tragen wie etwa „Ethik“, „Kommunikation“ und „Berufsbezogene Reflexion“. Zusätzlich dringt zwangsläufig einiges in unser tägliches Bewusstsein, was an anderen Hochschulen vergebens gesucht wird: Die Beschäftigung mit scheinbar managementfernen Themen wie etwa Gender und Diversity. Rückblickend kann ich sagen, dass im Laufe meines Bachelorstudiums eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Management stets gefördert wurde. Selbst im Modul der Gesundheitsökonomie, mit seinen häufig traditionell klingenden Inhalten, kam das Referatsthema „Feministische Ökonomie“ schon vor. Dessen sollte man sich vor Antritt des Studiums bewusst sein. Ist diese Erkenntnis bei mir auch erst während des Studiums erwachsen, so werde ich als Alumna immer daran zurückdenken, was es bedeutet Management an der ASH Berlin zu studieren. alice 26 I IM MITTELPUNKT Interdisziplinarität mit Leben füllen Christina Heger GPM-Studentin Gesundheits- und Pflegemanagement zu studieren heißt auch mit Berufserfahrung zu studieren. Darauf aufbauend, streben viele von uns nach dem Studium eine Leitungsposition in den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens an. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin empfinde ich den Austausch mit Heilerziehungspflegerinnen und -pflegern sowie Vertreterinnen und Vertretern anderer Berufsgruppen als ungemein bereichernd. Das birgt die Chance, gemeinsam einen Blick über den Tellerrand zu wagen und die eigene Perspektive zu wechseln. Gutes Management schließt für mich auch die Fähigkeit ein, mit anderen Professionen zusammenarbeiten zu können und damit der eigenen Schnittstellenfunktion auch tatsächlich gerecht zu werden. Doch leider ist diese Chance häufig von der zufälligen Zusammensetzung der Studierenden in den Jahrgängen abhängig. Aus diesem Grund würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass das Studium selbst etwas interdisziplinärer wird. Dass es bereits zahlreiche Überschneidungen zwischen den einzelnen Disziplinen gibt, hat für mich der Hochschultag am 5. Dezember 2013 zum Thema „Gewalt: Prävention und Intervention“ gezeigt. Diese Art der Begegnung ist eine tolle Möglichkeit, Interdisziplinarität als Kompetenz zielgerichtet zu stärken. Studierendenwelt Ab in die Praxis! Der Bachelorstudiengang „Physiotherapie/Ergotherapie“ aus der Sicht einer Studentin Larissa Beutin Ich studiere im fünften Semester des primärqualifizierenden Bachelorstudiengangs „Physiotherapie/Ergotherapie“ (PT/ET) an der ASH Berlin. Der Studiengang ist hier erst seit 2011 primärqualifizierend, davor wurde er an die Physio- oder Ergotherapieausbildung angegliedert. Heute kann Physiooder Ergotherapie direkt studiert werden und ich gehöre zum ersten Durchlauf dieses Studiums mit Schwerpunkt Ergotherapie. Zu den ersten eines neuen Studiengangs zu gehören, bedeutet auch immer ein Stück weit Versuchskaninchen zu sein und so fühlen wir Physio- und Ergotherapiestudierenden uns hin und wieder auch. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung, weil wir dazu beitragen, den Studiengang weiterzuentwickeln und dahingehend wirklich Dinge für zukünftige Generationen verändern können. In diesem Studiengang lernen wir wissenschaftlich reflektiert zu arbeiten und dies in den Berufsalltag zu integrieren. An die beiden Berufe (Physio- und Ergotherapie) werden immer komplexere Anforderungen gestellt, so wird beispielsweise alice überlegt, ob ein Direktzugang ohne den vermittelnden Arzt sinnvoll ist, oder zumindest eine Verordnung ohne konkrete Diagnose und Behandlungsindikation. Auf diese Weise würden die Diagnostik und die Entscheidung über die notwendige Behandlung komplett in den Verantwortungsbereich der Ergound Physiotherapeutinnen- und -therapeuten fallen. Für die weitere Entwicklung im Rahmen der Akademisierung könnten dann auch wir verantwortlich sein. Unsere Generation entwickelt somit nicht nur den Studiengang weiter, sondern auch den Beruf an sich. Wo sind denn die Ergo- und Physiotherapiestudierenden? Das mögen sich einige fragen, denn diese sind so selten an der Hochschule zu sehen. Das liegt daran, dass unsere Seminare auf die ASH Berlin und das Studienzentrum in Wannsee aufgeteilt sind. Ein Großteil der fachbezogenen Anteile der Physiound Ergotherapie werden an der Wannseeschule gelehrt. Für IM MITTELPUNKT I 27 Studierende aus der 3. Kohorte mit Dozentin Esther Goltz in der Wannsee Schule die praktischen Lerninhalte bietet die Wannseeschule ideale Voraussetzungen: Es gibt dort ein Lernlabor, ein Schwimmbad und sogar drei Werkstätten. Obwohl das Handwerk schon lange kein Schwerpunkt der Ergotherapie mehr ist, lernen wir verschiedene Basisfertigkeiten in handwerklichen Fächern. In dem Lernlabor finden sich unter anderem Krankenhausbetten, Rollstühle, ein Badezimmer und verschiedene Messinstrumente. Hier wird der Umgang mit den Patientinnen und Patienten geübt. Ein weiterer Grund für die Abwesenheit von der Hochschule ist die Tatsache, dass unser Semester um einiges kürzer ist als das reguläre Semester, weil wir anschließend für zehn Wochen ins Praktikum gehen. Derzeit bin ich im letzten der vier für den Studiengang erforderlichen Praktika, in einer Werkstatt für behinderte Menschen, die dort arbeitstherapeutisch betreut werden. Mein erstes Praktikum fand im psychosozialen Bereich in einem Pflegeheim statt. Im zweiten Praktikum war ich in einer Praxis für Ergotherapie mit Schwerpunkt Kinder und im dritten Praktikum im Bereich Neurologie im Sport- und Rehazentrum Spandau. Ich habe somit einen guten Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche erhalten. Obwohl das Studium dadurch sehr zeitaufwendig ist, bin ich froh über diese praktischen Erfahrungen, die es mir ermöglichen, die Theorie im Anschluss in der Praxis anzuwenden und zu überprüfen. Primärpräventive Intervention wir im Wintersemester 2013/14 im Rahmen des Seminars „Gesundheitsförderung und Prävention“ erfahren. In einem seminarbegleitenden Projekt haben wir zur Prävention von Haltungsschäden eine Rückenschule an der Grundschule „Artur Becker“ in Spreenhagen durchgeführt. Unser Ziel war es, Grundschulkindern das Thema „gesunder Rücken“ näherzubringen. Die Kinderrückenschule wurde vom Projekt „Anschub.Transfer“ organisiert und begleitet. Durch kleine Selbstversuche, anatomisches Wissen, Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen sollten die Kinder ihren Körper besser kennenlernen: Wie fühlt es sich an, wenn die Wirbelsäule unbeweglich ist? Was passiert beim Hochspringen mit den Wirbeln? Wie viele Halswirbel hat der Mensch und wie viele stecken in einem langen Giraffenhals? Anhand von Bauklötzen und Schwämmen haben wir das Prinzip der Wirbel, Bandscheiben und deren Ernährung veranschaulicht. Auch die Funktion von Muskeln und Nerven wurde den Kindern erklärt. Außerdem sollten die Schulkinder lernen, dass sie von selbst etwas gegen körperliche Beschwerden und für ihre Gesundheit tun und sich jederzeit Hilfe von Bezugspersonen holen können. Auch wenn manche Fragen der Kinder wie etwa „Warum ist das Gehirn glibschig?“ über das Thema hinausgingen, hoffen wir doch, bei vielen von ihnen eine nachhaltige Wirkung – und sei es zumindest ein verstärktes Bewusstsein für den eigenen Körper – erzeugt zu haben. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen dabei zu unterstützen, handlungsfähig zu bleiben. Dies betrifft in unserem Berufsfeld meist Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Die Tatsache jedoch, dass Ergotherapeutinnen und -therapeuten nicht nur mit bereits Erkrankten arbeiten, haben Larissa Beutin Studentin der Physiotherapie /Ergotherapie larissa.beutin@ash-berlin.eu alice 28 I IM MITTELPUNKT Studierendenwelt „Familie, Studium und Beruf lassen sich mit etwas Organisationstalent vereinbaren“ Ein Interview mit GPM- und MQG-Alumna Katja Thielemann Bitte stellen Sie sich kurz vor. Mein Name ist Katja Thielemann. Ich bin 38 Jahre alt, verheiratet und Mama von drei tollen Kids. Nach meiner Ausbildung als Krankenschwester war ich einige Jahre auf einer chirurgischen Station und nachfolgend im OP als Anästhesieschwester tätig. Zum Studium kam ich nach einer schlaflosen Nacht. Ich wollte mich weiterentwickeln, mehr Verantwortung übernehmen und auch gestalten. Dafür musste ich aber einen wesentlichen Schritt machen, da mein vorhandenes Wissen und Können mich in meine Schranken wiesen. Dieser Schritt führte mich nach Bewerbungen und Auswahlgesprächen an die ASH Berlin und meine Reise durch die akademische Welt dieser Hochschule begann. Wie war Ihr Studienverlauf? bin ich nahtlos in eine erst 20 und später 30 Wochenstunden umfassende, unbefristete Tätigkeit im Medizincontrolling gerutscht. Der Berufseinstieg war eigentlich unkompliziert. Ich hatte nette Kolleginnen und Kollegen, die auf meine speziellen Wünsche hinsichtlich Arbeitszeit und Uni-Tage eingegangen sind. So konnte ich in den Semesterferien mehr als 20 Wochenstunden erbringen, um diese Mehrstunden dann im Semester zum Lernen und Ausarbeiten zu nutzen. Was hat Sie während des Studiums auf den späteren Berufseinstieg vorbereitet? Das waren vor allem die Weiterentwicklung der Fähigkeit, unbekannte komplexe Themen strukturiert aufzuarbeiten, das freie Formulieren von Texten, das Arbeiten mit wissenschaftlichen Texten, der Umgang mit Medien und die Nutzung von EDVProgrammen. Darüber hinaus waren auch die im Studium erworbenen Kenntnisse aus Seminaren zu Soft Skills, Teamentwicklung und Kommunikationstraining nützlich. Das Bachelorstudium fing ich im Sommersemester 2006 an. Pünktlich in den Sommersemesterferien 2007 wurde unser drittes Kind geboren. Ab hier war das planmäßige Weiterstudieren mit tatkräftiger Unterstützung der Katja Thielemann im Unfallkrankenhaus Berlin Großfamilie möglich. Es gibt keinen näheren Verwandten, der nicht unseUnd was hat Ihnen gefehlt? ren Sohn im Kinderwagen durch Hellersdorf geschoben hat, In meinem Fall wären tiefere Excel-Kenntnisse zum Einstieg während ich in den Mikro- und Makrokosmos der Gesundheitssehr hilfreich gewesen. Nur durch wirklich nette Kolleginnen wissenschaft eingestiegen bin. Je tiefer ich in den Hochschulund Kollegen, die die Zeit und Mühe auf sich genommen haalltag eindrang, umso mehr merkte ich, genau an der richtigen ben, mir Excel-Grundlagen beizubringen, war der Einstieg nicht Stelle angekommen zu sein. Mit einigem Talent zur Organiganz so mühsam. Wünschenswert wären auch umfassendere sation von Arbeit, Kindern und Hausbau konnte ich 2009 den Kenntnisse im Formatieren von Dokumenten gewesen. Bachelor beenden und gleich zum Masterstudiengang „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ Wo arbeiten Sie heute? übergehen. Diesen beendete ich – wiederum erfolgreich – nach zwei Jahren mit dem Schwerpunkt „Management“. Haben Sie nebenher praktische Erfahrungen sammeln können? Aus meiner Tätigkeit als Krankenschwester kann ich auf medizinische Kenntnisse und selbstständiges Arbeiten, auch unter Druck, zurückgreifen. Im Anschluss an ein Praktikum im Medizincontrolling des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) in 2008 alice Nach einer vierjährigen Tätigkeit im Medizincontrolling bin ich derzeit in der Stabsstelle für Strategie und Organisation im ukb tätig. Wir sind ein Team von sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welches sich im Schwerpunkt mit der Bearbeitung von Projekten des ukb, der Unternehmensentwicklung, mit strategischer Aufstellung des Unternehmens usw. beschäftigt. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt u. a. in der Weiterentwicklung und Betreuung des Rehazentrums des ukb. Da IM MITTELPUNKT I 29 ich in den letzten Jahren an der Entwicklung von besonderen Leistungsangeboten für die Unfallversicherungsträger beteiligt war, bin ich dieser Thematik verbunden geblieben. Auch war mein Thema der Masterarbeit aus diesem Feld entstanden. Was raten Sie Studierenden, wie sie sich schon während der Studienzeit auf den späteren Beruf vorbereiten können? Aus meiner Sicht ist es hilfreich, sich um Praktikumsplätze zu bemühen, die am ehesten der späteren Wunschtätigkeit entsprechen, um so schon erste Kenntnisse im Schutz des „Praktikumsstatus“ zu sammeln. Das Hospitieren in anderen Bereichen der Praktikumseinrichtung sollte jedoch möglich sein und auch umfangreich genutzt werden, denn eine Änderung des Tätigkeitswunsches kann aus einem solchen rotierenden Praktikum durchaus ein Ergebnis sein. Und nicht zuletzt erscheint es in unserer Zeit unabdingbar, sich zügig ein möglichst breites Netzwerk zuzulegen. Was sind Ihre weiteren Pläne für die Zukunft? Als Mutter von drei Kindern ist es immer eine Herausforderung, nach neuen Ufern zu streben. Aber darin liegt auch ein wesentlicher Reiz für mich. Auf keinen Fall möchte ich auf der Stelle treten, auch wenn ich mich sehr wohl fühle in meiner unmittelbaren, sehr interessanten und herausfordernden Tätigkeit. Da ich viel Freude an der wissenschaftlichen Arbeit und der Weitervermittlung von Wissen hatte und habe, könnte ich mir eine Lehrtätigkeit sehr gut vorstellen. Die Kombination einer Lehrtätigkeit mit der Möglichkeit zur Promotion wäre sozusagen das best case-Szenario. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Diana Grothues. Studierendenwelt WISSENschafft gesunde KOMMUNE Ein Projekt des Masterstudiengangs „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ Ronja Behrend, Michael Brantzko, Juliane Gittel, Laura Grunwald, Anne-Kathrin Jörss, Janet Jordan, Corinna Langhans, Sebastian Prechel, Harun Rashid, Viktoria Schley, Sabine Sebayang, Katarzyna Thabaut, Sebastian Thiel In der Auseinandersetzung mit den Faktoren der Zugangsgerechtigkeit und der Inanspruchnahme von gesundheitlichen Leistungen sowie der demografischen Entwicklung und den damit wachsenden ökonomischen Belangen der Krankenkassen steigt auch der Bedarf darauf abgestimmter Angebote zugunsten benachteiligter Personengruppen. Hier haben sich in der Vergangenheit niedrigschwellige, kommunale Angebote als besonders geeignet erwiesen. Diese sollen im Rahmen des Projekts „WISSENschafft gesunde KOMMUNE“ auch für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf genutzt werden. Hierbei handelt es sich um ein Projekt des Masterstudiengangs „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“ (MQG) unter der Leitung von Prof. Dr. Eberhard Göpel und Prof. Dr. Heidi Höppner, das vom Oktober 2013 bis März 2015 stattfindet. Als „Werkstatt für Praxisforschung“ wollen wir sowohl die Funktion der Gesundheits- und Sozialberufe als auch der Hochschule im kommunalen Kontext Marzahn-Hellersdorf theoretisch und praktisch erforschen und über Drittmittel dazu beitragen, gesundheitsfördernde Infrastrukturen im Bezirk zu schaffen. Zur theoretischen Fundierung des Themas gliedert sich die Projektgruppe in vier Arbeitsgruppen: Salutogenese Diese Gruppe verfolgt das Ziel, theoretische Grundlagen des Konzeptes „Salutogenese“ (= Entwicklung in Richtung Gesundheit) zu erarbeiten und zur Verfügung zu stellen. Nach der Arbeitsorganisation, Wissensaneignung und dem Besuch alice 30 I IM MITTELPUNKT einschlägiger Veranstaltungen im ersten Projektsemester, ist künftig die Entwicklung eines bedarfs- und zielgruppenorientierten Angebotes für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf geplant, das im Sommersemester 2014 konzeptionell vorbereitet und im Wintersemester 2014/15 durchgeführt werden soll. Des Weiteren gestaltet diese Arbeitsgruppe im Rahmen des im Mai 2014 stattfindenden Salutogenese-Symposiums den Workshop „Handlungsansatz Salutogenese – von der Theorie zu praktischen Ideen für die Kommune“. Kommune Diese Arbeitsgruppe befasst sich mit der Analyse der Sozialstruktur sowie der kommunalen Ausgestaltung von gesundheitsbezogenen Diensten, Projekten und Netzwerken der Gesundheitsförderung in Marzahn-Hellersdorf. Im ersten Projektsemester sind vor allem Kontakte zu Schlüsselstellen des Bezirks aufgebaut worden. Hierzu zählen etwa das Gesundheitsamt, das Quartiersmanagement sowie verschiedene Einzelpersonen, die die Rolle der Hochschule bei der Gestaltung einer gesundheitsfördernden Kommune unterstützen wollen. Bislang konnten sowohl Ansätze für Forschungsvorhaben als auch Ressourcen innerhalb des Quartiers und der Hochschule eruiert werden, die aussichtsreich für die Realisierung des Projektvorhabens sind. Neue Praxisformen Welche neuen Praxisformen können Gesundheitsberufe in der gemeinwesenorientierten Gesundheitsförderung entwickeln? Verschiedene berufspolitische Interessengruppen sind bemüht, sich der kommunalen Gesundheitsförderung zu öffnen. In Deutschland gibt es bislang fast ausschließlich Modellversuche im Rahmen von Hochschulprojekten. Erprobt werden integrierte partizipative Strategien, die die Rolle der Bürger/innen stärken. Für die nachhaltige Umsetzung braucht es ein verändertes ökonomisches Denken. Ziel ist es, Systemsynergien zwischen Gemein- und Gesundheitswesen aufzuzeigen. Einer ersten Recherche und Netzwerkarbeit folgt die öffentliche Diskussion der Ergebnisse. Community-Campus-Partnerships Diese Arbeitsgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Handlungspotenziale von „Community-Campus-Partnerschaften“ im Gesundheits- und Sozialbereich zu beleuchten und die kommunale Gesundheitslandschaft mitzugestalten, indem soziales Engagement gefördert und die Mehrwerte einer intensiven Zusammenarbeit von Hochschule und Gesellschaft dargelegt werden. Ziel ist, Studierende für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zu sensibilisieren und die Partner/-innen bei Problemen und Bedarfen des Gemeinwesens nutzbringend zu unterstützen, um daraus wiederum Bezugspunkte akademischer Lehre einzufangen und im Fokus aktueller Gegebenheiten aufzuarbeiten. Hinweise und Ideen nehmen die Teilnehmenden der Arbeitsgruppen gerne entgegen und sie freuen sich über einen anregenden Austausch. Die Autorinnen und Autoren sind Studierende des Masterstudiengangs „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“. Kontakt wsgk@ash-berlin.eu Studierendenwelt Eine Kammer für die Pflege Kontroverse Diskussion um die berufliche Selbstverwaltung der Pflegenden in Deutschland Nadja Grimmer, Kathrin Knuth, Franziska Meyer zu Schwabedissen Rahmenbedingungen für Pflegende in Deutschland werden durch eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Medizin bestimmt. Selten haben Pflegende selbst Einfluss auf Entscheidungsprozesse, die ihren Berufsstand betreffen. Eine Pflegekammer könnte ein wichtiges Instrument in den Händen der Pflegenden sein, um durch berufliche Selbstverwaltung der Fremdbestimmung in der Pflege entgegenzuwirken. Wird Schleswig-Holstein nun die erste Landespflegekammer Deutschlands gründen? alice Die Voraussetzung dafür schafft ein Gesetz, das 2014 in Kraft treten soll. Auch Rheinland-Pfalz nimmt eine Vorreiterrolle ein, denn dort gibt es bereits eine Gründungskommission. Welche Argumente werden diskutiert? Wie sind rechtliche Lage, Stand der Dinge und Struktur bestehender Kammern? Und wo stehen wir im europäischen Vergleich? Diesen Fragen ging unsere Projektgruppe des Studiengangs „Gesundheitsund Pflegemanagement“ im Sommersemester 2013 unter der Leitung von Prof. Dr. Ingrid Kollak nach. Im Ergebnis der © kf - Fotolia.com IM MITTELPUNKT I 31 Recherche zeichnet sich Ende 2013 eines deutlich ab: Brisant beim Thema Pflegekammer ist nicht mehr nur die Frage nach dem ‚Ob‘, sondern auch die Frage nach dem ‚Wie‘. Die Recherche im deutschen, englischen und polnischen Sprachraum – hauptsächlich auf Internetportalen, denn es mangelt an Gedrucktem – ergab unterschiedlich aussagefähige und zitierbare Literatur, von politischen Stellungnahmen bis hin zu wissenschaftlichen Studien. Im Ergebnis zeigte sich, dass Elemente bestehender deutscher Kammern und kammerähnlicher Institutionen durchaus auf eine Pflegekammer übertragbar wären. Ein Blick auf das restliche Europa zeigt: Hier vereinen Kammern mehrere Heilberufe. In kammerähnlichen Strukturen stehen Pflegende in fachlicher oder politischer Abhängigkeit von Parteien, Regierungen oder anderen Berufsgruppen. In Deutschland wurden bisher in sechs Bundesländern professionell Pflegende zur Einführung einer Pflegekammer befragt. Alle Ergebnisse fielen überwiegend positiv aus, die Befragung in Hamburg hatte jedoch eine Mehrheit dagegen. Unterschiedliche Sichtweisen auf die Pflegekammer Die Meinungen von Expertinnen und Experten zur verfassungsrechtlichen Legitimation einer Pflegekammer differieren. Ein Gutachten des Juristen Erich Deter aus dem Jahre 2012 offenbart eine kritische Sicht: Er sieht einen zu geringen Aufgabenkreis für eine Kammer auf Landesebene. Prof. Dr. Gerhard Igl sieht hingegen in seinem Gutachten aus dem Jahre 2008 keine verfassungsrechtlichen Hinderungsgründe, da mit der Gründung einer Pflegekammer ein legitimes öffentliches Interesse verfolgt werde. Auch auf politischer Ebene werden Pro- und Kontra-Argumente diskutiert. Den Professionalisierungsprozess der Pflege im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Autonomie voranzutreiben wird als Chance gesehen. Durch eine Berufskammer mit gesetzlicher Entscheidungsgewalt könnten hoheitliche politische Aufgaben übernommen werden. Aufgrund dessen wird befürchtet, dass sich die öffentliche Hand aus der Verantwortung ziehen könnte. Der Prozess Pflegekammer Deutschland hat dennoch unaufhaltsam begonnen. Eine handlungsfähige Kammer fußt auf einer guten Rechtsgrundlage. Diese gilt es zu schaffen, damit eine Legitimation vor der Bundesgerichtsbarkeit Bestand haben kann. Die Versorgung der Pflegenden mit Informationen zum Thema ist nötig. Positiv ausgefallene Befragungen betroffener Berufsgruppen leisten einen wesentlichen Beitrag im Gründungsprozess. Eine mit Pflichtbeiträgen verbundene Pflichtmitgliedschaft ist ein Eingriff in das Grundrecht. Sie ist nur dann legitim, wenn ein großer Nutzen für beruflich Pflegende und die Gesellschaft absehbar ist. Um durch eine Kammer einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung des Versorgungsauftrages zu leisten, muss im nächsten Schritt ein großes Ziel verfolgt werden: die Pflegekammer so zu strukturieren, dass sie auf möglichst vielen Ebenen von Nutzen ist. Die Autorinnen sind Studierende des Bachelorstudiengangs „Gesundheits- und Pflegemanagement“. Kontakt nadja.grimmer@ash-berlin.eu kathrin.knuth@ash-berlin.eu franziskamzs@gmx.de alice 32 I IM MITTELPUNKT Forschung Pflegemanager/-innen für die Forschung 20 Jahre Gesundheits- und Pflegeforschung an der ASH Berlin Ingrid Kollak Den Inhalten von Ökonomie und Management stand schon im Diplomstudiengang „Pflege/Pflegemanagement“ die Pflege- und Gesundheitsforschung als starke Partnerin zur Seite und das Erlernen qualitativer und quantitativer Methoden der empirischen Sozialforschung vom ersten bis zum achten Se- dass Pflegeforschung Wirkung und Nutzen von Standards abbilden kann, und der Scientific Community, die kritisch gegenüber einer standardisierten Versorgung war, lagen definierte Zielgrößen und Dokumentationen vor. Einen weiteren Antrieb erhielt die Pflegeforschung durch eine gezielte Förderung von 9,3 Millionen Euro, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Zeit von 2004 bis 2010 in drei Pflegeforschungsverbünde und einen Hebammenforschungsverbund mit insgesamt 26 Teilprojekten investierte. Mittlerweile kann die ASH Berlin eine Vielzahl von Studien der Gesundheits- und Versorgungsforschung vorweisen, von denen die aktuellen auf den folgenden Seiten aufgelistet werden. Sie geben Ausdruck über die Vielfalt der Themen, Kooperationspartner/-innen und Finanzierungen. Braucht die Pflege Forschung? „Forschung wird bei uns groß geschrieben“, so die Aussage eines Alumnus, der heute Pflegedienstleiter ist. Denn mittlerweile stellen Pflegeforschung und Theoriebildung nicht nur für alle Studierenden der Pflegestudiengänge eine Selbstverständlichkeit dar, sondern auch für Pflegemanagerinnen und -manager. Viele von ihnen sind ehemalige Studierende der ASH Berlin oder gehören zu unseren Praxis- und Forschungspartnerinnen und -partnern. Sie bieten unseren Studierenden Praktikumsplätze und unterstützen sie bei der Umsetzung ihres neuen Wissens in die Praxis. Ebenso sind sie aber auch Partner/-innen bei studentischen Forschungsprojekten und in wissenschaftlichen Studien. Wir freuen uns über diese Entwicklung. Es ist schön, dass sich heute die meisten Leserinnen und Leser über diese Frage wundern. Das war nicht immer so. Vor 20 Jahren herrschte die Meinung vor, gute Pflege bilde sich in der Praxis aus, Forschung und Theorie seien dazu nicht notwendig. Diese Ansicht wurde ausgerechnet durch die Einführung von Standards und Dokumentationssystemen verunsichert: Die Theorie- und Forschungsskeptiker/-innen stellten fest, Ingrid Kollak Professorin für Pflegewissenschaft kollak@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-409 Der neue Forschungsbericht der ASH Berlin mester war bereits Bestandteil des ersten Curriculums. Auch nach der Umwandlung des Diplomstudiengangs in einen Bachelor- und einen Masterstudiengang behielten Forschung und Methodenseminare ihre hohe Bedeutung. Die Abschlüsse „Bachelor of Science“ bzw. „Master of Science“ bringen diesen Schwerpunkt zum Ausdruck. alice IM MITTELPUNKT I 33 Aktuelle Projekte aus dem Bereich Gesundheits- und Versorgungsforschung Katamnesestudie Therapeutische Wohngruppen Berlin (KATA-TWG) Young Russian Speaking Migrants’ Utilization Behavior in Case of Intense Use of Alcohol and/or Drugs and (potential) Hepatitis (RUSMUB) Projektlaufzeit: 2007 bis 2009, Folgestudie läuft Projektleitung: Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner Projektlaufzeit: 01.02.2012 bis 31.01.2015 Kooperationspartner/-innen: ajb gmbh, gemeinnützige Gesellschaft für Jugendberatung und psychosoziale Rehabilitation, Der Steg gGmbH, EJF-Lazarus gemeinnützige AG, Gemini – Therapeutische Wohngruppen, neuhland e. V. und Jugendwohnen im Kiez – Jugendhilfe gGmbH, Pestalozzi-Fröbel-Haus Berlin – Stiftung öffentlichen Rechts, Prowo e. V., Wuhletal Psychosoziales Zentrum gGmbH Projektleitung: Prof. Dr. Uwe Flick Mittelgeber/-innen: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Mittelgeber/-innen: Arbeitskreis Jugendwohngruppen Multizentrische, interdisziplinäre Evaluationsstudie von Demenznetzwerken in Deutschland (DemNet-D) Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ kata-twg Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ rusmub Projektlaufzeit: 01.04.2012 bis 31.03.2015 Entwicklung eines berufsbegleitenden, interdisziplinären Masterstudiengangs im Bereich Ambient Assisted Living (MAAL) Projektlaufzeit: 01.10.2011 bis 31.07.2014 Projektleitung: Prof. Dr. Ingrid Kollak (ASH Berlin), Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hörber (HTW Berlin) Kooperationspartner/-innen: Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin Mittelgeber/-innen: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/maal Lebenswelten von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten türkischer Herkunft und ihren Familien. Untersuchung zu Ressourcen und Belastungen (LedeMitH) Projektleitung: Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann Kooperationspartner/-innen: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Standort Rostock/Greifswald: Verbundkoordination, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Standort Witten, Institut für angewandte Sozialforschung Stuttgart, Demenzfreundliche Kommune Lichtenberg, Demenzfreundlich! Treptow-Köpenick, Netzwerk Demenz Teltow-Fläming, Qualitätsverbund Netzwerk im Alter Pankow e. V. (QVNIA), „Unsere Kommune ist demenzfreundlich“, Charlottenburg-Wilmersdorf Mittelgeber/-innen: Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ demnet-d Zukunftsportal für gesunde, qualifizierte häusliche Pflege (ZukunftPflege) Projektlaufzeit: 01.10.2012 bis 30.09.2014 Projektlaufzeit: 01.12.2011 bis 30.11.2014 Projektleitung: Prof. Dr. Gudrun Piechotta-Henze (ASH Berlin), Prof. Dr. Olivia Dibelius (EHB), Prof. Dr. Erika Feldhaus-Plumin (EHB) Kooperationspartner/-innen: Evangelische Hochschule Berlin (EHB), aliacare Ambulanter Pflegedienst, Alzheimer-Gesellschaft Berlin e. V., AWO, Charité Berlin, Deutsch Türkischer Pflegedienst, Diakonisches Werk, UPD, Kamil Tagespflege, Pflegedienst Generation Mittelgeber/-innen: Spende, AOK Nordost Projektleitung: Prof. Dr. Vjenka Garms-Homolová (ASH Berlin), Prof. Dr. Reinhold Grün (ASH Berlin), Prof. Dr. Gernold Frank (HTW Berlin), Prof. Dr. Carsten Busch (HTW Berlin) Kooperationspartner/-innen: Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, Deta-Med GmbH Mittelgeber/-innen: Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ zukunftpflege Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ ledemith alice 34 I IM MITTELPUNKT Integriertes Qualitäts- und Personalmanagement in Pflegeeinrichtungen – demografietauglich, arbeitsfähig und nachhaltig (QPM-Pflege) Projektlaufzeit: 01.10.2012 bis 30.09.2014 Projektleitung: Prof. Dr. Uwe Bettig (ASH Berlin), Prof. Dr. Sabine Nitsche (HTW Berlin) Kooperationspartner/-innen: Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, Panke-Pflege GmbH, Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ) GmbH, ProCurand gGmbH & Co. KGaA Mittelgeber/-innen: Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ qpm-pflege Mittelgeber/-innen: Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ mpv-krebs Indikationsspezifische regional koordinierte nachstationäre Langzeitversorgung von Menschen mit Schlaganfall und Menschen mit Demenz nach Schlaganfall in Berlin-Pankow (INDIKA) Projektlaufzeit: 01.05.2013 bis 30.04.2016 Projektleitung: Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann Kooperationspartner/-innen: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie, Qualitätsverbund Netzwerk im Alter Pankow e. V. (QVNIA) Mittelgeber/-innen: GKV-Spitzenverband IT-gestütztes Monitoring von unerwünschten Arzneimittelwirkungen in der stationären Altenpflege (MADRIC) Projektlaufzeit: 01.11.2012 bis 31.10.2015 Projektleitung: Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann Kooperationspartner/-innen: AOK Nordost, ID – Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co. KGaA, n3 – Firma Dr. Nagel Mittelgeber/-innen: GKV-Spitzenverband Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ madric Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter – Milieusensibles und selbstbestimmtes Wohnen im Alter als Beitrag innovativer kommunaler Altenhilfe? (GLESA) Projektlaufzeit: 01.04.2013 bis 31.03.2015 Projektleitung: Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (ASH Berlin), Prof. Dr. Claudia Gather (HWR Berlin) Kooperationspartner/-innen: Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin, Schwulenberatung gGmbH, Pflegedienst CuraDomo GmbH, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Vergrößerung der Anwender/-innengruppen für augengesteuerte Unterstützte Kommunikation durch Entwicklung neuer Verfahren für die Blickverfolgung (EyeTrack4all) Projektlaufzeit: 01.10.2013 bis 30.06.2016 Projektleitung: Prof. Dr. Ingrid Kollak Kooperationspartner/-innen: alea technologies GmbH, Rehabilitationszentrum Hegau-Jugendwerk, barrierefrei kommunizieren!, Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH, Beratungsstelle für Unterstütze Kommunikation der Spastikerhilfe Berlin e.G./e. V. Mittelgeber/-innen: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ eyetrack4all Untersuchung der Wertschöpfungskette Pflege im Bezirk Marzahn-Hellersdorf Projektlaufzeit: 22.11.2013 bis 31.05.2014 Projektleitung: Prof. Dr. Uwe Bettig Mittelgeber/-innen: Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin Mittelgeber/-innen: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/glesa Wissenschaftliche Begleitstudie zum Modellprojekt „Märchen und Demenz“(Märchen+Demenz+Studie) Medizinisch-pflegerische Versorgungsmuster ambulanter onkologischer Patienten im Stadt-Land-Vergleich (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) (MPV Krebs) Projektlaufzeit: 01.04.2013 bis 31.03.2015 Projektleitung: Prof. Dr. Jutta Räbiger (ASH Berlin), Prof. Dr. Jochen Breinlinger O ’Reilly (HWR Berlin) Kooperationspartner/-innen: Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin, AOK Nordost, IKK Brandenburg und Berlin alice Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/indika Projektlaufzeit: 15.02.2014 bis 31.08.2015 Projektleitung: Prof. Dr. Ingrid Kollak Kooperationspartner/-innen: Märchenland – Deutsches Zentrum für Märchenkultur gGmbH Mittelgeber/-innen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) Webseite: www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte/ maerchen-demenz-studie IM MITTELPUNKT I 35 Forschung Schwul-lesbisch und generationenübergreifend Innovative Wohnformen im Alter im Fokus der Forschung Ralf Lottmann Die Datenlage zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen im Alter ist dünn. Um hierzu neue Erkenntnisse zu gewinnen, startete im April 2013 an der ASH Berlin in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ein vom Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin finanziertes Forschungsprojekt. © Lebensort Vielfalt Das auf zwei Jahre angelegte Projekt „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter“ (GLESA) un- von Pflegekräften erreichen lässt.“ Daten über die Lebensbedingungen von älteren Homosexuellen in Deutschland gibt es kaum. Dabei gibt es allein in Berlin nach amtlichen Schätzungen rund 40.000 ältere LSBTI-Erwachsene. Erst im Jahr 1994 verschwand die Diskriminierung von Homosexuellen endgültig aus dem Strafgesetzbuch. In der alten Bundesrepublik blieb der § 175 StGB, der Homosexualität unter Strafe stellte, bis 1969 in Kraft. Homosexualität wurde mit Krankheit gleichgesetzt. Diese Erfahrungen prägten Generationen von Homosexuellen. Gerade ältere und hochaltrige schwule Männer und lesbische Frauen haben noch viel Repression erlebt und befürchten Vorurteile in einem konventionellen Pflegeheim, die die Pflege beeinträchtigen könnten. Pflegeanbieter/-innen mit einer entsprechenden Ausrichtung auf diese Zielgruppe gibt es aber kaum. Diskriminierungsfreies Wohnumfeld schaffen Tag der Offenen Tür im Berliner „Lebensort Vielfalt“, tersucht den „Lebensort Vielfalt“ (LoV), ein Wohn- und Pflegeprojekt für schwule Senioren und lesbische Seniorinnen in Berlin-Charlottenburg, das Mitte 2012 eröffnet wurde. In seiner Größe und Ausrichtung ist dieses Wohnprojekt bislang einzigartig in Europa. Getragen wird es von der Schwulenberatung Berlin. GLESA soll einen Beitrag dazu leisten, die Wohn- und Gesundheitssituation älterer „queerer“ Menschen in Deutschland zu erforschen und neue Tätigkeitsfelder von Pflegediensten auszuloten. „Auf dem Gebiet von Pflege und Altenhilfe vollbringt unsere Forschung Pionierarbeit“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela von der ASH Berlin. „Wir möchten unter anderem herausfinden, was bei älteren beziehungsweise pflegebedürftigen Schwulen und Lesben besonders zu beachten ist und wie sich etwa eine Sensibilisierung Erste Ergebnisse zeigen, dass der „Lebensort Vielfalt“ ein diskriminierungsfreies Wohnumfeld ermöglicht, das ein selbstbestimmtes Leben und soziale Teilhabe im Alter fördert. Die Thematisierung von Sexualität im Alter ist im LoV mit schwulen, lesbischen und heterosexuellen Bewohnerinnen und Bewohnern im Alter von 21 bis 86 allgegenwärtig und weniger von Tabus geprägt. Der ambulante Pflegedienst CuraDomo – GLESA-Kooperationspartner – hat darin gar eine Marktlücke entdeckt. Eine weitere Kooperationspartnerin ist die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS). Die Erfahrungen und Expertisen der Kooperationspartner/-innen mit dem LoV fließen in das Forschungsprojekt ein. Wünschenswert sind neue Erkenntnisse darüber, ob Besonderheiten im Lebensstil und daraus resultierende besondere Bedarfe und Ressourcen auch übertragbar auf andere Milieus und Regionen sind. Auf einer internationalen Fachkonferenz sollen 2015 die Ergebnisse diskutiert werden. Zudem sollen ein Handlungsleitfaden für das Pflege- und Betreuungspersonal sowie eine Informationsbroschüre als Hilfestellung für die Entwicklung ähnlicher Wohnprojekte entstehen. Ralf Lottmann Wissenschaftlicher Mitarbeiter lottmann@ash-berlin.eu Tel. (030) 30877-1501 alice 36 I IM MITTELPUNKT Forschung Integrative Managementstrategien Erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt QPM-Pflege Rüdiger Hoßfeld Die ASH Berlin und die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin forschen seit Oktober 2012 gemeinsam im Projekt „Integriertes Qualitäts- und Personalmanagement in Pflegeeinrichtungen“ (QPM-Pflege) unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Bettig und Prof. Dr. Sabine Nitsche. Das Projekt wird durch das Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin gefördert. Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts ist es, ein integriertes Qualitäts- (QM) und Personalmanagement (PM) für Pflegeunternehmen zu entwickeln, das es ermöglicht, langfristig den zukünftigen Herausforderungen in der Branche gerecht zu werden. Es werden beAbb. 1: Lösungansatz aus dem Projekt „QPM-Pflege“ stehende QM- und PM-Systeme untersucht, um diese optimal aufeinander abzustimmen. Im Fokus steht dabei die Frage, wie ein integrierunternehmen wird erprobt, mit welchen Interventionen und tes Qualitäts- und Personalmanagement zur Förderung von Messgrößen (Frühwarnindikatoren) ein integriertes QPM aufZufriedenheit und Bindung der zunehmend älter werdenden gebaut werden kann. Beschäftigten beitragen kann, ohne dabei die Qualitätsansprüche der Kundinnen und Kunden zu vernachlässigen. Die Erste Zwischenergebnisse der Untersuchung zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dürfte wesentlich davon abhängen, ob es gelingt, die Ziele des PM Aus Sicht der Berliner Pflegeunternehmen bestehen die künfoptimal auf die des QM abzustimmen. Vor diesem Hintertigen Herausforderungen vor allem in der Belastungssituation grund sind Aspekte der beruflichen Handlungskompetenz, der der Beschäftigten, gefolgt von der Alterung der Belegschaften individuellen Arbeitsfähigkeit und vor allem der Führung der und der ausreichenden Qualifikation der Mitarbeiter/-innen Mitarbeiter/-innen Schlüsselfaktoren für eine hohe Dienstleis(Abb. 2). tungsqualität (Abb. 1). Exemplarisch wird in zwei Pflegeunternehmen (ambulant/ stationär) die Verknüpfung zwischen Qualitätszielen und dem Ziel eines strategischen Personalmanagements realisiert. Ausgangspunkte für die angestrebten Veränderungen sind die Ergebnisse einer Querschnittstudie unter 95 Berliner Pflegeunternehmen und eine Ist-Analyse in den kooperierenden Unternehmen. Dabei geht es um die Erfassung und Bewertung aktueller QM- und PM-Maßnahmen vor allem im Hinblick auf die Ressourcen der Mitarbeiter/-innen. Mit den Kooperations- alice Allerdings ist die Mehrzahl der Unternehmen auf die Herausforderungen noch nicht ausreichend vorbereitet. Frühwarnindikatoren fehlen bisher überwiegend. Nur etwa 40 Prozent der Unternehmen arbeiten in den Bereichen Arbeitsbelastung und Altersstruktur mit messbaren Indikatoren. Messbare Ziele werden gerade mal von etwa einem Drittel der Unternehmen formuliert. Lediglich im Bereich der Qualifikationsstruktur bzw. der Fort- und Weiterbildung nutzen über 80 Prozent der befragten Pflegeunternehmen (Kenn-)Zahlen zur Steuerung. IM MITTELPUNKT I 37 Darüber hinaus wurden, trotz der steigenden Belastungssituation für die Mitarbeiter/-innen, lediglich bei jedem zweiten Unternehmen Maßnahmen für eine betriebliche Gesundheitsförderung ergriffen. Die wahrgenommenen Herausforderungen in Bezug auf die Alterung der Belegschaften beantworten sogar nur 12 Prozent der Unternehmen mit speziellen Angeboten für ältere Arbeitnehmer/-innen. Insgesamt zeigen die bisherigen Ergebnisse, dass den Pflegeunternehmen in den zentralen Handlungsfeldern momentan noch praktikable Messgrößen und geeignete Interventions- maßnahmen fehlen. Aktuell werden die Prozesse und Instrumente der kooperierenden Unternehmen so modifiziert, dass als Ergebnis eine Managementstrategie formuliert wird, die sowohl die Belange und Ziele des Qualitäts- wie auch des Personalmanagements integriert. Rüdiger Hoßfeld Wissenschaftlicher Mitarbeiter hossfeld@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-278 POETIK VORLESUNG 2014 MIT Franz Hohler Anzeige Abb. 2: Zukünftige Herausforderungen des Projekts Der große Zwerg über kreatives und biographisches Schreiben 16. Mai 2014, 19.00 BIS 21.00 Uhr Audimax, ASH Berlin Interessierte sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. alice 38 I IM MITTELPUNKT Forschung Neue Hilfsmittel in der Unterstützten Kommunikation Das Forschungsprojekt EyeTrack4all stellt sich vor Claudia Nuß, Maxine Saborowski Nele Diercks ist eine 23-jährige fröhliche junge Frau. Aufgrund einer Schädigung bei ihrer Geburt hat sie eine zerebrale Bewegungsstörung. Deshalb kann sich Frau Diercks weder lautsprachlich mitteilen noch selbstständig fortbewegen und ist in jeglichen Lebenssituationen auf Unterstützung angewiesen. Dennoch organisiert sie ihr Leben relativ selbstständig und lebt selbstbestimmt, wie andere junge Frauen in ihrem Alter. Schon im Kleinkindalter reagierten die Eltern von Frau Diercks auf alternative Kommunikationsformen: Blicke, Mimik und einige Gesten bzw. Zeichen sowie Laute. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein körpereigenes individuelles Zeichensystem entwickelt, mit dem Frau Diercks mithilfe einer Person, die mit diesem Zeichensystem vertraut ist, kommuniziert. Dabei Nele Diercks und ihr Sprachausgabegerät mit integrierter Augensteuerung interpretiert die Kommunikationspartnerin oder der Kommunikationspartner die Laute und Zeichen (z. B. Blickrichtungen). Seit einigen Jahren hat Nele Diercks nun ein Sprachausgabegerät, das sie mit ihren Augen ansteuern kann. Dabei schaut sie auf ein Display, und durch Verweilen auf einer Fläche mit ihrem Blick kann sie einen Klick auslösen und mit einer Buchstabenoberfläche schreiben und „sprechen“: Das Sprachausgabegerät spricht die geschriebenen Sätze laut aus. Menschen, die sich aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Schädigung lautsprachlich nicht oder nur eingeschränkt mitteilen können, nutzen vielfältige Hilfsmittel der „Unterstützten Kommunikation“ (UK), wie beispielsweise Frau Diercks ein digitales Sprachausgabegerät mit Augensteuerung. Im Rahmen des Projekts EyeTrack4all untersuchen wir, welche Probleme bei der Nutzung einer Augensteuerung in der alice Das EyeTrack4all-Team: Minste Thedinga, Maxine Saborowski, Ingrid Kollak, Claudia Nuß, Antje Barten (v.l.n.r.) UK existieren und wie diese behoben werden können. Zum einen analysieren wir Kommunikationsoberflächen und LernProgramme daraufhin, ob sie mit einer Augensteuerung bedienbar sind. Zum anderen wollen wir Interaktionen von unterstützt Kommunizierenden mit ihren Angehörigen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weiteren Bezugspersonen beobachten. Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens für Pflegeund Heilberufler/-innen, der den Einsatz von UK und entsprechenden Hilfsmitteln bei nicht-sprechenden Patientinnen und Patienten erläutert. Das Projekt ist im Schwerpunkt Gesundheits- und Versorgungsforschung angesiedelt und wird von Prof. Dr. Ingrid Kollak geleitet. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Zwei Mitarbeiterinnen und zwei studentische Beschäftigte forschen seit Oktober 2013. Im Projekt kooperieren wir mit alea technologies GmbH (einem Hersteller von Augensteuerungen) sowie dem Rehazentrum Hegau-Jugendwerk und sind in Kontakt mit zwei Berliner Beratungsstellen. Interessierten Studierenden der ASH Berlin bieten wir Praktikumsplätze und die Betreuung von Abschlussarbeiten im Bereich UK und technische Hilfsmittel. Mehr Informationen gibt es auf der Website der ASH Berlin unter Forschung –>Projekte –>EyeTrack4all. Claudia Nuß Pädagogische Mitarbeiterin nuss@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-282 Maxine Saborowski Wissenschaftliche Mitarbeiterin saborowski@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-282 Forschung Das Forschungsprojekt INDIKA Zur Verbesserung der Versorgungssituation und Lebensqualität älterer Menschen mit Pflegebedarf Steve Strupeit, Johannes Gräske, Karin Wolf-Ostermann Wirksame Konzeptelemente identifizieren und nutzbar machen Mit dem 1. November 2012 ist das Modellprojekt INDIKA durch den Qualitätsverbund Netzwerk im Alter Pankow (QVNIA) e. V. auf den Weg gebracht worden. INDIKA, das steht für „INDIKAtionsspezifische regional koordinierte nachstationäre Langzeitversorgung von Menschen mit Schlaganfall und Menschen mit Demenz nach Schlaganfall in Berlin-Pankow“ und wird gefördert durch den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen im Rahmen des Modellprogramms zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung. Die wissenschaftliche Evaluation soll die Möglichkeit eröffnen, einzelne Konzeptelemente, die im Modellprogramm erprobt werden, als besonders wirksam zu identifizieren und für den späteren Transfer in die weitere Praxis nutzbar zu machen. Seitens der ASH Berlin werden bis Ende 2015 folgende Forschungsfragen im Rahmen einer prospektiven kontrollierten Längsschnittstudie untersucht: Das Modellprojekt hat zum Ziel, nachstationär die pflegerische Versorgungs- und Betreuungsqualität von Menschen mit Schlaganfall und Menschen mit Demenz nach Schlaganfall regional, wohnortnah und qualitätsgesichert zu vernetzen und damit zu verbessern. Ebenfalls werden Angehörige in die Versorgung mit eingebunden. Das zentrale Handlungsfeld des Projektes ist die Etablierung eines transsektoralen pflegerischen Versorgungspfades. Somit soll eine verbindliche, qualitätsgesicherte und koordinierte Langzeitversorgung in fünf verschiedenen nachstationären pflegerischen Versorgungssettings umgesetzt werden: n n n n n Selbstpflege durch die Klientin/den Klienten ohne pflegerische Beteiligung von Bezugspersonen bzw. professioneller Pflege „Laienpflege“, d. h. Klientinnen und Klienten werden in der Selbstversorgung durch Bezugspersonen pflegerisch unterstützt ambulante pflegerische Versorgung durch Einbindung von ambulanten Pflegediensten teilstationäre pflegerische Versorgung durch Einbindung von Einrichtungen der Tagespflege vollstationäre pflegerische Versorgung durch Einbindung von Kurzzeitpflege bzw. Versorgung in vollstationären Pflegeeinrichtungen Es werden indikationsspezifische Qualitätsanforderungen an pflegerelevante Versorgungsprozesse entwickelt, angewendet und evaluiert. Diese stehen der Pflege zukünftig als wissenschaftlich fundierte Qualitätsindikatoren und Handlungsrichtlinien in der vernetzten Versorgung von Menschen mit Schlaganfall und Menschen mit Demenz nach einem Schlaganfall zur Verfügung. n n n Welche Versorgungsstrukturen werden hauptsächlich von Menschen mit einer Schlaganfallerkrankung und/oder Demenz nach Schlaganfall in Anspruch genommen? Wie verändern sich gesundheitsbezogene Versorgungsoutcomes und Versorgungsverläufe von Menschen mit einer Schlaganfallerkrankung und/oder Demenz nach Schlaganfall durch eine vernetzte Versorgung? Wie verändern sich gesundheitsbezogene Outcomes der Angehörigen? Das Forschungsprojekt INDIKA leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation und der allgemeinen Lebensqualität älterer Menschen mit Pflegebedarf nach einer Schlaganfallerkrankung und/oder mit Demenz nach Schlaganfall sowie einer Entlastung betreuender Angehöriger. Durch die vernetzte Versorgung werden zudem Einsparungen im pflegerischen/medizinischen Versorgungsbereich möglich, da Folgen wie z. B. Krankenhauseinweisungen vermindert werden können. Die erzielten Ergebnisse können für spätere, darauf aufbauende Forschungs- und Entwicklungsansätze genutzt werden und die Grundlage für eine bundesweite Generalisierbarkeit von indikationsspezifischen Versorgungsstrukturen darstellen. Das Projekt trägt damit entscheidend zur Erforschung der Versorgungssituation von pflegebedürftigen Menschen und nachhaltig zur Verbesserung ihrer gesundheitlichen Versorgung bei. Die Autorin ist Professorin für Statistik und Versorgungsforschung. Herr Strupeit ist wissenschaftlicher Mitarbeiter, Herr Gräske ist Koordinator des Projekts. Kontakt strupeit@ash-berlin.eu graeske@ash-berlin.eu wolf-ostermann@ash-berlin.eu alice © Robert Kneschke - Fotolia.com IM MITTELPUNKT I 39 40 I IM MITTELPUNKT Forschung dig-HP und PEAP Neue Messinstrumente und Testverfahren in der therapeutischen Diagnostik Elke Kraus Vor dem Hintergrund der Akademisierung und Professionalisierung therapeutischer Berufe ist eine effiziente und präzise Befunderhebung von großer Bedeutung. Nicht nur bietet sie das Fundament für eine gezielte Intervention, sondern sie ermöglicht auch Wirksamkeitsnachweise. So macht die Befunderhebung einen wesentlichen Teil der therapeutischen Arbeit aus, um die Einschränkungen, Ressourcen und Veränderungen der Patientinnen und Patienten zu erfassen. Es gibt allerdings zwei große Herausforderungen in der therapeutischen Diagnostik. Zum einen sind viele der verwendeten Befunderhebungsinstrumente subjektiv behaftet, was ihre Zu- („händische“) Auswertung mit der digitalen verglichen wird. Des Weiteren soll eine Praktikabilitätsstudie mit geschulten Probandinnen und Probanden, die die Software testen und bewerten, stattfinden. Wie funktionsfähig ist ein Mensch im Alltag? Ein zweites Problem in der therapeutischen Diagnostik ist das Erfassen von sehr vielen und komplexen Sachverhalten, die auf der Ebene der Teilhabe am täglichen Leben angesiedelt und somit schwer messbar sind. Wie funktionsfähig ist ein Mensch in seiner Arbeit, seiner Freizeit oder im Bereich der 1. Aktivitäten rund um das Essen und Trinken Umfasst: Qualitätsmerkmale: Essverhalten Zeitdauer Selbstständigkeit Geschicklichkeit Stress Beispiel einer PEAP-Bilderkarte verlässigkeit und Reproduzierbarkeit einschränkt. Vor allem motorische Tests werden nur teilweise quantitativ mit Messungen wie Zeit oder Genauigkeit ausgewertet und beruhen ansonsten auf subjektiven Einschätzungen. Das „Händigkeitsprofil“ (HP) (Kraus 2003, 2013) erfasst die Handmotorik und die Händigkeit eines Kindes. In dem ehemaligen IFAF-Projekt „Entwicklung eines digitalen Test- und Evaluierungssystems für Manuelle Aktionen“ (dig-TEMA) wurde von Juli 2011 bis Juli 2013 das Händigkeitsprofil in seiner Dokumentation und Auswertung vollständig digitalisiert, um dessen Zuverlässigkeit zu optimieren. Die entstandene Software dig-HP wird nun in einer Vergleichsstudie erprobt, in der die konventionelle alice Selbstversorgung? Auch hier gibt es Messinstrumente, die je doch zum Teil unzureichend auf die Komplexität des Themenbereichs eingestellt sind, da die zu messenden Parameter sehr schwer zu quantifizieren sind. Vor diesem Hintergrund wurde das „Pädiatrische Ergotherapeutische Assessment und Prozessinstrument“ (PEAP) zwischen 2007 und 2013 entwickelt, das in einem strukturierten Erfassungsprozess die Durchführung alterstypischer Betätigungen einschätzt. Das Instrument reicht über die Funktion eines reinen Assessments hinaus und begleitet den gesamten ergotherapeutischen Prozess (z. B. auch die Zielsetzung und die Behandlungsphase) durch ein Angebot vielfältiger Dokumentationsvorschläge. © Petro Feketa - Fotolia.com Speisen in kulturell akzeptierter Weise und in angemessener Zeit und Menge zu sich nehmen; kleine Mahlzeiten zubereiten, wie Brot schmieren und belegen; Lebensmittel von unterschiedlicher Konsistenz schneiden wie Fleisch und Gemüse; Besteck sicher, koordiniert und zielgerichtet verwenden; Getränke holen und, ohne zu kleckern, eingießen; bei der Zubereitung von Speisen helfen. IM MITTELPUNKT I 41 Das PEAP basiert auf zahlreichen Bachelor- und Masterstudien der ASH Berlin und der Partnerhochschule Hogeschool Zuyd in den Niederlanden, und besteht aus einem standardisierten Teil mit alterstypischen Handlungen, die den sogenannten Betätigungsstatus eines Kindes darstellen. Umfassende Bilderkarten stellen den komplexen Sachverhalt der alterstypischen Handlungen konkret dar (z. B. Essen und Trinken). Die Ausführung dieser Handlungen sowie die empfundene Zufriedenheit werden dann anhand einer Skala von Kind, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern bzw. Erzieherinnen und Erziehern eingeschätzt. Die Reliabilität dieses standardisierten Vorgehens wird derzeit in einem Projekt von Prof. Dr. Stefan Dietsche und einer Doktorandin an der ASH Berlin untersucht. Des Weiteren unterstützt die PEAP-Struktur durch unterschiedliche Dokumentationsvorschläge den diagnostischen und therapeutischen Prozess gemeinsam mit Kind, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern bzw. Erzieherinnen und Erziehern. Das PEAP soll im Jahr 2014 veröffentlicht werden. Elke Kraus Professorin für Ergotherapie kraus@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-420 Forschung Wenn das Telefon in der Waschmaschine liegt Lebenswelten von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten türkischer Herkunft und ihren Familien Gudrun Piechotta-Henze Der viel zitierte Satz von Max Frisch „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen“, lässt sich heute für einen Teil der ehemaligen sogenannten Gastarbeiter/-innen fortführen: „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen, die geblieben und im Alter an einer Demenz erkrankt sind.“ Diese Menschen und ihre Angehörigen stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojektes „Lebenswelten von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten türkischer Herkunft und ihren Familien. Eine Untersuchung zu Ressourcen und Belastungen“ (LedeMith). Das Projekt findet von Dezember 2012 bis November 2014 statt. Es ist am Institut für Innovation und Beratung an der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) unter der Leitung von Prof. Dr. Olivia Dibelius verortet, wird aber gemeinsam von Mitarbeiterinnen der EHB und der ASH Berlin durchgeführt. Das qualitative Untersuchungsdesign des Projektes umfasst Interviews mit Expertinnen und Experten im gesamten Bundesgebiet, teilnehmende Beobachtungen in Beratungssituationen, Einzelfallanalysen und Interviews mit Angehörigen von demenziell erkrankten Migrantinnen und Migranten türkischer Herkunft. Ein kleiner Ergebnisausschnitt Die Eltern oder ein Elternteil der Befragten sind in den 1960eroder Anfang der 1970er-Jahre als Gastarbeiter/-innen nach Berlin gekommen. Motivation und Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich gewesen: Man hoffte, nach ein paar Jahren harter Arbeit und großer Sparsamkeit, mit einer ansehnlichen Geldsumme zurückkehren und so eine bessere wirtschaftliche und soziale Situation für sich und die Familie im Herkunftsland schaffen zu können. Andere hofften, mit der Migration vor allem eine psychosoziale Distanz zu aktuellen familiären Die Projektgruppe: Dilek Yalniz, Prof. Dr. Erika Feldhaus-Plumin, Prof. Dr. Olivia Dibelius (Projektleiterin), Prof. Dr. Gudrun Piechotta-Henze, Yve Weidlich (v.l.n.r.) Belastungen und Problemlagen herbeiführen zu können. Keinesfalls waren der Entschluss und die Durchführung der Migration nur negativ besetzt, vielmehr war damit auch die Chance verbunden, eine neue Lebenssituation zu schaffen und die Bürden der alten hinter sich zu lassen. alice 42 I IM MITTELPUNKT Der jeweilige Migrationskontext ist denn auch ein wichtiger Faktor, ob die jeweilige Person sich eher als zeitgebundene Arbeitskraft (mit Rückkehrwunsch) oder als Arbeitsmigrant/-in betrachtet hat, die dauerhaft in Berlin bzw. Deutschland bleiben wollte. Gleichwohl haben alle Interviewpartner/-innen, d.h. die Kinder der damaligen Gastarbeiter/-innen, geschildert, wie schwer es ihre Eltern damals hatten, da sie in der deutschen Gesellschaft auf „Arbeitskraft“ reduziert waren, weder Sprachkurse angeboten wurden noch soziale Anerkennung, gesellschaftspolitische Partizipation oder Chancengleichheit bei der Wohnungs- und Arbeitssuche gegeben waren. Diese diskriminierenden Faktoren wirkten sich auch auf die damaligen Kinder und damit auf die heutige Generation der (pflegenden) Angehörigen von demenziell erkrankten Menschen mit Migrationserfahrung aus. Viele dieser Kinder hatten u. a. keine Chance auf eine höhere Schulbildung, da „alle in türkische Klassen gekommen sind … Nach der Grundschule sind wir dann alle auf die Hauptschule gekommen. Wir konnten ja kein Deutsch“, so eine Interviewpartnerin. Wer es dennoch geschafft hat, mit einem höheren Abschluss die Schule zu verlassen, ist als Erwachsene/-r heute eher in der Lage, das Auftreten einer Demenzsymptomatik bei einem Elternteil als mögliche Auswirkung einer Erkrankung zu interpretieren, einen Facharzt aufzusuchen, eine Demenzdiagnostik vornehmen zu lassen, sich professionelle Beratung und Unterstützung zu holen, um schließlich aus allen Informationen und Angeboten, die für den Betroffenen und die Angehörigen und ihre Familien beste Lösung der pflegerischen und sozial stimulierenden Versorgung (z. B. durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Tagesstätte) und der Wohn- und Lebenssituation (zu Hause, Wohngemeinschaft oder Pflegeheim) zu finden. Gudrun Piechotta-Henze Professorin für Pflegewissenschaft piechotta@ash-berlin.eu Anzeige Kino, Sparen, Kletter-Action! Nüscht wie hin: Im CineStar Hellersdorf sparst Du mit Deinem Studenten-Ausweis. Im BergWerk, Europas größtem Indoor Kletterpark, kannst Du vorheralice an die Decke gehen – alles in einem verbundenen Gebäude! Infos und Karten unter cinestar.de IM MITTELPUNKT I 43 Forschung Ein Touch, ein Klick – selbstbestimmt und aktiv im Leben?! Interdisziplinärer Studiengang zur Entwicklung innovativer Technologien und Dienstleistungen steht in den Startlöchern Wibke Hollweg, Franziska Kuck „Lieber ’nen Roboter im Haus als zur Pflege ins Heim?!“ lautete der Titel in der alice 24/2012 zur Vorstellung des Forschungsprojekts „Master Ambient Assisted Living“ (MAAL). Inzwischen hat das Thema Mensch und Technik weiter an Präsenz gewonnen, denkt man etwa an Errungenschaften der Unterhaltungs- und Automobilindustrie oder der Medizintechnik. Unter AAL versteht man Produkte und Dienstleistungen, die ein selbstbestimmtes und gesundheitsförderliches Leben ermöglichen und sich nahtlos in die Alltagsgestaltung einfügen. In ihrer Einfachheit und Intelligenz ergänzen sie fehlende oder geschädigte Sinne des Menschen in allen Lebensabschnitten. Beispielsweise verhindern Licht- und Sicherheitssysteme die Sturzgefahr im Wohnumfeld, Informations- und Kommunikationstechnologien stärken das soziale Netzwerk, barrierefreie Architektur ermöglicht verbesserte Mobilität und steigert die Partizipation am gesellschaftlichen Leben. Aber nicht nur für Menschen mit altersbedingten oder anderen Einschränkungen können AAL-Produkte oder -Umgebungen hilfreich sein. Auch Familien mit erhöhter Belastung oder soziale Einrichtungen können davon profitieren. Doch was bringt die Zukunft? Können Roboter die Lösung für den viel befürchteten Pflegekräftemangel sein oder sind technische Assistenzsysteme sogar in der Lage, Freiräume für menschliche Zuwendung zu schaffen? Hier sind noch viele Fragen unbeantwortet. Das Thema Technik für Menschen ist so innovativ und zukunftsweisend, dass ein ganzer Studiengang dafür konzipiert wurde. Seit 2011 arbeiten die ASH Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Ingrid Kollak, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sowie das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) und YOUSE GmbH an dessen Entwicklung. Fachkräfte sind gefragt Industrie und Wirtschaft haben in ihren Entwicklungs- und Forschungsabteilungen den Zukunftsmarkt der Technik für eine älter werdende Gesellschaft längst erkannt. Allerdings gibt es aktuell eine große Diskrepanz zwischen dem, was technisch möglich ist und dem, was sich in der Praxis bewährt. Innovative Technik ist nur dann erfolgreich, wenn sie von den Nutzerinnen und Nutzern akzeptiert wird und sich zuverlässig und praktikabel in den Alltag integrieren lässt. alice 44 I IM MITTELPUNKT Es fehlen Expertinnen und Experten mit fachübergreifenden Kompetenzen, welche die Bedarfs- und Bedürfnislagen der Nutzer/-innen frühzeitig in Entwicklungsprozesse einbeziehen. Der interdisziplinäre und berufsbegleitende Studiengang „Master Ambient Assisted Living“ greift genau dieses Erfordernis auf. Gerade aus den Gesundheitsberufen und der sozialen Arbeit sind Fachkräfte gefragt, die sowohl qualifiziert sind, Betroffene, Angehörige und Fachkräfte aus den Gesundheitsberufen zu beraten und anzuleiten, als auch die benutzerfreundliche Anwendbarkeit in Forschungsvorhaben zu integrieren. In diesem Masterstudiengang wird Fachwissen aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Design und Humanwissenschaften vermittelt, das in gemeinsamen praxisorientierten Projekten zur Anwendung kommt. Kreative, interdisziplinäre Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen nutzen ihre Erfahrungen und Kompetenzen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Das vorrangig über E-Learning vermittelte Studium findet an der HTW Berlin statt. An der ASH Berlin sind im Rahmen des Projekts Fortund Weiterbildungen zum Thema Mensch und Technik in den Pflege- und Gesundheitsberufen in Planung. Wibke Hollweg Wissenschaftliche Mitarbeiterin hollweg@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-282 Franziska Kuck Studentische Mitarbeiterin fkuck@ash-berlin.eu Forschung Pflege braucht Zukunft Das Forschungsprojekt „ZukunftPflege“ entwickelt ein Online-E-Learning-Portal für gesunde, qualifizierte häusliche Pflege Gernold P. Frank, Jana Gampe, Philipp Peusch Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist das Thema Pflege aktueller denn je. Die Anzahl der pflegebedürftigen Personen steigt zunehmend und parallel dazu verringert sich das Nachwuchspotenzial an Pflegekräften. Dieses geht einher mit steigenden Anforderungen an die Führenden der Pflegedienste und deren Führungsqualität. Das IFAF-Projekt „Häusliche Pflege in langlebiger Gesellschaft“ (PflegeLanG) der ASH Berlin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin widmete sich, unter der Leitung von Prof. Dr. Vjenka Garms-Homolová (ASH Berlin) und Prof. Dr. Gernold P. Frank (HTW) von Juli 2011 bis Juni 2013 dieser Ausgangssituation. Im Fokus stand die Gewinnung, Bindung und Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in häuslichen Pflegeeinrichtungen. Mittels Befragungen konnten Arbeitsbedingungen und -zufriedenheit eruiert und Interventionen für die befragten Pflegedienste abgeleitet werden. Daten der Geschäftsführung, examinierter Pflegekräfte und Mitarbeiter/-innen der Helferberufe und des Services wurden erhoben. Die schriftlichen Befragungen wurden in fünf Pflegediensten durchgeführt und 94 Fragebögen konnten ausgewertet werden. Von den Antwortenden arbeiteten 52 bei einem privaten und 36 bei einem freigemeinnützigen Träger. Vorrangig nahmen Frauen an den Befragungen alice teil. Das Durchschnittsalter lag im mittleren Alterssegment. Die Berufsabschlüsse vieler Mitarbeiter/-innen liegen weit zurück. Die Pflegenden beurteilten ihre Arbeit als wichtig, interessant und verantwortungsvoll. Ihre Belastungen bewerteten sie als niedrig bis moderat. Als problematisch betrachteten die Befragten das Zeitmanagement, u. a. wenn es um das Aushandeln und Einhalten von Terminen mit den Patientinnen und Patienten ging. Auch galt der Umgang mit den Patientinnen und Patienten als Ursache von Problemen. Auf diesen Gebieten wurden von den Befragten keine Fortbildungen absolviert, der Bedarf an Fortbildungen ist daher erheblich. Darüber hinaus zeigte sich in Gesprächen mit den Pflegeunternehmen, dass diese bereits intensiv um geeignete und qualifizierte Mitarbeiter/-innen konkurrieren. Aus den Ergebnissen der Studie abgeleitet, wurden vier tragfähige Maßnahmen zu den Themen „Feedback geben“, „Zeitmanagement in der Pflege“, „Interaktion und Verhandeln mit Angehörigen“ sowie „Gewinnung und Bindung von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ entwickelt und mit dem Pflegepersonal auf eigenen Fortbildungsveranstaltungen von PflegeLanG erprobt. © momius - Fotolia.com IM MITTELPUNKT I 45 Aus „PflegeLanG“ wird „ZukunftPflege“ Seit Oktober 2012 widmet sich nun, unter der Leitung von Prof. Dr. Gernold P. Frank und Prof. Dr. Carsten Busch (HTW) sowie Prof. Dr. Vjenka Garms-Homolová und Prof. Dr. Reinhold Grün (ASH Berlin), das Nachfolgeprojekt „Zukunftsportal für gesunde, qualifizierte häusliche Pflege“ (ZukunftPflege) der Aufgabe, das ganze Wissen aus der Studie gebündelt in ein Lernmanagementsystem zu integrieren. Im Rahmen des Projekts wurde ein Webportal erstellt, über welches sich Pflegemitarbeiter/-innen zukünftig unter der Rubrik „E-Learning“ online fortbilden können. Die erfolgreiche Integrierung des Moduls „Feedback geben“ in das Lernmanagementsystem ist eines der Resultate des laufenden Projektes. OnlineLernenden sollen mit diesem Modul die „Grundlagen und Grundsätze des Feedbackgebens“ und das Thema „Burnout“ vermittelt werden. Bis zum Projektende im September 2014 sollen weitere E-Learning-Module u. a. zu den Themen „Zeitmanagement in der Pflege“ und „Interaktion und Verhandeln mit Angehörigen“ umgesetzt, evaluiert und der Pflegewelt online zur Verfügung gestellt werden. Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin. Herr Frank ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, Herr Peusch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts. Kontakt gernold.frank@htw-berlin.de jana.gampe@htw-berlin.de philipp.peusch@htw-berlin.de alice Hörsaal Neues aus Studium und Lehre Alleinstellungsmerkmal festgestellt Start des neuen Masterstudiengangs „BNE“ im Sommersemester 2014 Albrecht Schwarz, Michael Brodowski Die Gutachterinnen und Gutachter der Akkreditierungsagentur AQAS e. V. haben das innovative Potenzial des weiterbildenden Masterstudiengangs „Netzwerkmanagement Bildung für nachhaltige Entwicklung – Schwerpunkt Kindheitspädagogik“ (BNE) bei der Vor-Ort-Begehung an der ASH Berlin im Februar 2014 hervorgehoben und ihm ein Alleinstellungsmerkmal zugesprochen. Der Studiengang ist berufsbegleitend konzipiert, dauert vier Semester (90 Credits) und schließt mit einem Master of Arts ab. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 6.000 Euro zuzüglich der jeweiligen Semestergebühren. Dieser Master ist ein Angebot für Absolventinnen und Absolventen aller BA-Abschlüsse innerhalb und außerhalb der ASH Berlin, die über eine qualifizierte Berufserfahrung von einem Jahr verfügen. alice Der Masterstudiengang bildet Expertinnen und Experten aus, die in der Lage sind, durch innovatives Netzwerkmanagement die Inhalte und Methoden einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit aktuellen Themen und Belangen der Kindheitspädagogik zu verknüpfen. Sie sind in der Lage, zukunftsrelevante Problemstellungen zu analysieren, die Interessen von Anspruchsgruppen zusammenzuführen und sie in einer partizipativ entwickelten Strategie mit ihnen gemeinsam umzusetzen. Neben wissenschaftlicher, forschungsorientierter Fundierung zeichnet den Masterstudiengang ein starker Praxisbezug aus. So werden die Studierenden (Mentees) während ihres Studiums in einem umfangreichen Mentorinnen- und Mentoren- © fotolia.com 46 I ALICE FORSCHT HÖRSAAL I 47 Anzeige programm (MENPRO) von Personen aus der Praxis mit langjähriger Berufserfahrung begleitet. Die Mentees werden mit Anforderungen vertraut gemacht, denen sich Stelleninhaber/innen des mittleren und oberen Managements gegenüber sehen. So lernen sie mit ihren Mentorinnen und Mentoren von Trägern sozialer Dienste, aus kindheitspädagogischen Einrichtungen, Senatsverwaltungen, Unternehmen des Gesundheitswesens oder aus Wirtschaftsunternehmen, Entscheidungen zu treffen, Ziele zu definieren und einen Fokus auf Nachhaltigkeitsmanagement zu legen. Nach Abschluss des Studiums steht den Absolventinnen und Absolventen ein breit gefächertes Tätigkeitsspektrum offen, weil in der Ausbildung auf ihre Fähigkeit zur konzeptionellen Arbeit ein besonderes Augenmerk gelegt worden ist. Wir sind neugierig! Schwerpunkte des Masters Das Studium ist geprägt von einer Theorie-Praxis-Reflexion und befasst sich mit drei komplexen Schwerpunkten, die immer gemeinsame Schnittmengen haben. Ein BNE-Bildungskonzept ist davon geprägt, niemanden auszuschließen, partizipativ zu arbeiten, zum Ausprobieren und Querdenken anzuregen; das eigene Handeln soll reflektiert, allen ein positives Lernen ermöglicht und die Entscheidungsfähigkeit der Partner/-innen gefördert werden. Auf dem Gebiet der Kindheitspädagogik weisen die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen trotz positiver Entwicklungen im Bereich der frühkindlichen Betreuung noch fachliche, organisatorische und personelle Defizite auf, da Entscheidungen für Familien und Kinder von unterschiedlichen Ebenen der Verwaltung getroffen werden und oft nicht aufeinander abgestimmt sind. Die für die jeweiligen Lebensabschnitte zuständigen Bildungseinrichtungen sollten sich deshalb frühzeitig als Beteiligte mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung begreifen und vernetzen. Im dritten Schwerpunkt erfolgt die Beschäftigung mit theoretischen Modellen, den realen Voraussetzungen und verborgenen Hinderungsgründen bei der Umsetzung guter Managementpraktiken, denn die Planung und Steuerung einer auf Nachhaltigkeit angelegten Infrastruktur kommt heute ohne Netzwerkarbeit nicht mehr aus. Was gefällt an der alice? Wie können wir das Magazin verbessern? Wir freuen uns über Feedback an: presse@ash-berlin.eu Informationen zum Master www.tinyurl.com/master-bne Albrecht Schwarz Projektmitarbeiter albrecht.schwarz@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-209 Michael Brodowski Professor für Leitung und Management frühpädagogischer Bildungseinrichtungen brodowski@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-209 alice 48 I HÖRSAAL Human Rights in Action The Master‘s Program “Social Work as a Human Rights Profession” starts in September 2014 Katharina Gallant Today human rights are constantly mentioned in the media – usually in the context of these rights being disregarded and people being deprived of basic civil liberties. However, not only the media are a forum of discussion on human rights. These are also of utmost concern within the scientific community discussing both the potential and shortcomings of human rights. The scholarly discourse on human rights is highly appealing but it is often very abstract. In response to this observation, the Alice Salomon University of Applied Sciences is delighted to expand its postgraduate study offerings to include the Master of Arts in “Social Work as a Human Rights Profession” (SWHR). The program is designed to integrate the discourse of human rights into the theory and practice of social work. This new program combines a major topic in the international discussion on humanitarianism with ASH-Berlin’s long-standing tradition in the field of social work. Human rights and social work frequently encountered each other in work with vulnerable groups such as children or migrants. Here special attention is necessary when dealing with issues related to the right to healthcare, the relief of poverty, and the remedy of social exclusion or discrimination with regard to a person’s gender or as a result of racism. Hence all these issues are covered in the various modules of the SWHR. The SWHR‘s vision for its graduates is one of professional selfconfidence with special emphases on the triple mandate of social work: consideration of the addressees and their social background as well as those of the social service providers; attention to science-based theories of action and intervention, and a solid grounding in the profession’s code of ethics. alice The SWHR is designed as a research-oriented program. It is partially internet-based thus allowing students to combine their studies with sojourns abroad. International experience and orientation are welcomed and encouraged They are strengthened through the cooperation of partners included in the development and realization of this Master‘s program, including the Center for Postgraduate Studies of Social Work, the Coburg University of Applied Sciences and Arts, Malmö University, the University of Gothenburg, the University of Ljubljana, and the University of Strathclyde. The orientation of the SWHR is designed to meet the requirements of the job market, enabling graduates to work in the social services as free-lancers, or in international governmental, non-governmental and private sector organizations, aiming at their qualification for key roles in achieving social change. Candidates who wish to study SWHR must be highly motivated in this field. They must also already have an undergraduate degree in the social sciences, law, humanities and/or cultural sciences, at least one year of work/practical experience in a relevant field, and a strong command of the English language. The SWHR is offered every September and runs over four semesters (120 ECTS). More information www.tinyurl.com/master-swhr Katharina Gallant Program Manager SWHR swhr@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-333 HÖRSAAL I 49 Und nach dem Studienabbruch? „Looping Berlin“ bietet individuelle Bildungsberatung Regine Schenkenberger, Marc Butzbach Ein Drittel aller Bewerberinnen und Bewerber für ein Studium an der ASH Berlin verfügt nach Schätzung des StudierendenCenters über Studienzeiten aus einem vorherigen, abgebrochenen Studium. Die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) konstatiert in ihrer Studie von 2008 sogar, dass jede/r fünfte Studierende in Deutschland das Studium abbricht. Studienabbruch ist von anderen Formen der studiumsbezogenen Fluktuation zu unterscheiden und wird trotz komplexer Ursachen häufig als eine Form individuellen Scheiterns und institutionellen Misserfolgs betrachtet. Jedoch sind die Gründe und Ursachen für einen Studienabbruch vielfältig. Die Motive für den Studienabbruch lassen sich in äußere (Studienbedingungen, Betreuungsleistungen, Studienfinanzierung etc.) und innere (Studienwahlmotivation, Leistungsvermögen etc.) unterscheiden, wobei auch die soziale Herkunft als Einfluss auf den Studienabbruch nachgewiesen werden konnte. Zwei Drittel der Studienabbrecher/-innen geben Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe und mangelnde Studienmotivation als Abbruchgrund an. 1. Aufbau und Etablierung eines zentralen Themenportals aller Berliner Angebote zum Thema Studienabbruch, 2. Aufbau und Etablierung eines Kooperationsnetzwerkes der beteiligten Akteurinnen und Akteure sowie interessierten Fachkreise (Hochschulteams, Studentenwerk, berufliche Bildungsberatung), 3. Aufbau eines ergänzenden Beratungsangebots für Studienabbrecher/-innen. Offen – unabhängig – extern In der Looping Beratungsstelle wird auf Studienabbrecher/-innen mit fehlender Bindung an Support-Strukturen ihrer Hochschule individuell eingegangen. Sie werden dabei unterstützt, eine zeitnahe Klärung ihrer momentanen Situation und eine Standortbestimmung vorzunehmen, um alternative berufliche Perspektiven zu entwickeln. Die Beratung erfolgt unabhängig, extern, niedrigschwellig und themenübergreifend. Ergänzendes Beratungs- und Netzwerkkonzept Einigen Studienaussteigerinnen und -aussteigern gelingt es ohne formalen Abschluss in anspruchsvollen Tätigkeitsfeldern beruflich Fuß zu fassen. Andere finden keinen Anschluss an den Arbeitsmarkt oder arbeiten unter ihrem Qualifikationsniveau. Das Modellprojekt „Looping Berlin“ der zukunft im zentrum GmbH nimmt sich dieser Thematik an und hat ein ergänzendes Beratungs- und Netzwerkkonzept zur gezielten Ansprache und kompetenzorientierten Förderung von Studienabbrecherinnen und -abbrechern entwickelt. „Looping Berlin“ berät seit Ende 2011 und wird durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen im Rahmen von BerlinArbeit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Bislang fanden 521 Beratungen mit 229 Personen statt. Von den nachbefragten Studienabbrecherinnen und -abbrechern nahm knapp ein Drittel eine Arbeit auf, ein Fünftel führt das begonnene Studium fort, ein Sechstel beginnt eine Ausbildung und die Übrigen starten Suchbewegungen wie etwa Praktika. Bildungsberatung unterstützt auch immer die Reflektion der ursprünglichen Entscheidungsmotive und -gründe, so dass mögliche Karriereaussichten oder finanziell reizvolle Aspekte zugunsten von individuell sinnstiftenderen Studienfächern, wie etwa ein Studium der Sozialen Arbeit an der ASH Berlin, in den Hintergrund treten.  Aufgaben von „Looping Berlin“ Dabei soll das Programm über die aktuell bestehenden Angebote hinausgehen, das Zusammenwirken der Akteurinnen und Akteure unterstützen bzw. diese durch Kooperationen bündeln, Transparenz über die Angebots- und Beratungsstruktur herstellen und spezifische zielgruppenadäquate Beratungsoder Ausbildungsangebote etablieren. Einzelne Aufgaben von „Looping Berlin“ sind: Regine Schenkenberger Bildungsberaterin info@looping-berlin.de Marc Butzbach Projektberater m.butzbach@ziz-berlin.de alice Erweitertes Angebot, konkreter Support Aktuelles aus dem Zentrum ASH-IQ Urte Böhm, Claudia Kretschmann, Silvia Oitner, Peter Schmidt Mit Abschluss der Berufungen der drei Professorinnen Prof. Dr. Heidi Höppner, Prof. Dr. Corinna Schmude und Prof. Dr. Barbara Schäuble ist das Team des Zentrums ASH-IQ seit dem Wintersemester 2013/14 komplett. Gemeinsam kann nun der Weg Richtung (Weiter-)Entwicklung innovativer, interdisziplinärer und studiengangsübergreifender Lern- und Lehrformate, Förderung des Hochschulzugangs sowie Verbesserung der Studienbedingungen und Flexibilisierung des Studiums durch E-Learning und Blended-Learning-Angebote beschritten werden (1). Hier ein Einblick in ausgewählte aktuelle Aktivitäten des Zentrums: Mit dem Ziel, Barrieren hin zum Studium abzubauen und das Profil der Hochschule für potenzielle Studieninteressierte transparent zu machen, hat das Projekt „ASH Berlin macht Schule“ (zuvor Schulkampagne) sein Angebot erweitert. Das Team bietet neben Informationsveranstaltungen an der ASH Berlin und in entsprechenden Bildungseinrichtungen Jugendlichen und Personen, die über den zweiten und dritten Bildungsweg studieren wollen, die Möglichkeit, vor dem Studium an Lehrveranstaltungen teilzunehmen, sich auf Sozialpraktika vorzubereiten oder bei Workshops zu einem Schwerpunktthema der ASH Berlin dabei zu sein. Inzwischen liegen die ersten Ergebnisse der regelmäßigen ASH-IQ Studieneingangs-, Studienverlaufs- und Studienabschlussbefragungen vor und dienen als Grundlage für die weitere Arbeit. Dem u. a. hier ausgedrückten Wunsch nach besseren Möglichkeiten für studentische Beteiligung entsprechend, unterstützt das ASH-IQ studentische Initiativen. Ferner werden im Rahmen des Förderprogramms für die Unterstützung innovativer Lehrformate „ASH-IQ plus“ künftig auch studentisch organisierte Lehrveranstaltungen gefördert. Die „ASH-IQ-Lehrwerkstatt“, die sich an alle Lehrenden der ASH Berlin richtet, bietet hochschuldidaktische Weiterbildun- alice gen im Kurz- und Mini-Format sowie das Forum GuLe2 für den kollegialen Austausch zu Fragestellungen rund um „Gute Lehre“. Konkreter Support im Bereich E-Learning wird durch die E-Learning-Service-Stelle (ELeS) bereitgestellt, deren Team durch die Einstellung zweier E-Tutoren nun auch komplett ist (2). Timo Siwek unterstützt bei der Arbeit mit der Lernplattform „Moodle“ und betreut den Einsatz des Konferenzsystems „Adobe Connect“. Die Arbeitsschwerpunkte von Markus Friedrich sind Aufzeichnung und Schnitt von Videos. Mit der Einrichtung eines studiengangsübergreifenden Wahlbereichs für die Bachelorstudiengänge zum Sommersemester 2014, unterstützt und begleitet durch das ASH-IQ, wird die Hochschule neue Wege gehen, um interdisziplinäre Potenziale zu stärken, Studierende noch besser auf die Zusammenarbeit in interprofessionellen Teams vorzubereiten und breitere Wahlmöglichkeiten im Studium zu eröffnen. Derzeit bereitet das ASH-IQ den Hochschultag zum Thema „Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung – Studium und Lehre gestalten“ vor, welcher am 18. Juni 2014 stattfinden wird. (1) Urte Böhm, Claudia Kretschmann (2012). „Zentrum ASH-IQ: Mission Impossible. Licht an! Innovation und Qualität in Studium und Lehre“, in: alice Magazin, Nr. 23, S. 37f. (2) Peter Schmidt (2013). „Unterstützung innovativer Lehr- und Lernformate. Die neue E-Learning-Servicestelle (ELeS)“, in: alice Magazin, Nr. 26, S. 62. Die Autorinnen und der Autor sind Mitarbeiter/-innen im Zentrum ASH-IQ. Kontakt piqsl@ash-berlin.eu www.ash-berlin.eu/ashiq © R_K_by_Gisela Peter_pixelio.de 50 I HÖRSAAL HÖRSAAL I 51 Erlebnisse haben Konjunktur! Neuer Zertifikatskurs zur Erlebnispädagogik Harald Michels, Susanne Töpfer „Es ist die Aufgabe der Erlebnispädagogik, dem Leben das Geheimnis, das in der Moderne zu verschwinden droht, zurückzugeben.“ Kurt Hahn Immer mehr Menschen suchen Erlebnisse als sinnliche und manchmal auch abenteuerliche Fluchtpunkte. Längst hat der Erlebnismarkt mit zahlreichen Verlockungen, oft verbunden mit natursportlichen Aktivitäten und abenteuerorientierten Programmen, reagiert. Das Spektrum der Angebote, auch der professionellen Weiterbildungen, ist daher vielfältig. Die Umstrukturierung der Bildungs- und Schullandschaft, Inklusion, Klassen mit schwierigeren Kindern und Jugendlichen stellen neue Anforderungen und Herausforderungen an ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen. Das Zentrum für Weiterbildung der ASH Berlin hat daher 2013 in Anlehnung an die formulierten Qualitätsstandards des Bundesverbandes für Individual- und Erlebnispädagogik „be“ einen „Zertifizierungskurs zur Erlebnispädagogin / zum Erlebnispädagogen“ entwickelt. Mit dem von Prof. Dr. Harald Michels und DiplomPädagogin/Mediatorin Susanne Töpfer erarbeiteten Konzept startete im April 2013 der erste Durchgang mit 17 Teilnehmenden. Der Zertifikatskurs beinhaltet 12 Module. Mit vielen Aufgaben wurden die Teilnehmenden konfrontiert, sei es in der Höhe beim Klettern, auf dem Wasser mit Floß oder Kanu oder im Gelände mit Landkarte, Kompass und GPS. Eine große Rolle spielte auch die Herausforderung, sich selbst neu zu begegnen, zu hinterfragen, zu reflektieren, Teil einer neuen Gruppe zu sein und sich in einem prozessorientierten Kontext einzubringen. Die Inhalte und methodische Auswahl der Bausteine sind keineswegs nur aktions- oder abenteuerorientiert. Theoretische Schwerpunkte bildeten immer wieder das wichtige Fundament, um die Erlebnispädagogik als pädagogisches Konzept und als etwas Besonderes darzustellen. Theorien zur Kommunikation, Kultur, Ästhetik, Semiotik, Bewegung und Sport, Reflexion und Transfer, Rollen- und Gruppentheorien, wurden mit den Teilnehmenden bearbeitet und in die Praxis übertra- alice 52 I HÖRSAAL Anzeige gen. So lebte der Kurs von einem stetigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis, der auf Wunsch der Teilnehmenden auch Vertiefungen der Inhalte zuließ. WER NICHT NEUGIERIG IST, ERFÄHRT NICHTS. (Johann Wolfgang von Goethe) Stets war auch der Übertragungsprozess in die Praxis und das eigene Tätigkeitsfeld bedeutsam. Die Spielübungen wurden von Beginn an so ausgewählt, dass sie mühelos und ohne größeren finanziellen und materiellen Aufwand in unterschiedliche Handlungsfelder übertragen werden konnten. Jeden freien Raum an der ASH Berlin eroberte der Kurs bei den unterschiedlichen Modulen und theoretischen Schwerpunkten zum Üben und Spielen. Ziel war und ist die Erlangung eines Methodenkoffers für die Erziehungs- und Handlungskompetenzen. Der „Koffer“ bzw. das „Säckchen“ ist nach einem Jahr bereits sehr voll geworden. Der Kurs steht nun kurz vor der Zertifizierung. Im April 2014 finden die Abschlussprüfungen statt und dann heißt es: Auf zu neuen Wegen! Und die Pädagogik-Arbeitsfelder sind um 17 Fachkräfte und qualifizierte Erlebnispädagoginnen und -pädagogen reicher. TAG DER OFFENEN TÜR 2014 ALICE SALOMON HOCHSCHULE BERLIN 13. JUNI 2014, 10.00 bis 16.00 UHR Harald Michels Professor für Kultur, Ästhetik, Medien mit Schwerpunkt Sport- und Erlebnispädagogik an der Fachhochschule Düsseldorf harald.michels@fh-duesseldorf.de Susanne Töpfer Diplom- Pädagogin/Mediatorin bei Kurzzeithelden gGmbH s.toepfer@kurzzeithelden.net alice ALICE FORSCHT I 53 alice forscht Forschung und Praxistransfer Alice Salomons Werk erforschen – aber wie? INSAS. Ein Informationssystem zu kontext-bezogener Suche, Navigation und Visualisierung von Informationen Adriane Feustel So interessant und aktuell Alice Salomons Werk ist, so schwierig ist es, es zu rezipieren. Das liegt an der Vielfältigkeit, Komplexität und dem großen Umfang des Werkes mit unter anderem mehr als 500 Artikeln und Aufsätzen. Gerade die kleinen Texte zu unterschiedlichsten Tagesproblemen zeigen die Vielfältigkeit des Werkes und die Kontexte, in denen Alice Salomon Soziale Arbeit – gewissermaßen selbst als eine Methode der Kontextualisierung – entwickelt hat. Wie lassen sich nun diese Kontexte finden? Eine Antwort auf die Frage bietet die Software INSAS mit neuen Formen der „Informationsvisualisierung, Navigation und kontextbezogener Suche“ basierend auf einer breiten Auswahl von Schriften Alice Salomons und weiteren Quellen. Sie wurde vom Alice Salomon Archiv und IT-Wissenschaftlern der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin – unter Beteiligung von Partnerinnen und Partnern aus Berliner Wirtschaftsunternehmen und Archiven und gefördert vom Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin – entwickelt. Wie funktioniert das Programm? © fotolia.com Ein Beispiel anhand der naheliegenden Frage „Welche Rolle hat Forschung im Werk Alice Salomons gespielt?“ soll einen ersten Einblick geben. Eine traditionelle Suche zum Stichwort alice 54 I ALICE FORSCHT „Forschung“ zum Beispiel in der Bibliografie der Schriften Alice Salomons führt nur zu einem einzigen Text aus dem Jahr 1928. INSAS bietet weitergehende Möglichkeiten. In der Suchmaske der Software lassen sich gleichzeitig verschiedene Schlagwörter eingeben, etwa „Forschung / Untersuchung / Methoden / Wissenschaft“. Zusätzlich kann man Personennamen wie z. B. Beatrice Webb und Orte, hier „England“ als Beispiel, hinzufügen. Als Resultat erscheinen zwölf bis 36 Titel aus den Jahren 1900 bis 1933 zu unterschiedlichsten Themen, die man spontan nicht in einen Zusammenhang bringen würde, wie etwa „Die Kunst Enquêten zu machen“ (1900), „Zur Verteidigung der Arbeiterschutzgesetze“ (1902), „Beatrice Webbs Kampf gegen die Armut“ (1926) und „Die wissenschaftlichen Grundlagen der sozialen Arbeit“ (1933). INSAS zeigt an, in welchem Maße jeder der Treffer die eingegebenen Suchkriterien erfüllt, generiert Zusammenhänge zwischen den Texten und stellt sie symbolisch übersichtlich dar. Zu jedem Text sind Kurzinformationen (Autor/-in, Jahr, Personen, Orte) abrufbar, die eine erste Orientierung und Anhaltspunkte zur Vertiefung der Recherche geben. Ein Klick auf das jeweilige Symbol öffnet den gesamten Text, in dem sich nun lesen und weitersuchen lässt. INSAS Demonstrator: Visuell sortierte Anzeige von ermittelten Dokumenten zu einer Suchanfrage Die vorliegende Fassung der Software INSAS ist eine Testversion, die für die Exploration der Schriften von Alice Salomon und für die Erprobung und Überprüfung des Programms genutzt werden kann. Das Alice Salomon Archiv beabsichtigt, INSAS auf seiner Webseite zugängig zu machen. Mehr Informationen www.tinyurl.com/projekt-insas Adriane Feustel ehem. Leiterin des Alice Salomon Archivs (2000 – 2013) feustel@ash-berlin.eu alice Für den Erzieher/innenberuf (ver)brennen? Ergebnisse des Forschungsprojekts STEGE Maria Schumann, Elvira Mauz, Susanne Viernickel, Anja Voss Wie bewerten Erzieherinnen und Erzieher ihren subjektiven Gesundheitszustand? Welche Ressourcen und Belastungsfaktoren beeinflussen das körperliche und psychische Wohlbefinden, die Arbeitsfähigkeit und -zufriedenheit? Und welche Rolle spielen die strukturellen Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen in diesem Zusammenhang? Dies sind die forschungsleitenden Fragen des Projektes „Strukturqualität und Erzieher/-innengesundheit in Kindertageseinrichtungen“ (STEGE), das von Oktober 2010 bis Dezember 2012 an der ASH Berlin durchgeführt wurde. Auftraggeberin war die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen (UK NRW), unterstützt durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Mit der Teilnahme von insgesamt 2.744 pädagogischen Fach- und Leitungskräften aus 809 Kindertageseinrichtungen Nordrhein-Westfalens konnten für die Trägerstruktur der dortigen Kindertageseinrichtungen repräsentative Daten via (Online-)Fragebogen gesammelt und ausgewertet werden. Vertiefend zu den quantitativen Analysen wurden mit 14 Teilnehmenden der schriftlichen Befragung Interviews über ihre persönlichen Sichtweisen sowie ihre Bewertungs- und Bewältigungsstrukturen geführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Erzieher/-innen ihren subjektiven Gesundheitszustand im Vergleich zu Frauen gleichen Alters und gleicher Bildung (1) deutlich schlechter bewerten. Ferner fühlen sie sich häufiger aufgrund gesundheitlicher Probleme in ihrem alltäglichen Handeln eingeschränkt. Hierfür sind neben Muskel-Skelett-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und neurologischen Erkrankungen auch psychische Beeinträchtigungen verantwortlich. So wurde bei jeder zehnten pädagogischen Fachkraft in Nordrhein-Westfalen während der letzten zwölf Monate ein psychovegetatives Erschöpfungssyndrom – ein Burnout – ärztlich diagnostiziert. Anzeige ALICE FORSCHT I 55 Karriereplanung der ASH Berlin Themen SoSe 2014 Die Termine und das ausführliche Programm finden Sie auf unserer Webseite www.ash-berlin.eu/karriereplanung Rubrik „Workshops und mehr …“ © hikrcn - Fotolia.com Bewerbungstrainings und -beratung • Bewerbungsunterlagencheck • Mit Bewerbungsunterlagen überzeugen • Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch • Beratung und Coaching zur beruflichen Orientierung, zum Berufseinstieg und zur Bewerbung Existenzgründung/Selbstständigkeit im sozialen, gesundheitlichen und pädagogischen Bereich Die Rahmenbedingungen scheinen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle zu spielen: Körperliche und psychische Beschwerden finden sich um ein Mehrfaches häufiger bei Erzieherinnen und Erziehern mit schlechten strukturellen Rahmenbedingungen gegenüber denjenigen mit guten Rahmenbedingungen. Sie weisen häufiger verschiedene Erkrankungen auf, sind psychisch stärker belastet, haben eine schlechtere Arbeitsfähigkeit und ein höheres Risiko, ein Burnout zu erleiden. Als wichtige Ressourcen am Arbeitsplatz Kindertagesstätte wurden u. a. ein guter Personalschlüssel, Abwechslungsreichtum bei den Arbeitsprozessen, ein positives Teamklima, Einfluss- und Mitsprachemöglichkeiten sowie ein adäquates Verhältnis zwischen Anforderung und Anerkennung identifiziert. Aus den Studienergebnissen wurden Eckpunkte für ein betriebliches Gesundheitsmanagement in Kindertagesstätten entwickelt, das verschiedene Verantwortungsebenen (Politik und Gesellschaft, Träger, Fach- und Leitungskräfte) in den Blick nimmt. (1) Robert Koch-Institut, Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010“, 2012. Die Autorinnen sind Mitarbeiterinnen der Firma insa Gesundheitsmanagement, des Robert Koch Instituts sowie Professorinnen an der ASH Berlin. • Gründungsideen finden, neue Märkte entdecken was muss ich als Gründer/in mitbringen? • Selbstständig in der Sozialwirtschaft: Wie gründe ich eine Kita und welche (teil-)selbstständigen Perspektiven gibt es? • Erfolgreich gründen: Von der guten Idee zur guten Organisation - Rechtsform, Struktur und Finanzierung Berufsqualifizierende Trainings • Mit Nachdruck eine klare Botschaft vermitteln - Stimm- und Sprechtraining • Rede - Gespräch - Argumentation. Rhetorische Kompetenz für Studium und Beruf. • Teamarbeit in sozialen Berufen - Teamfähigkeit trainieren, Gruppenprozesse verstehen, sich in Teams entwickeln • Perspektivenwechsel: Vom Mitarbeiten zum Führen Führungsfragen und Kommunikation • Stressbewältigung durch Achtsamkeit • Europäischer Qualitätsmanagement-Führerschein mit Qualifizierung zum/zur QM-Beauftragten und internen Auditor/in (EQML+) Karrieremöglichkeiten und Perspektiven • Das Studium ist zu Ende! Was nun? Ein Überblick über Angebote und Leistungen der Arbeitsagentur • Inklusion – was kann ich tun? Fachkräftemangel mit DGS-Kompetenz im Pädagogischen Bereich (DGS=Deutsche Gebärdensprache) Mehr Informationen www.kita-forschung.de • Auf dem Weg in die Karriere - Promotion als Meilenstein Kontakt m.schumann@insa-gm.com e.mauz@rki.de viernickel@ash-berlin.eu anja.voss@ash-berlin.eu • Master nach Plan! Informationen rund um den konsekutiven Masterstudiengang Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik • Bezahlung, Honorarhöhe, Gehaltsverhandlungen von der Wertschätzung meiner Arbeit • Weiterkommen im Beruf: Informationen zum EQML+ mit Qualifizierung zum/zur QM-Beauftragten und internen Auditor/in Mehr Informationen: www.ash-berlin.eu/karriereplanung alice 56 I ALICE FORSCHT Systematischeres Handeln, erhöhte Reflexivität, verbesserter Selbstschutz Forschungsergebnisse zu den Wirkungen des Zertifikatskurses „Fachberatung für Opferhilfe“ Jutta Hartmann, Solvig Höltz Seit 2008 bietet das Weiterbildungszentrum der ASH Berlin in Kooperation mit dem Arbeitskreis der Opferhilfen in Deutschland (ado) e. V. den Zertifikatskurs (ZK) „Fachberatung für Opferhilfe“ an. Der Kurs wendet sich an Praktiker/-innen in sozialen, gesundheitlichen und bildungsbezogenen Bereichen, die im beruflichen Kontakt zu Opfern von Straf- bzw. Gewalttaten stehen. Ziel ist es, Informationen und Techniken für ein qualifiziertes, aus der Perspektive von Opferbelangen fachlich fundiertes Handeln zu vermitteln. In einem Forschungsprojekt wurde von Oktober 2012 bis März 2013 erhoben, wie die Teilnehmenden der Weiterbildung die Wirkung des Kurses in ihrer konkreten Opferhilfepraxis wahrnehmen. Von Interesse war u. a. ob, und wenn ja inwiefern, die Teilnahme am Kurs zu einer erhöhten Handlungssicherheit führt und inwieweit er die Teilnehmenden anregt, eine professionalisierte Berufsidentität zu entwickeln. Die summative Evaluation mit formativen Elementen war zweistufig konzipiert: es wurden neben qualitativen auch quantitative Methoden (Interviews und Fragebögen) angewandt. „Motivationsschub“ durch Kursteilnahme Die Ergebnisse der Untersuchung belegen sowohl direkte als auch indirekte Effekte des Kurses: Zu den wahrgenommenen unmittelbaren Wirkungen zählt insbesondere ein systematischeres Handeln gepaart mit erhöhter Reflexivität. Darüber hinaus erleben die Teilnehmenden ihr Arbeiten als theoretisch fundierter und geben einen besseren Selbstschutz an. Dies machen sie etwa daran fest, den alice ALICE FORSCHT I 57 Adressatinnen und Adressaten erklären zu können, „was gerade mit ihnen passiert, was sie gerade erleben und auch durchmachen“ und Techniken erlernt zu haben, um belastende Bilder, die durch Erzählungen von Hilfesuchenden in ihrem Kopf sind, loszulassen. Weitere Wirkungen beziehen sich auf die Sensibilität für Opferbelange. So geben einige Befragte an, durch die Kursteilnahme mehr Verständnis entwickelt zu haben, was ein Gewaltopfer während der Tat, während der Behördengänge und bei den Gerichtsverhandlungen durchlebt. Weiter erfolge über die Kursteilnahme ein „Motivationsschub“. Das Arbeitsfeld werde als wertgeschätzt und wichtig genommen erfahren, das Bewusstsein über dessen Komplexität und über die Verantwortung der Tätigkeit steige. Durchgängig werden das Erlernen spezieller Methoden und Übungen sowie deren praktische Anwendung während der Fortbildung als Grund gestärkter Handlungssicherheit angeführt. Mit Blick auf die Klientinnen und Klienten der Kursteilnehmenden lassen sich mittelbare Effekte des ZK feststellen. Die Hilfesuchenden würden sich von den Kursteilnehmenden besser verstanden fühlen und mehr Vertrauen zeigen. Sie „schätzen die Professionalität der Arbeit“, was die Befragten u.a. an der „positiven Resonanz“ auf die Beratung festmachen. Darüber hinaus wirkt sich die Teilnahme am ZK auf Kolleginnen und Kollegen, Netzwerk- und Kooperationspartner/-innen aus; der Fachaustausch werde intensiver, eine gezieltere Zusammenarbeit sei möglich. angemessenen Interaktion sowie auf Verstehen und methodisch geleitetem Beraten basieren. Zusammen mit den indirekten Wirkungen auf die Klientinnen und Klienten und das Arbeitsumfeld der Befragten belegt die Studie, dass der ZK im Zusammenklang von Wissen, Können, Haltung und professioneller Identität Bildungsprozesse zu einer „habitualisierten Befähigung“ (2) im Umgang mit von Straf- bzw. Gewalttaten betroffenen Menschen im Sinne eines professionalisierten Handelns zu befördern vermag. Die von den Kursteilnehmenden angegebenen Wirkungen arbeiten einer qualitativ hochwertigen Beratungstätigkeit im Feld der Opferhilfe zu (1). Sie entsprechen den Kennzeichen einer professionellen Problembearbeitung, die auf einer wissenschaftlich begründeten Fallreflexion, einer der Situation Solvig Höltz Absolventin des Masterstudiengangs „Praxisforschung in Pädagogik und Sozialer Arbeit“ solvig.hoeltz@ash-berlin.eu (2) Dewe, Bernd/Otto, Hans-Uwe (2011). „Professionalität“, in: Otto, Hans-Uwe/Thiersch, Hans (Hg.): Handbuch Soziale Arbeit. München, S. 1144. Jutta Hartmann Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit jutta.hartmann@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-529 Spazierblicke Anzeige AUstausch in BEWEGUNG (1) Siehe Hartmann, Jutta und ado e. V. (Hg.) (2010). Perspektiven professioneller Opferhilfe. Theorie und Praxis eines interdisziplinären Handlungsfelds. Wiesbaden. Die Reihe „Spazierblicke“ veranstaltet das Kooperationsforum Marzahn-Hellersdorf – ASH Berlin. Jeder dieser Stadtteil(ver!)führungen soll einen anderen,neuen, fremden Blick aufHellersdorf und den Bezirk eröffnen. Die nächsten Spazierblicke: 13. Mai, 13.00 bis 15.00 Uhr: „Hellersdorf aus Sicht der Bienen“ 17. Juni, 15.00 bis 19.00 Uhr: „Selbstorganisierte Projekte in Hellersdorf“ Start jeweils: Haupteingang der ASH Berlin Kontakt: fehren@ash-berlin.eu alice © Chris Grodotzki 58 I Seitenwechsel Seitenwechsel Einblicke in die Praxis Soziales Praktikum?! 0 Euro sind nicht genug! Erste Umfrageergebnisse der Initiative „Netzwerk prekäres Praktikum“ geben Anlass zur Sorge Andreas Glöckner „Wie üblich bezahlen wir nichts im Praktikum“, „Wir haben doch alle mal ein Praktikum gemacht“ oder „Wo sollen wir es denn hernehmen?“ Mit solchen oder ähnlichen Aussagen sehen sich Studierende konfrontiert, die eine Vergütung und damit Anerkennung für das, was sie im Praktikum leisten, einfordern. Eben diese Erfahrungen und die Empörung darüber nahmen Studierende zum Anlass, sich in einem Netzwerk zusammenzuschließen. alice Das „Netzwerk prekäres Praktikum“ ist eine StudierendenInitiative der Berliner Hochschulen für Sozialwesen und seit Anfang 2013 aktiv. Zentrale Forderungen sind die Vergütung studienintegrierter Praktika und die Umsetzung ausbildungsbezogener Mindeststandards im Studium der sozialen Berufe. Zur Darstellung der sozialen und ökonomischen Situation Studierender sozialer Professionen in Berlin führte das „Netzwerk prekäres Praktikum“ im Oktober 2013 eine Befragung durch, Seitenwechsel I 59 Bei der „Umfairteilen“-Demonstration im September 2013 an der sich 1.800 Studierende beteiligten. Die erhobenen Daten werden derzeit ausgewertet. Angesicht veränderter lebens-, bildungs- und berufsbiografischer Bedingungen sowie struktureller Veränderungsprozesse sozialer Berufe müssen sich Studierende neuen Herausforderungen stellen. Einige dieser gewandelten Anforderungen können nun in der Auswertung der Umfrage aufgezeigt werden. (1) Erwerbstätigkeit „unbedingt nötig“ Grundsätzlich bestreitet ein Großteil der Befragten seine Existenz aus mehreren Einkommensquellen. Dabei erhalten weniger als die Hälfte BAföG oder werden durch die Eltern unterstützt. Knapp zwei Drittel gehen mit durchschnittlich etwa 37 Stunden im Monat einer Erwerbsarbeit nach. Mehr als 40 Prozent arbeiten 54 Stunden und mehr im Monat. Sowohl während des Studiums allgemein als auch im Praktikum ist BAföG für viele die Haupteinkommensquelle. Eine Verschiebung gibt es im Praktikum jedoch bezüglich der Erwerbsarbeit. Ist sie während des Studiums noch die zweitwichtigste Einkommensquelle, rückt während des Praktikums die Finanzierung durch die Eltern an diese Stelle und weist damit auf die knappen zeitlichen Ressourcen während der Praxisphase hin. Vielen Studierenden bleibt nichts anderes übrig, als einem oder mehreren Nebenjob(s) nachzugehen. So schätzen mehr als drei Viertel ihre Erwerbstätigkeit als „unbedingt nötig“ ein. Belastung im Praktikum Mehr als 70 Prozent nehmen sich während der Praxisphase als „eher stark“ oder „stark“ belastet wahr. Dies scheint angesichts dessen, dass über 80 Prozent eine „vollwertige Arbeit im Sinne einer Fachkraft“ und etwa 70 Prozent „eine für die Einrichtung unentbehrliche Arbeit“ leisten nicht verwunderlich. Für über zwei Fünftel überstieg das Maß an Verantwortungsübernahme das einer Praktikantin oder eines Praktikanten. Anlass zur Sorge bereitet, dass knapp die Hälfte angibt, nur einmal monatlich oder seltener Anleiter/-innengespräche zu führen und dass deren Dauer bei knapp einem Drittel 30 Minuten und weniger beträgt. Lediglich jede/-r Zehnte gibt die von den Hochschulen festgeschriebene Dauer von 46–60 Minuten an. Detaillierte Aussagen lassen sich nach der gründlichen Analyse des Datenmaterials treffen und werden vom „Netzwerk prekäres Praktikum“ voraussichtlich im Herbst 2014 veröffentlicht. (1) Die angegebenen Häufigkeiten beziehen sich auf die von Svenja Ketelsen im Rahmen ihrer Masterthesis „Praktika in sozialen Berufen – Eine empirische Studie zur sozioökonomischen Lebenssituation von Studierenden“ (2014) ausgewerteten Daten. Mehr Informationen www.prekaerespraktikum.com Andreas Glöckner Student der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin prekaeres.praktikum@gmx.de Kreatives Schreiben als perfekte Methode Erste promovierte Absolventin des Masterstudiengangs „BKS“ Angelika Weirauch war in der zweiten Studiengruppe des Masterstudiengangs „Biografisches und Kreatives Schreiben“ (BKS) an der ASH Berlin und hat an der Technischen Universität Dresden im Fach „Erziehungswissenschaften“ über Frauen mit Behinderungen promoviert. Als Forschungsmethode hat sie das Kreative Schreiben verwendet. Angelika Weirauch, wie ging es für Sie nach dem Master weiter? Nach dem Abschluss in 2009 arbeitete ich erst einmal weiter in einem Verein für Frauen mit Behinderungen, in dem ich zu der Zeit bereits mehr als zehn Jahren beschäftigt war. Schreiben war mein Hobby und kam gelegentlich auch dienstlich zum Einsatz, etwa bei der jährlichen Schreibwerkstatt mit den Angelika Weirauch mit ihrer Enkelin alice 60 I Seitenwechsel Frauen. Ich bot auch einige wenige Schreibwerkstätten bei anderen Trägern an und hatte als Heilpraktikerin Klientinnen, mit denen ich therapeutisch schrieb. Nebenbei wuchs mein Plan, über die Lebenskunst der Frauen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen zu schreiben, weil ich fand, dass es dazu sehr wenig Literatur aus der Sicht des praktischen Lebens gab. Es fehlte aber noch das „Wie“: Wie wollte ich methodisch vorgehen? Worum geht es in Ihrer Dissertation? Das Thema meiner Arbeit lautet „Über die Lebenskunst. Frauen mit Behinderung gestalten ihr Leben“. Ich beschäftige mich darin u. a. mit der Frage, was denn mit den Ergebnissen des Kreativen Schreibens passiert. Darüber ist im Studium kaum gesprochen worden: man schreibt für sich oder versucht zu veröffentlichen. Hier habe ich eine Auswertungsmethode für die Texte – in diesem Falle in Bezug auf Lebenskunst – entwickelt. Grundlage dafür war ein Verfahren der Psychologie. Warum sind Sie an die TU Dresden gegangen, um zu promovieren? etabliertes Verfahren für Dissertationen ist. Aber es gab keinen Widerstand – vielleicht weil Lebenskunst aktuell ein relativ neues Thema ist und es keine klassischen Untersuchungsmethoden gibt. Ab diesem Punkt war es für mich leicht. Ich habe die Methode des „Zirkulären Dekonstruierens“ auf das Kreative Schreiben angewandt. Kreativ geschriebene Texte von Frauen mit Behinderungen hatte ich durch die Schreibwerkstätten, die ich im eigenen Verein angeboten hatte. Diese Texte hatte ich mir zur Verwendung schenken lassen. Dann versuchte ich die Texte zu dekonstruieren – wie Interviews in der Psychologie – mit Erfolg. Ich hatte sowohl in den Studienunterlagen als auch in diversen Büchern zum Kreativen Schreiben nach Auswertungsmethoden gesucht. Aber ich fand nichts Richtiges und bemerkte, dass wir auch im Studium immer nur über die Erzeugung von Texten und über deren Qualität, Inhalt usw. gesprochen und geschrieben haben. An eine weitergehende Verwendung der Texte kann ich mich nicht erinnern. Also habe ich diese geschaffen! Was machen Sie aktuell? Ich wohne in der Nähe von Dresden und dachte, wenn ich die Wege reduziere, kann ich es neben meiner halben Stelle schaffen, die Arbeit zu Ende zu bringen. Vor dem Studium an der ASH Berlin hatte ich schon einen Versuch zur Dissertation im Studiengang „Sozialwesen“ an der HTWS Görlitz gemacht. Das erforderte wegen meines Abschlusses als Diplom-Sozialarbeiterin (FH) ein umständliches kooperierendes Verfahren, das ich mit dem Masterzeugnis der ASH Berlin nun nicht mehr benötigte. Man nahm mich an, es dauerte aber alles sehr lange. Fast gleichzeitig kam mir dabei die Idee, dass das Kreative Schreiben eigentlich die perfekte Methode ist, die ich suchte, um über Lebenskunst in schwierigen Lebensvollzügen zu schreiben. Ich habe meine bezahlte Arbeit in der letzten Schreibphase freiwillig aufgegeben, es ließ sich doch nicht komplett vereinen. Nach 15 Jahren war es die richtige Zeit. Ehrenamtlich bin ich noch im Vorstand des Vereins. Im Mai 2012 habe ich die Dissertation abgegeben und danach begonnen, neue Arbeit zu suchen. Von Oktober 2012 bis Januar 2013 hatte ich eine Honorarstelle an einer privaten Hochschule, an der ich Sozialarbeit unterrichtete. Leider kam im vergangenen Sommersemester keine neue Studiengruppe zustande. Mit den beiden schönen Abschlüssen traue ich mich, mich großräumiger zu bewerben: sowohl außerhalb von Dresden und Umgebung als auch außerhalb der sozialen Arbeit. Ich bin gespannt auf den Fortgang! Ich bin selbstständig als Schreiblehrerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie tätig. Wie war die Akzeptanz für diese Forschungsmethode? Vielen Dank für das Gespräch. Im Exposé habe ich mein methodisches Vorgehen dargelegt und war gespannt auf möglichen Widerstand, weil es ja kein Das Interview führte Ingrid Kollak. Produktives Lernen selbst in die Hand nehmen Ein Weg aus der Bildungsbenachteiligung Ingrid Böhm, Jens Schneider Viele Jugendliche geraten mit der Schule in Konflikt, haben jahrelang negative Schulerfahrungen gemacht, schlechte Noten erhalten, kaum Verständnis gefunden und damit das Interesse an Schule verloren. Stetige Ermahnungen und geringe Wertschätzung seitens der Lehrenden und schließlich eine Gefährdung des Schulabschlusses prägen ihre Lernerfahrungen alice und ihre Lernhaltungen. Hinzu kommen oft Auseinandersetzungen mit den Eltern oder Erzieherinnen und Erziehern und auch eine häufig entstehende mangelnde Akzeptanz durch die Gleichaltrigengruppe. Die Ressourcen solcher Jugendlichen, ihre Stärken, Interessen und Fähigkeiten, bleiben unentdeckt und unentwickelt, sie kommen in der Regelschule nur selten Seitenwechsel I 61 zur Geltung. Die Gründe für ein drohendes Schulscheitern sind individuell unterschiedlich. Sehr häufig aber gehören diese Schülerinnen und Schüler zu den „Bildungsbenachteiligten“. Was ist Bildungsbenachteiligung? Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass in unserer Gesellschaft manche Heranwachsende hinsichtlich der zu erwerbenden Qualifikationen Nachteile hinnehmen müssen. Sie wachsen in Lebensverhältnissen auf, die ihnen weniger Erfahrungen und Anregungen bieten als anderen. Die offizielle Bildung, die in unseren Bildungseinrichtungen herrscht, verfolgt die Aufstiegsziele der großen Mehrheit der Bevölkerung. Dies führt dazu, dass Kinder und Jugendliche in dem Maße in Bildungsschwierigkeiten geraten, in dem sie von dieser Bildungskultur entfernt aufwachsen. Die Benachteiligung von „bildungsfernen Schichten“ kann deshalb nur überwunden werden, wenn das Bildungsmonopol der traditionellen Schule geknackt wird. Auch dann bleiben allerdings eingeschränkte Lebensbedingungen und ihre kulturellen Folgen in der Primärsozialisation wirksam; denn schon die Entwicklung der grundlegenden kulturellen Fähigkeiten – u. a. Sprache und Schrift, Kommunikationsformen und -techniken, Wahrnehmungs- und Reflexionsvermögen – werden Kindern in unterschiedlichem Maße nahegebracht. Ein Ausgleich von Bildungsnachteilen kann dadurch gelingen, dass den Lernenden ein grundsätzlich anderes Bildungsparadigma eröffnet wird: Statt Bildung als Erwerb eines abprüfbaren Kanons von tradiertem Wissen zu verstehen, kann diese den ursprünglichen Grund des Lernens erneut zur Basis der Bildung machen, nämlich die menschliche Tätigkeit zu verstehen und durch Nutzung der Kultur zu qualifizieren. Dadurch wird das natürliche Bedürfnis der Lernenden nach Bildung neu belebt und aus seiner Degradierung zum Aufstiegsvehikel befreit. Aktiv werden im „wirklichen Leben“ Viele Jugendliche, die am herkömmlichen Schulcurriculum scheitern, ergreifen seit mehr als 20 Jahren die Chance, im Produktiven Lernen ihre Bildungsentwicklung „selbst in die Hand zu nehmen“: Die jungen Leute werden im „wirklichen Le- Jan beschriftet beim Schildermaler ein Auto ben“ aktiv. Sie suchen sich Praxislernorte, die ihren Interessen entsprechen und an denen sie produktiv werden können. Sie erkennen dabei Probleme, lernen diese zu verstehen, wollen sie lösen und bearbeiten sie. Dabei werden sie von ihren Praxismentorinnen und -mentoren und den zu Pädagoginnen und Pädagogen des Produktiven Lernens qualifizierten Lehrenden beraten und unterstützt. Gemeinsam wird mit ihnen kontinuierlich ein individueller Lernplan entwickelt. Die zu bearbeitenden Aufgaben gehen von ihren jeweiligen Tätigkeitsinteressen und -erfahrungen am Praxislernort aus. Jan wertet seine Praxiserfahrungen für eine Präsentation aus Dieses praxis- und zugleich personenbezogene Lernen ermöglicht den Jugendlichen, Verantwortung für ihren eigenen Bildungsweg zu übernehmen. Sie erleben ihr Lernen als sinnvoll und sie entwickeln Perspektiven für einen erfolgreichen Einstieg ins berufliche Leben. Die Schulfächer verlieren ihren Schrecken und erhalten für sie einen Sinn, indem sie als ‚Werkzeug‘ für das Verständnis ihrer Erfahrungen und die Qualifizierung ihres Handelns genutzt werden. Sie erhalten in der Praxis – oft erstmalig – Anerkennung und entwickeln gleichzeitig gegenüber dem, was sie tun, Neugier, stellen Fragen, recherchieren und gelangen zu anspruchsvollen Präsentationen ihres Lernens. Sie lernen voneinander, was oft viel wirksamer ist als ein ausgefeilter Lehrvortrag. Produktives Lernen an der ASFH Die Theorie und Praxis des Produktiven Lernens wurden von der Autorin und dem Autor dieses Artikels im Rahmen ihrer Tätigkeit als Lehrbeauftragte bzw. als Professor zunächst innerhalb der damaligen Alice Salomon Fachhochschule (ASFH) in Forschungs- und Entwicklungsprojekten vorangetrieben. Die Hochschule ermöglichte ihnen auch, ihr Engagement durch intensive Kontakte international zu erweitern; Tagungen und Kongresse, auch unter Beteiligung von Studierenden der Fachhochschule, trugen zur Etablierung des bis heute bestehenden Netzwerks International Network of Productive Learning Projects and Schools (INEPS) in 19 Ländern bei. Das Produktive Lernen, in dem eine Verschmelzung von schul- und sozialpädagogischen Prinzipien und Methoden gelang, war zugleich ein regelmäßiges Studiengebiet der ASFH, auch wenn es nicht zu ihrem „Kerngeschäft“ gehörte. alice 62 I Seitenwechsel 1991 gründeten die Verfasserin und der Verfasser das Institut für Produktives Lernen in Europa (IPLE) als An-Institut an der ASFH und leiteten das Institut bis 2012. Die bildungspolitische Arbeit wurde durch Fördermittel der EU vorangebracht. Bis heute wurden Drittmittel im Umfang von mehr als 25 Millionen Euro akquiriert. An 90 Schulen in Deutschland konnte Produktives Lernen dadurch erfolgreich etabliert werden. 2012 übernahmen Heike Borkenhagen und Holger Mirow die Leitung des Instituts. Durch die Bildungsform des Produktiven Lernens, die in mehreren Bundesländern innerhalb der regulären Schule eingeführt wurde, haben etwa 80 Prozent der „Bildungsbenachteiligten“ einen Schulabschluss erreicht und eine berufliche Perspektive entwickelt. Aus diesen Jugendlichen, die als ‚Schulversager/innen‘ und ‚Schulabstinente‘ abgestempelt worden waren, sind selbstbewusste junge Erwachsene geworden, die durch das Produktive Lernen ihr Können ‚entdeckt‘ und Selbstver- www.iple.de Ingrid Böhm Lehrbeauftragte (1980–1999) mit Schwerpunkt Sozialisation, Schulsozialarbeit und Bildungsarbeit mit Jugendlichen ingrid.boehm@alice-dsl.net Jens Schneider Professor für Pädagogik (1977– 2005) mit den Schwerpunkten Schulsozialisation und Schulsozialarbeit jensdr.schneider@yahoo.de Anzeige Zentrum für Weiterbildung der ASH Berlin Berufsbegleitende Zertifikatskurse 2014 Einzelseminare 2014 (Auswahl) KoordinatorIn im Familienrat Seminarzeitraum: 19.06.2014 bis 31.01.2015 Bewerbungsfrist: 24.04.2014 56.14 Jugendarbeit für alle?! (06.05. bis 07.05.2014) IMPASSE – Coaching Seminarzeitraum: 26.09.2014 bis 08.05.2015 Informationsveranstaltung: 20.06.2014: 15.00 bis 17.00 Uhr Counselling /Psychosoziale Beratung Seminarzeitraum: 26.09.2014 bis 14.11.2015 Informationsveranstaltung: 02.07.2014: 16.00-18.00 Uhr 61.14 Strukturierte und ganzheitliche Hilfebedarfserhebung (12.05. bis 13.05.2014) 63.14 Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen als Themen in der Kita (14.05. bis 15.05.2014) 70.14 Gewaltfreie Konfliktbearbeitung (27.05. bis 28.05.2014) Care und Case Management in humandienstlichen Arbeitsfeldern Seminarzeitraum: 26.09.2014 bis 07.11.2015 Infomationsveranstaltung: 04.07.2014: 16.00 bis 18.00 Uhr 78.14 Der Beistand zwischen zerstrittenen Eltern (25.08. und 29.08.2014) Suchtberatung Seminarzeitraum: 10.10.2014 bis 05.09.2015 Informationsveranstaltung: 04.07.2014: 14.00 bis 16.00 Uhr 84.14 Sozialarbeiterische Beratungsfeldanalysen (25.08. bis 26.08.2014) Supervision und Coaching in der Sozialen Arbeit, Bildung und Gesundheit Seminarzeitraum: 10.10.2014 bis 14.10.2017 Informationsveranstaltung: 11.04.2014: ab 16.00 Uhr 98.14 English for Socials Workers (22.09. bis 23.09.2014) Prävention vorurteilsmotivierter Gewalt in Erziehung und Bildung Seminarzeitraum: 10.10.2014 bis 11.07.2015 Informationsveranstaltung: 04.07.2014: 17.30 bis 19.30 Uhr Tiergestützt und tiergeschützt Seminarzeitraum: 07.11.2014 bis 20.02.2016 Informationsveranstaltung: 01.09.2014: 18:00 bis 20.00 Uhr alice trauen, Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten, gewonnen haben. Aus ihrem Scheitern haben sie eine erfolgreiche Bildungskarriere entwickelt. 82.14 Schicke Mädchen, coole Jungs (25.08. bis 29.08.2014) 86.14 Partizipation von Kindern im Elementarbereich (29.08. bis 30.08.2014) Weiterbildungsreihen 2014 R01.14 Häusliche Gewalt: Seminarreihe in Kooperation mit BIG e.V. Weitere Informationen, zusätzliche Angebote und unser Programm für 2014 unter: www.ash-berlin.eu/weiterbildung Seitenwechsel I 63 Selbstreflexion und Geduld als wichtige Zutaten Aus der Praxiserfahrung einer werdenden Sozialarbeiterin Silke Schietzold „Mein Mann hat mich gezwungen mit ihm zu schlafen. Er sagte, das muss so sein, weil ich seine Frau bin und somit sein Eigentum. Oft kam er betrunken nach Hause und fiel dann gleich über mich her. Ich habe es still ertragen, damit meine Söhne nichts mitbekommen.“ Noch ehe die Frau ihre Worte zu Ende gesprochen hat, beginnt sie bitterlich zu weinen. Wir sitzen uns genau gegenüber. Neben uns meine Anleiterin – Sozialarbeiterin in der Schwangerschaftskonfliktberatung des Humanistischen Verbands Deutschlands –, welche ruhig den Erzählungen der Ratsuchenden folgt. Ich bemühe mich, meine Tränen zu verbergen, doch sie rinnen mir unweigerlich über die Wangen. Zum einen bin ich zutiefst von den Worten der Frau betroffen, zum anderen verzweifelt darum bemüht diese Betroffenheit zu verbergen. Keine leichte Aufgabe, wie ich schmerzlich feststellen muss und doch eine wichtige Kompetenz, die eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter beherrschen sollte. So zumindest wurde es mir im Handlungsmethoden-Seminar meines Studiums an der ASH Berlin eindringlich vermittelt. Einblicke in die Beratungstätigkeit Die beschriebene Situation ereignete sich während meiner Feldstudienphase im Rahmen des Seminars „Arbeitsfelder, Zielgruppen und Organisationsgruppen Sozialer Arbeit – Praxisreflexion“ des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“. Ich befinde mich in der ersten Woche meines Hospitationspraktikums und freue mich auf die weiterhin vor mir liegenden drei Wochen. Ich hatte mich bewusst für diese Praxisstelle entschieden, um einen Einblick in die Beratungstätigkeit einer Sozialarbeiterin zu gewinnen. Doch nun scheint es mir, als würde ich selbst dringend eine Beratung benötigen. So sehr ich mich auch bemühe, die Verzweiflung dieser Frau erstickt meine emotionale Distanz im Keim. Mir stellen sich die unterschiedlichsten Fragen: Sollte ich lieber den Raum verlassen? Wie schafft es meine Anleiterin, so eindrucksvoll die Fassung zu bewahren? Ist es ihre innere Haltung oder jahrelange Routine? Bin ich überhaupt geeignet für diesen Beruf, wenn ich schon beim einfachen Zuhören scheitere? Ich muss schlucken. Wie wäre die Situation wohl verlaufen, hätte sich die Frau an mich, als praktizierende Sozialarbeiterin gewandt? Bevor ich mich in meinen eigenen Zweifeln verliere, beschließe ich, meine Anleiterin nach den Zutaten für ihr Rezept der nötigen Distanz zu fragen. Die Quintessenz ihrer Antwort lautet „Selbstreflexion“. Auch dieser Begriff ist mir schon oft im Studium begegnet. Hier gilt es, sein eigenes Handeln zu hinterfragen, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, die gern auch mal falsch sein dürfen. Vermischt mit einem Hauch Routine, ergibt dies schließlich ein gesundes Maß an emotionaler Distanz. Spannend wird es dann, wenn die Theorie zur Praxis wird. Ich beschließe, eine weitere Zutat in meinem Inneren zu vermerken. Dort steht jetzt in Großbuchstaben an erster Stelle das Wort „GEDULD“. Geduldig mit mir selbst zu sein. Ich bin ein bisschen stolz auf meine erste gewonnene Erkenntnis, denn auch wenn mir die Routine noch fehlt, einige Zutaten habe ich bereits zusammen. Silke Schietzold wurde beim Verfassen des Artikels von Kerstin Miersch begleitet (Lehrbeauftragte im Modul: Arbeitsfelder, Zielgruppen und Organisationen Sozialer Arbeit, Unit 1: Praxisreflexion). Silke Schietzold Studentin der Sozialen Arbeit silke.schietzold@yahoo.de alice 64 I GRENZÜBERGANG Grenzübergang Internationale Hochschule Austausch sprengt Grenzen Ein viersemestriges deutsch-ecuadorianisches Austauschprojekt Johanna Kaiser Spielort Berlin, Sommer 2013. Ein Zapara, eine Frau der Achuar, ein Angehöriger der Shuar, die afroecuadorianische Musikgruppe „Madera Metálicos“ sowie Spielerinnen und Spieler vom „Theater der Erfahrungen“ treffen sich in Berlin. Verschiedene Lebensalter, Tausende von Kilometern und geografisch jede Menge Grenzen liegen zwischen ihnen – doch in Berlin stehen sie nebeneinander auf der Bühne und meistern ihren gemeinsamen Auftritt. Noch keine Woche hatten sie mit den Studierenden der ASH Berlin geprobt und es wurde ein krönender Höhepunkt des dreiwöchigen Austausches, zu dessen Gelingen unterschiedlichste Kooperationspartner/-innen alice mit viel Engagement beigetragen haben. Initiiert vom Projektseminar „Neue Konzepte. Soziale Kulturarbeit in Zeiten der Globalisierung“ kam es auf den Veranstaltungen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, auf denen die Gäste vor insgesamt etwa tausend Besucherinnen und Besuchern über ihre Lebenssituation und ihre Projekte in Ecuador informierten, zu ungewöhnlichen Begegnungen. Sämtliche Projektteilnehmende, auch unsere ecuadorianischen Gäste, kannten sich untereinander zunächst kaum. Die Musiker/-innen leben in Borbón an der Küstenregion Ecua- GRENZÜBERGANG I 65 dors, in der die Mangrovenwälder zu großen Teilen den multinationalen Konzernen mit ihren Shrimpsbecken und Ölpalmplantagen zum Opfer gefallen sind. Eine arme Bevölkerung kämpft hier in prekären Situationen um ihr Überleben. Die indigenen Gäste dagegen kommen aus den Regenwaldgebieten Amazoniens. Diese waren auch bereits an vielen Stellen wilden Abholzungen oder den Folgen einer von Missionaren eingeführten Viehwirtschaft ausgesetzt und werden nun in immer größeren Gebieten durch Minen- und Ölförderung zerstört. Hier aber bestehen heute noch große zusammenhängende Primärwälder mit ihrem einzigartigen Reichtum an Natur und Diversität. Und so staunte Yanda Ushigua (Zapara) sehr, dass es uns in unserem vermeintlich reichen Deutschland nicht gelingt, die Spree so zu erhalten, dass wir hineinspringen und darin baden, Fische angeln und diese essen können. Angesichts der massiven und brandaktuellen Bestrebungen, die Lebenswelt unserer Gäste der Ölförderung zu opfern, entwickelten wir im Laufe des dreiwöchigen Austausches auch immer wieder Aktivitäten mit Kampagnencharakter. Die Gäste aus Borbón befeuerten die Veranstaltungen durch ihre Die Gruppe Madera Metálicos aus Borbón spielt im Jugendtheaterbüro Moabit Musik und Tänze und gaben einen Einblick in ihr 20-jähriges Engagement für shop mit unseren Partnerinnen und Partnern und einen beeinden Aufbau einer Musikschule für Jugendliche. Auf diese Weidruckenden Besuch im Regenwald. Unsere vormaligen Gäste se kam es auch zu einem inhaltlichen Erfahrungsaustausch waren hier nun unsere Gastgeber/-innen, die uns bis in ihre zwischen den vermeintlich so unterschiedlichen Gästen, der Lebenswelt – den Regenwald – führten. in dem an die indigenen Kolleginnen und Kollegen gerichteten Satz des afroecuadorianischen Musikers Juan Pablo gipVon Mücken zerstochen – die Füße passten in den folgenden felte: „Wir bewundern euren Kampfgeist. Manchmal wünsche Tagen kaum in die Gummistiefel – kamen die Studierenden ich mir, unsere Eltern und Großeltern hätten die Vernichtung nach neunstündiger Wanderung in Yuwints an, einem kleinen der Mangrovenwälder verhindern können. Was uns jetzt noch Shuar-Dorf im Amazonas-Tiefland. Die Studentin Selina Thylbleibt, ist, wenigstens in den Liedern das kulturelle Erbe zu mann schreibt dazu in ihrem Erfahrungsbericht: bewahren oder es wieder auszugraben.“ Szenenwechsel Quito‚ Winter 2013. Ein halbes Jahr später in der Casa Humboldt: Juan Pablo wiederholt diesen Gedanken im Gespräch mit einem Journalisten der Zeitung „El Comercio“. Wir sind am Ende unseres Gegenbesuchs, einer Studienreise nach Ecuador, angelangt. Im Hintergrund wird die Bühne aufgebaut, die Studierenden präparieren die Wände für das geplante „Action Painting“ und die Musiker/-innen von „Madera Metálicos“ werden erneut spielen. Die gemeinsame Veranstaltung ist der abschließende Höhepunkt unserer Reise, die einen Austausch mit Studierenden und Lehrenden der Universidad Central, der FLACSO und der Universidad Andina einschloss sowie einen intensiven Theater- und Medienwork- „ … Wir sind Besucher/-innen der ‚Academía Amazonica‘. Es ist das größte und beeindruckendste Haus von Yuwints. Es wurde zwar in traditioneller Bauweise errichtet, ist aber wesentlich größer und höher als die Shuar üblicherweise bauen. Holger, ein Bewohner von Yuwints, hat auch im Sommer 2013 am Austausch in Berlin teilgenommen. Seine Eltern sind Mitgründer/-innen der ‚Academía Amazonica‘ und werden uns für die kommenden Tage bewirten, umsorgen und herumführen. Während der liebevollen Rundumversorgung taucht bei uns immer wieder die Frage nach der Legitimation für unseren Aufenthalt auf: Wir, als ‚Verursacher/-innen‘ von Ausbeutung alice 66 I GRENZÜBERGANG und Zerstörung, wir, die wir aus der westlichen Welt hier im Regenwald Ecuadors in der Gemeinschaft von Yuwints sitzen: Als was sind wir hier? Als Konsumentinnen und Konsumenten? Als Unterstützer/-innen? Müssen wir nicht mehr tun? Wie wir später im Gespräch mit Holger und seinem Vater erfahren, ist das Konzept des Projekts ‚Academía Amazonica‘ genau danach ausgelegt, gemeinsame Wege auszuarbeiten und sich in der Findung von Alternativen gegenseitig zu unterstützen. Es geht um Verständnis, Wissensverbreitung und Bewusstseinserweiterung. So meint Holger: ‚Der Regenwald gehört nicht nur den Leuten, die dort wohnen, sondern allen! In Anbetracht der Tatsache, dass der Regenwald wegen der Erdölförderung seitens internationaler Konzerne sehr bedroht ist, haben wir in meiner Gemeinde das Alternativprojekt entwickelt.‘“ Dieses Statement ist auch in dem Film „Austausch sprengt Grenzen“ (Kaiser, 2013) zu sehen, der den Austausch in Berlin dokumentiert und den wir mit nach Ecuador gebracht haben. Die Vorführung des Filmes am letzten Abend in Ecuador führt zu Diskussionen, in denen eines besonders deutlich wird: Der Wunsch nach Vertiefung, Weiterführung des globalen Lernens, nach transnationalem Austausch mit kulturellen Mitteln, der keine Irritation auslässt. Projektleitung Prof. Ulrike Hemberger, Prof. Johanna Kaiser Mitarbeit (Organisation und Betreuung der Gäste) Theresa Hykel Projektpartner/-innen Asociación Musical Y Artesanias Madera Metálicos, Borbón; Fundación Pacha Mama, Quito; Brot für die Welt – evangelische Entwicklungsdienste (Siegmund Thies); Kirchenkreis Neukölln, Berlin; ASH Berlin; Theater der Erfahrungen, Berlin; Kinder- und Jugendkulturarbeit des Nachbarschaftsheimes Schöneberg, Berlin; Proyecto Vision e. V., Mannheim (Astrid Pape); Rothener Hof e. V., Mecklenburg-Vorpommern; Expedition Metropolis e. V., Amazonia indomnabile, Puyo; Casa Humboldt, Quito; Café Disequal, Puyo; Academia Amazonica, Yuwints Gefördert durch: ASH Berlin, Brot für die Welt, DAAD (Profin), Katholischer Fonds, Kirchengemeinde Neukölln, Aktionsgruppenprogramm Engagement Global, Johanna Kaiser Professorin für Soziale Kulturarbeit mit Schwerpunkt Theater johanna.kaiser@ash-berlin.de Tel. (030) 992 45-510 Ver.di, Theater der Erfahrungen, Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V., Deutsche Botschaft Quito “I’m enjoying Berlin because of the variety of choices” An interview with Erasmus student Špela Breceljnik from Slovenia S̆pela Breceljnik, what is your home university and what do you study? I am studying at the University of Ljubljana, specifically in the Department of Social Work, in which the only major is social work. My department is small, with about 100 students each year. The building in which it is housed consists of a ground floor and the basement, altogether eight classrooms. Its size can also be an advantage because students and professors are somehow more familiar with each other, especially in the 3rd and 4th years. It’s a free programme of studies, though not yet for the masters programmes (though a recent develop- alice ment may be about to kick in, or maybe not). The Department has a post-socialistic spirit, and the students are motivated and altruistic. Many have been activists on several occasions. Do you like it here at ASH Berlin? I do! The classrooms are better equipped than I’m used to from my home university. There’s a music room, creative room and a gym where everything is available to students free of charge. There’s free printing, a computer room, scanner, copy machines and the library is well stocked on a variety of topics. The most important thing is the flow of information and I really GRENZÜBERGANG I 67 appreciate how the International Office has been sending us e-mails in both English and German, always at the right time and then some reminders right before the event or a deadline. They have really been doing a great job keeping us informed about everything that is going on. What things do you like less? I’m not particularly fond of the food in the Mensa to be honest. It’s really cheap and all but it seems like they put some kind of herb in there that makes everything taste the same. Also it would be awesome if they could gather all the English books in one section in the library or maybe make a list of all the books available in English. How do you perceive studying here? I’m fully aware of the fact that the schedule and workload of an average Erasmus student always differs from regular students and maybe rightfully so. When I’ve compared my schedule with those Erasmus students who are studying in German there were many differences. They seemed to have a heavier workload and will be given different examinations. I get just to listen and participate in the lectures, not getting stressed about taking notes on everything that is being said, knowing I can find it on moodle later. That takes the pressure off and increases retention. Why did you choose this university for your exchange programme? I chose this university for reasons that kind of complimented each other. It’s the first school of social work in the world (or so I’ve heard). We were learning about Alice Salomon just last year in class, and as if that’s not enough, it’s located in Berlin! Well... Hellersdorf. four months though. Everyone says how it’s so easy to learn a language when you’re in the country where it’s spoken. I’m not sure if that’s true. I should have definitely done more groundwork before coming here. My schedule is also a little all over the place so it’s hard to coordinate it with another language school and the distances make it very difficult. Do you see differences between Ljubljana and Berlin? Oh so many! The really obvious one is the size of the two cities. Ljubljana has a little less than 300.000 inhabitants, Berlin more than ten times more. Berlin is also more multicultural and I’m particularly enjoying that aspect when I’m stuffing my face with zum Beispiel Sudanese falafel. It’s really hard to compare these two cities. I’m enjoying Berlin more than my home town, mainly because of the variety of choices I have for everything and the nightly transportation during weekends, but I also wouldn’t stay here for longer than a few years. This winter is killing me, and today I was skating all day instead of walking. There is also some comfort in smaller cities, they are more manageable. Do you have any suggestions for someone who is new to Berlin? Don’t just get sucked into a blur of bars, clubs, drinking, photo taking and other painfully typical Erasmus activities. Learn how to cook something exotic, head to Turkish markets, stop for a Gluhwein at Warschauer and listen to a street musician. Talk to people from countries far away; let them show you their culture. Get the feeling of the city and trust me: The world isn’t going to end if you never get into Berghain. Thank you very much! Did you learn any German so far? Hate this question! It makes me feel lazy, guilty and irresponsible. But yes, some. Not as much as I thought I would after Das Interview führte Diana Grothues. alice 68 I GRENZÜBERGANG Empowerment pur! Auf Reisen mit der „Jungen Selbsthilfe“ Jil Wormeringer 21. September 2013. Gemeinsam mit 14 anderen jungen Leuten sitze ich, Studentin der Sozialen Arbeit an der ASH Berlin, im Flugzeug in die Türkei. Unser Ziel ist die interkulturelle Begegnungsstätte „Afacan“, ein gemeinnütziges Projekt von Menschen aus Berlin und Istanbul an der ägäischen Küste. Ich weiß nicht, was mich erwartet und noch weniger ahne ich, wie ich auf dieser Reise einige meiner mitgebrachten Vorstellungen zum Thema „Selbsthilfegruppen“ von Bord werfen werde. „Selbsthilfe – Seminar – Kultur – Freizeit – Türkei – Gemeinsam Selbsthilfe erleben“, so lautete die Ausschreibung der Reise, die von der Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Mitte (SHK Mitte) initiiert und durchgeführt wird. Über Selbsthilfegruppen habe ich bisher nur in der Theorie gehört und habe Lust, mir ein konkretes Bild aus Sicht der „Betroffenen“ und der Professionellen aus diesem Bereich zu machen. Sitzt man immer im Stuhlkreis und redet ausschließlich über die gemeinsamen Probleme? Laufen die Treffen tatsächlich so ab, wie sie in Filmen dargestellt werden? Für wen genau ist die Selbsthilfe gedacht und welche Rolle haben Sozialarbeiter/innen dabei? Von Süchten bis sozialen Ängsten In Afacan angekommen, zeigt sich schnell, dass die Hintergründe der einzelnen Teilnehmenden wohl unterschiedlicher kaum sein können. Die meisten der mitgereisten jungen Leute sind selbst in Selbsthilfegruppen aktiv: Von Multipler Sklerose über Stottern, Sucht und sozialer Phobie sind ganz unterschiedliche Themen vertreten. Dazu kommen zwei andere Studentinnen und ich, die einfach neugierig auf die Arbeitsform sind. Jenseits der Heterogenität der Erkrankungen und Anliegen ist das gemeinsame Interesse am Voranbringen junger Selbsthilfegruppen schnell offensichtlich. Uns alle eint der Wunsch des Austauschs – über die Erfahrungen, die junge Menschen in Selbsthilfe- bzw. selbstorganisierten Gruppen machen, über die Formate und methodischen Ideen der Gruppentreffen und über unsere Visionen einer Selbsthilfe der Zukunft. An diesem Austausch beeindruckt mich besonders die grenzenlose Offenheit innerhalb der Workshop-Gruppe. „Stammtische“ bei denen sich Gleichgesinnte in Cafés treffen, Übungsgruppen, Erfolgsteams und Gruppen, die mit Improvisationstheater oder Karaoke ihre Ängste überwinden. Selbsthilfegruppen werden in der Regel nicht professionell angeleitet. Einige Gruppen haben allerdings eine (teils rotierende) Moderation – diese Person ist ebenfalls „betroffenes“ Gruppenmitglied. Die Initiative zur Gründung von Selbsthilfegruppen geht von den Menschen selbst aus. Die Sozialarbeiter/-innen in den Beratungsstellen unterstützen dieses Engagement, indem sie Räumlichkeiten für die Treffen zur Verfügung stellen, Werbung machen, in der Anfangsphase und bei Schwierigkeiten die Gruppen unterstützen und natürlich Interessierte fachkundig beraten, welche Selbsthilfegruppe die Richtige sein könnte. Grundlegendes Motto bei der Arbeit im Selbsthilfebereich ist die Förderung der Selbstbestimmung der Einzelnen sowie der Gruppen. Die professionelle Hilfe ist am erfolgreichsten, wenn sie überflüssig wird. So normal wie zum Yoga gehen Die intensiven Gespräche und Diskussionen, die wir am Strand, auf der Terrasse, am Pool, im Seminarraum und im Flugzeug führen, setzen viele kleine Samen einer großen Vision. Wir beschließen, dass mehr Menschen auf Selbsthilfegruppen aufmerksam gemacht werden sollten. Die persönlichen Gewinne scheinen dabei fast endlos zu sein: sich selbst kennenlernen, Selbstvertrauen gewinnen, Schwierigkeiten überwinden, sich für Andere einsetzen, Freundschaften schließen. Zurück in Deutschland hat sich das „Projektteam Junge Selbsthilfe“ gegründet, um die kleinen und großen Visionen wahr werden zu lassen. Mitmachen können alle, die Lust auf das Thema und praktische Projekte haben. Eine weitere gute Gelegenheit, die „Junge Selbsthilfe“ kennenzulernen, ist der „Stammtisch Junge Selbsthilfe“ ein Mal im Monat in Kreuzberg. Vielleicht dauert es nicht mehr lang und der Besuch einer Selbsthilfegruppe wird so normal sein, wie sich selbst etwas Gutes zu tun und zum Yoga zu gehen. Kein Jammern im Stuhlkreis Mit jedem Tag bemerke ich, wie ich mich von den Bildern in meinem Kopf verabschiede, die Selbsthilfegruppen als verstaubt, langweilig und jammernd zeigen. Stattdessen wird mir klar, wie bunt die Selbsthilfelandschaft ist und wie viel auch junge Leute aus dieser selbstorganisierten Hilfestruktur für sich mitnehmen können. Dabei geht es nicht immer darum, im Kreis zu sitzen und (über Probleme) zu reden. Es gibt alice Mehr Infos zur Jungen Selbsthilfe auf www.stadtrand-berlin.de; Ansprechpartnerin: Franziska Anna Leers Jil Wormeringer Studentin der Sozialen Arbeit jilwormeringer@live.de © Christian Altorfer Ausgezeichnet I 69 Ausgezeichnet! „Die Genres zu wechseln hilft gegen die Routine“ Ein Interview mit dem Schweizer Autor Franz Hohler Der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler wurde 1943 in Biel geboren und wuchs in Olten auf. Nach fünf Studiensemestern in den Fächern Germanistik und Romanistik in Zürich und seinem ersten kabarettistischen Soloprogramm „pizzicato“ (1965) entschied er sich für ein Leben als freischaffender Künstler. Seitdem arbeitet er für Bühne, Radio und Fernsehen, schreibt Erzählungen, Romane, Gedichte, Kabarettprogramme, Theaterstücke und Kinderbücher. Für seine besondere Formensprache und seinen Beitrag zur Vielfalt der interdisziplinären, literarischen Künste wurde er am 18. Januar 2014 in Berlin mit dem Alice Salomon Poetik Preis ausgezeichnet. Herr Hohler, was bedeutet dieser Preis für Sie? Es freut mich, dass es ein Preis für ein vielfältiges Schaffen ist, für einen weit gefassten Literaturbegriff. Es gibt ja etliche Preise für Spezialistinnen und Spezialisten (Drama, Lyrik, Essay, Roman usw.), aber nicht so viele für die literarischen All- gemeinpraktiker. Zudem freut es mich, dass er in Berlin verliehen wird, der Stadt, in der ich durch den Erfolg meines ersten Soloprogramms ermutigt wurde, den Weg des freischaffenden Künstlers einzuschlagen. Seit wann schreiben Sie? Zum Schreiben bin ich durchs Lesen gekommen. Sobald ich lesen konnte, habe ich auch geschrieben, also schon als Kind. Kleine Gedichte, kleine Geschichten. Als ich ins Gymnasium ging, habe ich begonnen, Kurzgeschichten zu verfassen, die ich dem „Oltner Tagblatt“ schickte, der Tageszeitung von Olten, wo ich aufwuchs. Zu meiner Freude wurden diese jeweils abgedruckt, und ich wurde auch nach weiteren Geschichten gefragt. Das war ein wichtiger Impuls für mich. Ich war immer auch gern auf der Bühne, habe in Theateraufführungen mitgemacht, und in der letzten Klasse der Kantonsschule in Aarau habe ich mit Freunden zusammen ein Kabarettprogramm auf die Beine gestellt, das so gut lief, dass ich mit dem Geld eine alice 70 I Ausgezeichnet matischen Text fertig geworden bin, freue ich mich auf Prosa. Wenn ein Feld brach gelegen hat, ist es schön, darauf wieder etwas zu pflanzen. Für mich ist es belebend, die Genres zu wechseln, es hilft auch gegen die Routine. 2013 erschienen Ihr Erzählband „Der Geisterfahrer“ sowie der Roman „Gleis 4“. Was ist Ihr nächstes Projekt? Eine längere Erzählung für Kinder. Im Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ist das Schreiben als Methode in der Arbeit mit Krankheits- und Krisenbewältigung ein zentrales Thema. Haben Sie selbst Erfahrungen mit dem Schreiben als Therapie? Oder belastet Sie das Schreiben manchmal auch gesundheitlich? Wenn mich Schreiben gesundheitlich belasten würde, würde ich wohl damit aufhören. Eine Krise erkenne ich eher daran, dass ich keine Lust zum Schreiben habe. Zur Frage der Therapie: Ich habe oft zusammen mit Kindern Geschichten erfunden. Ich behaupte dann, ein Dichter könne über alles schreiben und verlange einen Titel für eine Geschichte. Wenn der Titel kommt, sage ich, das sei nun doch nicht so einfach, und ob mir jemand beim ersten Satz helfen könne. Nach dem ersten Satz kommt auch der zweite, und so entsteht eine Geschichte ausschließlich aus den Vorschlägen der Kinder. Dort kommen manchmal erstaunliche Motive zum Vorschein. Ich gebe Ihnen die Geschichte „Der wackelnde Zahn“, die ich mit behinderten Kindern gemacht habe, zum Abdruck. Die Souveränität, mit der sie sich über körperliche Versehrtheit lustig machen, hat mich beeindruckt. Reise nach Schottland machen konnte, zusammen mit einem der Kabarettkollegen. Gibt es einen Ort, an dem Sie am liebsten schreiben? Ja, in meinem Arbeitszimmer im zweiten Stock unseres Hauses in Zürich Oerlikon. Dort bin ich umgeben von dem, was ich geschrieben habe, das in Büchern und Ordnern auf den Regalen an der Wand steht, sitze an einem großen Schreibtisch in einem papierenen Chaos, blicke auf die Zweige unserer Birke, dahinter auf die alten Nachbarhäuser, dahinter auf zwei Hochhäuser, ein Einkaufszentrum und das „Swissôtel“, das einem Joint-Venture-Konzern aus Singapur und Japan gehört. Vor meinem Fenster verdichten sich mehrere Epochen. Ihr literarisches Werk reicht von Kurzgeschichten über Romane bis hin zu Kinderversen. Wird Ihnen mit einem Genre schnell langweilig oder können Sie sich nicht entscheiden? Wenn ich mit einem Roman zu Ende bin, freue ich mich darauf, wieder etwas für Kinder zu schreiben. Wenn ich mit einem dra- alice Ich habe im Lauf der Jahre mehrere hundert gemeinsame Geschichten gemacht, übrigens auch mit Erwachsenen. Was ich auch öfters durchgeführt habe, sind Sprachspiel-Seminarien. Zu dem Poetik Preis gehört eine Poetik Vorlesung, die am 16. Mai 2014 an der ASH Berlin stattfinden wird. Was haben Sie dafür geplant? Ich möchte der Verknüpfung von biografischem mit kreativem Schreiben nachgehen. Bitte beenden Sie abschließend folgenden Satz: Alice Salomon war … … eine Frau, mit der sich meine rebellische Großmutter gut verstanden hätte. Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Diana Grothues. Ausgezeichnet I 71 Herausragende „Bildungsidee“ Das HELLEUM erhält Auszeichnung bei bundesweitem Wettbewerb Olga Theisselmann Das Kinderforscherzentrum HELLEUM – ein Kooperationsprojekt der Alice Salomon Hochschule Berlin, des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf und der Außenstelle der Senatsverwaltung für Bildung – wurde am 14. Januar 2014 als herausragende „Bildungsidee“ im bundesweiten Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ ausgezeichnet. Seit Anfang 2013 konnten mehr als 6.000 Kinder im Vorschul- und Grundschulalter im HELLEUM gemeinsam mit Eltern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern die naturwissenschaftliche Welt entdecken. Statt den Kindern fertige Experimente nur zu erklären, steht in der HELLEUM-Lernwerkstatt das forschende und entdeckende Lernen im Vordergrund. Jeden Vormittag öffnet das HELLEUM den Nachwuchsforscherinnen und -forschern seine Pforten und führt sie in speziell entwickelten Workshops an die Wunder der Naturwissenschaft und Technik heran. Im letzten Jahr vermittelten insgesamt 255 Forscherworkshops den Kindern eigene Zugänge zu naturwissenschaftlichen Themen. Zurzeit werden folgende Workshop-Themen angeboten: „Wind bringt’s“, „Sonne satt“, „Müll macht’s“, „Wasser marsch!“ und „Boden schätzen“. Ein weiteres Thema „Luft lüften“ ist gerade in der Entwicklungsphase. Zu jedem WorkshopThema bietet das HELLEUM eine entsprechende Fortbildung für Lehrer/-innen und Erzieher/-innen an. Am Nachmittag besuchen Kinder mit ihren Familien, Freundinnen oder Freunden das HELLEUM im Rahmen der offenen Angebote und forschen hier gemeinsam. Die Lernwerkstatt steht in dieser Zeit mit sämtlichen Materialien, Werkzeugen und gesammelten Phänomenen jedem offen. Die Kinder werden im HELLEUM professionell von erfahrenen Lernbegleiterinnen und -begleitern beraten und unterstützt. Dank dem HELLEUM-Team, bestehend aus abgeordneten Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Erziehern, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Studierenden hat sich das HELLEUM zu einem einzigartigen Modell der frühen naturwissenschaftlichen Bildung in der Region entwickelt. „Durch unser qualifiziertes, frühes und altersgerechtes Heranführen an die naturwissenschaftliche Bildung, wecken wir das Interesse der Kinder. So sammeln die jungen Entdecker/-innen spielerisch erste positive Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Bereich“, erläutert Prof. Dr. Hartmut Wedekind, wissenschaftlicher Leiter des Kinderforscherzentrums und Professor im Fachgebiet Frühpädagogik und -didaktik mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Mathematik und Technik an der ASH Berlin, das Konzept. Rund 1.000 Bildungsprojekte aus ganz Deutschland haben am Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ teilgenommen. Eine unabhängige Jury aus Expertinnen und Experten wählte insgesamt 52 Projekte aus, die sich in herausragender Weise für mehr Bildung von Kindern und Jugendlichen stark machen. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Vorreiter/-innen einer gesellschaftlichen Bewegung für mehr Bildung sichtbar zu machen und andere zum Nachmachen zu ermutigen. Mehr Informationen www.helleum-berlin.de Olga Theisselmann Geschäftsführerin des HELLEUM olga.theisselmann@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-269 Tel. (030) 911 48-867 (HELLEUM) alice 72 I Ausgezeichnet Kunst bricht auf! Theodor Heuss Medaille 2014 für das „Theater der Erfahrungen“ Susann Richert Spielerinnen aus dem Stück „Berliner Pflanzen“ der deutsch-türkischen Altentheatergruppe „Bunte Zellen“ Im Rahmen der 49. Theodor Heuss Preisverleihung erhält das „Theater der Erfahrungen – Werkstatt der alten Talente“, das unter der Leitung von Eva Bittner und Prof. Johanna Kaiser steht, eine der vier Theodor Heuss Medaillen 2014. Der Theodor Heuss Preis und die ihm ebenbürtigen Theodor Heuss Medaillen werden seit 1965 in regelmäßigen Abständen für Beispiele und Vorbilder demokratischen Verhaltens und freiheitlicher Gestaltung des Zusammenlebens verliehen. Die ASH Berlin gratuliert den beiden Theaterleiterinnen. „Theater der Erfahrungen“ bedeutet, Geschichte hautnah erleben und auf die Bühne bringen, konkrete Erfahrungen zum Anlass nehmen, um brisante Themen der Gesellschaft öffentlich zu diskutieren. Die Spielerinnen und Spieler ab 50 Jahren aufwärts entwickeln ihre Stücke selbst und greifen dabei in den unerschöpflichen Fundus eigener Lebenserfahrung. Gespielt wird für alt und jung, in Theatern und auf Kleinkunstbühnen, in Seniorentreffs und Kirchen, in Schulen und auf Kongressen, im Berliner Hinterhof und auf Tourneen in ganz Europa. Aktuell spielen unter dem Dach des Theaters die drei Altenschauspielgruppen „Spätzünder“, „Bunte Zellen“ und „Ostschwung“. Gemeinsam mit Berliner Stadteilzentren und Hochschulen – insbesondere der ASH Berlin – entwickelt die „Werkstatt der alten Talente“ neue Spielarten des bürgerschaftlichen Engagements im Kreativ-Bereich und gibt Impulse für eine zeitgemäße Kulturarbeit für Seniorinnen und Senioren, die intergenerative und transkulturelle Ansätze miteinander vereint. Im Oktober 2008 wurde die erste Produktion mit dem Theater der Erfahrungen und Studierenden der ASH Berlin zur Premiere gebracht. Zahlreiche Projekte wurden inzwischen mit Spielerinnen und Spielern des Theaters und Studierenden der ASH Berlin realisiert, Kooperationen mit Schulen, Jugendeinrichtungen, Kindertagesstätten und sogar Gästen aus Ecuador unter der Leitung von Prof. Johanna Kaiser folgten. Daneben entwickelte sich eine innovative Theaterarbeit mit demenziell Erkrankten und Ehrenamtlichen aus dem Hospiz unter der Leitung von Eva Bittner. Die Preisverleihung findet am Samstag, den 12. April 2014, in Stuttgart statt. Sie steht unter dem Jahresthema „Kunst bricht auf“. Die Laudatio hält die Bundestagspräsidentin a. D. und Theodor Heuss Preisträgerin 2007, Prof. Dr. Rita Süssmuth. Das Schlusswort erfolgt durch Prof. Dr. Gesine Schwan. Vielfältige Unterstützung für das Theaterprojekt www.theater-der-erfahrungen.nbhs.de Im Frühjahr 2008 ging, mit EU-Mitteln gefördert, die gesamtstädtische „Werkstatt der alten Talente“ in der Trägerschaft des Nachbarschaftsheims Schöneberg e. V. auf Kurs. Unterstützt wurde sie durch den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie durch die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. alice Susann Richert Pressesprecherin richert@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-426 Ausgezeichnet I 73 Preise für Studierende Besondere Abschlussarbeiten im Wintersemester 2013/14 Studiengang Preisträger/-in Betreuende Dozentinnen und Dozenten Titel der Arbeit Prof. Dr. Tamara Musfeld Kira Gedik SOMA. Uma terapia anarquista – eine anarchistische Therapie Innovativste Abschlussarbeit Bachelor Viktoria Hofer „Soziale Arbeit“ Bachelor Mohamed Ouarzazi Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann „Erziehung und Katharina Nicolai Bildung im Kindesalter“ Gesprächs- und Forschungszugänge zur kindlichen Perspektive. Dokumentarische Interpretation von Gesprächen mit Kindern über Gott. Bachelor Torsten Grewe „Gesundheits- und Pflegemanagement“ Subjektive Sicherheit in altersgerechten Assistenzsystemen Patricia Redzewsky Prof. Dr. Gudrun Piechotta-Henze Bachelor Anna Hönig Prof. Dr. Stefan Dietsche „Physiotherapie / Peter Rösler Imke Bremer Ergotherapie“ Kommunikation trotz unterschiedlicher Gesundheitsauffassungen. Auswirkungen von Studium und Arbeitsbereichen auf die Kooperation zwischen Ergo- und Physiotherapeuten Master Ralf Lindner Prof. Dr. Hans-Dieter Bamberg „Praxisforschung in Sozialer Prof. Dr. Günther Thiele Arbeit und Pädagogik“ Cybermobbing als neues Thema für die Schulsozialarbeit an Grundschulen in Berlin-Neukölln Master Julia Müller Prof. Dr. Peter Hensen „Management und Qualitätsent- Prof. Dr. Uwe Bettig wicklung im Gesundheitswesen“ Die zielgruppengerechte Gestaltung von Informationen für die strukturierte Qualitätsberichterstattung Beste Abschlussarbeit zum Thema Diversity Bachelor Antje Barten Prof. Dr. Iman Attia „Soziale Arbeit“ Leah Carola Czollek Selektion im Reagenzglas? Die Unvereinbarkeit des Gesetzes zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik mit der UN-Behindertenrechts- konvention Beste interdisziplinäre Abschlussarbeit Bachelor Eva-Maria Wolle „Soziale Arbeit“ Prof. Dr. Iman Attia Prof. Johanna Kaiser Street Art in der Sozialen Arbeit Preis für hochschulpolitisches Engagement Sophie Schwab engagierte sich in ihrer Zeit als Studentin der Sozialen Arbeit (2010 – 2013) sehr aktiv an der Hochschule. In diesem Zeitraum war sie Mitglied im Studierendenparlament und im AStA (Referat Soziales), außerdem war sie stellvertretende Frauenbeauftragte. Sie initiierte die Vernetzungsgruppe gegen rassistische und neonazistische Gewalt sowie das Projektseminar „Soziale Arbeit hat ein politisches Mandat“ und war im Rahmen dessen an der Konzeption und Organisation diverser Veranstaltungen beteiligt. alice 74 I Menschen Menschen Neuberufungen Esra Erdem ist Professorin für Sozialökonomie und Sozialmanagement Seit Februar 2014 bin ich als Professorin für Sozialökonomie und Sozialmanagement an der Alice Salomon Hochschule Berlin tätig. Zuvor hatte ich das Privileg, als Gastprofessorin an der ASH Berlin lehren zu dürfen und somit schon einige der Kolleginnen, Kollegen und Studierenden kennenzulernen. Neben der Sozialökonomie forsche ich schwerpunktmäßig zu den Themen Migration, Politische Ökonomie und Feministische Theorie. Ich habe im Jahr 2008 an der University of Massachusetts Amherst promoviert. Meine Dissertation „Migrant Women and Economic Justice“ widmete sich der Fragestellung, wie Strukturwandel, Arbeitsmarktpolitik und Umbrüche im Migrationsregime die Arbeitsbedingungen von Migrantinnen in Deutschland beeinflussen. Vorausgegangen waren Forschungsaufenthalte in den USA und Großbritannien, die mich inspirierten, mich näher mit heterodoxen Theorietraditionen in den Wirtschaftswissenschaften zu befassen und den gesellschaftlichen Kontext ökonomischen Handelns in den Mittelpunkt meines Forschungsinteresses zu rücken. Aber auch die Praxiserfahrung als Projektmanagerin in einer interkulturellen Frauenrechtsorganisation in Berlin und als Leiterin eines Empowerment-Projektes für Migrantinnen- und Migrantenorganisationen in Ostdeutschland waren prägend für das Anliegen, differenzierte Positionen zu migrationspolitischen Fragen zu entwickeln. Ich freue mich darauf, an der ASH Berlin gemeinsam mit Studierenden Lehr- und Forschungsformate zu entwickeln, die die ethischen und sozialen Grundlagen ökonomischer Entscheidungsprozesse kritisch reflektieren und zur Entwicklung von sozial-ökologisch nachhaltigen Formen des Wirtschaftens beitragen. Umrahmt wird dieses Vorhaben durch Fallstudien zur Solidarischen Ökonomie in Berlin und der Zusammenarbeit im internationalen Forschungsnetzwerk „Community Economies Research Network“. Außerhalb der Hochschule beobachte ich derzeit begeistert den neuen Boom an TV-Serien im englisch- bzw. türkischsprachigen Raum. alice Menschen I 75 Nivedita Prasad Barbara Schäuble ist Professorin für Handlungsmethoden und genderbezogene Ansätze in der Sozialen Arbeit ist Professorin für Soziale Arbeit Seit April 2013 bin ich Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, berufen für den Bereich Handlungsmethoden und genderbezogene Ansätze in der Sozialen Arbeit. Davor habe ich an mehreren Universitäten als Dozentin gearbeitet, wo ich Seminare zu menschenrechtsrelevanten Themen wie Rassismus, Marginalisierung oder Diskriminierung angeboten habe. 15 Jahre lang war ich Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei „Ban Ying“ – einer Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel – wo ich u. a. für den Bereich Polizeifortbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Menschenrechtsarbeit und Lobbyarbeit zuständig war. Seit 2010 leite ich den Studiengang „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“, der u. a. von der ASH Berlin getragen wird. Seit Oktober 2013 bin ich als Professorin für diversitätsbewusste Ansätze in Theorie und Praxis Sozialer Arbeit an der ASH Berlin tätig. Care, Autonomie, Differenz, soziale Ungleichheit und Bildung bilden den Fokus meiner Forschungs-, Lehrund Praxistätigkeit. Die Frage, wie Menschen gut zusammenleben und wie sie sich dabei unterstützen können, interessiert mich, solange ich denken kann. Allen Antworten, die sich dabei als selbstverständliche Norm präsentieren, stehe ich, abgesehen von der wissenschaftlichen Faszination für ihre Stabilität, skeptisch gegenüber. An der Freien Universität Berlin habe ich Sozialpädagogik im Hauptfach sowie Psychologie und Soziologie im Nebenfach studiert. Promoviert habe ich an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg zum Thema: „Gewalt gegen Migrantinnen und die Gefahr ihrer Instrumentalisierung im Kontext von Migrationsbeschränkung“. Im Rahmen der Lehre interessiere ich mich im Bereich der Handlungsmethoden insbesondere dafür, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Menschenrechtsarbeit als Handlungsmethoden Sozialer Arbeit zu integrieren. Meine Praxisfelder waren immer im Bereich des Themenkomplexes „Gewalt gegen Frauen“, was natürlich auch Bestandteil meiner Lehre ist. Im Bereich der Forschung interessiert mich vor allen Dingen Feministisch Partizipative Aktionsforschung (FPAR), die in Europa viele Jahre sehr vernachlässigt wurde. Ich würde mich sehr freuen, wenn es mir gelänge diese – aus meiner Sicht für die Soziale Arbeit sehr relevante Forschungstradition – an die ASH Berlin zu bringen bzw. sie hier weiterzuentwickeln. Neben der Lehre bin ich in die Kooperation der ASH Berlin mit der Asylunterkunft in Hellersdorf involviert, in der Hoffnung dort längerfristige, nicht paternalistische Angebote zu etablieren. Nach einem Studium der Sozialen Arbeit (UGHK Kassel) war ich in der Jugend- und Erwachsenenbildung und der Gemeinwesenarbeit tätig und habe schließlich im Fach Soziologie promoviert. Meine wissenssoziologische Dissertation zu Antisemitismus unter Jugendlichen befasste sich mit den Bedingungen, Begründungen und Formen antisemitischer Differenzkonstruktion in der Alltagskommunikation. Die qualitative Forschung hat mich seither in den Bann gezogen. Es folgten ein Evaluationsprojekt (Menschenrechtsbildung) und zwei Projekte der Professionsforschung (ethnografiebasierte Rekonstruktion von Handlungsmustern im Kinderschutz, Begleitforschung zum Hilfeplanverfahren „Familienrat“) an der Universität Kassel und der HAWK Holzminden. Dabei beschäftigte mich unter anderem, wie partizipatorische Praxisforschung umgesetzt werden kann. An der HAWK habe ich als Verwaltungsprofessorin für Theorien und Handlungskonzepte Sozialer Arbeit nicht nur zu „disziplinären Theorien“, Methoden, Geschichte, Ethik, Soziologie und „sozialer Ungleichheit“ gelehrt, sondern auch Konzepte der Forschungsdidaktik entwickelt. Mir gefällt, dass meine Professur ihren Schwerpunkt im Studiengang „BASA Online“ hat, denn es macht mir Spaß, mit sozialberuflich erfahrenen Studierenden zusammenzuarbeiten und E-Lehr-Lernsettings zu entwickeln. In den nächsten drei Jahren möchte ich grundlagentheoretisch zum Thema Soziale Arbeit und Differenz arbeiten und die ASH Berlin von vielen Seiten kennenlernen. alice 76 I Menschen Menschen Neue Mitarbeiter/-innen Arlen Bever Nadja Damm ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt für Demokratieentwicklung arbeitet als Schreibberaterin Seit Januar 2014 arbeite ich mit Elène Misbach im Projekt „Stärkung zivilgesellschaftlicher Ressourcen in MarzahnHellersdorf als Beitrag für sozialräumliche Demokratieentwicklung“. Ziel des Projektes ist es, basierend auf einer Sozialraumanalyse, begleitenden Interviews und Befragungen, ein Handlungskonzept mit und für den Bezirk zu erstellen. Obwohl im Fokus Sozialräume mit einer hohen Problemdichte stehen, ist es uns wichtig, besonders gut laufende Netzwerke und Initiativen hervorzuheben. Hierbei soll vor allem geklärt werden, welche Bedingungen diese befördern und zu welchem Teil sie übertragbar sind. Seit April 2013 gibt es das Schreibcoaching, das vom Berliner Senat gefördert wird. Ich arbeite gemeinsam mit Gabriele Gäbelein in dem Projekt und biete dienstags und donnerstags für Studierende aller Studienfächer und Semester das kostenlose Coaching an. Es findet im Büro von Prof. Dr. Ingrid Kollak statt, die den Antrag für das Projekt gestellt hat. In den Einzelgesprächen geht es um alle Fragen rund um das wissenschaftliche Schreiben, so etwa um den Umgang mit der Forschungsliteratur, das korrekte Zitieren oder darum, wie man mit dem Schreiben starten oder ein Thema eingrenzen kann. Neben Textfeedback biete ich den Studierenden die Gelegenheit, über Schreibprojekte zu sprechen, ihre Schreibstrategien zu reflektieren und neue Schreibübungen kennenzulernen. An der Universität Erfurt habe ich zunächst Geschichte und Philosophie studiert und anschließend Interdisziplinäre Lateinamerikastudien an der Freien Universität Berlin. Mein Fokus war, neben der Region Lateinamerika, vor allem die Untersuchung laufender und gelaufener Transformationsprozesse in Politik und Gesellschaft. Basierend auf dem interdisziplinären Hintergrund des Studiums konnte ich mir so unterschiedliche Methoden aneignen, um meine Fragestellungen heranziehen und anpassen zu können. Beruflich habe ich vor allem im Themenbereich der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gearbeitet. An die ASH Berlin bin ich im Rahmen der Projektevaluation von „TriNet Global“ gekommen, bei dem die nachhaltige Entwicklung unterschiedlicher europäischer Regionen im Zentrum steht. alice Nicht zuletzt dank Otto Kruse und seinem Buch „Keine Angst vor dem leeren Blatt: Ohne Schreibblockaden durchs Studium“ habe ich 1997 mein Studium der Politikwissenschaft an der FU Berlin abgeschlossen. Ich war seitdem in der Sozialen Arbeit und der Politischen Bildung als Dozentin, Koordinatorin und Beraterin tätig. Die Ausbildung zum Schreibcoach absolvierte ich im Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der ASH Berlin. Neben meiner Tätigkeit an der Hochschule arbeite ich u. a. freiberuflich als Schreibpädagogin und verbinde im diversitywriting das biografische und kreative Schreiben mit dem Social Justice und Diversity Training. Menschen I 77 Petra Fuchs Wibke Hollweg Ralf Lottmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Alice Salomon Archiv ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt MAAL ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt GLESA Seit Januar 2014 bin ich im Alice Salomon Archiv (ASA) tätig, das sich in den historischen Räumen auf dem Gelände des Pestalozzi-Fröbel-Hauses befindet. Meine Aufgabe ist es, das Archiv langfristig zu einem lebendigen Ort für Forschung, Information und Dokumentation zu entwickeln. Neben der Vorbereitung eines eigenen Forschungsprojekts zu den weiblichen Netzwerken der Sozialen Arbeit möchte ich das ASA vor allem einem breiten Publikum öffnen. Ich möchte die Studierenden der ASH Berlin für die Geschichte ihres Fachs begeistern, ihnen die Aktualität historischer Probleme und Lösungsansätze des Sozialen nahebringen, denn „das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen“. Seit November 2013 bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt MAAL unter der Leitung von Prof. Dr. Ingrid Kollak tätig. Es handelt sich dabei um die Entwicklung eines berufsbegleitenden interdisziplinären Masterstudiengangs, der neue Trends in der Produktentwicklung setzen und neue Perspektiven für den Bereich Assistenztechnologien im Alltag bieten soll (siehe S. 43 in dieser alice). Unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) versteht man Produkte und Dienstleistungen für Menschen, die durch ihre Benutzerfreundlichkeit und Intelligenz ein selbstbestimmtes Leben in allen Lebensabschnitten unterstützen. Zu meinem Aufgabenspektrum an der ASH Berlin gehören neben dem Projektmanagement die Evaluation des Studiengangs und die Konzeption von Fort- und Weiterbildungen. Seit April 2013 arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im IFAF-Projekt „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter“ (GLESA), einem Kooperationsprojekt der ASH Berlin und der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin. Aus Raumgründen ist unser Projektbüro an der HWR, aber die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. María do Mar Castro Varela an der ASH Berlin. Das Projekt GLESA untersucht den 2012 eröffneten „Lebensort Vielfalt“ – ein Wohn- und Pflegeprojekt mit vorwiegend älteren Schwulen, aber auch Lesben, Heteras und jüngeren Schwulen (siehe S. 35 in dieser alice). Wir gehen unter anderem der Frage nach, welchen Beitrag das ehrenamtlich und selbstbestimmt initiierte und professionell organisierte Wohnund Pflegeprojekt für neue Wohnformen im Alter und die kommunale Altenhilfe, aber auch für die Sensibilisierung von Pflegekräften leisten kann. Mein Interesse für Geschichte war immer stark mit meinem persönlichen Leben verbunden: In einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet aufgewachsen, habe ich mich begeistert mit der Arbeiterbewegung auseinandergesetzt. Während meines Lehramtsstudiums war die Entdeckung der Frauengeschichte zentral, und über mein Engagement in der emanzipatorischen Krüppel- und Behindertenbewegung habe ich schließlich mein Interesse für die Geschichtlichkeit behinderter Menschen entdeckt. Ich war lange Jahre in der Medizingeschichte zu Hause und habe zu den Opfern von NS„Euthanasie“ und Zwangssterilisation geforscht und veröffentlicht. Von den „Kulturen des Wahnsinns“ aus, einer Forschergruppe der Charité, erkunde ich nun die „Kulturen des Sozialen“. Nach einigen Jahren praktischer Berufstätigkeit als Logopädin habe ich das Studium der Lehr- und Forschungslogopädie als Diplom-Logopädin abgeschlossen. In meinem weiteren beruflichen Werdegang konnte ich immer mit unterschiedlichem Schwerpunkt die drei Bereiche Lehre, Forschung und praktische logopädische Arbeit mit Patientinnen und Patienten vereinbaren. Seit 15 Jahren bin ich als Dozentin für Fachkräfte in den Gesundheitsberufen und für pädagogische Fachkräfte in der Erwachsenenbildung tätig. Neben der Stelle an der ASH Berlin arbeite ich als Logopädin am Zentrum für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte am Vivantes Klinikum Spandau. Ich bin gelernter Verwaltungsfachangestellter, der Soziologie in Bremen und Berlin und Gerontologie in Amsterdam studiert hat. An der Technischen Universität Dresden habe ich zu „Bildung im Alter“ promoviert. Nach Beschäftigung bei einem Präventionsanbieter und einem ambulanten Pflegedienst arbeite ich seit neun Jahren in Teilzeit im Deutschen Bundestag im Bereich „Gesundheits- und Seniorenpolitik“. Meine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Alternssoziologie, Internationale Gerontologie sowie Alter(n) und soziale Ungleichheit. alice 78 I Menschen Elène Misbach Claudia Nuß Katrin Plogas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt für Demokratieentwicklung arbeitet als pädagogische Angestellte im Projekt EyeTrack4all ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Wertschöpfungskette Pflege Seit Januar 2014 bin ich gemeinsam mit Arlen Bever im Projekt „Stärkung zivilgesellschaftlicher Ressourcen in Marzahn-Hellersdorf als Beitrag für sozialräumliche Demokratieentwicklung“ tätig. Ziel des Projektes ist es, basierend auf qualitativen Interviews mit kommunalen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren, Migrantinnen und Migranten sowie weiteren Bevölkerungsgruppen ein Handlungskonzept zur sozialräumlichen Demokratieentwicklung für den Bezirk zu erarbeiten. Demokratische Beteiligungsmöglichkeiten auf zivilgesellschaftlicher und kommunalpolitischer Ebene sowie Erfahrungen mit Diskriminierung und alltagsrassistischen Erscheinungsformen interessieren uns besonders. Im partizipativen Austausch mit bestehenden Netzwerken und Initiativen möchten wir untersuchen, inwiefern gelungene, gut laufende Projekte und Netzwerke gestärkt und ausgeweitet werden können. Welche Bedingungen sind förderlich und eventuell auf weitere soziale Räume übertragbar? Seit November 2013 bin ich pädagogische Angestellte im Forschungsprojekt EyeTrack4all unter der Leitung von Prof. Dr. Ingrid Kollak. Das Projekt befasst sich mit Augensteuerungen als technische Hilfe zur Ansteuerung eines Kommunikationsgerätes bei nicht-sprechenden Menschen (siehe S. 38 in dieser alice). Zu meinen Aufgaben gehört es mit Probanden zusammenzuarbeiten, Interaktionen zu evaluieren, Software für Augensteuerungen zu untersuchen, eine Checkliste zu entwickeln und das Projekt mit pädagogischem Wissen zur Unterstützten Kommunikation (UK) zu ergänzen. Seit Januar 2014 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Wertschöpfungskette Pflege“ unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Bettig. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf besteht ein Interesse an leistungsfähigen regionalen Gesundheitsdiensten zur Verbesserung der Versorgungsqualität von pflegebedürftigen Menschen und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Um Potenziale aufzudecken und bestehende Versorgungsprozesse zu optimieren, wird mithilfe von regionalen Akteurinnen und Akteuren die Wertschöpfungskette in der Pflege definiert. Im Rahmen des Projekts führe ich Interviews und Befragungen durch, um aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für die Unternehmen selbst und die Bezirkspolitik ableiten zu können. Ich habe in Darmstadt und an der Freien Universität Berlin Psychologie studiert mit Schwerpunkt auf Kritische Psychologie, subjektwissenschaftliche Praxisforschung, Theorie-Praxis-Verhältnis und Rassismustheorien. Nach meiner langjährigen Tätigkeit bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin freue ich mich, meine Erfahrungen in der Arbeit für eine demokratische Alltagskultur nun in das spannende Forschungsprojekt an der ASH Berlin einzubringen. alice UK war Schwerpunkt meines Heilpädagogikstudiums an der KH Freiburg. Im Anschluss war ich dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Unterstützte Kommunikation tätig. Dabei konnte ich wissenschaftlich und praktisch arbeiten. Das hat mir viel Freude bereitet, da mir die Arbeit mit Menschen am Herzen liegt. Neben dem Studium und der Ausbildung als Erzieherin habe ich als freie Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe e. V. Freizeiten für Menschen mit Behinderungen mitorganisiert und begleitet. Im November 2011 habe ich den Verein InterAktiv e. V. mitgegründet; wir setzen uns für Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund ein. In Berlin arbeite ich neben dem ASHProjekt an einer Integrations-Kita und bin dort für die UK-Förderung zuständig. Die Stelle an der ASH Berlin macht mir viel Freude, da ich weiterhin wissenschaftlich und praktisch tätig sein kann. Nach meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin habe ich in der ambulanten Pflege gearbeitet. Anschließend studierte ich „Gesundheits- und Pflegemanagement“ an der ASH Berlin; derzeit beende ich mein Masterstudium „Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen“. Mit meiner Familie lebe ich seit einigen Jahren im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und fühle mich inzwischen mit ihm verbunden. Im Rahmen des Projektes „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf – Modellvorhaben Präventionskette“ hatte ich die Möglichkeit Interviews mit jungen Müttern zu führen, um deren Versorgungssituation zu verbessern. Ich freue mich, erneut an der Entwicklung dieses Bezirks mitwirken zu können. ALICE TAGT I 79 alice tagt Meet the World! Impressionen vom ersten „International Day“ an der Hochschule Joseph Rothmaler Unter dem Motto „Meet the World!“ veranstaltete das International Office am 7. November 2013 den ersten International Day im Audimax der ASH Berlin. Rund 300 Besucherinnen und Besucher ließen sich von der Internationalität der Hochschule begeistern, tauschten sich mit internationalen Studierenden aus und trugen so maßgeblich zum Erfolg des ersten International Day bei. Viele Studierende der Hochschule bekamen an diesem Tag erstmals einen Eindruck von der Bandbreite möglicher Auslandsaufenthalte während des Studiums und begannen in vielen Fällen sogleich mit der Planung ihres Vorhabens. So konnten mehrere Interessierte direkt von der neu geschlossenen Partnerschaft mit der Sheffield Hallam University in Großbritannien profitieren: Die anwesende Austauschkoordinatorin der Hochschule vermittelte ihnen unmittelbar Plätze für einen Austausch in den kommenden Semestern. Gleichermaßen konnten die Studienplatzvermittlung IEC Online, begleitet von einer Vertreterin der University of Winnipeg in Kanada, und das Vermittlungsbüro des Centre Français de Berlin viele Studierende bei ihren konkreten Vorhaben für Studien- und Praktikumssemester in Nordamerika, Australien, Neuseeland oder Frankreich beraten. Regionale Leckereien als Lockmittel Aktuelle Gaststudierende von Partnerhochschulen der ASH Berlin boten nicht nur durch ihre wertvollen Informationen aus erster Hand einen lebhaften Eindruck vom Studium an ihren Hochschulen, sondern begeisterten auch mit regionalen alice 80 I ALICE TAGT Leckereien aus ihren Städten und Ländern. Die Besucher/innen konnten über den beliebtesten Infostand abstimmen und die Gewinnerinnen aus Italien (1. Platz) und Kolumbien (2. Platz) erhielten einen Preis für ihre Kreativität. In einem Live-Interview erzählten mehrere Gaststudierende zudem von ihren Erfahrungen bei der Orientierung in einem neuen Land und an einer neuen Hochschule. Auch ehemalige Austauschstudierende standen an einem Infostand Rede und Antwort zu ihren Praxis- oder Studiensemestern im Ausland. Eine Studentin aus dem Bachelorstudiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ berichtete in ihrem Vortrag von den Erfahrungen und Herausforderungen bei der Organisation und Durchführung ihres Praktikums in Costa Rica. Anhand zweier Initiativen zeigten Studierende aus dem Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“, wie im Studium fachliche und interkulturelle Erfahrungen verbunden werden können: Teilnehmende am „Bachelor International“ erhalten im Rahmen je eines Studien- und Praktikumssemesters in der Türkei eine Zusatzqualifikation, während im Seminar „Austausch sprengt Grenzen“ ein internationaler Austausch mit Aktivistinnen und Aktivisten der sozialen Kulturarbeit aus Ecuador mit beiderseitigem Besuch durchgeführt wurde. alice Viele Studierende nutzten den International Day auch, um sich für das vom International Office koordinierte Buddy-Programm anzumelden, ein Angebot zur Unterstützung von Gaststudierenden an der ASH Berlin. Zudem wurde die Tandem-Wand rege genutzt, an der man sich direkt über Tandems zum Erlernen einer Sprache informieren und für diese Initiative anmelden konnte. Diese Wand befindet sich sonst auf der 3. Etage neben Raum 350. Der erste International Day konnte viele Studierende der ASH Berlin für Auslandsaufenthalte inspirieren und hat sie näher mit den Gaststudierenden in Kontakt gebracht. Um auf diesem Erfolg aufzubauen, ist für 2014 bereits ein weiterer International Day geplant. www.ash-berlin.eu/internationalday Joseph Rothmaler ehem. Tutor im International Office aatut@ash-berlin.eu ALICE TAGT I 81 Ein kritischer Rückblick Der Hochschultag zum Thema „Gewalt: Prävention und Intervention“ am 5. Dezember 2013 Stephan Voß Das Thema Gewalt spielt in den Berufen, für die die ASH Berlin ausbildet, eine bedeutsame Rolle. Es lag deshalb nahe, einen Hochschultag rund um dieses Thema zu gestalten. Dessen Ergebnisse in rund 3.500 Zeichen zusammenzufassen, ist kaum möglich, zumal sich die Veranstaltung mit der ganzen Breite des Themas im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen im Plenum und in Workshops sowie in einem World-Café befasst hat (1). Eine solche Zusammenfassung würde auch den Gedanken und Anregungen der Teilnehmenden kaum gerecht werden. Bei dem Versuch, die Anregungen in der gebotenen Kürze zu verallgemeinern, würden diese nur an Unschärfe gewinnen und an Aussagekraft verlieren. Hinzu kommt, dass nach dem Hochschultag zunächst nicht die Frage nach dessen Ergebnissen im Vordergrund stand, sondern die des geringen Interesses an dieser Veranstaltung: Von 3.200 Hochschulangehörigen haben etwa 80 am Hochschultag teilgenommen, am Nachmittag im World-Café waren es nur noch rund 20 Personen. Dies und die Tatsache, dass auch andere Hochschultage nicht sehr viel besser besucht waren, wirft die Frage nach Bedeutung und Gestaltung der Hochschultage auf, deren zentrale Idee es ist, für die ASH Berlin relevante Themen gruppenübergreifend zu bearbeiten und damit auch zur Weiterentwicklung der Hochschulkultur beizutragen. Kann diese Idee tatsächlich realisiert werden, wenn nicht einmal drei Prozent, an anderen Hochschultagen vielleicht fünf oder sechs Prozent der Hochschulangehörigen den Hochschultag besuchen? Zweifel sind angebracht und es ist zu fragen, woher das geringe Interesse am Hochschultag rührt. Geringes Interesse trotz aktueller Themen Dass die Themen der Hochschultage schlecht gewählt oder die Möglichkeiten, sie zu bearbeiten, unzureichend waren, ist bei der Vielzahl der Themen und Formate kaum anzunehmen. Auch mangelt es nicht an ihrer professionellen Gestaltung. Möglichkeiten zur Information, Diskussion und Partizipation sind zumeist in ausreichendem Maße vorhanden. Selbst Angebote wie der Projektemarkt anlässlich des letzten Hochschultages oder die Beteiligung von vielen Hochschullehrenden an der Gestaltung des Tages haben es nicht vermocht, eine große Anzahl vor allem von Studierenden zum Besuch des Hochschultages zu motivieren. Sie stellen mit circa 95 Prozent den größten Anteil der Hochschulangehörigen und damit auch den größten Anteil potenzieller Teilnehmer/-innen. Ihr geringes Interesse an den Hochschultagen mag damit zusammenhängen, dass sie zu wenig in die Planung und Gestaltung der Hochschultage einbezogen wurden. In jedem Fall jedoch identifizieren sie die angebotenen Themen nicht in ausreichendem Maß als ihre Themen, für die es sich lohnt, an der Veranstaltung teilzunehmen. Letzteres gilt natürlich auch für diejenigen Angehörigen anderer Statusgruppen, die die Hochschultage ebenfalls nicht besuchen. Vielleicht sollte vor diesem Hintergrund seitens der Hochschule das Angebot und der Wunsch an die Studierenden herangetragen werden, den Hochschultag in eigener Regie (bei Bedarf natürlich mit Unterstützung der Hochschule) zu gestalten. Dies böte ihnen die Chance, im Rahmen eines solchen Tages sowohl ihre Themen zu bearbeiten als auch mit Angehörigen anderer Statusgruppen in Dialog zu treten. Für andere hochschulrelevante Themen, die bisher im Rahmen von Hochschultagen bearbeitet wurden, wären dann andere Veranstaltungsformate zu finden. (1) Inputs und Protokolle der Veranstaltung befinden sich auf der Lernplattform „Moodle“. Stephan Voß Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle Prävention s.voss@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-307 alice 82 I ALICE TAGT Gesundheit als Erfolgsfaktor für eine Hochschule ASH Berlin und KHSB luden zur 29. Jahrestagung der Hochschulkanzlerinnen und -kanzler Sandra Teuffel Befristete Verträge, bürokratische Prozesse, zunehmendes Berichtswesen – die Arbeit an Hochschulen nimmt stetig zu, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird eingeschränkt und Potenziale der Hochschulen werden verschenkt: Gute Gründe Betriebliches Gesundheitsmanagement in den Mittelpunkt der 29. Jahrestagung der Hochschulkanzlerinnen und -kanzler zu stellen. 100 Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulleitungen, aus der Politik und dem Gesundheitswesen über mögliche Konzepte und Best-Practice-Beispiele zur Gesundheitsförderung an Hochschulen. Input am Eröffnungstag in der KHSB gaben unter anderen Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Thomas Ilka, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Dr. Knut Nevermann, Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin. In Workshops an der ASH Berlin widmeten sich die Kanzlerinnen und Kanzler drei Themenschwerpunkten, die sie als entscheidend für die Gesundheitsförderung von Hochschulen erachten: Führungsverhalten, Konzeptentwicklung für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie die Gestaltung von Arbeitsumgebungen und Lernräumen. Als besonderes Problem der Hochschulen – neben der generell steigenden Arbeitsbelastung – sahen die Hochschulkanzlerinnen und -kanzler die zunehmende Übertragung von Aufgaben und Berichtspflichten ohne gleichzeitige Aufstockung der Ressourcen. So kamen die Kanzlerinnen und Kanzler zu dem gemeinsamen Fazit, dass die Hochschulleitungen Gesundheitsförderung nach dem Beispiel der ASH Berlin als strategischen Faktor in der Hochschulentwicklung verankern und entsprechende Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Studierende schaffen müssen, um als Hochschule leistungs- und wettbewerbsfähig zu sein. „Wir haben mit unserem Programm ,alice gesund‘ die gesundheitsfördernde Hochschule seit mehr als fünf Jahren statusgruppenübergreifend in der Hochschulentwicklung verankert und führen das erfolgreiche Programm mit unserer langjährigen Partnerin, der Techniker Krankenkasse weiter“, so Andreas Flegl, Kanzler der ASH Berlin. Für die erfolgreiche Umsetzung wurde die Hochschule bereits 2011 ausgezeichnet: Im bundesweiten „Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschule“ gewann das von Prof. Dr. Theda Borde initiierte Projekt „alice gesund“ für den besten Organisationsentwicklungsprozess den ersten Preis. Der Kanzler Andreas Flegl eröffnete die 29. Jahrestagung an der ASH Berlin Gemeinsam mit der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) richtete die ASH Berlin die Jahrestagung vom 18.–20. September 2013 aus. An drei Tagen diskutierten rund alice Sandra Teuffel Pressesprecherin teuffel@ash-berlin.eu Tel. (030) 992 45-426 LESESTOFF I 83 © adistock - Fotolia.com Lesestoff Europäische Menschenrechtskonvention und deutsches Grundgesetz in Übereinstimmung? Konkordanzkommentar zum europäischen und deutschen Grundrechtsschutz Eine Rezension von Nils Lehmann-Franßen Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) aus dem Jahr 1950 enthält ebenso wie die deutsche Verfassung, das Grundgesetz (GG), einen beeindruckenden Katalog von verbindlichen Grund- bzw. Menschenrechten. Die EMRK gilt in allen 47 Mitgliedsstaaten des Europarates und sie gilt damit hierzulande ebenso wie beispielsweise in Spanien, in der Schweiz oder in Russland. Da die EMRK in Deutschland Gesetzesrang hat und damit im Rang unterhalb des GG steht, kommen Fragen zur Wirksamkeit auf, wenn gemeinsame Topoi beider Kodizes verschieden formuliert oder gedacht werden. Die Umsetzung der EMRK wird vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg überprüft – im Gegensatz zum GG, das nur die deutsche Ge- richtsbarkeit bindet. Für den selben Sachverhalt kann sich daraus eine divergierende Rechtsprechung ergeben – beispielsweise zum Umgangsrecht des nichtehelichen Vaters mit seinem Kind oder zur Sicherungsverwahrung. Großartiger Verdienst dieses Kommentars ist es nun, die jeweiligen Grund- bzw. Menschenrechte der noch unscharfen EMRK einerseits und des ausdifferenzierten GG andererseits systematisierend gegenüberzustellen. Die unendlich mühevolle Einbeziehung der wegweisenden Rechtsprechung bei der Kommentierung macht die Bezüge der Entscheidungslogik in den jeweiligen Normenwerken deutlich – mit dem Ziel einer „Identifizierung autonomer Schutzstandards“ (S. 1), die der Praxis Orientierung verleiht. Exemplarisch bedeutet das für die aktuelle Asylrechtsdiskussion, stützende Regelungen der EMRK neben das einschlägige, aber relativierbare Grundrecht aus Artikel 16a des GG (Absatz 1: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“) zu stellen. Da die EMRK ein Asylrecht nicht ausdrücklich benennt, sind aus der EMRK die dem deutschen Asylrecht affinen Regelungen für einen aus GG und EMRK resultierenden Schutzstandard für Asylsuchende deutlich zu machen. Das übernehmen kongenial Andreas Zimmermann und Björn Elberling mit ihrer Kommentarbearbeitung des Rechtes auf Ausweisungsschutz (Kapitel 27). Dieses konstituiert sich aus dem Schutz des Rechtes auf Leben, dem Verbot der Folter und dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens (EMRK, Artikel 2, 3 und 8) sowie aus den dazugehörigen Zusatzprotokollen. Hinzu kommt für ein Recht auf ein innerstaatlich rechtsförmiges Asylverfahren alice 84 I LESESTOFF das Recht auf wirksame Beschwerde (EMRK, Artikel 13). Dies alles ist komplex – und bei Würdigung der internationalen Rechtsprechung werden die unterschiedlichen Regelungsschichten einbezogen. Mit der eigenen Systematik dieses Konkordanzkommentars gelingt es indessen beeindruckend, sich die Perspektive des Asylrechtes in der EMRK für die Praxis zu erschließen. Den Herausgebern wie auch den Autorinnen und Autoren dieser Kommentierung – Hochschullehrende und Praktiker/-innen – gelang ein singuläres, großes Standardwerk für den rechtlich fundierten Umgang mit den Europäischen Menschenrechten in Deutschland: nun in aktualisierter, zweiter Auflage. Alice im Wunderland Katrin Günther, Ulrike Hemberger (Hg.) Brandenburgische Technische Universität, Cottbus 2013 24 Seiten, kostenlos in der Bibliothek der ASH Berlin erhältlich ISBN 978-3-9814236-1-7 Gesundheitsökonomie Ein praxisorientiertes Lehrbuch EMRK/GG Konkordanzkommentar Buchinformation Oliver Dörr, Rainer Grote, Thilo Marauhn (Hg.) Mohr Siebeck, Tübingen 2013, 2. Auflage 2.416 Seiten, 378,00 Euro ISBN 978-3-16-149397-3 Signatur ASH-Bibliothek R-S-525.1/2 Alice im Wunderland Ein interdisziplinäres Hochschulkooperationsprojekt Buchinformation Begriffe wie Diagnosis Related Groups (DRG), Vergütungssysteme, Ressourcenallokation und Managementkonzepte bestimmen zunehmend die Leistungserbringung in Gesundheitseinrichtungen. Studierende und Angehörige der Gesundheitsfachberufe müssen sich immer mehr mit Fragen der Finanzierung, der Vergütungsformen, des Managements und der rechtlichen Grundlagen ihres Handelns auseinandersetzen. Ein Semester lang haben Studierende der Architektur und Stadtplanung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und der Sozialen Kulturarbeit der Alice Salomon Hochschule Berlin gemeinsam daran gearbeitet, Alice aus ihrem Wunderland ins Zentrum des letzten in den 1980er- und 1990er-Jahren in Plattenbauweise gebauten Berliner Bezirks Marzahn-Hellersdorf zu beamen. Das Verwischen der Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen ermöglichte ein experimentelles Crossover zwischen Kunst und Kulturarbeit auf der einen und Wissenschaft auf der anderen Seite. Unsicherheit und Zweifel zu durchleben, Wagnisse einzugehen und aus den daraus resultierenden Erkenntnissen Perspektiven und Visionen aufzuzeigen, davon wird im Katalog berichtet. alice Dieses Kurzlehrbuch bietet eine praxisorientierte Einführung in die Thematik sowie einen leicht verständlichen und systematischen Zugang zum deutschen Gesundheitswesen. Geboten werden Erläuterungen mit zahlreichen Beispielen, übersichtliche „Key Facts“ am Anfang jedes Kapitels und ein Team aus Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis. Ein ausführliches Glossar rundet die durchgängig praxisorientierte Didaktik ab. Das Lehrbuch ist sowohl als Lesestoff für Seminare und Vorlesungen als auch als Nachschlagewerk in der Praxis gut geeignet. Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem und öffentliche Gesundheitspflege Norbert Roeder, Peter Hensen, Dominik Franz (Hg.) Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2013, 2. Auflage 360 Seiten, 39,95 Euro ISBN 978-3-7691-3514-5 LESESTOFF I 85 Ein Kriminalroman um Beutekunst, Mord und Geheimdienste Deutschland und die Türkei Buchinformation Buchinformation Ein Mann stirbt beim Sturz vom Balkon eines Berliner Hotels. Die Kommissarin Verena Mayer-Galotti untersucht, ob es sich um Mord, Unfall oder Suizid handelt. Anfangs sieht alles nach einer lokalen Ermittlung aus, die bis in den Bezirk MarzahnHellersdorf führt, doch schnell entwickelt sich der Fall zu einer internationalen Affäre. Der Tote hatte zu Lebzeiten offenbar Kontakt zu einem argentinischen Privatier, der ihm ein millionenschweres Beutekunstwerk verkaufen wollte. Die Suche nach der Wahrheit, in deren Zentrum Erbe und Erben des NS-Regimes stehen, gipfelt für die Kommissarin schließlich auf einem Schloss in Südfrankreich, das einem alten Kriegsverbrecher gehört. In einem Geflecht von Antikenhehlerei, Erpressung und Auftragsdelikt, sowie zwischen israelischem Geheimdienst und Nachfahren des Dritten Reichs, muss Verena Mayer-Galotti beruflich und privat einen kühlen Kopf bewahren. Der Band umfasst 29 Aufsätze renommierter Forscher/innen, Expertinnen und Experten sowie Vertreter/-innen von Wissenschaftsinstitutionen aus Deutschland und der Türkei. Die Aufsätze erörtern ausgewählte Aspekte deutsch-türkischer Wissenschaftskooperation; sie fassen die Erfahrungen und Ergebnisse aus gemeinsamen Forschungs- und Bildungsprojekten zusammen und beleuchten die konkrete Umsetzung der deutsch-türkischen Kooperation in Lehre und Forschung. In den Beiträgen dieses Buches werden die zentralen gesellschaftlichen, gesundheitlichen und bildungspolitischen Herausforderungen in der Türkei und in Deutschland diskutiert, die Wissenschaftskooperation, Wissenstransfer und Innovationen erfordern. Zudem werden Förder- und Austauschprogramme zusammengefasst, die es in beiden Ländern und auf Ebene der Europäischen Union gibt, um die Kooperation in Wissenschaft, Bildung und Forschung zwischen Deutschland und der Türkei zu unterstützen. Die Autorinnen: Doris Bewernitz, Julia Christ und Annett Heibel sind erfolgreiche Absolventinnen des Masterstudiengangs „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der ASH Berlin. Forschen, lehren und zusammenarbeiten in Gesellschaft, Gesundheit und Bildung Die Publikation liegt in separater Auflage auf Deutsch und auf Türkisch vor. Kostenlose Exemplare können unter presse@ash-berlin.eu bestellt werden. Rattenlinie Bariloche Doris Bewernitz, Julia Christ, Annett Heibel Verlag Südwestbuch, Stuttgart 2013 246 Seiten, 11,90 Euro ISBN: 978-3-94-426403-5 Deutschland und die Türkei Erol Esen, Theda Borde (Hg.) Verlag Siyasal Kitabevi, Ankara 2013 527 Seiten ISBN: 978-605-4627-48-6 (deutsche Version) ISBN: 978-605-4627-49-3 (türkische Version) alice 86 I TERMINE Termine, Termine Hochschulübergreifende Veranstaltungen Offizielle Rektoratsübergabe Di., 8. April 2014, 9.00 Uhr Audimax der ASH Berlin Abschlussfeiern Fr., 11. April 2014 Gesundheits- und Pflegemanagement und Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen Di., 6. Mai 2014 Soziale Arbeit und Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik Mi., 7. Mai 2014 Erziehung und Bildung im Kindesalter Infoveranstaltung zum Auslandsaufenthalt (1) „Praktikum und Feldstudienphase“ Do., 17. April 2014, 12.00–13.00 Uhr Raum 333, ASH Berlin Semesterauftaktparty! Do., 17. April 2014, 22.00 Uhr Cassiopeia Berlin Infoveranstaltung zum Auslandsaufenthalt (2) „Studium im Ausland“ Do., 24. April 2014, 12.00–13.00 Uhr Raum 235, ASH Berlin 2. Symposium des Dachverbandes Salutogenese Fr./Sa./So., 2. bis 4. Mai 2014 Audimax der ASH Berlin „Berliner Pflanzen – Berlinli Bitkiler“ Aufführung der türkisch-deutschen Altentheatergruppe „Bunte Zellen“ (Theater der Erfahrungen) Mo., 5. Mai 2014, 12.00–14.00 Uhr Audimax der ASH Berlin alice Spazierblicke „Hellersdorf aus Sicht der Bienen“ Di., 13. Mai 2014, 13.00–15.00 Uhr Haupteingang der ASH Berlin Mit: Dr. Christine Hugk Poetik-Vorlesung Vorlesung des diesjährigen Poetik-Preisträgers Franz Hohler Fr., 16. Mai 2014, 19.00 Uhr Audimax der ASH Berlin Advocacy-Tage Mo./Di./Mi., 19. bis 21. Mai 2014 ASH Berlin „alice läuft“ bei der 15. TEAMStaffel der Berliner Wasserbetriebe Do., 5. Juni 2014, ab 18.30 Uhr Start-/Zielbereich Rasenfläche im Tiergarten, John-Foster-Dulles-Allee, Skulpturengarten am Bundeskanzleramt Tag der offenen Tür der ASH Berlin Fr., 13. Juni 2014, 10.00–16.00 Uhr ASH Berlin Literatur-Workshop mit Peter Wawerzinek im Rahmen des Tag der offenen Tür Fr., 13. Juni 2014, 13.00–17.00 Uhr ASH Berlin Spazierblicke „Selbstorganisierte Projekte in Hellersdorf“ Das Beispiel Alternatives Jugendzentrum mit Wohnprojekt Kudepo/la Casa Di., 17. Juni 2014, 15.00–18.00 Uhr Haupteingang der ASH Berlin Mit: Gabriele Kokel (Jugendamt Marzahn-Hellersdorf) Hochschultag „Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung – Studium und Lehre gestalten“ Mi., 18. Juni 2014, 10.00 Uhr Audimax der ASH Berlin Festveranstaltungen 20 Jahre Pflegestudium Fr., 20. Juni 2014, 14.00 Uhr Audimax der ASH Berlin ab 20.00 Uhr im Nachbarschaftshaus Kreuzberg 10 Jahre kindheitspädagogische Studiengänge in Deutschland Mo./Di., 15. bis 16. September 2014 ASH Berlin Frühpädagogische Abendvorlesung des Studiengangs Erziehung und Bildung im Kindesalter Jeden zweiten Donnerstag ab 10. April 2014, 18.00–20.00 Uhr, Audimax der ASH Berlin Vorlesung und Diskussion zu aktuellen (früh-)pädagogischen Themen und Erkenntnissen aus der Kindheitsforschung. Eingeladen sind: Studierende, Lehrende und Mitarbeiter/-innen der Hochschule, interessierte Fachkolleginnen und -kollegen sowie pädagogische Fachkräfte aus der Praxis. Veranstaltungen der Karriereplanung Die Termine und das ausführliche Programm finden Sie auf der Webseite www.ash-berlin.eu/karriereplanung Rubrik „Workshops und mehr …“ Bitte beachten Sie auch die Anzeige auf Seite 55 in dieser Ausgabe der alice. DIE LETZTE MELDUNGI 87 Die Pressestelle meint … Scherben bringen Glück! Es gibt Menschen, die freuen sich über einen halb vertrockneten, im Gewächshaus gezüchteten und zu allem Überfluss mit einem Schornsteinfeger dekorierten vierblättrigen Klee als Glücksbringer für ein neues Jahr. Und dann gibt es da noch die von Haus aus optimistisch eingestellten Menschen, die Scherben für den Glücksbringer schlechthin halten. Diese Personen müssen historisch gesehen auch für den Brauch des Polterabends verantwortlich sein, denn wer sonst bitte freut sich über kiloweise zerschlagenes Geschirr vor der eigenen Haustür? Nicht dass der diesjährige Neujahrsempfang der ASH Berlin einem Polterabend glich, aber der Schweizer Autor Franz Hohler, Preisträger des Alice Salomon Poetik Preises 2014, meinte es gut mit der Hochschule und brachte eben kein Kleegewächs mit. Er besann sich auf die gute alte Tradition der Glück bringenden Scherben und ließ während des Weltuntergangs – genauer gesagt während der „Ballade vom Weltuntergang“ und auch recht unbeabsichtigt – ein Wasserglas in tausend kleine Stücke springen. Das Publikum, hin und weg von Hohlers erstklassigem, performativem und trotz allem kritischem Programm, nahm es gelassen und freute sich über die Glück bringenden Neujahrsgrüße: Der „Weltuntergang“ wurde mit tosendem Applaus gewürdigt. © Givaga - Fotolia.com Einen ebenso glückvollen Start ins Sommersemester wünscht Ihnen das Team der Pressestelle! alice 88 I IMPRESSUM alice magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin Sommersemester 2014 Impressum alice Nr. 27 Herausgeber: Das Rektorat und der Kanzler der Alice Salomon Hochschule Berlin V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Theda Borde Hand aufs Herz Gesundheit und Pflege an der ASH Berlin ausgezeichnet! Helleum erhält Auszeichnung als herausragende Bildungsidee alice tagt Impressionen vom ersten International Day Hörsaal Aktuelles aus dem Zentrum ASH-IQ Chefredaktion: Diana Grothues Redaktion: Diana Grothues (DG), Susann Richert (SR), Sandra Teuffel Layout und Satz: Willius Design, Berlin - info@willius-design.de Korrektorat: goetz@korrekturstudio.de Anschrift der Redaktion: Alice Salomon Hochschule Berlin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin Tel.: (030) 992 45-335, Fax: (030) 992 45-444 E-Mail: presse@ash-berlin.eu Bildnachweise: Autorinnen und Autoren, David von Becker, Caroline Cyris, Diana Grothues, Juliane Schlei, SHK Mitte Erscheinungsweise: Zwei Ausgaben pro Jahr (April und Oktober); Auflage 5.000 Nächster Redaktionsschluss: 04. August 2014 In eigener Sache: Die Redaktion des alice Magazins möchte noch mehr Beiträge von und mit Studierenden veröffentlichen. Dazu benötigen wir Ihre Hilfe. Gerne können Sie Beiträge sowie Vorschläge und Ideen zu Artikeln einsenden. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei Fragen rund um das Schreiben von Artikeln zur Seite. Redaktionskontakt: Diana Grothues presse@ash-berlin.eu, Telefon: (030) 992 45-335 Redaktionsschluss für die alice 28: 04. August 2014 alice Abo: Eine Online-Ausgabe kann unter: www.ash-berlin.eu/alice-magazin heruntergeladen werden. Mitarbeiter/-innen erhalten ihr persönliches Exemplar per Hauspost. Anderen Leserinnen und Lesern bieten wir ein kostenfreies Abo nach Hause. ISSN 1861 - 0277 Anzeigen: Bitte an die Redaktion Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Vervielfältigung u. Ä. nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Druck: besscom AG, www.besscom.de, 04/2014 Dieses Hochschulmagazin wird auf Recy®Star Polar hochweiß gedruckt. Recy®Star Polar besteht zu 100% aus Altpapier; ausgezeichnet mit dem Blauen Engel und EU Ecolabel sowie 100% FSC Recycling und der Norm DIN ISO 9706 für höchste Alterungsbeständigkeit. Die in den Beiträgen geäußerten Meinungen spiegeln nicht unbedingt die Ansicht der Redaktion wider. In allen Artikeln und Beiträgen der alice folgen wir der vom Duden empfohlenen Schreibweise und schließen alle Menschen mit ein. Für alle, die lieber ihre Bücher als ihr Konto studieren. Das Konto für junge Leute ist das perfekte Konto, das bis zum 30. Geburtstag mitwächst. Es bietet immer genau das, was man im jeweiligen Alter gerade braucht. Und das Beste: Während des Studiums eröffnet, bleibt es bis zum 30. Geburtstag kostenlos. Informationen gibt es überall bei Ihrer Berliner Sparkasse oder im Internet unter www.berliner-sparkasse.de/jungeleute alice 27 · 2014
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