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Berlin entlassen werden? Was will es sagen, wenn der
Verein 500 zahlende Mitglieder hat, die einschließlich der
seitens des Kaiserpaares bewilligten Zuschüsse jährlich etwa
5000 Mark aufbringen, wenn er über ein Vermögen von
ungefähr 35000 Mark verfügt und eine Jahreseinnahme
von insgesamt 15 bis 20000 Mark aufzuweisen hat?
Mit solchen Ziffern kann man einen auch nur einigermaßen
erfolgreichen Kampf gegen die stattlichen Zahlen der Ver
brecherstatistik nicht beginnen; jedes gute Werk, das der
Verein an einem einzelnen Bestraften thut, bleibt für sich
segensreich und anerkennenswert, als allgemein durchgrei
fendes Mittel in dem Kampfe gegen das gewerbsmäßige
Verbrechertum kann ihm nur eine sehr untergeordnete Rolle
zugewiesen werden.
Die Gründe, aus denen es dem Verein trotz seiner
besten Absichten nicht möglich ist, größere Wirkungen zu
erzielen, sind verschiedenartige. Zunächst ist überhaupt schon
seine Existenz im Publikum sehr wenig bekannt, und wo
sie bekannt ist, läßt sie gleichgültig, oder sie erweckt int
besten Falle Interesse und Beifall, öffnet aber nicht den
Geldbeutel. Es ist höchst unerfreulich zu sehen, wie kalt
alle Welt diesen doch so lobenswerten Bestrebungen gegen
übersteht; den meisten Menschen ist der Eingang auf die
Verhältnisse der Verbrecher fast so unsympathisch, wie der
Umgang mit ihnen selbst, sie sehen in ihnen nur verab
scheuungswürdige Subjekte, aber sie haben kein Mitleid mit
dem auch in ihnen steckenden menschlichen Keim. Deshalb
halten sie sich fern von allem, was in diese Sphäre hinein
ragt, und verspüren am allerwenigsten Lust, noch mate
rielle Opfer für eine sie nicht anmutende Sache zu bringen.