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Periodical volume Sonnabend, 10. Februar 1900 Nr, 6

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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besondere Beachtung verdienen 
übrigens die beiden von Professor 
Peter Fuchs modellierten und bei 
Louis in Köln gegossenen Bronze 
thü.ren der Türme, die in ihrer 
Gesamtheit durch einen großen 
Zug ausgezeichnet sind. Auf den 
Thorflügeln des Nordtnrmes sieht 
man Darstellungen ans dem alten 
Testament, auf denen des südlichen 
wird das Leben des Heilandes in 
achtzehn gut durchgeführten Bildern 
geschildert. Auf dem die Türme 
trennenden Giebelbau ist unterhalb 
der mächtigen Rose ein farben 
prächtiges Mosaik angebracht. Es 
ist nach dem Entwurf von Schaper 
in Hannover ausgeführt und stellt 
die Kreuztragung und Kreuzigung 
dar. — Aeltere Kunstschütze, außer 
dem erzenen, wahrscheinlich dem 
XI. Jahrhundert entstammenden 
romanischen Taufbecken, enthält 
der Dom nicht. Dagegen verdient 
der sogenannte, übrigens zu ebener 
Erde belegene „Bleikeller" Be 
achtung, in dem seit Jahrhunderten 
aufbewahrte Leichen sich fast 
verändert erhalten"haben. Durch 
Aufhängen von toten Vögeln hat 
man in neuester Zeit zu erfahren 
gesucht, ob noch heute die gleichen 
Wirkungen eintreten würden, und in der That scheinen auch diese 
Tiere hier unverweslich zu sein. 
Dem Dom zur Seite liegt ein der neuen Zeit entstammendes 
Noland, der Nies'. 
Seeschiffe konnten bis auf die 
gelangen, weil die Tiefe der 
von hier ab ziemlich plötzlich 
der den Markt nach Südosten hin 
würdig abschließt. Für den un 
geheuren Aufschwung, den Bremen 
als Welthandelsplatz in der zweiten 
Hälfte unseres — offiziell des ver 
gangenen — Jahrhunderts ge 
nommen hat, ist schon allein die 
Thatsache bezeichnend, daß sich die 
Zahl der ständigen, zahlenden 
Börsenbesucher gegenwärtig ans 
fast anderthalb Tausend beläuft. 
Bremen ist heute der erste Tabak 
markt der Welt, und auch in 
Hinsicht auf den Baumwollen- 
und Reishandel wird es nur noch 
von wenigenPlätzen des Auslandes 
übertroffen. Nächst Hamburg ist 
es die weitaus bedeutendste See- 
handelsstadt Deutschlands. Und 
doch ist es noch nicht so lange 
her, daß seine Zukunft geradezu 
in Frage gestellt erschien. Bremens 
Lage ist nicht besonders günstig, 
es liegt mehr als neun deutsche 
Meilen vom Meere entfernt, und 
es war daher kein Wunder, daß 
der Nachbarstaat Oldenburg es 
sich angelegen sein ließ, das kleine, 
seit Jahrhunderten als „Hafen" 
Bremens dienende oldenburgische 
Städtchen Brake zum Range eines 
Hauptplatzes zu erheben. Größere 
neueste Zeit nur bis zu diesem Orte 
Weser, die hier noch 5 m betrug, 
bis auf kaum 3 m abnahm. Da 
Nakhau«. (Südsrlkr.) 
Gebäude, das Zeugnis giebt von der Bedeutung, die Bremen auch war es der thatkräftige und berühmteste Bremer Bürgermeister 
in der Geschichte unserer Zeit gewonnen hat, .die Börse. Es ist Johann Smidt, der mit weitschauendem Blicke erkannte, daß hier 
ein schöner, in den Jahren 1861—64 von H, Müller im gotischen etwas geschehen, mußte. So erwarb er denn um die Mitte der 
Stil ausgeführter Backsteinbau von sehr ausgedehnten Dimensionen, zwanziger Jahre von dem damaligen Königreich Hannover
        
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