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Periodical volume Sonnabend, 3. Februar 1900 Nr, 5

Full text: Der Bär Issue 26.1900

stand, und gelangt ans die Place dn Prä-anx-Clcrcs, den ehemaligen 
Tummelplatz der Studenten in der Nähe der Abtei St.-Germai». 
Hier hat man das Geburtshaus Moliöres aufgestellt) hier 
erhebt sich auch einer der Türme des alten Louvreschlosses. Durch 
ein zweites Thor, Porte des Jakobins, gelangen wir weiter auf 
einen freien Platz) wir stehen vor der alten Kirche St.-Julian des 
Msnetriers, ehedem eine der merkwürdigsten von Paris schon 
deshalb, weil sic im 13. Jahrhundert von den Jongleuren und 
Spielleuten (Mönstriers) erbaut worden war. Hier befindet sich auch 
der Pranger sle Pilori), ein kleines, beturmtes Häuschen mit dem 
„Polnischen Bock" im offenen Inneren. Bisher weilten wir im 
Quartier Moyen-Age. Durch Arkaden an der Seine hin führt nun 
die Straße ins Quartier des Halles mit den alten Markthallen, 
die 1551 abbrannten. Hier steht das ThsLtre des Vieilles-Halles, 
wo der bekannte Kapellmeister Colonne seine berühmten Konzerte 
geben wird. Das dritte Viertel von Alt-Paris weist verschiedene 
Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrundcrt auf, wie den Pvnt-an- 
Change, die einst boulevardähnliche Brücke der Geldwechsler, Teile 
des alten königliche» Schlosses, jetzt Justizpalast, mit dein schönen 
ehemaligen Treppenhause der Sainte-Chapelle, die Tour de 
l'Ärchevschs u. s. w. Schließlich gelangt man durch die Porte 
du Palais wieder auf den Quai de Billy hinaus. 
Das ganze Alt-Paris wird nachts der Neuzeit gemäß elektrisch 
erleuchtet. Es sollen auch historische Umzüge darin abgehalten werden 
und was dergleichen mittelalterliche Lustbarkeiten mehr sind. Ohne 
Zweifel wird es für Einheimische und Fremde ein interessanter An 
ziehungspunkt sein und mit seinen altertümlichen Dächern und Giebeln, 
Türmchen und Erkern wohlthuend ans Auge und Gemüt wirken. 
Berliner Chronik. 
Am 18. Januar starb Professor Ludwig Bußler im 62. Lebens 
jahre, der als Musikkritiker hervorgetreten ist. 
Am 30. Januar feierte Professor Friedrich Wilhelm Holtze 
seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar mar von 1852—1879 Lehrer am 
Kadettenkorps und leitet seit dem letzt genannten Jahre die Bibliothek 
der Kriegsakademie. 
Der Geheime Medizinalrat Professor vr. Albert Gnttstadt, der 
seit 25 Jahren als Universitätslehrer für allgemeine Pathologie in 
Berlin wirkt, feierte am 25. Januar seinen 60. Geburtstag. 
Die Zweijahrhuudertseier der Akademie der Wissen 
schaften soll am 19. und 20. März stattfinden. 
Zur Erbauung einer Bismarcksäule in Berlin hat sich ein Aus 
schuß gebildet, der sich aus bürgerlichen und studentischen Kreise» zu 
sammensetzt. 
Das Kaiser Friedrich-Denkmal, das auf der Musenms-Jnsel 
seinen Platz erhalten soll und dessen Schöpfer der Münchener Bildhauer 
Rudolf Maison ist, ist jetzt im Hilfsmvdell vollendet und von der 
Kaiserin Friedrich für die Ausführung genehmigt worden. Das Denkmal 
wird in Bronze gegossen werden. 
Im Pergamon-Museum erfolgt gegenwärtig die Aufstellung des 
Gigantomachic-Reliefs, dessen einzelne Teile durch Gutzmörtel ver 
einigt werden, der dem halbverwitterten Marmor gleicht. Das Relief 
wird senkrecht aufgestellt, so daß eine teilweise Rekonstruktion der ge 
samten Altaraulage entstehen wird. 
Der Proviuzialschulrat vr. Adolf Matthias in Koblenz, der seit 
Ansang der siebziger Jahre im Schuldienst steht, ist ins Kultus 
ministerium berufen worden. 
Professor Adolf Bastian, Direktor der ethnologischen Abteilung 
des Museums für Völkerkunde, ist zum ordentlichen Honorar-Professor 
ernannt worden. 
Die Tierärztliche Hochschule zählt in diesem Winterhalbjahr 
517 Studierende, darunter 139 Militär-Roß-Eleven. 
Kleine Mitteilungen. 
Das Deutsch Friedrichs des Großen. Mit vielen berühmten 
Männern seiner Zeit hatte Friedrich der Große auch das gemein, daß 
seine Kenntnis der Rechtschreibung des Teutschen eine sehr mangelhafte 
war. Das geht ans vielen von ihm selbst anfgezcichneten Schriftstücke» 
hervor. Bekannt ist die „Extra-Consnnipiion bey der Königlichen Hof- 
küche" vvin 9. November 1784, die mit den geharnischten Worten 
schließt: „also was über 12 Thaler ist imputirent gestohlen Frh." Der 
«lk-Vsrl«.
        
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