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Periodical volume Sonnabend, 29. Dezember 1900 Nr, 52

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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Wilhelm Feldmann und Max lltf), der talentvolle Carl Holzapfel, 
Max Hoenow, Wilhelm Kuhnert, der unübertreffliche Schildere! 
der Wüste und ihrer Bewohner, Carl Oenick, d. H. Freiherr von 
Stenglin und die begabte Julie Wolfthorn zu zahlen wären. ^Be 
sonders sei aber auf die kleine Kollektion älterer Gemälde Professors 
Carl Becker, Ehrenpräsident der Kgl. Akademie der Künste, hin 
gewiesen, die zu Ehren des am 18. Dezember 80jährigen Meisters 
zusammengestellt wurde. 
Kleine Mitteilungen. 
Entwurf eines Kaiser Wilhelm-Turms auf dem Schlotz- 
brrg zu Arnsberg. Der Schlossbcrg des freundlichen Städtchens 
Arnsberg an der Ruhr in der Provinz Westfalen ist eine historische 
Stätte. Hier befand sich der Hauptfrerstuhl der westfälischen Fchmgerichte, 
hier wurde im Geheimen Recht gesprochen. Die Idee, auf diesem Berge 
eine» Turm zu errichte», ist eine glückliche, denn die Trümmer des altep 
Schlosses nehmen sich auf diesem geschichtlich bedeutende» Platze recht kläglich 
aus. Die ehemalige Grafschaft Arnsberg gehört erst seit 1816 zu Preußen. 
Ein notier Schulbrief. — Endlos sind in dem Preussen des 
vorigen Jahrhunderts die Klagen über unwissende Schulhalter, die 
meist Winkelschreibcr waren und sich zum Unterrichten der Kinder 
völlig unfähig zeigten. Im Jahre 1784 reichte der Schullehrer 
Beyer in der Klosterstraße zu Berlin beim Magistrat die Bitte ein, dem 
Kanonier Pries, der in derselben Straße wohnte, das Unterrichen der 
Kinder des Maurermeisters Leitner, des Gastwirts Bischoff, des Schlosscr- 
meisters Krause, des Kaufmanns Bober, des Schmieds Ritze u. a. ohne 
Konzession zu verbieten. Der Magistrat fragte bei dem Maurermeister 
Lettner an, was er über Pries denke. Leitner legte zuni Beiveis der Un 
fähigkeit des Pries zwei von ihm den Kindern diktierte Briefe vor, von 
denen der eine lautete: „Mein lieber Herr Gesatlcr. Was ich doch für 
ein liederlicher Kerl bin, dass ich inich schämen muss, dir zu schreiben, 
dass alle nietn Geld verspielet habe, der Wirth will mir nicht mehr borgen, 
meine Uhr hat der Jude, und meinen Rock der trödler, hast du mich 
noch lieb, helf mir mit zehn Thaler, damit ich nur mit Ehren hier weg 
komme. Ich bezahle dich auf Ostern als ein ehrlicher Kerl, oder du solst 
nicht sagen, daß ich dein Bruder bin. Ich bite dich nochmahls, verlass 
mich nicht, oder ich lass mich den blaue» Rock anziehen, verbleibe dein 
getreuer Bruder I. F. Bischof. Berlin, de» 12. Fcbr. 1784." 
Von Voden. Als INI März 1813 zu Breslau das 
freiwillige Jägerdctachcment des preussischen Leibgrenadicr- 
regimcnts errichtet wurde, liess sich in dasselbe ei» Berliner 
Student einreihen. Nach seinem Nanien gefragt, erwiderte er: 
„Ich heiße Ernst von Boden." Seine Vorgesetzten ahnten, daß 
das- nicht sein richtiger Name sei, schwiegen jedoch. „VouBvdcn", 
eine hohc,vornchmeGestalt,zcichnete sich durch Entschlossenheit 
und Mut so vorteilhaft aus, dass mau einen Betrüger oder 
Spion in ihm nicht vermuten durfte. SeiueKonipagnie wählte 
ihn zuerst zum Lbcrjager, sodann zum Fcldivebcl; während 
des Waffenstillstandes nvnnzierte er zum Leutnant. Die 
Schlacht bei Lützen oder Groß-Görschen brachte ihm das 
Eiserne Kreuz zweiter, die bei Leipzig das erster Klaffe ein. 
Mit dem Jorkschen Korps nahm er an der Verfolgung der 
Innere Vnlrrhk. 
Aeutzere Ansrrhk. 
Aus London kam eine Kollektion von Marianne 
Stokes. Ihre Werke, in einer neuen, eigenartigen, 
der Freskomalerei der alten Italiener ähnelnden gesso- 
grosso-Technik hergestellt, sind von aparter Wirkung; 
sie erregten bereits in London grösstes Aufsehen, und 
cs ist kein Zweifel vorhanden, dass sie auch hier den 
stärksten Eindruck machen werden. — Gleichzeitig stellt 
auch ihr Mann Adrian Stokes seine Marinen aus. 
Paul Crodel vertritt mit seinen großempfundeneu, 
breitbchandelten und stimmungsvollen Landschaften 
ans dem bayrischen Hochgebirge München aufs beste, 
ebenso wie P. W. Keller-Reutlingen, Friede. Prölss 
und der unerreichte Meister der Stilllebenmalcrei 
L. Adam Kunz, der in einer grösseren Anzahl von 
hervorragend schönen Werken Zeugnis eines glänzenden 
Könnens giebt. 
Alessandro Zessos und Andreas Rocgels sandten 
aus Venedig Werke und Max Roßmann, Frank 
furt a. M., eine wichtige Kollektion. 
In wertvollster Weise ergänzen aber noch zwei 
Worpsweder diese Ausstellung: Haus am Ende, 
dieser durch eine Moorlandschaft und eine im größten 
Stil gehaltene Radierung, und Carl Vinnen, der 
sieben Gemälde zur Verfügung stellen konnte. Carl 
Vinnen entwickelt sich mehr und mehr zu einem 
der ersten deutschen Landschafter. Ihn beseelt ein 
unermüdlicher Eifer, der Technik immer neue Ge 
heimnisse abzugewinnen; und auch diese seine jüngsten 
Werke, Kinder einer farbenfrohen Kunst, welche in 
der vollen Freude an der Pracht einer reichen Natur 
schwelgt, sind ein Beiveis dafür, welch sicheres Können 
er besitzt, aber zugleich auch, welch hohe Künstlerschaft, 
die ihm schon viele Freunde und Verehrer verschafft 
hat und stark genug ist, sie ihm auch in Zukunft zu 
erwerben.
        
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