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Periodical volume Sonnabend, 29. Dezember 1900 Nr, 52

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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Die Blüchersammlung im „historischen Museum der Völkerschlacht 
und der Zeit Napoleons I." zu Leipzig. 
ie Bereicherungen, die das historische Museum im Laufe 
des letzten Jahrzehntes gemacht hat, veranlassen mich, eine 
kurze Uebersicht der Autographen, Reliquien und Gemälde 
zu geben, um sie der Allgemeinheit des deutschen Volkes bekannt 
zu machen. 
Ich beginne zunächst mit der Blüchersammlung, um später die 
Körners, Napoleons und anderer hervorragender Männer folgen 
zu lassen. 
Die vorhandenen, meist eigenhändigen Schriftstücke (auch 
Befehle, obgleich Blücher wenig selbst schrieb) umfassen den Zeit 
raum der Jahre 1806—1818. 
Am 20. August 1806 steht Blücher bei Münster und teilt dem 
Komniandanten des Dragonerregiments von Wobster, Major 
von Oppen (z. Z. in Lippstadt) mit: es sei die Ansicht des Königs, 
ein Vordringen der Franzosen durchaus nicht zu gestatten. Ferner 
solle er (Oppen) „die Preußische Grenze nicht eher verlassen, bis 
er durch Uebermacht zurückgedrängt werde und, den Feind im Auge 
habend, auf ihn (Blücher) über Strombcrg und Warendorf 
"repartieren." 
Zwei weitere Befehle aus Münster (vom 24. und 28. August) 
liegen vor. In dem einen befiehlt er, die Franzosen als Feinde 
zu betrachten, wenn sie wagen sollten, vorivärts zu marschieren, 
und, er wisse, wenn sie es dennoch wagten, sie mit dem Gros der 
Armee zu züchtigen. Im anderen Befehl finden wir Angaben über 
die Stellung und Stärke des französischen Generals Bourmont 
und über die vorzunehmende Organisation der hessisch-darmstädtischen 
Truppen. 
Nach den unglücklichen Schlachten bei Jena und Auerstädt 
begab sich Blücher, nachdem er vergeblich versucht hatte, Lübeck zu 
halten, nach Ratkau, wo er am 7. November 1806 kapitulieren 
mußte. Als Gefangener nahm er seinen Aufenthalt in Hamburg. 
Bon hier aus sandte er am 10. Mai 1807 einen Brief an den 
„Jusouders hochzuehrenden Herrn Obrist-Wachtmeister von Oppen". 
Er erkundigt sich teilnehmend nach dessen „Blessuren" und spricht 
die Hoffnung aus, daß er, sobald „das jetzige Gerücht seiner 
Auswechslung würklich in Erfüllung übergehen sollte, er alles thun 
würde, ihn wieder in Thätigkeit zu sehen und er es für seine 
Pflicht halte, dahin zu würken, einen solchen ausgezeichnet braven 
Mann wieder in den Stand zu setzen, seinem König und Vaterlande 
nützen zu können". Es folgt die Nachschrift: „Gestern erhalte ich 
Briefe von Scharnhorst, daß ich würklich ausgewechselt sey, aber 
ich habe leider darüber noch nichts, und möchte vor unmuth 
vergehn." 
AIs sich die Preußen jenseits der Oder zurückgezogen hatten, 
und Blücher ausgewechselt, von Napoleon mit Auszeichnungen ent 
lassen, nach Königsberg gereist war, beschloß man, mit einem 
preußischen Korps eine Unternehmung an der pommerschen Küste 
mit Hilfe der Schweden zu versuchen, und der König ernannte den 
General Blücher zum Kommandeur dieser Truppen. Er sandte 
am 17. Mai 1807 ein eigenh. Schreiben nach Pillau, das die 
genausten Details seiner projektierten Einschiffung enthielt und mit 
folgenden Worten beginnt: „Euer Hochwohlgeb. avertiere wie ich 
morgen nach Mittag in Pillau ein treffen werde um mich 'auf der 
im Haffen liegenden Schwedischen Jacht ein zu Schiffen und 
gleich ab zu gehn, in mein gefolgc ist der Major v. Lossow, 
und noch 7 Adjutanten und officiere." Wie bekannt, scheiterte 
diese Expedition, da die Schweden einen Waffenstillstand mit den 
Franzosen geschlossen hatten, und währenddessen die für die Preußen 
ungünstige Schlacht von Friedland geschlagen worden war. 
Es folgen zwei Dispositionen, die erste „zur Versammlung der 
Truppen in Fall einer feindlichen Landung, Treptow, 28. Juny 1808" 
(auch eigenh.), die zweite „Zum Maneuvre auf den 12. Juny 1809" 
und eine Eingabe vom 13. Jilni 1809 aus Stargard au die 
König!. Kriegskasse um Dispositionsgelder im Betrage von 
300 Rthlr. Letztes Schriftstück ist mit Bemerkungen des Königs 
versehen und von ihm unterzeichnet. 
Ein dritter Brief (nur mit eigenh. Unterschrift) an den Major 
von Oppen, aus Berlin vom 22. November 1811 ist vorhanden. 
In diesem dankt er für das ihm erwiesene Vertrauen (Major 
von Oppen hatte Blücher in Kenntnis gesetzt, daß er beim König 
um Entlassung nachgesucht habe) und bedauert, daß die Armee 
einen ihrer besten Officiere verliere. Zum Schluß fügt Blücher bei, 
daß auch er von den Militärgeschäften entbunden sei. 
Im Juli 1813 schreibt er eigenhändig an ebendenselben u. a.: 
„. . . ich danke Führ die Freundschaftliche gesinnung, so sie mich 
bewiesen, ich bin gottlob völlig hergestellt und sehe mit sehn 
sucht daß beginnen der neuen Fehde entgegen, unsere armeeh 
90000 Mann stark ist in gnhten zu stände, gestern habe ich 20 
Battallion landwehr und 8 Esqadron besehen, hentte kom wieder 
16 Battalliou und 8 Esqadron, alles ist bewaffnet, und die 
leutte machen ihre Sache recht guht, Generall Gneisenan hat 
sich ein großen rühm niit der Formation gemacht die geschwiudig- 
keit wo mit sie zu stände gckom über trifft jede menschliche cr- 
wahrtung". Einige Zeilen später: . . . wegen ihrn Herrn 
Sohn sein sie ohne sorgen ich habe Nostitz aufgetragen von alles 
was er braucht zu sorgen, geld kan reichlich kriegen so vill wie 
nöthig ist." 
Das wertvollste Stück der Sammlung ist ein Generalstabs 
bericht (8 Fol. S.) aus Pilgramsdorf vom 20. August 1813, 
die Gefechte vom 18. bis 20. August betreffend. — 
Wenn der Kronprinz von Schweden am 16. Oktober seinen 
Verpflichtungen als Alliierter nachgekommen wäre und den wieder 
holten Aufforderungen des beim schwedischen Heere befindlichen 
englischen Kommissars Stewart, den Marsch zu beschleunigen, 
nachgekommen wäre, würde die Schlacht bei Möckern für die Ver 
bündeten entschiedener geschlagen worden sein und Leipzig früher 
in die Hände der Alliierten gefallen sein. Blücher sandte deshalb 
in der Aufwallung des Zorns am Nachmittage des Schlachttages 
folgendes Billet an den Fürsten von Schwarzenberg: „Wenn 
der Hund von zigeuner nicht sofort erscheint, so muß in 
daß heilig kreuz granaden bomben donnerwetter klein 
schlagen." 
Aus dem Jahre 1815 haben wir einen Befehl Blüchers, als 
Kommandeur der Niederrheinarmee, an den General von Borstell 
bezüglich der Bestimmungen der invaliden Offiziere und ein 
längeres Schreiben vom Hauptquartier Compiegne (26. Okt. 1815) 
an den Gouverneur von Paris, Frciherrn von Müffling, in 
welchem er ihm den in ehmalig französischen Diensten stehenden 
Major von Ploosen empfiehlt, der iin Verdacht stand, militärische 
Absichten Preußens an den König von Frankreich mitgeteilt zu 
haben und um Urlaub gebeten hatte, um sich in Paris zu recht 
fertigen. 
Am 23. Februar dankt Blücher Herrn Conrad Euderlein (in 
Berlin, Unter den Linden wohnend) für die Dienste, die ihm sein 
Sohn Fritz geleistet hat. Aus den Jahren 1816 und 1818 sind 
noch zwei wertvolle, eigenhändige Briefe vorhanden, von denen 
ich den einen, an seinen Sohn Franz gerichteten, wörtlich wieder 
geben will: 
„An deß Herrn Major von Blücher 
Hochwohlgebohrn zu Reppen. 
Liber frantz diesen angenblick kome ich hier an, und will 
so lange bleiben bis Du komst da mit wir uns sprechen, ich 
gehe nach Breslau alles übrige mündlich, nach Pomern gehe 
ich nicht mehr zu viel in Schlesien in der gegeud von Reiße 
habe ich ein guht nachmals Kuntzendorff (1812 als Dotation 
vom König) erhalten, köm in balde anhero Blücher. 
Der andere, ein Jahr vor seinem Tode an seinen Freund, 
den Freiherr» von Oppen, gesandte Brief, ist zu laug (vier große 
Seiten), um hier vollständig wiedergegeben zu werden. Ich führe 
deshalb zum Schluß der Autographensammlung einige Bruchstücke 
daraus an: „. . . mit Dank habe ich durch den Herrn Haupt- 
mann von Salich Ihr» brieff erhalten, der Hund ist mich sehr
        
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