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Periodical volume Sonnabend, 17. November 1900 Nr, 46

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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Schlimme Zeiten brachen für das Kloster an, als die Polen 
und Litauer im Jahre 1826 auf Geheiß des Papstes in die 
Renmark einfielen. Diese wilden, zum Teil noch heidnischen Horden 
hausten auch in Hinimelstädt in furchtbarer Weise. Die Mönche 
fluchteten sich in die Wälder, um den unmenschlichen Grausam 
keiten zu entgehen- ihre Heimstätte wurde geplündert und verbrannt. 
So war der Bestand des Klosters in Frage gestellt, und die Kultur 
arbeit eines Viertelsahrhunderts schien vernichtet. Dazu kam, daß 
sich räuberische Ritter in den Besitz der Klostergüter setzten und 
die zurückgekehrten Mönche vertrieben, denen schließlich weiter nichts 
übrig blieb, als in ihre Mutteranstalt nach Colbatz zurückzugehen. 
In ihrer höchsten Rot wandten sie sich mit der Bitte um Abhilfe 
und um Rückgabe der widerrechtlich angeeigneten Güter an den 
bayerischen Markgrafen Ludwig den Aelteren, der damals gerade 
in Landsberg weilte. Dieser zeigte sich in einem freundlichen 
Schreiben an den Abt gern bereit, ihnen z» ihrem Recht und 
ihre» Besitztümern zu verhelfen, wenn das Kloster wieder aufgebaut 
sei» würde. Auch gestattete er ihnen urkundlich, daß die Mönche 
für die Abfuhr des Holzes und der Kohlen aus ihre» Waldungen 
die markgrüflichen Wege zollfrei benutzen durften. Der Bruder 
Ludwigs, Markgraf Otto, bestätigte den Mönchen den Besitz des 
Klosters, das noch immer nicht errichtet worden war, im Jahre 1368 
aufs neue und stellte sie unter den besonderen Schutz seiner Haupt- 
leute und Vögte) das geschah jedoch nur unter der Bedingung, 
daß die Mönche an seinem Todestage für ihn die Messe lesen 
sollten. 
Mit dem Aufbau des Klosters hatten die Colbatzer Mönche 
nicht besondere Eile, da ihrem Kloster dann um so länger die 
Abgaben aus den verbliebenen Güter» zuflössen. Erst um das 
Jahr 1370 wurde das Kloster ans Stein erbaut, und zum zweiten 
mal hielten die Mönche feierlich ihren Einzug in Himmelstädt. 
Das Hauptgebäude stand in der Richtung der großen Scheune auf 
dem jetzigen Gute. Die Versprechungen Ludwigs aber wurden 
nur in geringem Grade erfüllt; denn noch zehn Jahre später 
fanden sich Klostergüter im widerrechtlichen Besitz von mehreren 
Adligen. Eine Schenkung des Markgrafen Johann aus dem Hause 
der Luxemburger sei noch erwähnt. Auf ihre Bitten gab er den 
Mönchen ein Bruch am Teufelssee an der oberen Kladow, um dort 
Wiesen anlegen zu können. Danach heißt noch heute diese Gegend 
im Forstrevier Renhaus der „Priesterpfuhl". 
Die Herrschaft der Luxemburger war durchaus nicht geeignet, 
dem Lande wie auch den Himmelstädter Mönchen friedliche Zeiten 
zu bescheeren. Es war ein Zustand allgemeiner Unsicherheit; der 
anmaßende Adel drückte die Schwächeren hart. Raub- und beute 
lustige Ritter »ahmen die Klostergüter aufs neue in Besitz; die 
Klosterleute weigerten sich, ihre Abgaben zu entrichten. Diesmal 
wandten sich die Mönche, da sie beim Landesherr» auf keine Unter 
stützung rechnen durften, an den Papst, daß er ihnen helfe. Dieser 
beauftragte 1389 den Propst der Marienkirche zu Stettin, die 
Räuber und Ungehorsamen am Himmelstädter Kloster zu ermahnen, 
die Güter herauszugeben und ihren Zehnten an das Kloster ab 
zuliefern. Sollten sie sich weigern, so solle er sie durch Androhung 
und, wenn nötig, durch Verhängung kirchlicher Strafen dazu 
zwingen. Ob diese Drohungen geholfen haben, davon berichten 
uns die Urkunden nichts. Ein neuer Feind erstand de» Mönchen 
in dem Bischof von Lebus, der im Jahre 1406 den Zehnten ihrer 
fünf westlich gelegenen Dörfer forderte. Der Papst Gregor XU. 
luchte auf die Beschwerde der Mönche diesem Streit rin Ende zu 
machen, indem er dem Abt des Klosters Paradies die Untersuchung 
übertrug. Wie die Entscheidung ausgefallen ist, ob zu Gunsten 
des Klosters oder nicht, ist nicht ersichtlich. 
lieber die Persönlichkeiten der Mönche sind uns nur dürftige 
Rachrichten überliefert worden. Obwohl sie fortgesetzt mit Wider 
wärtigkeiten zu kämpfen hatten, so müssen sie doch zeitweise zu be 
deutendem Ansehen gelangt sein; denn die Urkunden ans der Ge 
schichte Landsbergs berichten uns, daß der jeweilige Abt von 
Himmelstädt nicht nur oft als Zeuge wichtiger Verträge und 
Handlungen aufgetreten, sondern auch als Schiedsrichter in fremden 
Streitigkeiten angerufen worden ist. So wurde der Abt Johannes 
von Himmelstädt nebst anderen Geistlichen 1376 berufen, einen 
Streit zwischen dem Rat der Stadt Landsberg und dem Abt des 
Klosters Semmeritz zu schlichten. Letzterer klagte die Stadt wegen 
Ungerechtigkeiten und Rechtsverletzungen an, begangen an Kloster- 
gütern. Den Verhandlungen wohnte auch der Prior Heiuco von 
Himmelstädt als Zeuge bei. Die Entscheidung erfolgte zu Uugnnsten 
der Stadt, die zur Zahlung einer Entschädigungssumme verurteilt 
wurde. 
Im Jahre 1385 trat der Abt Heinrich von Himmelstädt als 
Zeuge auf, als das Kloster Paradies das Dorf Kernein an die 
Stadt Landsberg verkaufte. Später werden noch die Aebte 
Andreas uud Hermann von Himmelstädt als Zeugen ermähnt. 
Während der Herrschaft des deutschen Ritterordens waren 
dem Kloster auch keine goldenen Tage beschieden. Infolge der 
zunehmenden Ohnmacht der Hochmeister, die zuletzt immer mit 
Geldmangel zu kämpfe» hatten, erlaubten sich ihre Feinde fort 
gesetzte Einfälle in das Land. Die Dörfer des Klosters waren 
besonders den Uebergrisfeu des Bischofs von Lebus ausgesetzt, 
gegen den der Hochmeister auch nichts thun konnte, da der Kur 
fürst Friedrich I. sich das in ironischem Tone verbat. Darum 
ging der Hochmeister schon mit der Absicht um, das Kloster 1445 
nach Preußen zu verlegen. Dagegen sträubten sich jedoch die 
Mönche. Geneigter waren sie dem Plaue, nach Marienwalde, 
Kreis Arnswalde, wo schon ein Kloster war, überzusiedeln. Aber 
in der Folgezeit wurde nichts daraus, die Mächte blieben in 
Himmelstädt. Ihre Privilegien und Besitztümer wurden ihnen 
1496 von Kurfürst Friedrich II. aufs neue — es heißt für „ewige 
Zeiten" — bestätigt; aber schon im Jahre 1575 traf es dasselbe 
Schicksal, wie die andern Klöster in den der Reformation zugäng 
lichen Ländern: es wurde aufgehoben uud in ein landesherrliches 
Besitztum verwandelt. Die Klosterräume dienten von jetzt ab nur 
noch wirtschaftlichen Zwecken; später wird eines Jagdschlosses er 
wähnt, das also wohl hier errichtet morden ist, ähnlich wie in 
Massin. Aus der Geschichte Landsbcigs geht hervor, daß ein 
Hauptmann das Amt Himmelstädt verwaltete, der im Jahre 1594 
den Landsberger Rat zu einem „Fischkriege" veranlaßte indem er 
den Heinersdorfer See belagerte und die Bürger zum Kampfe 
herausforderte, wenn sie von den Fischen haben wollten. Doch 
der Bürgermeister Simon Schede lud den Hauptmnnn zu Gaste 
ein, bewirtete ihn fürstlich und beendete so den Fischkrieg auf 
friedliche Weise. 
Im Jahre 1668 berührte der große Kurfürst mit seiner Ge 
mahlin auf der Reise nach Preußen auch Himmelstädt, und die 
Landsberger Schützengilde begab sich hinaus, um ihm ihre 
Aufwartung zu machen. Roch zu erwähnen ist, daß die 
Landsberger verpflichtet waren, bei Himmelstädt einen Wolfs 
garten zu unterhalten und alljährlich an den Wolfsjagden teil 
zu nehmen. 
Der Strom der menschliche» Geschäfte wechselt. Andere Zeiten 
erzeugen andere Gesichtspunkte und schaffen andere Einrichtungen; 
das Alte muß dem Reuen weichen. So kam es auch, daß das 
Kloster Himmelstädt nach kaum 300jährigem Bestehen für immer 
vom Erdboden verschwand. Auch die alte Klosterkirche, die noch 
bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gottesdienstlichen 
Zwecken diente, ist der Zeit zum Opfer gefallen. Wenn nun auch 
nichts mehr vorhanden ist, was von dem vergangenen Dasein des 
Klosters erzählt, so wird doch der Name des jetzigen Dorfes stets 
an die fleißigen Mönche erinnern, die unter schwierigen Umständen 
ein Werk hoher Gesittung vollbrachten, das als ein wichtiger Ab 
schnitt im Entwicklungsgänge der uenmärkischen Kulturgeschichte 
dasteht.
        
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