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Periodical volume Sonnabend, 27. Oktober 1900 Nr, 43

Full text: Der Bär Issue 26.1900

Der Bar. 
Illustrierte Wochenschrift. 
„Der Bär" erscheint jährlich 52 mal und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten zu beziehen (Br. 866 des Postkataloas) und kostet vierteljährlich 2 M. 50 Pf., 
jährlich 10 M., Einzelhefr 20 Pf'. — Injerkionspreis für die 4 gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 50 Pf. — Beilagegebühr: 6 Ul. pro J000 Stücf inklusive Postgebühren. 
Inserate und Beilagen werden entgegengenomnien von der Expedition des „Bär", 8>X'., Neuenburgerftraße l4a, sowie von allen Annoncen-Lrpeditionen. — Fernsprecher: IV. Nr. 365t 
26. Jnhvgnng. Sonnabend» 27. Oktober lsiOO. Kp. 43. 
Kaiser Friedrich und das Kunstgewerbemuseum. 
ür Kaiser Friedrich war die Beschäftigung mit der Kunst 
nicht der Ausfluß einer fürstlichen Liebhaberei, sondern 
das heiße Streben nach dein Ziele: Förderung, Freude, 
Genuß und Belehrung in die weitesten Kreise des Volkes zu tragen, 
mit einem Worte, durch die Kunst das Volk geistig und sittlich zu 
heben. Wie groß er von der zu stiller Sammlung und zur Ver 
edelung aller geistigen Kräfte anregenden Kunst dachte, durch deren 
Werke das Schönste und Reinste 
aller Zeiten und Völker zu uns 
redet, das hat er am fünfzig 
jährigen Gedenktage der Gründung 
der Museen ausgesprochen. „Wir 
wissen," sagte er, „wie in den 
Tage» unseres größten nationalen 
Unglücks, als alles zu wanken 
schien, der Gedanke an die idealen 
Ziele des Menschen sich schöpferisch 
stark und lebendig erwies. Dankbar 
dürfen wir heute genießen, ivas die 
grundlegende Arbeit jener trüben 
Zeit geschaffen. Aber wir werden 
dieses Genusses nur froh werden, 
wenn wir auch der Verpflichtung 
eingedenk sind, die er uns auferlegt. 
Es gilt vielleicht heut mehr denn 
je, an unsern idealen Gütern feil 
zuhalten und die Erkenntnis ihres 
Wertes und ihrer rettende» Macht 
unserm Volke mehr und mehr zn 
erschließen." Die Kunst dem Volke 
zugänglich zn machen, das war 
Kaiser Friedrichs leitender Gedanke. 
Er sah, daß nichts einem leeren 
und unfruchtbaren Wohlleben wirk 
samer entgegen arbeitet, als der 
Genuß, den die verständnisvolle 
Beschäftigung mit wahrer Kunst 
und mit ihren Denkmälern bereitet. 
Er sah auch, wie die Kunst selbst ohne Anlehnung an 
systematisch angelegte und stetig vervollständigte Sammlungen sich 
nicht entfalten konnte, und ivie unentbehrlich ein gewisses Maß voll 
Vorbildung und gutem Willen ist, um sich jenen Genuß zuzueignen. 
Darum war es vor allem die Nutzbarkeit der Sammlungen, deren 
Förderung ihm ain Herzen lag. Mochte es sich nun um Er 
leichterung für den Besuch, oder um die Beschaffung nud Ver 
breitung von Hilfsmitteln des Verständnisses handeln, oder um 
eine Art der Aufstellung, die die Wirkung eines Kunstwerkes zn 
erhöhen und es so dem Verständnis zugänglich zu machen ver 
sprach, so war ihm jeder dahinzielendende Schritt eine Freude und 
seiner Unterstützung gewiß*). 
») Skh. Regierungsrat R. Schöne in seiner Gedächtnisrede bei der Trauerfeler der 
Kgl. Museen, gehalten am I. Juli 1888 im Ltchthofe de« »gl. Knnstgewerbeumseums 
Es ist unmöglich, in dem Rahmen dieses Aufsatzes die segens 
reiche Wirksamkeit Kaiser Friedrichs für alle Gebiete der Kunst 
auch nur annähernd zn erschöpfen. Was er in der Eigenschaft 
als Protektor der königlichen Museen für die Wiedererweckung des 
künstlerischen Sinnes, zur Belebung eines neuen, regen Interesses 
für die Antike gethan, welchen fördernden Einfluß, welche that 
kräftige Unterstützung er bcn Ausgrabungen in Olympia zu teil 
werde» ließ, wie er bei jeder Ge 
legenheit voll warmer Anerkennung 
der Männer gedachte, welche in 
freier Thätigkeit bereit waren, ihre 
Kenntnisse und ihr sachverständiges 
Urteil der Kunst und ihren An 
stalten nutzbar zu machen — das 
steht mit goldenen Lettern in den 
Büchern der Kunst eingeschrieben. 
So nahmen denn auch die Jünger 
der Kunst, die Künstler selbst, in 
der Wertschätzung des Kronprinzen 
und seiner gleichgesinnten Gemahlin 
eine hohe Stellung ein. 
„Das krouprinzliche Paar", so 
schreibt Anton von Werner in einer 
dem Verfasser dieser Skizze freund 
lichst zur Verfügung gestellten 
Charakteristik, „hatte den schönen 
Künsten in seinem Herzen und seineni 
Heim eine freundliche Stätte und 
einen weiten Platz eingeräumt, und 
wenn es dein Kronprinzen auch 
versagt blieb, in ähnlicher Weise 
wie einst Ludwig I. von Bayern 
oder König Friedrich Wilhelm IV. 
von Preußen für die Knust sichtbar 
thätig zu sein, so war doch die 
Teilnahme, welche das hohe Paar 
an den Künstlern und ihrem Schassen 
nahm, gerade in den siebziger 
Jahren, i» welchen die politischen und parlamentarischen Kämpfe 
um den inneren Ausbau des deutschen Reiches das öffentliche 
Interesse i» höchstem Maße in Anspruch nahmen, von nicht zn 
»nterschätzcndem Einfluß. Das krouprinzliche Paar suchte die 
Künstler in ihren Ateliers bei der Arbeit auf und empfing sie im 
Kronprinzlichen Palais zu Berlin und im Renen Palais zn 
Potsdam in anregender Geselligkeit." 
War Kaiser Friedrich durch Erziehung, Bildung und Reisen 
von früh an innig mit der Antike vertrant und auch darin ein 
echter Deutscher, daß er, wie seine große Vorfahren, die deutschen 
Kaiser, mit inniger Liebe an Italien und seiner Kultur hing, so 
galt seine Liebe doch zunächst der deutschen Kunst, ganz besonders 
der deutschen Kunstindustrie, mit deren Entwicklungsgeschichte er 
sich eingehend beschäftigt hatte. Schon vor einem Jahrhundert, 
Kaiser Friedrich.
        
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