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Periodical volume Sonnabend, 20. Oktober 1900 Nr, 42

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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gemacht hatte. Das Eintreffe» weiterer Verstärkungen und schwerer 
Artillerie setzte die Verbündeten in den Stand, non der Verteidigung 
zum Angriff überzugehen. Schon am 27. Juni wurde das 
2,5 Kilometer nördlich vom Bahnhof an einem Kanal liegende 
Arsenal mit Sturm genommen, wobei sich auf deutscher Seite ganz 
besonders die vom Hanptniaiin v. Knobelsdorfs geführte Kompagnie 
des 3. Seebataillons hervorthat. Am 9. Juni nahmen Japaner 
und Nordamerikaner das 1,5 Kilometer südlich von der Altstadt 
gelegene Arsenal, das zerstört wurde. Die Zahl der verbündeten 
Truppen war durch die Nachschübe allmählich auf 13 000 Mann 
angewachsen, so daß die Alliierten stark genug waren, am 13. und 
14. dem Feind die Nordforts und die Altstadt zu entreißen, womit 
ganz Tientsin wieder in den Händen der Verbündeten war, denen 
die Kämpfe der letzten beiden Tage allerdings einen namentlich 
die Russen und die Japaner hart betreffenden Verlust von 
800 Toten und Verwundeten gekostet hatten. 
Kleine Mitteilungen. 
Preise der Berliner Porzellanfabrik. Wenn einerseits die 
Preise, die für älteres Berliner Porzellan auf den Lcpkcschen Auktionen 
Besoldungen verminderte, erschien 
Gedicht auf ihn: 
Die Kuren, die der König thut. 
Sind allzu ivohl geraten, 
Man setzt nicht mehr so häufig auf 
Pasteten, Torten, Braten. 
Wer groste Bissen eingeschlnckt. 
Dem liitft er von dem Steine, 
Wer sich in Kutschen fahren ließ. 
Dem Hilst er auf die Beine. 
Dem, der die Kleiener immerdar 
Mit Golde ließ bordiere», 
: den Berliner Zeitungen folgendes 
Dem hilft er von der gelben Sucht 
Hub lehrt ihn menagieren. 
Wer sich in Sänften tragen ließ. 
Der kann nur ivieder geh,n. 
Wer auf der faulen Seite lag, 
Negieret aufzustehen. 
Kurz, was uns sonst unmöglich schien 
Bei unser» liebe» Alten, 
Geschieht jetzt, denn es lehrt der Hof 
Uns, gute Wirtschaft hall.». 
Urkundliche Belege über den Ursprung der alten Geschlechter 
„von Tümpling", „von Bose" und „von Seydewitz" und über die Zeit 
dauer ihres Aufenthaltes in der Grafschaft „Camdurg". 
Vielfach ist der den Ursprung und die Heimat unserer Adels 
geschlechter verhüllende Schleier noch nicht geschwunden. Ihn -gelüstet 
zu sehen, um Knude aus dem Dämmer der alte» Zeiten zu erhalten, 
hat für de» Gcschichtsfrennd einen eigentümlichen Reiz. Daher auch 
das Interesse au den Resultaten des Sucheiis und ForschenS, an den 
aus bestäubten Behälter» und Winkeln, aus dem Moder des Vergehens 
an das helle Tageslicht hervorgezogenen Urkunden und Aufzeichnungen, 
die es ermöglichen, die alten Stammbäume rückwärts bis aus die 
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Der Satznhof in Lirntstn, von den Russen verteidigt. 
und in den Berliner Antiqnitätenhandlnugen bezahlt werden, das 
Staunen der Nichtliebhaber verursacht, so darf man andererseits nicht 
übersehen, daß zu einer Zeit, als das Geld gegenüber unsern Tagen 
in einem sehr hohen Kurse stand, die Erzeugnisse der Berliner Porzellan- 
manufaktur mit schwerem Kurant bezahlt werden mußten. Vor lins 
liegt eine Originalrechnung des „Hanptwarenlagers der Königlichen 
Porzellanmanufaktur" vom 22. August 1606 für den Rittmeister 
von Mvllcndorff auf Wndicke, lautend über 528 Thaler 12 Groschen. 
Auf ihr finden sich Tassen mit folgenden Preise» verzeichnet: 
u. 
1 Tasse mit Knabe und Extrablatt 
1 
w. 
4 Thlr. 12 Gr. 
12 .. 
Kreuz und Fahne 4 
„ „ Brustbild von Gncisenau ... 6 
„ „ Jagdtieren 6 
„ en Vase mit Brustbild von Blücher in 
grünem Lorbeerkranz nebst Chamois- 
fond 19 
„ als Lothosblnme innen vergoldet . . 18 
Immerhin Preise, die das Begrifssvermögen untergeordneter 
Sterblicher übersteige». 
1)7. tilg. 
Ein Gedicht auf Friedrich Wilhelm I. Als nach der ver- 
schivenderiicheu Regierung Friedrichs I. Friedrich Wilhelm I. ans den 
preußische» Thron stieg, überflüssige Hofleute verabschiedete und große 
Wurzeln weiter zu verfolgen und die noch sehlenden Acste und Ziveige 
zu ergänzen. 
Üeber den Ursprung der oben genannten und in ihren Abkömmlinge» 
noch heute fortlebenden drei Geschlechter, die Jahrhunderte lang 
in der thüringischen Grafschaft „Camburg" seßhaft waren und de» Orts 
namen ihres Besitzes und ihrer Herkinft als Gcschlechtsbezcichnnng an 
nahmen, geben Staats- und Ratsarchive, Kloster-, Kirchen- und Erbakten 
entnoinmene Dokumente und Berichte wertvolle Ausschlüsse. 
I. Von Tümpling. Die „von Tümpling" waren Burgmänner 
oder Kastellane der Burg „Camburg", sogenannte Ministerialen; sie sind 
also nicht zu den Dynasten, zu den! Hcrrcnstande, sondern zu den Dienst- 
mannen, zu den Rittern zu rechnen. 
Für die Verteidigung dieser Feste erhielten sie das in dem nahen 
Dorse Tümpling gelegene Vorwerk als Burglche». Ihre Namen werden 
oftmals in Urkunden des Nnnmbnrger Domes und des Klosters Psorta 
(früher Lolkerode, jetzt Schnlpforta) genannt, zum erstenmal 1242. und 
Thitnc de Tumplicz, Kastellan in Kanborg, ist im Jahre 1387 als 
Belehnter vom Gute Tümpling erwähnt. 
Im Dresdener Staatsarchiv ist eine Urkunde vom Jahre 1398, in 
der das Besitzrecht der Markgrafen von Meißen auf dir Gerichtspflcgc 
im Distrikt Eamburg gegen die Besitzer der dortigen Mühle, gegen die 
„von Bresenitz" auf „Breienitz" (jepl Franenprießnitz, Dorf wendischen 
Ursprungs von „breza" — die Birke) durch Zeugen erivicseu wird.
        
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