Path:
Periodical volume Sonnabend, 29. September 1900 Nr, 39

Full text: Der Bär Issue 26.1900

619 
Prinz Albert von Sachsen *f\ 
asch tritt der Tod den Menschen an!" Für dieses Dichterwort 
liefert der jähe Tod, der den Prinzen Albert von Sachsen 
am Abend des 16. September ereilt hat, wieder einen 
dcntlichen und erschütternden 
Beweis. Der Prinz war 
tagsüber in Hosterwitz zum 
Besuch seines Vaters und 
seiner Geschwister gewesen, 
hatte der Familientafel bei 
dem Königspaar in Pillnitz 
beigewohnt und traf abends 
9 Uhr im Bahnhof Nossen 
ein, um von dort mit eigenem 
Geschirr nach seinem Ma- 
nüverquartier in Pinnewitz zu 
fahren. Es sollte seine letzte 
Fahrt werden. Unterwegs 
wurde des Prinzen Gefährt 
von dem im Galopp daher 
sausenden Wagen des in der 
sächsischen Armee als Offizier 
dienenden Prinzen v. Bra- 
gauza überholt, infolgedessen 
wurden diePferde des Prinzen 
Albert scheu und begannen 
auf der steilen, abschüssigen 
Landstraße davonzustürmen. 
Der Kutscher verlor die 
Macht über sie, und schließlich 
rasten sie in der Dunkelheit 
gegen einen Baum. DerPrinz 
wurde aus dem Wagen ge 
schleudert, erlitt einen Schädel 
bruch und gab, ohne die 
Besinnung wiedererlangt zu 
haben, in dem Brettschneider 
schen Gut, wohin ihn herbei 
geeilte Offiziere getragen 
hatten, 11 Uhr 20 Minuten 
seinen Geist auf. 
Prinz Albert, geboren am 25. Februar 1875, war der jüngste 
Sohn des Generalfeldmarschalls Prinzen Georg und seiner Ge 
mahlin, der Infantin Maria Anna von Portugal, gestorben 1884, 
und recht eigentlich in seinen ersten Lebensjahren das Sorgen- und 
Schmerzenskind der sächsischen Königsfamilie infolge seiner Schwäch 
lichkeit und Kränklichkeit. Sein Erzieher war Hofrat Polaud, den 
später der Oberleutnant von der Decken vom 2. Jägerbataillon 
Nr. 13 ablöste. In der genannten Truppe begann der Prinz, der 
zu seinem 12. Geburtstag von dem königlichen Oheim und 
Taufpaten das Patent als Leutnant erhalten hatte, seine 
militärische Laufbahn. Zum erstenmal in der Front stand er 
gelegentlich der Königsparade 
der Dresdener Garnison bei 
dem 60. Wiegenfest des 
Königs Albert am 23. April 
1888. Zum Oberleutnant 
wurde Prinz Albert befördert 
am 18. September 1893, nach 
dem er auch vorher die Uni 
versitäten Freiburg i. Br. und 
Leipzig besucht hatte. Fortan 
widmete er sich nur dem 
Militärdienst, trat von den 
Jägern zu de» sächsischen 
Kaisernlanen in Oschatz über 
und führte in diesem Regiment 
zuletzt eine Eskadron; seine 
Beförderung zum Rittmeister 
war erfolgt am 25. Mai 1899. 
Der Prinz wurde ä la suite 
des 2. Jägerbataillons Nr. 13 
geführt. Seit er mündig ge 
worden war und einen eigenen 
Hofstaat erhalten hatte, be 
zog er eine jährliche Apanage 
von 50 000 Mark, die ihm 
von den Landständen deS 
Königreichs, an deren gesetz 
geberischen Arbeiten er aber 
noch keinen persönlichen An 
teil als Mitglied der ersten 
Kammer genommen hat, be 
willigt worden war. Der 
Prinz war noch unvcrmühlt 
und ist nur ein einziges Mal 
ans seinem militärischen 
Berufskreis als Vertreter 
des Königshauses in der 
größeren Ocffentlichkeit aufgetreten, und zwar geschah dies erst vor 
wenigen Wochen in der Stadt Marienbcrg im Erzgebirge, als dort 
am 30. Juli das Denkmal des Herzogs Heinrichs des Frommen 
enthüllt wurde. 
Prinz Albert ist der zweite Albertiner, der durch einen Sturz 
ans dem Wagen das Lebe» verloren hat. König Friedrich August, 
sein Großonkel, verunglückte auf ähnliche Weise zu Brennbühel in 
Tyrol am 9. August 1854. 
Prin; Albert von Sachsen, t am 16. Sex lern der. 
Das königliche Schloß in Berlin. 
Schloß in Berlin zeichnet sich vor anderen Schlössern, 
Jm die ihre Entstehung einer Reihe von Jahrhunderten vcr- 
danken, durch den einheitlichen, kompakten Eindruck ans, 
den es auf deu Beschauer hervorbringt. Es wirkt durch seine ge 
schlossene Massigkeit durchaus monumental, und nur an der Wasser 
seite wird die Einheitlichkeit durch eine Reihe von alten Bestand 
teilen unterbrochen, die dem wuchtigen Charakter des Ganzen eine 
malerische Beimischung verleihen. Nicht zum Nachteil der Gcsamt- 
wirkung. 
In früheren Jahren war die Rede davon, daß Kaiser Friedrich 
die Absicht gehabt habe, diesen Teil des Schlosses durch Neubauten 
gänzlich umzugestalten. Es sollten da ein großer Bankettsaal am 
Sprcenfer und andere festliche große Räume neu geschaffen werden. 
Wen» dies Projekt überhaupt bestanden hat, und cs sich nicht bloß 
um leere Ideen handelt, die etwa mit dem Neubau des Doms und 
mit d m auf dem Papier gebliebenen Schloßturm, i cm Dom gegen 
über, irgendwie zusammenhingen, so kan» man sich nur freuen, daß 
eS beim Alten geblieben ist. Der Nimbus der Jahrhunderte a,Iten 
Vergangenheit solcher historischer Gebäude sollte nur im äuße sten 
Notfälle, z. B. bei einem drohenden Einsturz, angetastet werden. 
Unser Maler hat diese alten Teile des Berliner Schlosses in 
einem sehr hübschen Bilde festgehalten. 
Hier haben sich in der That Bestandteile erhalten, die bis auf 
die Zeit des eisernen Friedrich zurückgehen, der in den Jahren 
1443—1451, nachdem er sich über die bösen Kölner und Berliner 
ebensoviel geärgert hatte, wie diese sich über ihn, seine Zwingburg 
an das Ufer des Spreestroms setzte. 
Das hohe viereckige Bauwerk, das beinahe die ganze linke 
Hälfte unseres Bildes einnimmt, ist ans der alten Schloßkapclle 
Friedrichs I!., des Eisenzahns, entstanden. Der Bau ist fast ganz
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.