Path:
Periodical volume Sonnabend, 1. September 1900 Nr, 35

Full text: Der Bär Issue 26.1900

556 
mit Bohlenbelag bestehende Uferböschungen, teilwcis auf Holz- 
pfählen errichtete, oft schon recht schief stehende Fachmerkbauten, 
dazu fest verankerte Waschbänke und die Fischkästen der Berliner 
Fischerinnung, so setzt es sich fort bis zur Müyleiidammschleuse, 
Der Umbau des Mühlendammes in seiner jetzigen Gestalt war 
eine der größten Bauleistnngen der Stadtverwaltung in den letzten 
zehn Jahrein Man kann nicht gerade sagen, daß er Berlin ver 
schönt hat- denn das burgartige Sparkasfengebäude sucht an 
Unschönheit wohl seinesgleichen. Die Brücke ist leider auch, trotz 
aller Einsprüche der Flußschiffahrtsvereine, um ein paar Fuß zu 
niedrig gebaut worden, so daß die große» Elb- und Oderschisfe die 
Stadt nicht passieren, sondern eben nur bis hierher gelangen können; 
ein Fehler, der wenigstens nicht leicht wieder gut zu machen ist. 
Ein überraschend anderes Blld gewährt der Fluß sofort, wenn 
man die Schleuse passiert hat. Zwischen hohen Ouaimauern strömt 
er dahin. Monumentale Gebäude zieren seine User, das unver 
gleichlich schöne Denkmal des großen Kurfürsten grüßt zum alters 
grauen Hohenzollernschloß hinüber, die hohe Kuppel des neuen Doms 
spiegelt sich in seinen Fluten, und die Säulenhallen der Museen 
und der dreieckige Giebel der Nationalgalerie erinnern daran, daß 
man von „Spreeathen" spricht. So geht es weiter an dem mäch 
tigen Steinblock des Reichshauses vorbei. Bald beginnt die Anlage 
Ganz neue Ausblicke für Berlins Wasserverkehr eröffnen die 
Pläne für die neuen Wasserstraßen, den Mittellandkanal und den 
Berlin-Stettiner Ostseekanal, Fast möchte man meinen, es sei kein 
Raum mehr auf dem Fluß für neue Belastung, — aber die alte 
treue Spree wird's schassen! Carl Langhammer, 
Auch der Berliner Garnison bietet die Spree einen vorzüg 
lichen Uebungsplatz. Da werden Rotbrücken geschlagen, feste 
Brücken gebaut, Schwimmübnngen für die Kavallerie veranstaltet 
und Versuche angestellt, wie man den Brückenbau, der besonders 
für die Artillerie notwendig erschien, umgehen können. 
Ein seitens der Artillerie neuerdings in Ermangelung einer 
geeigneten Brücke häufig in Anwendung kommendes Verfahren, 
Geschütze über ein Gewässer zu schaffen, besteht darin, daß die 
selben, wie unsere Abbildung zeigt, mittels daran befestigter 
Tonnen zu einer Art Fähre (Floß) eingerichtet werden. In der 
Regel benutzt man hierzu je acht unter sich durch Bretter, bezw, 
Balken verbundene Tonnen, Sind die so am Lande zuin 
Schwimmen vorbereiteten Geschütze (Protzen) bis dicht an 
das Ufer des Gewässers gefahren, so werden die Pferde 
«eschütztransport aus Tonnen. 
der Onais in zwei Absätzen, und hier spielt sich der große Fracht- 
schiffahrtsverkehr ab, der die Güterbeförderung zwischen Ham 
burg und Berlin zu Wasser vermittelt. Eigene große Dampfer- 
gesellschaften bestehen zu dem Zweck, und die hier ankernden Fahr 
zeuge weisen einen ganz anderen, mehr dem Seeschiff ähnlichen 
Typ aus. Doch wenn der Fluß die „Zelten" im Tiergarten und 
Schloß Bellevue passiert hat, dann wiederholt sich bald nur in 
noch vergrößertem Maßstabe das Bild, das seine Ufer oberhalb 
der Jannowitzbrücke zeigten: Die Stätten der Industrie, die rauch 
geschwärzten Schlote, einer »eben dem andern, und ans dem Wasser ein 
Hasten und Drängen der Ladung löschenden und einnehmenden Schiffe, 
abgeschirrt, die Geschütze von den Bedienungsmannschaften ins 
Wasser gestoßen und von mit je fünf Artilleristen bemannten 
Kähnen aus mittels Taue unter Benutzung von Rudern oder 
Staken dem jenseitigen User zugesteuert, wo die sehr leicht schwimmen 
den Geschütze von Mannschaften ans Land gezogen werden. Die 
Pferdegeschirre werden zn Paketen zusammengejegt und in Kähnen 
übergeführt, die schwimmenden Pferde aber am Halfter von in 
Kähnen sitzenden Mannschaften ans andere Ufer geleitet. 
Die Artillerie ist durch dieses Verfahren in die Lage gesetzt, 
im Ernstfall auch ohne die Beihilfe vvn Pionieren ein Gewässer 
überschreiten zu können. 
Naturdenkmäler und künstliche Urwälder 
as neue Jahrhundert bringt unseren Naturfreunden, den 
Freunden unserer Heimat, eine schöne Gabe zur Begrüßung: 
eine Kunde, die vielen von ihnen eine lange, heimlich 
lastende Sorge zu benehmen und frohe Hoffnung dafür zu spenden 
geeignet ist. Der Staat wird sich in Zukunft den Schutz der Natur- 
schönheiten und der Naturbesouderheiten in größerem Maßstab 
angelegen sein lassen als bisher. Eine Aktion ist im Werke, die 
den Schutz der natürlichen Schätze des Vaterlandes in ein bestimmtes 
System bringen wird. Die preußische Regierung, speziell das 
Ministerium für Landwirtschäft, Domänen und Forsten, findet, daß 
es wohl des Schweißes der Edle» wert wäre, nicht allein den 
marmornen und ehernen Denkmälern ans der Vergangenheit, nicht
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.