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Periodical volume Sonnabend, 18. August 1900 Nr, 33

Full text: Der Bär Issue 26.1900

solchen Entfernungen eine schnellere Fahrt nicht gestatten, bei den Es ist das erstemal, daß unsere junge Flotte eine so be- 
Schlachtschisfen, deren Kohlenvorrat geringer bleiben muß, weil deutende Macht im Auslande entfalten kann, wie ja auch zum 
Panzer und Armierung hier größere Gewichte in Anspruch nehmen, erstenmale deutsche Truppen in solcher Stärke den Boden Europas 
würde eine forcierte Reise eine viel zu häufige Ergänzung des kostbaren verlassen, um in fremdem Erdteil einzutreten für Deutschlands Ehre 
Brennmaterials, das im Auslande überdies sehr teuer ist, bedingen. Glückliche Reise und frohe Heimkehr ihnen allen! H. de Meville. 
Gras Waldersee 
als Gberstkommandierender der verbündeten Truppen in China. 
ie Kämpfe in China sind ins Stocken geraten, die ver 
einigten Truppen hatten sogar Mißerfolge zu erdulden, 
weil es an einer einheitlichen geschickten Leitung fehlte. 
Unter den Generalen und Admiralen herrschte Eifersüchtelei' alle 
fühlten sich berufen zu kommandieren, aber niemand wollte ge 
horchen. Da durchhieb Kaiser Wilhelm II. den gordischen Knoten 
mit einem Schwertschlag, indem er 
den Mächten seinen besten Offizier 
als Kandidaten für die Würde eines 
Oberstkommaudierenden präsentierte. 
Graf Waldersee ist unstreitig ein 
sehr geschickter Stratege, er war 
einst die rechte Hand Mvltkes, und 
der greise Feldmarschall hatte in 
Waldersee seinen berufensten Nach 
folger erblickt. Die hohe Meinung 
von Waldersees Fähigkeit wird auch 
im Auslande geteilt, und allgeinein 
ist die Ansicht verbreitet, daß die 
Wahl des Kaisers eine glückliche 
ist. Der Zar beglückwünschte den 
Grafen zur Annahme der ihm er 
teilten Mission. Besonders in Eng 
land ist man darüber erfreut, daß 
der Gras die Leitung der Ope 
rationen in China übernehmen 
wird' mau erkennt rückhaltlos an, 
daß der Graf der rechte Mann am 
rechten Platze sein werde. So 
schrieb die Times, die Wahl, die 
auf Waldersee gefallen ist, könne 
namentlich unter den obwaltenden 
Umständen nur mit Genungthuung 
begrüßt werden. Allerdings werden 
acht Wochen vergehen müssen, bevor 
Graf Waldersee die thatsächliche 
Leitung übernehmen kann. In 
zwischen aber werden die Eifersüchteleien unter den Befehlshabern 
an Ort und Stelle schwinden vor dem Gefühl der gemeinsamen 
Unterordnung unter den ausgezeichneten Offizier, dem sie vom 
Augenblick seiner offiziellen Ernennung an gleichmäßig Gehorsam 
schulde». Die übrige englische Presse drückte sich ähnlich aus, hoffte 
jedoch, die Wirren in China im wesentlichen beendet zu sehen noch 
vor der ziemlich langem Zeit, die verstreichen müsse, bis der neue 
Oberfeldherr in Aktion treten könne. 
In'Frankreich war man von der Ernennung weniger erbaut. 
Man hat dort erwartet, daß ein französischer oder russischer Offi 
zier mit dem Oberkommando betraut würde. Die Pariser Blätter 
sprechen zwar einmütig die Ansicht ans, daß die großen Talente 
und das Ansehen des Grafen Waldersee seine Ernennung zum 
Generalissimus der verbündeten Truppen in China zur Not 
wendigkeit machten; doch warfen die nationalistischen Organe 
der Regierung vor, daß sie, indem sie als Oberkomman 
dierenden der französischen Truppen nicht den General gewählt 
habe, dessen Wahl sich allen aufdrängte (gemeint ist General 
Negrier), dem Kaiser Wilhelm die Gelegenheit gegeben Hütte, die 
Initiative zu ergreifen, aus der Deutschland ungeheure mo 
ralische Vorteile ziehen werde, die 
Frankreich hätten zufallen müssen. 
Daß in Oesterreich die Wahl 
günstig aufgenommen wird, erscheint 
bei dem engen Freundschaftsver 
hältnis zwischen Oesterreich-Ungarn 
und Deutschland selbstverständlich. 
Alfred Graf von Waldersee, ge 
boren 8. April 1832 zu Potsdam, 
trat aus dem Kadetttenkorps 1850 
als Offizier in die Gardeartillerie 
und war 1858—59 Adjutant der 
1. Artillerieinspektion, wurde 1862 
Hauptmann, 1865 Adjutant des 
Prinzen Karl von Preußen, 1866 
in den Geueralstab versetzt und zum 
Major befördert. Waldersee nahm 
am Feldzug in Böhmen im großen 
Hauptquartier teil, kam nach dem 
Frieden zu dem Generalkommando 
des 10. Armeekorps in Hannover, 
wurde 1870 Militärattachee in 
Paris und Flügeladjutant, trat bei 
der Mobilmachung zum großen 
Hauptquartier, wurde 1871 Chef des 
Generalstabes der Armeeabteilung 
des Großherzogs von Mecklenburg- 
Schwerin und war Stabschef des 
Gouverneurs von Paris, mährend 
deutsche Truppen in Paris standen, 
dann vom Juni bis September Ge 
schäftsträger der deutschen Regierung bei der französischen Republik. 
Hierauf trat Waldersee als Oberst und Kommandeur des 13. Ulanen 
regiments in den praktischen Dienst zurück, wurde 1873 Chef des 
Generalstabes des 10. Armeekorps, 1876 Generalmajor und 1880 
General ä la suite. Er wurde 1882 Generalquartiermeister und Ver 
treter des Chefs des Generalstabes der Armee, in demselben Jahre 
Generalleutnant, bald darauf Generaladjutant des Kaisers. Unter 
Kaiser Friedrich 1888 zum General der Kavallerie befördert, wurde 
Waldersee bald nach der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. als 
Nachfolger Moltkes zum Chef des Generalstabes der Armee ernannt 
und auch in das Herrenhaus und den Staatsrat berufen. 1891 
wurde er zum kommandierenden General des 9. Armeekorps er 
nannt; im Januar 1895 erhielt er den Schwarzen Adlerorden, 
und im September 1895 wurde er Generaloberst der Kavallerie. 
Die zweite Heirat König Friedrich Wilhelms III. 
Sonntag, den 5. November 1824, hatte der evangelische die Sakristei und sagte ihm, daß der König ihn sprechen wollte. 
MS Bischof Eylert, der vertraute Ratgeber König Friedrich Bischof Eylert glaubte, Friedrich Wilhelm wolle ihn, wie dies oft 
Wilhelms III., vor dem letzteren und seinem Hose über das geschah, in Kirchen- oder Schulangelegenheiten um Rat fragen. 
Thema „Richtet nicht!" (Ev. Matth. 7, 1) gepredigt. Nach dem Sehr erstaunt war der Bischof jedoch, als der König ihn bei 
Gottesdienst kani der Oberst von Witzleben zu dem Hofprediger in seinem Eintritt in seiner bekannten lakonischen Weise anredete:
        
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