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Periodical volume Sonnabend, 28. Juli 1900 Nr, 30

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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doch wesentlich dazu beitrug, die in jener Zeit gerade schärfer bcrvor- 
tretende» Gegensätze zwischen Deutschland und den Bereinigten Staate» 
zu mildern und zu versöhnen, Außerordentlich befriedigt, und schon 
Lorbeeren. Auch das Ausland sollte der so rcichbegabten Künstlerin 
und Virtuosin nicht verschlossen bleiben. Frankreich. England und die 
Vereinigten Staaten von Amerika waren ebenfalls Zeugen ihrer 
pinnistischen Leistungen und künstlerischen Erfolge gelegentlich der wieder 
holten Gastspieltourneen, die Mary Krebs durch diese Länder unternahm. 
Bereits vor Jahren ivar die Verstorbene vom König von Sachsen zur 
königlich sächsischen Kammervirtuosin ernannt worden. An der Seite 
ihres Gatten und ihrer Mutter hatte sie in einer Villa zu Dresden- 
Strehlen, wo sie jetzt auch der Tod ereilte, ihren ständigen Wohnsitz 
aufgeschlagen. 
Berliner Chronik. 
Am 13. Juli starb in Jnterlaken der General der Kavallerie Graf 
Theodor von Schliessen, der srühcrc Kommandant von Berlin. 
Der Verstorbene, ein älterer Bruder des Generalstabschefs, war am 
26. April 1881 zu Berlin geboren. 
Am 14. Juli waren 50 Jahre seit dem Tode des grosien Kirchen 
historikers Johann August Wilhelm Reander verflossen, nach 
welchem die Neanderstraße in Berlin ihren Namen hat. 
Am 15. Juli feierte der Gerichtschemikcr Dr. Bischoff das Jubi 
läum seiner 25jährigen Thätigkeit als Chemiker des Polizeipräsidiums 
in Berlin. 
Am 15. Juli starb im 78. Lebensjahre der Geheime Justizrat 
Hugo Stubenrauch. 
Am 15. Juli starb im 80. Lebensjahre der Geheime Sanitätsrat 
Dr. Samuel Kristeller. 
Dir König hat Professor Ende als Präsidenten, Professor Joachim 
als stellvertretenden Präsidenten der Nkadeinie der Künste für das am 
1. Oktober beginnende Geschäftsjahr bestätigt. 
Im Pergamon-Museum (hinter der Nationalgallerie) werden 
gegenwärtig die pcrgamenischen Altertümer, die bisher im Alten 
Museum einen unzulänglichen Platz hatten, ausgestellt, und zwar genau 
in der Weise, wie es im Altertum der Fall war. Zu diesem Zwecke ist 
der Altar in derselben Gestalt aufgebaut worden, wie er einst auf der 
Burg zu Pergamon stand. 
Kleine Mitteilungen. 
Die 4000pfcrdige Drehstrom - Dynamomaschine der 
Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft. In der Zentrale Ober- 
spree der Berliner Elektrizitätswerke ist die erste der daselbst zur Auf 
stellung kommenden Dampf-Dynamos von 3000 Kilowatt (4000 PS.) 
Leistung kürzlich in Betrieb gesetzt worden. 
Die von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, erbaute 
Dynamomaschine bat 8,6 Meter Durchmesser und wiegt 160000 Kilo 
gramm, sie liefert Drehstrom von 6000 Volt Spannung. Der Induktor 
ist auf der durchbohrten Kurbelwelle der antreibenden vierzylindrigen 
Dreisach-Expansions-Dampfmaschine direkt befestigt. 
Die Dynamo speist gegenwärtig das ausgedehnte Kabelnetz von 
Ober- und Niederschöneweide—Johannisthal, an welches viele große 
Werke angeschlossen sind. Schon im Herbst d. I. nach Fertigstellung 
der im Bau befindlichen weiteren drei Maschinen gleicher Grüße wird 
sie jedoch auch den Strom nach Berlin senden, wo er von den Unter- 
stationen in der Mariannen-, Pallisaden-, Volta- und Wilhelmshaoener 
Straße den Stadtteilen zufliegen wird, die wegen völliger Belastung 
der bestehenden Zenralen aus den Bezug von Elektrizität für Beleuchtung 
und Kraftübertragung bisher verzichten mußten. Der genannten 
Station der Berliner Elektrizitätswerke an Größe gleich ist das im Bau 
befindliche Werk am Südufer. 
Eine der erwähnten Dynamos ist von der Allgemeinen Elektrizitäts- 
Gesellschaft in der Annexe allemande der Pariser Weltausstellung aus 
gestellt und erregt dort wegen ihrer die bisherigen Konstruktionen um 
vieles übertreffenden Abmessungen und wegen ihrer Ausführung die 
ungeteilte Bewunderung der Fachleute. 
Nordlandfahrt der Hamburg-Amerika-Linie. Der Schnell 
dampfer „Auguste Viktoria", welcher am 12. Juli Tromsoe verlassen 
hatte, um das Nordkap und Spitzbergen zu besuchen, ist nach einer 
herrlich verlaufenen Fahrt am 18. Juli in Digermulen wieder ein 
getroffen. Der Kapitän telegraphierte über den Verlaus wie folgt: 
„Wir durchfuhren beim herrlichsten Wetter die nördlichsten Fjorde 
Norwegens, liefen mittags unter großem Enthusiasmus der Passagiere 
Hämmertest an, passierten nachniittags den Vogclfeljcu und trafen 
mehrere Walfischfänger. Gegen 9 Uhr abends warfen wir Anker vor 
dem Nordkap, welches mitternachts bestiegen wurde. Auf der Fahrt 
Spitzbergen hatten wir, hin und zurück, das schönste Wetter und ganz 
ruhige See, wobei wir viele Walfische und Seehunde zu Gesicht be 
kamen. Bei der Baereninsel passierten wir große Eisfelder. In der 
Adventbay ward am 14. Juli geankert, abends trafen wir daselbst das 
russische Kriegsschiff „Bakau". Am Lande ward von uns unter großem 
Jubel ein Stcinmonument enthüllt. Es wurden Gruppenaufnahmen 
und erfolgreiche Jagdausflüge gemacht. Wir sahen die Mitternachts 
sonne verschiedene Male in schönster Pracht. Am 16. Juli verweilten 
wir beim schönsten Sonnenschein im gletscherreichen Bellsund. Passagiere 
über den Besuch Spitzbergens entzückt." 
Vollrsüblickzr Medizin. In Nr. 9 des „Bär" teilt ein Landes 
kundiger der Altmark einiges mit über Krankeubchandlung auf dem 
Lande, was in unserem Zeitalter weit fortgeschrittener Hygiene ver 
mutlich bei vielen bcdenksamcs Kvpfschüttcln hervorgerufen haben mag. 
Und hält man dem gegcuüber die Klage» namentlich aus der Steichs- 
haupistadt über Unzulänglichkeit der Krankenhäuser, die, ebenso wie 
bervorragendc Aerzte, in unsagbarer Weise aus Stadt und Land tag- 
täglich überlaufen werden, so muß man billig staunen, welche Fülle 
Freiherr Mumm v. Schwarzenstein, 
der iieuernannte diplomatische Vertreter des deuschen Reiches in China. 
damals war man davon überzeugt, daß sein Luxemburger Posten nur 
eine kurze Durchgangsstation sein werde. 
Mary Krebs 1'. 
<Nn den Abendstunden des 27. Juni verstarb in Dresden die weit 
über die musikalischen Kreise Deutschlands hinaus rühmlich bekannte 
Pianistin Frau Mary Krebs-Brenning im noch nicht vollendeten fünfzigste» 
Lebensjahre an den Folgen eines Herzschlages. Die Verblichene, die 
zu den ersten Vertreterinnen ihres Instruments gehörte, ivurde am 
5. Dezember 1851 zu Dresden als Tochter des dort als Hofkapcllmeister 
an der katholischen Hofkirche sowie als Kirchen- und Liederkompouist 
thätigen Karl Krebs (ch 1880) geboren. Auch mütterlicherseits ent 
stammte sic einem Künstlergeschlecht. Ihre Mutter, die hochbetagt ihre 
Tochter nunmehr noch überlebt hat, war die ehemals hochgefeiertc 
Opcrnsängerin Frau Aloysia Krebs-Michalesi. Das junge Mädchen 
genoß den Unterricht ihres Vaters und trat bereits im Alter von 
kaum zwölf Jahren mit außergewöhnlichem Erfolg zum erstenmal 
vor die Oesientlichkeit. Im weiteren Verlauf ihrer sich ziemlich 
schnell abwickelnden Künstlerlaufbahn konzertierte Mary Krebs wicder- 
Waru Rrrb« i. 
holt im Leipziger Gcwaudhausc und erwarb sich ferner auch durch ihr 
geniales Spiel in den hervorragendste» Konzertinstituleu der meisten 
anderen Musikmetropolen Deutschlands alsbald reiche und unverwelkte
        
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