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Periodical volume Sonnabend, 7. Juli 1900 Nr, 27

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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Von den vor Taku gefallenen Mann 
schaften des Iltis bringen wir das Bild 
dcsObennatrosen Felix Böthe, der,am 
28. Dezember 1879 zuLeipzig gebore», seit 
1896 in der kaiserliche» Marine diente. 
Klrmeils Freiherr von Scttrlcr. 
der deutsche Gesandte in Peking. 
<Mer gewaltsamcAusbruchdesFremden- 
Hasses in China ist keineswegs ganz 
unerwartet gekommen. Wen» sich aber die 
Mächte durch die Ereignisse in Peking 
haben überraschen lassen, so ist der deutsche 
Gesandte am Kaiserhof der Mandschu- 
dynastie jedenfalls nicht schuld daran: 
denn er hat seine warnende Stimme er 
hoben, als es noch Zeit war, Vorkehrungen 
zu treffen. Frhr. v. Ketteler hat bereits 
vor Monaten sich dahin ausgesprochen, 
dah eine Katastrophe unvermeidlich sei, 
wenn die Mächte es verabsäumen soll 
ten, energische Vorsichtsmaßregeln zu 
treffen. 
Cleniens Frhr. v. Ketteler, am 22. No 
vember 1853 z» Potsdam geboren, warsür 
die militärische Laufbahn bestimmt, doch 
nahm er als Sekondleutnant den Abschied 
und ging zur Diplomatie über. Zuerst 
Llcuicns Frhr. v. Arlkrlrr. 
Ausscheide» seines ihm wohlwollenden 
Chefs wurde v. Ketteler als Legations 
rat nach Washington versetzt. Später 
verivaltete er die kaiserl. Gesandtschaft zu 
Mexiko, und am 15. Juli 1899 wurde er 
in Peking der Nachfolger des erkrankten 
Herrn v. Heyking. 
Rach soeben cingctrosfencm offiziellen 
Telegramm ist der deutsche Gesandte, 
Frhr. v. Ketteler, am 18. Juni in Peking 
ermordet worden. Durch diese ticfbe- 
trübendc Meldung sind die schlimmsten 
Befürchtungen leider zur Thatsache ge 
worden. 
Kraf Michael Mnrawjem. 
/E anz ebenso unerwartet wie sein Vor- 
M ganger im Amte, der Fürst Lobanow- 
Rostowskij, ist ani 21. Juni der russische 
Minister des Aeußeren, Graf Michael 
Nikolajewitsch Murawjcw, in St. Peters 
burg aus dem Leben geschieden. 
Doch ist kaum zu besorgen, daß der 
Tod dieses Staatsmannes einen System- 
wechsel in der auswärtigen Politik des 
Zarenreiches bedeutet, da schon seit einer 
Reihe von Jahren das amtliche Rußland 
hinsichtlich der Angelegenheiten in Europa, 
besonders ans der Balkanhalbinsel, eine 
große Zurückhaltung beobachtet hat und 
Kaiser Wilhelm II. an Bord des nach China bestimmten Kanonenboots Luchs mit dessen Besatzung. 
Dolmetschcreleve zu Peking, gelang es ihm schon nach einigen Jahren, 
die schwierig zu erlernende Sprache des Reichs der Mitte zu beherrschen. 
Im Jahre 1883 zeichnete er sich zu Kanton als stellvertretender Dol 
metsch und Konsulatsverwcscr durch Entschlossenheit und Geistesgegen 
wart derart aus, daß er auf Vorschlag des damaligen Gesandten 
v. Brandt in Peking zum Legatioussekrctär ernannt wurde. Beim 
den untereren Donauländcrn gegenüber seit 1897 allem Anschein nach nur 
im Einverständnis mit Oesterreich-Ungarn handelt, um freilich die ganze 
Wucht seines Einflusses aufzubieten, auf dem Hochlande von Iran und im 
Norden des „Reiches der Mitte" die »»angefochtene Vorherrschaft zu er 
langen. Gerade im äußersten Osten hatRnßland während derAttitsführung 
des Grafe» Mnrawjew einschneidende Erfolge zu verzeichne» gehabt.
        
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