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Periodical volume Sonnabend, 23. Juni 1900 Nr, 25

Full text: Der Bär Issue 26.1900

Großherzog Peter von Oldenburg 's'. 
Gntenbergfeier in Berlin. 
Kroßhcrzog Peter vvn Oldenburg ist nm 13. Juni mittags in 
seiner Soinitterrcsidenz Rastede, im Alter von fast 78 Jahren, 
gestorben. Geboren am 8. Juli 1827, folgte er seinem Vater ant 
27. Februar 1853 in der Regierung. Er war ein deutscher Fürst, der 
seine nationale Gesinnnng 
schon vor der Begründung 
des neuen Reiches durch 
Thaten bewiesen hatte, und 
zugleich ein frcigcsinuter 
Herrscher, der der modernen 
Staatsentwicklung freie 
Bahn lieg. Eine seiner 
ersten Regicrnngshandlnn- 
gen war die Abtretung des 
Gebiets, aus dem jetzt 
Wilhelmshaven liegt, an 
Preußen znr Errichtung des 
Kriegshafens an der Nord 
see. Seine gottorpischen 
Erbansprüche trat er 1866 
gegen das Amt Ahrensbök 
und 1 Million Thaler an 
Preußen ab, und in den 
Tagen der Begründung des 
Norddeutschen Bundes und 
des Deutschen Reiches war 
er einer von den deutschen 
Fürsten, die zu erheblichen 
Zugeständnissen an den 
Nationalstaat bereit waren. 
Der Großherzog wird in seinem Land aufrichtig betrauert, und überall 
wird ihm die Anerkennung für sein nationales Wirken als deutscher 
Bnndcsfürst nachfolge». Ebenso wie er, erfreut sich auch der nun 
mehrige Großherzog Friedrich August, geboren am 16. November 1852, 
über die Grenzen des Grvßherzog- 
tums hinaus allgemeiner Beliebtheit. 
Am 24. Oktober 1896 vermählte er sich 
in zweiter Ehe mit der Prinzessin 
Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin, 
der Tochter des verstorbenen Groß 
herzogs, Friedrich Franz II. aus dessen 
dritter Ehe mit der Prinzessin Marie 
von Schwarzburg-Nndolstadt. Durch 
den am 28. August 1897 geborenen 
Prinzen Nikolaus, den jetzigen Erb- 
grvßherzog, ist die deutsche Thronfolge 
in Oldenburg zunächst gesichert. 
Grohheezvo JMtv Vv» Oldenburg t. 
/«tue imposante Feier zum 500. Geburtstage des Altmeisters Gutcnberg 
M hatte der Verein der Berliner Buchdrucker und Schrift- 
gießer am Sonntag, den 17. d. M. im Zirkus Schumann veranstaltet. 
Schon von 5 Uhr aii füllte sich der Raum des Riesenctablisscinents mit 
den Mitgliedern des Verbandes, und um 6 Uhr, vor Beginn der 
feierlichen Veranstaltungen, 
waren alle Plätze von einem 
festlich gestimmten Herren- 
publiknm dicht besetzt. Nach 
dem die Tannhäuser-Ouvcr- 
türe von dem Berliner Sin 
fonie-Orchester vorgetragen, 
verklungen war, ergriff der 
Vorsitzende des Vereins, 
Massini, das Wort, um 
im Namen des Vereins die 
erschienenen Gäste zu be 
grüßen. Er freute sich ganz 
besonders, daß zahlreiche 
Vertreter des Parlaments, 
derstädtischen Behörden, Mit 
glieder der Akademie, vieler 
staatlicher Institutionen, 
typographischer und großer 
gcivcrblicher Bereinigungen 
als Ehrengäste der Ein 
ladung gefolgt ivären. Nach 
dem trefflich ausgeführten 
Chorgcsang „Die Himmel 
rühmen des Ewigen Ehre" 
des Gesangvereins „Typo- 
graphia" sprach llr. Max 
Pohl vom Königlichen 
Schauspielhaus den Fest 
prolog. 
Eine eigens für das Fest 
komponierte Hymne von 
Hcrm. Schmidt leitete zu 
der Festrede über, welche Or. 
Redner feierte Gutcnberg als 
Weltanschauung, als Schlüpfer 
der ganzen Menschheit, 
einen! Mitglied«! des Vereins, 
Krotzhee>og Friedrich Suaust von Oldenburg. 
Rudolf Steiner übernommen halte, 
bahnbrechendes Genie für eine neue 
der gesamten Kultur, als Segenfpcnder 
Den Schluß der Gedenkfeier bildete ein von 
Bäder 
und Sommerfrischen. 
Nordseebad Wittdün-Ilmrum. 
Auf Antrag der Badedirektion bei 
der Königliche» Regierung in Schles- 
ivig war auch in diesem Jahre der 
Regierungs- und Med.-Rat Herr 
vr. Berthcau mit einer Regierungs 
konimission am 25. Mai zur Besichtigung 
und Revision der gesamten sanitären 
Anlagen und Entwässerungen in 
Wittdün. 
Die von der Badcdirektion ge 
machten großen Ncnanlagen lind 
Einrichtungen sind jetzt fertig gestellt, 
und die Nordsccbädcr dürften durch 
diese Anlagen in diesem Jahre eine 
bedeutende Fregucnzstcigcrung er 
fahren. Die Einrichtungen der kalten 
und warmen Bäder sind mit dem 
1. Juni eröffnet worden und einige 
Gäste sind bereits eingetroffen. Tie Lufttemperatur ist hier eine sehr milde, 
und der Südstrand bietet durch seine geschützte Lage einen angenehmen 
Aufenthalt. Der ucucrbantc Dampfer „Amrum" hat die Probefahrt gemacht 
und am 1. Juni die regelmäßigen Fahrte» Hnsnat-Amrnin aufgenommen. 
Bon seiten der Badcdirektion ist für die Abhaltung des evangelischen 
Gottesdienstes, der vom 1. Juni an regelmäßig jeden Sonntag statt 
findet, ein schönes Harmoninni angeschafft worden. Katholischer Gottes- 
dicttst, in der Woche Frühmesse und SoiiNIags Gottesdienst, ivird von 
Mitte Juni a» hier ebcnsalls abgehalten. 
Paul Schlichs, verfaßtes Festspiel: 
Gntenbcrgs Traum. Zum Schluß 
der Feier erstrahlte die auf einem Posta- 
inettl stehende, von einem Kranz farben 
prächtiger Glühkörper umrahmte Büste 
Gutenbergs in magischem Licht. 
Vüchertifch. 
Alber! Träger. (Zn feinem siebzigsten Geburtstag.) 
Kuy de Maupassant: Gesammelte 
Werke, frei übertragen non Georg 
Frhrn. von Omptrdn. II. Serie, 
Band I. Lieferung 1—4. lStart 
wie der Tod.) Preis M. 2. Verlag 
von F. Fontane L Co., Berlin W. 85. 
Mit dem berühmten Roman „Stark 
wie der Tod" beginnt Georg Freiherr 
von Ompteda die zweite Serie seiner 
llkbersetznng der Gesammelte» Werke 
Manpassants. Diese Serie wird 
wiederum zehn Bände umfassen und, 
außer den großen Romanen, auch die 
bisher noch nicht in dieser Ausgabe 
erschienenen Novcllenbände bringen. 
Als zweiter Band ist die Ucberjetznng 
vvn Louis cko suis sTickchenl an 
gezeigt, der Meisternovelle, die unseres 
Wissens bisher noch nicht i» deutscher 
Sprache erschienen ist. 
Berliner Chronik. 
Am 8. Juni starb in Bozen 
Nr. Wilhelm Hoffmanu, Professor 
und Oberlehrer am hiesigen Sophien- 
Gymnasiuin. 
Am 12. Juni feierte Albert 
Träger seinen 70. Geburtstag. Der 
Jubilar, der in Berlin als Rechts 
anwalt und Notar wirkt, ist als frei 
sinniger Parlamentarier in den Vorder 
grund getreten. Auf litterarischem 
in denen er mit 
Gebiet schätzt man namentlich seine lyrischen Gedichte, 
besonderer Innigkeit die Mutterliebe besungen hat. 
Kleine Mitteilungen. 
Herzog Koberl von Württemberg und seine Braut Erz 
herzogin Maria Immaculata Kaincria. Herzog Robert von 
Württemberg ist der zivcilc Sohn des Herzogs Philipp von Wüittem-
        
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