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Periodical volume Sonnabend, 13. Januar 1900 Nr, 2

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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tiefe Grube, Menschen und Lasten gleichmäßig- aus seinem 
sausenden Fluge durch die Lust schleppend, wie es unsere Ab 
bildung zeigt. Die meisten Brillanten werden aber heut in den 
riesigen Abbauten unter Tage gefunden. Sie liegen eingebettet in 
eine Erdschicht, die ein Verwitterungsprodukt des Serpentins ist, 
der sogenannten „blauen Erde" in einer Tiefe von 500 Metern 
und mehr. Da wird in den hell mit elektrischem Licht er 
leuchteten Hallen und Gängen das blaue Gestein gebrochen und 
in vielen hundert Karren, die an ein fortwährend zwischen zwei 
Schienensträngen laufendes Drahtseil eingehängt werden, bis an 
den großen Schacht gebracht, in dem sie dann mit dem auf unserem 
Bilde der Maschinerie sichtbaren riesigen Kabelwerk blitzschnell zu 
Tage gefördert werden. Auf der Erdoberfläche wird dann dieser 
blaue Steinschutt auf weiten Plätzen ausgebreitet und so dem 
zersetzenden Einfluß des Wetters und des Wassers ausgesetzt. 
Diese Plätze werden natürlich Tag und Nacht auf das sorgfältigste 
die unglaublichsten Listen an um hei der genauen körperlichen 
Untersuchung, der sie sich beim Verlassen der Companie unterwerfen 
müssen, doch Steine zu paschen. Hat man doch einen ertappt, der 
sich selbst eine Wunde am Bein beigebracht und in dieser neun 
kleine Edelsteine im Werte von 1200 Mark verborgen hatte. Zur 
Verwaltung der Minen und Bewachung der 12000 Neger sind 
3000 Weiße im Dienst der Gesellschaft, von denen die Wächter im 
Ernstfälle ohne weiteres von dem scharfgeladenen Revolver Gebrauch 
machen, mit dem sie stets ausgerüstet sind. 
Man sieht, ein europäisches Zuchthaus ist etwa ein Feen 
schloß dagegen. Und das alles zur Gewinnung des nur dem 
rafsinierten Luxus dienenden Juwels! 
Wenn man nun etwa glaubt, daß die „freien" Schwarzen in 
der Stadt Kimberley selbst etwa als Menschen gelten, ist man 
stark im Irrtum. In der Stadt darf kein Farbiger wohnen, 
sondern in der Umgegend, und wenn er sich nach neun Uhr abends 
außerhalb seiner Wohnstätte ertappen läßt, wird 
er ohne weiteres eingesteckt und zu vier Wochen 
Zwangsarbeit verurteilt. Schwere Strafe trifft 
ihn auch, wenn er während der Tageszeit sich 
erlauben würde, in der Stadt einen anderen Weg 
als den Straßendamm zu benutzen, denn der 
Bürgersteig ist ausschließlich für seine weißen 
„Brüder und Schwestern" reserviert. 
Bor dreißig Jahren war an der Stelle, wo 
heut Kimberley mit seinen 30000 Einwohnern 
steht, an eine Stadt noch nicht zu denken. Da 
kam eines Winterabends ein Straußenjäger 
namens O'Reilly an ein einsames Boerenhaus 
am Oranje-Fluß. Als er eintrat, stritten sich die 
Kinder um einen herrlich funkelnden Stein, den 
sie beim Spielen am Flußufer gefunden hatten. 
Er verabredete mit der Boerenfrau, daß er ver 
suchen wolle, das glitzernde, gleißende Ding in 
Grahams Town zu verkaufen. Der Stein stellte 
sich als ein wundervoller Diamant von 21°/. earat 
heraus und brachte O'Reilly 10000 Mark. 
Wenige Monate später brachte ein Hottentott 
einen herrlichen Stein, den ein Boer für 200 Pfund 
Sterling bar und 200 Pfund Sterling in Waren 
kaufte. Tags darauf erhielt er 240000 Mark 
dafür. Dieser Stein war der berühmte „Stein 
von Süd-Afrika" auch „Dudley" genannt, nach 
der Connteß of Dudley, der er gehört. Er ist 
heute geschliffen 1300000 Mark wert. Und nun, 
als diese Funde bekannnt wurden, begann 
das Diamautenfieber in der ganzen Welt. Im November 1871 
ergriff Großbritannien Besitz vom Laude und heut lassen die 
großen Städte, die dampfenden Schlote, der blanke Schienen 
weg kaum den Gedanken zu, daß hier vor dreißig Jahren 
nichts war als Wildnis, mit wenigen Boerenfarmen durchsetzt. 
Von Kapstadt bis Kimberley sind dreißig Tage Reise, es ist 
also auch heut noch weit vom Wege und liegt im wilden Lande. 
Und doch, wie schön angelegte Straßen besitzt es, wie elegante 
Läden an der Hauptstraße! Die Häuser sind meist einstöckig' dem 
Klima entsprechend hat jedes Hans eine schattige Veranda, auf 
- der man die meisten «Minden des Tages verbringt. Die Hälfte 
aller Einwohner ist farbig. Reben allen Stämmen Afrikas, Kaffern, 
Hottentotten, Zulus auch Inder, Chinesen, Japaner, Araber und 
Perser. Da sich jeder in sein Nationalkostüm kleidet, ergiebt sich 
ein Straßenbild von größter Farbigkeit und Abwechselung. Unsere 
Abbildungen zeigen zwei Gruppen Kaffern, jenem in diesem Teile 
Afrikas einheimischen Negerstamm. So in ihrem Kriegsschmuck 
und bei der Ausübung des vom Neger unzertrennlichen musikalischen 
Geräusches kann man sie jeden Augenblick in Kimberley sehen. 
Ein heißes Ringen tobt gegenwärtig um Kimberley. Es ist 
von den Boeren eingeschlossen. Man weiß, daß Cecil Rhodos in 
der Stadt ist, der „König" dieses Landes und eines der Häupter 
der Diamond-Compauy. Es wird ihm kaum gut gehen, wenn er 
den Boeren in die Hände gerät, denn sie wissen sehr wohl, daß er 
mit seinen ehrgeizigen Plänen einer der Hauptveranlasser des 
Krieges war. Man hört, des er im Augenblick des Falles der 
Stadt in einem Luftballon entfliehen wolle — was ja sicher auch 
sehr edel und charaktervoll sein würde. Die nächste Zukunft wird uns 
lehren „wie eS wird." Das aber ist in jedem Falle sicher, einstweilen 
werden die Diamanten eine sehr respektable Preishöhe bewahren. 
Ein Srchrfirr in Kimbrrlrg. 
bewacht. In kurzen Abständen sind sie mit Wächtern umstellt, 
die ihrerseits wieder von einem erhöht aufgebauten Observatorium 
aus kontrolliert werden' dieses ist mit Scheinwerfern und Fern 
gläsern ausgerüstet, so daß ihm selbst die Nacht kein Hindernis 
in seiner Thätigkeit bereiten kann. 
Ist das Gestein nun zu einer Art Asche verwittert, daun 
kommt es in imnier feiner und feiner siebende rotierende Trommeln, 
durch die fortwährend Wasser strömt und so all die leichtere Erde 
fortwäscht und nur den schweren und harten Steingrns übrig läßt. 
Die letzte Arbeit des Aussnchens der Diamanten geschieht danach 
durch Menschenhand. Unsere Abbildung zeigt vier Kaffern an 
einem Sortiertisch, auf dem jedes Atom Erde geprüft wird. 
Ueber zwölftausend Schwarze sind in den Diensten der Com 
panie und die Art, wie sie gehalten werden, ist ein bezeichnendes 
Beispiel, wie die Engländer, die so energisch für Humanität und 
Emanzipation der Neger bei den Transvaalboeren eingetreten sind, 
diese schönen Dinge in die Praxis umsetzen, sobald es sich um 
ihre eigenen Verhältnisse handelt. Die Neger müssen sich der 
Gesellschaft auf drei Monate verpflichten. Sobald sie diese Ver 
pflichtung eingegangen sind und die Schwelle des Gebietes der 
Companie überschritten haben, sind sie abgeschnitten von der ganzen 
übrigen Welt. So lange ihre Arbeitsschicht ruht, werden sie 
eingeschlossen in ihre Wohnstätte, einen umfriedigten Platz, der 
natürlich streng bewacht wird. Hier hat jeder einen kleinen 
Schuppen als Wohnung, in dem er auf der bloßen Erde schläft, 
und vor diesem sein Feuerloch im Boden, in dem er sich sein Essen 
abkochen kann. Verläßt einer die Arbeitsstätte, so wird er eine 
Woche lang noch besonders abgeschlossen und während dieser Zeit 
mit — Abführmitteln behandelt, um vielleicht verschluckte Dia 
manten zu Tage zu fördern. Die Schwarzen wenden natürlich 
Kunst und Wissenschaft. 
Die Standbilder in der Sieqesallee. Conrad von Burgsdorf in Gegenwart des Kaisers enthüllt. 
' Ihr Schöpfer C. von Uechtritz hat ein Standbild geschaffen, das, 
Mm 23. Dezember wurde in der Siegesallee die Bankgruppe ganz in dem reichen Formenschmuck der Hochrenaissance gehalten, 
des Kurfürsten Georg Wilhelm und der beiden für seine kennzeichnend ist für die Art dieses Hohenzollerufürsten, der seinen 
Zeit bezeichnenden Männer Adam Graf Schwarzenberg und Hofhält mit reichem Prunk umgab, während über seine Lande die
        
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