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Periodical volume Sonnabend, 19. Mai 1900 Nr, 20

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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Von der Pariser Weltausstellung. 
IV. 
W enn man von dem Annex in Vinecnncs absieht, wo die 
landwirtschaftlichen Maschinen, die Eisenbahnwagen, 
Lokoniotiven rc. natürlich ein ausgedehntes Areal be 
anspruchen, so ist das Marsfeld weitaus der umfangreichste Teil 
der Ausstellung, größer als das ganze übrige Gelände zusainmen- 
geiioiniiieii. Gleichzeitig bietet dieser Teil auch alles daSsenige, 
was vom praktischen Gesichtspunkt am meisten für den Wettkampf 
der Nationen in Betracht kommt: den Vergleich alles dessen, was 
jede derselben für den Fortschritt von Groß- und Kleingewerbe, in 
Anwendung der Wissenschaft und Kunst zur Erzeugung von Gütern, 
zur Vermehrung des körperlichen und geistigen Wohls der Mensche», 
können überall funktionieren. Früher wäre dies nur möglich ge- 
wcscn, wenn man über das ganze Gelände hin einen Wald 
qualmender Schlöte aufgebaut hätte. Heute bewirken dieses 
Wunder einige Kabel und Drähte. Giebt es einen anschaulicheren 
Beweis von der dezentralisierten Wirkung der modernen 
Technik? Stabt und Land hören ans, Gegensätze zu sein. Die 
Bildung dringt in die entlegensten Dörfer, Licht und Ozon in de» 
dichtesten Straßenknänel. 
Für den Augenblick freilich läßt die Transmission von Kraft 
und Licht noch manches zu wünschen übrig. Der Kobold „Kurzschluß" 
spielt noch seine Streiche, so daß die 40000 Pferdestärken der ixt 
Umfahrt J>r« prästdrnkrn Xunl'ci auf der seine. (Dcrgl. auch „Bär" Rr. 17.) 
zur Bekämpfung des Elends, zur Sicherung, Verschönerung, Ver 
edlung des Daseins leistet. Hier fordern nicht nur fertige Werke 
des Genies oder Geschöpfe kaum entdeckter Länder unser Staunen 
heraus, sondern hier sehen wir die Kultur im Werden auf allen 
Gebieten des Lebens — hier wird produziert, gearbeitet. 
Hier wird zunächst Licht und Kraft für die moderne Arbeit 
erzeugt und nach allen Teilen des Ausstellungsplatzes auf beide» 
Seine-Ufern, in die Abteilungen aller Industrie» und'aller Staaten 
verteilt. Dank der Elektrizität und den fest 1889 in ihrer Ver 
wendung und Uebertragung gemachten Fortschritten brauchen die 
Maschinen nicht mehr, wie auf den vorigen Wcltansstellnnge», in 
eine einzige Riesenhalle zusammengedrängt zu werden, sondern sie 
Elektrizitätspalast ausgestellten Dampsniaschinen, welche die 
Dynamos in Bewegung setzen, noch nicht überall zur Verwendung 
gelangen. Diese und jene Arbeitsmaschinen warten noch auf den 
„Strom", der sie beleben soll) die Kinematographen, die Rüntgen- 
apparate erstrahlen noch nicht, die mechanischen Musikinstrumente 
ertöne» noch nicht. Letzteres ist, beiläufig bemerkt, ein Mangel, 
der sich verschmerzen läßt. Besser ist es um die Textilindustrie 
bestellt: im Palast der Gewebe und Garne „dreht sich fleißig 
das Fädchen" und klappern die hundertfach verschiedenen Webstühle. 
Auch die Metallurgie beginnt in ihrem Palast bereits ihre 
Wunder zu zeigen. Anderwärts sehen wir Holzbearbeitungs 
maschinen die einzelnen Teile prächtiger Möbel bis zur Volleudnng
        
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