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Periodical volume Sonnabend, 5. Mai 1900 Nr, 18

Full text: Der Bär Issue 26.1900

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die Akademie uns diese Ausstellung vorführt. Das Wirken des 
Meisters im letzten Jahrzehnt hat gezeigt, daß irgend welche 
Wandlungen in der Art seines Schaffens nicht mehr bei ihm vor 
gehe», als gefestete, sich nicht mehr verändernde Erscheinung steht der 
Name Paul Meyerheim am deutschen Knnsthimniel, und deshalb 
kann diese Ausstellung eine jedem willkommene Gelegenheit bieten, 
die Entwicklung, das Werden dieser Erscheinung zu beobachten. 
Zunächst giebt die Ausstellung ein geradezu überraschendes 
Bild von der Reichhaltigkeit dieses in neununddreißig Jahren ge 
schaffenen Werkes) es hätte hier aber auch wohl nicht geschadet, 
wenn sie etwas weniger 
reichhaltig gewesen wäre. 
Auch der größte Meister 
schafft nicht immer gleich 
mäßig vollwertige Arbeiten, 
wenn man auch im kleinsten 
Pinselstrich von ihm ex 
ungue leonem erkennen 
wird 
Meyerheims ganzes Leben 
hat sich im Sonnenschein 
unter bevorzugten Verhält 
nissen abgespielt. Aus einer 
Familie stammend, in der 
künstlerische und kunsthand 
werkliche Bethätigung seit 
Generationen unnnter- 
brochen geübt wurde, hatte 
er schon den großen Vor 
zug, in stetem Verkehr mit 
der Kunst aufzuwachsen. 
In der Werkstatt des von 
ihm innig verehrten eigenen 
Vaters, Eduard Meyer- 
heim, machte er sich das Handwerk seiner Kunst zu eigen in 
einem Alter, wo andere, nur mit unklaren Begriffen beladen, 
kaum ahnen, wieviel dieses Handwerkliche in der Malerkuust 
bedeutet. Wie ernst er's aber dann mit dem systematischen 
Studium in seinen Akadeniiejahreu 1859—62 nahm, davon zeugt 
der gezeichnete Studienkopf, den er in der Klasse des Professors 
Holbein schuf (Nr. 148 des Katalog). Bald begann er dann 
wieder im Atelier seines Vaters und ans eigene Faust zu arbeiten, 
von Anfang an mit ruhigem Zielbewußtsein den früh als richtig 
erkannten Weg ohne Abschweifungen verfolgend. Bald entwickelte 
sich seine Vorliebe für die Schilderungen der Tierwelt, und emsige 
Studien im Zoologischen Garten in Berlin sicherten ihm die 
Grundlage dafür. Auf zahlreichen Reise», zuerst in der engeren 
Heimat, denen dann ein längerer Aufenthalt in Paris folgte, er 
weiterte er seinen Gesichtskreis und erwarb jene unglaubliche 
technische Virtuosität, die mau später an seinen Werke» be 
wunderte. Nie hatte er in seinem Leben mit dein Todfeind so 
vieler junger Talente, der materiellen Not, Berührung gehabt, und 
ivie er hierin ein Bevorzugter war, so auch in seinen Erfolgen: 
denn schon früh begannen sich die höchsten Ehrungen der Kunst 
bei ihm einzufinden) schon 1866 erhielt er in Paris eine Medaille 
und 1868 die große Medaille in Berlin. Seit 1875 ist er Mit 
glied der Akademie und seit 1899 Senator. 
Natürlich spiegelt sich der Sonnenschein, der stets über diesem 
auserivählten Künstlerleben geleuchtet hat, auch in Meyerheinis 
Werken wieder. Wer da sentimentale oder melancholische Züge suchte, 
würde kaun, ctivas finden. Stets weht einem eine frohe, heitere 
Weltanschauung ans diesen Bildern entgegen. Die Freude ist der 
innsikalische Schlüssel für diese Notenreihen) die Freude an der 
Erscheinung, die Freude an der Farbe, die Freude an Witz und 
Humor, die Freude an der technischen Geschicklichkeit, aber als 
wichtigstes die freudigste Verehrung vor der Allmutter aller Kunst, 
der Natur. Das gerade läßt selbst das gleichgilligste und nn- 
wesentlichstc Werk eines Künstlers erst zum Kunstwerk werden, daß 
eine innige, treue Verehrung für die Natur, ein ehrliches Studium 
ihm die unzerstörbare Grundlage giebt. 
Interessant ist aber doch, wie sich im Werk Paul Meyerheims, 
trotzdem es so ganz auf den Gesamtklang der Lebensfreude ge 
stimmt ist. die Entwicklung der Weltanschauung vom Jüngling 
zum Mann auch durch die künstlerische Auffassung ansspricht. In 
den ersten Werken, die stille, innige Erfassung der Natur und ihre 
Schilderung ohne persönliche Nebenbemerkungen, später dann sieht 
er als gereifter Mann die Welt mit dem Auge des lackenden 
Phhilosophen. Er malt - seinen Humor auch in seine Bilder 
hinein) er wird dabei als Weltmann aber nie beleidigend und 
ausfallend, denn selbst seine satirischen Affenbilder sind nie 
verletzend. 
Alle Versuche, einem noch lebenden Künstler seinen Platz in 
der Geschichte der Kunst anzuweisen, müssen billigerweise unter 
bleiben) denn eS kann niemals ein Mensch die Geschichte der 
Gegenwart schreiben. Die Fäden des Werdens, Entstehens und 
Vergehens liegen immer nur für die Vergangenheit offen. Es ist 
daher sicher unmöglich, einen bestimmten Platz für Meyerheim in 
der Kunstgeschichte zu reklamieren. Das ist aber heute schon sicher, 
daß dieser Platz ein hervorragender sein wird. 
Me Verwaltung auf Samoa. 
8 s ist ein alter Prinzipieustreit, wer zur Verwaltung von Kolonien 
am meisten berechtigt sei, die Marine oder ein besonderes 
Kolonialamt. In Frankreich hat dieser Gegensatz bei dem Gesetz 
über die Reorganisation der Kolonialarmee vor kurzem noch im 
Parlament heftige Debatten gezeitigt, aber auch bei uns fehlt er 
nicht. Es ist leider auch bei uns ein Dualismus eingeführt, der 
viele Kosten verursacht und dem Ganzen schadet. Auch als Samoa 
deutsch wurde, gingen sofort zwischen Wilhelmstraße und Leipziger 
Platz Verhandlungen hin und her, wer die Verwaltung der jüngsten 
Kolonie übernehmen sollte, das Reichsniarineanit oder das Kolonial 
amt. Da Samoa als Schiffahrtsstation und strategischer Stütz 
punkt für unsere Marine von Bedeutung werden kann, so hatte 
das Reichsmarineamt einen Vorsprung. Und in der That waren 
die Verhandlungen bereits soweit gediehen, daß zwei Marine 
offiziere die Verwaltung Übernehmen sollten. Im letzten Augenblick 
aber zog das Reichsmarineamt die Kandidatur seiner Offiziere 
zurück, weil es diese nicht entbehren konnte. Man kam dann 
zu einer sehr einfache» und natürlichen Lösung der Frage, indem 
man den bisherigen Präsidenten dcr Mnnizipalverwaltung von Apia, 
Dr. W. Solf, znm Gouverneur ernannte. Dies hatte verschiedene 
Vorzüge) einerseits sparte das Reich die Uebersiedlungskosteu für 
den Gouverneur, die nicht ganz unerheblich sind, dann ist Dr. Solf 
mit den Verhältnissen, die ihn in seiner Stellung umgeben, bereits 
bekannt. Die Vermutungen, die hier und da laut geworden waren, 
es würde der geschickte Vertreter der deutschen Interessen aus 
Samoa, Generalkonsul Di'. Rose, zum Gouverneur ernannt werden, 
beruhten auf Unkenntnis des Samoavertrages, der die Ab 
berufung sämtlicher Konsuln vorsieht. Außerdem hätte man 
deutscherseits einen Generalkonsul auf diesen Posten schon deswegen 
nicht gestellt, weil mau die anderen Mächte nicht veranlassen wollte, 
auch ihrerseits höhere Konsnlarbeamte dorthin zu senden, was 
wegen der verwickelten Arbeiterfrage in der Südsee die alten 
Konsularzwistigkciten dauernd gemacht hätte. Dr. Solf ist 38 Jahre 
alt. Er hatte sich nach Absolvierung des Abiturientenexamens zu 
nächst sprachwissenschaftlichen Studien in Berlin zugewandt. Am 
Orientalischen Seminar in Berlin lag er dem Studium besonders 
des Sanskrit ob und ist in dieser Hinsicht auch in Verbindung 
mit Professor Kielhorn in Göttingen litterarisch an die Oefsent- 
lichkcit getreten. Seine philologischen Studien führten ihn von 
Berlin nach London und von dort nach Kalkutta, wo er zwei 
Dr. W. Solf, Gouverneur von Samoa. 
Jahre im Konsulat thätig war. Sein Hauptzweck bei diesem 
Aufenthalt war aber auch die indische Sprachforschung. In 
Kalkutta aber faßte er Neigung für die diplomatische Laufbahn, 
und da diese nur für Juristen Aussicht auf Erfolg bietet nach 
preußischem VerwaltuugSprinzip, so ging Dr. Solf nach Berlin 
zurück, studierte Rechts- und Staatswissenschaften, erledigte seine 
juristischen Examina und trat als Assessor in die Kolonialabteilnng 
des Auswärtigen Amtes ein. Von hier wurde er als kaiserlicher 
Richter »ach Dar-es-Salaam gesandt, blieb dort ein Jahr und
        
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