Path:
Periodical volume Sonnabend, 28. April 1900 Nr, 17

Full text: Der Bär Issue 26.1900

Vereins für VolkSerziehnng gehört. Die Krippe ist durchschnittlich mit 
24 Kindern belegt und an allen Wochentagen geöffnet. Die Mütter 
können schon um 6 Uhr früh ihre nicht schulpflichtigen Kinder 
bringen, und es giebt Säuglinge von acht Tagen, die zu den 
regelmäßigen Pfleglingen der Anstalt gehören. Für jedes Kind 
sind täglich für Abwartung und volle Verpflegung 20 Pfennig zu 
zahlen, doch wird auch ein Wochenabonnement mit 1 Mark be 
willigt. Die Mütter bringen die Kleinen meist in Kinderwagen 
nach dem Untergeschoß des Hauses und liefern sie hier im Anf- 
nahmeraum ab. Die größeren Kinder, die schon laufen können, 
legen hier ihre Oberkleidung ab und erhalten Anstaltsschürzen. 
Die Babies werden entkleidet, in Anstaltswäsche gesteckt und in 
Körben, in denen Betten liegen, nach dem oberen Stockwerk in 
das Badezimmer gebracht. Hier erhalten sie in dem außerordentlich 
sauberen und praktisch eingerichteten Raum ein Bad, dann kommen 
sic in weiße, saubere Bettchen und in einen sauberen Kinderwagen, 
der mit Vorhängen versehen ist. Es stehen in einem Zimmer 
zwanzig solcher Kinderwagen mit kleinen Insassen, und es ist ein 
ebenso rührender wie erfreulicher Anblick, die sauberen Kinder in 
ihren sauberen Bettchen zu sehen. Die größeren Kinder halten sich 
unter ständiger Aufsicht im Spielzimmer auf, wo sie sich allein 
oder unter Anleitung beschäftigen. 
Eine Viktoriaschwester und zwei Dienstmädchen besorgen die 
ganze schwere Arbeit, und hin und wieder kommen Damen zur 
freiwilligen Aushilfe. Ein Arzt sieht täglich nach den Kindern 
Jin Sommer steht für die Kinder eine offene, glasgedeckte Veranda 
zur Verfügung, wo die Kinderwagen mit den Babys ausgestellt 
werden und die größeren Kinder unter Aussicht sich aufhalten. In 
der Küche herrscht natürlich der Soxhletapparat vor, aber es wird 
auch für die größeren Kinder gekocht, von denen jedes in einem 
Regal sein besonderes Eßnäpfchen hat. Die Köchin kommt nicht 
in die Kinderzimmer und die Pflegerinnen nicht in die Küche, damit 
alle Infektion und Keimübertragung vermieden wird. In einem 
besonderen Zimmer stehen zehn Bettchen, in denen nach dem Essen 
die „Größeren" eine Stunde schlafen können. Waschküche und 
Plättstube dienen den weiteren Zwecken der Bewirtschaftung dieses 
Instituts. 
Bewundernswert ist die Sauberkeit, die Sorgfalt, die praktisch 
hygienische Handhabung iin ganzen Betrieb. Schade, daß die 
Wohlthaten dieser Anstalten nicht vielen Tausenden von Kindern 
zu teil werden können. 
Die Mütter holen ihre Kinder am Abend ivieder ab. Die 
Kleidung der größeren, die Wäsche der kleineren ist unterdes den 
ganzen Tag über gelüftet worden. Gewöhnlich wird mit der Er 
nährung und Abwartung, sowie durch die traurigen Wohnungs 
verhältnisse zu Hause an den Kindern am Sonntag wieder ein 
Teil von dem verdorben, was die Krippe die Woche über ihnen 
gutes gethan hat. 
Berliner Kinderkrippe: In der Spielsrhrrle.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.