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Periodical volume Sonnabend, 21. April 1900 Nr, 16

Full text: Der Bär Issue 26.1900

261 
Städte- und Landschaststnlder. 
(Schluß.) 
Lübeck. 
(Nachdruck necOoten.) 
Aus der einst mächtigen Königin der Hansa war im Laufe 
der Zeit eine kleine Stadt mit 20 000 Einwohnern geworden, die 
den letzten Rest ihrer politischen Bedeutung eingebüßt hatte. Ueberall, 
wohin man blickte zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Stagnation 
oder gar Rückgang! Und doch kamen auch für Lübeck wieder bessere 
Tage! Die Einwohnerzahl hat sich im letzten Jahrhundert 
nahezu vervierfacht,' diese Thatsache allein ist der sprechendste 
Beweis dafür, wie mächtig sie in jeder Beziehung vorwärts kam. 
Anfänglich ging es mit ihrem Wiederaufblühen freilich sehr langsam) 
hatte sie im Jahre 1870, als Deutschlands Sehnsucht nach einem 
starken Kaiser endlich gestillt wurde, doch erst 31 849 Einwohner! 
Aber von da ab entwickelte sich Lübeck schnell und kräftig, und 
jetzt schauen die Lübecker mit Stolz auf das zurück, was sie be 
sonders in den letzten zwanzig Jahren erreichten. 
Heute steht Frau Lubeca trotz ihres ehrwürdige» Alters wieder 
jngendfrisch da und hält treue Wacht über eine wohlhabende Stadt. 
Ja, wohlhabend ist, sie dank dem soliden Bürgersin», der in ihr 
nicht erstarb, wieder geworden, und ihr Handel hat sich von neuem 
entfaltet. Und doch steht Lübeck sozusagen erst am Anfang 
der Entwicklung! Große Opfer hat die Bevölkerung gebracht, und 
weitausschauende Projekte wurden entworfen, deren Verwirklichung 
unserem Handel dienen soll. Das weitaus bedeutendste derselben, 
der Elbe-Trave-Kanal, ist bereits so gut wie fertiggestellt, und ohne 
Zweifel wird er Lübeck im neuen Jahrhundert seinen Stempel aus 
drücken. Die Hansastadt erhofft viel, sehr viel von ihm, und daher 
Hau» drv SchiffergesrNschafl. 
(9itus) eiiiev Aufnahme von (fvitcfto Tesdorpf, Ouiiftmtlag in SiiOect.) 
das von Professor Bolz-Karlsruhe stammt. Ein weiteres Denkmal 
besitzt Lübeck in dem Siegesbrunnen auf dem Klingenberge. Es 
besteht aus der Statue der Germania und vier allegorischen Figuren 
(Wehrkraft, Ackerbau, Handel und Geiverbe, Kunst und Wissen 
schaft)) außerdem enthält es Wappenschilder des deutschen Reichs, 
- Lübecks, Bismarcks-und Moltkes. 
Das Hans der Kaufmannschaft birgt hinter seiner schön 
getäfelten Diele das berühmte Friedenshagensche Zimmer, dessen 
Wände mit hohen, trefflich geschnitzten Holztäfelungen und Alabaster 
reliefs verkleidet sind. Als Verfertiger des Schnitzwerks gilt Hans 
Drege, dessen Name sich daran befindet. 
Die starken Befestigungen, die das mittelalterliche Lübeck um 
gaben, sind freundlichen Promenaden gewichen, die den größten 
Teil der Stadt umziehen. Fortivährcnd wechselnde Blicke über 
die Stadt, dabei auf den einstigen Fcstnngswällen selbst der 
Schatten von Linden und Buchen und die angenehme Ab 
wechslung von Hügel nnd Thal, wobei auch das die Landschaft 
belebende Wasser nicht fehlt, das ist das Bild, das die Lübeckschen 
Wälle bieten. Im Norden der Stadt erhebt sich, was noch 
hervorgehoben sei, das hochinteressante Burgthor, das aus dem 
Jahre 1444 stammt. Es ist ein gotischer Ziegelrohbau mit 
glasierten Schichtel, und Ornamenten. Seine frühere Helmspitze, 
die von vier Ecktürmchen geziert wurde, ward im Jahre 1685 
zerstört und durch das jetzige Renaissancedach, eine welsche Haube, 
ersetzt. 
Warirnkivehe. 
(Nach einer Aufnahme von Ernesto Tesdorpf, Kunstverlag in Lübeck.) 
brachte sie auch ivillig die großen Kosten ans, die sein Ban er 
forderte. Allein, eS müßte noch mehr gethan werden, wenn die 
Hoffnungen, die man auf ihn setzt, in Erfüllung gehen sollen. 
Daher haben die gesetzgebenden Körperschaften in den letzten 
B manuel Geibel gehörte zu den Stammgästen des Schiffer- 
hauses, und pietätvoll hat man hier an seinem Lieblingssitz 
eine Büste von ihm angebracht. Auf dem Platz vor dem 
Schisferhanse erhebt sich ein sehr gutes Denkilial des Dichters,
        
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